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Nr. 9

Samstag, den 5. März 1932.

Aus Nah und Fern.

Eine Versammlung vom Ueberfallkommando aufgelöst. Alten- Bused. Die Nationalsozialisten hatten in Alten- Bused eine Versammlung einberufen, die aber beim Kreisamt Gießen nicht rechtzeitig angemeldet und daher auch nicht genehmigt wor­den war. Vor Beginn der Versammlung wurde die Versamm­Tungsleitung auf diesen Sachverhalt aufmerksam gemacht und die Versammlung polizeilich aufgelöst, weil sie nicht genehmigt war. Als trotzdem die Versammlungsbesucher im Lokal blieben, dazu sogar gegen den Willen der Polizei aufgefordert wurden unter dem Vorgeben, es sei eine Mitgliederversammlung mit Gästen, blieb nichts anderes übrig, als bei der Polizei in Gießen das Ueberfallkommando anzufordern, das dann zusammen mit der Gendarmerie die Versammlung auflöste und das Lokal sowie die benachbarten Ortsstraßen säuberte.

Nidda. Jm hiesigen Sägewerk der bekannten Holzfirma Himmelsbach haben sich seit einigen Tagen erfreulicherweise wie­der größere Geschäftsmöglichkeiten geboten. Etwa 60 Arbeiter sind jetzt wieder eingestellt worden.

Schotten. In Köddingen ist die Maul- und Klauenseuche amt­lich festgestellt worden. Der Ort Köddingen ist zum Sperrbe zirk und die Gemarkung Köddingen zum Beobachtungsgebiet er flärt worden.

Alsfeld. Ein günstiger Abschluß der Stadtkasse für 1931. Die Einnahmen betrugen 663 598 Mart, die Ausgaben 573 135 Mark, so daß ein Ueberschuß von 90 463 Mart verbleibt. Die Rechnung des Schlachthofes zeigt in Einnahme 32 535 Mart, in Ausgabe 27 089 Mart, mithin Ueberschuß 5446 Mart. Erfreulicherweise geht es diesmal noch ohne Fehlbetrag, erklärte Bürgermeister Dr. Völsing.

Darmstadt. Seit einigen Tagen ist der Direktor der Ma schinenfabrik vorm. Venuleth& Ellenberger in Darmstadt, Braun, verschwunden. Bei einer vom Aufsichtsrat veranlaßten Revision der Bücher wurden Unterschlagungen festgestellt, deren Höhe aber noch nicht feststeht.

Heudungen( Rhön). Bei Gerlesberg wurde ein neues Braunkohlenrevier entdeckt. Das Bergamt hat weitere Unter­suchungen in die Wege geleitet.

Frankfurt a. M. In der Favagsache haben die Angeklagten Lindner, Schumacher, Mädje und Kirschbaum Revision eingelegt.

Frankfurt a. M. In einem Zigarrengeschäft in der Neuen Mainzerstraße haben Diebe für 1000 Mark Zigaretten ge= stohlen.

,, Gießener Zeitung"

auch nur das geringste noch zurüdlegen kann, heute gewisserma­ßen die Pflicht, zu sparen.

Sparen ist es auch, wenn man mit seinen bisherigen Er­sparnissen haushälterisch umgeht. Man muß und soll sie angrei­fen, soweit man sie wirklich für den Lebensbedarf braucht. Aber sein Geld abheben, nur um es zu Hause nuglos in den Kasten zu legen oder um irgendwelche nicht dringend benötigten Dinge zu kaufen, das wäre sicher kein richtiger Gebrauch mit den meist so sauer verdienten Spargroschen. Erfreulicherweise fallen jetzt immer weniger Leute auf falsche Gerüchte herein, nachdem sich in den vergangenen Monaten die vielen Gerüchte von Infla= tion, Beschlagnahme von Sparguthaben usw. sämtlich als falsch herausgestellt haben. Im Interesse aller liegt der Appell: Spare ein jeder, der noch sparen kann. Der Sparer hat den Schlüssel nicht nur zum eigenen Wohl, sondern zum Wohl des ganzen Boltes.

