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Nr. 2.

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Samstag, den 16. Januar 1932.

gen.

Lokales.

Sonntagsgedanken.

Hoch klingt das Lied vom braven Mann.

,, Gießener Zeitung"

Mit staunendem Interesse hörte man bei dieser Gelegen= heit, daß im Jahre 1930 die Einfuhr zubereiteter Fische aus dem Ausland nach Deutschland nicht weniger als rund eine halbe Million Zentner betrug! Es liegt daher nicht nur im gesundheitlichen, sondern auch im volkswirtschaftlich- vaterlän­dischen Interesse, wenn wir uns angelegen sein lassen, stets die der ausländischen Ware mindestens gleichwertigen deutschen Fischkonserven zu kaufen.

,, Wozu in die Ferne schweifen, seht das Gute liegt so nah." Für die kommenden ,, vitaminarmen" Wochen kann man den deutschen Hausfrauen daher nur den Rat geben: Kauft und est Seefisch, kauft und eßt deutsche Fischkonserven! Damit werden Ihr nicht nur der Gesundheit Eurer Familie dienen, sondern gleichzeitig auch wertvolle, praktische Winterhilfe leisten.

Es ist Notzeit. Uberall in Stadt und Land. Und tau­fend Hände rühren sich um zu helfen. Ich will aber heute nur von denen reden, für die das Wort gilt, daß die Linke nicht weiß, was die Rechte tut. In den Wohltätigkeitslisten stehen fie unter ,, Ungenannt". Oder nur der erstste Buchstabe ihres Vor- und Zunamens ist zu finden. Mehr soll die Welt von inen nicht wissen, Und bei den Straßensammlungen werfen sit ihr Scherflein in die Büchse und gehen dann wieder unter in der Menge. Sie wollen fein Lob und feinen Dank. Viele find es, die heimlich und still heute ihr gutes Werk vollbrin Wenn man sie fennen würde, fände man oft manchen barunter, der selbst arm ist, aber doch noch gibt. Das werden aber einst die Reichen sein. Sie sind die Boten Gottes, der aberall nahe ist, wo Menschennot zum Himmelt schreit. Er wigt aud, mit goldenen Gewichten die kleinsten Gaben, die um so schwerer wiegen, je weniger Reichtum sie geben kann. Aber ihre Namen, die in den Tageszeitungen nur mit zweinig Wilhelm nahm sie an und erließ am 17. Januar 1871 eine Buchstaben angedeutet sind oder Ungenannt" heißen, werden dafür mit goldenen Lettern in das große Buch eingetragen, daß unser Herrgott über jeden sührt. Mein Sonntagslied lei aber diesen Braven gesungen:

,, Wer hohen Mut's sich rühmen kann, den lohnt nicht Gold, ben lohnt Gesang. Gottlob, daß ich singen und preisen kann, jufingen und preisen den braven Mann."

Vitaminarme Wochen.

Das letzte heimische Gemüse, das letzte Deutsche Obst ist vom Markt verschwunden. Obst und Ge­

müße sind aber, wie heute in Deutschland wahl jede Hausfrau weiß, die Haupträger der Vitamine, jener Ergänzungsnähr=

toffe, deren Fehlen besonders beim Kinde, aber auch beim Erwachsenen, allerlei Mangelkrankheiten auszulösen vermag. Bevar sind auch Butter und Milch neben der Kartoffeln, die aud) hier über manches hinweghelfen muß, wertvolle Vitamin­pender, aber ihr Gehalt ist in den Wintermonaten bei der notwendigen Stallfütterung wahrlich nicht allzu

erheblich

Eine wichtige und billige Hilfe stellen die verschiedenen Obst­äfte dar, sonst aber kommen im allgemeinen nur noch Apfel­fin en und Zitronen als Nothelfer in Betracht. Allein, beides find ausländische Früchte, deren man sich im Interesse der deut­schen Volkswirtschaft nicht bedienen sollte.

