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Nr. 17.

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Gießener Zeitung

Erscheint Samstags.

( Gießener Tageblatt)

Bezugspreis 1,50 RM vierteljährlich frei ins Haus. Redaktionsschluß früh 8 Uhr. Für Aufbewahrung oder Rüd­endung nicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert.

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Bolitische Rundschau.

Das Reichskabinett hat aus seinem reichhaltigen Wochen­programm 2 Punkte erledigt. Die angekündigten Notverord­ungen über die militärähnlichen Organisationen und über den Gottlosenverband der Kommunisten find Dienstag vom Reichs­präsident unterzeichnet worden und mit Wirkung vom Mittwoch bereits in Kraft. Bei der Verordnung über die politischen Gruppen handelt es sich um eine Maßnahme zur Kontrolle, wäh­rend die Verordnung über die proletarischen Gottlosen ein Ver: bot darstellt.

In der Deffentlichkeit werden Mitteilungen verbreitet, nach denen die Reichsregierung zur Dedung von Fehlbeträgen eine Zwangsanleihe oder eine Vermögensabgabe plant. Diese Nach­richten find unrichtig und entbehren jeder Grundlage.

Auf der Abrüstungskonferenz wurde über den Angriffs= harakter der U- Boote verhandelt, der von Deutschland, England und Italien bejaht, von Frankreich dagegen schroff verneint wurde.

Der Verwaltungsrat der Reichsanstalt für Arbeitslosenver: sicherung und Arbeitsverwaltung hat am Mittwochnachmittag cine Vorlage über die Ausdehnung des freiwilligen Arbeits­dienstes verabschiedet.

Die Reichsbahn mußte zum Ausgleich ihrer Bilanz 1931 ihre sämtlichen Rüdlagen nahezu ausschöpfen und ohne Reserve in das neue Geschäftsjahr hineingehen.

In der am Mittwochvormittag eröffneten ersten Hauptver: jammlung der neugewählten ostpreußischen Landwirtschafts­tammer wurde Freiherr von Butlar- Benedien, der auf einer nationalsozialistischen Liste in die Kammer gewählt worden ist, mit 47 Stimmen gegen 28 für den bisherigen Präsidenten der Landwirtschaftskammer Dr. Brandes- Althof zum Präsidenten

gewählt.

Das österreichische Kabinett Buresch ist gestern zurüdgetreten. Der Bundespräsident betraute Buresch mit der einstweiligen Fortführung der Geschäfte. In parlamentarischen Kreisen ver­lautet, daß sich die Christlichsozialen sehr bemühen, die Großdeut­schen in das Kabinett einzubeziehen.

Der frühere Kronprinz Friedrich Wilhelm, der am Freitag jeinen 50. Geburtstag feierte, richtete in einem Interview, das er dem Berliner Cheftorrespondenten der Associated Preß, P. Lochner, gewährte, einen Appell an das amerikanische Bolt, in dem er es um das Verständnis dafür bat, worum es in einem Deutschland gehe, das durch wirtschaftliche Sorgen und durch die demütigende Beschränkung seiner Hoheitsrechte zur Verzweiflung getrieben werde.

Der Gouverneur des Memelgebiets, Merkys, hat dem Prä­benten der Republik Litauen sein Rüdtrittsgesuch zugehen laffen.

Montagnachmittag lag das amtliche Gesamtergebnis für die 605 Wahlkreise in Frankreich und Algerien vor. Danach find 248 Abgeordnete gewählt, während 357 Sige durch die Stich­wahl besegt werden müssen.

Mittwoch wurde das Waffenstillstandsabkommen über Shanghai zwischen den Vertretern Chinas und Japans unter: zeichnet. Die Feindseligkeiten werden demnach sofort eingestellt und eine gemischte Kommission regelt die Zurüdziehung der Truppen.

In Kanton ist ein neuer Staatsstreich erfolgt durch den dor­tigen Militärgouverneur Tschangtschaitong, der sich in den Be­i der Macht gesetzt hat. Dieser soll mit General Feng in Ber­bindung stehen.

Umbildung des Reichskabinetts?

