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Gießener Zeitung

Erscheint Samstags.

( Gießener Tageblatt)

Bezugspreis 1,50 RM vierteljährlich frei ins Haus. Redaktionsschluß früh 8 Uhr. Für Aufbewahrung oder Rüd­Jendung nicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert.

45. Jahrg.

Bolitische Rundschau.

Böller­

Die Osterpause in den Abrüstungs- und anderen bundsarbeiten nähert sich dem Ende. Diese Woche sinden be­reits Besprechungen über Danzig und sozialpolitische Konferen­zen statt. Am 11. d. M. beginnt dann die eigentliche Abrüstungs­fonferenz, am 12. die Ratstagung über das Donauproblem und die internationale Arbeitskonferenz über Arbeitslosigkeit und Weltkrise.

Das Finanzlomitee des Bölkerbundes hat sich mit der wirt­chaftlichen und finanziellen Lage Desterreichs beschäftigt und dem Völkerbundsrat empfohlen, für Desterreich eine Anleihe im Betrage von 100 Millionen Schilling zu bewilligen.

Ministerpräsident MacDonald wird den Vorsitz bei der Biermächte- Konferenz, die am Mittwoch beginnt, führen.

Die am Dienstag im Reichsarbeitsministerium geführten Nachverhandlungen über das Urlaubsabkommen im Ruhrberg­bau find ergebnislos geblieben. Die Entscheidung liegt jett beim Reichsarbeitsminister und dürfte taum vor Ablauf der Woche zu erwarten sein.

Der deutschnationale Parteivorstand richtete an den Reichs­präsidenten und an die Reichsregierung eine Erklärung, die fich gegen den Mißbrauch des preußischen Staatsapparates" richtet.

Der Radikale Mittelstand", eine Absplitterung der Wirt­chaftspartei, hat beim Reichsminister des Innern einen Zu­laffungsantrag auf ein Voltsbegehren eingebracht.

Aus 17 von insgesamt 37 Kreisen liegen die Ergebnisse der Die Neuwahl zur Ostpreußischen Landwirtschaftstammer vor. Nationalsozialisten erhielten bisher 22, der Landwirtschaftsver­band Ostpreußen 14 Size.

Im Haushaltsausschuß des Bayerischen Landtages erklärte Ministerpräsident Dr. Held zum Fall Frid, daß dessen Wieder­verwendung im bayerischen Staatsdienst durch ihn nicht beein­flußt worden sei.

In Mittweida haben Kommunisten in der Nacht zum Mon­tag mehrere Ueberfälle auf Nationalsozialisten ausgeführt, bei denen ein Nationalsozialist erstochen und sieben zum Teil schwer verlegt wurden.

Die gesamte Arbeiterschaft in der ostoberschlesischen Zintin dustrie hat die Kündigung zugestellt erhalten. Wiedereinstel­lungen sollen nur unter der Voraussetzung erfolgen, daß die Ar­beiter sich mit einer Lohnkürzung um 12 v. S. einverstanden er­Ilären. Bei Ablehnung dieser Kürzung sollen die Betriebe ge= schlossen werden.

Drud und Verlag von Albin Klein in Gießen Geschäftsstelle: Gießen, Südanlage 21. Fernsprecher Nr. 2525 und 2526. Postschedkonto Nr. 69 530 Amt Frankfurt a. M.

Mittwoch, den 6. April 1932

Neues" bekannt gewordenen Schriftstellers Remarque bei der Danatbank beschlagnahmt. Die Maßnahme erfolgte, weil der Verdacht der Devisenschiebung besteht.

Hellische Rolitit.

Am Donnerstag wird der Finanzausschuß des Hessischen Landtages die allgemeine Aussprache über den Staatsvoran­schlag 1932 einleiten. Der Etat schließt für den ordentlichen Haushalt in Einnahme und Ausgabe mit 108 542 555 Reichsmart ab. Gegenüber 1931 haben sich die Ausgabeziffern um 29,8 Mill. RM. vermindert. Zu den Einsparungen hat neben der allge­meinen Tendenz, die Ausgaben des Staates zu senten, auch die Verminderung der Einnahmeseite den Anstoß gegeben.

Die wirtschaftliche Lage des Handwerks im Monat März 1932.

