Nr. 96.
Samstag, den 5. Dezember 1931.
Sandwertstammer. ung des Kammervor Sungszimmer der Heff Jollversammlung flatt, ernen Fragen diente. legenheiten zur Grör größerer Darlehens armstädter Volksbank. hluß der letzteren für sowohl, als auch die Volksbank behandelt Kammer bei der Ver Sebiet fafto eingehende lt aufgetauchte Vor
angeblich für Main; =. An Hand der dies rde nachgewiesen, daß ise verfügt worden ist. tes wird hierüber noch
eine Anzahl von An enheiten verhandelt, die nervorsitzenden gelegent Gewerbeverbandes in ogen. Sie führten so orhergehenden Provinz zur Aufklärung der Kammermitglieder was Herrn Nohl in
und
bezw. die Geschäfts Hinsichtlich der Tätig Eigenschaft als ehema städter Volksbank maßt des schwebenden Ver
angt, die der Landes te für Handel, Hand ser Tage in hessische unter der Ueberschrift röffentlichten, ohne sich mieren, so wird erklärt, im„, Hess. Handwerks ten Zentralorganisation er mit seinen wenigen ten des hessischen Hand m Artikel aufgestellten der Handwerkskammer Geschäftsführung der inwieweit gegen diesen Serfasser gerichtlich vor m die Anschuldigungen Nohl, und gegen den benstelle Mainz, Herrn
ungsbeiträge. gsanstalt hat für 1932 ffurt a. M. und Wies
on sich sagen wird," be
wir aber nicht zu ihr
Lokales.
Vorweihnachten 1931.
Die
Wohl in feinem Jahre zuvor hat man dem kommenden Winter mit so schwerer Sorge entgegengesehen wie in diesem Jahre. Das Gespenst der Arbeitslosigkeit jputt heute in jedem Sause und belastet die Seelen der Menschen, daß sie kaum froh verden fönnen, wenn die Weihnachtskerzen aufleuchten. ber noch beschäftigt sind, leiden unter dem ,, Mangel an Geld" benfalls schwer. Dem Festbesoldeten ist das Gehalt stark geützt worden. Der Freierwerbende ob nun Landwirt, Kaufmann, Handwerker meint, so tönne es nicht weitergehen. Aber die Zeit schiebt sich weiter und weiter vor, und aus Herbst vird Winter In solchen geharnischten Zeiten wächst die Sehnsucht nach besseren Lebensverhältnissen ins Ungeheuere, ind man findet die Zeit der Nöte und Unsicherheiten nach gerade anerträglich!
Kommt Weihnachten, so empfindet jedes Stieftind des Slüdes wohl die glühendsten Wünsche, ohne jedoch zu wissen, vie sie ihm verwirklicht werden könnten. Könnten die Schauensterscheiben, hinter denen so viele schöne Dinge liegen, von en heißen Blicken der Menschen erzählen, uns würde es selbst eiß, und der, dessen Mittel es erlauben- so er noch ein Herz hat- würde eilen, wohlzutun und mitzuteilen", d. h. das Christentum in die frische Tat zu übersetzen. Helft das Elend lindern! Dies sei heuer unsere vornehmste Weihnachtsaufgabe. Schüßt arme, alte Leute, gequälte Kranke, and schützt auch unsere Kinder!
