Nr. 49
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Samstag, den 10. Dezember 1932.
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,, Gießener Zeitung"
Nr. 49
Lahlen des Lebens-
DER ABFALL DER GEBURTENZAHL:
1870 1880
1890 1900 1910 1920 1930
Still ftand?
„ Die Völker sterben nicht aus, sie werden, ausgeboren!"- so sagt uns der Dir. des Statistischen Reichsamtes Herr Prof. Dr. Burgdörfer- Unser deutsches Volk befindet sich am Beginn dieses gefährlichen Weges. Es hat aufgehört, ein wachsendes Volk zu sein. Die Gebärleistungen der deutschen Mütter bleiben nach meinen Berechnungen schon um rund ein Viertel hinter dem zur bloßen Erhaltung des Bevölkerungsbestandes erforderlichen Geburtensoll zurück. Die Entscheidung darüber, ob das deutsche Volk ein sterbendes Volk sein wird, hängt bon den Müttern ab. Wir haben in Deutschland schon längere Zeit vor 1900 eine immer stärker fallende Geburtenkurve. Die Beschränkung der Geburten hat in allen Ständen in Stadt und Land ein derartiges Ausmaß angenommen, daß man von einem Schwund des Volkes und einer Überalterung sprechen muß.
Mit der heutigen Geburtenziffer ist Deutschland nicht mehr in der Lage, aus eigener Kraft seinen Bestand zu erhalten. In den Jahren 1927/28 fehlten rund 1/10, 1929: 1/8, 1930: 7, 1931:% an den Kindern, die zur Selbsterhaltung des Voltes notwendig sind. Von diesem Gesichtspunkt aus erscheint jede Arbeit, die sich zum Ziel seßt, mütterliche Gesinnung zu weden, zu pflegen, zu vertiefen, den Müttern und Hausfrauen in ihrem hohen und schweren Beruf praktisch beizustehen und ihre Kräfte zu erhalten, als hochbedeutsamer, aber auch dringend erforderlicher Dienst an Wiederaufbau und der Zukunft unseres Voltes. Denn ein Volk wird sein, wie seine Mütter sind. Die Bevölkerungsfrage ist eine Mütterfrage."
Krieg dem TOD!
Und so sprachen zu uns eine Reihe um die Voltzaufklärung verdienstvoller Ärzte: Wir haben heute viel weniger Sterbefälle als etwa vor neunzig Jahren im halben Reichsgebiet, bei halb so großer Bevölkerungszahl. Die großen Boltsseuchen, die Geschlechtsfrantheiten, die Tuberkulose, die Pocken sind wesentlich zurüdgegangen. Im ganzen betrachtet, sind wir widerstandsfähiger, gesünder und älter geworden.
Den Krieg gegen Tod und Krankheit gewinnt der Arzt nur im Bunde mit einem Volt, das seiner Wissenschaft und Kunst Vertrauen entgegenbringt. Oft blendet ein verkehrter Wunderglaube an irgendein Alheilmittel die Menschen und erschwert ihnen so den rechtzeitigen Weg zum Arzt.
In der letzten Zeit hört man viel von der Bekämpfung der gefährlichsten Krankheit, des Krebses, durch allerlei wissenschaftlich noch nicht fontrollierte Mittel. In der führenden Zeitschrift„ Der Gesundheitslehrer", in der die Arzte eine praktisch- medizinische Belehrung durchführen, liest man z. B.:
Wir können heute mit Bestimmtheit sagen, daß es ben Ärzten möglich ist, Krebstranke zu heilen. Je früher ber Patient zum Arzt kommt, desto größer ist auch die Wahrscheinlichkeit der Heilung. Den Krebs frühzeitig zu erfennen ist natürlich die Kunst des Arztes." Eindringlich warnen die Ärzte vor neuen Entdeckungen, wie etwa mystische Einwirkungen von Erdstrahlungen, die den Krebs verursachen sollen, und vor Alheilmitteln, durch bie man diese gefährlichste aller Erkrankungen selbst furieren fönne.
