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Samstag, den 2. Juli 1932.

Lofales.

Förderung des oberhessischen Eisenerzbaues durch Reichsmittel.

In dem am Dienstag vom Reichsrat verabschiedeten Reichs­etat werden im Haushalt des Wirtschaftsministeriums als vierter Teilbetrag für die Förderung des Eisenerzbaues an der Sieg, Lahn und Dill einschl. Oberhessens 400 000 RM. bewilligt. Zur Begründung wird erklärt, daß die Verschärfung der wirtschaft­lichen Lage die Fortsetzung der staatlichen Hilfsmaßnahmen not­wendig mache. Zur Vermeidung einer größeren Erwerbslosigkeit werden die Zuschüsse an die Erzgruben im wesentlichen unter Berücksichtigung der Beschäftigung von Arbeitnehmern gewährt. Die Länder Preußen und Hessen werden sich auch weiterhin an den Hilfsmaßnahmen beteiligen.

* Ehrungen eines verdienten Gelehrten. Die juristische Fa­kultät der Universität hat den ordtl. Professor der Theologie und der Philosophie an unserer Universität, Geh. Kirchenrat D. Dr. Krüger, anläßlich seine 70. Geburtstages ehrenhalber zum Dr. der Rechte ernannt.. Auch der hessische Staatspräsi­dent hat dem weltbekannten Theologieprofessor ,, in dankbarer Wertschätzung seiner großen Verdienste um die Landesuniversi­tät und ihre theologische Fakultät" herzliche Glückwünsche über­sandt.

* Ertrunken. Am Mittwoch wurde aus der Lahn in der Nähe ,, An der Kläranlage" ein etwa 79 Jahre alter unbekannter Mann geländet. Nach den polizeilichen Ermittlungen ist mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit anzunehmen, daß der Verstorbene durch einen Unglüdsfall aus dem Leben geschieden ist. Die Jden= tität des Toten ist festgestellt worden und handelt es sich um den 79jährigen Invaliden Georg Ludwig Schmidt, Wartweg 96 wohnhaft.

* Den Liebhaber und sich selbst verlegt. Donnerstag abend brachte die 23- jährige Pflegerin Elli M. aus Lollar ihrem Liebhaber Frizz F. in dem Treppenhaus des Hauses Mühlstraße 2 drei Messerstiche, einen in die linke Brustseite ( Herzgegend), einen in den rechten Oberarm und den anderen in die linke Schulter bei. Der Stich in die Brust ist lebens­gefährlich. Die Täterin hat sich zu diesem Zwede eine neues 25 Zentimeter langes feststellbares Dolchmesser gekauft. Der Tot soll eine Auseinandersetzung vorausgegangen sein, da F. angeblich das Verhältnis wegen einer bestehenden Schwan­gerschaft habe lösen wollen. Auf die Hilferufe eilte ein Haus­bewohner hinzu, der der Täterin das gezückte Messer mit Ge­walt abnehmen mußte, wobei sie an beiden Händen erheblich verletzt wurde. Beide mußten in die chirurgische Klinik ein­geliefert werden.

* Schlägerei. Eine Schlägerei fand in der Nacht zum Don­nerstag in der Licherstraße zwischen einem Reichswehrsoldaten und einem Studenten statt. Dabei erhielt der Student einen Stich in den rechten und einen in den linken Oberarm und eine größere Verletzung an der linken Wange. Die Stiche sollen mit dem Seitengewehr verursacht worden sein. Der Student wurde in die chirurgische Klinik eingeliefert.

,, Gießener Zeitung"

Wiesen und Kartoffeläcker.

Nr. 26.

dem Wohnhaus. Herr Rinn hat bereits in einem Neubauflügel| massen vermischt mit den großen Schloßen verwüsteten Felder, ein großes Tabaklager eingerichtet. In der Maschinenfabrik wird zurzeit noch gekürzt gearbeitet. Ueber kurz oder lang dürfte vollständige Stillegung erfolgen.

* Evangelischer Bund und Wissenschaft. Der 4. Studientag des Ev. Bundes in Hessen, der wieder in unserer Stadt abge= halten wurde, war aus den Vertrauensmännerkreisen und von Theologiestudierenden zahlreich besucht. Am Vormittag refe­rierte der Vorsitzende des hessischen Hauptvereins, Pfarrer Berd, Roßdorf, über: Der evangelische Kirchenbegriff im theologischen Streit der Gegenwart". Die Aussprache stand unter Leitung von Universitätsprofessor Dr. Bornkamm und drehte sich um die durch das Referat berührten Fragen.. Am Nachmit­tag hielt Universitätsprofessor D. Schumann seinen Abschieds­vortrag über: ,, Gegenwartsdämonien und Christusglaube".

