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Samstag, den 3. September 1932.

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13. Reichs Front

Der Stahlhelm.

Abseits der nach dem November 1918 über Nacht modern gewordenen parlamentarisch- demokratischen Geistesrichtung ist in Deutschland ein Bund erwachsen, der sich bewußt von den neuen Formen des politischen Lebens abgesetzt hat. Der Stahl­helm, Bund der Frontsoldaten, heute eine Organisation von rund 10 000 Ortsgruppen in allen deutschen Gauen, ist gegrün­det und geschaffen worden von sieben ehemaligen Frontsoldaten, die in Magdeburg auf die Initiative eines einarmigen Haupt­manns der Reserve, Franz Seldte, sich in den Tagen des Umsturzes zusammenfanden, weil sich etwas in ihnen gegen den verhängnisvollen Ablauf der Geschehnisse aufbäumte. In dieser Stunde wurde in Franz Selte das zur Tat, was er sich als Frontfoldat in den Stellungen an der Somme und auch sonst im Angesicht des Feindes wiederholt überlegt hatte: 3u­sammenschluß der Frontsoldaten zu einer festgegliederten Organisation, die das Recht und die Anerkennung für Deutschlands wehrhafte Männer durchsetzen sollte.

In der planmäßigen Weiterentwicklung dieser Idee lam Franz Seldte fast zwangsläufig zu der Formung des deutschen Freiheits- und Wehrbundes, der alle unbescholtenen deutschen Männer ohne Unterschied des Standes, des Berufes, der Bil­dung, des Besizes und der Konfession bet sich aufnimmt. In den Tagen, da Aufruhr und Revolution tobten, standen die ersten Stahlhelmer Schulter an Schulter mit vielen anderen bereit, um Deutschland vor dem Bolschewismus und dem Chaos zu retten. Während aber alle Freiforps bald daraus auseinandergingen, blieb der Stahlhelm, Bund der Frontsoldaten, zusammen und schuf sich ein flares eindeutiges Programm, das sich auf der Ideenwelt des deutschen Frontfämpfers aufbaut und sich den Geist der Front mit seiner Kameradschaft, mit seiner Opferbereitschaft und mit seiner Toleranz als Richtschnur nahm. Franz Seldtes Ziel war es nicht, eine parlamentarisch arbeitende Massenorganisation zu schaffen, sondern im bewußten Gegensatz zu allen Parteigedanken erzog er sich eine Gefolgschaft von Männern und späterhin von Jung­mannen, denen das Vaterland, seine Freiheit und Ehre allein Richtschnur ihres Handelns sind. Franz Seldte formte dafür den Begriff des Richtmannes, einer Persönlichkeit also, die sich nicht willenlos treiben läßt, sondern die mannhaftes Vorbild sein soll.

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Lebenshaltung, einen ausreichenden Lebens- und Arbeits­raum. Hunderttausende deutscher Arbeiter stehen deshalb heute bereits in der Front des Stahlhelms. Als einzigen Weg, all diese Ziele zu erreichen, sieht der Stahlhelm das rud­haltlose Bekenntnis aller Voltsgenossen zu einem nationalen, wehrhaften und sozialen deutschen Staat.

Die dafür notwendige Erziehungsarbeit wurde im Laufe der Jahre das Haupttätigkeitsfeld des Stahlhelms. Darum wandte er sich auch an die deutsche Jugend, und die Hunderttausende von Jungmannen, die heute im Stahlhelm mit alten Frontsoldaten Schulter an Schulter stehen, sie haben von ihnen den Geist der Front in sich aufgenommen. Ste wollen wehrhafte Männer werden und sein. So wurde der Stahlhelm zum Bahnbrecher für eine Erziehungsform, die endlich nach 13 Jahren chaotischer Staatsentwicklung von den verantwortlichen Männern als richtig erfannt und über­nommen worden ist: den Wehrsport. Seine Grundlage bildet die Erziehung, wie sie im alten Heer der allgemeinen Wehrpflicht allen jungen Deutschen zuteil wurde.

Das in dem Geist der Front von einst enthaltene foziale Sichverstehen hat auch im Stahlhelm neben diesen großen poli tischen und erzieherischen Aufgabengebieten seine Auswirtung gefunden, ganz besonders in der vom Zweiten Bundesführer Questerberg geschaffenen Stahlhelm selbsthilfe, einer Arbeitnehmerorganisation, die feine Gewerkschaft ist, sondern getragen vom Gedanken der Kameradschaft, soziale Gemein­schaftshilfe mit sozialem Sparsystem verbindet.