Vom Reichsverband des deutschen Handwerks wird uns geschrieben:

Die immer weitergehende Schrumpfung der deutschen Wirtschaft machte sich im Monat März auch für das Hand­werk in einem weiteren Auftragsrückgang ungeheuer ungünstig bemerkbar. Die Belebung, die sonst das Frühjahr brachte, blieb so gut wie vollkommen aus. Zum Teil sind hieran die Witterungseinflüsse schuld, zum größten Teil aber dürfte diese Tatsache auf die allgemein wirtschaftlichen Verhältnisse zurück­zuführen sein. Die Zahl der Handwerksbetriebe, die gänzlich still liegen oder nur noch vom Meister allein betrieben werden, Der allgemeine Arbeitshunger führte zu nimmt ständig zu. einem Kampf um die wenigen noch vorhandenen Aufträge. Das Preisniveau ist daher allgemein so stark gesunken, daß ein nen­nenswerter Gewinn überhaupt nicht mehr zu erzielen ist.

Die Deflationspolitik, die von der Reichsregierung beson­ders in der Vierten Notverordnung vom 8. Dezember 1931 an­gewandt wurde, konnte im Handwerk nicht belebend wirken, im Gegenteil, der Lohn- und Gehaltsabbau hat sich in einem Rück­gang der Aufträge ausgewirkt, doch ist festzustellen, daß durch die Politik der Regierung im Publikum sehr starke Hoffnungen auf einen erheblichen Preisabban gestärkt wurden, die zur Zu­rückhaltung noch vorhandener Aufträge führten. Die durch die Preissenkungsaktion gleichfalls genährte Auffassung weiter Kreise des Publikums, daß die Preise im Handwerk allgemein überhöht seien, förderte die Vergebung von Reparaturarbeiten an Schwarzarbeiter. Sogar Personenkreise, die früher niemals daran gedacht haben, ihre Aufträge an solche Personen zu ver­Der Mitinhaber des in Liquidation befindlichen Frankfurter geben, wandten sich in größerem Umfange dieser Bedarfs­

Die Verhandlungen zwischen dem Stahlwertsverband und der Sowjethandelsvertretung über die Lieferung von insgesamt 300 000 Tonnen Walzwertserzeugnisse sind dieser Tage erfolg­reich abgeschlossen worden.

Der Spareinlagenbestand bei den Sparkassen des Deutschen Reiches hat im Monat Februar eine Erhöhung von 9887,3 auf 9888,7 Mill. RM. erfahren.

Bantgeschäftes Jmhäuser u. Co., Dr. Walther Imhäuser, wurde wegen dringenden Verdachts der Devisenverschiebung festgenom­men, der Briefwechsel der Firma wurde beschlagnahmt.

Der Privatdistont wurde auf 5% Prozent ermäßigt. Der Generalstreit der Bergarbeiter in Nordwestböhmen geht unvermindert weiter.

In der Nacht auf Dienstag erlag Graf Ottokar Cernin, seinerzeit Außenminister Kaiser Karls, einem Herzschlag. Graf Ottolar Czernin ist 59 Jahre alt geworden.

Am Sonntag fand in Rom die Eröffnung des Goethe- In­tituts für germanische Studien statt. Mussolini feierte Goethe in einer Ansprache in deutscher Sprache, worauf der deutsche Botschafter von Schubert in italienischer Sprache dankte.

Ueber die englisch- französischen Beratungen wurde eine ge= meinsame Erklärung veröffentlicht, in der es heißt, die Bera­tungen hätten hauptsächlich den wirtschaftlichen und finanziellen Schwierigleiten gegolten, denen die Donaustaaten gegenüber­tehen.

Ministerpräsident General Ziwkovitsch hat am Montagmit tag dem König Alexander auf Schloß Dedinjew bei Belgrad den Gesamtrücktritt der Regierung unterbreitet. Der König hat den Rüdtritt angenommen.

Die amerikanische Regierung bereitet als ihren eigenen Bei­trag zur Beseitigung des Defizits einen gewaltigen Abbau aller Staatsausgaben vor.

Bei den allgemeinen Wahlen in Megiko ereigneten sich mehrfach blutige Zusammenstöße, bei denen vier Menschen ge= tötet und zwanzig teilweise schwer verletzt wurden.

Der erste Reichshaushalt ohne Beträge für Tribute.

In der Woche vor Ostern ist im Wege einer Notlösung die Haushaltgebahrung des Reiches bis zum 30. Juni 1932 geregelt worden, was sozusagen eine Verlängerung des Haushaltsplanes 1931-32 darstellt. Vom 1. Juli ab soll der Haushalt 1932--33 laufen. Voraussichtlich wird gegen Ende dieses Monats der neue Reichshaushalt veröffentlicht werden. Das wichtigste Merkmal dieses Etats wird sein, daß er

zum ersten Male in der Nachkriegszeit keine Beträge für Tribut­zahlungen

enthält, wie es noch beim Etat 1931-32 der Fall war. Damit stellt sich die Haushaltpolitik des Reiches konsequent im Sinne Der Erklärung des Reichskanzlers und der Reichsregierung ein, Die vor aller Welt feststellten, daß Deutschland nicht mehr in der Lage ist, Tribute zu bezahlen.

