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Nr. 43.

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Marke und

keine andere!

Gießener Zeitung

Erscheint Samstags.

( Gießener Tageblatt)

Bezugspreis 1,50 RM vierteljährlich frei ins Haus. Redaktionsschluß früh 8 Uhr. Für Aufbewahrung oder Rüd­fendung nicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert.

44. Sahrg.

Politische Rundschau.

Wie wir hören, hat das Kabinett den Reichszuschuß für die Gemeinden von 65 auf 75 Mill. RM. monatlich erhöht. Die Reichsregierung befaßte sich in ihrer Kabinettssigung vom 2. und 3. November mit Agrarfragen. Sie ist der Auf­fassung, daß ein Abgleiten der Getreidepreise verhindert wer­den muß.

Die Sigung des Verfassungsausschusses des Reichsrates am Donnerstagvormittag hat die erwartete Sensation nicht ge= bracht. Man hatte allgemein angenommen, daß es zwischen dem Kabinett Papen und dem Kabinett Braun zu heftigen Borpostengefechten kommen würde. Das scheint indessen nicht eingetreten zu sein. Die Sigung ist streng vertraulich gewesen und alle Auskünfte werden abgelehnt.

Am Donnerstagfrüh ist mit geringen Ausnahmen das ge= jamte Personal der Berliner Verkehrsgesellschaft in den Streit getreten, so daß weder die Straßenbahn, noch die Untergrund­bahn, noch die Kraftomnibusse verkehren konnten.

Der Berliner Verkehrsstreit findet in der Berliner Presse größte Beachtung. Alle Blätter, mit Ausnahme der tommani­stischen, heben hervor, daß Nationalsozialisten und Kommunisten Arm in Arm den Streit durchführen, und knüpfen an diesen Streit politische Betrachtungen.

Der neue deutsche Botschafter in London, von Hoesch, ist dort eingetroffen. Auf dem Bahnhof wurde Herr von Hoesch im Auftrage des britischen Staatssekretärs des Aeußeren von Mister Mond begrüßt.

Die schwedische Regierung hat im außerordentlichen Kron­rat beschlossen, Verhandlungen über Handelsfragen mit Deutsch­land und England einzuleiten.

Der französische Abrüstungsplan bedeutet ein Entgegen­tommen an den deutschen Standpunkt und vielleicht auch den ersten Schritt in der Verständigung.

Das englische Unterhaus hat in der vergangenen Nacht die Ottawaverträge in dritter Lesung mit 416 gegen 68 Stim­men angenommen.

Drud und Verlag von Albin Klein in Gießen Geschäftsstelle: Gießen, Südanlage 21. Fernsprecher Nr. 2525 und 2526. Postschedkonto Nr. 69 530 Amt Frankfurt a. M.

Samstag, den 5. November 1932

Burgfrieden vom 6. bis 19. Rovember.

Der Reichspräsident hat durch eine auf Grund des Artikels 48 Abs. 2 der Reichsverfassung erlassene Verordnung ein mit dem Wahltage in Kraft tretendes Verbot aller öffentlichen po­litischen Versammlungen, also auch solcher in geschlossenen Räu­men erlassen, das zu dem in Kraft bleibenden Demonstrations­verbot hinzutritt.

Das Verbot aller öffentlichen politischen Versammlungen ist auf die Tage vom 6. bis 19. November 1932 befristet. Zwed dieses Verbotes ist es, daß nach Abschluß des Wahlkampfes eine Entspannung der durch ihn hervorgerufenen starken politischen Erregung eintritt und daß den Polizeibeamten, deren Dienst die letzten Wochen erhöhte Ansprüche gestellt haben, eine Ruhe- und Erholungspause gegönnt wird.

Die ersten Namen

an

der hessischen Kreiswahlvorschläge.

Die Kreiswahlvorschläge für den Wahlkreis 33( Hessen­Darmstadt) für die Reichstagswahl in Hessen weisen an den ersten Stellen folgende Namen auf:

1. NSDAP: Lenz, Karl, Schriftsteller, Darmstadt.

2. Sozialdemokraten: Dr. Carl Mierendorf, Schriftsteller, 3. Kommunisten: Remmele, Hermann, Metallarbeiter, 4. Zentrumspartei: Dr. Brüning, Heinrich, Reichskanzler a. D., Berlin.

