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Sonntagsschreiber

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Samstag, den 11. April 1931.

April eines jeden Jahres auf ihrem Grundstück befindliche, den Schnaten zur Brut dienende Gewässer( Wassertümpel), Regen­fässer, Bassins, Wasserlachen, Jauchegruben, Abortgruben usw. mit einem zur Vertilgung der Brut geeigneten Mittel( Saprol, Betroleum usw.) zu übergießen. Nichtbefolgung hat Bestrafung gemäß§ 3 der Polizeiverordnung, betreffend die Bekämpfung Der Schnakenplage vom 29. November 1911 zur Folge.

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Straßensperrung. Während der Dauer der Frühjahrs­mejse( von Sonntag, dem 12. April, bis einschl. Sonntag, dem 19. April 1931) wird die Kirchstraße zwischen Neustadt und Wetzsteingasse täglich von 11 Uhr ab für den gesamten Fahr­verfehr polizeilich gesperrt.

* Selbstmord. Ein Musiker der hiesigen Bataillonskapelle wird seit dem 23. Februar vermißt. Am Donnerstag fand man den Soldaten erhängt im Gießener Stadtwald. Es liegt Selbst­mord vor.

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Schlägerei. Im Verlauf einer heftigen Streiterei fam es Donnerstag abend in den Notwohnungen an der Kaiserallee zu Tätlichkeiten. Dabei verletzte eine Frau drei ihrer Wider­jacher mit Salzsäure. Die Polizei mußte energisch einschreiten.

* Aenderung des Kraftpoftfahrplanes der Linie Gießen­Launsbach- Wißmar infolge Straßensperrung vom 13. April ab. Wegen Erneuerung der im Zuge der Straße Gießen- Launsbach in der Nähe des Umspannwerkes liegenden Brücke kann vom 13. ab die Straße, die von der Krofdorfer Straße nach Launs= bach abzweigt, durch die Kraftpost für voraussichtlich einige Wochen nicht befahren werden. Der Verkehr mit den Orten Launsbach und Wißmar wird unter Benutzung der Straße Gie­Ben Wißmar über die Wißmarer Lahnbrüde fast zu denselben Zeiten wie bisher aufrecht erhalten. Der Weg über die Wißmarer Brüde muß von den Fahrgästen allerdings zu Fuß zurückgelegt werden, weil die Brücke nach einer Polizeiverordnung nur mit dem Gewicht des zur Verwendung kommenden leeren Wagens belastet werden darf.

* Autoomnibusverkehr. Die regelmäßige Verbindung mit dem Schiffenberg ist wieder aufgenommen.

* Stadttheater. Morgen findet die letzte Aufführung der erfolgreichen Posse Robert und Bertram" statt. Am Montag gastiert Curt Goez- Berlin mit seinem Ensemble in ,, Die tote Tante und andere Begebenheiten".

* Tagung. Die Vereinigung südwestdeutscher Kinderärzte hält morgen hier im Physiologischen Institut eine Fachtagung ab.

* Lukasgemeinde. Der Gemeindeverein unserer Gemeinde hält am Montag abend seine Jahreshauptversammlung im Lu­fassaale ab.

*

Frühjahrsmesse. Auf dem Oswaldsgarten beginnt morgen die Frühjahrsmesse, auf der neben Altbekanntem und Gernge­sehenem manches Neue geboten werden wird. Die Messe dauert bis zum 19. April einschließlich.

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Kulturfilm. Nach Südamerika führt uns ein Kulturfilm morgen früh im Bahnhofstraße- Lichtspielhaus. Er heißt ,, Die Wunder des Amazonenstromes".

* Berein für Bewegungsspiele 08. Der Verein hält heute abend im Café Ebel seine Jahres- Hauptversammlung ab.

19

TOOT

,, Gießener Zeitung"

* Bürgervereinigung Sachsenhäuser". Heute abend findet im Fischerhof" die ordentliche Jahresversammlung der Ver= einigung statt.

* Erweiterung der Zuständigkeit der Amtsgerichte ab 1. April. Gemäß der Verordnung des Reichspräsidenten zur Siche­rung von Wirtschaft und Finanzen vom 1. 12. 1930 ist ab 1. April 1931 die Wertgrenze für die Zuständigkeit der Amts­gerichte in Streitigkeiten über vermögensrechtliche Ansprüche von 500 auf 800 Mark erhöht worden. Weiter bestimmt die Verord­nung, daß der in§ 7 des Gerichtsfostengesetzes festgelegte Min­destbetrag einer Gebühr in Streitsachen, insbesondere für das Mahn- und das Güteverfahren, auf 1 Mark erhöht wird.

