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Samstag, den 28. Februar 1931.

Zunächst sei aber noch darauf hingewiesen, daß bereits Bestre­bungen gegen diese zugunsten der Versorgungsanwärter einge­leitete Hilfsaktion der Reichsregierung sich Geltung zu schaffen versuchen. Jetzt, nachdem endlich berechtigterweise der Stellen­vorbehalt für Versorgungsanwärter auch auf die Krankenkassen, Berufsgenossenschaften und Arbeitsämter ausgedehnt worden ist, erscheint die sozialdemokratische Reichstagsfraktion mit einem Antrag Dr. Breitscheid- Roßmann auf dem Plan, um diesen Stellenvorbehalt wieder zu beseitigen( Reichstagsdrucksache V 1930, Nr. 450). Man dürfte in der Annahme nicht fehlgehen, daß hier die Ablehnung der Zivilversorgung zusammengeht mit dem parteipolitischen Interesse an der Personalbesetzung bei den Sozialbehörden, denn die noch immer ins Feld geführte Begrün­dung über den Mangel an fachlicher Vorbildung und Eignung der Versorgungsanwärter bei den Sozialbehörden ist bereits durch die praktische Erfahrung bei der sonstigen Sozialversiche­rung( Angestellten- und Invalidenversicherung) und außerdem bei der Reichsanstalt selbst widerlegt. Wir müssen deshalb vom Reichstag erwarten, daß aus sachlichen Gründen der partei politisch orientierte Antrag der sozialdemokratischen Reichstags: fraktion der Ablehnung verfällt.

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Ueber den Stand der Zivilversorgung seien zum Schluß einige Zahlen genannt. Nach der letzten, vor einem Jahr vom Reichsministerium des Innern dem Reichstag vorgelegten Ueber­sicht betrug die Zahl der Versorgungsanwärter, die noch nicht in eine Beamtenstelle einberufen waren, Ende 1922 33 500 Ende 1928 36 000. Von diesen letzteren waren Ende 1928 rund 8300 Versorgungsanwärter als Angestellte im öffentlichen Dienst beschäftigt. Von den 36 000 Versorgungsanwärtern sind rund 23 000 Inhaber des Beamtenscheins, also Schwerkriegsbeschä­digte. Der Rest setzt sich zusammen aus Inhabern des Zivi.. dienstscheins und des Polizeiversorgungsscheins, die insgesamt mit rund 13 000 noch nicht die Zahl der einzuberufenden Ver­sorgungsanwärter in der Vorkriegszeit( etwa 16 000) erreichen Allerdings ist zu erwähnen, daß in den Jahren 1923-1927 rund 8000 ehemalige Angehörige der Wehrmacht und der Schutzpolizei der Länder ihren Versorgungsschein gegen eine Geldabfindung zurückgegeben haben, ohne Zweifel hauptsächlich wegen der schlechten Aussichten auf eine Einberufung in den Behörden­dienst. Unter Berücksichtigung aller Faktoren erscheint es berech­tigt, die Zahl der tatsächlich auf die Einberufung wartenden Versorgungsanwärter mit rund 30 000 anzunehmen Erst wenn diese zum größten Teil untergebracht worden sind, wird wieder mit einem normalen Ablauf der Zivilversorgung rechnen fönnen.

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Wie die Dinge liegen, werden die oben erläuterten Maßnah­men der Reichsregierung nur dann eine wirkliche Erleichterung der Lage der Versorgungsanwärter herbeiführen können, wenn gleichzeitig sämtliche Behörden, insbesondere die Kommunalver­waltungen, zur genauen Befolgung der Anstellungsgrundsätze an­gehalten werden. Durch die fünfte Ergänzung der Anstellungs­grundsätze( vom 16. 7. 1930) ist durch eine engere Fassung ein­zelner Vorschriften auch diese sehr wichtige Frage einer befriedi­genderen Lösung näherzubringen versucht worden.

( Vers. und Fürsorge des Kyffhäuserbundes.)

Wie deutsche Kinder in polnischen Schulen ,, Deutsch" lernen!

,, Gießener Zeitung"

Nachahmenswertes Beispiel.

Die Mitglieder des Evangelischen Lehrervereins im Wuppertal haben einstimmig beschlossen, auf 1 Prozent ihrer Gehaltsbezüge freiwillig zu verzichten. Die dadurch frei­werdenden Summen sollen der Stadtverwaltung zur Verfügung gestellt werden und sie in die Lage versetzen, eine Anzahl von Junglehrern, die im Zusammenhang einer Sparaktion abge­baut werden sollten, weiter zu beschäftigen. Ein schönes Bei­spiel beruflichen Zusammenstehens in der Zeit der Not, das Nachahmung verdient.

