Samstag, den 13. August. 1932.
Die Sühne für den Kasseler Waffendiebstahl.
Das Schöffengericht in Kassel verurteilte am Freitagnachmittag nach mehrstündiger Verhandlung wegen Waffendiebstahls aus der Schutzpolizeikaserne den Kaufmann Max Häger und den Kaufmann Viktor Voigt, beide aus Kassel, zu je fünf Monaten Gefängnis und Fräulein Clementine von Bischoffs= hausen wegen Mitwisserschaft an den Versteck der Waffen zu 35 Mark Geldstrafe. Die drei Angeklagten gehörten der Nationalsozialistischen Partei in Kassel an.
Hinrichtung eines Raubmörders.
Stuttgart. 12. Aug. Jm Lichthof des Stuttgarter Justizgebäudes wurde heute früh der 30 Jahre alte ledige Kraftwagenführer Gotthilf Lachenmeir aus Oppelsbohm( Oberamt Waiblingen), der am 22. Februar 1931 den Kaufmann Steiner aus Stuttgart ermordet und beraubt hatte, hingerichtet. Münchener Omnibus stürzt einen Steilhang hinunter.
München. An der steilen Bergstraße, die von Oberau bei Garmisch zum Kloster Ettal hinaufführt, ereignete sich am Donnerstagnachmittag ein schweres Autounglüd. Ein vollbesetzter Münchener Gesellschaftsomnibus stürzte auf der Fahrt bergauf den Steilhang hinunter und überschlug sich dabei. Einer der Passagiere war sofort tot, eine größere Anzahl wurde, zum Teil schwer, verletzt.
Keine Begnadigung des Raubmörders Reins durch die frühere preußische Regierung.
Berlin. Entgegen anderslautenden Gerüchten wird von zuständiger Stelle erklärt, daß der wegen Ermordung eines Geldbriefträgers zum Tode verurteilte Reins nicht von der alten preußischen Regierung begnadigt worden ist.
Eine seltsame Wette um Schmeling.
22 000 Dollar nicht angenommen.
Der bekannte kanadische Sportsmann Vale Mc.Kormat Boole hat seiner Entrüstung über die Entscheidung der Ringrichter im Borkampf Schmeling- Sharkey in seltsamer und kaum glaublicher Weise Ausdruck gegeben, und es wäre lächerlich, davon Kenntnis zu nehmen, wenn es sich bei diesem ungewöhnlichen Vorgang nicht tatsächlich um eine wahre Geschichte handelte, die zahlreichen hervorragenden Sportsjournalisten be= kannt ist und von ihnen bezeugt wird. Mc. Kormat Poole hatte vor dem Boxmatch eine Wette abgeschlossen, daß Sharkey siegen würde. Als nun durch den Spruch der Ringrichter Sharken zum Sieger erklärt wurde, erhielt Poole, der dem= gemäß die Wette gewonnen hatte, die schöne Summe von 22 000 Dollar ausgezahlt. Nun war aber Poole selbst bei dem Boxmatch anwesend, da er nicht nur ein begeisterter Verehrer des Borens, sondern auch ein guter Amateur ist. Nach der Verkündung des Urteils war Poole über alle Maßen über den Spruch entrüstet, und um seiner Empörung über die Ungerechtigkeit des Urteils Ausdruck zu geben, weigerte er sich, die bedeutende Summe, die er rechtmäßig gewonnen hatte, zu behalten, sondern gab sie dem Verlierer zurück, wobei er sagte:
,, Dem Richterspruch nach habe ich zwar Recht behalten. Da dieser Spruch aber eine ungeheure Ungerechtigkeit darstellt, so ist in Wahrheit meine Meinung falsch gewesen. Ich habe noch nie in meinem Leben etwas gesehen, das an Ungerechtigkeit dem Spruch gleichkam, der am Dienstag des Boxtampfes, gefällt wurde. Ich bin empört, daß Schmeling da= runter leiden muß. Ich bin aber weit entfernt davon, diese Ungerechtigkeit zu meinem Vorteil auszunuzen und mich an dem Geld zu bereichern, das mir nicht zukommt."
