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Nr. 5

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Samstag, den 17. Januar 1931.

laufende öffentliche Fürsorge genossen, Sozialrenten bei einem gesamten Jahreseinkommen von unter 900 RM. bezogen oder Zusatzrenten nach dem Reichsversorgungsgesetz erhielten.

Die neuen Realsteuersäße.

Der von der hessischen Regierung für die Stadt Gießen be­stellte Staatskommissar hat auf Grund des Artikels 1 des Ge­setzes zur Sicherung des Haushaltsführung der Gemeinden vom 11. Dezember 1930 mit Genehmigung eds Herrn Ministers des Innern und des Herrn Ministers der Finanzen die vorläufigen Steuersätze für das Rechnungsjahr 1930 wie folgt erhöht:

1. Auf je 100 Mark Steuerwert der Gebäude und Baupläge von 27 Rpf. auf 35 Rpf.

2. Auf je 100 RM. des Gewerbekapitals von 55 Rpf. auf 65 Rpf.

3. Auf je 100 RM. des Gewerbeertrags 300 Rpf.

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Die Aufrechnung der hiernach für das Rechnungsjahr 1930 weiter zu entrichtenden vorläufigen Steuerbeträge auf die end­gültig festzusetzenden Steuern bleibt vorbehalten. Diese weitere vorläufige Steuer für 1930 wird in zwei Teilbeträgen, und zwar für die 1. bis 3. Rate bis zum 25. Februar 1931, und für die 4. bis 6. Rate bis zum 25. April 1931 fällig. Den Steuerpflichtigen werden über diese weiteren vorläufigen Steuern in den nächsten Tagen besondere Steuerbescheide zu­gestellt.

Reichsgründungsfeier. Anläßlich des am 18. Januar 1931 stattfindenden 60jährigen Reichsgründungstages hält das 1. Ba­taillon des Infanterie- Regiments Nr. 15 auf dem Oswaldsgar­ten einen Appell mit anschließender Truppenparade ab. Aus diesem Anlaß wird ab 11 Uhr der Verkehr mit Fahrzeugen aller Art gesperrt in der Kirchstraße von Neustadt bis Am Pfarr­garten, die Neustadt von Westanlage bis Tiefenweg. Der Oswaldsgarten wird abgesperrt im Nordwesten an der Nord­anlage, im Nordosten am Feuerwehrdepot, im Südosten ein­schließlich der Kirchstraße mit Ausnahme des südöstlichen Bür­gersteiges und im Südwesten einschließlich Neustadt mit Aus­nahme des südwestlichen Bürgersteiges. Den Anweisungen der mit der Absperrung beauftragten Polizeibeamten und Reichs­wehrangehörigen ist unbedingt Folge zu leisten.

*

Der 18. Januar. Am 60. Reichsgründungstag, Sonntag, den 18. Januar, haben die hessischen Dienstgebäude nach einem Erlaß des hessischen Staatspräsidenten zu flaggen.

* Prof. Dr. Weber. Der ordentliche Professor der Forst­wissenschaft an der hiesigen Universität ist am vergangenen Donnerstag ganz unerwartet gestorben. Der Verstorbene, der im 46. Jahre stand, von Großen- Linden gebürtig, erfreute sich allgemeiner großer Beliebtheit.

* Eisernte. Die Eiserntearbeiten haben mit einem Schlag und sehr zahlreich eingesetzt. Man heimst billiges Eis ein und verwahrt es in Eiskellern, die voriges Jahr weniger oder gar nicht in Anspruch genommen wurden.

* Stand der Vichseuchen in Hessen. Am 1. Januar 1931 herrschte in 111 Gehöften bezw. 31 Gemeinden des Bezirks Kassel die Maul- und Klauenseuche, im Bezirk Wiesbaden in nur zwei Gehöften einer Gemeinde. In Hessen waren nur zwölf Gehöfte in sieben Gemeinden verseucht.

