Nr. 32
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Gießener Zeitung
( Gießener Tageblatt)
Erscheint Mittwochs und Samstags. Bezugspreis 2,40 M vierteljährlich frei ins Haus. Redaktionsschluß früh 8 Uhr. Für Aufbewahrung oder Rüdendung nicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert.
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Bolitische Rundschau.
Der Präsident des Haager Internationalen Schiedsge:
richtshofes hat die Verhandlungen über das deutsch- österreichiiche Zollablommen auf den 20. Juli festgesetzt.
Die Finanzlage der Reichsbahn bliebe trotz der Gehalts
einsparung nach wie vor ernst. Ueber die Ausdehnung des
100 Millionen R.-Mt. umfassenden Arbeitsprogramms auf das in der Notverordnung vorgesehene 200 Millionen R.- Mt.Programm schweben noch Verhandlungen.
Der Reichskanzler beabsichtigt, sobald es die außenpolitische Page gestattet, auf Anraten seines Arztes einen mehrtägigen Erholungsurlaub anzutreten.
Am Freitagvormittag wurde Botschafter a. D. Dr. Sthamer auf dem Ohlsdorfer Friedhof in Hamburg beigesetzt. Aus diesem Anlaß hatten alle öffentlichen Gebäude im Hamburger Staatsgebiet sowie die Schiffe im Hafen Halbmast ge= flaggt.
In dem Prozeß gegen sechs Kommunisten wegen des Ueberfalls auf Nationalsozialisten am 13. April in der Wilhelmsaue verurteilte das Schwurgericht in Berlin die Angeklagten Achtenberg und Hoffmann zu je ver Jahren Zuchthaus, den Angeflagten Steinheuer zu einem Jahr neun Monaten Zuchthaus und den Angeklagten Wetzel zu neun Monaten Gefängnis.
Die Tschechoslowakei wird vorläufig feinen formellen Standpunkt zum Hoover- Angebot einnehmen, sondern das Ergebnis der Verhandlungen in Paris abwarten.
Der österreichische Gesandte hat dem Staats- Departement die offizielle Annahme des Hoover- Plans durch Desterreich mitgeteilt.
Mussolini erwägt Sondervorschläge Jtaliens in der Repa tationsfrage. Mussolini steht seit Mittwoch mit Washington in engstem Meinungsaustausch.
In der italienischen Presse wird weiterhin auf die große politische Bedeutung des bevorstehenden deutschen Besuches in Rom hingewiesen und außer dem Abrüstungsproblem Tributund Kriegsschuldenfrage sowie zollpolitische Dinge als Geprächsthema genannt.
Im französischen Senat begann die Beratung des Flottenbauprogramms 1931-32, wobei scharfe Angriffe gegen Deutschland gerichtet und zum Schluß die Tagesordnung in der be= reits von der Kammer verabschiedeten Form angenommen wurde.
Die französische Regierung will die Kammer heute in die Ferien schiden, um für die kommenden Verhandlungen freie Hand zu haben.
Der stellvertretende Militärattache von der französischen Botschaft in Berlin, de Mierry, der in den Königsberger Spionagefall verwidelt war, ist von der französischen Regierung Den seinem Pesten abberufen worden.
Am Donnerstag hat sich im englischen Unterhaus seit langen Jahren zum ersten Male der für englische Verhältnisse unerhörte Fall zugetragen, daß ein Mitglied des Hauses gewalt= jam entfernt werden mußte, nachdem es zu einem Handgemenge im Sigungsjaal gekommen war. Diesen Reford machte der schottische Sozialist Mac Govern.
Einigung in Paris.
Paris, 3. 7. In der französisch- amerikanischen Konferenz Sheint eine grundsätzliche Einigung erzielt worden zu sein. Um Mitternacht begab sich Unterstaatssekretär Francois Poncet in die Kammer, um den Ministerpräsidenten Laval von dem
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Samstag, den 4. Juli 1931
( Neueste Nachrichten)
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Nummer 53
Insgesamt erhöht sich das Defizit vom Vorjahre, das sich auf| geschäft des Cattlerhandwerks, das sonst um diese Jahreszeit 1030,5 Millionen Mark belief, durch die Mehrausgaben in den Monaten April und Mai 1931 von 48 Millionen Mark auf insgesamt 1078,5 Millionen Mart bis Ende Mai. Hierbei ist nur der ordentliche Haushalt berücksichtigt. Dazu kommt ein Defizit des außerordentlichen Haushalts, das Ende Mai sich auf 267,7 Millionen Mark belief.
