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Nr. 17

Samstag, den 28. Februar 1931.

Aus Nah und Fern.

Lollar. Die hiesige Schule mußte wegen der hier grassieren­den Grippe geschlossen werden.

Büdingen. In der letzten Sigung des Kreisausschusses des Kreises Büdingen wurde der Kreisvoranschlag, einschließlich des Voranschlags des Kreiswohlfahrtsamtes und des Kreis­finderheims Bingenheim, für das Rechnungsjahr 1931 beraten und in Einnahme und Ausgabe auf 604 554,03 RM. festgesetzt. Die Kreistagssigung wurde auf den 14. März anberaumt. Der Kreis- Haushaltsvoranschlag für 1930 schloß in Einnahme und Ausgabe mit 600 832,76 RM. ab.

Mainz. Der Erste Bürgermeister Dr. Ehrhard hatte für Donnerstag eine Pressebesprechung einberufen, in der er über den Etat 1931-32 ein furzes Exposé gab. Einleitend bemerkte er, daß der diesjährige Voranschlag auf einige Schwierigkeiten stoße. Es hätte sich herausgestellt, daß das Wohlfahrtswesen bedeutend höhere Zuschüsse verlange und die Betriebe nicht das aufgebracht hätten, was vorausgesetzt worden sei. Das Rech­nungsjahr 1930-31 werde schon voraussichtlich einen Fehlbetrag von 2,2 Millionen RM. bringen. Die Ausgleichung des Vor­anschlages 1931 sei mit wesentlich größeren Schwierigkeiten ver­bunden. Das sei darauf zurückzuführen, daß die Mehrbelastung des Voranschlages gegenüber dem Vorjahre 4,36 Millionen RM. betrage. Fürsorge und Wohlfahrtspflege erforderten einen Mehr­betrag von 3913 000 RM. Der Zuschuß der Kommune für Wohlfahrts- und Jugendamt betrage heute 9 464 000 RM., wäh­rend an Reichs-, Gebäude-, Land- und Sondergebäudesteuer nur 10,2 Millionen RM. eingingen. Der Etat für Fürsorge und Wohlfahrt schließe mit einem Zuschuß von 10,6 Millionen RM. ab. Es müßte zur Deckung des Fehlbetrages zur Bürger-, Bier­und Getränkesteuer und Erhöhung der Gebühren übergegangen

werden.

,, Gießener Zeitung"

teilen Kinder beobachtete und ihnen dann die eingekauften Waren und oft auch noch das zurückempfangene Geld abschwin­delte oder einfach fortnahm.

Kajjel. Das Provinzialschulkollegium hat dem Studienrat Astevold vom Realgymnasium II in Kassel die Mißbilligung über sein komisches(?) Verhalten ausgesprochen und das von Askevold entfernte Bild des Reichspräsidenten von Hindenburg in der Generalfeldmarschallsuniform wieder an den Platz hängen lassen, von dem A. es entfernen ließ.

Auszahlung von Frankreichguthaben ehem. Kriegsgefangener.

einer Ent­Einer Mitteilung zufolge werden auf Grund scheidung des Reichsfinanzministers die seit einigen Jahren in den Händen des Reichsfinanzministeriums befindlichen Guthaben ehemaliger Kriegsgefangener aus französischer Kriegsgefangen­schaft nunmehr zur Auszahlung gelangen, insoweit sie den Be­trag von RM. 10. übersteigen. Eines besonderen Antrages zwecks Auszahlung bedarf es im Einzelfalle nicht. Die Aus­zahlung erfolgt vielmehr von Amts wegen ohne besonderen An trag durch die Restverwaltung für Reichsaufgaben, in deren Händen sich die Listen der Anspruchsberechtigten befinden. Die Auszahlung wird erfahrungsgemäß eine Reihe von Monaten dauern. Eine Ueberschüttung der in Frage kommenden Dienst­stelle mit Einzelanträgen kann nur eine Verzögerung und Er­schwerung der Auszahlung zur Folge haben. Um Irrtümern vorzubeugen, sei nochmals darauf hingewiesen, daß es sich nicht um militärischen Sold, sondern die meist geringfügigen Arbeits­guthabenbeträge handelt, die beim Abtransport der Kriegs­gefangenen aus Frankreich einbehalten und durch die Inflation des französischen Franc entwertet wurden.

