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Donnerstag, den 13. August 1931.

Lokales.

* Die hessischen Büchnerpreisträger 1931. Die Wahl der Preisträger für den diesjährigen Georg- Büchner- Preis ist auf den Kunstmaler Alexander Posch und den Komponisten Hans Simon, beide in Darmstadt, gefallen.

* Beim Baden in der Lahn crtrunken. Der acht Jahre alte Josef Klein von hier, der in der Lahn badete und dabei an einer jeichten Stelle den Fluß durchwaten wollte, wurde vom Wasser plöglich abgetrieben und geriet in die Strömung, wo er ertrant, ehe ihm Hilfe gebracht werden konnte. Erst am nächsten Tage fonnte die Leiche des Kindes geborgen werden.

* Betriebsunfall. Stalpiert wurde ein Lehrling, der bei Schlosser Kunz in der Lehre steht. Der Junge geriet mit ſei= nem Haarschopf in die Bohrmaschine. Ein furchtbarer Schrei rief den Meister herbei, und Kopshaut und Haarschopf hingen in der Spindel der Maschine. Der Lehrling wurde in die Kli­nik verbracht.

* Paratyphus. In den Gemeinden Lützel- Linden und Hochelheim sind drei Fälle von Paratyphus festgestellt worden.

* Gießen Berlin in Stunden. Chefpilot Maier, der Leiter der Fliegerschule im Gießener Flughafen, flog am Sonn­tag auf seinem Klemm- Eindeder mit dem Grafen Solms- Lau­bach als Beobachter in 2 Stunden 36 Min. von Gießen nach Berlin, um von dort aus am Deutschlandflug 1931 teilzunehmen.

* Am 15. August ist zu zahlen( teine Schonfrist): a) Ver­mögenssteuer in Höhe eines Viertels der im letzten Steuer­bescheid festgestellten Steuersumme.( Gilt nicht für Landwirte. Diese haben am 15. November zwei Viertel zu zahlen.) b) Auf­bringungsumlage 1. Rate des Steuerjahres 1931.( Vorläufig ist ein gleicher Betrag wie am 15. Februar 1931 zu zahlen.) * Steuerfreiheit Aufwandsentschädigungen. Auf­wandsentschädigungen, die besonders vertraglich vereinbart sind und 7 Prozent der laufenden Bezüge nicht überschreiten, sind steuerfrei.

von

,, Gießener Zeitung"

lings fest in der Hand hatten. Die Fallschirmabspringer Resc Würzburg und Wiegmaier- Braunfels zeigten darauf ihre hals= -brecherische Kunst und landeten glücklich. Zum Schluß folgte pro­grammäßig die angefündigte gemischte Staffel, die allerdings nicht restlos zur Ausführung gelangte. Alles in allem eine Ver­anstaltung, deren Besuch sich lohnte.

* Rundfunt. Am 13. ds. Mts., heute, wird auf den Ber­liner Sender ein Dreigespräch übernommen: ,, Kann man jetzt noch in einen Kurort reisen?" Die Sprecher sind: Der Vor­sitzende des Allgemeinen Deutschen Bäderverbandes( E. V.), Herr Dr. Heß- Wiesbaden, der Generalsekretär der Balneologi­schen Gesellschaft, Herr Dr. Max Hirsch- Berlin, und der Chef­redakteur der Reisebeilage der ,, Vossischen Zeitung", Herr Hart­muth Merlefer- Berlin.

* Vom Stadttheater. Am Sonntag gelangt das Lustspiel ,, Meine Kousine aus Warschau" von Verneuil als 9. Vor­stellung durch ein Ensemble Berliner Bühnenkünstler zur Auf­führung.