Anhaltender Devisenbedarf.
Berlin. Der Geld- und Devisenmarkt ist nach wie vor ziemlich angespannt. Dabei ist die Frage ungeklärt, ob vornehmlich Abziehungen von ausländischen Banken oder Käufe aus dem Publikum vorliegen. Man behauptet auch, daß in Berlin von ausländischer Seite größere Martbeträge verkauft worden seien. Die Reichsbank hat sich daher entschlossen, ihre Politik der Kreditrestriktion zu verschärfen. Die Rationalisierung soll aber nicht allgemein, sondern, wie bisher, auch in Zukunft individuell ge= handhabt werden. Das nächstliegende Mittel, nämlich eine ener= gische nochmalige Diskonterhöhung, scheint im Augenblid noch nicht beabsichtigt zu sein.
Die Reichsbank hat seit dem 30. Juni wieder etwa 130 Millionen an Devisen abgeben müssen.
Severings Schießerlaß.
Berlin. Innenminister Severing hat an sämtliche preußische Polizeiverwaltungen einen Erlaß gerichtet, der zunächst die be= stehenden Bestimmungen über die Handhabung der Waffengewalt durch die Polizeibeamten in Erinnerung bringt. Weiter sagt der Erlaß, daß jeder Führer einer zusammengefaßten Polizeimannschaft oder jeder einzelne Beamte zur Brechung tätlichen Widerstandes gegen seine Person und sein Leben bezw. gegen die Staatsautorität das Recht zum Gebrauch der Schußwaffe habe. Wenn die bisherigen Erlasse von der Abgabe von Schredschüssen sprächen, solle dies nicht dazu führen, daß die scharfe Anwendung der Schußwaffe unterbleibe. Er, der Minister, werde feinem Beamten, der auf Grund dieses neuen Erlasses von der Schuhwaffe Cobrauch macho, soinen Schuh vorsagon.
Die Spartakiade verboten.
Berlin. Der Polizeipräsident teilt mit: Sofort nach Bekanntwerden der kommunistischen Ueberfälle hat beim Minister des Innern unter Hinzuziehung des Polizeipräsidenten Dr. Weiß, der den zur Zeit beurlaubten Polizeipräsidenten vertritt, eine Besprechung stattgefunden. Als Ergebnis dieser Bespre chung hat der stellvertretende Polizeipräsident aufgrund der durch die kommunistischen Ueberfälle neu entstandenen Lage die Spartakiade verboten. Das Verbot wird mit allem Nachdruck durchgeführt werden.
Gehaltskürzungen
auch bei firchlichen Beamten.
Die hessische evangelische Kirchenregierung und der Finanzausschuß der Landeskirche haben in einer Sitzung vom 18. Juni über die Anwendung der Notverordnung bei firchlichen Beamten Beschluß gefaßt. Bei der seit Jahren bestehenden besonderen Belastung der Geistlichen und der außerordentlichen Kürzung der Gehälter der kirchlichen Beamten sind sie nur mit größten Bedenken der Notverordnung gefolgt. Sie haben aber geglaubt, bei der in Reich, Land und Gemeinden herrschenden Not dennoch auch die neuen Kürzungen im Bereich der Landeskirche anwenden zu müssen. Auch die Bezüge der Bediensteten der Kirchengemeinden sind entsprechend zu kürzen.
verhältnismäßig lebhaft war, erfuhr, in diesem Jahre keine nennenswerte Belebung. Der Absatz von Reiseartikeln ließ vielmehr sehr zu wünschen übrig. Etwas günstiger war die Beschäftigung der Betriebe in ländlichen Gegenden, da durch die Heuernte sowie durch die bevorstehende Getreideerntezeit die Aufträge für Reparaturarbeiten an landwirtschaftlichen Geräten etwas zahlreicher waren. Andererseits hat das ländliche Handwerk in verschiedenen Gebieten schwer unter den Umvetterkatastrophen zu leiden gehabt, so daß es sich hier so leicht nicht wieder erholen wird.