Beschränkung der Tabakanbaufläche in Hessen. Der Mini­ster für Arbeit und Wirtschaft hat nunmehr die Tabakanbau­fläche für das Jahr 1931 festgesetzt. Die Verteilung der Anbau­flächen auf die einzelnen Pflanzer erfolgt durch einen Pflanzer­ausschuß. Bei der Verteilung sollen grundsätzlich nur solche Tabakpflanzer berücksichtigt werden, die in den Jahren 1927, 1928 oder 1929 Tabak angebaut haben.

* Gültige Zahlungsmittel. Trotz verschiedener Hinweise kommt es immer wieder vor, daß Geschäftsleute oder Privat­personen die Annahme der alten Goldmünzen zu 10 und 20 Mark als vollgültiges Zahlungsmittel verweigern. Es sei hier­mit nochmals darauf hingewiesen, daß die alten Geldmünzen zu 10 und 20 Mark in Gold als vollwertige Zahlungsmittel von allen Banken angenommen werden. Dasselbe gilt auch für alte Kupfermünzen zu 1 und 2 Pfg. aus der Vorkriegszeit.

* Neue Münzen. Die Münzstätten des Reiches haben im März nur Fünfmarkstücke, Nickelmünzen zu 50 Pfg. und Ein­pfennigmünzen geprägt. 220 000 neue Fünfmarkstüde gab es, zusammen jetzt 66,25 Millionen. Münzen zu 50 Pfg. wurden 591 996 neue geprägt, so daß deren Vorrat damit auf etwas über 140 Millionen Stüd angewachsen ist. Alle Münzstätten außer Hamburg fertigten wieder Einpfennigstüde, zusammen 13,3 Mil­lionen neue, die den Bestand auf 501,4 Millionen Stüd brachten.

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* Bekanntlich werden zahlreiche Fahrräder gestohlen. Merk­würdig ist, daß die meisten Radfahrer trotzdem ihre Räder sorg­los überall stehen lassen ohne daran zu denken, daß 100 Mk. und mehr im Nu verloren sein können. Denn auch ein altes Rad hat Wert für seinen Besitzer, der es vielleicht täglich be= nützen muß, damit Geld erspart und verdient. Ein gutes, neues Rad fostet immer über 100 Mt. wer hat heute soviel Geld übrig? Jeder Radfahrer müßte deshalb sofort alles daran setzen, um sich vor dem Verlust seines Rades sicher zu schützen. Jeder Radfahrer kann es. Denn als Mitglied bei dem bekannten Rafadi- Schutz( Radversicherung- Radschuh- A.G., München 8, Ro­senheimerstraße 34- Rafadi- Haus) braucht er nur ca. Pfg. pro Tag also ca. RM. 5.- pro Jahr aufzuwenden, und erhält im Falle eines Diebstahls ein fabrikneues Rad. Diese starke Schutzorganisation ist amtlich in ganz Deutschland zuge­lassen, steht unter ständiger amtlicher Kontrolle und hat die größte Mitgliederzahl, die sich aus allen Berufsgruppen zusam­mensetzt. Tausende von fabrikneuen Ersatzrädern wurden an Mitglieder bereits zu deren vollster Zufriedenheit geliefert, was durch ebenfalls Tausende von freiwillig übersandten Danksagun­gen bewiesen wird.

Für Kinder nur Chlorodont

Der Radsport. A

Rennen, Reigen, Wanderfahren.

Am Radsport hat der alte Aberglaube sich bewahrheitet, nach dem ein Totgesagter ein langes Leben habe. Der Rad­sport wurde totgesagt, als der Erfinder des Fahrrades von einem Zirkusreiter in die Gosse gebort worden war, als das halsbrecherische Hochrad von der Menge abgelehnt wurde, als die oberen Zehntausend vom luftreifenbewährten Niederrade fich abwandten, als das Sportwerkzeug Verkehrsmittel wurde, und als das Kraftfahrzeug in die Erscheinung trat. Allen Ge­walten zum Troy hat der Radsport sich erhalten. Er ist der Boltssport ohne gleichen geblieben, er ist als olympischer Sport anerkannt worden und zieht Hunderttausende junger Leute als Attive und Millionen von Menschen als Zuschauer in seinen Fana

Der Schlüssel zu dem Geheimnis, aus welchem Grunde der Radsport trotz der technischen Fortschritte auf dem Gebiet der Fortbewegungsmittel sich hat behaupten können, liegt eines­feils in der Freude des Menschen an der Anwendung eigener Kraft, andernteils in der Freude, von der Scholle gelöst zu jein. Das Geheimnis selbst beruht auf der beispiellosen Viel­jeitigkeit des Fahrrades. Es gibt fein Gerät, das seinem Benutzer in allen Lebenslagen dienlich ist. Das Fahrrad iſt Sportgerät und Verkehrsmittel, es ist Berufshelfer und Ge­jundheitsförderer, und in allen diesen Eigenschaften zeigt es o hohe Vielseitigkeit, daß es nicht leicht ist, das Gebiet des Radsports im Rahmen eines Aufsatzes zu umgrenzen und zu behandeln.