Berlin. Reichspräsident von Hindenburg empfing Diens: tag Reichstanzler Dr. Brüning zum Vortrag. Zu der eingehen­den Aussprache verlautet von unterrichteter Stelle, daß sich dabei cine völlige Uebereinstimmung zwischen den Auffassungen des Reichspräsidenten und denen Dr. Brünings ergeben hat. Alle gegenteiligen Gerüchte werden als in jeder Beziehung unrichtig bezeichnet. Anschließend empfing Dr. Brüning den Reichswirt­schaftsminister Warmbold, der bereits am Montag seinen Rüd­tritt angekündigt hat. Der Rücktritt ist gestern offiziell be­fanntgegeben worden. Als Nachfolger ist, wie wir erfahren, der frühere Preiskommissar Dr. Goerdeler ausersehen. Goerdeler, der der Deutschnationalen Volkspartei nahesteht, hat als Vorbedingung eine Kabinettsumbildung nach rechts gefor­dert. Dr. Brüning wünscht aber zum mindestens, die in nächster Woche beginnenden Reichstagsverhandlungen abzuwarten, ehe et sich zu einem solchen Schritt entschließt.

Dr.

Deutsche Mehrheit im Memel Landtag.

Nach dem nunmehr vorliegenden Gesamtergebnis der memelländischen Landtagswahl vom Mittwoch ergibt sich fol­gendes Bild: Deutsche: Memelländ. Volksp. Memelländ. Landwp. Sozialdemokraten

Arbeiterpartei( Komm.) Litauer:

17 922 24 442 5 114 5 390

( 1930: 13 709) 8( 8) Size, ( 1930: 15 810) 11( 10) Size, ( 1930: 6870) 2( 4) Size, ( 1930: 2 062) 3( 2) Size,

Großlitauische Volks und Arbeiterpartei Litauische Landwirte

7055( 1930: 1900) 3 Gizze, 4906( 1930: 6978) 2 Size, ( seither beide zus. 5 Size), Splitter: Verband d. litauischen Landwirte 6200 Size, Hausbesitzerliste 2360 Gize.

Die Wahlbeteiligung, die außerordentlich groß war, dürfte an 95 v. 5. heranreichen. In einer ganzen Anzahl von Orten wählte die Bevölkerung geschlossen zu 100 v. 5.. Selbst Kranke und Gebrechliche wurden auf Tragbahren zu den Wahllokalen getragen. Das Wahlergebnis, das eine deutliche Antwort auf bie litauische Gewaltpolitik darstellt, hat im ganzen Memelgebiet außerordentliche Genugtuung und Befriedigung ausgelöst.

Bolnische Absichten auf Danzig.

Englische Zeitungen veröffentlichten in sensationeller Auf­machung am letzten Sonntag einen Bericht, in dem es u. a. heißt, Polen habe seine Pläne für die Besizergreifung des Frei­taates Danzig fertiggestellt. Nur ein in elfter Stunde erfolgter Schritt Frankreichs habe verhindert, daß die polnische Flagge Sonntagabend über Danzig wehte. Die Polen haben scheinbar thren Kopf verloren; die Behörden hatten befürchtet, daß die polnische Flotte in den Danziger Hafen einfahren und wie im

Drud und Verlag von Albin Klein in Gießen Geschäftsstelle: Gießen, Südanlage 21. Fernsprecher Nr. 2525 und 2526. Postschedkonto Nr. 69 530 Amt Frankfurt a. M.

Samstag, den 7. Mai 1932

Falle der Wegnahme von Wilna die Welt vor eine vollendete Tatsache stellen würden. Der Oberkommissar, Graf Gravina, habe sich dringend mit dem Generalsekretär des Bölkerbundes in Ver­bindung gesetzt und ihm warnend von dieser Gefährdung des europäischen Friedens Mitteilung gemacht.

( Neueste Nachrichten)

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Nummer 18

Proletarier und Brolatarier.

Unter dieser Ueberschrift schreibt Spitama in der ,, Deutschen

Bergwerks- Zeitung" u. a.: Eine Katastrophe

ist Sonntag vermieden worden, aber die Lage bleibt ernst und bedürfe einer sorgfältigen Behandlung.

Der französiche Staatspräsident

das Opfer eines Attentates.

