Samstag, den 9. Juli 1932.
,, Gießener Zeitung"
Schwere Zusammenstöße zwischen SA.- Leuten und politischen Gegnern in nassauischen Orten.
In Nauheim im Kreise Biedenkopf sollte Donnerstag abend eine nationalsozialistische Versammlung stattfinden. Als die Nationalsozialisten in den Ort einzogen, wurden sie mit einem Steinhagel empfangen. In der Wirtschaft des Ortes fam es zu einer Schlägerei. Auf der Straße setzte sich dann das Steinbombardement fort. Die Polizei war machtlos. Den Nationalsozialisten gelang es schließlich, ihre Autos wieder zu er= reichen. Auf der Fahrt wurden sie immer wieder mit Steinen beworfen. Jn Hermannstein tam es zu einer zweiten schweren Schlägerei, bei der auch Schüsse gewechselt wurden. Etwa 30 Personen sind verletzt worden, davon neun schwer. In Naunheim verweigerten die Einwohner die Unterbringung der Verletzten in ihren Häusern.
seiner Urlaubsfreizügigkeit beschränken und ihn verhindern zu wollen, daß er die Welt auch aus einer anderen als der Heimatsund Büroperspektive fennen lernt, so angebracht erscheint der we nigstens zeitweilige und freiwillige Verzicht auf vermeidbare Auslandsreisen, wenn die Notumstände von Staat und Wirtschaft ihn erheischen. Freilich gibt es auch Reiseländer, die uns gewisse valutarische Aufenthaltsvorteile bieten. Bei Licht be= sehen werden aber diese Vorteile oft wieder durch gewisse Verzichte auf Bequemlichkeit, Komfort, Aufmerksamkeit der Bedienung, Qualität des Dargebotenen, kostspieligeren Reiseweg und andere Nachteile aufgehoben. Im übrigen kommen die Preisdifferenzen fast überall dort in Wegfall, wo höhere Ansprüche an die Leistung gestellt werden. Daß Pilsener Bier, französischer oder italienischer Wein im Erzeugungsland billiger als in einem Importland zu haben sind, ist schließlich eine Selbstverständlichkeit, zu deren Feststellung der Deutsche nicht in die Ferne zu schweifen braucht. Er findet in landschaftlich sehr reizvollen Gegenden, in Gegenden, zu denen die Völker der Welt aus fernen Ländern und über die Meere pilgern und die nur im eigenen Lande nicht genügend gewürdigt werden, am Rhein, an der Mosel, in der Pfalz, in Baden, Württemberg, Bayern und anderwärts massenhaft Orte, die in der Preisstellung trok der viel schwereren Lasten der deutschen Fremdenverkehrswirtschaft in den meisten Fällen auf allen Leistungsgebieten auch mit dem valutaschwächeren Ausland konkurrieren können.
Generalmajor Max Freiherr von Preuschen †.
..Stoßt die Kohlenhalden ab!"
Aus bergbaulichen Kreisen wird uns geschrieben:
Nr. 27
Die Forderung nach einem schnellen Abstoß der Kohlenhalden hält sich wie ein Stehaufmännchen. Die Lagerkohle soll billig verkauft werden zur geldlichen Entlastung der Zechen, zur Linderung der Not Bedürftiger und zur Ankurbelung der Wirtschaft. Dieser Gedankengang wird oft wiederholt und abgewandelt. Er ist aber irrig.
Am Montagnachmittag ist Generalmajor a. D. Max Freiherr von Preuschen nach kurzem Kranksein verstorben. Freiherr von Preuschen war geborener Darmstädter. Am 12. August Hätte er ein Alter von 65 Jahren erreicht. Wie er im Kriege seine 115er geführt, blieb er der Führer der Leibgardisten auch nach dem Umsturz. Er war Präsident der Kriegerkameradschaft Hassia und Vorsitzender des Vereins der Offiziere des Leibgarde- Regiments, sowie erster Vorsitzender der Vereinigung früherer Leibgardisten. Wie der Heimgegangene als Soldat pflichterfüllt und treu war, werden seine Leibgardisten ihm die Treue über den Tod hinaus bewahren.