Wie vermag sich da die denkende Hausfrau zu helfen in der ,, vitaminlosen, der schrecklichen Zeit"? Die Antwort darauf lautet: Eßt Seefisch! Der Seefisch stellt eine billige, schmack afte, abwechslungsreiche und noch viel zu wenig gewürdigte Vitaminquelle dar, deren Qualität das ganze Jahr hindurch gleichmäßig gut ist. Vor allem die zur Volksernährung geeig= reten, billigen, fetten Fische, der Hering, die Sprotte, die Flander, aber auch Schellfisch, Kabeljau und Scholle sind hier Au nennen. Sehr wichtig ist es zu wissen, daß durch Kochen, Braten, Backen, durch Räuchern, Marinieren, wie überhaupt uch alle Arten der Konservierung, die Seefische von ihrem Vi­farmingehalt nichts einbüßen. Gerade die deutsche Fisch- Kon­erden industrie hat in den letzten Jahren einen weiteren er= reulichen Aufschwung genommen und vermag in jeder Bezie­jung mit ausländischen Firmen konkurrieren. Deshalb sollten mere Hausfrauen deutsche Fisch- Konserven weit mehr als bis­fer in ihren Küchenzettel aufnehmen und damit deutsche Ar­beit und deutsche Arbeiter werktätig unterstützen.

Diesem Gedanken hat auch ein vom Reichsseefisch- Ausschuß eranstalteter Werbeabend in Berlin beredten Ausdruck ver­lieben.

fimein, als aus ihnen wieder rausschaut

Mir ist es mehr

ds gleich, wo meine Angestellten spielen, nur möchte ich aus jotuna oder Rot- Weiß oder Blau- Grün oder Rot- Gelb keine frage für mein Bankhaus machen

,, Dann bitte ich ergebenst darum, Ihre Bemühung als einen At der Freundschaft gegenüber dem Kunden Kornberg anzu­ehen. Die Sache verlangt feine Uebereilung. Meinetwegen Da tten wir noch zwei, drei Wochen."

,, Gut, ich werden zu gegebener Zeit mit Lichti sprechen." Kornberg lentte die Unterhaltung wieder auf seine Börsen­interessen, dann griff er unvermittelt nach Hut und Stod, und ler: Bandier fam beinahe zu spät, um seinen Geschäftsfreund bis die Tür zu begleiten.

Als Hilde Gorenflo ihren Kollegen nach zartduftenden Brie­in den Tributen, die einem Fußballkönig zukomme, gefragt lattte, da wußte sie, daß bekannte Spieler bei gewissen Frauen lie: gleiche Chance haben wie Operntenöre, Stehgeiger und Her­reiter. Auch Roland Lichti hatte in dieser Beziehung schon in ige Erfahrungen gesammelt, nur hatten sie auf ihn feinen tindrud gemacht. Aber der Brief, den ihm während des Kom­Rejes der Chauffeur eines Privatwagens überreicht hatte, war to anderer Art. Jetzt im Büro entfaltete er nochmals das Sillett. Da stand Wort an Wort mit der Selbstverständlichkeit, fie das Vorrecht unabhängiger Menschen ist. Roland Lichti las: Sehr geehrter Herr Lichti!

Würden Sie die große Freundlichkeit haben, und der Mutter meines einzigen Sohnes, der sich zu seinem fünften Geburtstag als Geschenk eine Fußballausrüstung wünscht, die rötige Belehrung über das Was, Wie und wo eines solchen Cinkaufs geben? Sie könnten das telephonisch tun, aber be= glüdender wäre es, wenn wir uns Ihrer liebenswürdigen Führung anvertrauen dürften.

Zu Ihrem heutigen schönen Erfolge meinen Glückwunsch! Moch verstehe ich nur wenig von Ihrem prächtigen Sport. Aber mein Gefühl wird von dem Eindruck bestimmt. den seine Mepräsentanten auf mich machten. Daß dieser Eindruck ein ganz famoser und nachhaltiger war, das mögen Ihnen, ge erter Herr Lichti, Ihnen besonders und ganz persönlich, diese Beilen bezeugen.