Auf den 77jährigen Präsidenten der französischen Republik Paul Doumer ist gestern nachmittag ein Attentat verübt wor den. Der Präsident hatte sich in eine Buchausstellung begeben. In dem Augenblid, da er mit einem größeren Gefolge den zwei­ten Ausstellungsfaal betrat, gab ein Ausstellungsbesucher fünf Revolverschüsse auf ihn ab. Doumer wurde von zwei Kugeln in den Kopf und unter der rechten Achsel getroffen und brach blutüberströmt zusammen. Der Attentäter, der zu fliehen ver­suchte, wurde am Ausstellungseingang gefaßt und konnte nur mit Mühe vor der Wut der Augenzeugen des Attentats geschützt werden. Es handelt sich um einen schon zweimal aus Frankreich ausgewiesenen russischen Arzt Gonguloff, der augenscheinlich geistesgestört ist. Doumer ist sofort operiert worden; aber es war zu spät; er ist heute morgen seinen Verlegungen erlegen.

Heimkehr von Paoli Schwarz nach Kehl.

Kehl. Nach mehr als zwölfjähriger Gefangenschaft in der Hölle von Cayenne ist am Dienstag Paoli Schwarz in seine Eine vieltausendtöpfige Heimatstadt Kehl zurückgekehrt.

Menschenmenge belagerte das Bahnhofsgebäude. Als der Zug einlief, brauste dem Heimkehrer ein tausendstimmiges Hoch ent­gegen. Auf dem Bahnsteig wurde Schwarz von einem Vertreter der Stadtverwaltung aufs herzlichste begrüßt. In der Bahn­hofshalle hieß ihn dann der Vorsitzende des Turnvereins Kehl, dem Schwartz früher angehörte, willkommen und überreichte als Anerkennung für seine Trewe die goldene Ehrennadel der Deut schen Turnerschaft. Zahlreich waren die Blumengrüße für den Heimgekehrten. In einem wahren Triumphzug wurde Schwark dann von Freunden auf den Schultern zu seiner alten Wohnung am Marktplatz getragen.

Die wirtschaftliche Lage des Handwerks im Monat April 1932.

Vom Reichsverband des Deutschen Handwerks wird uns geschrieben:

Die Entwicklung der wirtschaftlichen Verhältnisse im Handwerk hat im Monat April immer bedrohlichere Formen angenommen, so daß, wenn nicht bald eine grundlegende Besse­rung eintritt, eine Katastrophe unausbleiblich erscheint. Inwie weit die politische Hochspannung der letzten Wochen Handel und Wandel im lähmenden Sinne beeinflußt hat, läßt sich nur schwer beurteilen; immerhin hat es den Anschein, als ob weite Kreise der Auftraggeber sich darauf eingestellt hätten, den Aus­gang der Wahlen abzuwarten.

Eine leichte Belebung der Geschäftstätigkeit haben nur die Handwerkszweige aufzuweisen, die zu den ausgesprochenen Sai­sonberufen gehören. Zugenommen hat die Beschäftigung vor­wiegend infolge der regen Umzugstätigkeit und der Frühjahrs­reinigung bei den Malern, Töpfern, Tapezierern und Elektri­fern. Allerdings ließ der Hausbesitz nur die allernotwendigsten Reparaturen ausführen. Auch im Bekleidungshandwerk blieb infolge der allgemein ungünstigen wirtschaftlichen Verhältnisse sowie der verhältnismäßig kühlen Witterung die Geschäftsbele­bung gering. Für die Handwerksberufe, wie Sattler, Schmiede, Stellmacher etc., die von der Jnangriffnahme der Frühjahrs­arbeiten in der Landwirtschaft eine vermehrte Auftragserteilung hofften, brachte die Berichtszeit überwiegend eine starke Ent­täuschung. Besonders bemerkenswert war die Stille, die immer noch auf dem Baumarkt herrscht. Infolge der Schwierigkeiten in der Kapitalbeschaffung sowie der rigorosen Sparmaßnahmen der Behörden wurden Neubauten so gut wie gar nicht in An­griff genommen. Auch in den Baunebengewerben beschränkten sich die vorhandenen Aufträge fast durchweg auf kleinere Repa­

raturen.

Die immer noch anhaltende Durchführung der Preissen­fungsaktion der Reichsregierung hat durch ihre Form im Hand­werk starke Verbiterung und Verärgerung hervorgerufen. Man verkennt anscheinend, daß das Bestreben, unter allen Umständen Arbeit und Aufträge hereinzubekommen, im Handwerk bereits zu einem ungewöhnlich scharfen Wettbewerb und im Zusammen­hang damit zu einem unerträglichen Preisdruck geführt hat.