In den Kinderstuben geht es bereits heimlich zu, und man berät, wie man mit wenigen Pfennigen eine kleine Freude be= teiten fönnte. Schon weht uns Harzarom um die Nase, und aus dämmrigem Gewinkel erklingen Weihnachtslieder. Es gibt wohl kaum ein Haus, eine Familie, wo nicht einmal eines der alten, schönen Weihnachtslieder ertönte! Selbst in der kleinten, ärmlichsten Hütte, in der die Sorge kaum ein Weihnachtsunversehens bäumchen, taum eine fleine Gabe gestatten will, fingt doch ein unschuldiger Kindermund: du fröhliche, o du selige!" Wo der Kampf ums Dasein tobt, harte Arbeit den Menschen feine Ruhe gönnt, einmal tun sich die verbitterten Herzen doch auf und den sonst fest geschlossenen Lippen entströmt es: ,, Stille Nacht, heilige Nacht." Der Uebermensch", der sich vielleicht das ganze Jahr nicht um seine christliche Religion fümmert, wird seltsam ergriffen von der tiefen Innigkeit tines Gesanges, in welchen er unwillkürlich einstimmt: ,, Es ist ein Ros' entsprungen". Wessen Seele Kummer drückt, dem schallt ein Lied tröstender Hoffnung ins Ohr: Vom Himmel hoch, da tomm' ich her, ich bring' euch gute neue Mär'. Fröhliche Stimmen aber singen allerorten: Morgen, Kinder, wird's was geben, morgen werden wir uns freun'n!" und Ihr Kinderlein, tommet, o fommet doch all, zur Krippe her kommet in Bethlehems Stall."
Ja, fommet alle, ihr Menschenkinder, groß und klein! Niemand soll meinen, zu schlecht oder zu arm oder zu traurig zu jein, um Weihnachtsfreude empfinden zu können. Wie auch das Fest sich für den einzelnen gestalten möge: die höchste, beste Gabe, die Sendung des Erlösers, gilt allen in gleichem Maße!
* Die Nöte dieser Zeit werden sich zum Feste besonders auswirken, und in vielen Familien, in denen Arbeitslosigkeit, Gebrechlichkeit oder gar Krankheit herrschen, wird von rechter, teiner Weihnachtsfreude nicht allzu viel zu spüren sein. Diejeni gen, die noch etwas mehr haben, als sie brauchen oder doch be= deutend besser leben als andere, sollten gerade zum Feste der Liebe durch kleine Ueberraschungen etwas Licht und Freude in in die Stübchen alter Leute, in Kranfengimmer und dumpfe Räume der Allerärmsten tragen. Auch Spitäler und Wohltätigteitsvereine nehmen Gaben aller Art gern entgegen. Trage also jeder, der kann, ein Weniges dazu bei, die Nöte der Zeit und der Menschen zu mildern!
*
* Aus dem Stadttheater. Am Samstag, den 2. Januar 1932, findet eine Vorstellung für Erwerbslose statt. Eisenbahn- Bezirks- Netzkarten. Der Verwaltungsrat der Deutschen Reichsbahn hat in seiner Sigung vom 24. November
,, Gießener Zeitung"
5. Js. den ihm vorliegenden Plan einer Einführung von Netzund Bezirkszeitfarten genehmigt. Die Einführung der Karten wird zum 1. Januar 1932 erfolgen.
* Fundsachen. Das Verzeichnis über die im Monat November 1931 gefundenen bezw. abgelieferten Gegenstände fann an der Anschlagtafel im Flur des Polizeiamis, Landgrafhilipp- Platz 1, eingesehen werden. Die Empfangsberechtigten werden aufgefordert, ihre etwaigen Rechte innerhalb zwei Monaten beim Fundbüro während der Dienststunden geltend zu machen.
* Nicht genehmigt. In der letzten stattgefundenen Versammlung der Zwangsinnung der Sattler und Tapezierer war deren Auflösung beantragt. Es stimmten 64 dafür. Satzungsgemäß sind 74 Stimmen erforderlich. Der anwesende Vertreter des Kreisamtes erklärte infolgedessen den Antrag für abgelehnt.
* Arbeitsgemeinschaft der Militär- und Regimentsvereine. Verbunden mit Filmvorführungen über die Einweihung des deutschen Kriegerfriedhofs Rorp- St. Gilles( Nordfrankreich, Sommegebiet) und Darstellung der Haupt- Kampfplätze um Verdun werden am Montag, den 7. Dezember, im Astoria- Lichtspielhaus( Seltersweg) Gefallenengedenkfeiern gehalten. Der Reinertrag der Veranstaltungen wird der Winternothilfe 1931-32 Gießen zugeführt.