Mit bestem Gruße Maria Hedemann, geb. Freiin Grotesend. Roland Lichtig las den Brief noch einmal. Ob ihm diese tonu vielleicht mehr zu sagen hatte, als in dem Briefe stand? Cote er ihn beantworten? Oder ihn Dr. Kurth zeigen? Oder enem seiner Klubkmeraden? Nein-es gab ja noch ein Le­en außerhalb der rotweißen Grenzpfähle!

Die anderen aus der Mannschaft der Wollersen, Pirchan, Lonewald suchten die sich ihren Verkehr nicht auch nach ihrem Gehmack? Vielleicht war es höchste Zeit, daß er auch wieder Inschluß an solche Kreise bekam, bei denen sich nicht alles um en Fußball drehte, der schließlich doch nur von Leder war. Er holte sich das Adreßbuch. Er las: Maria Hedemann,

* Zum Reichsgründungstag. Seit der Gründung des Deutschen Reiches sind am 18. Januar dieses Jahres 61 Jahre verflossen. Bereits am 9. Dezember 1870 nahm der Reichstag die Verträge an und änderte den Namen des Bundes in ,, Deut­sches Reich" um. Am 18. Dezember wurde dem König Wil­helm in Versailles die deutsche Kaiserkrone angetragen. Rö­

Proflamation an das deutsche Volf, worauf am 18. Januar im Spiegelsaale des französischen Königsschlosses zu Versailles der König zum Kaiser Wilhelm I gekrönt wurde.- Welche Fülle der Ereignisse liegt in den 61 Jahren ,, Deutsches Reich'! Sein Aufstieg, die Höhe seiner Macht und... sein Abgleiten bis heutigen Tags. Möchte uns eine fräftige Welle bald wieder aufwärts tragen! Das ist heute der heiße Wunsch aller wahrhaft Deutschen.

* Helfen! Die Verelendung unseres Volkes hat einen solchen Grad erreicht, daß den kommenden Wochen und Mo­naten vielfach mit größter Besorgnis entgegengesehen werden muß. Wie viele alte, arme Leute gibt's, die nicht wissen, wo­mit sie ihren herabgekommenen Körper kräftigen sollen, Von den Scharen der Arbeitslosen, denen schon das Heranschaffen und Bezahlen von Heizmaterial den Kopf schwer macht, gar nicht zu reden! Hier ist der barmherzigen Nächstenliebe ein schönes Feld der Betätigung gegeben! Helft, die ihr noch gute Arbeit und ausreichenden Verdienst habt, helft euren Brü­

dern und Schwestern! Denkt nicht ,,, andere könnten auch etwas tun". Geht tapfer mit gutem Beispiel voran. Das Bewußt sein, sein Möglichstes zur Linderung der Not getan zu haben, löst herrliche Gefühle für den aus, in dem nicht alles Gefühl erstorben ist.

* Brotpreis- Ermäßigung.

Die Bäcker- Innungen Gießen­Stadt und Gießen- Land haben das 4- Pfund- Mischbrot von 85 auf 83 Pfg., das 4- Pfund- Roggenbrot von 75 auf 73 Pfg. ge= senkt.

* Gehaltskürzungen. Die Durchführung der ministeriellen Vorschrift zur Neuordnung der Gehälter hat im Kreise Gießen dazu geführt, daß die Gehälter der ehrenamtlichen Bürger­meister in sehr weitem Ausmaß herabgesetzt werden mußten. Zum Teil beläuft sich die Senkung der seitherigen Bezüge auf 50 Prozent und mehr. Trotz dieser Kürzung gehen an den Ge­hältern die sonst üblichen Abzüge noch ab, die sich auf eine Höhe von 14 bis 20 Prozent belaufen.