Infolge der großen Arbeitslosigkeit unter den Arbeitern hat die Schwarzarbeit einen ungeahnten Umfang angenommen. Die Eristenz zahlreicher Handwerksbetriebe wird hierdurch stark gefährdet. Die Forderung nach einer nachhaltigen Bekämpfung der Schwarzarbeit wird daher immer stärker erhoben; doch haben sich bis jetzt alle Maßnahmen als praktisch unzureichend erwiesen. Der Arbeitsmarkt des Handwerks hat nur eine geringe Entlastung erfahren. Arbeitskräfte wurden, wenn überhaupt, meist nur vorübergehend eingestellt. In verschiedenen Handwerksberufen mußten sogar neue Entlassungen vorgenommen werden.
Wirtschaftsfreiheit gegen Wirtschaftsnot!
Der Hansa- Bund veröffentlicht in seinem Bundesorgan in diesen Tagen folgende Mahnung:
Wir stehen in Tagen unsagbarer politischer und wirtschaftlicher Spannungen. Mit furchtbarer Eindringlichkeit wurde dem deutschen Volke, wurde der Welt zum Bewußtsein gebracht, daß die Vergewaltigung der wirtschaftlichen Lebensgrundlagen der gegenwärtigen Rechts- und Gesellschaftsordnung durch politische Eingriffe Deutschland, Europa, die Welt an den Rand des Chaos geführt hat.
Die Botschaft des amerikanischen Präsidenten Hoover kann den Weg zur Rettung öffnen. Sie ist ausgetragen von der Erfenntnis, daß die von der Politik erzwungenen Verlagerungen wirtschaftlicher Kräfte ausgeschaltet und zurückgeschaltet werden müssen, damit die Gesamtheit der Nationen in ihrer wirtschaftlichen Arbeit der Steigerung der kulturellen und sozialen Wohlfahrt der Völker zu dienen vermag. Sie ist getragen von der Erkenntnis, daß die von der Politit erzwungenen Verlagerungen wirtschaftlicher Kräfte ausgeschaltet und zurückgeschaltet werden müssen, damit die Gesamtheit der Nationen in ihrer wirtschaftlichen Arbeit der Steigerung der bulturellen und sozialen Wohlfahrt der Völker zu dienen vermag. Sie ist getragen von der Erkenntnis, daß die Tätigung politischer Eingriffe in die Wirtschaft schlechthin Not, Elend, Verwirrung, ja Untergang nach sich zieht.
In unserem Kampf für Wirtschaftsfreiheit gegen Wirtschaftsnot haben wir seit langem den nationalen und sozialen Grundcharakter alles Wirkens freier Marktwirtschaft immer und immer wieder betont. Ausschaltung der Reparationen und interalliierten Kriegsschuldenzahlungen- das war und ist uns Voraussetzung weltwirtschaftlicher Gesundung.
Wir stehen an einem entscheidenden Wendepunkt deutscher Geschichte, weltwirtschaftlicher Entwidlung!
Aus der unmittelbaren Gefahr, im Chaos zu versinken, hat uns im letzten Augenblick die Erkenntnis Amerikas, selbst dabei in seinen Lebensgrundlagen aufs schwerste erschüttert zu werden, gerettet. Jetzt heißt es, nach außen darum fämpfen, daß aus der Atempause sich ein Dauerzustand freier weltwirtschaftlicher Zusammenarbeit, unbelastet von der zerstörenden Wirkung politisch bedingter Kräfteverlagerung entwickelt. Jetzt heißt es nach innen unter der Devise:
Wirtschaftsfreiheit gegen Wirtschaftsnot dafür kämpfen, daß das deutsche Haus in Ordnung gebracht wird. Die Entlastung von den Reparationen darf nicht dazu ver
Stand der Konferenz zu unterrichten. Nach seiner Rückkehr Bericht über die wirtschaftl. Lage des deutschen leiten, den Kampf aller gegen alle um die Verteilung der 1,5
ins Innenministerium wurde die Sitzung wieder aufgenommen. Gie zog sich bis kurz vor 1 Uhr hin. Nach Schluß der Sitzung verlas der Unterstaatssekretär folgendes Kommuniqué: Schatzcmtssekretär Mellon und Botschafter Edge haben gestern abend im Ministerpräsidium mit Laval, Briand, Flandin und Francois Poncet eine Unterredung gehabt. Schahzamtssekretär Mellon hat die Bestätigung abgegeben, daß die amerikanische Regierung beschlossen hat, die Aufrechterhaltung der deutschen Zahlungen des unaufschiebbaren Annuitätenteils anzunehmen, vie dies im Young- Plan vorgesehen ist. Andere Meinungsverschiedenheiten sind beseitigt worden. Die Einigung über den technischen und finanziellen Teil der Verhandlungen soll unter Vorbehalt der Annahme der anderen interessierten Mächte in nächster Zeit zustande kommen.
