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Donnerstag,

Donnerstag, den 31. Dezember 1931.

der fressen den Vater! Herr Oberstwachtmeister und Komman­dant auf Rheinfels, Junter Görg Philipps von Bused, hat durch einen Soldaten für gewiß erfahren, daß die obenbenannte Kuhhirtin zu Ruppertshofen von ihrem toten Manne gerissen und geschnitten, solches gefocht und mit ihren Kindern ver­zehrt. Auch hat sie ihrer Mutter einen Schenkel abgeschnitten, gewaschen, gefocht, desgleichen den Kopf gesotten, aufgethan und verzehrt!"

Ein entsetzliches Bild moralischer Verkommenheit, ein Aus­schnitt aus dem furchtbaren Gemälde des Dreißigjährigen Krieges!

Die ganze Grausamkeit, die die Menschen offenbarten, hat ein Zeitgenosse in die Worte gekleidet:

Unsere Nachkommenschaft wird sich nicht überzeugen können, daß in Gestalt von Menschen Geschöpfe auf dem Erdboden vor­handen gewesen, die alles Menschengefühl ausgezogen und Ta= fen verübt haben, dergleichen in den ältesten und rohesten Zeiten nicht verübt wurden und wahrscheinlich, solange die Welt steht, nicht wieder erlebt werden!" Und zweihundert Jahre später 1807 in der Fran­zojen- Zeit, welches Elend! In dem unglücklichen Ost- Preußen lagen weite Landstriche wie ausgestorben, ganze Dorfschaften an der Passarge waren verschwunden; die Prediger mahnten von der Kanzel: mer da wolle, möge auch am Sonntag ernten, daß nur das Korn auf dem Halm nicht verderbe!

Damals schrieb der Reichsfreiherr vom Stein an seine Ge­mahlin:

,, Die Leiden dieses Landes jind unerträglich und die Zahl der erdrückten und verarmten Familien nimmt täglich zu; Grund= eigentümer, Geldvermögende, Pensionierte, alles wird durch die Kriegssteuern, Einquartierungen, Fronden usw. erdrückt, und die Folgen sind nicht vorherzusehen. Alles häusliche und öffentliche Glüd wird zerstört

,, Gießener Zeitung"

fast aufgehoben. Die Fabriken stehen still, der Umlauf des Gel­des stockt, die Zahl der Banterotte wird übergroß, auch die Be­dürfnisse des täglichen Lebens werden unerschwinglich. Die Menge der Armen wächst zum Erschrecken, faum vermögen die großen Städte die Scharen der Hungernden, welche die Straßen durchziehn, zu bändigen. Aber die sechs Jahre der Not härte­ten die Charaktere der Menschen! Genau neun Jahre nach der Katastrophe von Jena und Auerstädt am 14. Oftober 1815 trifft Napoleon I. vor Sanft Helena ein! Die Freiheitskriege hatten ihren siegreichen Abschluß gefunden!

Unerschwinglich waren die Kontributionen; die französische Armee wurde über das Land verteilt, in Schlesien und in der Mark wurden Offiziere und Soldaten dem Bürger ins Haus gelegt. Sie sollen gefüttert und vergnügt werden! Prinz Je rome Napoleon hat sein Hauptquartier in Breslau und hält dort seinen üppigen Fürstenhof; noch zu Ende des vorigen Jahr­hunderts erzählte dort das Volt, wie ausschweifend er ge­lebt und wie er sich täglich in einem Faß Wein gebadet! In Berlin spannt der General- Intendant Laru seine Forderungen von Tag zu Tag höher. Er erklärt, auch die demütigendsten Bestimmungen des Tilsiter Friedens seien noch zu gut für Preußen und verändert und deutet höhnend die Paragraphen des Schmachfriedens nach seiner Sieger- Laune und seiner Willkür! Durch die Kontinental- Sperre wird Einfuhr und Ausfuhr

Und 56 Jahre später kam der Tag, an welchem dem deut­schen Volke alles wiedergegeben wurde und mehr, als es einſt besaß. Einheit und Größe, Glück und Ansehen, die so lange perloren, hat es wiedergefunden im Zeichen einer neuen Kaiser­frone. Es hat sie nicht zu halten verstanden und hat sie zum zweiten Male verloren.