* Befreiung von der Angestelltenversicherung. Bei Ver­sorgungsanwärtern im Sinne der Anstellungsgrundsätze von 1922, die im unmittelbaren Dienst der Reichsverkehrsverwal­tung oder überwiegend für deren Rechnung beschäftigt werden, darf nach einem Erlaß des Reichsverkehrsministers in der Folge Anwartschaft nach dem Angestelltenversicherungsgesetz als ge= währleistet angenommen werden, wenn sie bei einer der Be­hörden, die in den Grundsätzen stehen, für eine Beamtenstelle vorgemerkt sind. Die Beteiligten werden jetzt darauf hingewie­sen, daß die Möglichkeit der freiwilligen Fortsetzung des Ver= Den Befreiungsanträgen der sicherungsverhältnisses besteht. in Frage kommenden Anwärter soll entsprochen werden. * ,, Die Finanzämter auf der Geldsuche", so betitelte sich eine Notiz in unserer Zeitung vom 11. Juli 1931( Nr. 55) auf der 3. Seite. Wie uns dazu von authentischer Stelle mitgeteilt wird, wird in dieser Notiz vor falschen Voraussetzungen ausgegangen. Der fragl. Steuerschuldner zahlte eine größere Steuerschuld erst, nachdem die Gelder durch den Vollstreckungsbeamten angefordert waren, direkt an das Finanzamt und zwar ohne die Zwangsvoll­stredungskosten. Die Kosten des Gerichtsvollziehers wurden dann später, zusammen mit einem Pfennigrest an Steuern, natürlich nochmals angefordert. Wegen der lächerlichen rückständigen das sei zur Rehabilitierung der 4 Pfg. Steuern selbst, ist also der ganze nicht billige Appa­Reichssteuerbeamtenschaft gesagt- rat nicht in Bewegung gesetzt worden.

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* Straßensperrung( mitgeteilt vom Oberhessischen Automo­bil- Club E. V. A. v. D. Gießen). Die Provinzialstraßenstrede Vaitshain Grebenhain im Zuge der Straße Lauterbach- Orten­berg wird vom 17. August 1931 ab für jeglichen Verkehr gesperrt. Umleitung erfolgt über Crainfeld.

Die nächste * Schweinezählung am 1. September 1931. Schweinezählung und Erhebung der nicht beschaupflichtigen Hausschlachtungen vom 1. Juni 1931 bis 31. August 1931 im Reiche ist zum 1. September 1931 angeordnet worden. Umfang entspricht dem der letzten Zählung.

Der

* V. H. C. Der Vogelsberger Höhenklub hält am Freitag abend bei Hopfeld seine fällige Monatsversammlung ab. * Trinkt kein Wasser auf Gurken! Daß diese Mahnung befolgt werden sollte, wenn man sich keine ernsten Folgen zu­ziehen will, zeigt ein neuerlicher Vorfall in Traunstein ( Bayern). Hier hatte ein 42 Jahre alter Mietautofahrer nach dem Genuß von Gurken Wasser getrunken. Bald darauf er= frankte er, und auch eine sofort vorgenommene Operation konnte den Mann nicht mehr retten. Eine hinzugekommene Herzschwäche führte den Tod herbei.

Aus Rab und Fern.

Lich. Ein Auto mit drei Insassen verunglückte am Mon­tag abend auf der Straße Buzzbach- Lich. Der Fahrer fam vom Fahrdamm auf den Sandweg und verlor die Herrschaft über den Wagen. Der Wagen wurde dabei herumgeschleudert und der im Fond sitzende Mayer Bing wurde so schwer ver­letzt, daß er später in der Gießener Klinik verstarb.

* Bezahlt Eure Rechnungen! Der Einzelhandel ist durch die katastrophale Geldkrise in große Not geraten. Seit Wochen gehen infolge der Zurückhaltung der Kundschaft die Außen­stände fast gar nicht ein. So darf es nicht weiter gehen, wenn nicht zahllose Existenzen des Einzelhandels, dessen Betriebs­mittel aufs äußerste angespannt sind, zugrunde gerichtet werden nachdem der freie Zahlungs- und sollen. Darum ist es jetzt ernste Ueberweisungsverkehr wieder aufgenommen worden ist Pflicht eines jeden, seine Rechnungen umgehend zu bezahlen, denn nur dann kann der Kaufmann die dringend notwendigen Gelder für die Bezahlung seiner Angestellten und Lieferanten, für Steuern, Miete, Abdeckung seiner Bankkredite usw. auf­bringen. Der Einzelhandel richtet daher an das Publikum die nachdrücklichste Bitte, umgehend die außenstehenden Rech­nungen zu begleichen, um auf diese Weise unserer gesamten Wirtschaft aus ihrer schweren Bedrängnis zu helfen.

Grünberg. Beim Baden im Merlauerteich ertrant am Sonn­tag nachmittag der 16jährige Sch. Gehringer. Die Leiche konnte später geborgen werden.

