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Nr.85

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Gießener Zeitung

( Gießener Tageblatt)

Erscheint Mittwochs und Samstags. Bezugspreis 2,40 M vierteljährlich frei ins Haus. daktionsschluß früh 8 Uhr. Für Aufbewahrung oder Rüd­bung nicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert.

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and mit den, Deutschen gstadt", welche die wirt nen 34. Jahrgang. Die en Gehalt und vor allem it seiner christlichen und elenntnisse und Parteien

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Politische Rundschau.

Ueber den Besuch des italienischen Außenminister Grandi Berlin und die Besprechungen mit Reichskanzler Dr. Brü­mg wird eine amtliche Mitteilung herausgegeben, in der es kit, daß sich über die zur Verhandlung gekommenen Fragen Bitestgehende Uebereinstimmung ergeben habe.

Der italienische Außenminister Grandi wurde am Montag

armittag vom Reichspräsidenten empfangen.

Das Reichskabinett ist am Dienstagnachmittag zusammen­treten, um sich mit den Vorschlägen zu beschäftigen, die vom sichswirtschaftsministerium für den Wirtschaftsbeirat ausge­

beitet worden sind.

Am Montag traten der Wirtschaftsausschuß und der Man­kisausschuß des Völkerbundes zu Sigungen zusammen.

Bor Zehntausenden von Fascisten hielt Italiens Führer Sussolini in Neapel eine Aufsehen erregende Rede, in der er mit der Entschiedenheit eine Revision der ungerechten Friedens­urträge und eine Angleichung der militärischen Rüstungen aller finder Europas fordert.

Bei undurchdringlichem Anhalten des Londoner Nebels ben gestern morgen die Wahllokale ihre Pforten für die Bahlen zum Unterhaus geöffnet, deren Ausgang allerseits mit gojzer Spannung erwartet wird. An allzu große Ueberraschun­gen glaubt man nicht. Der Sieg der Nationalregierung gilt als her.

Der französische Ministerpräsident Laval ist gestern kurz nach Mitternacht( nach 6 Uhr früh ME3.) mit der Isle de France" us Newyork nach Frankreich abgereist.

Die chinesische Regierung hat sich zum Abschluß eies Schieds­gerichtsvertrages mit Japan bereit erklärt.

Die japanische Regierung erklärt nach wie vor die Annahme dr fünf von ihr aufgestellten Forderungen als Vorbedingung für die Räumung der Mandschurei von japanischen Truppen. Am vergangenen Sonntag fanden in 14 von 26 pommerschen Wahlkreisen die Wahlen zur Pommerschen Landwirtschaftskam­mer statt. Nach dem bisher vorliegenden vorläufigen Gesamt­ege bnis sind 13 Nationalsozialisten, 17 Landbündler und ein Bauernschaftler gewählt.

Ft, nimmt er unter allen Stellung ein. Er ist der Zeit. Mit Fichtes Wed neue Jahrgang an. ner Jllustrierten Sen interessanten Artitel eitsführers Gandhi mit der Gandhi noch Rechts

Klein in Gießen.

SACHE

ESSEN

ormals Keller, gegr. 1788

Die in Berlin im Keller der Wohnung des kommunistischen Junttionärs Ueberbrüd gefundenen Sprengstoffmengen werden af annähernd einen Zentner geschäßt, so daß sich dieses Spreng­offlager nach den bisherigen Feststellungen auf rund drei Zent­Ir Explosivstoffe belief.

In der letzten Woche wurden in Gleiwig 19 Kommunisten fgenommen, die dringend verdächtigt werden, an hochverräte­tichen Bestrebungen mitgewirkt zu haben.

Auf der Insel Cypern sind im Laufe des Montags weitere nglische Truppen aus Aegypten angekommen, während in Ni­wia Panzerwagen eingetroffen sind, die bei der Verfolgung und & rhaftung der Rädelsführer Verwendung finden sollen.

In einem Aufruf des Reichsverbandes der Deutschen In­hitrie wird eindringlichst auf die Gefahren hingewiesen, die ein weiteres Anschwellen der Zahl der Studierenden an den deut­jen Universitäten und Hochschulen in den nächsten Jahren hingen müsse.

Am 31. Oftober laufen etwa zwei Drittel aller deutschen Lohntarife ab. Dieser Termin wird dadurch zu einem hoch­politischen Tage erster Ordnung, denn die Neuregelung im Tarif= nesen, die bis zu diesem Zeitpunkte durchgeführt sein muß, wird jgt der Prüfstein sein für die sozial- und wirtschaftspolitische Entwicklung der nächsten Zeit.

Sor einer neuen Reparationsfonferenz?