Der Memel- Standal tommt vor den Haager Gerichtshof. Kowno. 5. April. Nach einer amtlich nicht bestätigten Berlautbarung haben die Unterzeichnermächte, die litauische Regierung davon verständigt, daß die ganze Memelangelegenheit einschließlich des Falles Böttcher, infolge der Nichtbeachtung ber bei dem letzten gemeinsamen Schritt der Mächte vorgebrach ten Warnungen jetzt vor den Haager Schiedsgerichtshof gebracht werden würde.

Remarques Bankkonto beschlagnahmt.

Berlin. Auf Veranlassung der Zollfahndungsstelle wurde das Danatbank- Konto des durch den Roman ,, Im Westen nichts

deckung zu.

Die Vorverlegung des Vorauszahlungstermins für die Einkommensteuer hat sehr nachteilige Wirkungen hervorgerufen. Die erfolgte Senkung der Preise für Gas und Elektrizität war nur so gering, daß dadurch eine fühlbare Entlastung des Be­triebskostenkontos nicht eintreten konnte. Alles in allem ge­sehen, sind die Preisbedingungen für das Handwerk in einem ganz unerträglichen Zustande. Ueber den Eingang der Zah: lungen wird allgemein sehr geklagt. Die Eintreibung der For: derungen wird häufig durch die sehr hohe Lohnpfändungsgrenze unmöglich gemacht.

Die Zukunftsaussichten für die nächsten Monate sind um so betrüblicher, als Anzeichen für eine Belebung des Baumark­tes nicht vorhanden sind. Außerdem ist die Lage des Alt- und des Neuhausbesizes so drückend, daß Reparaturarbeiten ättch für die Zukunft nur in ganz geringem Umfange zur Vergebung kommen werden. Eine Belebung der Handwerkswirtschaft ist nur möglich, wenn eine vollkommene Umgestaltung der Wirt­schafts- und Sozialpolitik der Reichsregierung mit möglichster Beschleunigung eingeleitet wird. Db das in Aussicht stehende Arbeitsbeschaffungsprogramm nach dieser Seite wirken kann, muß nach den bisherigen Verlautbarungen noch sehr stark be­zweifelt werden. Das Haupterfordernis dürfte eine Regierungs­politik sein, die auf eine Stärkung des wirtschaftlichen Ver­trauens abzielt, damit das an und für sich noch vorhandene Ka­pital wieder belebend in die Wirtschaft eingeleitet werden kann.

GR.

BRITANNIEN

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Nummer 14

Das russische Paradies".

Ein Wuppertaler Beigeordneter erzählt seine Erlebnisse in Rußland.

Ein Wuppertaler Beigeordneter gab nach den ,, Düsseldorfer Nachrichten" anläßlich einer Aussprache im Stadtparlament eine Schilderung über Sowjet- Rußland. Da es sich um eine Schilderung nach eigenen Erlebnissen handelt, dürfte sie beson­deres Interesse beanspruchen.

In der Wuppertaler Stadtverordnetensizung kam es anläß­lich einer Auseinandersehung über den Straßenbau zu einer be­merkenswerten Aussprache über russische Verhältnisse. Als nämlich der Beigeordnete Dr. Roth Einzelheiten ausführte über die geringen Möglichkeiten, das Wuppertaler Straßennet zu verbessern, machten die Kommunisten Zwischenrufe, in denen sie auf die besseren Zustände in Sowjet- Rußland hinwiesen. Dr, Roth ging auf diese Bemerkungen ein, da er auf Grund einer langen Studienreise in Rußland wohl in der Lage sei, Ver­gleiche anzustellen. Der Beigeordnete erklärte im Wortlaut ungefähr folgendes:

,, Wenn Sie( die kommunistischen Stadtverordneten) eine Ahnung hätten von den wirklichen Zuständen in Rußland, dann würden Sie es unterlassen, Parallelen zwischen Rußland und uns zu ziehen.

Ihre Aufafffung von Rußland beruht von A bis 3 auf einen großen Irrtum.