* Lutas- Gemeinde. Verbunden mit einem Familienabend, am Sonntag, dem 18. Januar, abends 8 Uhr, im Lukassaale, hält Herr Amtsgerichtsrat Gros von hier einen Vortrag über: ,, Aus Gießens alten Straßen und Gassen".

* Marius- Gemeinde. In der Stadtkirche veranstaltet am Sonntag, dem 18. Januar, abends 8 Uhr, einen geistlichen Musikabend unter Mitwirkung des Kammerorchesters der Gieße= ner Volkshochschule, Fräulein H. Gunderloh- Darmstadt, Frau E. Fischer- Gießen und Herr Stadtorganist H. Simon.

* Aus dem Stadttheater. Der Widerspenstigen Zähmung", Lustspiel in 5 Aften, von Shakespeare, wird heute, Samstag, nachmittag, Anfang 3.45 Uhr, als Schüler- Vorstellung gegeben. Am Sonntag tommt ,, Die erste Frau Selby", Komödie von St. J. Ervine, zur Aufführung. Anfang 6.30 Uhr nachmittags.

* Oberhessischer Kunstverein und Gesellschaft der Gießener Kunstfreunde. Einen Vortrag mit Lichtbildern über ,, Moderne Kunst"( Vom Expressionismus zum Ueberrealismus) hält am Montag, dem 19. Januar, abends 8.15 Uhr, im Hörsaal des Kunstwissenschaftlichen Instituts, Ludwigstr. 34, Herr Dr. Her­mann Keil, Kunstmaler, Frankfurt a. M.

* Vom Gießener Eisverein. Als Auftakt zu den am 25. Ja­nua: hier stattfindenden Eisschieß- Meisterschaften des südwest­

R.

,, Gießener Zeitung"

deutschen Eislauf- Verbandes veranstaltet am morgigen Sonntag der Verein lokale Eisschieß- Meisterschaften.

* Obst- und Gartenbauverein. Im Hotel Hopfeld" hält am Sonntag, dem 18. Januar, nachmittags 3 Uhr, Herr Obst­bau- Oberinspektor Mazarin- Worms einen Vortrag über: ,, Steigerung des Stein- und Beerenobstanbaues als Mittel zur Gesunderhaltung der Familie nebst Angabe der dazu nötigen Winter- und Frühjahrsarbeiten".

* Deutschnationaler Handlungsgehilfen- Verband. Die Jah­res- Hauptversammlung findet am Samstag, dem 17. Januar, abends 8.30 Uhr, im Heim in der Lonystraße, statt.

Aus Nah und Fern.

Trais a. d. Lda. Am Mittwoch konnte die älteste Frau unseres Dorses, Wwe. Elisabeth Amend, in geistiger und auch fast förperlicher Frische ihren 91. Geburtstag feiern.

Bad Nauheim. Der große Kurhaus- Maskenball findet am 14. Februar in allen Sälen des Kurhauses statt.

Darmstadt. Am gestrigen Nachmittag ereignete sich auf der Straße zwischen Darmstadt und Eberstadt ein schwerer Verkehrs­unfall. Ein holländischer Personenwagen begegnete einem Last­fraftwagen aus Karlsruhe. Als der Führer des Personenwagens zu stoppen versuchte, tam sein Wagen infolge Glatteis ins Schleudern und flog gegen den Lastkraftwagen. Der Anprall war so heftig, daß sich das Personenauto überschlug. Es begrub den Führer unter sich. Jm gleichen Augenblick explodierte der Benzintank. Der Fahrer erlitt sehr schwere Brandwunden und mußte nach dem Städtischen Krankenhaus gebracht werden, wo er hoffnungslos darniederliegt. Der Besitzer des Personen­wagens, ein Kaufmann van Rossen aus Rotterdam, wurde beim Anprall aus dem Wagen geschleudert, erlitt aber nur geringe Verlegungen.

Mainz. In der Fraktionssihung der Sozialdemokratischen Partei am Mittwoch wurde beschlossen, den Beigeordneten Dr. Kraus als Nachfolger für den jetzigen Oberbürgermeister Dr. Külb in Vorschlag zu bringen. Ein Gegenvorschlag von seiten einer anderen Partei liegt bisher nicht vor. Nachdem jetzt Dr. Kraus offiziell für die Wahl herausgestellt worden ist, wer­den die übrigen Parteien sich mit diesem Vorschlag zu beschäfti­gen haben..