Es wird nicht viel Menschen auf der Welt geben, die ähn= lich gehandelt haben würden in Anbetracht der gewaltigen Summe, die auf dem Spiele stand. Wenn es nicht vollendete Wahrheit wäre, könnte es eine Geschichte über den Edelmut und Gerechtigkeitssinn der Menschen sein.
Der Einfluß des Radfahrens
auf Muskeln und Nerven.
Sportsinn und sportliche Betätigung haben in den letzten Jahren einen ungeheuren Ausschwung genommen. In weiten Kreisen, wo man früher auf größte Gleichgültigkeit, ja schroffe Ablehnung dem Sport gegenüber traf, begegnet man heute regstem Interesse an sportlichen Dingen und eigener sportlicher Ausübung. Was auch der Grund zu diesem so plötzlich auftretenden Wunsch nach ausgiebiger Körperbewegung sein mag, die Pflege der Leibesübungen jeder Art ist ein begrüßenswertes Mittel zu einem erstrebenswerten Zwed; ein Mittel, den Körper zu stählen, zu fräftigen, ihn widerstandsfähig zu machen ge= gen alle schädlichen Einflüsse.
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In der Medizin wird heute die Pflege der Leibesübungen als ein wertvolles Heilmittel bei den verschiedensten Erkrankungen angesehen, mehr noch wegen ihrer vorbeugenden Wirkung geschätzt. Der Körper des Kopfarbeiters, der den größten Teil des Tages über seinen Schreibtisch gebeugt sigt, noch mehr der des Handarbeiters, der bei den heutigen Fabrikbetrieben seine stets gleich bleibende Bewegung in oft unglücklichster Stellung ausführt, schreit nach freier Ausarbeitung, vor allem in der heutigen Zeit der wirtschaftlichen Not und der feuchten, viel zu engen Wohnräume.
Welcher Art die sportliche Betätigung ist, entscheidet naturgemäß Geschmad und Vorliebe eines jeden für diesen oder jenen Sportzweig; jeder hat seine besonderen Vorzüge. Wenn sich das Radfahren einer besonderen Beliebtheit erfreut, so mag dies z. T. an dem Umstand liegen, daß das Rad den Menschen rasch aus dem engen, drückenden Häusermeer hinausträgt in die helle, strahlende Sonne und in die frische, würzige Luft. Licht und Luft zwei mächtige Heilfaktoren! Mehr und mehr wird der heilbringende Einfluß des Sonnenlichtes erkannt und verwandt, gibt es doch Krankheiten, die heute- im Gegensatz zur operativen Methode früherer Zeiten lediglich durch
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die Sonnenstrahlen behandelt und geheilt werden.
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Betrachtet man eingehender die Wirkung radfahr- sportlicher Betätigung auf den menschlichen Körper, so ist naturgemäß am auffallendsten der Einfluß auf die Muskulatur. Sie gewinnt sowohl an Kraft als auch an Ausdauer. Die Muskeln werden nicht wie bei den Schwerathleten und Ringern stark entwickelt eine Folge einer sehr großen Anstrengung mit einmaliger Zusammenziehung des Muskels sondern sehnig, frei von überflüssigen Bestandteilen; die Einzelspannung ist nicht so groß, aber dauernd, wodurch schließlich auch eine recht hohe Arbeitssumme zustande kommt. Was die Ausdauer eines Musfels anlangt, so hat man berechnet, daß sie bei regelmäßigem Training von 12 Wochen Dauer um 1143 Prozent gesteigert werden kann; diese enorme Steigerung wird darauf zurüdgeführt, daß der Muskel oder die Muskelgruppen durch ihre Tätigkeit immer mehr mit kleinsten Blutgefäßen versorgt wer= den, die schließlich eine raschere Entfernung der sauren Stoffwechsel- Produkte, die die Ermüdung hervorrufen, und eine bessere Versorgung mit sauerstoffhaltigem Blut ermöglichen.