5. Deutschnationale Volkspartei: Dr. Hugenberg, Alfred, Landwirt, Rohbraten.

7. Deutsche Volkspartei: Dingelden, Eduard, Rechtsanwalt, 8. Deutsche Staatspartei: Dr. Weiner, Karl, Oberstudien­direktor, Offenbach a. M.

9. Christl.- Soz. Volksdienst( Ev. Bewegung): Veidt, Karl, Pfarrer, Frankfurt a. M.

10. Reichspartei des deutschen Mittelstandes: Bredt, Joh. Viktor, o. Prof., Reichsminister a. D., Marburg.

Aufgezeichnet sind nur die Parteien, die Aussicht haben, einen Kandidaten selbst oder mit Reststimmen zu erhalten.

( Neueste Nachrichten)

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Nummer 44

Helft alle mit!

Von Dr. G. Vöhringer, Generalsekretär der Deutschen Liga der freien Wohlfahrtspflege.

Der Aufruf zur neuen Winterhilfe der freien Wohlfahrts­pflege ist ergangen. Reichspräsident und Reichsregierung haben sich zu ihm mit einem mahnenden Geleitwort an alle, die hel­fen können, bekannt. Städte und Gemeinden haben sich be­reiterklärt, mithelfen zu wollen. Tausende von ehrenamtlichen Mitarbeitern wollen wiederum Zeit und Kraft für den Erfolg des allgemeinen, bitter notwendigen Hilfswerkes einsetzen. Die Organisation des Hilfswerkes wird in allen Teilen des Reiches nach den bewährten Erfahrungen der letzten Winterhilfe durch­geführt.

Mögen die Spender jetzt kommen!

Alles wird so eingerichtet, daß jeder Groschen, jedes Klei­dungsstück und jeder Zentner Kartoffeln und Kohlen unmittel­bar und zur rechten Zeit an den wirklich Hilfsbedürftigen gelangt.

Wir wissen, daß es diesmal eines gesteigerten Optimismus bedarf, um einen Sammlungsertrag zu erhoffen, der auch nur die allerdringendste Not lindern kann. Denn die Not drängt sich heute vielfach in die Kreise ein, die im vorigen Jahre noch geben fonnten. Was im Vorjahr an Kleidung und Wäsche entbehr.ch war, ist weggegeben, und gerade an Kleidung und Wäsche fehlt es. Aber die Opferbereitschaft des deutschen Vol­kes, die im vorigen Jahre 100 Millionen Reichsmart in Geld und Sachwerten als Winterhilfe für die verzweifelten Volks­genossen darbrachte, gibt uns die Hoffnung, daß der deutsche Hilfswille ungebrochen ist.

Gewiß war der Betrag dessen, was Reich, Länder und Ge­meinden, also die öffentliche Wohlfahrtspflege, an Unter­stützungen ausgezahlt haben, unvergleichlich höher als der Er­trag unseres Sammelwertes aus privaten Spenden. Aber es kommt bei jeder Hilfleistung nicht bloß darauf an, daß gegeben wird, sondern wo, wie und wann die Hilfe einsetzt. Mit den freiwilligen Spenden, die in vielen Fällen unter eigener Ent­behrung gegeben wurden, sind so viel innere Werte verbunden,

Mit der soeben erfolgten Kündigung des englisch- ruſſi Wahlaufruf des deutschen Handwerks. daß ihre zugleich materielle und ideelle Hilfe für Hundert­

schen Handelsvertrages ist eine weitere Phase Wirtschaftsbe= ziehungen der beiden Länder zum Abschluß gekommen.

Die englische Regierung fündigt weitere Konventierungs­maßnahmen an. 5prozentige Schatscheine im Werte von 114 Millionen Pfund werden am 1. Februar zurüdgezahlt werden. Eine neue langfristige Anleihe mit sehr niedriger Verzinsung joll voraussichtlich noch im November zur Ausgabe gelangen.

In London kam es anläßlich eines Massenaufmarsches tommunistischer Hungermärschler mehrfach zu Zusammenstößen mit der Polizei, da die Erwerbslosen die Polizisten angriffen und versucht hatten, Barrikaden zu errichten.

Daß der Abrüstungsausschuß des englischen Kabinetts seine Arbeiten im wesentlichen abgeschlossen hat, darf man daraus entnehmen, daß Sir John Simons Abreise nach Genf nun für den nächsten Montag oder Dienstag angesetzt ist.