Es ist ein beklagenswerter Zustand, wenn Mangel an 1 tionalwirtschaftlicher Selbstdisziplin Maßnahmen erforderlich macht, die sich für ein zur Erkenntnis zwingender wirtschaftlicher Notwendigkeit befähigtes Volt erübrigen sollten, um so mehr, als möglichste Jnlandsbeschränkung der Reiselust und der Erholungsbedürfnisse gerade für den Deutschen keinerlei schmerzliche Entsagung bedeuten kann. Daher ist unter den gegebenen Verhältnissen der Appell ,, Reist in Deutschland!" auch für den deutschen Beamten nur eine selbstverständliche, sich aus seinen eigenen nationalwirtschaftlichen Ueberlegungen ergebende Forderung der inneren Verbundenheit mit dem eigenstaatlichen und wirtschaftlichen Gedeihen. Es wäre das schönste Zeugnis, das die Beamtenschaft ihrem Staats- und Volksbewußtsein selbst ausstellen könnte, wenn sie in dieser Notzeit ohne von außen tommende Mahnung auf alle nicht notwendigen Auslandsreisen und welche Auslandsreisen wären notwendig! verzichtete.
Ein ,, Milliardengeschent" für Herriot.
Damit bei den ernsten Verhandlungen in Lausanne auch der Humor zum Ausdruck kommt, sei hier folgende kleine Ge= schichte wiedergegeben:
Herriot, der am Mittwoch seinen 60. Geburtstag feierte, hat unter der Fülle der eingelaufenen Glückwünsche einen Umschlag gefunden, der einen deutschen Fünf- Milliarden- Schein aus der Inflationszeit enthielt mit der Anschrift:„ 3um völligen Ausgleich!"
Trotz des Sommers weitere Zunahme der Wohlfahrts
erwerbslosen in den Landkreisen.
Zu den Reichstagswahlen.
In Zeiten wirtschaftlichen Niederganges pflegt der Unternehmer schon wegen der Zinsersparnis nur ein kleines Lager zu unterhalten. Allerdings gilt diese Regel für den Steinkohlenbergbau nur bedingt. Es gab eine Zeit, da die fohlenverbrau chende Industrie durch Anschläge an den Kontoren sich den Be such der Kohlenverkäufer verbat. Das war in den achtziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts, vor der Gründung des Kohlen- Syndikats. Auch damals türmten sich an der Ruhr die Kohlenvorräte.
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Der Absatz der Kohle hängt mit der Nachfrage nach gewissen Sorten, nach bestimmten Korngrößen zusammen. Bereits vor Ort jedoch wird die Kohle in den verschiedensten Körnungen aus dem Flöz gebrochen, und auf dem langen Weg bis zutage und übertage bis zur Verladung ist manches Kohlenstück durch Abbröckeln und Abtrieb zu Kohlengrus geworden, der nicht abzusetzen ist. Solche Sortenprobleme gibt es in anderen Indu= strien auch. Wenn früher die Heeresverwaltung an eine Tuchfabrik einen Auftrag auf Lieferung von Militärtuchen für eine Ulanendivision vergab, so wurde für diese Ware nur besonders lang gewachsene Wolle versponnen. Da ein Schaffell aber auch furze Haare hat, schwollen die Lager der Weber in Kurzwolle start an.
Die Abstimmungszeit bei der Reichstagswahl am 31. Juli ist nach der Reichsstimmordnung von 8 Uhr vormittags bis 5 Uhr nachmittags festgesetzt. Jn Stimmbezirken mit weniger als 1000 Einwohnern kann die Abstimmungszeit abgekürzt wer= den. Nach einer Mitteilung des Reichsfinanzministers des Innern soll die Abstimmungszeit nicht verfürzt werden in Kuroder Badeorten, Sommerfrischen, Ausflugsorten, Gebirgsorten mit Fremden- und Touristenverkehr, Orten an der deutschen Reichsgrenze sowie in sonstigen Orten, in denen mit dem Erscheinen einer größeren Zahl von Stimmscheininhabern zur Abstimmung zu rechnen ist. Ferner ist zugelassen worden, in ländlichen Stimmbezirken die Abstimmungszeit mit Rücksicht auf die Erntearbeiten um eine Stunde vorzuverlegen.
In den deutschen Landkreisen ist die Zahl der Wohlfahrtserwerbslosen auf 810 000 am 31. Mai 1932 gestiegen. Gegenüber dem Vormonat bedeutet das eine Steigerung um nahezu 2 Prozent, gegenüber dem Vorjahr um 136 Prozent. Bemerfenswert und die Lage in den Landkreisen kennzeichnend ist dabei, daß im Gegensatz zu früheren Jahren- noch der Mai 1931 brachte eine Abnahme der Wohlfahrtserwerbslosen um 2 Prozent in diesem Jahre trotz der Jahreszeit die Zahl der Wohlfahrtserwerbslosen auch auf dem Lande weiter zugenommen hat.