Weitere Kündigungen im Eisensteinbergbau.

Wetzlar. Bekanntlich ist die Lohnordnung für den Eisen­steinbergbau an Lahn, Dill und Oberhessen für Ende Januar 1931 gekündigt worden. Da es zweifelhaft erscheint, daß die ein­geleiteten Schlichtungsverhandlungen rechtzeitig zu einem end­gültigen Ergebnis kommen, sehen sich die Verwaltungen des Eisensteinbergbaues gezwungen, den gesamten Belegschaften zum 31. 1. 1931 zu kündigen, um ab 1. 2. unter neuen Bedingungen weiterarbeiten zu können. Die Kündigung ist nicht gleichbedeu­tend mit einer Stillegung der Werke.

Niederweg. Durch eigene Unvorsichtigkeit verunglückte die 17jährige Aenne Lang aus Nauborn, die mit dem ersten Omni­bus hier eintraf. Bevor der Omnibus hielt, sprang sie heraus und kam unter den Wagen. Ein Rad ging ihr über Arm und Bein, so daß sie nach dem Krankenhaus in Wetzlar gebracht wer­den mußte.

aus

Herborn. Auf der Station Driedorf der Bahnstrecke Her­born- Westerburg wurde am Mittwoch nachmittag die 52jährige Ehefrau des Pfarrers Metzler aus Driedorf von einem Richtung Herborn kommenden Personenenzug überfahren und auf der Stelle getötet.

von

Michelsberg( Schwalm). Landwirt Simon Gerlach hier beging am 16. Januar seinen 101. Geburtstag. Er ist ein erfolgreicher Landwirt und weit bekannter Jäger und war nie in seinem Leben ernsthaft krank. Seine sämtlichen Geschwister leben gleichfalls noch und sind alle über 80 Jahre alt..

Frankfurt a. M. Einen schaurigen Fund machte ein Jäger im benachbarten Enkheimer Wald. Er fand an einem Baum die Leichen zweier junger Leute. Die Polizei stellte fest, daß es sich um einen 18jährigen Schmied und ein 21jähriges Mädchen aus einem Vorort von Frankfurt handele. Der Verbindung des jungen Paares hatten beide Eltern scharfen Widerstand ent­gegengesetzt, so daß das Paar schließlich den gemeinsamen Tod juchte.

Fulda. Domkapitular Robert Günther, der während der Krankheit des verstorbenen Generalvikars Dr. Müller bereits die Geschäfte geführt hat, ist vom Bischof zum Generalvitar der Diözese Fulda ernannt worden.

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Kassel. Der Präsident der Landwirtschaftskammer für Kur­hessen und Walded, Landrat a. D. Kammerherr Alexander von Keudell auf Schloß Wolfsbrunnen bei Schwebda( Kreis Eschwege), beging am 16. Januar seinen 70. Geburtstag. Moderne Wilddiebe.

Essen. Der Polizei gelang es, eine Anzahl Wilddiebe fest­zunehmen, die in Ernsthausen bei Kassel in letter Zeit in den Staats- und Gemeindeforsten in erheblichem Umfange gewildert hatten. Die Wilderer befuhren nachts mit Automobilen die ein­samen Waldwege und schossen das Wild, das durch die Schein­werfer des Wagens geblendet wurde, vom Kraftwagen aus ab. Auf diese Weise erbeuteten sie viel Rotwild und Hasen. Das Wildbret wurde an Wildhändler im Industriegebiet, vornehm­lich in Essen und Gelsenkirchen, verkauft.

Düsseldorf, 16. Jan. Der Kriminalpolizei ist es gelungen, eine mehrköpfige Diebesbande zu verhaften, die seit dem letzten Herbst verschiedene Stadtviertel Düsseldorfs unsicher machte. Nach den bisherigen Feststellungen erbeutete sie bei ihren Raub­zügen Waren im Werte von ungefähr 30 000 Mark.

