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Nr. 35

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Gießener Zeitung

Erscheint Samstags.

( Gießener Tageblatt)

Bezugspreis 1,50 RM vierteljährlich frei ins Haus.

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Redaktionsschluß früh 8 Uhr. Für Aufbewahrung oder Rüd­fendung nicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert.

achrichten 44. Jahrg.

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am 7. Mai, Zwischen

Bolitische Rundschau.

Drud und Verlag von Albin Klein in Gießen Geschäftsstelle: Gießen, Südanlage 21. Fernsprecher Nr. 2525 und 2526. Postschedkonto Nr. 69 530 Amt Frankfurt a. M.

Samstag, den 10. September 1932

28. Mai und Endspiel ter- Lauf foll anlägli Die Einladungen zur zweiten Plenarsizung des Reichstages m 11. September am kommenden Montag 3 Uhr nachmittags sind am Mittwoch an Tolan und Metcalie die Abgeordneten verschickt worden. Die Tagesordnung enthält als einzigen Gegenstand die Entgegennahme einer Erklärung der Reichsregierung. Der Reichskanzler hat sich inzwischen be= reit erklärt, am Montag seine Programmrede vor dem Reichs­tag zu halten.

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Der Reichspräsident ist nach längerem Aufenthalt in Neu­ded am Donnerstag nach Berlin zurückgekehrt. Er empfing noch am selben Tag den Reichskanzler und den Reichsaußen­minister zum Vortrag.

Am Mittwoch fand im Reichswirtschaftsministerium eine Aussprache zwischen den an der Durchführung des Wirtschafts­planes hauptbeteiligten Ministern, der Reichsbank und füh­renden Persönlichkeiten der Unternehmerschaft statt.

Zwischen den zuständigen Referenten des Reichsinnenmini­steriums und den Hochschulreferenten der Länder hat eine Füh­lungnahme stattgefunden über die Frage der Einführung eines Werkjahres der Akademiker.

Die Veröffentlichung der französischen Antwort auf die deutsche Denkschrift in der Gleichberechtigungsfrage, deren Grundlinien am Dienstagabend vom französischen Kabinettsrat festgelegt worden sind, wird spätestens Montagfrüh erwartet.

Am 6. September ist deutscherseits der Handelsvertrag mit Südslawien fristgemäß zum 7. März n. J. gekündigt worden.

Der Geschäftsführende Vorstand der Deutschen Zentrums: partei tritt am Montag in Berlin zu einer Sigung zusammen. Montag abend findet eine Sigung der Zentrumsfraktion des Reichstages statt. In beiden Sigungen wird man sich mit der politischen Lage beschäftigen.

Jm überfüllten Zirkus Krone in München sprach am Mitt­wochabend Hitler über die politische Lage. Aehnlich wie schon in Berlin in seiner Rede im Sportpalast polemisierte Hitler gegen die Regierung Papen.

Der Preußische Staatsrat nahm einen Antrag an, in dem zum Ausdrud kommt, daß die Enthebung des preußischen Mi­

aufbereitung und Gas nisterpräsidenten und der preußischen Staatsminister von ihren Aemtern mit der Reichsverfassung und der preußischen Verfas­jung nicht im Einklang stünden.

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Der auf nationalsozialistischen Antrag hin eingesetzte Un­tersuchungsausschuß des Preußischen Landtages zur Nachprü­fung von Vorwürfen gegen die preußische Polizei hielt am Mitt­woch seine erste öffentliche Sigung ab.

Unter Führung des früheren Gebietsführers Nordwest der Sitlerjugend Köln, Wilhelm Kabler- Köln, hat sich eine neue Bewegung unter dem Namen Revolutionäre Freiheitsbewe­gung Deutschlands" gebildet.

Im Zusammenhang mit den zahlreichen Bomben- und son­tigen Anschlägen, namentlich in Südostpreußen, wurden drei Nationalsozialisten in Osterode festgenommen.

De Valera, der irische Ministerpräsident, wird bei der näch­ten Völkerbundsratstagung erstmalig an einer Genfer Kon= ferenz teilnehmen. Er wird dann zum Präsidenten der Tagung trnannt werden, da Irland jetzt turnusgemäß den Vorsitzenden ju stellen hat.

Die polnische Polizei verhaftete einige Personen, die den Die Bauernverbände sehen

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den Streit fort und unterbinden auch weiter die Zufuhr von Lebensmitteln nach den Städten, um eine Preissteigerung der landwirtschaftlichen Erzeugnisse hervorzurufen.