Das Fahrrad gibt seinem Reiter Gelegenheit, Kraft, Mut, Schnelligkeit und Geschicklichkeit zu zeigen. Landstraße und Rennbahn lösen im Kampf Mann gegen Mann, Ausdauer, Schnelligkeit, Kraft und Geistesgegenwart aus, und das Saal­fahren stellt den Fahrer auf die Geschicklichkeitsprobe. In allen Fällen ist der Radsport ein Kampfsport, der seine An­iehungskraft auf die Jugend nie verfehlt hat, und der auch Den alten Sportmann in Bann hält.

Die vielseitige Verwendbarkeit des Fahrrades als Sport­gerät hat eine Vielseitigkeit der Wettbewerbe nach sich ge­jorgen. Wir unterscheiden Schnelligkeitswettbewerbe, Aus­Dauerkonkurrenzen und Geschicklichkeitskämpfe. Auf der Renn­bahn streiten die Fahrer im Rennen über 1000-5000 Meter Fliegerrennen), und in Wettbewerben hinter Schrittmachern 3weisiger oder Motore) über 10-100 Km.( Dauerrennen). Auf der Landstraße führen die Zuverlässigkeitsfahrten über Streden von 50-5000 km., und im Saale werden Reigen, Runstfahren und Radballspiele gezeigt.

Die Bahnwettbewerbe zergliedern sich in Rennen von einer Marke( Malfahren), in Vorgabefahren, Prämienfahren, Verfol ungsrennen, Ausscheidungsfahren, Punktefahren und Zeit­ahren. Bei einem Malfahren fahren alle Fahrer zugleich vom Startband, bei einem Vorgabefahren( Handicap) werden die

Aus Rah und Fern.

Nr. 29

Alten- Bused. Durch die Kirchenregierung wurde dem Pfar­rer Georg Friedrich Naumann zu Melbach die hiesige evange= lische Pfarrstelle, Dekanat Gießen, übertragen.

Launsbach. Jn der Scheune abgestürzt ist der 41 Jahre alte Landwirt W. Mandler. Er erlitt einen schweren Schädel­bruch.

Bad Nauheim. Auf Einladung der hiesigen Bade- und Kurverwaltung weilte dieser Tage eine Gesellschaft englischer Aerzte hier, die die technischen Anlagen des Bades, das Medi­zinische Institut und das seiner Vollendung entgegengehende Kerchoff- Institut besichtigten.

Bad Nauheim. Das Kerckhoff- Institut geht seiner innen­baulichen Vollendung entgegen. Der südliche Flügel mit der 600 Personen fassenden Kerckhoff- Vorlesungshalle ist im wesent­lichen hergestellt. Gegenwärtig wird noch an der Innenein­richtung des Nordflügels gearbeitet; in drei bis vier Wochen dürften diese Arbeiten beendet sein. Die offizielle Einweihung findet erst im Laufe des Sommers statt.

Friedberg. Auf der Landstraße zwischen Nieder- und Ober­Wöllstadt wurde der elfjährige Sohn eines Eisenbahners aus Ober- Wöllstadt von einem Lieferwagen aus Vilbel überfahren und schwer verletzt. Er wurde in das hiesige Bürgerhospital eingeliefert, wo er seinen schweren inneren Verletzungen erlag.

Schotten. Der Bund hessischer Heimatschulfreunde wird vor­aussichtlich vom 24. bis 26. Juli in Schotten eine größere Ta­gung veranstalten. Für 25. Juli ist eine Kundgebung für die Förderung und den Ausbau der Landschule geplant.

Lauterbach. Am 22. April findet in Lauterbach die zweite große Bullenversteigerung des Landwirtschaftskammer- Ausschus­ses für Oberhessen in diesem Jahre statt. Zur Versteigerung tommen 50 Bullen des hessischen Fleckviehs, darunter 15 Lei­stungsbullen.

Offenbach. Ein Einwohner aus Bürgel, sprang in selbstmörderischer Absicht von der Mainbrüde in den Main. Die Leiche konnte noch nicht geborgen werden.