In der Frage des im Juli abgeschlossenen Zollabkommens hat zwischen Holland, Belgien und Luxemburg zwischen den Regierungen dieser Länder und der englischen Regierung ein Briefwechsel stattgefunden. Die englische Regierung habe die Ansicht zum Ausdruck gebracht, daß sie dem Abkommen nicht beitreten könne.

In der Kriegsgerichtsverhandlung wegen des Unterganges der Niobe" verkündete der Vorsitzende am Donnerstag sol­gendes Urteil: Der Angeklagte Kapitänleutnant Ruhfuß wird freigesprochen.

Die Verhandlungen des deutschen Vertreters bei dem Ge­mischten Schiedsgericht mit dem amerikanischen Vertreter und dem Unparteiischen über die Abwicklung der sogenannten Sabo­tageprozesse gehen ihrem Ende entgegen und nehmen einen be= friedigenden Verlauf. Die Plädoyers der beiden Staatsver­treter sind auf den 21. November festgesetzt worden.

Der Matrosengefreite Kurt Spital wurde vom Reichs: gericht wegen Vorbereitung zum Hochverrat in Tateinheit mit versuchtem militärischem Landesverrat zu drei Jahren Zucht­haus, Entfernung aus der Marine und sechs Jahren Ehren­rechtsverlust verurteilt.

Am Mittwochnachmittag ereignete sich im Spessart ein schweres Flugzeugunglüd, dem fünf Menschenleben zum Opfer fielen.

In Lembach im Elsaß wurde ein junger Deutscher, der aus Bruchhausen in Baden zu seinen in Lembach wohnhaften Ver­wandten zu Besuch gekommen war, verhaftet. Der Festgenom­mene wurde vor dem Kriege im Elsaß geboren.

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Wegen des Sprengstoffattentats auf die Druckerei ,, Uffenheimer Tageblatt" sind zwei Nationalsozialisten ver­haftet worden.

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Der 5. Senat des Reichsgerichts hatte sich mit den Be­schwerden gegen das Verbot der Hessischen Landeszeitung" in Darmstadt, der Mainzer Tageszeitung", der Wormser Tageszeitung", der Oberhessischen Tageszeitung" und ,, Offenbacher Nachrichten" zu beschäftigen. Die Beschwerden wurden bezüglich der Oberhessischen Tageszeitung" als un­begründet, im übrigen als unzulässig auf Kosten der Be­schwerdeführenden verworfen.

Im Einvernehmen mit dem Reichsverband des deutschen Handwerks übergibt die Gruppe der Handwerkerbünde der Oeffentlichkeit nachfolgenden Wahlaufruf des deutschen Hand­werfs:

Durch die Reichstagsauflösung vom 12. September fordert die Reichsregierung erneut die politische Entscheidung der Wählermassen. Das Handwerk tritt ein

für Schutz und Freiheit der auf Selbstverantwortung gestellten schöpferischen Handwerksarbeit.

tausende das wurde, was sie brauchten, um im Kampfe mit der Not nicht zu erliegen.

Die ersten Zeichen für die neue Winterhilfe sind günstig. Die Deutsche Reichsbahn- Gesellschaft, die mit der Gewährung der Frachtfreiheit für Liebesgaben zur Winterhilfe im letzten Jahre die Grundlage für das Gelingen des ganzen Hilfs= werkes geschaffen hat, hat auch für die neue Winterhilfe die Frachtfreiheit für solche Liebesgaben zugesagt. Auch Reichswehr und Schupo werden sich mit ihren technischen Einrichtungen wieder zur Verfügung stellen. Von den ehrenamtlichen Kräften, die als selbstverständliche Pflicht die mühevolle Arbeit der Sammlung, Ordnung und Verteilung der Spenden weiter auf sich nehmen wollen, habe ich schon gesprochen. Ihre Mitarbeit wird es ermöglichen, auch die Unkosten der neuen Winterhilfe auf ein Minimum herabzusenken. Im Freiwilligen Arbeits­Schich- dienst wird namentlich auf dem Lande die Heranholung der Le= bensmittel, u..a die Ausgrabung, Einsadung, Verfrachtung und Verteilung der Kartoffeln, auf die billigste Weise erfolgen fönnen.

Alle wohlwollenden Erklärungen und Vorbesprechungen, das Handwerk zu schützen und zu fördern, sind bisher, auch zum Schaden von Allgemeinheit und Wirtschaft, nicht erfüllt worden. Enttäuschung und Verbitterung haben darum in weiten Kreisen des Handwerks einen Umfang angenommen, der angesichts des verzweifelten Existenzkampfes der mittelständischen ten nicht ernst genug dargestellt werden kann.