Hand in Hand mit der Kräftigung der Muskeln geht die der Gelenke und Knochen. Die Bänder der Gelenke werden fester und elastischer, der ganze Körper beweglicher, und die Knochen, durch die Tätigkeit der an ihnen ansetzenden Muskeln gereizt, werden stärker und dieses von größter Wichtigkeit für die heranwachsende Jugend in ihrem Wachstum angeregt.
Von großer Bedeutung ist die Wirkung des Radfahrsports auf die Lungen. Die Atmung ist in der Ruhe sehr gering, nur ungefähr ein Siebentel der gesamten Lungenoberfläche beteiligt sich an ihr, vor allem die Lungenspitzen, der Wohnort der gefürchteten Lungentuberkulose, sind kaum in Tätigkeit. Dazu kommt die oft durch den Beruf bedingte Inhalation schädlicher Gase und Dämpfe und das Einatmen staubförmiger Abfallstoffe. Bei jeder körperlichen Arbeit erhöht sich die Lungentätigkeit; es muß dem Blut mehr Sauerstoff zugeführt werden, die Leistung der Lungen kann auf das zwanzigfache steigen, wobei zu berücksichtigen ist, daß in der Ruhe bei 12-14 Atemzügen in der Minute 5-7 Liter Luft eingeatmet werden. Infolgedessen wird die Lunge viel besser durchblutet und Krankheitsfeime können sich viel weniger ausarbeiten oder lebensfähig halten, wozu noch kommt, daß der Radfahrer rasch frische, reine underdorbene Lust aufsuchen kann.
Durch die größere Durchblutung des Körpers wird weiter das Herz gekräftigt. Die Herzmuskeln werden mehr zur Arbeit herangezogen, infolgedessen wie die Skelettmuskeln kräftiger und allen inneren und äußeren Anforderungen gegenüber leistungs- und widerstandsfähiger; überflüssiges Fett, das die Herztätigkeit start, ja bedrohlich einschränken und behindern fann, wird weniger angesetzt. Hierbei muß aber gleichzeitig vor dem Zuviel gewarnt werden. Bei der günstigen Verteilung der Fahrtätigkeit auf starte Muskelgruppen kommt die zu leistende große Arbeit nicht zum Bewußtsein, und so fonn es bei übertriebenem Training und zu start forcierten Augenblidsleistun= gen 3. B. schnelles Bergauffahren zu großen Herzverände= rungen kommen, zumal bei unvernünftiger Lebensweise, starken Mißbrauch von Alkohol und Nikotin.
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Man wird nun ohne weiteres zugeben müssen, daß unter Sporttreibenden viel weniger gesündigt wird in Beziehung auf Gebrauch von schädlichen Genußmitteln als unter denen, die tagein, tagaus im Hause sitzen, wo die Eintönigkeit und vielleicht auch Gemütlichkeit geradezu zum Wohlleben verführt. Wenn auch vielleicht übertrieben wird, daß der Alkohol und der Tabak keine harmlosen Menschenfreunde sind, ist heute nicht
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mehr zu bestreiten; ihre Wirkung auf das Herz, das gesamte Gefäßsystem und auf das Nervensystem ist leider nur zu befannt. Was das Nervensystem betrifft, so muß auch hier von der ungemein günstigen Wirkung des Radfahrsports gesprochen werden. Beschäftigung aller Art gilt als wichtige Kurbehandlung bei einer großen Anzahl Nervenleiden, und viel Bewegung in frischer Luft wird jedem Nerven- und Gemütskranken dringend angeraten als Ausgleich zu der oft so niederdrückend empfundenen Eintönigkeit in Beruf und Häuslichkeit.