Die Deutsche Schulzeitung in Polen" veröffentlicht in ihrer Nummer 9 vom 1. Februar ein Dokument, das wahrhaft erschütternd ist. Ein vierzehnjähriges deutsches Mädchen, das bisher in einem Dorf, das keine deutsche Schule hatte, eine polnische Schule besuchen mußte, schrieb den nachfolgenden Aufsatz:

,, Montaf, d. 26. Januar 1931. Js byn gestern nach die fzal gegangen und habe gehert, das der Fordoner autobus ist in die bra gefaren mit 20 personen. Wisyl perzohnen in un­glit tamen kan is nis beszrabjben. Um 8 ur zol das unglif pasirt zajn. Den bam is nach hazy unt habe dos die muti ercejlt. Nach mitak um 3 ur gingen wir hin unt woltyn wysyn was da pasiert ist aber der autobus ist szon in der gasans talt gefaren."

Reminiscere.

Zum Voltstrauertag 1931.

Ernst und eindringlich steht der Name des Sonntags, an Re= dem wir den Volkstrauertag feiern, vor unserer Seele. miniscere hämmern die Gloden der Kirchen an diesem Tage in unser Gewissen. Durch alle Lande, in alle Gauen, von Stadt zu Stadt, von Dorf zu Dorf, über die Meere und Ozeane, hinweg über alle Grenzen hallt es millionenfach: Gedenket unser, die ihr lebt! Wir sind gestorben für Freiheit und Ehre unseres über alles geliebten Vaterlandes. Wir haben Hof und Heimat verlassen, damit Ihr ungefährdet Eure Aecker pflügen und Eure Häuser bestellen konntet. Wir gaben unser Herzblut für Eure Kinder, eine glückhafte deutsche Zukunft.

Es ist aber alles so anders gekommen, als unsere Gefalle nen es dachten und ersehnten. Nicht ein Volt, einig in Liebe und Treue, steht heute am Volfstrauertage im Geiste vor seinen Toten, sondern Parteihader und kleinlicher Zwist, Neid und Haß zermürben uns und unsere Seele von Tag zu Tag mehr. Not und Elend schreit aus allen Winkeln und Gassen, aus Stadt und Land, aus Schloß und Hütte.

Deutsche Kriegsgräber.

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WANDERER VERWEILE INANDACHT UND KUNDE ZU HAUSE WE WIR ALS MANNER GEFALLEN INTREUE ZUR HEIMAT

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Denkmal auf dem Sammelgrab des deutschen Kriegerfriedhofes Montdidier, Dep. Somme, Frankreich.

Errichtet vom Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge aus Mitteln des Paten, der Provinzialverwaltung Ostpreußen. Der Friedhof, auf dem die Gefallenen der Sommeschlacht vom Frühjahr 1918 liegen, umfaßt 3 280 Einzelgräber und ein Sammelgrab mit 3554 Toten

In einer solchen Zeit liegt die Verzweiflung näher als der Glaube. Es wühlt in den Tiefen unserer Seele ein furchtbares, inhaltsschweres Wort: Umsonst! Zweifelnd haben es schon viele ausgesprochen, wie ein Unkraut wuchert es weiter und droht, die Saat zu erstiden, die unsere zwei Millionen Toten mit ihrem Blut gesät haben.

Da kommt der Volkstrauertag an der Schwelle des Früh­lings mit seiner Hoffnungsvollen Botschaft: Nur nicht ver­zweifeln, jeder Nacht folgt Tag." Die Frühlingssonne leuchtet in unsere Qual, erhellt unsere Seele, aus dem Tod wird Leben. Alles sprießt und keimt und die neu erstehende Saat schießt in die Aehren: Zwei Millionen deutsche Brüder bringen uns die Frucht ihres Leidens und Sterbens.

Sie legen ihr Werk in unsere Hände und überantworten

Lokales.

Sonntagsgedanken.