* Vogelsberger Höhen- Club( VHC). Letztvergangenen Sonntag führte der VHC. seine letzte diesjährige Wanderung aus. Das Ziel war vom Bahnhof Wetzlar aus die Honigmühle im Siebenmühlental.
* Frauengruppe des Vereins für das Deutschtum im Aus: land( VDA.). Jm Katholischen Vereinshaus wird am Sonntag, den 6. Dezember, nachmittags 5 Uhr, ein Krippenspiel aufgeführt.
* Das Gasthaus zur Liebigshöhe" wird morgen, Sonntag, den 6. Dezember, wieder eröffnet. Der neue Pächter ist Gastwirt Heinrich Dechert.
* Hessen in Berlin. Der ,, Verein der Hessen in Berlin", von dessen Gründung wir unseren Lesern s. 3t. Mitteilung machten, feierte am 21. November im Berliner Lehrervereinshaus sein 5. Stiftungsfest. Vor 5 Jahren ließ der Vereinsvorstand u. a. auch durch unser Blatt mitteilen, daß er sich zum Ziele gesetzt habe, für die zahlreichen in Berlin ansässigen Hessen ein verbin= dendes Glied zu schaffen, um den Heimatgedanken in diesem Kreise wachzuhalten und zu pflegen. Mit Stolz fonnte der Vorsitzende, Ministerialrat Prof. Dr. Maurer, feststellen, daß es dem Verein in Verfolg dieses Zieles gelungen ist, sich in der Zeit seines Bestehens die Anerkennung und Beachtung weiterer Kreise zu verschaffen. Das bewiesen die zur Verlesung gelangenden zahlreichen Glückwunschschreiben und Telegramme von prominenten Persönlichkeiten und von befreundeten Berliner und auswärtigen Vereinen. Das reichhaltige Programm, bei dem auch der Gesangschor des Hessenvereins mit einigen Liedern vertreten war, fand in allen seinen Teilen vollen Beifall und der anschließende Ball hielt die Teilnehmer bis weit in die Morgenstunden zusammen. Einem Wunsche des Vereinsvorstandes nachkommend, möchten wir unseren Lesern empfehlen, etwaige in Berlin ansässige Verwandte oder Freunde auf das Bestehen des Berliner Hessenvereins aufmerksam zu machen oder deren Adresse dem 1. Schriftführer, Ministerialamtmann Karl Krieg baum in Berlin- Halensee, Johann- Georgstraße 12, per Postkarte mitzuteilen.
* Lebensversicherungsaufwertung. Nähere Einzelheiten über Lebensversicherungsaufwertung enthält ein Druckstüd, das auf Wunsch gegen Einsendung des doppelten Briefportos fosten
ihr diefe Formalität Napoleons Einzug in Berlin vor 125 Jahren Kanals( b. 5. Schnellſtens in 14 Tagen) die Oder erreichen sollten
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heute morgen den Poften Gehalt beträgt vorläufig edürfnisse vollauf genügt der Universität war und was anderes gelernt hat!"