Sollen wir darum verzweifeln? Nie und nimmer mehr! Nur wer sich selbst aufgibt, als Mensch oder als Volk, ist ver­loren!

Ich schließe mit den Worten, die einer der besten und pa­triotischsten Historiker unserer Tage der Tübinger Professor Johannes Haller uns allen im Geiste Ernst Moritz Arndts zugerufen hat:

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ab. Je kapitalarmer ein Land ist, desto geringer ist die in ihm mögliche Gesamtlohnsumme, desto niedriger auch die auf den Einzelnen entfallende Lohnauote. Nur mit einem niedrigen Lohn­und Preisniveau kann ein kapitalarmes Land bestehen und zu Wohlstand kommen. Ein solches Land muß vor allem auf Rapi­talneubildung bedacht sein; mit ihr hebt sich das Lohnniveau von selbst. Schraubt man aber, wie es bei uns in völliger Ver­fennung unserer Lage geschehen ist, das Lohnnievean mit Gewalt über die kapitalmäßig mögliche Grenze hinauf, dann führt das zu Kapitalverzehr und Verdrängung von Arbeitskräften. Mit der Kapitalschrumpfung mindert sich die mögliche Gesamtlohn summe immer mehr, und einer immer kleiner werdenden Menge von überbezahlten Arbeitskräften steht eine immer mehr an schwellende Schar von Arbeitslosen gegenüber. Mar Cohen­Neuß hat recht: die Lohnerhöhungen sind auf Kosten der Arbeits­losen erfolgt.

An uns ist es zu beweisen, daß die alte Kraft unseres Voltes noch nicht geschwunden ist, daß sie noch da ist, unge­brochen im innersten Mart und fähig, sich neu und start zu entfalten. Und wenn der Fall diesmal tiefer war als je früher, so hatten wir dafür auch nie so hoch gestanden. Warum sollten wir nicht auch dieses Mal an eine Aufer­stehung glauben dürfen? Noch einmal, wie vor hundert Jahren, mag es sich ereignen, daß große Taten und Erleb­nisse, die zunächst umsonst geschehen erscheinen, mit der Zeit erst ihre Wirkung offenbaren! Wie damals die Erinne= rung an den Befreiungskrieg, so mag fünftig die Erinnerung an die Zeit Bismards und die kurze herrliche Glanz- Periode, die er heraufgeführt, zur Aussaat für die Zukunft werden, Von die reiche Früchte trägt, wenn die Zeit gekommen ist. uns selber wird es abhängen, daß dies geschehe! Thun wir unsere Pflicht, so haben wir auch ein Recht an unsere Zukunft zu glauben. Die Jahrhunderte unserer Geschichte selbst sind es, die dem, der auf ihre Stimme zu lauschen weiß, die Losung zurufen: ,, Wir heißen Euch hoffen!"

Und darum trotz aller Not der Zeit: Mit Gott hinein ins neue Jahr 1932! Dr. Ludwig Roth.

Rückblick und Ausblick.

Betrachtungen des deutschen Handwerks an der Wende des Jahres.