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Aber auch bei viel harmloseren Krankheiten gilt es, Vorurteile zu zerstören. Eine Seuche an der man zwar
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64% DER DEUTSCHEN LANDBEWOHNER
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LANDBEWOHNER
Das Volk bat den Boden unter den Füßen verloren
DIE SCHICKSAL BEDEUTEN!
Schon im Volksglauben spielen Zahlen, die Schicksal bedeuten, eine große Rolle. Erst der moderne statistische Wissenschaftler hat uns den tieferen Sinn für ale sachliche Beschäftigung mit den Zahlen, die Schicksalsprobleme unseres Volkes betreffen, gelehrt.
nicht gleich stirbt, die aber noch stärker verbreitet ist als die Tuberkulose, ist die Zahnfäule. 62,3 Millionen Mark haben zum Beispiel die Krankenkassen in einem Jahr an Aufwendungen für Zahnfrante gehabt. Schon bei einem„ bißchen Zahnschmerz" soll man die Angst vor dem Arzt" unterdrücken, ihn rechtzeitig aufsuchen und bor allem nicht falsche Sündenböcke wie zum Beispiel den Zucker und Süßigkeiten für die Zahnerkrankung und die törichte Versäuerung des Blutes verantwortlich machen. Darüber steht im„ Gesundheitslehrer" folgendes: " Den Gebrauch der Zahnbürste müssen die Kinder ebenso früh erlernen, wie den der Seife! Leider sind wir davon noch weit entfernt! Auf den Geburtstag- oder Weihnachtstisch gehört neben Zudersachen und Schokolade auch die Zahnbürste und Zahnpaste!"
Es stünde besser um unsere Gesundheit, wenn wir alle vorzeitig auch auf beginnende Erscheinungen herannahender Krankheiten achten möchten, und rechtzeitig den entscheidenden Weg zum Arzt fänden.
AUS KLEIN WIRD GROSS
Das Reichsfuratorium für Wirtschaft= lichkeit hat eine große Anzahl von Berechnungen und Untersuchungen angestellt, um zu erforschen, welches die einfachste und zweckmäßigste Art manajer Hausarbeit ist. Wir unterhielten uns mit dieser wissenschaftlichen Forschungsstelle für die deutsche Hausfrau und wurden im Sinne unseres Themas auf mancherlei interessante Berechnungen aufmerksam gemacht. Rechnen Sie einmal selbst nach:
Wenn eine Hausfrau im dritten Stock wohnt und zweimal den Weg treppab und treppauf nach dem Keller läuft, etwa um Kohlen zu holen, so vollbringt sie im Monat eine Arbeitsleistung, die der Besteigung der Zugspite gleichkommt. Oder: Wenn man- wie dies gewöhnlich geschieht- bei der Speisebereitung täglich bloß 20 Gramm Fett im Spülwasser umfommen läßt, so macht dies bei allen Haushalten in Deutschland in einem Jahr neun Millionen Zentner aus, von denen man fünf Millionen Menschen hinreichend mit Fett ernähren könnte.
VOLK OHNE JUGEND!