* Fünf Verletzte bei einem Autobusunfall. Am Sonntag­abend fuhr in der Licherstraße ein mit 21 Personen besetzter Autobus aus Garbenheim( Krs. Wezlar) gegen den unteren Aufbau einer Eisenbahnschranke an der Straßenüberführung der Reichsbahn- Strede Gießen Fulda. Bei dem heftigen Anprall erlitten 6 Insassen des Autobus erhebliche Prellwunden und zum Teil auch Schnittverletzungen durch die Splitter der zertrüm­merten Windschutzscheibe. Der Unfall ist darauf zurückzuführen, daß ein 10 Jahre alter Junge auf einem Fahrrad plötzlich aus einer Seitenstraße herausgefahren tam und unmittelbar vor dem Autobus auftauchte.

* Die Polizei- Funkstation zerstört. Bei dem schweren Ge­witter wurde am Dienstag durch Blitzschlag die Fundstation des Polizeiamtes zerstört. Das starte Drahtseil und die oberen An­tennendrähte nebst den beiden Stangen stürzten herunter. Ein anderer Teil der Anlage flog auf das Dach des angrenzenden Kreisamts.

* Gleibergtag. Am morgigen Sonntag, den 3. Juli, findet auf der Burg Gleiberg der Gleibergtag des Gleiberg- Vereins statt, der ein recht umfangreiches Programm hat. Für die Gie­ßener ist von nachmittags 2 Uhr ab ständige Fahrgelegenheit mit Autobus nach Krosdorf und bis an die Gleiberger Linde.

* Straßenbahnerweiterungsprojekt. Der Stadtverwaltung wurde jetzt von der hessischen Regierung die Konzession zur Er­weiterung des städtischen Straßenbahnnetzes von Gießen nach Wiesed erteilt. Damit geht ein seit vielen Jahren von Gießen aus erstrebtes Projekt nun endgültig seiner Erledigung ent­

gegen.

* Die Mainzer Gustav- Adolf- Gedächtnisfeier im Rundfunk. Als Einleitung zu der großen Gustav- Adolf- Gedächtnisfeier, die die Hessischen Hauptvereine der Gustav- Adolf- Stiftung und des Evangelischen Bundes gemeinsam am 2.- 4. Juli in Rainz be= gehen, wird Prälat Prof. D. Dr. Dr. Diehl heute, Samstag, den 2. Juli, im Frankfurter Sender sprechen: Gustav- Adolf und die Kirche." Der Vortrag beginnt um 18.25 Uhr.

* Das Ende der Maschinenfabrik Heyligenstaedt& Co. Die einst weltbekannte Maschinenfabrik der Firma Heyligenstaedt& Co. wurde zwangsversteigert. Der Hauptgläubiger, Zigarren­Fabrikant Rinn aus Heuchelheim, kaufte das gesamte Werk nebst

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Bad Nauheim. Wie seit mehreren Jahren findet auch in die­sem Sommer am 16. Juli im Kurhaus die schon traditionell ge= wordene Schau heimischer Rosen statt, von Liebhabern und Fachleuten start besucht. Den Höhepunkt der Veranstaltung bil­det ein Rosenfest mit der Wahl der Rosenkönigin.

Bad Nauheim. Bis zum 30. Juni 1932 betrug der Gesamt­besuch 11 731 Gäste, darunter 1787 Ausländer. Anwesend waren an diesem Tage 3266 Gäste.

Friedberg. Die Stadtverwaltung gibt in der Presse be­kannt, daß sie genötigt sei, in etwa einer Woche die gesamten Zahlungen für die Wohlfahrtspflege so lange einzustellen, bis der Staat seinen Zahlungsverpflichtungen der Stadt und dem Kreis gegenüber nachgekommen sei.

Friedberg. Am 10. Juli findet die feierliche Einweihung des hiesigen Kriegerehrenmals statt. Diese Gedächtnisstätte für die im Krieg gefallenen Söhne der Stadt dürfte mit zu den ein­drucksvollsten in Hessen zählen.

Schotten. In althergebrachter Weise findet Sonntag, den 3. Juli das Hoherodstopffest statt, mit dem auch nach der üblichen Tradition der Hauptausflug des Vogelsberger Höhenklubs ( VHC) nach seinen Clubhäusern verbunden ist, wobei meistens alle Zweigvereine vertreten sind.

