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Samstag, den 6. August 1932.

Aus Nah und Fern.

Kartoffelkrebs in Oberhessen.

Ehringshausen. Der Kartoffelfrebs wurde in unserer Ge­martung festgestellt. Nachdem auf einem Grundstück verdächtige Frühfartoffeln geerntet worden waren, konnte bei einer mikro­stopischen Untersuchung festgestellt werden, daß die Knollen mit dem gefürchteten Kartoffelfrebs behaftet waren. Die Poli­zeibehörde und das Landwirtschaftsamt Alsfeld haben die Be­fämpfung des Kartoffelkrebses eingeleitet.

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Die Ueberweisungen gesperrt. Friedberg. Der hiesige Stadtrat hat in seiner letzten Eizung erneut die Angleichung der Realsteuersätze an den Landesdurch­schnittsjazz abgelehnt. Da diese Angleichung aber die Voraus­setzung für die Reichshilfe in der Wohlfahrtsfürsorge bildet, wurde der Stadtverwaltung nunmehr vom Kreisamt mitge­teilt, daß die Reichshilfe schon für den Monat Juli nicht mehr an die Stadt Friedberg ausgezahlt würde.

Großen- Linden. Der Voranschlag der Gemeinde für das Rechnungsjahr 1932 liegt vom 6. August ab auf eine Woche auf der Bürgermeisterei zur Einsicht offen.

Großen- Bused. Durch die Kirchenregierung wurde dem Pfarrer Karl Müller zu Düdelsheim die hiesige evange­lische Pfarrstelle übertragen.

Bad Nauheim. Bis zum 4. August 1932 betrug der Gesamt­besuch 16 679 Gäste, darunter 2844 Ausländer. Anwesend waren an diesem Tage 3026 Gäste.

Schotten. Am Montag, den 8. August, findet in der Kreis­stadt Schotten der alte und weithin bekannte Schottener Som­mermarkt in althergebrachter Form statt.

Schotten. Gegenwärtig wird im Niddertal in der Gemar­fung der Gemeinde Burkhards eine aus dem frühesten Mittel­alter stammende Kirche, die sogenannte Marcellinuskirche", ausgegraben.

Schotten. Am Hoherodskopf wurde am Donnerstagnach­mittag ein zehnjähriger Hütejunge, der vor einem herauf= ziehenden Gewitter unter eine Fichte gekrochen war, vom Blitz erschlagen.

Herchenhain. Eine Totengedenkfeier des VHC wird am 28. August am Gefallenen- Ehrenmal auf der Herchenhainer Höhe abgehalten.

Michelstadt. Die Leiche des bei einem Flugzeugunglüd in England abgestürzten Grafen Otto zu Erbach- Fürstenau traf am Sontagabend hier ein und erfolgte am Dienstag die Bei­setzung auf dem hiesigen Friedhof.

Bensheim. Um allen irreführenden Nachrichten entgegen­zutreten, sei bemerkt, daß auch dieses Jahr das Bergsträßer Winzerfest, und zwar vom 17. bis 20. September, stattfindet.

Beim Scheibenschießen erschossen.

Marburg. Im benachbarten Gemünden ist der Arzt Dr. Schütz auf tragische Weise ums Leben gekommen. Er vergnügte sich mit dem bei ihm zu Besuch weilenden 14jährigen Sohn eines Pfarrers aus Hersfeld mit Scheibenschießen, wobei ein Luftgewehr benutzt wurde. Später nahm Dr. Schütz seine Pi­stole, mit der er ebenfalls einen Schuß auf die Scheibe abgab. Als er die Scheibe nachsehen wollte, ob der Schuß getroffen hat, legte der Junge, dem er die Pistole zum Halten gegeben hatte, an und traf den Arzt, der sofort tot war. Allem An­schein nach hat er mit der Pistole gespielt.

Frankfurt a. M. Ein Postaushelfer, der im Zustellungs­und Verteilungsdienst beschäftigt war, unterschlug 14 Briefe, weil er Geld darin vermutete und vernichtete sie. Er wurde nunmehr zu der Mindeststrafe für Amtsunterschlagung von einem Jahr Zuchthaus verurteilt.

Frankfurt a. M. In der Favagsache ist die schriftliche Be­gründung zu dem am 25. Februar d. J. verkündeten Urteil der Großen Straffammer unterzeichnet worden. Die schriftliche Be­gründung umfaßt rund 1400 Schreibmaschinenseiten. Urteils­verfasser ist Amtsgerichtsrat Dr. Wildberger.

