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Nr. 27

Samstag, den 9. Juli 1932.

Aus Rab und Fern. Nah

Münster. Hiermit wird noch einmal auf das am tommen­den Sonntag, den 10. Juli, in Arnsberg stattfindende allgemeine evangelische Jugendtreffen hingewiesen.

Bad Nauheim. Bis zum 7. Juli 1932 betrug der Gesamt­besuch 12 851 Gäste, darunter 1998 Ausländer. Anwesend wa­ren an diesem Tage 3362 Gäste.

Bad Homburg. Hier findet am 9. und 10. Juli in den Sä­len des Kurhauses eine große Rosenschau statt, an der sich außer dem Frankfurter Gartenbauamt zahlreiche große Firmen be­teiligen.

Wenn man die Feuerfirenen als Wahlkampfmittel mißbraucht.

Lauterbach. Um eine Wahlkundgebung der NSDAP zu stören, in der am Freitag, 17. Juni, vor der hessischen Land­tagswahl der nationalsozialistische Abgeordnete Dr. Göbbels hier sprach, hatte ein hiesiger Maurer die Feuerfirenen unberech tigterweise in Betrieb gesetzt. Für diesen groben Unfug wur­den dem Täter, unter Berüdsichtigung zweier anderer Delikte, jetzt vom hiesigen Amtsgericht vier Monate Gefängnis und drei Wochen Haft zudiktiert.

Altenschlirf. Hier verunglückte der Landwirt Karl Rode mer dadurch tödlich, daß ihm beim Holzschneiden an der Kreis­säge ein starkes Stück Holz an der Säge abrutschte und ihn mit großer Wucht an der Brust traf. Der Tod trat auf der Stelle ein.

200 000 RM. unterschlagen.

Darmstadt. Am Mittwoch gab es vor dem Bezirksschöffen­gericht in Darmstadt einen Sensationsprozeß. Es hatte sich der ehemalige Sekretär des Oberversicherungsamtes Darmstadt, Franz Scholles, wegen Unterschlagung im Amt, schwerer Ur­fundenfälschung in Tateinheit und Betrug zu verantworten. Er hat nicht weniger als nahezu 200 000 RM. veruntreut.

Sieben Jahre Zuchthaus für eine politische Bluttat.

Gießener Zeitung"

Wirtschaft, nicht Politif.

Ein Vater hatte 8 Söhne, die er in seinem Betrieb be­schäftigen fonnte; sie standen ihm fleißig zur Seite, so daß er sie gut entlohnen und er selbst auch vorwärts fommen fonnte. In der aufgeregten Zeit besuchten sie immer häufiger politische Versammlungen, so daß sich jeder eine von dem anderen ab­weichende Parteimeinung bildete. Leider verloren sie sich da­durch mit der Zeit in unfruchtbare Diskussionen mit manchmal darauf folgenden Prügeleien nach bekanntem Muster und ver= langten schließlich von ihrem Vater noch Bezahlung der auf diese Weise vergeudeten Stunden. Wenn der Vater dieses Ver­langen auch abschlug, so ging die Wirtschaft immer weiter zu­rüd und der Zusammenbruch blieb nicht aus.

Mainz. In einer hiesigen Wirtschaft waren ein Stahl­helm- Mann und ein junger Kommunist in einen Wortwechsel geraten, der schließlich in Tätlichkeiten ausartete. Als der Stahlhelmer die Wirtschaft verließ, folgte ihm der Kommunist, der inzwischen seinen Bruder benachrichtigt hatte. In einer dunklen Altstadtgasse fielen die Brüder über den Stahlhelm­mann her. Der 21jährige Ludwig Kraffert versetzte ihm dabei einen tödlichen Messerstich. Kraffert hatte sich jetzt vor dem Schwurgericht zu verantworten, das ihn unter Versagung mil­dernder Umstände wegen Todschlags zu sieben Jahren Zuchthaus und fünf Jahren Ehrverlust verurteilte.

Solch ähnlichen Verlauf nimmt auch unsere heutige Wirt­schaft. Die Wirtschaft liegt im Sterben, die Konkurse nehmen immer mehr zu und damit die Arbeitslosigkeit. Es entsteht die bange Frage, wie ist der heutigen Misere abzuhelfen?

Wetzlar. Am Freitag konnte das Zwillingspaar Philipp Pfeiffer, Landwirt in Krofdorf, und Frau Witwe Elisabeth Pfeiffer, wohnhaft in Weylar- Niedergirmes, bei geistiger Frische und körperlicher Gesundheit das 88. Wiegenfest begehen. Es handelt sich um das älteste Zwillingspaar Deutschlands.

eben verbohrt in Parteidottrinen, der kämpft nicht für seine Existenz, sondern für die seiner Partei.

Der Hauptgrund ist in der Uebersteuerung zu suchen. Gibt es doch schon eine ganze Reihe von Betrieben, groß und klein, die schon seit Jahren Steuern zahlen und feinen Pfennig Gewinn haben, ja noch Verlust, sind also ärmer als die Er­werbslosen, die doch noch vom Staat Unterstützung beziehen. Trotzdem müssen sie, weil sie noch Substanz in nicht liquidfähi­gem Besitz in Form von Grund-, Gewerbesteuern an Staat und Gemeinde auf mehr wie eine Art haben, in bar bezahlen, daß dies mit der Zeit zum Zusammenbruch führen muß, steht un­widerleglich fest und diese Kategorie scheidet automatisch aus den Steuerbeiträgen aus. Ebenso wenig, wie der Festbesoldete nur Steuern bezahlen kann, wenn er ein Einkommen hat, eben­so wenig kann es der Wirtschaftler, denn ausschließlich aus der Wirtschaft kommen die Steuern und dann, wenn er Leute beschäftigen kann, auch von diesen, aber erst in zweiter Linie. Zu diesen letzteren gehört auch der Staat mit seinen Angestell­ten. Diese notleidenden Wirtschaftsbetriebe müssen geschont werden, solange sie fein Einkommen haben, damit sie als Steuerkraft nicht verloren gehen; denn bei dem heutigen System gehen sie alle einer nach dem anderen, ein.