40% 13% 32% 15% KINDERLOSE EHEN 40%, MIT EINEM KIND 13% MIT 2 KINDERN 32%, MIT MEHR ALS 3 15%
Wenn nun auf der anderen Seite gespart wird, z. B. pro Haushalt und pro Tag einen Groschen, so macht dies bei elf Millionen Haushalten 400 Millionen Mart im Jahr. Und noch eine andere Rechnung. Nehmen wir an, wir würden nur ein Stückchen Zuder am Tage mehr verbrauchen und hierfür nur Bruchteile eines Pfennigs aufwenden. Jeder Deutsche würde sodann, was für seine Gesundheit und Ernährung von außerordentlich großem Vorteil wäre, 2½ Kilogramm im Jahre mehr essen. Dabei ist natürlich nicht gemeint, daß er die Stückchen einfach so aufißt was übrigens auch nichts schadet. Die Hausfrau versteht es ja sehr gut, in Suppen, im Gemüse, bei Mehl- oder Süßspeisen den Zucker zu verarbeiten. Bei einem Stückchen Zucker Mehrverbrauch macht dies in einem Jahr in Deutschland 3,3 Millionen Zentner, ungefähr 10 Prozent Mehrverbrauch aus. Die täglichen Ausgaben für die einzelne Familie sind sehr flein, die volkswirtschaftliche Bedeutung und der Wert für die Gesundheit sehr groß. Übrigens ist die Zuckerzahl für das Ernährungsschidsal eines Bolles fennzeichnend. Wir verbrauchen heute in Deutschland nur 25,7 kilogramm pro Kopf. Im Anfang des Jahrhunderts beinahe die Hälfte weniger. Die fortschreitende Ernährungserkenntnis brachte aber in allen Kulturvölfern einen Mehrverbrauch dieses Nabungsmittels mit sich. Es ist übrigens sehr gut, daß durch die Gesetzgebung ein Ersatz von Zucker durch fünstliche Süßstoffe sehr erschwert ist. Das Süßstoffgesetz schützt durch das Verbot gewerblicher Verwendung die einkaufende Hausfrau davor, daß sie nur Süße" fauft, wo sie doch ein Nahrungsmittel erwartet. Eigentlich sind die künstlichen Süßstoffe ein Lurus, weil sie doch gar feinen Nährwert bestßen. Wir brauchen ja auch heute, da unsere Landwirtschaft ja übergenug Buder hervorbringt, feine derartigen Ersatzmittel, die wir aus der Notzeit des Krieges in unangenehmster Erinnerung haben.
Unser Nährstand ist in Not. An Rübenanbau darf er nicht sparen. Denn wie jeder Landmann weiß, ist der Aderboden um so ertragreicher für Körnerfrüchte, je besser er durch die Hadfrucht bobereitet wurde.
Volks- Aufbau:
„ Ein Bolt, das nicht baut, lebt nicht! Man mag mich steinigen, aber man soll nicht von mir verlangen, daß ich jener grauen Welt- Wirtschafts- Krisen- Elends- Theorie folge, die und Ben Glauben an die fommenden sieben schlechten Jahre" bes wirtschaftlichen Abschwungs einreden will.
Und darum werde ich auch nicht meinen Glauben aufgeben an ein pionierhaftes Vorstürmen unserer besten Kräfte in das Vorland einer neuen Wirtschaft, die an neuem Leben formt." Diese schönen Worte des Berliner Stadtbaurate M. Wagner standen als Vorspruch in den D. B. S.- Blättern der Darmstädter Eigenheimbewegung, die sich mit großem Recht eine Vereinigung der schaffenden Stände zur Behebung der Wirtschaftsnot und der Arbeitslosigkeit nennt. Durch Bauen zum Leben!
Das gilt für den einzelnen, der in seinem Eigenheim fret von Miete und Schuld leben will, und für die soziale Leistung dem Volf gegenüber. Denn jeder achte Deutsche hat durch die Bauwirtschaft Arbeit und Brot.
Heute ist es aber in Deutschland so, daß die öffentlichen Mittel zum Bau von Eigenheimen sehr spärlich fließen, daß das Leihkapital viel zu schwer zu haben und dann vor allem viel zu teuer ist. Aus diesen Gründen schlossen sich vor einigen Jahren zunächst wenige zur Deutschen Bau- und Siedlungsgemeinschaft in Darmstadt zum gemeinsamen Bausparen zufammen. Der 3wed: Sapital zu bilden zur Arbeitsbeschaffung, zum Bau von Eigenheimen und zur Ablösung drückender Hypothefenlasten, Rapital, welches zinslos den Mitgliedern zur Verfügung gestellt wird. Diese Bewegung, welche Zehntausende von Anhän n in ganz Deutschland hat, stellt die größte Kapitalsmach Schaffung zinsloser Eigenheime bar." Man spart gemeinsa... und steigert so seine Sparfräfte.