Offenbach. Am Dienstag nachmittag wurde auf der Land­straße Bieber- Obertshausen in der Nähe des Gutshofes Wald­hof der sechs Jahre alte Knabe Heinrich Lufas aus Bieber von einem Frankfurter Personenkraftwagen überfahren und getötet.

Offenbach. Als Nachfolger des verstorbenen Regierungs­rats Goebel vom Kreisamt Offenbach wurde der Regierungsrat Dr. Walther, bisher im Kreisamt Mainz, bestimmt.

Offenbach. In der Nacht zum Donnerstag wurde in der Frankfurter Straße ein Polizeibeamter von einem Motorrad­fahrer, der ohne Licht suhr, angefahren. Der Beamte wurde zu Boden geschleudert und erlitt eine Gehirnerschütterung. Als Täter kommt ein Metzgergeselle in Frage, der auf den Beamten losgefahren ist, um sich einem Strafmandat zu entziehen.

Darmstadt. Donnerstag früh ließ sich ein 20jähriger ledi­ger Arbeiter aus Eberstadt auf der Bahnstrecke Darmstadt­Heidelberg vom Zug überfahren. Der Tod trat sofort ein. Das Motiv für die Tat dürfte Liebeskummer sein.

Darmstadt. Die Betriebsratswahlen bei der Chemischen Fabrik Merd ergaben für den Angestelltenrat: 9 Vertreter des

Jung gewohnt ist alt getan! So heißt's im Sprichwort und so bin ich auch mit Ihrer Chlorodont- Zahnpaste gefahren. Als Knabe kaufte mir die Mutter schon immer obige Paste und ich weiß mich kaum jemals zu erinnern, eine andere gebraucht zu haben. Tube 54 Pf. und 90 Pf., Zahnbürsten 1 Mk., für Kinder 60 Pf.

Fahrer nach Leistungsfähigkeit mit Vorgaben bedacht, und bei einem Prämienfahren werden außer den Preisen an Schluß des Rennens Prämien nach bestimmten Rundenzahlen aus­gesetzt. Bei Verfolgungsrennen starten Fahrer oder Mann­schafien von mehreren Fahrern mit dem Abstand von einer hal­ben Runde. Sieger ist, wer in einer bestimmten Anzahl von Runden oder in unbegrenzter Zeit Boden gewinnt oder den Gegner einholt. Bei Ausscheidungsfahren scheidet in jeder Runde der letzte Fahrer des Feldes aus, bis drei oder vier Fahrer übrig bleiben, die um die Endpreise streiten. Bei Punktefahren erhalten die Fahrer nach einer bestimmten An­zahl von Runden Punkte. 3. B. der Erste in der fünften Runde 6, der Zweite 3, der Dritte 2 Punkte, der Vierte 1 Punkt. Nach 10, 20, 25 und 30 Runden erfolgt die gleiche Punktver­teilung. Der Fahrer mit der Höchstzahl an Punkten ist Sieger. Bei einem Zeitfahren startet jeder Fahrer allein über eine bestimmte Strede. Die Zeit wird mit einem Chronometer auf die Zehntelsekunde genau gemessen. Die gleichen Wettbewerbe gibt es auch für den Zweisitzer.

Eine aus den Sechstage- Rennen auf die Fliegerrennen übernommene Rennart ist das Mannschaftsrennen, bei dem zwei Fahrer eine Manschaft bilden. Die Fahrer dürfen sich belie­big oft ablösen; nur die Gesamtleistung beider wird gewertet. Diese Rennen führen von 50 Km. bis zu sechs Tagen.

Bei den Dauerrennen werden durch Menschenkraft bewegte Zweisiger und kleine oder große Motoren verwendet. Das be­deutendste Rennen hinter Zweisitzern ist das Vierundzwanzig­stunden- Rennen um den Boldior, das seit mehr als dreißig Jahren alljährlich in Paris zum Austrag gelangt. Rennen hinter kleinen Motoren, d. h. hinter Motorrädern, wie wir fie auf der Straße sehen, werden nur auf kleineren Rennbah­nen abgehalten. Auf großen Rennbahnen herrscht der mit zwanzig und mehr Pferdekräften ausgestattete große Motor, der den Rennfahrern die Möglichkeit gegeben hat, mehr als 100 Km. in einer Stunde zurüdzulegen. Für den Bau und die Ausrüstung der Schrittmachermaschinen, für die Schrittmacher­bekleidung und die Rennmaschinen gelten strenge Regeln, so­daß alle Fahrer unter den gleichen Bedingungen starten.