Offenbach a. M. In der letzten Stadtratssitzung gab der Oberbürgermeister eine Erklärung ab, in der er darauf hin­wies, daß er kaum glaube, daß noch erhebliche Verbesserungs­vorschläge gemacht werden können. Bekanntlich beträgt das Defizit für 1931 etwa 5% Mill. RM.. Zur Senkung des Defizits habe er eine Verdoppelung der Bürgersteuer, Erhebung der Biersteuer und Einführung einer Getränkesteuer vorgeschlagen. Falls es nicht gelingen sollte, den Etat schnell zu verabschieden, werde er eine Sigung einberufen müssen, in der die notwendigen Steuerbeschlüsse gefaßt werden müßten, um ein Eingreifen der Aufsichtsbehörde zu verhindern. Der Entwurf des Haushalts­wurde dann zur weiteren Bearbeitung den planes für 1931

Ausschüssen überwiesen.

Offenbach. Der Mitinhaber einer seit 100 Jahren bestehen­den Eisenwarenfirma vergiftete sich wegen Zahlungsschwierig

teiten.

Weglar. Das altangesehene Bankhaus Kellner, hier, hat seine Zahlungen eingestellt. Der Zusammenbruch ist einerseits zurückzuführen auf den Kursrüdgang des eigenen Wertpapier­Vermögens und Ausfälle an Außenständen, andererseits auf die Zurückziehung von Kundenguthaben. Es ist damit zu rechnen, daß der größte Teil der Forderungen befriedigt wird. Die Wert­papier- Depots der Kundschaft sind in Ordnung.

Ein Polarforscher vor Gericht.

der

Ein aufstrebender Industriezweig.

Neue Bücher.

Ein Lucknerbuch. Hunderttausende von Freunden des Gra­fen Luckner werden es begrüßen, daß sein jüngstes Buch ,, See­teufel erobert Amerika", in dem er in seiner launigen Ari von Erlebnissen und Abenteuern zur See und in den Vereinigten Staaten erzählt, in einer ungekürzten, reichbebilderten Volks­ausgabe für 2,85 Mark erscheint. Der billige Preis wird da durch ermöglicht, daß der Verlag Kohler& Amelang in Leipzig einen schmuden neuartigen Steisdeckeleinband für eine Reihe beliebter Bücher geschaffen hat.

Die Serben wünschen nicht, daß die Wahrheit über Sera­jewo bekannt wird! Das Belgrader Innenministerium hat mit Entscheidung vom 13. Februar dem im Verlage Died& Co., Stuttgart, erschienenen neuen Buche Bruno Adlers: ,, Der Schuß in den Weltfrieden/ Die Wahrheit über Serajewo" den Post­debit in Jugoslawien entzogen. Das Buch darf also dort nicht versandt werden, ein Beweis dafür, daß wir in Mitteleuropa das Buch umso mehr beachten müssen, weil es die tatsächlichen empörenden Vorgänge ausdeckt, die den Weltkrieg auslösten.

Die Entfaltung der Funkindustrie gehört zweifellos zu den interessantesten Kapiteln volkswirtschaftlicher Entwid­lung. Kaum ein anderes Gebiet, auf dem die schöpferische, ge­staltende Kraft moderner Technik so elementar, so sinnfällig hervortritt wie hier. Noch kein Jahrzehnt ist vergangen seit der Geburtsstunde der Funkindustrie: erst mit der Einführung des Unterhaltungsrundfunks in Deutschland im Jahre 1923 be­gann sie ihren nahezu beispiellosen Siegeszug. Heute hat sie sich ihren Platz in der Reihe der großen deutschen Qualitäts­gewerbe erobert. Ihr Bruttoproduktionswert wird vom In­stitut für Konjunkturforschung neuerdings auf etwa 150 bis 200 Millionen RM. angegeben. Das entspricht, um nur ein Beispiel anzuführen, wertmäßig etwa dem Dreifachen der deut schen Eisenroherzförderung.