Die Lage des deutschen Handwerks im Jahre 1931 war sehr schlecht. Der Beschäftigungsgrad im Handwerk erreichte einen noch nie gekannten Tiefstand Alle Handwerkszweige waren zur Einschränkung ihrer Betriebe aczivungen, die zu gro­Ben Gesellenentlassungen führte Zum Teil lag ein solcher Auf tragsmangel vor, daß niemand wußte, wie die Ausbildung der Lehrlinge vorgenommen werden sollte. Die übliche Frühjahrs belebung setzte verspätet ein Auch die von den Spißenver­bänden des Handwerks veranstaltete Reichs- Handwerks- Woche, bei der es dank der rührigen Unterstützung der deutschen Presse gelang, die gesamte Deffentlichkeit in der dritten Märzwoche in eindringlicher Form auf das Handwerk hinzuweisen, vermochte bei der rückgängigen Konjunktur keine Belebung nach sich zu zieben. Ein schwerer Rückschlag trat wieder ein, als im Juli die große Krise von der Kreditseite her zum offenen Ausbruch fam. Sie hatte zur Folge, daß auch bereits erteilte Aufträge wieder zurückgezogen wurden. Die Ilmjätze gingen weiter zu Neue Aufträge wurden kaum noch erteilt. Inngseingang für ausgeführte Arbeiten stockte beträchtlich, was um so schwerer ins Gewicht fiel, als jeder Rückstand an Steuern mit empfindlichen Verzugszuschlägen geahndet wurde. So ging das Jahr zur Neige, ohne daß auch nur von der geringsten Besserung gesprochen werden konnte. Was dieser Stillstand, dieser Rückgang im Handwerk für die gesamte Volkswirtschaft bedeutet, maa daraus hervorgehen, daß noch vor zwei Jahren rund 1,65 Millionen Gesellen und Angestellte im Handwerk beschäftigt werden konnten, während beute diese Ziffer höch stens eine Million betragen dürfte.

rücf.

Die gewerkschaftliche Lohnpolitik hat völlig Fiasko ge= macht, Sankt Tarif hat sich als ein heimtückischer Gößze ent­puppt, der mittellos die furchtbare Geißel der Arbeitslosigkeit über die Rücken der Arbeitnehmer schwingt. Viele Tausende von jungen Deutschen hat er damit in die Fremdenlegion getrie ben, wo sie Gesundheit und Leben im Dienst unserer Unterdrücker geopfert haben. Holland wird zurzeit von deutschen Arbeits­kräften überschwemmt; die, wie die Zeitungen berichten, Arbeit zu jedem Lohn annehmen, zuweilen auch nur mit Wohnung und Verpflegung zufrieden sind. Auch in Deutschland bieten sich Arbeitslose an den Türen zu Arbeiten in Haus und Garten gegen ein Mittagessen oder alte Kleider und Schuhe an. In Krefeld haben 15 erwerbslose Gehilfen mit einem Unternehmer ein Friseurgeschäft eröffnet, in dem das Rasieren nicht, wie üblich, 20 bis 30 Pfg, sondern nur 10 Pfg. kostet, von denen der Unternehmer und die Gehilfen 5 Pfg. erhalten; sie haben also kurzentschlossen und mit gutem Erfolg dem Dienst von St. Tarif entsagt und sich auf eigene Faust die Beschäftigung ver schafft, die jener ihnen genommen hatte.

fraglich. Schade, daß sich die letzte Notverordnung bei allem anzuerkennenden Mut nicht dazu anfraffen konnte, auch die so notwendige Reichs- und Verwaltungsreform in Angriff zu nehmen. Im Zeitalter des Fernsprechers und der Kraftwagen können wir uns bei dem vorliegenden Zwang zum Sparen beim besten Willen einen aufgeblähten Verwaltungsapparat nicht mehr leisten, den wir aus der ,, guten, alten Zeit" übernommen haben.

Einer ähnlichen Keßerei begegnen wir bei der Rheinschiff­fahrt, an der sich bekanntlich der allmächtige Mode- Götze beson ders kraß versündigt hat. Er hat den deutschen Gesellschaften, die in schärfstem Wettbewerb mit den ausländischen stehen, durch rücksichtslose Lohnsteigerungen die Kosten so hoch getrieben, daß ihnen der Atem ausgegangen ist Noch heute sind die holländi­schen Löhne 33 Prozent niedriger als die deutschen. Unzählige deutsche Schiffe müssen infolgedessen unbenutzt in den Häfen liegen und die deutsche Flagge tritt immer mehr hinter den fremden zurück. Tausende von deutschen Schiffen sind dadurch zur Arbeitslosigkeit verurteilt. Alles zu Ehren von St. Tarif! Nun sind arbeitslose Schiffer an die Reedereien herangetreten und pachten von ihnen Schiffe, die sie jetzt auf eigene Rechnung als Partikulierschiffer außerhalb der Machtsphäre von St. Tarif fahren.