* Der Viehmarktboykott beendet. Der seit Mitte Dezember von den Viehhändlern gegen den hiesigen Vichmarkt geführte Boykott kann nunmehr als abgeschlossen angesehen werden, nachdem in erneuten Verhandlungen zwischen der Stadtverwal­tung und den Vertretern des Viehhandels zu Beginn dieser Woche eine Verständigung über Ermäßigung der Viehmarkt­gebühren erzielt worden ist.

* Fundsachen im Dezember 1931. Das Verzeichnis über die im Monat Dezember 1931 gefundenen bzw. abgelieferten Ge­genstände kann an der Anschlagtafel im Flur des Polizeiamts

134.

geb. Freiin Grotefend, Legationsratswitwe, Hindenburgstraße Richtig. Den Namen Hedemann hatte er oft in der Firma gehört. Der verstorbene Legationsrat mußte in der Schwer­industrie, im Saargebiet oder sonstwo, zu Hause gewesen sein. Nun­Hilde Gorenflo wußte da bestimmt Bescheid. Vermögens­verwaltungen für diese Sporte von glüdlicheren Zeitgenossen waren das Vorrechte des Prokuristen Windecker, und was der wußte, das wußte auch seine Sekretärin.

Er würde sich bei der Hilde erkundigen.

Maria.

Roland Lichtig sah aus dem Fenster. Wie große geheimnis­volle Segler 30gen die Wolken dahin, und da lachte beseligend ein Stückchen Himmelsblau.

Wenn er doch fliehen könnte aus der Enge des Büros, in die lachende lockende Ferne.

Er hatte die Feder aus der Hand gelegt. Seine Augen blidten verlegen, als der Prokurist wie zufällig an ihm vorbei­ging.

Entschuldigen Sie, Herr Lichti, wenn ich Sie aus Ihren gewiß sehr angenehmen Träumen in die rauhe Wirklichkeit zu= rückrufe."

Hilde Gorenflo stand neben ihm. Sie legte einen Stapel Briese auf seinen Tisch.

,, Dies, Herr Lichti, ist Ihre Post."

,, Sie scherzen wohl, Fräulein Gorenflo, soviel Eingänge habe ich sonst taum in der ganzen Woche erledigt.... Uebri­gens schade, daß Sie gestern so schnell auf und davon waren Sie sind doch nicht etwa eingeschnappt? Sollte ich Sie vielleicht ins Klubhaus einladen wir irgendein kleines Mädel? Erstens mag das Dr. Kurth gar nicht...

Sie sah ihn fühl an.

Was Sie sollen, was Sie sollten, Herr Lichti? Sie sollten jetzt die Effektenpost durchsehen, Herr Windecker hat vorhin so­wiejo gemeint: Hoffentlich spielt unser Lichti auch noch ein bißchen Bankbeamter!? Und der Chef denkt ganz gewiß nicht anders. Alles zu seiner Zeit. Die Heinzelmännchen, die Ihnen so manchen Tag die Arbeit abgenommen haben, sind- husch husch verschwunden."

Fortsetzung folgt.

Wer hat das Pulver erfunden? Humoristische Instruktionsstunde beim 4. Kg. bayr. Inf. Rgt. Meg.

Wer will unter die Soldaten, der muß haben ein Gewehr, das muß er mit Pulver laden und mit einer Kugel schwer.

So sangen die Kinder, wenn deutsche Retruten in die Ka­sernen einzogen, um ihre Vaterlandspflicht zu erfüllen; es war

Nr. 2.

Gießen, Landgraf- Philipp- Platz, eingesehen werden. Die Empfangsberechtigten werden aufgefordert, thre etwaigen Rechte innerhalb 2 Monaten beim Fundbüro während der Dienststunden geltend zu machen.