Nr. 17

Passionszeit Leidenszeit. Leidenszeit auch für unser deutsches Volk. Sie hat schon manches deutsche Herz gebrochen und drückt noch manche Seele nieder. Grausame Blutsauger zehren an unserem Mark und sie nennen ihr Tun Gerechtigkeit. Entwaffnet und entrechtet müssen wir in harter Fron für fremde Völker schaffen. Aber das ist nicht allein das Unglück. Die Drangsal unseres Volkes wird noch erhöht durch die innere Ver­worrenheit und die Niedergangserscheinungen hier und dort. Und wie nötig wäre gerade jetzt in dieser deutschen Passionszeit ein Gleichklang der Seelen, eine innere Geschlossenheit und ein starker, gesunder Volkswille. Aber der Bruder versteht den Bruder nicht mehr und sieht nicht in seiner Not die eigene Not. Das ist innere Abrüstung. Und in weiten Kreisen noch Soll es immer Passions­

fein Auge für das, was nottut! zeit bleiben? Soll der Weg aus der Tiefe zur Höhe für immer verriegelt bleiben?- Dagegen sträubt sich alles, was in uns in die Höhe strebt. Wir müssen wieder zurück zu den hohen Idealen unserer Väter, zurück zu Treue und Redlichkeit, zurück zu Wahrheit und Gerechtigkeit und zurück wieder zu dem wahren christlichen Glauben unserer Väter.

Deutsche Kriegsgräberstätte Wambrechies, Dep. Mord, ytulit., nach der Ausgestaltung durch den Volksbund Deutsche Kriegs­gräberfürsorge aus Mitteln der Paten, des Landesverbandes Bayern und des Kreisverbandes Pfalz des Volksbundes. Der Friedhof war früher ein fahles Gräberfeld ohne Denkmal und Umwehrung. Den Eingang bildet ein Lattentor. Hier ruhen 2 335 Gefallene.

Es geht um Großes, es geht um das Opfer unserer Toten. Die­ses fordert aber mehr von uns als äußerliche Ehrungen, es fordert den Geist, den Willen zur Tat.

Man spricht überall vom Wiederaufbau des Vaterlandes und denkt dabei nur an wirtschaftlichen Ausbau. Als ob dies über­haupt möglich wäre, chne vorher an den Wiederaufbau der deut­schen Seelen und Herzen zu denken. Diese Ueberzeugung muß zum Entschluß und zur kraftvollen Tat werden. Dann erst geht es wieder heimwärts und unser Volk wird gesunden und sein Haupt wieder stolz erheben können im Rate der Völker. Der Weg aus der deutschen Passionszeit heißt Buße. Wenn die Seelen gereinigt und die Herzen wieder deutsch sind, dann erst haben wir die tragenden, festen Stützen für den Neubau unseres Vaterlandes. Der Sonntagsschreiber.

Wenn wir den Volkstrauertag in seinem Sinn, seiner gan­zen tiefen Bedeutung recht verstehen, haben wir den Weg, der uns weiterhilft. An diesem Tage reden die Toten eine gewal­tige Sprache. Der Wind trägt sie zu uns von den geweihten Stätten in West und Ost, in Nord und Süd: Haltet das Werk am Leben."

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Jahresversammlung des Hausbesigervereins.

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Am Donnerstag, abends Uhr, hielt der hiesige Haus­besitzerverein im Hotel- Restaurant Hindenburg" seine dies­jährige Jahreshauptversammlung ab. Nach kurzen Begrü­Bungsworten des 1. Vorsitzenden, Herrn Stadtratsmitglied Launspach, verlas Herr Becker den Jahresbericht, der ohne Widerspruch entgegengenommen wurde. Die Rechnungs­ablage des Herrn Mattheis und der Revisionsbericht der Herren Wallenfels und Götz ergaben, daß Kasse und Bü­cher in Ordnung waren. Der Vorstand wurde darauf entlastet. Fast einstimmig wurden dann einige kleinere Sagungsände­rungen angenommen. Die Neuwahlen ergaben Wiederwahl der meisten Vorstandsmitglieder. Zum Vorsitzenden wurde wieder­um, und zwar durch Zuruf, Herr Launspach gewählt, weiter gehören nunmehr dem Vorstand an die Herren: Becker, Binde wald, Hahn, A. Klein, Kurz, Mattheis, Nicolaus, Ringel, Gil­bereis, G. Schmidt.

Noch ist's Zeit! Noch stehen wir an der Wende unseres Schicksals. Aber all unser Mühen und Hoffen ist zwedlos, wenn wir nicht mit festem Herzen und eisernem Willen ans Werk gehen, wenn wir nicht den Glauben an unser Volf wiederge­winnen, wenn wir nicht wieder lernen, über alles, was uns sonst drückt und trennt, das Eine zu stellen, das Inhalt unseres Lebens, unseres Sinnens und unserer Arbeit sein muß: Deutsch­land!