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Die Landsknechte
Sportroman von Emil Wöhner.
( Nachdruck verboten.)
Wahlscheine besorgen!
Wer sich am Wahltage auf Reisen befindet, soll möglichst frühzeitig bei der Gemeindebehörde seines Wohnortes einen Wahlschein beantragen. Ferienreisenden, die Anfang Juli verrenisen und am 31. Juli sich außerhalb ihres Wohnortes aufhalten, wird empfohlen, den Wahlschein schon jetzt zu bean= tragen. In dem Antrag ist neben den Personalien und der ständigen Wohnungen auch anzugeben, wohin der Wahlschein
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Aehnlich ist es bei den Zechen. Bei der Stückkohlengewinnung entfällt immer Feinkohle, die in guten Zeiten in die Koksösen geschickt oder, wenn es sich um Magerkohle handelt, brikettiert wird. Heute bestehen die Brennstofflager vor allem aus Koks und Feinkohle. Koks ist augenblicklich nur gering gefragt, weil die Eisenindustrie vollkommen daniederliegt. Be= kanntlich sind die Vorräte auf rund 11 Mill. Tonnen angewachsen. Wie der Bergbau sich finanziell entlasten könnte durch Abstoßen einer Lagerware, für die keine Nachfrage vorliegt, st nicht recht einzusehen.
nachgesandt werden soll. Die Stimmlisten und Stimmfarten liegen vom 10. bis 17. Juli zu jedermanns Einsicht aus. Wer sich in dieser Zeit außerhalb seines Wohnortes aufhält, kann die Stimmliste oder Stimmfartei durch einen dritten Stimmberechtigten einsehen lassen.
( 8. Fortsetzung.) Ganz reibungslos war allerdings die Wahl nicht vonstatten gegangen. Dr. Bargmann war es gewesen, der sich warm für ihn eingesetzt hatte. Er verstand zwischen den Zeilen der vielen Angebote zu lesen und wußte, daß ein echter Sportsmann, der wirklich etwas leistet, gerne darauf verzichtet, sein Können be= sonders anzupreisen.
Stimmabgabe zur Reichstagswahl auch auf Bahnhöfen.
Zur Linderung der Not Bedürftiger hat der Bergbau im vergangenen Winter eine beachtliche Menge verbilligter Lagertohle abgegeben. Von dieser Maßnahme blieb der gespeicherte Kofs unberührt, da er im Herd oder Zimmerofen nicht zu ver wenden ist. Geldlich ist dem Bergbau die Lagerkohlen- Abgabe an Erwerbslose usw. nicht leicht geworden.
Bei der Reichstagswahl werden, wie amtlich mitgeteilt wird, für den Inlandsreiseverkehr über weite Strecken und für die am Wahltage nach dem Ausland fahrenden oder vom Auslande zurückkehrenden Inlandsdeutschen auf wichtigen Bahnhöfen Wahlmöglichkeiten geschaffen werden.
Ausdruck ,, Wenn ich noch einmal meine Meinung zum bringen darf ,,, hatte Dr. Bargmann auf der Vorstandssitzung ausgeführt ,,, muß unsere Wahl auf Bringhoff fallen. Ich kann Ihnen allerdings nicht mit schlagkräftigen Beweisen dienen. Es ist eben mehr Gefühlssache."
Und weil er einen großen Einfluß in der Vereinsleitung besaß, wurde Bringhoff gewählt.
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Der Absatz der Halden zu Schleuderpreisen soll helfen, die Wirtschaft anzufurbeln. Man hat von derlei Vorschlägen und Versuchen häufig gehört, aber von den erhofften Wirkungen leider noch nichts gemerkt. Daher ist es ratsam, solche Vorschläge unter die Lupe zu nehmen. Wenn der riesige Kohlervorrat bei dem heutigen geringen Bedarf hintereinander abgesetzt würde, so müßten sämtliche Seilscheiben an der Ruhr still stehen und die ganze Bergarbeiterschaft 50 Tage lang feiern. Diese Erwägung ist aber Theorie, denn praktisch ist kein Bedarf Par Feinkohle und Kots vorhanden. Bei der Arbeitswiederaufnahme würden wiederum Feinkohle und Koks keinen Absatz finden und gelagert werden müssen.