Frankfurt a. M. Die Zahl der an der hiesigen Universität im laufenden Sommersemester immatrikulierten Studenten be­trägt 3585 gegen 4462 im letzten Wintersemester und 4680 im Sommersemester 1931.

Deutsche Sänger besuchen die Gräber unserer Gefallenen.

Im Anschluß an das vom 16. bis 25. Juli in Frankfurt a. M. stattfindende 11. Deutsche Sängerbundesfest fährt eine große Zahl deutscher Sänger nach Frankreich und Flandern, um dort die Ruhestätten unserer gefallenen Volksgenossen zu be­suchen. Sänger aus dem Schwarzwald wollen bei dieser Ge­legenheit einen großen Schwarzwald- Tannen- Kranz" auf einem der großen deutschen Sammelfriedhöfe in Frankreich nie­derlegen. Die Fahrten dauern 4-6 Tage und werden geleitet von der Ortsgruppe Frankfurt a. M. des Volfsbundes Deutsche Kriegsgräber Fürsorge( Anschrift: Frankfurt a. M., Münz­gasse 3).

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Wirtschaft in Gang zu bringen suchen, nicht Stärkung der T. G.

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Kurze Steuernachrichten.

Einheitsbewertung der Grundstücke.

Bei den bisherigen Einheitswerten wurden vielfach die unwesentlichen Bestandteile eines Grundstücks mitbewertet Diese Bestandteile müssen nunmehr nach der Aenderung des Reichsbewertungsgesetzes für den Einheitswert ausgeschieden und selbständig ermittelt und bewertet werden. Dabei ist aber zu prüfen, ob diese Bestandteile( eingebaute Maschinen und Anlagen) nicht bereits in den übrigen Anlage- Konten enthalten sind.

Klugerweise haben schon viele infolge des Steuerdrucks aus dem Handwert und Gewerbe ihren Betrieb aufgegeben, sie füh= len sich glücklich, soweit sie in der Lage sind, doch leben zu kön nen, andere wandern aus und größere Unternehmen verlegen ihre Betriebe ins Ausland. Ein Staat kann nur prosperieren, wenn seine steuerlichen Maßnahmen verkehrsfördernd und nicht verkehrshindernd sind.

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Aufbringungspflichtiges Betriebsvermögen.

Im Jahre 1932 sind bekanntlich nur noch Unternehmen mit einem Betriebsvermögen über 500 000 RM.( nach dem Stand vom 1. 1. 1931) aufbringungspflichtig. Wenn auch die Gesamtumlage auf die Hälfte herabgesetzt wurde, wird sich der Aufbringungsschlüssel durch diese Beschränkung erhöhen. Die Nachprüfung, ob nicht in dem Einheitswert des Betriebs vermögens Gegenstände enthalten sind, die als landwirtschaft. liches, forstwirtschaftliches und gärtnerisches Vermögen bewertet worden sind, und die deswegen aus dem aufbringungspflichtigen Betriebsvermögen auszusondern sind, ist deshalb wichtig.

Wenn eine wirtschaftliche Besserung kommen soll, dann muß der Staat sich auf den Standpunkt stellen: Wer nichts verdient, kann zu feiner Steuer, einerlei welcher Art, heran­gezogen werden, bis sein Betrieb wieder rentabel geworden ist. Man warte nicht, bis die Katastrophe immer größer wird und nicht bis sie eingetreten ist. Wir stehen in zwölfter Stunde! Nun gibt dies einen Steuerausfall, dem auf keinen Fall damit zu begegnen ist, daß die noch rentierenden Betriebe den Aus= fall decken sollen; das würde das Uebel noch größer machen.

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Nein, es muß in dem Maße sparsamer gewirtschaftet wer­den. Leben doch 6 Millionen Menschen in viel färglicheren Verhältnissen. Das Elend kommt ja doch; es ist leichter jetzt zu bewältigen als später. Wenn der notleidenden Wirtschaft das Geld erhalten bleibt, kann sie eher wieder in Fluß kom­men als durch die Wegsteuerung. Wie die Kapitalwegsteue= rung Arbeitslosigkeit schafft, so kann Kapitalbildung Arbeits­beschaffung bringen. Freilich wird der Aufstieg ein recht lang= samer sein, denn die Verheerungen, die unsere seitherige Miß­wirtschaft angerichtet hat, sind vielleicht erst in einem Menschen­alter wieder einzuholen. Der Ausfall der letzten Wahlen hat leider gezeigt, daß der Wähler noch lange nicht die Zeit ver­standen hat, in dem er dem Wirtschaftsleben kein Verständ­nis entgegengebracht hat, deren Gedeihen für ihn das Sein oder Nichtsein ist. Wer das heute noch nicht begreift, der ist

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Die Insel der Jugend. Geht man vom Badeort Juist eine halbe Stunde nach Westen ins Loog", so erreicht man ein Ge­biet, das den seltsamen Namen Neufundland" führt. Hier liegt die ,, Schule am Meer", eine Kameradschafts- Schule und Arbeitsgemeinschaft zwischen Lehrern und Schülern, die der Jn­sel Juist den Namen der Insel der Jugend" eingebracht hat. Davon gibt eine interessante Foto- Serie der neuen ,, Münchner Illustrierten" ein erfreuliches und schönes Bild.

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