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Samstag,

Samstag, den 10. Dezember 1932.

beim Hausbesih sofort einen weiteren Betrag von 200 Millionen Reichsmart für die Gewährung von Reichs­zuschüssen bei Instandsegungen, für Wohnungsauftei­lung und Umwandlung von gewerblichen Räumen in Wohnräume unter grundsäglicher Beibehaltung der bisherigen Bedingungen bereitzustellen.

Um die in Fluß befindliche Aktion nicht zu unterbrechen und im Interesse eines ungehinderten Fortgangs der Arbeiten - so führen Hausbesitz und Handwerk in ihrer an die Reichs regierung gerichteten Eingabe weiterhin aus- erweise es sich als erforderlich, den nachgesuchten Betrag schon jetzt bereitzn­stellen mit der Maßgabe, daß die Hälfte im Frühjahr und Sommer 1933, die andere Hälfte für Herbst 1933 und Früh­jahr 1934 verfügbar ist.

Hausbesitz und Handwerk würden entscheidendes Gewicht darauf legen, auch die neuen Reichszuschüsse in bar zu erhalten, weil schon die Aufbringung der übrigen vier Fünftel der Auf­wendungen in bar im Regelfall durch Darlehen, wie auch die Rückzahlung mit erheblichen Schwierigkeiten verbunden ist.

Falls es jedoch angesichts der schwierigen Finanzlage des Reiches nicht möglich sein sollte, den ganzen Betrag von 200 Millionen RM. in bar zur Verfügung zu stellen, könnte die Zuschußgewährung zum Teil auch unter

Einbeziehung der Hauszinssteuer

in das Steuergutscheinverfahren erfolgen. Könnte die Reichsregierung beispielsweise nur einen Betrag von 100 Millionen RM. in bar für Zuschußgewäh rung zur Verfügung stellen, so ließe sich die Zuschußgewährung in der Weise durchführen, daß die Hälfte des Reichszuschusses in bar, die andere Hälfte in Steuergutscheinen auf die Haus­zinssteuer gegeben wird. Sofern in einem Falle die Hauszins­steuer abgelöst ist, hätte die Zuschußgewährung ausschließlich in bar zu erfolgen, und zwar sowohl bei Zuschüssen für Instand­segungsarbeiten wie auch bei Wohnungsaufteilungen.

Nachdem die Steuergutscheine in diesen Fällen ausschließ lich und nachweisbar zum Zwecke der teilweisen Finanzierung in zuschußberechtigten Aufträgen Verwendung finden und in­folgedessen vorzeitig verwertet werden müssen, was nur zum je­weiligen Kurswert der Steuergutscheine möglich ist, müßte bei Bemessung des in Steuergutscheinen auf die Hauszinssteuer ge­währten Reichszuschusses das Disagio berücksichtigt werden.

Die grundsägliche Stellungnahme des Zentralverbandes Deutscher Haus- und Grundbesitzervereine zur Hauszinssteuer wird durch diesen Vorschlag nicht berührt.

Die vom Hausbesitz geforderten Mittel zur Finanzierung der Instandsegungsarbeiten und zur Wohnungsaufteilung sind nicht unter dem Gesichtspunkt einer Subvention zu beurteilen. Es muß mit allem Nachdruck darauf hingewiesen werden, daß der deutsche Hausbesitz seine mißliche Wirtschaftslage nicht selbst verschuldet hat, sondern nur durch eine vermögenskonfiskatorische Steuergesetzgebung zum Erliegen gebracht wurde.

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OSRAM

Erhältlich in den OSRAM- Verkaufsstellen

,, Gießener Zeitung"

Lokales.

Sonntagsgedanken.

es um

Das Weihnachtsfest steht vor der Türe. Wie war diese Zeit doch einst so schön, als es noch Zeiten waren froher, seliger Erwartung. Da zählten unsere Kinder ungeduldig Tage und Ftunden und in der weitesten Ferne wurde das vergessendste Heimatkind an Vater und Mutter und an die Zeit seiner Jugend und Kindheit erinnert. Und selbst wenn die Heimat schon fast vergessen war, Weihnachten, das schöne deutsche Weih­nachtsfest brachte alle schönen Erinnerungen an das Elternhaus wieder.

Und heute? Sorgen und Not wollen nicht weichen und türmen sich seit Jahren auf. Nicht nur die Hütten der Armen und die kleinen, dumpfen Stuben der Hinterhäuser in den Groß­städten wissen davon zu erzählen. Gebeugt von der Schwere der Sorgenlast gehen auch viele andere den dornigen Weg, die ehe­dem keine Not kannten und feine Sorge. Fast vor einer Türe hat die schicksalsschwere Zeit haltgemacht. Aber zu denen, die noch Brot und Kleid haben und vielleicht sogar noch Ueberfluß, will ich heute reden. Damit sie sich derer jetzt erbarmen, die so arm sind, wie einst jenes Kindlein im Stalle zu Betlehem. Die nichts wissen von jener schönen stillen, heimlichen Zeit des Ad­vents und dene bald fein warmer Winkel mehr geblieben ist, um in ihrer kindlichen Vorstellung über das Wunder der Weih­nacht versonnen zu träumen.