In außerordentlich klaren Ausführungen sprach dann Herr Rechtsanwalt Dr. Wamser über die Aenderungen der bis­herigen gesetzlichen Bestimmungen in der Wohnungszwangs­wirtschaft durch die Dezember- Notverordnung des Reichspräsi­denten und die jüngste Loderung der Wohnungszwangswirt­schaft in Hessen. Besonders überzeugend wirkten seine Worte durch die Fülle praktischer Beispiele. Eine rege Diskussion schloß sich diesem Vortrage an. Es wurde weiter über die letzten hessischen Grund- und Sondersteuererhöhungen, über alle Fragen der Auswertungshypotheken, ihre Fälligkeit, Verzinsung und Umschuldung ausgiebig gesprochen und im Zusammenhang da= mit festgestellt, daß der Landesverband der hessischen Hausbe­sitzervereine nicht immer rechtzeitig genug und mit der nötigen Energie die Interessen des Hausbesitzes gegenüber der hessischen Regierung wahrgenommen habe. Ueber die Zustände im hes= sischen Verbandsvorstand referierte ganz ausführlich Herr Ni colaus, der das Verhalten des größten Teiles des Landes­verbandsvorstandes in einer ganzen Reihe von internen Ver­

Und noch ein Letztes. Wir begehen den Volkstrauertag an einem Sonntag in der Passionszeit. Vor uns steht in seinem tiesen Ernst das Kreuz von Golgatha als leuchtendes Beispiel der Liebe, des Opfermutes und der Pflichttreue, aber auch wiederum der erlösenden Hoffnung. Selbstlos opferte sich Jesus Unter dem Kreuz stehen Christus um der Menschheit willen. unsere Gefallenen. Auch sie nahmen um keiner persönlichen Vorteile willen die Leiden und Entbehrungen des Krieges auf sich, auch sie opferten ihr Leben in Liebe und Treue zu Volk und Vaterland.

Die Herzen und Seelen unseres Volkes werden von dem erdgebundenen Leid und dem Opfergang unserer Brüder hinge­führt zu der ewigen Liebe: Daran haben wir erkannt die Liebe, daß er sein Leben für uns gelassen hat; und wir sollen auch das Leben für die Brüder lassen." Reminiscere!

uns ihr Vermächtnis, das wir vollstrecken müssen. Sie starben. Wann sollen wir der toten Helden denken?

damit wir leben.

Reminiscere mahnt daher: Klaget nicht, sondern schafft. Deutschland steht auf dem Spiel, die Zukunft unseres Volkes.

Gehst du im Frühling durch blumige Wiesen, Ueber der Felder teimende Saat,

Wenn dich die Sänger der Lüfte grüßen,

Mädchen schreiten im bunten Staat Siehst du das Leben in schillernden Farben, Doch bei dem Leben lauert der Tod, Drum denk' auch derer, die einst starben, Starben in Deutschlands schwerster Not. Dente zurück! Noch vor wenigen Jahren Gar so schnell läuft das Rad der Zeit Sind sie nach Westen und Osten gefahren, Väter und Söhne zum Kampfe bereit! Siehst du im Sommer die wogenden Felder, Reifende Aehren im Sonnenbrand. Suchst du die Kühle der schattigen Wälder- Denfe des Tag's, da im ganzen Land Santen die Halme, fleißige Hände Schärften die Sense und schnitten das Korn, Dawie ein Blitz von dem Firmamente Stieß der Trompeter mächtig ins Horn, Rief zum Kampfe, zu blutigen Schlachten, Alte und Junge zogen hinaus,

Ueber die Heimat sie tämpfend wachten, Doch so mancher kehrt nie mehr nach Haus! Wenn dann im Herbste die Blätter fallen, Kurz wird der Tag und länger die Nacht, Schwalben sich sammeln, nach Süden zu wallen. Schwindet der Sommer mit seiner Pracht. Und wie die Blätter fallen vom Baume, So auch im wilden Schlachtengetümmel, Fallen die Krieger im weiten Raume, Do ihre Seele steigt auf zum Himmel. Hügel bei Hügel, ein Kreuz oben drauf, Und wenn der Wand'rer den Schritt verhält, Geh: er die Gräber hinab, hinauf, Stets fann er lesen: Hier ruht ein Held! Dann naht der Winter mit schnellen Schritten, Flocken fallen auf hartes Land, Drüber gleiten im Fluge die Schlitten, Und es schlingt sich das weiße Band Auch um die Helden, um uns're Toten, Die dem Feinde mit fühnem Mut Todesverachtend die Stirne boten, Freudig gaben ihr edles Blut. Schlafen nun fern unter Schnee und Rasen Friedlich in falter Winternacht,

Bis wieder hell die Trompeten blasen: Auf, ihr Toten, Deutschland erwacht!

W. Brückel I, Pohlgöns.

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