Die letzte Notverordnung erstrebt ja auch noch eine allge meine Senkung des Preisniveaue. Ein neuer Reichskommissar sorgt für Leberwachung der Preise und kann deren Herabsetzung anordnen So sehr sich das Handwerk schon immer für einen aerechten Preisstand eingesetzt hat und so sebr es selbst bereit ist, nach Kräften an der Erreichung dieses Zieles mitzuwirken, so kann es doch nicht ganz die vorliegenden Bedenken von der Hand weisen. Es muß als ausgeschlossen bezeichnet werden, daß die Preise auf eine Mahnung von oben her in sich zusammenstürzen können. Der Zah Bestimmend für die Preisbildung auf die Dauer blei­ben nur Angebote und Nachfrage. Eine wirksame Ermäßigung wird sich nur dann durchsetzen, wenn die wirtschaftlichen Voraus­Zu einem solchen Zurückgehen segungen hierzu gegeben sind der Preise bedarf es aber weder obrigkeitlicher Weisung noch ge setzlicher Anordnung. Jedenfalls ist die in breitesten Volks: schichten anzutreffende Meinung, als ob in fürzester Frist mit einer Reichsmark das Doppelte gekauft werden könnte, nicht ge rechtfertigt. Einer solchen Auffassung muß entgegengetreten werden, denn die durch sie bedingte Kaufzurückhaltung ist be stimmt nicht geeignet, die wirtschaftliche Lage zu bessern und das Heer der Arbeitslosen einer regelmäßigen Beschäftigung wieder zuzuführen. Man halte daher nicht mit den notwendigen Ein käufen zurück Nur Auftragserteilung wird wieder Leben in die tote Wirtschaft bringen können.

Die Löhne zeigten fallende Tendenz. Wenn auch die Be rechtigung, ja Notwendigkeit hierzu in manchen Gruppen durch aus nicht bestritten werden kann, so wäre es doch verkehrt, nun in einem ungehemmten Lohnabbau das einzige Mittel zur Besse rung unserer Notlage erblicken zu wollen Eine solche Auf­fassung verkennt die nachteiligen Folgen für den Binnenmarkt, an dem das Handwerk mit etwa einem Drittel des Umsatzes beteiligt ist. Eine gerechte Lösung dieser Frage dürfte in dem Ausgleich der sich widerstreitenden Meinungen liegen, wie denn auch das Handwerk als Ziel der Lohnpolitik weder ein zu hohes Auf alle Fälle muß noch ein zu niedriges Lohnniveau erstrebt in Wahrung berechtigter Interessen eine Einkommensverteilung erreicht werden, die auf der einen Seite Möglichkeiten zur Ka­pitalbildung bietet und auf der anderen Seite durch die den gezahl ten Löhnen innewohnende Kaufkraft eine angemessene Lebenshal tung für das gesamte Volk gewährleistet. Nur das kann das Ziel einer vernünftigen Lohnpolitik sein, bei der allerdings die Ab kehr von dem bisherigen Kampfgedanken nur zu sehr geboten bleibt.