So entsteht ein gewaltiges Rapital Millionen und aber Millionen von einzelnen Sparbeträgen, die oft nur wenige Mart betragen. Viermal im Jahre werden die Baugelber an die Mitglieder verteilt. Klug erdacht ist der Verteilungsschlüssel. In gerechter Weise werden auch die Sparfräfte des fleinen Mannes nach Maßgabe seiner Spartreue bewertet. Die Erfahrung hat gezeigt, daß bisher die Sparer in ganz furzer Beit- durchschnittlich in eineinhalb bis zwei Jahren- nach der Antwartschaft auf Zuteilung ihr Ziel erreichten. Wenige Beispiele so meint Dr. Wagelaar, der Führer des Reichsverbandes der deutschen Bausparkassenbewegung in Deutschland gibt es, die beweisen, wie trop aller Wirtschaftstrife in den Bauspartassen aus ganz tleinen Beträgen Hunderte von Millionen zusammenströmen und auf dem schnellsten Wege der Wirtschaft zufließen, wenn richtig gerechnet, Gesez und Bedeutung der Zahlen ertannt wird, die für das hartgeprüfte deutsche Wolf Schicksal bedeuten.
Was der Arzt sagt:
Vorbeugen ist besser als Heilen Dieser Grundsatz gilt namentlich in unserer Zeit, in der sich eigentlich niemand er lauben fann, frant zu sein. Rechtzeitig und energisch angepackt verschwinden leicht Erkältungstrantheiten, Neuralgien, rheumatische Erscheinungen, die typischen Beschwerden von Kind und Frau. Es ist eine alte Voltsweisheit, und schließlich sagt es auch immer wieder der Arzt, daß hier der wichtigste Heilfattor die Wärme ist. Bisher war man beim Heizlissen abhängig von elektrischem Strom. Dieses war nicht immer ungefährlich. Oder man brauchte zumindest heißes Wasser. Die Nachteile dieser Heizlissen liegen ja flar auf der Hand. Man fann sie nicht bei sich führen. Man muß das Haus, womöglich noch das Bett hüten. Ärzte haben sich infolgedessen überlegt, wie fann man ein Heizkissen tonstruieren, welches die not wendige gleichbleibende und heilende Wärme entwidelt, und welches man unter den Kleidern versteckt immer mit sich tragen tann, ohne daß es an Wärme verliert. Da berichtet uns nun das Institut für chemische Wärmeerzeugung zu Berlin von ihrem Heizkissen, einer geradezu sensationellen Erfindung des befannten prattischen Arztes Dr. med. Steintel. Es gelang ihm, ein chemisches Präparat zu erfinden, welches durch Zusatz von faltem Wasser dauernde und heilende Hiße erzeugt. Schon heute ist dieses sog. Dr. med. Steintel- Kissen in den Kliniken, in der Praris der Arzte bekannt, und in allen Apotheken und Drogerien fann man es belommen. Es ist geradezu wie ein Wunder: durch faltes Wasser wird Wärme erzeugt. In das handliche Gummififfen, in dem in Form eines chemischen Pulvers die Wärmequelle enthalten ist, führt man zwei Teelöffel taltes Waffer ein. Im Augenblick entwickelt sich jene gleichbleibende Wärme, die das allerbeste Vorbeugungsmittel gegen Ertältungen, Grippe, Rheuma, Katharrhe ist, und von den Arzten bei Magen Gallen, Blafen- und Nierenleiben verordnet wird. Es ist wirklich ein geniale Sache mit diesen Wärmestrahlen, die man überall mit sich herumtragen tann.
Das Gute an der Sache ist außerdem, daß dieses Heizkissen für ein paar Pfennig eine Wärme für drei bis vier Lage liefert und daß jedes Kind damit hantieren tann.
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100 STADIMÜTTER 100 LANDMÜTTER UNTER 50 JAHREN UNTER 50 JAHREN HABEN 13 KINDER HABEN 25 KINDER Stadtvolk ohne Kinder, Landoplk mit Kindern