Der Arbeitsmangel führte auch insbesondere auf dem Ge­biet der Schwarz- und Pfuscharbeit zu immer unerfreulicheren Zuständen, denen unter den heutigen tatsächlichen und geseglichen Verhältnissen das Arbeitgebertum machtlos gegenübersteht. Ein wirksamer Schuh könnte immerhin von Seiten der Auftrag geber kommen, wenn diese endlich einsehen würden, daß sie durch Vergebung der vorhandenen Aufträge an das selbständige Hand­werk der örtlichen Wirtschaft und dem örtlichen Gemeinwesen den besten Dienst erweisen.

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Die soziale Belastung sowie die Steuerbelastung, die noch gut wie keine Minderung erfahren haben, werden vom Hand­werke nachgerade als unerträglich empfunden. Namentlich die Beitäge zu den Berufsgenossenschaften sowie die im Wider­spruch mit der Tendenz der Preissenkung stehende Erhöhung der Umsatzsteuer und die Vorverlegung der Einkommensteuervoraus­zahlungstermine belasten das Handwerk in schlimmstem Maße. Die Zahlungsweise der Kundschaft hat sich weiterhin verschlech

tert.

Der Arbeitsmarkt hat bislang nur eine geringe Ent­lastung erfahren.

Die Entwicklung des Bonzen" zum Zerrbild des Bour­geois" ist neuerdings wieder ins helle Tageslicht gerüdt worden durch den Sklarefprozeß, der allerdings nur das bestätigt, was schon die früheren großen Betrugs- und Korruptionsffan­dale Stlarz, Kutister und Barmat offenbart hatten. Zu den Ruhmesblättern" in der Chronik des deutschen Marrismus, die fie füllen, fommen nun neue dazu. Alle diese Millionäre mit den östlichen Namen hatten warme Freunde und Gönner in der marristischen Aristokratie, waren auch selbst Mitglieder der Partei, der zwar ein Millionär Gegenstand besonderen Ab­scheues ist, aber nur dann, wenn er sein Vermögen durch ehrliche Arbeit erworben hat, wicht jedoch, wenn er durch Schieben, Be­stechung und Betrug reich geworden ist und aus dem Osten stammt. Dann heißt es: Seid umschlungen, Millionen! Na­türlich -man ist ja sozial! muß ein solcher Millionär auch mitleben lassen. Wen denn? Das ,, Proletariat"? Ach me, die Bonzen! Wo waren", so schrieb ein rheinisches Blatt( K3. 110 vom 12. Februar 1925) anläßlich der Barmataffäre, die sozialistischen Grundsätze geblieben? Wo das Parteiprogramm? Die Sozialdemokratie bekämpft dröhnend den Kapitalismus der überlieferten Wirtschaftsordnung ging aber mit seiner scheuß­lichsten Abart, mit seinem neuesten Abkömmling, mit dem Schieberfapitalismus, traulich Hand in Hand."

Die fürchterlichen Blamagen von früher haben nichts ge­fruchtet, ein Beweis dafür, wie tief die Fäulnis im Marrismus stedt. Der Stlavefprozeß enthüllt wieder das gleiche Bild wie feine Vorgänger. Ueppige Diners eines hat für 24 Gebede und 59 Flaschen Sett 3500 RM. verschlungen- und als feiernde Gäste Prominente der Proletarierparteien. Sozis und Kozis, sonst grimmige Konkurrenten, friedlich zum leckeren Liebesmahl Deveint. Die abendlichen Gastereien haben nach Leo Stlaret durchweg 1500 bis 2000 RM. gekostet; die Gäste seien nicht auf Einladung, sondern von selbst gekommen. Ich war Mitglied der SPD.", so erklärte er, aber gleichgültig, ob Kommunisten, die in großer Zahl kamen- fie haben alle bekommen". Ein er hebendes Bild! Ja, gleich und gleich gesellt sich gern. Poli­bisches und ökonomisches Schiebertum haben sich da zusammen­gefunden; die Settpulle freist, und weinselig trintt man wohl auch mal auf das Wohl des Proletariats", damit es doch auch etwas von der Herrlichkeit hat, die man schließlich ihm verdankt. Denn auf seinen Schultern ist man ja emporgeklettert und in diese erlauchte Gesellschaft gelangt.