Hanau. Die Gustwirte beschlossen, den Bierstreif solange auszusetzen, bis die Verhandlungen mit der Regierung abge= schlossen sind.

Köln. Die diesjährige Westdeutsche Möbelmesse ist auf die Tage Sonntag, den 10. bis Mittwoch, den 13. April verlegt worden.

Zittau. Das Zittauer Stadttheater, das im nächsten Jahre auf ein 130- jähriges Bestehen hätte zurückbliden fönnen, ist in der vergangenen Nacht ein Raub der Flammen geworden. Eine Ortschaft vernichtet.

Innsbrud. Die Ortschaft Bannholz im Oberinntal wurde durch Feuer zerstört. 45 Personen sind obdachlos. Viel Vieh ist umgekommen.

Die Schlüsselstellung des Sparers.

Gesundheitspflege im März.

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Im März beginnt der Frühling so steht es wenigstens im Kalender. In unserem Klima ist aber gerade der März gewöhnlich derjenige Monat, in dem Frühling und Winter noch in heftigem Streit miteinander liegen. Starte, barometrische Schwankungen, rascher Wechsel des Feuchtigkeitsgehalts der Luft, Frühlingsstürme und Sonnenschein sind die äußeren Zei­chen des Kampfes der Naturgewalten.

Heute kann man oft sagen hören: Wir würden gerne spa­ren, wenn wir nur etwas zum Sparen hätten. Leider gibt es viele Millionen Volksgenossen, die arbeitslos sind, die keinen oder nur sehr geringen Erwerb haben, und die daher das, was sie wirklich haben oder verdienen, zum Leben brauchen.

Die Ingenieurschule Weimar,

die vor Jahresfrist nach etwa 40- jährigem Bestehen in Alten­burg zur Landeshauptstadt Weimar übersiedelte, um sich damit auf das Dreifache zu erweitern, wurde durch die vorbildliche Ausgestaltung der Konstruktionsfäle und Laboratorien und ihre bewährte Unterrichtsmethode ein besonderer Erfolg beschieden, der durch starkes Anwachsen der Studierendenzahl zum Ausdruc fam. Der reich illustrierte Prospekt, der jedem Interessenten auf Anforderung zugestellt wird, zeigt die vorbildliche Aus= gestaltung dieser neuzeitlichen Anstalt.

In dieses Ringen wird auch der Mensch mit hineingezogen. Stellt sich jedoch alljährlich im März als Folge der erwähnten Naturerscheinungen allerlei körperliches Unbehagen, Müdig­feit, Reizbarkeit, häufiger Kopfschmerz und wie die Frühlings­beschwerden alle heißen mögen, ein. Zu einem guten Teil sind diese Gesundheitsstörungen aber auch bedingt durch die Sünden unzwedmäßiger Ernährung und den mangelnden Sonnenschein im Winter. So haben sich nämlich in unserem Körper eine Menge Schlackenstoffe angehäuft. Und wie die Hausfrau um die Osterzeit das unabweisliche Bedürfnis verspürt, in ihrer Wohnung ein Großreinemachen zu veranstalten, so ist es ,, Brauch von altersher" auch den Körper einer Frühjahrsreinigung zu unterziehen. Für diese erfreuen sich auch heute noch die soge= nannten ,, Blutreinigungsmittel" oder, Blutreinigungstee" einer hohen Wertschätzung. Nicht ganz mit Recht! Ihr Wert besteht lediglich in ihrer abführenden Wirkung. Zweckmäßig wird man dagegen als Frühjahrstur dem Körper so bald als möglich frisches Obst zuführen und den Fleischgenuß etwas einschränken. Ein Butterbrot mit Radieschen, Kresse oder Schnittlauch belegt, ist ein treffliches Rezept für eine Frühjahrskur. Auch das frische Ei, das um die Osterzeit am billigsten ist, sollte dazu mit her­angezogen werden.