Reich ist heute jeder, der noch Arbeit, Brot und Kleid und eine warme Stube hat. Und euch geht es an, wenn die Ad­ventsglocken durch das arme Deutschland läuten. Dann suchet sie auf, dieſe armen Menschenkinder und machet ihnen eine kleine Freude zum Weihnachtsfest! Dann erst empfindet ihr ganz, was Advent und Weihnachten, was der leuchtende Stern über Betlehem für euch bedeutet. Und glückliche Kinderherzen werden euch danken in der heiligen Nacht.

Der Sonntagsschreiber.

* Sein 40jähriges Dienstjubiläum feierte Landgerichtsrat A. Strad, einer der bedeutendsten hessischen Juristen. Er ist zu Ober- Rosbach bei Friedberg geboren und studierte in Gie­Ben, 1882 trat er seine juristische Laufbahn an. Er wirfte in Friedberg, Lauterbach, Büdingen, Offenbach, Lorsch, Friedberg und seit 1909 in Gießen. Zum Landgerichtsrat der Provinz Oberhessen wurde er 1911 ernannt.

* Aufklärung von Diebstählen. Am 22. November entwen­dete ein Gast in einer Wirtschaft in der Hammstraße während der kurzen Abwesenheit des Wirtes aus der Büffetkasse 13 RM. und verschwand. Auf die gleiche Weise wurden am 3. Dezember aus der Büffetkasse einer Wirtschaft in der Ludwigstraße 20 RM. gestohlen. Des weiteren wurden am 25. November einem Gast einer Wirtschaft in der Löwengasse 90 RM. aus der Gesäßtasche entwendet. Der Täter, ein Student F. S., konnte nun ermittelt

Die hohe Lichtleistung, verbunden mit großer Wirtschaftlichkeit, macht die OSRAM­Lampe zum meistge­brauchten Lichtspender.

Die Landsknechte

Sportroman von Emil Wöhner.

( 31. Fortsetzung.)

( Nachdruck verboten.)

Das Länderspiel Deutschland Dänemark steht 2: 1 für Deutschland!

Es sind noch etwa 12 Minuten zu spielen.

Die Gäste versuchen mit allen Kräften, durch spontane Vor­stöße wenigstens den Ausgleich zu erzielen, aber ihre Stürmer­reihe besitzt scheinbar nicht mehr die Durchschlagskraft der ersten Halbzeit. Damit ist natürlich nicht gesagt, daß das Spiel schon entschieden ist. Bis zum Schlußpfiff kann sich noch vieles ändern. Der rechte deutsche Flügel hat sich fein durchgespielt. Der Mittelstürmer nimmt die hereingegebene Flanke gut auf er ist in vollem Lauf... aber er verliert den Ball an den rechten Verteidiger.

Zur Abwechslung greifen die Dänen an. Der linke Läufer paẞt zum Rechtsinnen... der schießt... gegen die Latte! Der Ball springt wieder zurück... aber unser Verteidiger ist eine Sekunde eher am Ball als der gegnerische Stürmer Das war eben ein sehr aufregender Moment.

Der Ball ist schon wieder in der dänischen Spielhälfte. Unsere Stürmerreihe arbeitet ganz vorzüglich, besonders der Mittelstürmer Hansen ist die treibende Kraft... jetzt nimmt er, von zwei Gegnern bedrängt, in hohem Sprung eine Flanke aus der Luft und köpft sie zum Linksinnen, der aus ungünstiger Position weit neben das Tor schießt. Abstoß vom dänischen Tor. Der deutsche Mittelläufer hat wieder einmal den Ball gut abgefangen er gibt ihn an seinen linken Nachbarn der schickt einen weiten Querpaß zum Rechtsaußen Mittelstürmer hat sich ganz frei gestellt jetzt hat er den Ball... er schießt... Tor...!

der

Ein wunderbares Tor! Unhaltbar.. Sie hören den brausenden Beifall der Zuschauer. Alles ist begeistert. Nicht weit von mir sitzen ungefähr fünfzig Jungens, die immer wieder rufen: Hansen, Hansen, Hansen! Der junge Mittelstürmer scheint ihr Held zu sein... Ohne die anderen Spieler zurückzusetzen, kann man wohl sagen, daß die beiden jüngsten internationalen Hansen und Müller sich gut bewährt haben. Sie sind zwei würdige Vertreter der in den letzten Monaten durch ihren beispiellosen Siegeslauf so populär ge­wordenen Landknechtself.