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Was für das Inland gesagt ist, gilt sinngemäß auch für das Ausland. Soweit es selbst Kohlen fördert, würde es sich einem Verschleudern der deutschen Kohle widersetzen und nicht tatenlos zusehen, wenn durch Dumping der eigene Markt gefährdet würde.
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auch noch einmal empfinden, wenn Sie die Vierzig erreicht haben. Aber bis dahin hat es noch gute Zeit. Sie gehören zur Jugend. Das ist allerdings kein Verdienst, aber doch ein Vorteil, der größer ist als meine geringe technische Ueberlegenheit." Bringhoff war mit den Leistungen seiner Schüler sehr zufrieden. Sie gaben sich große Mühe und ihre Form verbesserte sich von Tag zu Tag.
hatte ihren Zwed, ihr Ziel. Da Schnelligkeit von allergrößtem Wert beim Fußballspiel ist, begann Bringhoff den Trainingsnachmittag regelmäßig mit Laufübungen. Jeder Spieler mußte drei Läufe über vierzig Meter ausführen. Bringhoff kontrollierte mit der Stoppuhr genau die Zeit und erwähnte am Schluß anerkennend den Namen des schnellsten Läufers. So wedte er den Ehrgeiz der Spieler. Später ließ Bringhoff den Lauf über furze Strecken auch als Staffette durchführen. Das machte den Spielern viel Spaß und regte sie zu den bestmöglichsten Leistungen an. In der kurzen Erholungspause, die den anstrengenden Kurzstreckenläufen folgte, gab es ein lustiges Unterhaltungsspiel mit dem Medizinball. Dabei saßen oder standen die Spieler im Kreis und warfen sich gegenseitig mit frästigem Schwung den Ball zu, während ein anderer Spieler versuchte, den Ball zu be= rühren. Nach diesem Spiel folgte als wichtiges Hilfsmittel für die Stärkung der Beinmuskeln und Kräftigung der Lunge das Schnurspringen. Anschließend kamen Knie- und Fußgelenksübungen an die Reihe. Dann folgten Hoch- und Weitsprung. Als Abschluß des ersten Teils des Trainingsnachmittags gab es dann noch einen Dauerlauf in mäßigem Tempo um den Spielplatz. Mit der Zeit dehnte Bringhoff diesen Lauf bis zu dreitausend Metern aus.
Mit dem vorigen Trainer, der durchaus nicht unfähig gewesen war, hatte der Verein schlechte Erfahrungen gemacht. Er verstand es nicht, die Spieler richtig zu nehmen. Im Anfang fam er ihnen zu sehr entgegen und ließ sich allmählich die Zügel der Leitung aus der Hand nehmen. Schließlich trainierten de Spieler so, wie sie es für richtig hielten. Auf die Anweisungen des Sportlehrers wurde kaum noch gehört. Um die eingebüßte Autorität wieder zu erlangen, versuchte er es umgekehrt und fing an, zu befehlen, verhängte Strafen und drohte mit Ab lösungen aus der Mannschaft. Hatten ihm die Spieler bislang gleichgültig gegenübergestanden, wurden sie jetzt seine Feinde. Das Bedauerlichste dabei war, daß die Leistungen des Vereins immer mehr sanken.
Aber nun wurde es anders. In Bringhoff hatte die Mannschaft einen Trainer erhalten, wie es leider nur wenige gibt. Es war der geborene Führer. Unbewußt traf er im Verkehr mit den Spielern den richtigen Ton. Was manchem Trainer in jahrelangem Bemühen nicht gelang, erreichte er sofort: Er fam und besaß auch schon das Vertrauen seiner Schüler. Die Herzen der Fußballspieler flogen ihm nur so zu. Was er sagte, galt. Er war ihr guter Kamerad und auch wieder ihr Lehrer, zu dem sie vertrauensvoll aussahen; er war ihresgleichen und auch wieder ihr Vorbild, dem sie nacheiferten. Mit einem Worte: Er war eine Persönlichkeit, ein Charakter.
In der nun einsetzenden Ruhepause ging es unter die kalte Dusche. Nach einer gründlichen Massage begann der zweite Teil des Playtrainings. Jetzt kam das Spiel mit dem Lederball zu seinem Recht.