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Das stolze Preußenheer, das seit Friedrichs des Großen Tagen Sieg und Ruhm an seine Fahnen geheftet hatte, war geschlagen! Jener Rückzug begann, von dem Gneisenau später gefagt hat:
,, Das waren Greuel, tausendmal lieber sterben, als das noch einmal erleben." Alle Bande der Ordnung lösten sich. Die Mutlosigkeit, die Verwirrung fannte teine Grenzen. In wilder Flucht wälzten sich die virr zusammenflutenden Reste her bei Jena und Auerstädt gechlagenen Heere durch die herbstlichen Gefilde Sachsens, zu Tode erschöpft, frierend hungernd, an dem Unentbehrlichsten Not leidend. Verzweiflung und Stumpfsinn hatte die Führer gepadt; die Mannschaften waren in hoffnungsloser Selbstsucht nur auf die Rettung des eigenen Lebens bedacht. Jeder Gedanke an Widerstand war aufgegeben. Es war ein entsetzliches Schauspiel der Verwirrung, der Mutlosigkeit, der Kopflosigkeit, in dem sich Dorbildlich der Zusammenbruch der stolzen Monarchie Friedrichs des Großen zeigte. Ein einziger Tag hatte über das Schidsal Breußens entschieden. Schwachmut und Kopflosigkeit herrschten auch in der Hauptstadt mit entsetzten Gesichtern standen die Bürger in Gruppen beisammen und raunten mit halblauter Stimme einander das furchtbare Ereignis zu. Am Morgen des 17. Oktober erschien an den Mauern und Straßeneden eine amtliche Bekanntmachung des General- Gouverneurs von Berlin, Grafen von der Schulenburg- Rähnert:
,, Der König hat eine Bataille verloren. Jetzt ist Ruhe die erste Bürgerpflicht Ich fordere die Einwohner Berlins dazu auf." Aläglicher und jämmerlicher fonnte das Volf wohl nicht von einem Ereignis in Kenntnis gesetzt werden, das es in seinem tiefsten Innern erschütterte. Anstatt die gesunkenen Hoffnungen Don neuem zu beleben, den Ausblid auf bessere Zeiten zu er= offnen, das Volk zur Aufraffung seiner letzten Kräfte anzufeuern, wird ihm, es fehlt nur noch die Androhung von Strafe, Ruhe jur ersten Bürgerpflicht" gemacht. In ihrer seelenlosen Sprache and torporalmäßigen Barschheit zeichnet diese Bekanntmachung treffend das Bild des damaligen höheren Beamtentums.
öffnete ihr Täschchen und ,, Hier kannst du lejen Mädchen wäre, würde id , machte die Witwe no sagte sie und versuchte ihn Unterton zu verbergen airfag Stopford?" meinte
Stanley."
hegen, sich unseren Roman on Sidney Horler, erigie Braunschweig- Hamburg, Buch zum Weihnachtsfeite
Bestellungen auf dasselbe Die Bücherei jeder Jugend
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Nach Erlaß diefes kläglichen Schriftstückes hatte sich der Dürdige Herr empfohlen, ohne sich im geringsten um die Sicherung des Staats- Eigentums und des Kriegsmaterials zu fümmern. Noch jammervoller benahm sich iein Schwiegersohn und Nachfolger, der Graf Haßfeld, der jeden Ausbruch patriotischen Gefühls mit strenger Strafe belegte, alles Zusammenlaufen, Schreien, auf den Straßen alles öffentliche Teilnehmen an den Derschiedentlich einlaufenden Kriegsberichten" verbot. Er erklärte also jedes teilnehmende Gefühl an den Geschicken des Vaterlandes, anstatt es zu fördern in Acht and Bann.„ Unsere Aussichten", hieß es in diesem jämmerlichen Schriftitüd" weiter, dürfen sich nicht über dasjenige entfernen, was in unseren Mauern vorgeht Dies ist unser einziges höheres Interesse, mit welchem wir uns beschäftigen müssen Aber noch ein ganz anDeres Bravourstück sollte den guten Berlinern zeigen, wes Geistes Rind ihr neuer Gouverneur war Vierzigtausend Gewehre und ünfzig Geschütze lagen im Berliner Zeughaus noch in Bereithaft. Sie sollten nach Ostpreußen geschafft werden, aber Hazfeld berbot aus elender Franzosen- Furcht ihre Fortschaffung, denn die Feinde hätten dies ,, übel vermerken" fönnen. Zulegt kam man doch auf den Gedanken, die Gewehre 1orizuschaffen, sie wurden
auf Kähne geladen, welche durch die 17 Schleusen des Müllroser ( v. der Marwig, 185.)