Nr. 49

werden. Am 8. Dezember wurde aus dem Garten der Lan­des- Heil- und Pflegeanstalt ein zum Trodnen aufgehängter Damenpullover entwendet. Eine Patientin, die den Täter über die Umzäunung steigen sah, beschrieb denselben sehr genau, so daß er nach kurzer Zeit im Walde bei seinem Fuhrwerk ermittelt werden konnte. Der Täter, Fuhrmann W. B., hatte bereits den gestohlenen Pullover in seinem Heusad versteckt.

* Anmeldung und Verkauf von Feuerwehrkörpern. Das Polizeiamt teilt mit: Wer Feuerwerkskörper feilhalten will, hat dies vor Beginn des Verkaufs dem Polizeiamt unter An­gabe der vorhandenen Menge und näherer Bezeichnung der Feuerwerkskörper anzuzeigen. In Kaufläden darf der Vor­rat 7% Kilogramm brutto nicht übersteigen und im Hause außer­dem nicht mehr als 30 Kilogramm brutto vorrätig gehalten werden. Die Aufbewahrung von Mengen über 7% Kilogramm brutto muß auf dem Dachboden in einem abgesonderten Raum, welcher nicht mit einem Schornsteinrohr in Verbindung steht, er­folgen. Knallforten und sonstige Feuerwerkskörper dürfen in Kaufläden nur in verschlossene Kisten aufbewahrt oder unter Glas ausgelegt werden und in jedem Falle möglichst weit ent­fernt von Desen und Anstedflammen. Kanonenschläge und solche Feuerwerkskörper, die mit Abschußvorrichtungen abge­feuert werden müssen, dürfen in Verkaufsläden nicht aufbewahrt werden.

* Plazkonzert der Militärtapelle. Zur Förderung der Verkehrswerbung und zur Unterstützung der Winternothilfe ver­anstaltet unsere Militärkapelle unter Leitung von Obermusik­meister Krauze am fommenden Dienstag zwei öffentliche Platzkonzerte. Bei dieser Gelegenheit soll auch eine öffent­liche Geldsammlung für die Gießener Winternothilfe durch­geführt werden. Um 17 Uhr beginnt das Platzkonzert auf dem Lindenplatz. Anschließend von 17,45 Uhr erfolgt das Platzkonzert an der Ecke Plockstraße- Johannesstraße.

* Deutsche Burgen auf den Wohlfahrtsbriefmarken 1932 für die Deutsche Nothilfe. Burgen und feste Schlösser ragen in allen ' deutschen Gauen als beredte und eindrucksvolle Zeugen einer ' großen und bewegten Vergangenheit auf und geben vielen Landschaften ihr Gepräge. Ihr Schichal war mit dem der Land­schaften und des Reiches eng verknüpft. Ihre Geschichte spie= gelt bedeutsame Epochen der geistigen und kulturellen Entwid lung unseres Vaterlandes wider. Der Vertrieb der Wohlfahrts­briefmarken erfolgt durch die Postanstalten und durch die in der ' Deutschen Nothilfe zusammengeschlossenen Stellen der öffent­lichen Wohlfahrtspflege und Organisationen der freien Wohl­fahrtspflege. Die Erträge dienen zur ergänzenden Fürsorge für Notleidende in allen Bevölkerungskreisen. 80 Prozent der außerpostalisch aufgebrachten Erträge verbleiben den Vertriebs­stellen für örtliche Fürsorgezwecke, der Rest der außerpostalisch erzielten Erträgnisse und der Ertrag des Postverkaufs dienen zum Ausgleich für das ganze Reichsgebiet.

( Fortsetzung auf der letzten Seite.)

BOSRAM

Meine Damen und Herren, der Länderkampf Deutschland Dänemark steht 3: 1 für Deutschland.

die Dänen

Der Ball ist in der deutschen Spielhälfte greifen noch einmal an... der Ball geht über die Seitenlinie. Einwurf für Dänemark.

Der Schiedsrichter pfeift.

Das Spiel ist zu Ende! Die Zuschauer strömen begeistert auf den Platz, um die Sieger zu beglückwünschen. Alles jubelt. Sie heben die Spieler auf die Schultern und tragen sie vom Spielfeld. Wir beenden damit unsere Uebertragung aus dem Stadion in Köln..."

Marieliese nahm die Kopfhörer ab, sprang vom Stuhl auf und verließ das Zimmer.