Frankfurt a. M. Die Große Straffammer verurteilte auf die Berufung der Staatsanwaltschaft den Polarforscher Lerner wegen Untreue an Stelle einer verwirkten Gefängnisstrafe von einem Monat zu 300 Mark Geldstrafe. Der Angeklagte hatte als Bevollmächtigter eines Architekten in Thun in der Schweiz ein Haus in Wiesbaden verkauft und 10 000 Mark Anzahlung erhalten. Hiervon waren 4000 Mark an den Architekten abzu­führen; das geschah aber nicht und Lerner behauptete Fall spielte sich vor sechs Jahren ab-, daß ihm von seinem Auftraggeber gestattet worden sei, dieses Geld für eine Nord­polexpedition zu verwenden, deren Ausrüstung Lerner mit Hilfe des Auslandes unter Beteiligung des schweizerischen Fliegers Mittelholzer plante. In erster Instanz war der Angeklagte, dem übrigens die Strafbammer bestätigte, daß er bisher ein tadelloses Leben geführt habe, von hohen Jdealen beseelt und großer Op­timist sei, freigesprochen worden. Das Gericht verkannte nicht. daß Lerner zwar nicht völlig forrekt gehandelt habe, aber bei Forschern und Entdeckern sei ein milderer Maßstab anzulegen, als bei gewöhnlichen Sterblichen, da die Welt sonst auf man­chen Erfolg der Wissenschaft verzichten müßte. Der Angeklagte war seinerzeit an der Andree- Expedition beteiligt.

Ein wirtschaftspolitisches ABC- Buch vom Hansabund für Gewerbe, Handel und Industrie, Berlin NW. 7. Mit diesem Werkchen ist allen, die im Wirtschaftskampfe stehen, ein recht wertvolles Taschenbuch geschaffen worden, das dazu noch über­sichtlich und allgemein verständlich gehalten ist. Ein vortreff­liches Buch, ganz besonders für den, der sich mit den täglich vor­kommenden wirtschaftspolitischen Situationen eingehender be­schäftigt, da das Buch Aufklärung über alle politische und wirt­schaftspolitische Fragen gibt. Ein kleiner Wegweiser in der Tasche. Kjr.

Die Nachfrage nach Radiogeräten ist sprunghaft emporge­schnellt. Das beweist bereits die Zunahme der Rundfunkteil­nehmer. Am 1. Januar 1924 war es nur eine kleine Schar von 1580 Menschen, die sich, üblicherweise mit Kopfhörer und De­tektor ausgerüstet, den technischen Fortschritt zu nutze machte. Sie wuchs sehr schnell. Ein Jahr später wurde eine halbe Million, am 1. Januar 1926 die erste Million überschritten. Am 1. Januar 1930 gab es bereits über 3 Millionen, am 1. Ja­nuar 1931 über Millionen Rundfunkteilnehmer im gesam­ten Reichsgebiet. Deutschland wird gegenwärtig nur von den Vereinigten Staaten übertroffen, wo es zu Anfang vorigen Jahres etwa 11 Millionen Rundfunkteilnehmer gab. In Europa zählt noch England, nach dem Stande von 1930, über 3 Millionen Rundfunkteilnehmer. Alle anderen Staaten fol­gen in weitem Abstand.

Frankfurt. Die eigene Mutter überfallen und beraubt. Der Arbeiter Adolf Planz drang abends gegen 10 Uhr bei seiner im Bette liegenden Mutter ein, würgte die 79jährige Frau, bis sie das Bewußtsein verlor, und entwendete ihr die unter dem Kopfkissen liegende Geldbörse mit 70 RM. Jnhalt. Bei seiner Festnahme hatte Planz von dem geraubten Geld noch 17 RM.. im Besitz. Der Täter ist eine der Polizei bekannte Persönlichkeit.

Frankfurt. Die Polizei ist fieberhaft beschäftigt, den resp. die Mörder des tot aufgefundenen Chauffeurs Karl Rahmer zu ermitteln. Der Mordfall ist bisher in tiefstes Dunkel gehüllt.

Frankfurt a. M. Zu dem Mord an der Wwe. Trauth in Oberursel wird von der Polizei mitgeteilt, daß sich die Verdachts­momente gegen die Tochter der Ermordeten, Anna, die sich bereits in Haft befindet, sehr erheblich verstärkt haben.

Kassel. Die Kasseler Kriminalpolizei verhaftete ein 16jäh­riges Mädchen, das in über 20 Fällen in verschiedenen Stadt­

Sehr wichtig für jeden Handwerker und Gewerbetreibenden! In diesen Tagen erregt eine Neuerscheinung ,, Die Handwerks­Hochschulen" in unsern Kreisen berechtigtes Aufsehen. Wenn man das Inhaltsverzeichnis dieses Werkes übersieht, so bekommt man schon eine Vorstellung von dem umfangreichen Gebiet, das hier von berufenen Fachleuten in Angriff genommen wurde. Was für den früheren Federkielschreiber heute die Schreib­maschine, das bedeutet für den Handwerker und Gewerbetreiben­den die ,, Handwerks- Hochschule".