Ein Vergnügen war es, den Spielern bei der Trainingsarbeit zuzusehen. Bringhoff ließ feine Langeweile aufkommen. Er gestaltete seine Uebungsarbeit so abwechslungsreich als mög lich. Und doch steckte System dahinter. Jede kleinste Uebung
Bei einem Uebungsspiel gegen die Reservemannschaft wat auch Dr. Bargmann zugegen. Er sah mit Bringhoff dem Spiel zu. ,, Freund ist doch ein famoser Torwart," wandte Dr. Barg mann sich an den Trainer. ,, Wunderbar, wie er eben in hohem Sprung den Ball mit beiden Händen weit ins Feld zurüdfaustete."
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Ja," meinte Bringhoff ,,, durch seine Schnelligkeit, Geistes gegenwart und Ballsicherheit ist er für den Posten des Tor wartes wie fein anderer geeignet. Wenn er, wie eben, die hohen Bälle so ruhig und sicher wegfaustet oder die halbhohen Schüsse fängt, ahnt wohl niemand, wieviel Arbeitsstunden am Punching ball, im Kugelstoßen, Hoch- und Weitsprung hinter ihm liegen, ehe er diese Sicherheit und Kraft erreicht hat. Aber je elegan ter und ruhiger eine Leistung ausgeführt wird, um so mehr er weckt sie bei den Zuschauern den Eindruck der Leichtigkeit und Einfachheit,"
Bringhoff, der in seiner Glanzzeit selbst ein vorzüglicher Spieler und durch seinen langjährigen Aufenthalt in England mit allen Feinheiten und Trics des Fußballspiels vertraut war, wußte auch die Arbeit mit dem Ball anregend zu gestalten. Vor allen Dingen war er wie kein anderer in der Lage, alle Uebungen selbst vorzuführen. Es geschah dies jedesmal in einer musterhaften Ausführung, daß die Spieler oftmals verwundert dachten: Er spielt viel besser als wir. Warum ist er nicht mehr als aktiver tätig?'
,, Da haben Sie recht," stimmte Dr. Bargmann bei. ,, Biel mehr wirkt auf den Besucher des Fußballspiels das Hinwerfen des Torwarts, die Robinsonade."
Bringhoff ahnte wohl ihre Gedanken, denn bei Gelegenheit fagte er einmal:„ Gutes Fußballspielen ist gewiß nicht leicht. Aber ebenso schwer ist es, zur rechten Zeit damit aufzuhören, ehe man vom Verein zum alten Eisen geworfen wird. Wer die Mitte der Dreißig überschritten hat- es gibt natürlich Ausnahmen- soll sein können lieber in den Dienst der jüngeren Kameraden stellen. So dient er am besten dem Fußballsport. Junge, aufstrebende Mannschaften auszubilden auf Grund eigener Erfahrungen u. Kenntnisse, sie von Erfolg zu Erfolg führen zu dürfen, gewährt unter Umständen dieselbe Befriedigung wie aftives Spiel auf dem grünen Rasen. Das werden Sie vielleicht
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,, Ich bin kein Anhänger dieser Hechtsprünge," entgegnete Bringhoff. Sie sind nur in wenigen Fällen, nämlich bei überraschenden flachen Schüssen nach der Seite, erforderlich. Ein guter Torwart läßt sich aber nicht oft überraschen. Sicheres Fausten und Fangen, blitzschnelles Erfassen der Situation, schneller Start und richtige Stellung beim Erwarten des Leders kennzeichnen den Klassetorwart. Von diesen Gesichtspunkten habe ich mich auch bei der Trainingsarbeit Freunds leiten lassen. Und ich kann wohl sagen, daß ich mit ihm zufrieden bin. Am meisten Schwierigkeiten bereitete ihm wegen seiner Länge die Abwehr der flachen Bälle. Aber ich habe nicht loder gelassen. Ich glaube, daß er jetzt auch in der Abwehr der flachen Schüsse die erforderliche Fertigkeit und Sicherheit besitzt." ,, Freund würde wohl kaum so ruhig und sicher arbeiten, wenn er nicht wüßte, daß er zwei gute Verteidiger vor sich hat," meinte Dr. Bargmann. ,, Das ist wohl wahr," entgegnete Bringhoff. ,, Auf Schmidt und Zille kann er sich jederzeit verlassen. Die beiden Verteidi ger ergänzen sich vorzüglich. Schmidt ist die Kaltblütigkeit selbst. Nie verliert er vor dem Tor die Nerven. Haben Sie
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