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Wellenänderung des Kasseler Senders.

Kassel. Der Rundfunksender Kassel arbeitet mit 11 anderen europäischen Sendern auf der internationalen Gemeinschafts­welle 1220 KHz( 245,9 Meter). Die Empfangsverhältnisse sind infolge der Beeinflussungen der übrigen Sender sehr ungünstig. Um die Verhältnisse zu bessern, ist nunmehr in Aussicht genom­men, den Rundfunksender Kassel im Gleichwellenbetrieb mit Frankfurt a. M. auf Welle 259,3 Meter zu betreiben. Gleich­zeitig wird die Leistung des Senders verdoppelt.

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Ein weißer Rabe.

Walded. Die Stadt Sachsenberg in Waldeck ist als weißer Rabe unter den deutschen Städten insofern anzusehen, als die soeben der Gemeindevertretung vorgelegte Haushalts­rechnung für das Jahr 1931/32 mit einem Ueberschuß von 6840 RM. abschließt. Kein Wunder, daß die Gemeindevertretung ,, mit Genugtuung" von dieser Tatsache Kenntnis nahm.

Marienberg( Westerwald). Der Kreistag des Oberwester­waldkreises genehmigte den neuen Etat, der in Einnahme mit 1 039 686 RM. und in Ausgaben mit 1 104 686 RM. abschließt, so daß sich ein Fehlbetrag von 65 000 RM. ergibt.

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Hunderte Schmuggler wollen über die Grenze. Aachen. In der Nacht auf Donnerstag versperrten an der deutsch- belgischen Grenze Zollbeamte mehreren Hundert Schmugglern den Weg zum deutschen Reichsgebiet. Um gewalt­same Uebertritte dieser riesigen Gruppen zu verhindern, wurden verschiedene Schreckschüsse abgefeuert. Da aber die Schmuggler durch ein Signal zum Vormarsch aufforderten, mußte scharf ge­schossen werden, wodurch zwei Schmuggler verwundet wurden. Die Lage für die Zollbeamten wurde immer bedrohlicher, so daß ein Ueberfallkommando herbeigerufen werden mußte, mit dessen Hilfe die Banden zum Teil unter Zurüdlassung des Schmuggelgutes zurückgedrängt wurden.

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Freie Rückfahrt aus Amerika.

Frohnhausen( Dillkreis). Dieser Tage ist eine Familie von hier, die seinerzeit nach Amerika auswanderte, wieder zu­rückkehrt. Die Familie wurde von der amerikanischen Regie­rung frei bis Hamburg befördert, da nach der Bestimmungen alle in Amerifa arbeitslos werdenden Eingewanderten frei zu­rüd befördert werden können.

Die täglichen fünf Minuten

Das Radfahren als Leibesübung.

Die Begeisterung für den Sport als Ertüchtigungsmittel für die Jugend hat den Glauben erweckt, als sei der Sport nur etwas für junge Leute. Man identifizierte den sportlichen Wettkampf mit der Leibesübung und glaubt, dem Sport als Arzt am Krankenlager des Volkes dadurch gerecht zu werden, daß man zur Bezahlung seiner Liquidation sein Scherflein bei­trägt. Vor dem Kriege herrschte die Ansicht, der Militärdienst reiche zur körperlichen Ertüchtigung aus, und der später erschei nende Schmerbauch sei ein unabwendbares Naturereignis. Aber seitdem wir gesehen haben, daß sportlich tüchtige Völker in über­raschend kurzer Zeit zu kriegstüchtigen Völkern herangebildet werden können, ist dieser Glaube an die alleinseligmachende mi­litärische Körperausbildung erschüttert worden.

Die meisten Menschen schmachten in den Fesseln eines sie zum Verweilen auf einem Fleck verurteilenden Berufes. So­weit die Ausübung des Berufes eine körperliche Bewegung mit sich bringt, könnte man in ihr einen Ersatz für die täglichen fünf Minuten" erblicken, aber die wenigsten berufstätigen Men­schen erfreuen sich einer förperlichen Bewegung bei Ausübung ihres Berufes. Alle Kopfarbeiter und die Mehrzahl der Hand­arbeiter sind zum Sigen verurteilt, und diese Gefesselten müssen durch eine Leibesübung befreit werden, sollen sie nicht verküm­mern, altern und als brauchbares Mitglied der Nation nicht verloren gehen.