Andererseits jedoch gibt es manche, die auch heute noch sparen können. Zwar kann niemand mehr soviel zurücklegen wie früher, denn von dem Einkommensrüdgang, Lohn- und Ge­haltssenkungen wird jeder betroffen. Aber viele Wenig geben ein Viel, dieses alte Wort gilt nach wie vor. Und da mit je= dem gesparten Betrag vorausgesetzt, daß nicht sinnlos Geld gehamstert, sondern bei den berufenen Spareinrichtungen( Spar­tassen usw.) gespart wird neue Arbeitsmöglichkeiten für an­dere Volksgenossen geschaffen werden können, so hat jeder, der

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Im übrigen suche man die Sonne, wo und wann man ihrer habhaft werden kann. Das gilt vor allem für unsere Kinder und Säuglinge, bei denen im Frühjahr, eben als Folge des Mangels von Licht und Sonne, die ,, englische Krankheit", aller­lei Hautausschläge, Krampfzustände usw. oft zum Ausbruch tommen. Auch der Frühjahrstatarrh der Augen und das ge= häufte Auftreten von Gürtelrose und Schuppenflechte sind Krankheiten, die an das Frühjahr gebunden zu sein scheinen. Schließlich seien noch diejenigen Menschen, die alljährlich unter Heuschnupfen, Heufieber oder Heuasthma zu leiden haben, da= ran gemahnt, daß ihnen wirksam vom Arzte geholfen werden kann, wenn sie sich schon im März einer entsprechenden Kur unterziehen.

Neue Bücher.

Gegen die Regiearbeit der Reichs-, Landes- und Kommu nalbehörden richtet sich eine Denkschrift der baugewerblichen Verbände. Es wird in diesem Bändchen der große Umfang der Regiearbeit im Tiefbauwesen im Jahre 1931 aufgezeichnet, die in der Zukunft unbedingt mehr eingeschränkt werden müßte, um nicht die private Tiefbauwirtschaft ganz zu vernichten, da ihre Lage ja jetzt schon katastrophal ist, zumal einwandfrei er­wiesen, daß die im Eigenbetrieb von den öffentlichen Baube­hörden durchgeführten Arbeiten weder billiger noch besser find als Unternehmerarbeit.

Die ärztliche Wissenschaft hat heutzutage in Gestalt von Pollenextrakten, von Medikamenten und sonstigen Vorbeugungs­mitteln die Möglichkeit, auch solchen Kranken zu helfen und zu verhüten, daß sie werden zu ,, 3aungästen des Frühlings". Dr. C. K.

Fußball an deutschen Hochschulen. Der Fußball hat sich an den deutschen Hochschulen wieder stärker entwidelt.

Ein

Trommelfeuer. Aus dem Tagebuch eines unbekannten Sol­daten. Von Ost. Zimmermann. Verlagsanstalt ,, Bayer­land", A.-G., Sitz Dachau. 100 S., fart. 1,- RM. Kriegsbuch, von einem einfachen Soldaten für seine Kameraden und die heranwachsende Generation geschrieben, schildert uns mitten aus dem Erleben des Frontkampfes.

Zurzeit wird an 33 Hochschulen Fußball gespielt, die mit 47 Mannschaften Wettspiele austragen. In zehn Hochschulstädten werden Fullball- Rundenspiele von den studentischen Korporatio= nen durchgeführt, an denen 54 Mannschaften teilnehmen.

Das Endspiel um die Deutsche Hochschul- Meisterschaft wurde am 3. Februar 1932 in Köln zwischen den Mannschaften der Universitäten Köln und Berlin ausgetragen. Berlin errang die Meisterschaft.

Das Eigenheim kennt keine Finanzkrise!!