Das ist das Gesicht des Stahlhelms, sein Wollen im deutschen Volke und seine sich immer mehr als richtig be­stätigende Aufgabe.

Der Stahlhelmaufmarsch in Berlin.

Die großen Frontsoldatentage, die der Stahlhelm in jedem Jahre veranstaltet, haben in immer höherem Maße die Auf­merksamkeit der deutschen Öffentlichkeit auf sich gezogen und darüber hinaus einen lebhaften Widerhall in Auslande ge­

Daneben hat sich der Stahlhelm den politischen Kampf­notwendigkeiten der letzten Jahre nicht verschlossen. Aus­gehend von dem heiligen Grundsatz: der Volksgemeinschaft zu bienen, hat er schon vor Jahren seine Mitglieder zu tätiger Mit­arbeit auch in dem Staate aufgefordert, dessen Wesensart er nicht billigt. Vielen mag sein großes Ziel, die innere und äußere Befreiung Deutschlands, als ein leeres Schlagwort erscheinen, in einer Zeit, wo man damit geschickt zu arbeiten gelernt hat jedem überzeugten Stahlhelmer jedoch ist dieses Wort feine hohle Phrase, sondern erfaßt den Grund, gedanten seiner Tätigkeit. Nicht Parteipolitit- Staats. politik ist des Stahlhelms Aufgabe. Deshalb sein Kampf gegen die innere und äußere Verslavung, gegen die Deflajsie. rung des nationalen Vollsteiles, gegen die Knechschaft von Versailles und seine finanziellen Auswirkungen Ausgehend von der Frontfameradschaft verlangt er für das deutsche Volt, besonders aber für die Masse der Werktätigen, zur Sebung ihrer

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Trog mannigfacher politischer Spannungen und trotz der parteipolitischen Erhitzung der Gemüter steht heute der Frei willige Arbeitsdienst allgemein im Mittelpunkt des Interesses. Wenn man von den Kommunisten und einigen unbelehrbaren Doktrinären absieht, sind sich fast alle Parteien einig in der Anerkennung des Freiwilligen Arbeitsdienstes als Mittel zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit. Selbstver ständlich erschöpft sich die Bedeutung des Arbeitsdienstes nicht in wirtschaftlichen Dingen. Weit wesentlicher ist die moralische Seite. Soll der Freiwillige Arbeitsdienst bier seine Aufgabe vill erfüllen, so darf er natürlich nicht nach parteipolitischen oder organisations- egoistischen Gesichtspuntten durchgeführ werden, wie dies von zahlreichen Parteien, insbesondere vom Zentrum, gefordert wird. Die ethische Bedeutung des Ar beitsdienstes liegt vor allen Dingen in der Möglichkeit, junge Menschen aus allen Berufsschichten und aus allen politischen Lagern unter bewußter Ausschaltung feder Partei politif zusammenzuführen, in ihnen durch gemeinsame Leben, gemeinsame Arbeit und gemeinsame Erziehung zum überparteilichen nationalen Gedanken Sinn für die Voltsgemeinschaft zu wecken und ihnen eine geistige Einstellung zur Arbeit zu geben, die, jenseits der materialistischen Lohn- und Ausbeutungstheorie stehend, die Arbeit als schöpferische Leistung empfindet. Soll diese Auf­gabe erfüllt werden, so muß die Leitung der Arbeitsdienstlager in Händen von Menschen liegen, die jabrelange Erfahrungen auf erzieherischem Gebiete baben, die, über allen Parteien und ihren Programmen stehend, den Arbeitsdienstwilligen ein Vorbild sind, die, um mit Walter Fler zu sprechen, fähig sind, ,, ihren Leuten vorzuleben".

der Gründer und Erste Bundesführer des Stahlhelm, B. d. F.