Solche Fälle, in denen Arbeitnehmer sich unter dem Druck der Arbeitslosigkeit von der Bevormundung der Gewerkschaften freimachen und ihr Schicksal selbst in die Hand nehmen, sollten die Gewerkschaften doch bedenklich machen. Beweisen sie doch klar, daß unter den Arbeitnehmern die Erkenntnis auf dem Wege ist, daß es nicht so weitergeht mit einer Lohnpolitik, sie nicht auf das wirkliche Wohl der Arbeitnehmer, sondern ein ſeitig auf die organisatorischen Bedürfnisse der Gewerkschaften zugeschnitten ist und die sich in ihrer bürokratischen Starrheit zu einer wahren Lohntyrannei auch gegenüber den Arbeitnehmern entwickelt hat. Wäre es nicht Zeit zum Einlenken? Glauben die Gewerkschaften wirklich, daß die Arbeitnehmer noch lange einen Gößen anbeten werden, der sie mit der Geißel der Arbeits: losigkeit züchtet. Spitama.

Ein Rückblick auf das Jahr 1931 muß dieses für das Handwerk als das Jahr der unerfüllten Hoffnungen erkennen lassen. Die vom Handwerk seit langem erstrebte grundsägliche Wandlung der deutschen Wirtschaftspolitik konnte noch nicht erreicht werden. Für das Handwerk waren die letzten zwölf Jahre eine einzige Enttäuschung. Eine Besserung wird auch erst dann eintreten, wenn die Reichsregierung bei allen ihren Maßnahmen und bei der bislang beliebten zu weitgehenden Be rücksichtigung der Kollektivkräfte des Kapitals und der Arbeit der Wirtschaft den gerechten Ausgleich für alle Glieder wiederfindet.

Auf gesetzgeberischem Gebiet stand das Jahr 1931 im Zeichen der Notverordnungen. Wir erinnern zunächst an die zweite Notverordnung zur Sicherung von Wirtschaft und Fi nanzen vom 6 Juni Nach dem ernsten Willen der Reichs regierung sollte sie der letzte Schritt" sein, um eine Wandlung zum Besseren einzuleiten Uber ach wie bald mußte sich die Reichsregierung von ihrem vergeblichen Bemühen überzeugen. Mit dem offenen Ausbruch der Krise im Juli setzte eine Hoch­flut von Notverordnungen ein, die Stückwerk sein und bleiben mußten, da sie sich an die eigentliche Lösung der Probleme nicht beramvagten. In dieser Hinsicht zeigt die vierte Notverordnung vom 8 Dezember einen gewissen grundsäglichen Wandel. Sie soll ja wohl nach dem letzten Schritt" den ,, endgültigen Schlußstrich" unter eine uns aufgezwungene Deflationspolitik ziehen. Im Interesse des Handwerks und der gesamten Wirt schaft wünschen wir ihr nur vollsten Erfolg. Allein, ob dieses Ziel erreicht werden kann, wenn man an Stelle der in der Wirtschaft bestehenden Bindungen staatlichen Zwang und be hördliche Reglementierung setzt, erscheint-um uns ganz vorsich tig auszudrücken zum mindesten im Augenblick noch sehr

Der Göße mit der Geißel.

( Schluß)

Schwarzarbeit

unfallgefährlich.

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mutlos und st ziehen lassen, niat vergejjen Das neu was es bringe die fich Deutsc bewußt ih Not der Stu Zwölf dur alte Jahr ift

Ein Grundstückseigentümer hatte die Putz und Anstrichs arbeiten an seiner Hoffassade nicht einem Bauunternehmer, son­dern einem Maurer übertragen, der sie zusammen mit seinem Bruder ausführte. Als Rüstzeug lieh der Maurer sich Lei­tern für ein Leiterfeld und stellte sie mit Hilfe eines zweiten Arbeiters, den er sich vom Arbeitsnachweis für einige Stunden bestellte, je nach Fortschreiten der Arbeiten um. Am Unfall tage sollte das Gerüst wieder umgebaut werden weite Arbeiter sich gegen 12 Uhr einfand, wurde das Gerüst noch gebraucht. Er ging daher mit dem Bruder des Maurers in ein: Gastwirtschaft, wo sie sich bis um 3 Uhr aufhielten, während der Maurer inzwischen die Anstricharbeiten fertig stellen wollte. Beide waren angetrunken, als sie zur Arbeits­stelle zurückkehrten. Der vom Arbeitsnachweis nachgewiesene Arbeiter ging sogleich das Treppenhaus hinauf, kletterte vom Flurfenster in der vierten Etage auf das Leitergerüst und be­stieg dort eine bereits losgebundene 7 Meter lange Leiter bis zur letzten Sprosse, ohne den warnenden Zuruf eines unbetei­ligten Augenzeugen zu beachten. Die völlig freistehende Leiter geriet ins Schwanken, der Verunglückte verlor den Halt und stürzte ab.