* Einbruch In der Nacht zum 12. Januar wurde im Bahnhof Abendstern ein Einbruch verübt. Die Täter drangen mittelst Nachschlüssel in das Stationsgebäude ein und entwen­deten, nachdem sie verschiedene Echubladen erbrochen hatten, zwei Blods Blankofahrkarten zweiter und dritter Klasse, einen runden Dienststempel ,, Bahnhof Abendstern" und eine auf dem Fußboden aufgeschraubte eiserne Kassette in der Größe von 55 X 42 X 35 Zentimeter. An dem Güterschuppen zertrüm­merten die Täter eine Fensterscheibe, wirbelten darauf das Fenster auf und stiegen ein. In dem Schuppen wurde von den Tätern nur eine Kiste gewaltsam geöffnet. Da der Inhalt nicht gefiel, verließen die Täter, ohne etwas mitzunehmen, wie­der den Schuppen. Der noch in der Dunkelheit angesetzte Po­lizeihund von der Landeskriminalpolizeistelle Gießen fand in einer Entfernung von 250 Metern vom Tatort eine rote Vor­stehermütze und die erbrochene Kassette. Aus dieser wurden von den Tätern etwa 10,- RM. Wechselgeld entwendet. Die sofort aufgenommenen Ermittlungen sind noch im Gange.

* Diebstähle. Aus einem Gebäude der medizinischen Uni­versitätsklinik wurden 10 Stallhasen entwendet, die zu Ver­suchszweden Verwendung fanden. Die Tiere sind geimpft und zum Genuß unbrauchbar. Weiter wurden gestohlen aus ciner Wohnung ein blauseidenes Damenkleid mit gelben Wermeln und ein schwarzer Marengorod mit Weste und mittelst Einsteigens aus einer Speisekammer ein Schinken. Ein um die Weih der nachtszeit entwendeter Rodelschlitten ist bei Kriminal= polizei sichergestellt. Personen, die zur Ermittlung der vor­genannten Diebstähle Angaben und bzgl. des Schlittens Eigen­tumsansprüche geltend machen können, werden ersucht, der Kri­minalabteilung Nachricht zu geben.

* ,, Wutz. fonnte die Ende des vergangenen Jahres Kriminalpolizei eine größere Anzahl von Personen ermitteln, die gewohnheitsmäßig dem Glücksspiel huldigten. Es wurde das Lotteriespiel sog., Wuh" gespielt, wobei Karten von 50 Reichspfennig bis 3, Reichsmart manchmal sogar bis 10,-- Reichsmark verkauft wurden. Die Umsätze waren teils recht erheblich. Die Spieler trafen sich gewöhnlich in einem hiesigen Kaffee oder in der Privatwohnung eines Mitspielers. Auch stellte in einem Fall ein Student sein Zimmer zur Verfügung, der bei jedem Hauptgewinn den Betrag in Höhe des Einsatzes als Vergütung für die Bereitstellung des Zimmers erhielt. So­weit festgestellt werden konnte, haben sich 17 Personen aus den verschiedensten sozialen Schichten an den Spielen beteiligt, die jetzt ihre Bestrafung zu erwarten haben.

* Aus dem Stadtheater. Bei ermäßigten Preisen wird am morgigen Sonntag- Nachmittag als Fremdenvorstellung die er­folgreichen Weihnachtsinszenierungen Die Wunderlampe", Weihnachtsmärchen von Werner Schmidt und Die Puppen­fee", Ballett von Haßreiter und Gaul, Musik von Bayer, gegeben. Edeta- Kaffee- Woche. Die in 430 Edeka- Genossenschaften ( Edeka Einkaufsgenossenschaft deutscher Kolonialwarenhänd­ler) organisierten 30 000 Edeka- Kaufleute mit über 32 000 Edeka- Geschäften veranstalten in der Zeit vom 23. bis zum 30. Januar 1932 eine Edeka- Kaffee- Woche. Die über das ganze Reichsgebiet sich erstreckende Werbewoche soll die Verbraucher nachdrücklichst über die besondere Leistungsfähigkeit der Edeka­Geschäfte in bezug auf Qualität und Preis einer der wichtigsten Kolonialwaren, des Kaffees, aufklären.