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Auf Grund dieser Tatsachen ist es erflärlich, daß in dem nun schon seit vielen Monaten tobenden Wettstreit der Orga nisationen und Parteien um die Führung des Freiwilligen Arbeitsdienstes feine einzige Partei den Sieg errungen hat und daß unter den Bünden, die sich die Durchführung bes Freiwilligen Arbeitsdienstes zur Aufgabe machten, heute an erfanntermaßen der Stahlhelm, Bund der Frontsoldaten, die Führung innehat. Der Stahlhelm, der aus dem Front erlebnis heraus entstanden ist und der sich die Pflege und Weiterentwicklung der aus der Frontkameradschaft entstan denen Volksgemeinschaft zum Ziel gefeßt bat, der Stahlhelm, der als einzige wirklich überparteiliche Organisation in seinen Jungstahlhelm und Wehrsportlagern fett Jahren daran arbeitete, Menschen und Männer zu formen, hat durch die Tat bewiesen, daß er der berufene Führer im Frei willigen Arbeitsdienst ist. Bereits jetzt beträgt die Zahl der Arbeitsdienstlager, deren Führung in Händen be Stahlhelms liegt, 290. Bei diesen Lagern handelt es sich nicht um fleine Teilunternehmungen, sondern um großzügig an gelegte Maßnahmen. Die Zahl der in diesen Lagern arbeiten ben jungen Menschen überschreitet 10 000. Bei weitem nich alle sind Angehörige des Stahlhelms. Eine große Zahl gehör anderen Organisationen und Bewegungen an. Schulter an Schulter arbeiten Nationalsozialisten, Reichsbannerleute und Kommunisten hier unter Führung von Stahlhelmern. G3 wird bewußt darauf verzichtet, die Freiwilligen parteipolitisch zu beeinflussen. Wenn troßdem, ohne daß es befohlen war, in den Lagern die Abzeichen der Parteien verschwinden und mit ihnen der Bruderhaß, der unser politisches Leben ver giftet, so ist das wohl der beste Beweis, wie sehr der Stabl helm dazu berufen ist, als Führer im Freiwilligen Arbeits­dienst zu wirfen. Und gleichzeitig ist damit der Beweis e bracht, daß der Freiwillige Arbeitsdienst, wenn er richtig angepackt wird, wohl in der Lage ist, eine neue Elite junger deutscher Menschen zu erziehen, die sich in freudigem Bekenntnis zur inneren und äußeren Freihei Deutschlands über alle Parteigeseße hinweg die Hand reicher als Pioniere für den Wiederaufbau des Reiches.

junden. In der Tat stellen die Reichsfrontsoldatentage dieset Organisation nicht nur für Deutschland etwas Einzig. artiges dar. Der diesjährige Ausmarsch des Stahl helms jällt in eine Zeit, die vermutlich schwerwiegende innen­politische Entscheidungen bringt. Der Stahlhelm vertritt die Auffassung, daß alle regierenden Kreise sich heute nach dem viel fach bewiesenen Versagen der parlamentarischen Maschinerie stärker aus die Kräfte des überparteilichen natio nalen Deutschland stützen müssen, um im Volte wieder feste Wurzeln zu schlagen. Von Jahr zu Jahr hat sich auch rein zahlenmäßig die Bedeutung der Reichsfrontsoldatentage ge­steigert. Während die Teilnehmerzahl in Berlin vor fünf Jahren noch etwa 100 000 betrug. ichwoll sie in regel. mäßiger Folge an, bis im vorigen Jahre in Breslau 150 000 alte Frontsoldaten und Jungstahlhelmer auf­marschierten. Trotz der all­gemeinen wirtschaftlichen Notlage, die gerade auch in den Kreisen des Stahlhelms sich empfindlich bemerfbar macht, dürfte die Zahl der Teilnehmer bei diesem zwei­ten Berliner Reichsfrontsol­datentag am 3. und 4. Sep­tember 1932 die Breslauer Zahl mindestens erreichen, wenn nicht überschreiten. Diese Leistung zeigt sich in ihrer ganzen Bedeutung erst, wenn man weiß, daß die einzelnen Ortsgruppen des Stahlhelm die Reise nach Berlin und die Kosten für den Reichsfrontsoldatentag allein aus den Beiträgen ihrer größtenteils nicht mit irdischen Glücksgütern geseg­neten Mitglieder bestritten. Auch der diesjährige Reichs­frontsoldatentag wird im Sinne des Stahlhelmpro­gramma ein erneutes Be fenntnis zu dem Gedanken der nationalen Opferwillig­fett im Rampf um die innere und äußere Fretheit werben.

Stahlhelm- Aufmarsch im Berliner Lustgarten. Die vierte Strophe des Deutschlandliebes wird mit erhobener Schwurhand gesungen.

Freiwillige eines Stahlhelm- Arbeitslagers

( Flußregulierungsarbeiten in Schlesien).

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