Inzwischen war Napoleon unaushaltsam weitermarschiert; einen Friedensvorschlag König Friedrich Wilhelms III., den ihm der Flügeladjutant Graf Dönhoff ins Hauptquartier überbrachte, hatte er abgelehnt. Die von ihm errungenen Vorteile wären zu groß ,,, um jie nicht bis nach Dresden und nach Berlin zu verfolgen." Am 24: Oktober zog Napoleon in Potsdam ein und nahm im Stadtschloß Quartier. Drei Tage später, am 27. Oftober 1806, nachmittags 3 Uhr, hielt Napoleon durch das Brandenburger Tor unter dem Geläute der Gloden mit großem militärischem Gepränge seinen Einzug in Berlin Auf Anordnung des Gouverneurs hatten sich die anwesenden Minister und die Spitzen der Behörden in Uniform und Amtstracht zum Empfange des Kaisers eingefunden Der Magistrat überreichte die Schlüssel der Stadt Umgeben von seinen Marschällen Davoust, Berthier, Augereau, ritt der Kaiser zwischen seinen Grenadieren und Jägern die Linden entlang. Unter dem Zudrange vieler Neugieriger bewegte sich der Zug nach dem Königlichen Schlosse, wo der Kaiser in den nach dem Lustgarten zu gelegenen Zimmern Wohnung nahm. Das Verhalten der Berliner Bevölkerung machte im ganzen einen würdigen Eindrud, sie empfing den Kaiser mit finsterem Schweigen; der ab und zu gehörte Ruf: , Vive l'empereur"( Es lebe der Kaiser) rührte von bezahlten Subjeften her Manche Faust ballte sich in stillem Ingrimm, und die an den Fenster erschienenen Frauen führten, wie ein Augenzeuge erzählt, öfters ihre Taschentücher an die Augen, um die hervorquellenden Tränen abzuwischen. Der Kommandant hatte in trauriger Dienstbeslissenheit eine Beleuchtung der Fenster für den Abend angeordnet, aber sie fiel sehr dürftig aus. Im alten Königsschlosse empfing der Kaiser die staatlichen und städtischen Behörden, sprach ergrimmte Worte über die kriegshehenden Frauenzimmer", empfahl den Männern, ihre Familie besser in Schranken zu halten", bedauerte ,, das gute Volf von Berlin, das nun ein Opfer des Krieges geworden sei, während die Anstister desselben in Sicherheit seien", und drohte funkelnden Auges:
..Ich will diesen übermütigen Hofadel so klein machen, daß er sein Brot wird erbetteln müssen." Friedrich von der Marwik erzählt in jeinen Denkwürdigkeiten über die weitere Entwickelung der Verhältnisse in Berlin: Napoleon erwog, daß eine so große und bevölkerte Stadt wie Berlin ihm eine große Garnison tosten würde. Da er nun seine Soldaten gegen die heranziehenden Russen besser gebrauchen fonnte, jo ließ er eine National- Garde organisieren, zu der jeder Bürger pilichtig war, um ihr angeblich die Sicherheit der Stadt anzuvertrauen Die Stadt war aber vollkommen sicher und bedurfte feinen anderen Schuß als gegen die Erpressungen des Feindes. Die National- Garde stand unter dem französischen Kommandanten und unter militärischer Disciplin und fonnte von ihm zu allem gebraucht werden, wozu er nur immer französische Soldaten innerhalb der Stadt hätte gebrauchen tönnen Berliner fanden sich hochgeehrt, fühlten sich wichtig in ihrer neuen militärischen Würde, stedten sich in Uniformen, besetzten die Wachen, standen vor den Franzosen Schildwacht, machten ihnen die Honneurs usw. Aber hierbei blieb es nicht einmal. Die Schüzengilde tat sich freiwillig zusammen und organisierte ein Corps von freiwilligen jungen Leuten zu Pferd, die sich in eine prächtige, hellgrüne Uniform mit Gold stedten, den förmlichen Dienst in den Vorzimmern dieser französischen Generale ver=
Die
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los an Interessenten vom Schutzverband der Lebens- und Feuerversicherten e. V., München 13, Neureutherstr. 13, abgegeben wird.