Der Einnahmerückgang des Reiches verstärkt sich.
Berlin. Der jetzt vorliegende Monatsausweis über die Einnahmen und Ausgaben des Reiches im Mai zeigt an Gesamtcinnahmen 608,2 Millionen Mark, denen eine Ausgabe von 660 Millionen Mark gegenübersteht. Das Einnahmesoll des ganzen Jahres beträgt 10 447,7 Millionen Mark, so daß das Aufkommen hinter dem Jahresdurchschnitt nicht unbeträchtlich zurückbleibt.
Handwerks im Monat Juni 1931.
Rh. Vom Reichsverband des deutschen Handwerks wird uns geschrieben:
Milliarden Reichsmart zu entfachen, die Konzentration aller Kräfte von den beiden großen Aufgaben abzulenken: Ordnung des Verhältnisses zwischen Staat und Wirtschaft. Wiederherstellung der Entfaltungsmöglichkeiten freier
Marttwirtschaft.
Die auf dem Wirtschaftsleben seit Monaten lastende Depression hielt in der Berichtszeit unverändert an. Dementspre chend hat auch die Wirtschaftslage des deutschen Handwerks feine Belebung erfahren. Selbst die Saisonberufe berichten über flauen Geschäftsgang. Die Bautätigkeit, die für gewöhnlich im Monat Juni ihren Höhepunkt erreicht, war in diesem Jahre sehr gering. Neue Bauvorhaben wurden so gut wie garnicht mehr in Angriff genommen. Das Bauhauptgewerbe war daher in der Hauptsache mit Instandsetzungs- und Umbauarbeiten beschäftigt. Auch an derartigen Aufträgen herrschte großer Mangel, weil Geldmittel fehlen. Die Zahl der arbeitslosen Bauarbeiter betrug in einer Anzahl von Kammerbezirken 70-80 Prozent. Von kleineren örtlichen Unterschieden abgesehen, war auch die Beschäftigung der Baunebengewerbe gering. Ueber eine sehr gedrückte Wirtschaftslage klagen ebenfalls die Bekleidungshandwerke. Selbst für die Nahrungsmittelhandwerke macht sich die geschwächte Kaufkraft der Bevölkerung in einem empfindlichen Rückgang des Absages bemerkbar. Die Belebung des Abfases, die die Reisezeit in früheren Jahren mit sich zu bringen pflegte, blieb in diesem Jahre beinahe völlig aus. Das Verkaufs Freiheit, dem Geist deutscher Zukunft zu dienen.
Unabhängig von den Reparationen bleibt es erforderlich, durch stärkste Ausgabendrosselung den öffentlichen Bedarf um 3 Milliarden Reichsmart zu senken. Unabhängig von den Reparationen bleibt es erforderlich, den deutschen Geldmarkt von dem unerträglichen Drud von mehr als 2 Milliarden Reichsmart schwebender Schulden der öffentlichen Hand zu befreien.
Es gilt, durch Ausschaltung der Fehler des letzten Jahrzehnts deutscher Wirtschaftsgesetzgebung für die deutsche Wirtschaft einen Standort zu gewinnen, von dem aus sie binnen- und weltwirtschaftlich ein Höchstmaß an Leistung im Dienste deutscher kultureller und sozialer Entwicklung zu erringen vermag!
Hierfür zu kämpfen, ist unsere Aufgabe. Wir gehen an die Arbeit der kommenden Monate heran in dem stolzen Bewußtsein, in den jüngsten Ereignissen die erneute Bestätigung der Richtigfeit unseres Weges erblicken zu können.
Wir rufen unsere Mitglieder und Freunde, wir rufen unser deutsches Volk, wir rufen die Jugend Deutschlands auf, im Streben um den nationalen, fulturellen Fortschritt dem Geist der