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Verwertung

Gegen die Forderung, vor Aufnahme der Berufsarbeit einige Minuten der Leibesübung zu widmen, wird in den mei­sten Fällen ein Mangel an Zeit ins Treffen geführt. Es soll zugegeben werden, daß es für einen Großstadtmenschen nicht leicht ist, vor Antritt seines Weges zur Arbeitsstätte eine Reihe von Uebungen zu machen, alsdann in eine überfüllte Straßen­bahn zu steigen und hangend und bangend in schwebender Pein der Arbeitsstätte zuzustreben.

Sich regen bringt Segen, heißt es in einem Sprichwort und wenn dieses Sichregen nicht als Leibesübung, sondern als Fleiß aufgefaßt werden soll, so kann man das Sprichwort ebenso gut auf das anwenden, was als Arznei dem deutschen Volke gereicht werden soll, auf die Leibesübung. Wohl haben wir nach dem Kriege unserer Jugend mehr freie Zeit zu Spiel und Sport ge= lassen als vor dem Kriege, aber die Berufstätigen können von dem Segen der Bewegung im Freien nach der Arbeitszeit nur dann vollen Gebrauch machen, wenn sie während des Tages nicht völlig aus der Bewegung kommen. Das nächstliegende wäre der Marsch zur Arbeitsstätte am Morgen, und es soll nicht bestritten werden, daß ein Marsch durch die frische Morgenluft dem Körper ebenso dienlich ist, wie ein Bad. Aber die Entfernungen sind in vielen Fällen so groß, daß die meisten Berufsmenschen die Zeit

Leser, Vorsicht!

Nr. 31.

für diesen Uebungsmarsch vom Heim zur Arbeit nicht aufbrin gen können. Sie würden ermüdet zur Arbeit erscheinen und abends froh sein, wenn sie nach Hause fahren und ausruhen tönnen, anstatt Leibesübungen zu betreiben.

Das Zusammenziehen der Entfernungen ist die erste Bedin­gung zur Schonung der Kräfte, und man hat in dieser Bezie hung vieles erprobt. Man wäre vielleicht wieder auf die Be nuhung der Massenverkehrsmittel gekommen, wenn nicht in einer Leibesübung die Ueberwindung von Zeit und Raum sich zusam menfassen ließe, im Radfahren. An allen Sportstätten hat man dem Radfahren die Rolle des förperbildenden Zeitsparers zu geteilt, und auch im Erwerbsleben hat man die Doppelrolle des Fahrrades erkannt. Der Bürobeamte, der weit im Vorort zu wohnen verurteilt ist, weil sein Einkommen für eine Wohnung im Stadtinnern nicht ausreicht, würde der Entfernung zwischen

Bezugsp

Redaktionsi

endung nid

Wohnung und Arbeitsstätte Zeit, Geld und Gesundheit opfern 44. Ja

müssen, käme ihm nicht das Fahrrad zu Hilfe. Das Fahrrad zwingt ihm auf dem Wege zur Arbeitsstätte die ,, täglichen fünf Minuten" ab und setzt ihn in den Stand, die Arbeitsstätte im Vollbesitz seiner Kräfte zu erreichen. Es ermöglicht ihm ein Aussuchen seines Heims in kurz bemessener Mittagszeit, und es trägt ihn in wenigen Minuten zum Sportplatz, den der Nicht­radfahrer verärgert durch die überfüllten Verkehrsmittel und abgehetzt in der dreifachen Zeit nicht zu erreichen vermag.

Die Erkenntnis vom Wert des Fahrrades als Zeitsparer und Helfer bei den täglichen fünf Minuten" ist in Sportskreisen allgemein bekannt, aber in Laienkreisen sucht man die Lösung dieses ,, Verkehrsproblems" noch immer in einer Erweiterung des Verkehrsnetzes und einer Vermehrung der Massen beförderungs mittel. Die Wichtigkeit der öffentlichen Verkehrsmittel soll nicht bestritten werden, aber der moderne Mensch muß zur Selb ständigkeit erzogen werden, um auch dann nicht in Verlegenheit zu kommen, wenn alles versagt, was ihm an zeit- und kraft sparenden Verlehrsmitteln zur Verfügung steht.

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