Bezugspr
Redaktionsfchl endung nicht
Aus H. Jal
Wenn man endlich noch die appetitsteigernde Wirkung be rücksichtigt, und das ständige Vibrieren des Rades und des Körpers auf dem Rade, besonders auf Kopfsteinpflaster, als eine nicht zu verachtende Massage ansieht, kommt man zu dem Schluß, daß die Ausübung des Radjahrsports einen außerordentlich wohltuenden Einfluß auf den menschlichen Organis mus hat, und vom ärztlichen Standpunkt eine törperliche Ausarbeitung auf dem Rade durchaus empfohlen werden kann. Es muß dabei allerdings betont werden, daß schlechte Haltung, übertriebene Leistungen und unvernünftige Lebensweise anstatt zur Kräftigung und Stärkung des Körpers zu seiner Schädigung führen können; weshalb man dringend zu nur vernünftiger Ausübung dieses Sportes raten kann. In diesem Sinne aber wird der Radfahrsport niemals seinen wohltätigen Einfluß auf Körper und Geist vermissen lassen.
Neue Bücher.
Deutsche Landschaft in Wort und Bild. Die Schönheit der deutschen Landschaft in ihrer unendlichen Mannigfaltigkeit, ihrem bezaubernden Reiz, ihrer gewaltigen Erhabenheit in Wort und Bild festzuhalten und sie durch unsere besten Dichter und Künstler dem deutschen Volk und unserer Jugend vor Augen zu führen, ist die Aufgabe dieser Samm lung. Aus der Enge des Häusermeeres, aus Staub und Qualm der Großstadt treibt es alle Sehnsüchtigen, junge und alte, von Jahr zu Jahr immer wieder hinaus ins Freie, die Schönheiten der Natur zu erleben, und aus diesem Erleben geistige und seelische Werte zu schöpfen, die höher stehen als jene materiellen, die uns durch die Not der Zeit vorenthalten bleiben. Freund und Führer dazu will diese Sammlung sein. Aus Stimmen und Stimmungen, aus vielen kleinen Zügen sucht sie das Antli der deutschen Landschaft zu zeichnen, von der Eigenart ihrer Bewohner, von ihren Sitten und Gebräuchen, von ihren Freu den und Leiden, ihren mühseligen und glückhaften Stunden weiß sie zu erzählen. Neben den Worten unserer besten Dichter, neben den eindringlichen Schilderungen eines frohen Wandergesellen, stehen Sage und Märchen, die das Volk selber gedichtet hat. Die Auswahl der Terte besorgte der bekannte Schulmann Reftor Hanns Gieseler. Viele schöne farbige und schwarze Bilder unserer besten Maler umschließen das Ganze wie ein fostbarer Ring. Folgende Bände eröffnen die Reihe: Band 1 „ Nordsee", Band 2 „ Harz Thüringen", Band 3 ,, Schlesische Gebirge", Band 4,, Alpen". Preis in Halbleinen gebunden je 2,20 RM. Diese Bücher wollen feine Fremdenführer mit Sternen sein, sie sind Erlebnis- Bücher. Verlag A. Anton u. Co., Leipzig.
Ein englischer Forscher gegen die Kriegsschuldlüge. Im Augustheft der Deutschen Rundschau", die sich schon so viele Verdienste um die Aufdeckung der wahren Kriegsursachen erworben hat, veröffentlicht der Orforder Gelehrte W. H. Daw son einen Aufsatz Die Kriegsschuldfrage in englischer Beleuch tung". Er kämpft darin gegen die neuerdings von franzö sischen und auch englischen Gelehrten aufgestellte These, daß der Artikel 231 des Versailler Vertrages gar nicht Deutschlands Kriegsschuld behaupte.
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Einen Schritt vom Semmer weg Wie in den Schaufenstern der Modesalons so sehen sie auch in der soeben herauskommenden neuen Nummer der Eleganten Welt" schon einige Kleider und Mäntel aus stabileren Stoffen.
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