Und doch ist nichts klarer als diese Abhängigkeit. Hören wir, was ein sozialdemokratisches Blatt in einem lichten Augen blick darüber zu sagen weiß. In einer Polemik gegen den frei willigen Arbeitsdienst wirft die Jugendbeilage Nr. 13/1931 der ..Schlesw. Holst. Volksztą." die Frage auf: ,, Wovon hängt der Umfang der Arbeitsmöglichkeiten ab?" und stellt dann fest, daß ,, der Umfang der Arbeitsmöglichkeiten einzig und allein davon abhängt, wieviel Kapital vorhanden ist, um Menschen in Arbeit zu setzen. Jede, auch die volkswirtschaftlich unnötigste Arbeit Fostet etwas. Zu jeder, auch zu zerstörender Arbeit, braucht man Kapital. Ein Unternehmer kann immer nur soviel Arbeitskräfte beschäftigen, wie er bezahlen kann.( Und das hängt fügen wir binzu

natürlich von dem Marktpreis ab, den er erzielt.) Da

bei ist es vollkommen gleichgültig, was er arbeiten läßt. Das Entscheidende ist allein der Umfang seines Kapitals! Das Gleiche gilt in der Volkswirtschaft als Ganzes. Die Arbeitsmöglich keiten vergrößern sich, wenn das Kapital sich vermehrt." Richtig! Und sie vermindern sich, wenn sich das Kapital vermindert. Mit anderen Worten: die Höhe der Lohnsumme, die eine Volkswirt schaft aufbringen kann, hängt von ihrem Reichtum an Kapital

Dieser durch verschiedene Zeugenaussagen belegte Tat bestand ergibt, daß der Verunglückte seinen Tod in der Haupt­sache selbst verschuldet hat.

Darüber hinaus liegt aber die Schuld in der ganzen Art der Arbeitsausführung, die aufs neue die großen Gefahren der Statt die Arbeit einem Unternehmer Schwarzarbeit dartut.

zu übertragen, der das erforderliche Rüstzeug zur Verfügung bat, fachkundige Arbeitskräfte stellt und die Arbeiten pflicht aemäß beaufsichtigt, nahm der Hauseigentümer einen Maurer an, der, um die Preise der Unternehmer unterbieten zu können, alles behelfsmäßig erledigte an Rüstzeug und Arbeitskräften sparte und die polizeilichen und berufsgenossenschaftlichen Vor schriften nicht beachtete Daß der Verunglückte bereits mit dem Abbruch des mangelhaften Gerüftes begann, während der Man­rer weiten unten noch darauf arbeitete, war nur möglich, weil jede Leitung und Aufsicht fehlte Für eine geringe Verbil ligung der Arbeiten, die nicht zuletzt auf Nichtzahlung der Stenern und Sozialversicherungsbeiträge zurückzuführen ist, tourde so Leben und Gesundheit der Arbeiter leichtfertig aufs Spiel gefeßt. Leider wird ein großer Teil der Reparatur und Renovierungsarbeiten in Althäusern in dieser Weise ausgeführt. Es ist an der Zeit, daß die zuständigen Behörden sich der Be­fämpfung der im Baugewerbe immer mehr um sich greifenden Schwarzarbeit widmen!

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