Eine der Gestalten, die auf der proletarischen Himmelsleiter emporgekommen sind, ist jüngst zu ihrem Leidwesen im Stlarefprozeß in den Brennpunkt der Aufmerksamkeit getreten. Es ist Brolat, der in der Berliner Sozialdemokratie eine führende Rolle spielt, der Duzfreund von Leo Sklaret, an dem er, wie er sagt, einen Narren gefressen hat. Sie waren sehr ver­traut miteinander, Leo soll einmal zu ihm gesagt haben. Mein lieber Brolat, wir sind doch nur ganz große Strolche". Von Hause aus Schlosser und Dreher, hat er es dank den Stimmzet­feln des Proletariats" zum Generaldirektor der Berliner Ver­Behrsgesellschaften gebracht und in dieser Stellung ein proleta­risches" Gehalt von jährlich 80 000 RM. bezogen! Entsprechend seiner Würde hat ihm Stlaret denn auch mit proletarischen" Seidenhemden, das Stüd zu 70 bis 80 RM., beschenkt.

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Dieser proletarische" Generaldirektor ist nun nicht etwa ein Unikum! Nein, es wimmelt in Deutschland von Leuten, die genau wie Brolat denken und handeln sagen wir furz: von Brolatariern, denen die Proletarier nur ein bequemes Mittel sind, sich in die Höhe schieben zu lassen, und sich dann da oben ein ganz und gar unproletarisches Dasein zu sichern. Brolatarier sind eine Errungenschaft" der Revolution, und sie selbst sind auch die einzigen, die durch die Revolution etwas errungen" haben. Denn die brodatarische Regierungstumst hat die ganze Wirtschaft in ein Trümmerfeld verwandelt, und unter den Trümmern liegen auch die ganzen Errungenschaften" be= graben, mit denen die Brolatarier die Proletarier bedacht haben, um sie zu födern und gefügig zu erhalten. Die einzige ,, Errun­genschaft der Proletarier" aus diesem Spiel ist bittere Not und trostlose Arbeitslosigkeit.

Aber das Spiel" soll immer noch weitergehen.

Jetzt wollen die Brolatarier den Bergbau sozialisieren, um neue Pöstchen und Versorgungen zu schaffen. Daß dadurch noch mehr in Scherben geschlagen und die Not der Proletarier noch gewaltig vermehrt wird, was fümmert das die Brolatarier? Nicht Herrschaft des Proletariats ist ja das Ziel, sondern Herrschaft des Brolatariats!

Sozialdemokratische Mißwirtschaft

in den Ortsfranfenfassen.

In der Leitung der Krankenkassen hat bekanntlich die So­zialdemokratie überwiegenden Einfluß. Man sollte nun meinen, daß die Sozialdemokratie, die sich so gern als die Arbeiterpartei bezeichnet, in der Verwaltung der ihr von den Arbeitern anver­trauten Gelder besonders vorsichtig gewesen sei. Das Gegenteil war aber der Fall. Rein äußerlich kommt die Verschwendung Aus= der Arbeitergroschen in den riesigen Verwaltungsbauten zum druck, die die Krankenkassen in fast sämtlichen Großstädten des Reichs errichteten. Auf folgende Trasse Fälle besonders unverant­wortlicher Ausgabenwirtschaft kann nicht oft genug hingewiesen werden; es fosteten die Krankenkassenverwaltungsneubauten in Berlin statt 2,8 Mill. RM. 5,1 Mill. RM. statt 4,4 Mill. RM. 6,5 Mill. RM. statt 1,2 mill. RM. 4,7 Mill. RM. tatt 0,6 Mill. RM. 4,5 Mill. RM. statt 2,6 Mill. RM. 3,3 Mill. RM. statt 0,8 Mill. RM. 2,7 Mill. RM. 1,25 Mill. RM.

in Frankfurt a. M. in Düsseldorf in Breslau in Dortmund in Braunschweig in Altona in Magdeburg in Solingen

in Chemnitz

3,27 Mill. RM.

1,00 Mill. RM. 4,20 Mill. RM.

Von der demokratischen Frankfurter Zeitung" wurde diese Mizwirtschaft durch folgende Worte gebrandmartt:

Der Mangel an Voraussicht, den man da bewiesen hat, reicht in der Proportion an die eindrucksvollsten Fehler deut­scher Behörden heran und wird deshalb mit besonderem Gewicht von Bevölkerung empfunden. Auch die Art, wie man mit den eigenen Schulden an den verschiedensten Stellen, an Arbeits­amt, Stadt und Aerzte disponiert und jongliert hat, fordert deutlichen Einspruch heraus. Für ein privates geschäftliches