Millionenveruntreuungen.

Bremen, 15. Jan. In Barnstorf zwischen Bremen und Os­nabrüd kam man bei der Spar- und Darlehenskasse riesigen Ver­untreuungen der beiden Geschäftsführer auf die Spur, die in die Millionen gehen. Schon vor einiger Zeit hatte der eine Direk tor der Kasse im Laufe der Untersuchungen Selbstmord began­gen; der zweite Direktor Groene wurde in Untersuchungshaft ge­nommen. Dem einen Direktor sind Unterschlagungen von fast 900 000 RM. nachgewiesen; dazu kommen noch 550 000 RM. Rückstellungen auf fingierte Konten und über 61 000 RM. für sonstige Verpflichtungen.

Passau. Infolge des starken Eisganges, der seit einigen Tagen auf der Donau anhält, haben sich zwischen Passau und Regensburg derartige Eismassen angesammelt, daß der Schiffs= verkehr bis auf weiteres stillgelegt werden mußte.

Stettin. Der Kassierer der Rügenschen Kreiskrankenkasse ist seit Anfang Oktober spurlos verschwunden. Man brachte sein Verschwinden von Anfang an mit Unregelmäßigkeiten bei der Kasse in Verbindung. Inzwischen hat sich herausgestellt, daß die Höhe der Unterschlagungen über 40 000 Mark erreicht.

Ueber 800 Oderfähne eingefroren.

Breslau, 16. Jan. Infolge der starken Eisbildung auf der Oder sind im Bereich Schlesiens über 800 Oderfähne eingefroren. Davon liegen gegen 700 in der Umgebung von Breslau fest. Die Oder führt starkes Grundeis.

250 Jahre deutsche Kartoffel.

Von Dr. P. Lieb, Landwirtschaftslehrer u. Wirtschaftsberater. Von allen Versuchen, ausländische Pflanzen in Europa heimisch zu machen, darf als der gelungenste wohl die Ein­bürgerung der Kartoffel bezeichnet werden.. Dieses Kind des sonnigen Südamerika wurde im Laufe der Jahrhunderte ein wirklicher Segen für die europäische Landwirtschaft und ist heute aus unserer Ernährungswirtschaft schlechterdings nicht mehr hinwegzudenken. Ihr neutraler Geschmack, ihre Nährkraft und Bekömmlichkeit, ihre mannigfache Verwendbarkeit bei guter Lagerfähigkeit machen die Kartoffel neben dem Mehl unent­behrlich für die Küche und daneben finden die kohlehydratreichen Früchte noch vielerlei Verwendung zu Brennereizweden, zur Stärkefabrikation, als Kartoffelflocken u. a. m.

Wer die Kartoffel in Europa eingeführt hat, ist nicht genau bekannt, aber ob es nun der lied- und sagenumwobene Franz Drake oder, wie heute angenommen wird, der irische Sklaven­händler Hawkins war, er hat sich jedenfalls unendliche Ver­dienste um die Menschheit in Europa erworben. In Deutsch­land wurden die ersten Tartuffeln", wie die Pflanze damals genannt wurde, vor rund 250 Jahren angebaut und zwar im Lustgarten, dem Platz vor dem Berliner Schloß, fürwahr eine großartige Einführung der bescheidenen Pflanze, so offiziell, als ob man ihren wahren Rang schon damals geahnt hätte.

Wenn man die starken Vorurteile der damaligen Zeit be= rücksichtigt, die die Einführung der Kartoffel so sehr erschwer­ten, so ist es fast erstaunlich, wie schnell die Aufzucht der

Entfettungsfuren im Winter.

sind von besonderem Wert, da der Körper im Winter eine be­sondere Neigung zum Ansatz zeigt. Nehmen Sie früh, mit­tags und abends 2-3 Tobula- kerne, die Sie in Apotheken erhalten.

- und Ihre Frau ist Ihnen dankbar!

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