Auf guten Rennbahnen beträgt der Stundendurchschnitt rund siebzig Kilometer, jedoch wurden auf der Autorennbahn von Montlery Geschwindigkeiten über 120 Rm. erzielt.

Die Radrennbahnen werden teils aus Holz, teils aus 3ement gebaut. Die Länge der Bahnen schwankt zwischen 250 und 666% Meter. Die besten Rennbahnen der Welt für Flie­gerrennen und Dauerrennen besitzt Deutschland. Auf der nicht mehr in Betrieb befindlichen Rennbahn von München- Mit­bertshofen fuhr der Franzose Guignard am 15. September 1909 den noch heute unerreichten Weltrekord von 101,623 Km. in einer Stunde.

Die Radrennbahnen in geschlossenen Räumen sind 160 bis 250 Meter lang und aus Holz gebaut. Die meisten und die besten Winterbahnen besitzt gleichfalls Deutschland.

Auf der Landstraße werden von Amateuren und Berufs= fahrern Fahrten bestritten, die sowohl die Zuverlässigkeit des Fahrers, als auch die Zuverlässigkeit des Materials erweisen sollen. Straßenrennen werden bei jedem Wetter ausgefahren, führen durch ebene und bergige Gegenden und stellen den Fah­rer vollkommen auf sich selbst. Die Annahme fremder Hilfe, die Annahme von Nahrungsmitteln außerhalb der Verpfle­gungskontrollen ist verboten. Die Straßenwettbewerbe führen Der in Deutschland über Streden von 50-1000 Kilometer. längste Straßenwettbewerb der Welt ist die in Etappen aus= gefahrene Rundfahrt durch Frankreich über fast 6000 km.

Auch auf der Landstraße gibt es Mannschaftswettbewerbe. In diesen Wettbewerben bilden sechs Mann eines Vereins eine Mannschaft. Die Mannschaft fährt 50 oder 100 Km. nach Zeit. Die Zeit des vierten Fahrers wird gewertet.

Der Radsport im Saale umfaßt Kunstfahren, Reigenfah­ren und Radballspiele. Beim Kunstfahren gibt es Einerwett bewerbe und Duette. Ausführung und Schwierigteit wird gewertet. In den Reigen starten Mannschaften von 6-48 Fahrern. Die Meisterschaften werden für Sechser- und Achter­reigen ausgefahren. Auch beim Reigen werden Schwierigkeits­grad und Ausführung der vorgeschriebenen Uebungen gewertet. Das Radballspiel ist ein Kampfspiel nach den Regeln des Fuß­ballspiels. Der Ball wird nicht mit dem Fuß, sondern mit dem Vorderrade geschlagen. Es gibt Radballspiele für Zweier­und für Dreiermannschaften.

Der einzige Zweig des Radsports, der kein reiner Kampf­Sport, aber dennoch der weitverbreitetste ist, ist das Wander­fahren. Auch auf diesem Gebiet gibt es Wettbewerbe( Welt­preise, Sternfahrten), aber der größte Teil der Wanderfahrer übt seinen Sport aus Freude an der Natur, aus Freiheitsdrang und Heimatsliebe aus. Das Wanderfahren ist das A und das O des Radfahrers. Die Jugend nimmt den Radsport mit dem Wanderfahren auf und nach den Sturm- und Drangjahren des Rennsports kehrt der Radfahrer zur alten Liebe zurüd. Es gibt in Deutschland Wanderfahrer, die das biblische Alter längst überschritten haben, ein eigenes Auto besigen und alle Be quemlichkeiten des Lebens sich gewähren können und dennoch auf das Fahrrad steigen, um ihrer alten Liebe zu huldigen.

Für die Wettbewerbe auf Bahn und Straße unterscheiden wir Geldpreisfahrer und Amateure. Außer den Rennen hinter Motoren sind den Amateuren alle Bahnrennen offen, jedoch ist der Start von Amateuren gegen Berufsfahrer nicht gestattet. Auf der Landstraße starten Berufsfahrer und Amateure gleich­falls in verschiedenen Gruppen. Jm Saalradsport gibt es teine Geldpreisfahrer. Die auf Theaterbühnen auftretenden Kunstfahrer werden zu den Artisten gezählt. Den Geldpreis­fahrern ist die Annahme jeder geldlichen Unterstügung gestat­tet, den Amateuren ist sie versagt, soweit sie nicht durch die Be­stimmungen der Verbände geregelt ist. Die Annahme von Geldpreisen durch Amateure hat die Entziehung der Lizenz zur Folge.