Flugtag. Am Sonntag fand bei erträglichem Wetter vor fast 2000 Menschen auf dem Flugplak das überaus spannende Programm des diesjährigen Flugtages seine Abwickelung. Vier Flugzeuge führten die hohe Schule" der Flugkunst vor, ihre Führer Maier, Moog, Sachsenberg und Diedrichs bewiesen, daß sie ihre Luftvögel selbst bei den waghalsigen Loopings und Rol­

Alsfeld. Der zurzeit in Deutschland auf Urlaub weilende deutsche Botschafter in London, Freiherr v. Neurath, besuchte am Freitag nebst Gemahlin und Tochter unsere Stadt und be­sichtigte die Sehenswürdigkeiten von Alsfeld.

Nr. 64.

Zwischenfälle beim Reichsbannertag in Koblenz.

Im Zusammenhang mit dem Reichsbanneraufmarsch in Koblenz, kam es mehrfach zu Zwischenfällen. An verschiedenen Stellen, an denen schwarz- weiß- rote oder nationalsozialistische Fahnen anläßlich des Volksentscheids aus den Fenstern hingen, tam es zu Schlägereien. In der Nacht zum Sonntag versuchten Reichsbannerleute verschiedentlich, die Fahnen zu beseitigen. Bei einem dieser Zusammenstöße erlitt ein Jungstahlhelmer einen Messerstich in den Rücken. Er trug eine lebensgefährliche Lungen­verletzung davon. In verschiedenen Häusern wurden Fenster­scheiben eingeworfen, ohne daß man die Täter fassen konnte. In der Straße Vier- Türme drangen Reichsbannerleute in die Woh­nung einer Frau ein, um eine schwarz- weiß- rote Fahne zu ent= fernen. Sie wurden von Polizeibeamten daran gehindert.

Darmstadt. Der Verfassungstag hatte infolge des andauern­den Regenwetters am Vormittag geringen Zuspruch gefunden. Vormittags 10 Uhr nahm das hessische Polizeikorps auf dem Marineplatz Parade- Ausstellung vor den Regierungsmitgliedern und Minister Leuschner hielt eine Ansprache, wobei verschiedene Ernennungen bekannt gegeben wurden. Daran schloß sich ein Festakt im Saalbau.

Groß- Zimmern. Der Rechner des Raiffeisenvereins, der Unterschlagungen gemacht hatte, wurde nunmehr verhaftet.

Höchst i. Odw. Die Beigeordnetenwahl brachte dem Bür­gertum einen über alle Erwartungen weit hinausgehenden Er­folg. Bei einer Wahlbeteiligung von ca. 90 Prozent erhielten der bürgerliche Kandidat 871 Stimmen, der Kandidat der SPD. 413 Stimmen und der kommunistische Kandidat 57 Stimmen.

Todesopfer bei einem Sprengstoffunglück. Wittenberg. Montag früh ereignete sich bei den West­fälisch- anhaltischen Sprengstoffwerken in Reinsdorf ein Explo­sionsunglüd. Dabei verunglüdten zwei Arbeiter tödlich. Außerdem wurde ein Arbeiter schwer und drei leiter verletzt. Der Betrieb des Werkes wird durch das Unglüd nicht beein­trächtigt.

Blutiger Sonntag in Berlin.

Auf dem Bülowplak, der Stätte des Karl- Liebknecht- Hauses, entspann sich in den Abendstunden des Sonntags ein schweres Feuergefecht zwischen Kommunisten und der Polizei. Die Kom­munisten hatten sich in großen Mengen gegen 21 Uhr zusammen­gerottet und beschmierten die Häuser mit Inschriften: ,, Für jeden Kommunisten zwei Polizisten!" Als die Polizei mit dem Gummi­fnüppel den Platz zu räumen begann, wurden plötzlich auf sie aus zahlreichen Häusern Schüsse abgegeben. Die Polizei erwiderte das Feuer. Ein toter Kommunist sowie zahlreiche Schwerver­letzte wurden festgestellt. Auf seiten der Polizei sind die Polizei­hauptleute Lenk und Anlau durch Schüsse getötet worden. Schwer verletzt wurde Oberwachtmeister Willich.

Gernsheim. Der Gemeinderat faßte den Beschluß, die Stadtverwaltung zu beauftragen, alle Einwohner, die sich an politischen Ausschreitungen, gleich von welcher Partei, beteili­gen und die bei der Gemeinde in Arbeit stehen oder von ihr unterstützt werden, sofort zu entlassen bezw. ihnen die Unter­stützung zu entziehen.( 3ur Nachahmung empfohlen!)