Trotz grundsätzlicher Würdigung des in dem Wirtschafts­programm der Reichsregierung enthaltenen Bekenntnisses zur Privatwirtschaft vermissen wir auch in diesem Plan zur Wie­derbelebung der deutschen Wirtschaft eine ausreichende Berüd­sichtigung der Wirtschaft der Klein- und Mittelbetriebe. Das Handwerk fordert daher die sofortige Herbeiführung unmittel­barer Maßnahmen,

um endlich die bisher in Gesetzgebung und Verwaltung ver: nachlässigte Handwerkswirtschaft wieder in Gang zu bringen.

Von der Erfüllung dieser Forderung hängt zu einem guten Teil die deutsche Zukunft ab. Zu ihrer Verwirklichung beizu­tragen, bezeichnet das Handwerk als ein dringendes Gebot der Stunde. Aber auch ihr, deutsche Handwerker, habt das Recht und die Pflicht und die Macht, durch eure Stimme die Ver­hältnisse nach eurem Willen zu meistern. Darum heißt es für uns alle:

Tut am 6. November eure Pflicht und geht zur Wahlurne!

Gebt eure Stimme den Parteien, die für die Freiheit der Nation, für Recht und Wohlfahrt des Volkes, für den Gedan­ken der selbstverantwortlichen Persönlichkeit und die Sicherung und Erhaltung des Privateigentums und darum für eine po­sitive Politik des Schutzes und der Förderung des gewerblichen Mittelstandes eintreten.

Deutsches Handwerk, in der Stunde der Entscheidung heraus zum Kampf, nur feine Wahlmüdigkeit. Wählt alle am 6. November! Amtsenthebung des Bürgermeisters von Eutin. Eutin. Der nationalsozialistische Regierungspräsident Boehmker Eutin hat den Bürgermeister der Stadt Eutin, den Deutschnationalen Dr. Stoffregen, seines Amtes ent­

Nicht bürokratische Methoden, sondern unverzüglich wirk­same praktische Erfahrungen werden Sammlung und Ver= teilung regeln, mit dem Ziele rechtzeitiger Hilfe, wo sie nottut. Alle Spenden bleiben grundsätzlich in dem sammelnden Bezirk und werden in ihm verteilt.

,, Wir wollen helfen!" ist das Losungswort auch der kom­menden Winterhilfe. Die Sammlung hat auf dem Lande wegen der günstigen Bedingungen durch die Ernte bereits fräftig eingesetzt. Aber auch in der Stadt muß zeitig gesammelt werden, um möglichst bald eine Uebersicht über die Erträgnisse zu gewinnen. Nur rechtzeitiges Sammeln gibt der Winter­hilfe die Möglichkeit, auch rechtzeitig und am rechten Ort zu helfen. Planloses Helfen führt zu Unwirtschaftlichkeit und zu Verstimmungen Wer uns helfen will, möge deshalb mit seiner Spende nicht zurüdhalten. Auch hier gilt: Wer zeitig gibt, gibt doppelt.

Ueber der Not kann die Einheit eines Volkes zerbrechen. Die Not kann aber ebenso ein unlösliches Band um ein Volk schmieden. Welche Wirkung die kommende Winternot auf un­Volt haben wird, ist in die Hand unseres Volkes gelegt. Je= der, der jetzt noch selbsttüchtig an sich selbst denkt, ist ein Zer­störer der Einheit. Jeder, der im rechten Geiste hilft, baut mit an der Einheit und Zukunft unseres Volkes. Darum: Wir wollen helfen!

hoben. Dr. Stoffregen wurde durch ein Kommando der Schwar: Wer nicht wählt,

tauer Ordnungspolizei unter Führung eines Polizeihauptmanns aus seinen Amtsräumen entfernt. Der Bürgermeister hat den Polizeihauptmann auf die Ungesetzlichkeit seines Vorgehens hingewiesen und und beim oldenburgischen Staatsministerium telegraphisch Beschwerde erhoben. Der Kreisvorstand der DNVP hat in einem an den Reichsinnenminister gerichteten Telegramm um das Einschreiten des Reiches im Interesse von Recht, Ruhe und Ordnung gebeten.

macht sich selbst zum

Bürger zweiter Klasse