* Schafilers Wettervorhersage für Dezember 1931. Wenn wir auch in Mitteleuropa feinen zeitigen und anhaltenden Früh winter zu erwarten haben, so sind im Monat Dezember doch für turze Zeiten verhältnismäßig tiefe Temperaturen zu erwarten. Der Dezember dürfte gegenüber den Vorjahren überhaupt cin etwas winterlicheres Gepräge haben, aber mit durchschnittlich nur mittleren Temperaturen. Zu Beginn des Monates lebhafte Winde, Regen, Schnee, zeitweise Aufklaren. Um den 8., 9. Dezember stürmisch, falt, Schneefall. In der 3. Woche winterlich, Frost, Aufheiterung, mit leichten Schwankungen. Weihnachten stürmische westliche Winde, nicht sehr falt, Schneefall, Tauschnee mit nur teilweiser Aufheiterung. Wetterlage anhaltend bis Ende des Monates.
* Wieder verschlafen? Nein, wie kommt das nur? Kommt das von dem späten Zubettgehen, oder, weil der Himmel seine Wolkengardinen vorgezogen hat, damit das bißchen Wintersonne nur ja recht spät und dürftig zum Vorschein kommt? Erschrocken hebt die Frau und Mutter den Kopf aus den Federkissen und wirst einen verdutzten Blid auf den Wecker. Du lieber Himmel!! Da ist es bereits nach sieben Uhr und halb acht muß ihre Aelteste schon an Ort und Stelle sein! ,, Gretl, Otto, Martel aufsteh'n! Wenn ich's schon mal verschlafe- ihr meldet euch du sägst wohl noch sechs gleich gar nicht! Und du, Mann Klafter Holz? Mit dir ist gleich gar nichts los! Früh knurrst du, abends schimpfst du, und nachts schnarchst du! Da lobe ich mir den Nachbar, der focht früh den Kaffee, holt Semmeln, wichst die Schuhe und legt das Kleinste trocken! Na, wird's bald? Oder soll ich euch ein Glas Wasser... Nein, was man mit euch für' ne Wirtschaft hat!"
Jagd im Dezember in Hessen, mitgeteilt vom Hess. Jagdklub.
Die Zeit des Rehabschusses ist vorbei, denn am 1. Dezember hat die Schonzeit für männliches und weibliches Rehwild be: gonnen. Auch für Feldhühner schloß mit dem 30. November die Schußzeit. Sonst hat, mit Ausnahme der Jagd auf Muffelwild und der Waldhühner, alles Wild Schußzeit, die Fasanenhennen nur bis zum 31. Dezember, die Hasen dagegen bis zum 15. Januar. Die großen Hasentreibjagden sollten jetzt begonnen haben, leider hat sich gezeigt, daß wir durch die andauernd nasse Witterung im Sommer, an der die Junghasen zum großen Teil zu Grunde gingen, ein außerordentlich schlechtes Hasenjahr haben. Es empfiehlt sich deshalb, den Abschuß auf ein Minimum zu beschränken, um Sathasen für die Nachzucht übrig zu behalten. Das Haar- Raubwild trägt jetzt seinen wertvollen Winterbalg und sollte eifrig bejagt werden, aber eins sei be= tont: Gift zur Erbeutung von Raubzeug gehört nicht in die Hand des Jägers. Besondere Sorgfalt ist jetzt den Futter stellen zuzuwenden, die reichliche Beschidung benötigen. Erhöhte Aufmerksamkeit bedarf das Revier und gerade die Nähe der Futterstellen zur Sicherheit gegen zwei- und vierbeiniges Raubgesindel. Nicht zu vergessen ist, dem Wilde jetzt genügend Salz zu reichen, das für die Verdauung und Gesunderhaltung dringend notwendig ist.