Ich hatte Gelegenheit, in Petersburg und Moskau die Straßen und Häuser zu besichtigen, und ich muß Ihnen sagen: es ist ein­fach grauenhaft! Wenn Sie, meine Herren Kommunisten, eine Regierung, ausgearbeiteten Programm vornehmen würde, Sie Rußlandbesichtigung nach einem von mir, nicht von der Sowjet­alle würden mindestens als Sozialdemokraten zurüdfgminen. Die Zustände spotten einfach jeder Beschreibung. Als wir seinerzeit ein Kinderheim besuchen wollten, das der eigenen Aus ſage des Führers in einem der ſeinſten Biertel von Beiersburg liegt, da war es einfach nicht möglich, mit dem Auto dorthin zu gelangen, weil

Der Wagen bucolich im Dred steden blieb. Von einer ehemaligen, im zaristischen Rußland angelegten Asphaltbahn waren nur noch fümmerliche Reste zu erkennen. Und das war die einzige Autostraße" des ganzen Petersburger Nordviertels! Unsere Wuppertaler Straßen fönnten noch fünf Jahre lang ohne jede Reparatur bleiben, und sie würden immer noch Gold gegen die russischen Straßen sein. Nicht anders ist es bei den Häusern. Unsere Notwohnungen sind fleine Villen dagegen! In einem besseren" Hause, in dem der Direttor einer Suiffahrtzgefettsugust wohnt, gibi sveifpletswette ut einen einzigen Abort für 36 Personen! Die Fenster sind mit Brettern vernagelt oder mit Papier überklebt. Gußeiserne

Ballone find mit Striden an den Häusern befestigt. damit sie nicht herunterfallen. Kurzum: die Zustände sind ein­fach unbeschreiblich. Es gibt zwar einige Paradeviertel, die Aber das sind Ausnah­harmlosen Besuchern gezeigt werden.

men. Dazu stammen sie noch aus der zaristischen Zeit! Wenn die deutschen Kommunisten nur eine Woche lang das wirkliche Rußland fennen lernen würden, sie würden sich an den Kopf fassen und bekennen: Wir sind fahrelang belogen und betrogen

worden!

Ihr Phantasie- Rußland würde endgültig ausgewischt werden. Ein prominenter russischer Kommunist sagte mir wörtlich: Der deutsche Arbeitslose lebt besser, kleidet sich besser und wohnt besser als der hochbezahlte russische Industriearbeiter!" Am Lenin- Mausoleum haben mir russische Kommunisten erklärt: " Wir leben hier spottschlecht!" Alles, was als angebliche Er­rungenschaft aus Rußland gemeldet wird, ist lediglich Zukunfts­musik. Ich bin jederzeit bereit, in einer fommunistischen Ver­sammlung weitere Auskünfte zu geben, und ich bin überzeugt: ..Ihnen werden die Haare zu Berge stehen!"

Wohl selten hat eine solche, mit tiefem Ernst vorgetragene Anklage eines nüchtern beobachtenden Fachmannes solchen Ein­druck im Wuppertaler Stadtparlament hinterlassen. Einige lär­mende Zwischenrufe konnten diese Wirkung nicht abschwächen.

Die Stadt Berlin kann ihre Gehälter nicht zahlen.

Die Stadt Berlin ist, wie aus Berlin gemeldet wird, infolge schlechter Steuereingänge nicht in der Lage, die zweite Gehalts­zahlung für ihre Angestellten und Beamten, die zwischen dem 9. und 11. April zur Auszahlung fommen sollte, rechtzeitig zu diesem Termin aufzubringen. Infolgedessen werden die städti­schen Angestellten und Beamte diese Rate erst mit dem letzten Drittel zusammen am 18. April erhalten, falls bis dayin ge­nügend Mittel vorhanden sein werden. Nur die fleinen Ge­hälter bis zu 200 Mark werden insofern berücksichtigt, als man ihren Beziehern schon jetzt eine Abschlagszahlung von 50 Mart auszahlen will.

Rüstung oder Abrüstung

100000

619 000

RANKREICH

DLD

DEUTSCHLA

Kustrin

Berlin

100000

Coblera

Mairan

Germ

Shalburg

علان

Lotzen

POLEN

SCHWEIZ

TSCHECHOSLOWAKEI

Vie

OSTERREICH

ITALIEN

250.000

3500000

Kaskas

140000

Werzchem

100009

866000

UNGARN

B

Festungen

O

geschen

SÜDSLAWIEN

Hauptflughafon Sperren

Fredensherresdiria Kriegshee entml/ tarporto Zonw