Drud und Verlag von Albin Klein in Gießen Geschäftsstelle: Gießen, Südanlage 21. Fernsprecher Nr. 2525 und 2526. Postschedkonto Nr. 69 530 Amt Frankfurt a. M.

Mittwoch, den 28. Oktober 1931

erneut zu untersuchen. Wir stehen also augenscheinlich vor einer neuen Reparationskonferenz, ohne daß bisher bindende Zusagen

( Neueste Nachrichten)

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Nummer 86

Frik Thyssen

der Vereinigten Staaten im Sinne einer Aussetzung der alliier vor den amerikanischen Wirtschaftsführern.

ten Schuldenzahlungen vorliegen.

Die Gemeindewahlen in Anhalt.

Starke Gewinne der Nationalsozialisten. Dessau. Am Sonntag fanden in Anhalt die durch Land­tagsbeschluß um ein Jahr verzögerten Wahlen zu den städtischen Körperschaften und zu den Kreistagen statt. Die Wahlbeteili­gung betrug durchschnittlich 90 Prozent der Stimmberechtigten. Die Wahlen sind im allgemeinen ruhig verlaufen.

Die Ergebnisse bestätigten den üblichen Verlauf aller Wah­len nach dem 14. September vorigen Jahres: starke Gewinne der Nationalsozialisten, die mehrfach die stärkste Partei in den Stadt­parlamenten werden, einen beträchtlichen Rückgang der Sozial­demokratie und der Staatspartei sowie Verluste der bürgerlichen Mittelparteien. Auffällig ist der geringe Gewinn, den die Kom­munisten in den Städten erzielen konnten.

Dessau, 27. Oft. Die genaue Ueberprüfung des anhaltischen Gemeinde- und Kreistagswahlergebnisses ergibt einige inter­essante Feststellungen. Vor allem die, daß der Verlust der Sozial­demokraten im ganzen Lande weit größer ist, als ursprünglich bei dem Vergleich mit den Gemeindewahlen vor vier Jahren angenommen worden ist. Die Sozialdemokraten haben gegen­über der letzten Reichstagswahl im September vorigen Jahres rund 18 000 Stimmen verloren. Ihre Ziffern sind von 85 000 auf rund 67 000 gesunken. Davon haben die Kommunisten rund 5600 aufgenommen. Es unterliegt nicht dem geringsten Zweifel, daß ein großer Teil der übrigen sozialdemokratischen Stimmen an die Nationalsozialisten übergegangen sind, die ihren Bestand gegenüber den Reichstagswahlen des vorigen Jahres um 32 800 Don 43 600 auf insgesamt 76 400 steigern konnten. Damit sind die Nationalsozialisten in Anhalt die stärkste Partei geworden und haben die Sozialdemokraten um mehr als 9000 Stimmen überflügelt. Der Zuwachs der Nationalsozialisten entspricht einem Prozentsatz von 74 Prozent gegenüber den Reichstags= wahlen im vorigen Jahre. Das Anwachsen der nationalsozia­listischen Stimmen übertrifft alle Erwartungen, auch die in den Führerkreisen gehegten.

Borah jagt dem polnischen Botschafter die Wahrheit.

Washington, 27. Oft. Ueber den polnischen Korridor ist es jetzt zwischen Senator Borah und dem hiesigen polnischen Bot­schafter Filipowicz zu einem scharfen Zusammenstoß gekommen, der in diplomatischen und politischen Kreisen sowie in der Def= fentlichkeit großes Aufsehen erregt, wie Borahs Vorstoß gegen Versailles am Vorabend des Lavalbesuches bei Hoover. Beim Abschiedsempfang der französischen Botschaft für Laval hielt es der polnische Botschafter für angebracht, dem ebenfalls dort er­schienenen Senator Borah sein ,, Bedauern" über seine Erklärung zu der Korridorfrage auszudrücken.

Borah hielt seinen Standpunkt aufrecht, daß ohne Aende­rung der Verhältnisse im Korridor und an den deutschen Ost­grenzen eine Abrüstung nicht möglich sei, und erklärte, er sei überzeugt, daß der Korridor zum Teil der Grund für das An­wachsen der nationalen Bewegung in Deutschland sei. Der polnische Botschafter erklärte hierauf schroff: Ich glaube, Sie sind mit den Tatsachen nicht vertraut, oder Sie wissen nicht, daß die Bevölkerung des Korridors zu 80 Prozent aus Polen besteht."(!)

Ja, wenn Polen seine bisherige Politik fortsegt, erwiderte hierauf Borah leicht ironisch ,,, wird der Korridor bald hundert­prozentig polnisch sein."

Kandidaten zur Landtagswahl.