Schwere Hungerunruhen, die zu blutigen Kämpfen zwischen der GPU. und plündernden Arbeitern führten, sind im Textil­lezirk von Jwanowo Woschnesenst ausgebrochen. Die durch den hunger zur Verzweiflung getriebenen Arbeiter raubten stellen­veise die Lagerhäuser aus und brannten sie dann nieder.

Die spanische Nationalversammlung nahm ein Ergänzungs­gesetz zur Agrarreform an, das von größter Bedeutung ist. Der genaue Text des Gesetzes wird noch festgelegt werden, doch be­timmt es, daß sämtliche Landgüter der ehemaligen Granden on Spanien entschädigungslos enteignet werden.

Die bolivianischen Truppen haben nach schwerer Beschießung lie im Chacogebiet liegenden Städte Rozo und Valencia an= gegriffen. Die paraguayischen Truppen leisteten äußersten Wi­derstand. Die Regierung von Paraguay teilte mit, daß sie sich it Bolivien als im Kriegszustand befindlich betrachte, ob ohl der Krieg noch nicht erklärt sei.

Wie die ,, Times" aus Schanghai melden, hat der Bund der finesischen Kaufleute und Ladenbesiger ein Manifest veröffent­licht, in dem eine wirtschaftliche Blodade" gegen Japan er­lärt und die ganze Nation aufgefordert wird, anzuschlie­kn und keine japanischen Waren zu kaufen.

Eine Korruptionsaffäre, wie sie bisher in der Geschichte ker Berliner Privatwirtschaft wohl noch nicht aufgewiesen ist, wurde jetzt in den Betrieben der Aschinger A.-G. aufgededt. Angestellte haben bereits Veruntreuungen eingestanden. Ge­en 80 Angestellte ist ein Strafverfahren eingeleitet worden. Die ,, Rote Fahne", das Zentralorgan der KPD., ist wegen werer Beschimpfung und böswilliger Verächtlichmachung der Reichsregierung auf die Dauer von vier Wochen verboten

worden.

( Neueste Nachrichten)

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Nummer 36

Die in Berlin erscheinende periodische Druckschrift Anti: Sozial- und Steuerlasten in Deutschland.

faschistische Attion" ist mit sofortiger Wirkung bis zum 28. Februar 1933 einschließlich verboten worden.

Dr. Georg Michaelis, vom Juli bis Oktober 1917 Reichs: fanzler, beging am 8. September seinen 75. Geburtstag. Mi­chaelis war später Oberpräsident von Pommern.

Das Luftschiff ,, Graf Zeppelin" ist in Friedrichshafen am Mittwoch, um 5.32 Uhr morgens, von seiner fünften Süd­ameritafahrt glatt gelandet.

Nach einer Statistik der American Federation of Labour beläuft sich zurzeit die Zahl der Arbeitslosen in den Vereinig­ten Staaten auf 14 Millionen, hierunter sind allein 800 000 Eisenbahnangestellte. Die Unterstügungskassen sind völlig

leer.

Nach dem Bericht der Reichsanstalt für die Zeit vom 16. bis 31. August waren am 31. August bei den Arbeitsämtern rund 5 225 000 Arbeitslose gemeldet. Gegenüber dem Stand von Mitte August ist diese Zahl um rund 158 000 niedriger.

Reichstagspräsidium bei Hindenburg.

Das politische Ereignis des Freitags war der für Vor­mittag 11.30 Uhr angekündigte Empfang des Reichstagspräsi diums beim Reichspräsidenten. Ueber den Empfang beim Reichspräsidenten wurde folgende amtliche Mitteilung heraus­gegeben:

,, Reichspräsident von Hindenburg empjing am Freitag das neugewählte Präsidium des Reichstages: Reichstags= präsident Goering und die Vizepräsidenten Esser, Graef( Thü­ringen) und Rauch. Reichstagspräsident Goering stellte das Präsidium vor.

Der Herr Reichspräsident dankte für den Besuch und sprach den Herren seine besten Wünsche für die Durchführung ihrer Aufgaben aus. Hieran schloß sich eine furze Aussprache über die politische Lage."

Neue Vorlagen im Landtag.