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Im Kraftwagen verbrannt.

Wieder ein Anschlag auf einen Eisenbahnzug. Glogau. In der Nacht zum Mittwoch wurde auf der Strecke Züllichau- Glogau, zwischen Pontopp und Bonadel, auf einen Personenzug ein verbrecherischer Anschlag verübt. Von bisher unbekannten Tätern war ein großer Feldstein auf die Gleise ge­wälzt worden. Die schwere Maschine des Zuges schob den Stein beiseite, so daß ein Unglück verhütet wurde. Personen tamen nicht zu Schaden.

Bingen. Am Dienstag nachmittag traf hier die Nachricht ein, daß unweit Baden- Badens ein in Bingen beheimateter Per­sonenkraftwagen in einer sehr furvenreichen Strede mitsamt dem Insassen verbrannt aufgefunden worden war. Aus dem Kenn zeichen des Wagens ergab sich, daß es sich um den Kraftwagen des Vertreters einer Autofirma, Herrn Georg Heinz v. Lakum handelt. Herr von Latum ist am Sonnabend abend mit diesem Wagen, der sein Eigentum ist, allein in Bingen abgefahren. Auf welche Ursache das Unglück zurückzuführen ist, konnte bisher noch nicht festgestellt werden.

Monats- Verdienst

Marburg. Der Senat der Universität hat den Fabrikanten Dr. med. H. c., Dr. phil. h. c. Ernst Leitz zum Ehrensenator ernannt.

Heidelberg. Der Filialleiter eines Konsumvereins unter­schlug 15 000 RM. Genossenschaftsgelder. Das Gericht verur­teilte ihn zu Jahren Gefängnis.

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Vier Jahre Gefängnis für Diamond. Newyork. Jack Diamond, der berüchtigte amerikanische Ban denführer, ist wegen unerlaubten Betriebes eines Alkoholschankes und dauernden Vergehens gegen das Alkoholgesetz zu vier Jahren Gefängnis und 11 000 Dollar Geldstrafe verurteilt worden.

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Der Erdball". Illustrierte Monatsschrift für das Gebiet der Länder- und Völkerkunde, herausgegeben von Leo Frobe nius, 5. Jahrgang. Heft 7. Preis vierteljährlich 3 RM., Ein zelheft 1,25 RM. Hugo Bermühler Verlag, Berlin- Lichterfelde.

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Das moderne Hallstadt hat eine berühmte Schädelstätte, die uns Dr. Morton im neuesten Heft des Erdball" sowohl bild­lich wie textlich näherbringt. Ein glanzvoller Artikel über Buddha von Prof. Heinrich Zimmer unterrichtet uns über den großen Religionsstifter und seine Lehre. Geographische Ge= danken zur chinesischen Kulturkrise" von Schmitthenner, und ,, Chinesisches Leben im Roman" von Steinen führen uns in Wort und Bild in das geistige und wirtschaftliche Denken des Chinesen ein. Von Dagestan, das von der Sowjetrepublik mo dern kultiviert wird, und Honolulu, der von Amerikanern zivi lisierten Südseeinsel, handeln zwei Aufsätze, die unsere verkehr­Eine vieltausendjährige ten Weltanschauungen kennzeichnen. Geschichte der Sklaverei von Dr. Rob. Pfaff- Giesberg folgt. Eine Reise von weiteren interessanten Abhandlungen über Uvea und Florida vervollständigen das reich und schönbebilderte Heft.

Das Urbild aller Bänkellieder finden Sie in der neuen ,, Woche", die als lustige Wissenschaft einmal die Geschichte des Bänkelsangs aufzeichnet. Neben dem umfangreichen aktuellen Bildmaterial und vielem anderen steht diesmal ein bemerkens werter Aussatz über Georg Kolbe, den Meister der Plastik. Die neue ,, Woche" ist für 50 Pfg. überall zu haben.

Acht junge Mädchen einer Klasse haben vor drei Monaten das Abiturium gemacht. Was ist bis heute aus ihnen gewor den? Diese Frage beantwortet in Wort und Bild ein inter essanter Aufsatz in der Münchener Illustrierten Presse( Nr. 33). Sehr hübsch sind auch weiter die Zeichnungen Eduard Thöny's, die gelegentlich auf einer Wanderung durch seine Heimat Süd tirol machte.

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