Wir kennen Mussolini im allgemeinen nur als posierenden Diktator. Ihn als den schöpferischen Menschen, den Motor der faschistischen Revolution kennen zu lernen, bietet eine gute Ge­legenheit das neue Heft der Münchener Illustrierten Presse ( Nr. 9).

,, Gewitterwolken und Sonnenstrahlen" lautet der Titel eines Aufsatzes in der neuesten Nummer der Zeitschrift ,, Das Heft". Dieser Aufsatz gibt uns einen klaren und unpartei­lichen Ueberblick über die wirtschaftliche und politische Lage Deutschlands.

Die Erweiterung des Hörerkreises sie bedeutet schnelle Zunahme des Bedarfs an Radiogerät, also beschleunigte Aus­weitung des Absatzmarktes der Funkindustrie ist auf eine Reihe besonderer Ursachen zurüdzuführen. Es handelt sich da= bei vor allem um den Ausbau des Sendernetzes und die Ver­besserung der Sendetechnik, die das Radio immer neuen Be­zirken, immer größeren Volksschichten erschlossen haben. Auch die Ausgestaltung des Rundjuntprogramms hat in diesem Zu­sammenhang eine Rolle gespielt. Darüber hinaus hat die Funkindustrie selbst das ihrige zur Verbreitung des Radios ge= tan. Sie hat ihre Erzeugnisse verbilligt und verbessert. Ratio­nalisierung der Fabrikation, serienweise Herstellung der Emp­und damit sich der rastlos vorwärts drängenden Technik ange= paßt und die Qualität des Rundfunkgeräts fortlaufend erhöht. Welch gewaltigen Fortschritt stellt vor allem der Uebergang vom einfachen Detektor zum Batteriegerät und weiter zum Nezzempfangsgerät dar! Jm ganzen hat die Funkwirtschaft selbst im Krisenjahr 1930 eine aufsteigende Entwidlung genom

men.

Der Erdbali. Illustrierte Monatsschrift für das gesamte Gebiet der Anthropologie, Länder- und Völkerkunde, 5. Jahrg., Heft 2, Preis vierteljährlich 3 RM. Auch das vorliegende

Heft 2 bietet an Reichhaltigkeit und Abwechslung des Stoffes das gewohnte Bild. Es bringt u. a. interessante Beiträge: Dr. R. Hartmann, Mostar, die südslawische Islam- Stadt. H. Feh linger, Die Ainu( m. Abb.) Prof. Dr. H. Hertzberg, Die chinesische Auswanderung Karl Koch, Die Zwerge jagen.

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Bezugspre

Redaktionsjahlu fendung night

Die ersten Nachrichten vom Startplatz der Mode sind einge­troffen! Sie werden verkündet in der soeben erscheinenden ersten Frühjahrsmoden- Nummer der Eleganten Welt und lauten: Revolution der Farbe! Evolution der Form! Freiheit, Phan­tasie und Individualität sind die charakteristischen Merkmale der neuen Mode! Die Hüte sind wieder garniert! Interessante Kombinationsstoffe sind Trumpf! Ueber nähere Einzelheiten berichtet das obige Heft.

Die Qualitätsarbeit der deutschen Funkindustrie hat auch im Ausland Beachtung gefunden. Der Absatz auf den internatio­nalen Märkien wuchs von Jahr zu Jahr. In dem Jahrfünft von 1926-30 hat sich die Ausfuhr von Funkgerät( einschließlich sonstiger Vorrichtungen für drahtlose Telegraphie und Tele­phonie) mehr als verdoppelt. 1926 wurde für 35,9 Millionen RM., 1930 hingegen für 78,2 Millionen RM. exportiert. Der Hauptanteil davon entfällt auf die europäischen Länder. Der wichtigste Kunde ist England, das im Jahre 1930 für 11,2 Mil­lionen RM. an Funkgerät aller Art abnahm. Eine besonders starke Zunahme zeigt seit 1929 vor allem der Export nach Schwe­den, der Schweiz und Frankreich.

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