* Evang. Frauenverein. Einen Vortrag über ,, Notzeiten im Lichte der biblichen Wahrheit" hält am Dienstag, den

19. Januar, nachmittags 2.30 Uhr, Pfarrer Herrich- Wiesbaden in einer Versammlung der Gießener und oberhessischen Frauen­vereine.

ein ergögliches Bild, die aus allen Gauen Deutschlands zusam­mengetrommelten Zivilisten zu sehen. Schon nach einer Stunde waren sie zu Soldaten umgewandelt, nachdem sie auf der Kam­mer ihre Zivilkleidung mit der des Soldatenstandes vertauscht hatten, und ungewohnt fam sich jeder Einzelne darin vor, und kannte sich selbst bald nicht mehr.

Am nächsten Tage ging der geregelte Dienst vor sich, nach­dem der Kaffee gefaßt und die Stubenreinigung erledigt war, fing die Instruktionsstunde an dieselbe wurde von dem Re­frutenleutnant erflärt, meistens ein ganz junger Offizier, wel­cher die zukünftigen Vaterlandsverteidiger mit den Pflichten und Red ten belehrte, und in die Geheimnisse des militärischen Leben ein ührte

Der Refrutenoffizier, dessen Wiege nicht in den schönen baren blaumeinen re- rfätlen lag, sondern weit jerne im Often, wo die schwarzweißen Fahnen westen, verstand seine Refruten ebenso wenig, wie diese ihren Leutnant. Der baye rische Dialett ist halt grundverschieden Gegenüber dem scharfen citnreichen Srrodonida Der Herr Leutnant schrie die Re­fruten an, daß diefelben ganz ungenügende Antworten gaben und ganz vertattert wurden.

Der Herr Oberst des Regiments, ein durch und durch gerech ter Herr und Vorgesetzter, welcher rmt das Wohl jeiner Soldaten sehr besorot wor, erschien eines Morgens zur Instruktionsstunde; er hörte eine Zeit lang mit zu, doch geiielen ihm die Antworten der Refruten feineswegs, so daß er selbst die Fragen stellte.

,, Welche Waffe besitzt der Jrianterit?" Der zweite Mann im 1. Glied Das Gewehr. Herr Oberst"., Ganz recht, mein Sohn." Aus was besteht das Gewehr?" Der dritte Mann: Aus Schaft, Lauf. Schloßteile." Schön." Was tommt in das Gewehr?" Die Patronen, Herr Oberst." Der nächste Mann, aus was besteht die Patrone?" Patronenhülse, Zündkapsel, Pulverraum, Geschoß" ,, Ganz recht, nun der 3 Mann im zwei­ten Glied, jekt sind wir am Pulver, fönnen Sie mir sagen, Wer hat das Pulver erfunden?" Der arme Rekrut juchte mit feinen Augen Hilfe und sah. wie der Herr Leutnant mit dem Kopf nichte. Er platte heraus. Der Herr Leutnant hat das Pulver erfunden, Herr Oberst." Nein, mein Sohn, der nächste, aeben Sie ihm Bescheid." Unjer Herr Leutnant hats Pulver nicht erfunden." Nun hatte der Herr Oberst genug, zum Schluß richtete er an die Rekruten eine Ansprache, worin er dieselben ermahnte, vielmehr 3utrauen und Vertrauen zu ihren Vergejesten zu haben, he mären bereátigt, ihren Vor­ne etten in jeder Lebenslage um guten Rat anzugehen. Zu dem Flügelmann im 1. Glied sagte er ,, Stellen Sie einmal an mich eine Frage." Der Cefragte, ein derber Niederbayer, gab zur ontmort Entschuldigen. Sorr Oberst, jah'n Sie schon lang beim Militär?" Ernit Wegel, So Post Söchst a. M.

Kauft nur deutsche Waren!