Dem Hessischen Landtag ist wieder eine große Zahl von Anträgen, meist von Kommunisten und Nationalsozialisten, zugegangen. Die Kommunisten verlangen: Aufhebung der Bürger, Bier- und Getränkesteuer, ungehinderten Besuch von Landtagsabgeordneten in Anstalten und Betrieben, Nichtdurch­führung der Reichsnotverordnung, feine Pfändungen, Zwangs= versteigerungen und Ermittierungen bei Angehörigen des werk­tätigen Volkes. Verbot der SA.- und SS.- Formationen, sowie Maßnahmen gegen Polizeibeamte und Mißtrauensvoten gegen den Innenminister. Weiter befaßt sich ein Antrag mit den hessischen Krediten aus der Rhein-, Ruhr- und Westhilfe.

Anträge der Nationalsozialisten beschäftigen sich mit Ver­arbeitung ausländischer Häute in der Offenbacher Lederindu­strie, Sanierung der Karstadt A.-G., dem Geschichtsunterricht in den hessischen Schulen und verlangen, daß die Regierung mit allen ihr zur Verfügung stehenden Mitteln dahin wirke, daß die zurzeit rücksichtslos betriebene Beitreibung der Darlehen aus den der Hessischen Handwerkskammer als Ruhrhilfe überlasse= nen Geldern bis auf weiteres unterbleibt. In einem weiteren Antrage wird ein Schächtverbot für Hessen und das Reich ge= fordert.

am

Das hessische Regierungsorgan soll verschwinden. Der Finanzausschuß des Hessischen Landtags trat Mittwoch zu einer Sigung zusammen, um eine fast 30 Punkte umfassende Tagesordnung zu beraten. Ein nationalsozialisti­scher Antrag, die amtliche im 156. Jahrgang erscheinende ,, Darmstädter Zeitung" aufzuheben, wurde mit den Stimmen der Nationalsozialisten und der Kommunisten angenommen. Da sich die Abgeordneten aber wohl darüber klar sind, daß die Regierung ein amtliches Organ braucht und sie daher wohl selbst nicht mit dem Aufhören der ,, Darmstädter Zeitung" rech= nen, nahmen sie nach dieser Abstimmung einen Antrag Dr. Niepoths an, der bestimmt, daß sämtlichen Abgeordneten die Zeitung wieder unentgeltlich zugestellt wird.

Bei einer Regierungsvorlage, die eine Kreditgewährung von 75 000 M. für den Ausbau des Wasserbaulaboratoriums und der Materialprüfungsstelle an der Technischen Hochschule vorsieht, kamen die Nationalsozialisten ins Gedränge. Ihre bäuerlichen Abgeordneten verneinten die Notwendigkeit, ihre Akademiker hätten gern zugestimmt. Schließlich wurden 15 000 RM. für die Materialprüfungsstelle bei vier Enthaltun gen angenommen.

Anträge des Zentrums und der Sozialdemokraten wünsch­ten eine Abänderung des Grunderwerbssteuergesetzes. Hierzu wurde ein volksparteilicher Antrag angenommen, Der die Regierung ermächtigt, bis zur endgültigen Entscheidung der Reichsregierung den staatlichen Anteil der Grunderwerbssteuer auf Antrag zu ermäßigen. Die nächste Sigung des Finanz­ausschusses findet am nächsten Dienstag statt.

Zunahme der Wohlfahrtserwerbslosen in den deutschen Landkreisen.

Die Zahl der Wohlfahrtserwerbslosen hat in den deutschen Landfreisen am 31. 7. 1932 einen Stand von 853 000 erreicht. Das bedeutet gegenüber dem 30. 6. 1932( 836 600) eine Steige­rung von fast 2 Prozent. Gegenüber dem Vorjahr( 31. 7. 1931) ist der jetzige Stand um 135 Prozent höher,

Das Statistische Reichsamt hat einen Steuerbelastungs­vergleich aufgestellt, aus dem man mit erschreckender Deut­lichkeit auch die ungeheure Belastung erkennt, die auch auf der deutschen Volkswirtschaft liegt. Neben den Steuern sind es vor allen Dingen die Soziallasten, die das Einkommen immer mehr einengen. Die nachfolgenden Zahlen, die wir den ,, Aerztlichen Mitteilungen" entnehmen, zeigen diese Tatsachen mit erschreckender Deutlichkeit.

Es betrugen nämlich in Millionen Reichsmark:

im Jahre

1925

1926

1927

1928 1929

1930 vorl. Zahlen,

das Volkseinkommen

1931 Rohe Schätzung

die Steuern

10 578,1

bie Sozialbeiträge

59 900

2732,5

62 600

11 675,4

3484,9

70 700

13 544,4

4194,0

75 400

14 296,6

4886,1

76 100

14 279,1

5170,5

50 000-60000 12 000,0

4500,0

68 000-70000 14 116,0

5040,0

In Hundertteilen des Volkseinkommens ausgedrückt ist

das eine Belastung

im Jahre

Don

im Jahre

von

1925

22,22 v. 5.