Der erste Eindruck ist der beste. Schöne weiße, mit der herrlich erfrischenden Chlorodont- 3ahnpaste behandelte Zähne verleihen jedem Gesicht einen eigenen Reiz. Tube 50 Pf. Versuch überzeugt. Hüten Sie sich vor minderwertigen, billigen Nachahmungen, denn für das Wertvollste was Sie besitzen, die Zähne, ist das Beste gerade gut genug.
richteten und natürlich durch den zweijährigen täglichen Umgang mit den Franzosen recht gründlich verdorben wurden. Ich habe selbst den Marschall Victor mit einem Gefolge von zwanzig solcher aufgeputzten Jünglinge umherreiten sehen, die aussahen wie die Narren und, statt sich ihres Dienstes zu schämen, sich damit brüsteten." So der derbe von der Marwig in seinen Erinne rungen, in denen er alle Schwächen seiner Zeitgenossen geißelt. Ergänzt wird dieses traurige Bild vaterländischer Würdelosigkeit durch die Tagebuchblätter eines anderen Zeitgenossen. Da lejen wir: Wie unjäglich erbärmlich benahm sich bei diesem Unglüc der ganze vornehme und niedere Pöbel, den Berlin, wie alle großen Städte, in nur zu bedeutender 3ahl besitzt. Alle diese gebildeten, geistreich sein wollenden Kreise der Beamten, Schöngeister, Großlaufleute, Geldmänner, Künstler, die früher so ent züdt gewesen waren, wenn Prinz Louis Ferdinand oder irgend ein anderes Mitglied des Königlichen Hauses sie mit seiner Gegenwart beehrt hatte waren jetzt plöglich französischer gesinnt als selbst viele französische Offiziere. Der Kaiser Napoleon, obgleich er Deutschland fnechtete und mit Füßen trat, war ihr Held und Heros; die französische Sprache galt als die einzige, die in den Salons" der sogenannten gebildeten Welt geduldet war, und den französischen Offizieren wurden oft die frechsten Zudringlichkeiten gegen Frauen und Mädchen als liebenswürdige, vornehme Manieren ausgelegt Jn nur zuvielen Berliner eleganten Salons waren die französischen Offiziere die willkommensten Gäste. Dußende von jungen Mädchen und selbst verheiratete Frauen aus guten Familien fnüpften mit ihnen Liebeshändel an, die oft einen traurigen Ausgang nahmen." Aber schon drei Jahre später, im Jahre 1809, hatte eine andere Gesinnung Play gegriffen. Der gleiche Tagebuchschreiber erzählt:
,, Als ich im April 1809 in der Hauptstadt anlangte, fand ich diese gegen 1807, wo ich bei meiner heimlichen Reise nach Ostpreußen dort verweilt hatte, ungemein vorteilhaft verändert. Selbst die leichtsinnigen und charakterlosen Mittelstände in Berlin hatten endlich eingesehen, welch ein Drud durch die Gewaltherrschaft der Franzosen auf Preußen ausgeübt wurde, und von der Verherrlichung des Franzosentums war jetzt dort wenig mehr zu finden. Hatten doch die reichen Modegeden, die 1806 sich gar nicht schnell genug möglichst reichbesticke Uniformen anschaffen fonnten, um damit zu ihrer eigenen Schmach und zum gerechten Aerger aller Patrioten als Ehrenwachen vor den französischen Marschällen aufzureiten, ihren solche empfindliche Verluste an ihren Geldbeuteln verwundbarsten Teilen erlitten, daß ihnen schon jetzt die Lust zu dergleichen aberwigigen Torheiten vergangen war. Die schlimmen Jahre von 1806-1813 waren nötig, um das leichtfinnige Berlin zu dem wahrhaft patriotischen Eifer zu bringen, den es 1813 zu seinem eigenen Ruhme und zu Deutschlands Nutzen in so großartiger Weise gezeigt hat."
So berichtet uns der Tagebuchschreiber, der die Freiheitskriege mitgemacht hat und erst im Jahre 1859 gestorben ist. Traurig war diese Zeit vor 125 Jahren! Aber die Hoffnung, daß es besser werden würde, lebte in den Herzen aller Vaterlandsfreunde. Dieser Hoffnung gab Ernst Moriz Arndt in den Worten Ausdrud:
Es ziehen die Dä.nonen,
Schwanger mit Blut und Schmach; Doch die auf Sternen wohnen, Senden die Rache nach.
Dr. L. R.