Einzige

Das neue Reichsmilchgeseh. Von Bürgermeister Dedu. Verlag Wilh. Stollfuß, Bonn, Preis M. 1,25. Durch das neue Reichsmilchgesetz hat die Milchwirtschaft eine umfassende Neu­regelung erfahren, deren genaue Kenntnis für alle in Frage tommenden Kreise eine unbedingte Notwendigkeit ist. In über­sichtlicher Weise sind in dem vorliegenden Bändchen die umfang­reichen Bestimmungen des neuen Reichsmilchgesetzes( Reichsaus­führungsbestimmungen) behandelt worden.

Der Durchbruch", die neue internationale Monatsschrift, Herausgeber H. Walden, läßt soeben im Verlag F. Harnisch& Co. Berlin- Halensee Heft 2 erscheinen. Es enthält interessante Beiträge von prominenten Schweizer Aerzten über die Anwen­dung des Friedmann- Mittels gegen die Tuberkulose in der Schweiz. Einzelhaft 0,30 RM., Probehest fostenlos.

Das große Frühjahrsmodenheft der Eleganten Welt" ( Verlag Dr. Selle- Ensler A.-G., Berlin SW 18), das soeben erschienen ist, bietet Ihnen die genaueste Orientierung über alle Fragen der neuen Mode, die gar nicht so rigoros mit allem Altem aufräut, wie es zuerst den Anschein hatte.

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,, Die Woche" zum Goethe- Jahr. Dem Gedächtnis Goethes und der Goethe- Stadt Weimar widmet die ,, Woche" den Haupt­teil ihres neuen Heftes. Wieder eine Woche", die man sich aufheben wird.

Die ersten Frühjahrskleider... Die ersten Vorboten der Frühjahrsmode weisen bereits auf ein besonderes Interesse für lebhafte Farben hin. Eine reiche Auswahl schöner Modelle zeigt die bekannte Zeitschrift ,, Fürs Haus", die jetzt im 50. Jubi­läumsjahrgang erscheint. Das Blatt bringt interessante Bei­träge über alle Gebiete und vermittelt der Hausfrau wertvolle Anregungen.

Künstliche Diamanten. Josef Strasser, t. u. f. privilegier­ter Goldschmied im Wien Maria Theresias, war der Erfinder des bekannten Straßschmuds. Sein Schaffen schildert ,, Die Garten­laube" in einer Novelle.

Strafgefangener der G. P. U. Eine erschütternde Darstel­lung seiner Erlebnisse bringt Willy Melchert als Strafgefange= ner der G. P. U. in der ,, Neuen J. 3." Illustrierte Zeitung. In den Sümpfen Argentiniens. Prof. Krieg, der Leiter der zoologischen Staatssammlung in München, bekannt durch seine Forschungen im Gran Chaco- Gebiet, befindet sich augen­blicklich wieder auf einer zoologischen Expedition in Südamerika. Von seiner Jagd auf die Vögel der argentinischen Salzsümpfe berichtet er im neuen Heft der ,, Münchner Jllustrierten"( Nr. 10).

Verantwortlich: Paul Christian Klein in Gießen

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Leitung: Univ.- Musikdirektor Dr. Temesvary. Mitwirkende: Frau Lena Stülpnagel- Frankfurt a. M. ( Alt); Herr Ernst Schneider- Gießen( Cello); Gießener Orchesterverein.

Männerchöre von Reichardt, Mendelssohn, Schubert und anderen. Brahms: Rhapsodie für Altsolo, Männerchor und Orchester. Ferner Haydn: Cello- Konzert mit Dr­chester sowie Solo- Lieder von Schubert.

Der Bechstein- Konzertflügel ist von der Klaviernieder­lage Schönau- Gießen gestellt.

der Plätze: 1. Plaz 2, RM.; 2. Play 1,50 RM. und 3. Platz 1, RM. Mitglieder zahlen auf allen Plägen gegen Vorzeigung eines Ausweises die Hälfte. Es wird empfohlen, die ermäßigten Karten alsbald in Empfang zu nehmen.

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