Liste der Volksrecht- Partei.

Zu den hessischen Landtagswahlen hat die Volksrechtpartei folgende Bewerber aufgestellt: 1. Prof. Friedrich Art zu Darm­

Paris, 27. Oktober. Nach Gerüchten aus amerikanischer Quelle, die der Newyork Herald" wiedergibt, soll Minister­pasident Laval sofort nach seiner Rückkehr beabsichtigen, die fanzösische Regierung um die Ermächtigung zur Einberufung ther Konferenz der an der Reparationsfrage interessierten otionen einschließlich Deutschlands zu ersuchen. Aufgabe dieser Sonferenz würde es sein, über die Möglichkeiten einer weiteren Separationsherabsetzung zu entscheiden und einen neuen 3ah- stadt; 2. Jakob Porth, Bürgermeister i. R., zu Offenbach a. M.; lingsplan vorzubereiten, der Präsident Hoover als Ersatz für as am 1. Juli 1932 ablaufende Moratorium zur Begutachtung aterbreitet werden könnte. Diese Weltkonferenz würde nach lgemeiner Ansicht in Paris bis Ende November oder Anfang Jezember zusammentreten.

Andererseits berichtet der Washingtoner Korrespondent der times", daß die Gespräche Hoovers und Lavals sich auf der lgenden Basis bewegten:

3. Hermann Lorenz, Bankbeamter zu Gießen; 7. Georg Ritter, Pfarrer i. R. zu Laubach in Oberh.; 9. August Haas, Stabszahl­meister a. D. zu Grünberg.

Die Kandidaten der SAP. in Hessen,

Die infolge der Spaltung der SPD. vor einigen Wochen gegründete Sozialistische Arbeiterpartei gibt jetzt ihre erste Kan­didatenliste zu den hessischen Landtagswahlen am 15. November bekannt. Spitzenkandidat ist der ehemalige Redakteur der Frau Rudolph, Offenbach a. M.; Funk, Leihgestern; Quessel, Darmstadt, und Frau Mönch, Friedberg.

1. Die französische Regierung wird sofort Schritte ergreifen ,,, Mainzer Volkszeitung", Ohlhof, Mainz. Es folgen dann u. a.:

um Deutschland zu bewegen, sich zweds Erleichterung seiner Lage des im Youngplan vorgesehenen Apparates zu be= dienen.

2. Die Vereinigten Staaten werden dann gleichzeitig oder später Maßnahmen treffen, um ,, während der Depressions­periode" Erleichterungen in den alliierten Schuldenzah­lungen an Amerika vorzunehmen.

Diese Mitteilungen werden durch einen Bericht im Daily elegraph" dahin ergänzt, daß Laval im Einklang mit dem oungplan den in dem Plan vorgesehenen beratenden Ausschuß inberufen wird mit dem Ziele, die deutsche Zahlungsfähigkeit

Wirtschaftspartei und hessische Landtagswahl. In dem hessischen Landesverband der Wirtschaftspartei scheint über die bevorstehenden Landtagswahlen keine einheit­liche Stellungnahme zu bestehen. Jedenfalls hat der Spitzen­kandidat der kürzlich veröffentlichten Landeswahlliste, Bauunter­nehmer Steuernagel- Bad Nauheim, jetzt seine Kandidatur zurückgezogen. Ob dieser Schritt weitere Folgen nach sich ziehen wird, bleibt abzuwarten.

Am Mittwoch, den 21. Oktober, sprach Dr. Fritz Thyssen vor einer großen Anzahl amerikanischer Wirtschaftsführer im Rah­men einer von der Columbia- Universität veranstalteten Vor­tragsserie. Anwesend waren u. a. Henry Ford, Oven Young, Charles M. Schwab.

Dr. Frizz Thyssen, der Wert darauf legte, Lage und Ent­widlung der Stahlindustrie in Deutschland zu erklären, führte u. a. aus, daß man, wenn man diese richtig verstehen wolle, einen kleinen Umweg durch das Gebiet der Politik nicht scheuen dürfe. Allgemein sei in der Welt ja zu beobachten, daß stärker als je die Politik unmittelbar Einfluß auf die wirtschaftliche Beteili­gung der Individuen und Völker nehme. Das gelte ganz beson­ders für Deutschland. Im Anfang des Entwicklungsabschnittes, den Deutschland gegenwärtig durchmache, stünden zwei gewaltige Ereignisse der Politik, nämlich