Der junge Chauffeur wartete in der Empfangshalle des Hotels auf seine Herrin und blätterte in einer illustrierten Zeitschrift. Er stand diensteifrig auf, als Marieliese auf ihn zukam.

,, Bleiben Sie sitzen, Henry," rief sie schon von weitem und nahm in einem Korbsessel ihm gegenüber Platz ,,, ich muß mich erst mal von dieser Aufregung erholen! O, Henry, es war fabel­haft, einfach überwältigend! Die Deutschen haben gewon .! 3: 1!"

Пеn..

,, Das freut mich, gnädiges Fräulein. Da hat Herr Hansen sicher gut gespielt."

Ja, er hat allein zwei Tore geschossen! Dreißigtausend Zuschauer haben ihn spielen sehen, nur ich nicht!" Sie wandte rasch den Kopf zu ihm empor. Henry, ich muß Ihnen etwas sagen, aber fallen Sie nicht auf den Rücken: Wir fahren jetzt nicht nach Orleans sondern nach Köln."

,, Mit dem Wagen?"

,, Nein, das ist natürlich ausgeschlossen. Bis morgen früh müssen wir spätestens wieder zurüd sein. Wir nehmen ein Flugzeug. Sie lassen mich doch nicht im Stich Henry? Bitte..." Ich tue alles, was Sie wünschen, gnädiges Fräulein," erwiderte der junge Chauffeur und wurde rot. ,, Bravo... Wie weit mag es wohl sein von hier nach

Köln?"

,, Luftlinie?" Na, so schätzungsweise vierhundert Kilometer." ,, Da gebrauchen wir also drei Stunden. Jetzt ist die Uhr vier. Wenn das Flugzeug um fünf startet, sind wir gegen 8 Uhr in Köln. Ich will sofort beim Flugplatz anweden, ob eine Maschine zur Verfügung steht... oder noch besser, Henry wir fahren gleich mit dem Auto zum Flughafen. Mündlich läßt sich die Sache besser besprechen."

,, Jawohl, gnädiges Fräulein.""

,, Wenn der Laden klappt, muß Vater vorher noch ein Te­legramm haben. Eintreffe erst morgen früh!" Das genügt. Er wird dann bei seiner Sachunkenntnis ohne weiteres anneh men, daß die Autopanne noch nicht behoben ist."

,, Wissen gnädiges Fräulein, wo Herr Hansen sich in Köln aufhält?"

,, Keine blasse Ahnung. Er hat mir nur geschrieben, daß er mit dem Nachtschnellzug um 10.12 Uhr wieder abdampft. Wir fahren also am besten vom Kölner Flugplatz gleich zum Bahnhof. Dort werden wir ihn dann schon treffen, wenn es auch nur für kurze Minuten ist. Ach Henry, Sie glauben nicht, wie ich mich darauf freue. Es ist auch schon über ein vierte! Jahr her, seit wir uns zuletzt gesehen haben...

Sie bestiegen den Wagen, Henry ergriff das Lenkrad und fuhr sogleich im schärfsten Tempo nach dem Fiugplatz hinaus. Durch die sausende Fahrt tam Marieliese innerlich einigermaßen wieder ins Gleichgewicht.

Eine halbe Stunde später saß sie dem Direktor des Flug­hafens gegenüber. ,, Muß es denn unbedingt heute noch sein, gnädiges Fräu­

jein?"

Ja sofort. Morgen hat es keinen 3wed mehr."

,, Sie werden aber doch einsehen, daß als Flugzeugführer für die Fahrt nur Piloten in Frage kommen, die diese Strecke nach Köln schon nachts geflogen sind. Wir haben augenblid­lich drei: Mercier, Flaubert und Laquoche. Der erstere ist vor zwei Stunden nach London gestartet, Flaubert ist augenblid­lich in Köln und kommt morgen mittag zurüd und Laquoche hat heute feinen Dienst."

,, Können Sie Herrn Laquoche telephonisch erreichen?" , Wenn er sich in seiner Privatwohnung aufhält, gewiß. Aber ich glaube nicht, daß..." ,, Versuchen Sie es bitte."

Der Direktor griff zum Hörer. ,, Bitte 6051

Hier ist Manger

Sind Sie am Apparat, gnädige Frau..? Guten Tag. Ist Ihr Herr Gemahl

zu hause...? Er rasiert sich gerade. ach so, Sie wollen heute abend ins Theater... Nein, es ist nicht besonderes vorgefallen..., ja, wenn ich ihn mal sprechen könnte bitte sehr guten Tag, Laquoche, hier sind zwei Fahrgäste, die sofort nach Köln wollen. ... was sagen Sie...? Ausge­schlossen...? Ja, das kann ich nicht sagen einen Augen­blid mal... ( Fortsetzung folgt.)

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