1929

1926

24,22 v. H.

1930

25,56 v. 5. 27-28 v. 5.

1927

25,09 v. H.

1931

28-30 v. 5.

1928

25,44 v. H.

Noch deutlicher wird dieser Druck, wenn man das Volks­einkommen und seine Belastung auf die Vollperson umrechnet. Dann erhält man je Vollperson in Reichsmark:

im Jahre

Steuern und Sozial für den Verbrauch verbleiben ber Einkommenörest

Einkommen

abgaben

1925

1197

266

931

1926

1226

297

929

1927

1374

345

1029

1928

1453

369

1084

1929

1456

372

1084

1930

1290-1330

363

1931

940-1130

310

927-967 630-820

Ganz besonders auffällig aber wird die zunehmende Ein­engung des Einkommens durch die Umrechnung über den Lebenshaltungsindex auf Reichsmark Vorkriegskaufkraft. Dann hat man nämlich im Jahre

Einkommen

Steuern und Sozial

abgaben

verfügbarer Ein­tommensrest

1925

857

191

666

1926

869

211

658

1927

931

234

697

1928

958

243

715

1929

947

242

705

876-903

246

630-657

691-831

228

463-603

1930 1931

Diese Einengung und Belastung ist aber deshalb viel stärker fühlbar, weil die Verringerung des Einkommens den allernotwendigsten Lebensbedarf gefährdet. Wenn die Bela­stung dazu führt, die Grundlage der Existenz in Frage zu stel len, so ist der Druck, der auf dem deutschen Volke lastet, noch schwerer zu bewerten, als es das vorstehende Zahlenmaterial angibt.

Zum Glück liegen die Verhältnisse nicht auf dem gesamten Versicherungsgebiet so. Im Gegensatz zur Sozialversicherung hat sich die Privatversicherung als sehr krisenfest erwiesen. Be­sonders das tatkräftige und vorwärtsstrebende Versicherungs­wesen für Handwerk und Gewerbe kann diese Anerkennung für sich in Anspruch nehmen. Im weiteren Ausbau des be­rufsständischen Versicherungsgedankens hoffen die Versiche­rungsanstalten für Handwerk und Gewerbe ihr segensreiches Wirken immer mehr dem Mittelstand zugute kommen зн lassen. Sie sind, wie es der Generalsekretär des Reichsverban des des deutschen Handwerks, Herr Dr. Meusch, kürzlich zum Ausdruck gebracht hat, die zukunftsreichste Einrichtung des Handwerks.

Tagung des hessischen Handwerks.

Vergangenen Samstag und Sonntag fand in Ingel­heim die Tagung des hessischen Handwerks und Gewerbes statt. Sie wurde mit einer Sigung des Hauptausschusses er= öffnet. Der dabei erwarteten Sensation wurde dadurch die Spike abgebrochen, daß der Vorsitzende der Hessischen Hand­werkskammer, Nohl, sein Amt niederlegte, und der Bezirksver­band Groß- Gerau die Beleidigung gegen die Handwerkskammer zurücknahm. Die Hauptversammlung am Sonntag war von etwa 2000 Meistern aus Hessen besucht. Nach einem Referat des Schlosser- Obermeisters Francois Leipzig wurde eine Entschließung gefaßt, in der es heißt:

,, Ein einziger Schrei der Not geht durch die Reihen des deutschen Handwerks und Gewerbes. Dem Berufsstand, den man so oft als die stärkste und zuverlässigste Stütze des Staates anerkannte, hat die Wirtschafts-, Finanz- und Sozialpolitik des letzten Jahrzehnts den notwendigen Lebensraum ent­zogen. Den berechtigten Wünschen hat man die Erfüllung versagt und damit den ganzen Stand an den Rand der Ber­zweiflung und des wirtschaftlichen Ruins gebracht. Das hes= sische Handwerk und Gewerbe fordert in schicksalsschwerer Stunde mit allem Nachdruck eine völlige Aenderung des wirt­schaftlichen Kurjes. Es verlangt wiederholt kategorisch von den Parlamenten und Regierungen des Reichs und des Lan­des die ungesäumte Einleitung und Durchführung wirkungs­voller Maßnahmen im Sinne des Artikels 164 der Reichs­verfassung für den Schuh, die Erhaltung und Freiheit der