die deutsche Revolution und das Versailler Friedensdiktat. Deutschland sei der Mittelpunkt eines engen Kreises, auf dem allein vier Großmächte lägen. Ein solcher Staat dränge ganz von selbst nach Autorität. Die bürgerlichen Parteien, die in erster Linie zusammen mit der Sozialdemokratie die Revolution aufgefangen hätten und zu einer Verfassung umgestalteten, seien das Zentrum und die demokratische Partei gewesen. Die Zusam­menwirkung dieser weltanschaulich verschieden orientierten Par­teien spiegele sich in der deutschen Reichsverfassung wieder. Für die Sozialdemokratie sei die demokratische Republik nur das Mittel, um das Endziel, den sozialistischen Staat zu erreichen, während die bürgerlichen Republikaner in der deutschen Republik ihr Staatsideal im wesentlichen verwirklicht sähen. Das Jdeal der politischen Demokratie ergänze sich durch das Jdeal der Wirtschaftsdemokratie als der Vorstufe zum Sozialismus. 1918 habe der Sozialismus freie Bahn gehabt und die Staatsmacht sei zu einem großen Teil legales Mittel des proletarischen Klasseninteresses geworden.

Aber so schwer der wirtschaftliche Einfluß der sozialistischen Entwicklung auch ins Gewicht falle, er werde übertroffen von den Auswirkungen des zweiten politischen Ereignisses, das am Aus­gangspunkt der gegenwärtigen Entwicklung stehe, des Versailler Friedensdiktats. Sei man sich über die Grundlagen des deutschen Wirtschaftslebens, Revolution und Friedensdiftat und Repara­tionen klar geworden, dann werde man einer Untersuchung über die wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland folgende vier Puntte zugrunde legen müssen:

1. das Friedensdiftat von Versailles, insbesondere die Re­parationen,

2. der Einfluß der Gewerkschaften und der ihnen befreun= deten Parteien auf die wirtschaftliche Entwicklung des Landes, 3. der Einfluß der Kreditinflation von 1924-1929, 4. der Einfluß der Stabilisierung der Reichsmark nach der Inflation auf ihren vollen Friedenswert im November 1923.

Aus dem Versailler Vertrag ergäbe sich die Schändung des deutschen Namens durch den Kriegsschuldartikel 231. Die bisher geleisteten Reparationen hätten zu einer ungeheuren Verschul­dung Deutschlands geführt, sie bedeuteten eine zusätzliche Be lastung der deutschen Wirtschaft, die sich im Augenblick ihres Transfers in Auslandswährung in einen absoluten Kapitals­verlust verwandle. Das Restkapital werde infolge seiner Ver­fnappung verteuert. Die innere Reparationslast Deutschlands bedeute eine Last in der ungeheuerlichen Höhe von 1,4 Milliar­den Dollar jährlich. Heute entziehe man dem unterlegenen Volk das Blut der Wirtschaft, das mobile Kapital, Jahr für Jahr, Jahrzehnt für Jahrzehnt. Neben den Reparationen lasteten am meisten die Folgen der sozialen Wirtschaftspolitik der Gewert­schaften und der ihnen befreundeten Parteien auf der deutschen Wirtschaft. Die Gewerkschaften hätten seinerzeit den Standpunkt vertreten, man müsse die Industrie durch Arbeitszeitverkürzung und Lohnerhöhung zur Rationalisierung zwingen.

Nach einem Ueberblick über die Auswirkung dieser Forde­rungen ging Frizz Thyssen dann auf die Kreditinflation ein. Infolge dieser habe die deutsche Wirtschaft 45 Prozent des natio­nalen Einkommens als öffentliche Lasten aufbringen können. Die sich aus der Kreditinflation ergebende Investitionskonjunk­tur sei auf Sand gebaut gewesen, weil sich die Reparationen und die übersteigerte deutsche Sozialreform gemeinsam in einer Ueber­lastung der deutschen Wirtschaft und in einer Untergrabung der deutschen Kapitalkraft ausgewirkt hätten. Die Krise des Jahres 1930 habe daher kommen müssen, und zwar von Deutschland her. Verschärft würden die Schwierigkeiten der deutschen Wirtschaft dadurch, daß die durch die Inflation zerstörte Mark auf vollen Friedenswert stabilisiert worden sei. Wenn Deutschland aus der gegenwärtigen Not herauskommen wolle, müßten drei Bedingun gen erfüllt werden:

1. die Reparationen als Zerstörer der nationalen und inter­nationalen Wirtschaft müßten fallen,

2. die ausländischen Gläubiger müßten Verständnis für die deutsche Lage haben und sich mit Deutschland über eine tragbare Art der Tilgung und Zurüdziehung, vor allen Dingen der furz­fristigen Kredite, einigen,

3. Deutschland müsse dem Sozialismus abschwören. Die deutsche Krise sei eine Folge der nationalen und inter­