Ein kommunistischer Beigeordneter. Büdingen. In dem Kreisort Gelnhaar fand die Stich­wahl um die Beigeordnetenstelle statt. Zum Beigeordneten ge­wählt wurde mit 200 Stimmen ein kommunistischer Arbeiter, während auf den nationalsozialistischen Landwirt 191 Stimmen entfielen.

An den Folgen einer Mensur gestorben? Greifswald. Jn Greifswald wurde von der Staatsanwalt­schaft die Leiche eines Studenten der Medizin, Hans Weg aus Wetzlar, beschlagnahmt, da der Verdacht aufgekommen war, daß Wetz an den Folgen einer Mensur gestorben ist. Die Be schlagnahme wurde kurz vor der Ueberführung der Leiche in die Heimat des Studenten angeordnet. Die Obduktion soll Näheres ergeben.

Acht Jahre Zuchthaus für einen Totschlag. Darmstadt. Der 30jährige Hilfsarbeiter Karl Lammer aus Viernheim wurde am Freitag vom Schwurgericht Darmstadt we­gen Totschlags zu acht Jahren sechs Monaten Zuchthaus und zehn Jahren Ehrverlust verurteilt.

Frankfurt. Die Kammer der Deutschen Studentenschaft an der Universität Frankfurt hat am Donnerstag auf Antrag des Großdeutschen Studentenringes( Korporationen und Stahlhelm) den zuständen Behörden die Bitte unterbreitet, an der Universi­tät einen Lehrstuhl für Wehrwissenschaft und Kriegsgeschichte einzurichten.

Schwere Gewitterschäden auf dem Hunsrüd.

Unwetterkatastrophe im Kreise Nimptsch.

Nimptsch( Schlesien). Am Donnerstagnachmittag ging über Teilen des Mittel- und Niederkreises Nimptsch ein Unwetter mit Hagelschlag nieder, das die Ernte restlos vernichtete. Große Ge­biete glichen in furzer Zeit einem einzigen See.

Simmern( Hunsrück). Ueber dem Hunsrüd ging am Don= nerstag ein schweres Gewitter nieder, das über zwei Stunden dauerte und von wolkenbruchartigem Regen und Hagelschlag be­troffen, wo die Dorfstraßen bis zu 50 Zentimetern von den Wassermassen überflutet wurden, die alles, was sich ihnen in den Weg stellte, mitrissen.

*

147 000 RM. an 35 Bausparer.

Die Oeffentliche Bauspartasse für Hessen( Abteilung der Landeskommunalbank- Girozentrale für Hessen) in Darmstadt nahm am 7. Juni 1932 im Sizungssaal der Landeskommunal­bant- Girozentrale in Darmstadt in Anwesenheit einer Anzahl von Bausparern ihre 5. Baugeldzuteilung vor. Ausgelost und zugeteilt wurden diesmal 147 000 RM. an 35 Bausparer, so daß nunmehr nach ungefähr 2½jährigem Bestehen der Bausparkasse im ganzen 534 000 RM. an 89 Bausparer ausgelost sind. Die nächste Baugeldzuteilung findet voraussichtlich Anfang November 1932 statt mit Stichtag 31. Oftober 1932. Buteilungsberechtigt sind alle Bausparer, deren Vertrag spätestens am 1. August 1932 ( bei Tarif 18 am 1. Juli 1932) beginnt und mit Einzahlungen nicht im Rückstand sind.

Schweres Unwetter im schwäbischen Donautal. Augsburg. Ein außerordentlich schweres Gewitter mit Wol­fenbruch und Hagelschlag suchte das mittlere Donautal mit seinen Seitenfesseln stundenlang heim. Die ungeheuren Regen­

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bezüglich angeblichem Beflaggen der Kirche in Geins: heim mit der Hakenkreuzfahne.

Das Landeskirchenamt übergibt der Presse folgende Richtig stellung:

In einem vor der letzten Landtagswahl verbreiteten Flug­blatt, das sich mit Vorfällen in Geinsheim beschäftigt, ist fol gende Stelle enthalten:

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,, An der Kirche vorbei, aus deren Glockenturm die Nazifahne wehte( anscheinend wurde sie zum Zeichen der Seelenverwand schaft zwischen Pfarrer und Nazis dort aufgesteckt. Ich lasse mich aber gerne belehren, daß der Herr Pfarrer ohnmächtig dagegen war)".

Das Landeskirchenamt stellt hierzu fest, daß diese Angabe unrichtig ist. Auf dem Glockenturm der Kirche in Geinsheim wehte nicht die Hakenkreuzfahne, sondern aus dem Giebel eines der Kirche gegenüberstehenden Hauses.

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