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Samstag, den 6. September 1930.

flüssigkeit, die wir mit der Blumenspende begehen

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es ist die Geste der Freundschaft und Liebe zu einem, dem wir nie wie­der Gutes tun können. Reiner sollte von der schönen alten Sitte weichen, in der das Gefühlsleben eines Volkes nieder­gelegt ist, und die lebendig zu erhalten, uns am Herzen liegen muß wenn wir ein Kulturvolk bleiben wollen, das sich nicht vom Geschäftsgeist der Zivilisation überrennen läßt. Kranz, Strauß oder ein paar lose Blüten, das mag jeder halten, wie er will, aber ohne diesen letzten Lebensgruß sollte er keinen ihm bekannten Menschen aus dem Leben gehen sehen. Das letzte Lebewohl sei das Lieblichste, was die Welt zu bieten hatte Blumen!

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* Der 31. Oktober tirchl. Feiertag. Das letzte Verord­nungsblatt der Ev. Landeskirche für Hessen teilt das Ausschrei­ben des Hess. Kultusministeriums mit, in dem die hessischen Schulleitungen darauf verwiesen werden, daß in allen Orten, in denen am 31. Oktober eine Feier der protestantischen Reli­gionsgemeinde stattfindet, für die protestantischen Lehrer und Schüler der Unterricht ausfällt. Für die nichtevangelischen Schüler fällt der Unterricht am 31. Oktober nur aus, wenn nach dem Ermessen des Schulleiters ein fruchtbringender Un­terricht für sie nicht möglich ist. Fällt der 31. Oktober auf einen Sonntag, so kommt ein Unterrichtsausfall nicht in

Frage.

* Fundsachen. Das Verzeichnis über die im Monat Au­gust 1930 gefundenen bezw. abgelieferten Gegenstände kann an der Anschlagtafel im Flur des Polizeiamts, Landgraf Phi­lipps- Platz 1, eingesehen werden. Die Empfangsberechtigten werden aufgefordert, ihre etwaigen Rechte innerhalb 2 Mona-­ten beim Fundbüro während der Dienststunden geltend zu machen.

* Kraftpost Gießen- Launsbach Wißmar. Die Fahrzeiten der Kraftpost Gießen- Wißmar werden mit Wirkung

Dom

7. September ab an Sonntagen wie folgt festgesetzt: ab Wiß­mar 12,00 Uhr ab Launsbach 12,12 Uhr, an Gießen 12,25 Uhr. Rückfahrt: ab Gießen Bhf. 17,35 Uhr, an Launsbach 18,00 Uhr, an Wigmar 18,10 Uhr. Nach Ankunft in Wißmar setzt der Postkraftwagen um 18,12 Uhr die Fahrt bis nach Krofdors fort, woselbst er um 18,20 Uhr ankommt.

* Doppeljubiläum der Gießener freiwilligen Feuerwehren. Heute und morgen feiern die Gießener Freiwillige Feuerwehr und Freiw. Gailsche Feuerwehr ihren 75. Geburtstag. Vorge­sehen ist für heute abend ein Kommers auf der Liebigshöhe, verbunden mit einer Theateraufführung; morgen früh findet nach dem Kreisfeuerwehrtag im Café Leib eine Uebung der hiesigen Wehren, am nachmittag ein Festumzug durch die Stadt zur Volkshalle und dortselbst die große Jubiläumsfeier statt. Wir wünschen beiden Vereinen guten Verlauf der Feiern und wollen nicht versäumen, den freiw. Feuerwehrmännern anläß­lich dieses Festes wieder den Dank zuzurufen, den sie sich durch ihre opferbereite Menschenliebe verdient haben.

Großes allgemeines Preisschießen und 2. Hajjia- Verbandsmeisterschaftsschießen.

am 7. September 1930 zu Gießen. Kommenden Sonntag, den 7. September, hat die Klein­tfaliber- Schießabteilung des Kriegervereins Gießen, resp. deren Meisterschützen Willi Georg, Wilhelm Hainbach, Heinrich Mooz und Georg Schilling, den Hassia- Wanderpreis zu verteidigen, den jie am 1. September vorigen Jahres in Offenbach a. M. unter sehr scharfer Konkurrenz sich errungen hat. Dieses Meister­schaftsschießen ist jazzungsgemäß am Ort der Sieger auszutra­gen, also hier in Gießen. Geschossen wird auf den schießtechnisch sehr guten Anlagen des Schützenvereins Gießen. Vom Ver= bands- Schießmeister der Landeskriegerkameradschaft Hassia, Herrn Major a. D. Pohl Büdingen, sind aus den 81 Mannschafts­gruppen, die Ende Juli und Anfang August ds. Js. sich an den Hajjia Bezirksmeisterschaftsschießen beteiligt haben, 23 Mann­schaftsgruppen bestimmt worden, die nun um die Verbands­meisterschaften kommenden Sonntag fämpfen. Neben diesem Verbandsschießen hat das am selben Ort und zur selben Zeit statt­findende große Breisschießen, für das rund 100 Preise im Werte von 2000 Mark ausgesetzt sind, allgemeines Interesse. Hier fann jeder mitschießen und von den wertvollen und schönen Preisen sich den oder jenen erringen. Das Preisschießen be­ginnt schon am Samstag, nachmittags 2 Uhr, und Sonntags früh 8 Uhr. Ein Teil der wertvollen Preise ist im Schau­fenster der Pianohandlung Schönau, Seltersweg, ausgestellt. Die Schießleitung befindet sich Gießen, Südanlage 21.

K

,, Gießener Zeitung"

* Wahlversammlung. Am tommenden Montag, abends 8 Uhr, spricht der Kandidat der Reichspartei des deutschen Mittelstandes, Prof. Dr. Horneffer von hier, im Cafe Leib über ,, Privatwirtschaft und Sozialismus.

* Wiedersehensfeier der ehemal. 48. Res. Inf. Division ( Regimenter 221, 222, 223, 224 und 48 F. Art.) Am 6. und 7. September findet in Nassau/ Lahn eine Wiedersehensfeier statt. Die Feier soll in echter und gemütlicher Kameradschaftlichkeit abgehalten werden.

Aus Nah und Fern.

Annerod bei Gießen. Die hiesige evangelische Kirche hält am morgigen Sonntag eine programmreiche 50- Jahrfeier.

Herchenhain. Die Bestrebungen, bei Herchenhain einen ständigen Flugplatz für Segelflieger zu errichten, sind nun­mehr verwirklicht, die Berufsschule 1 Frankfurt hat bereits be­gonnen, eine große Flughalle zu errichten, die genügend Platz für mehrere Flugzeuge haben soll.

Selters. Ein Forstbeamter, der von der Jagd zurückkam, kehrte im benachbarten Mogendorf in eine Wirtschaft ein. Sein noch geladenes Gewehr legte er auf einen Tisch, an dem niemand saß. Ein im Wirtshaus anwesender neunjähriger Junge, der zur Kur im Ort weilte, machte sich an dem Gewehr zu schaffen und drückte den Hahn ab. Der Schuß frachte und die Schrotladung traf einen Chauffeur aus Mülhofen in den Oberarm. Der Ge­troffene wurde schwer verletzt ins Krankenhaus Dernbach ge­bracht.

Landestreffen der VDA.- Jugend.

Büdingen. Das hier in den letzten Tagen stattgehabte Landestreffen der Hessischen VDA- Jugend( Verein für das Deutschtum im Ausland) nahm bei starker Beteiligung aus allen Bezirken Hessens einen prächtigen Verlauf und ist zu einer imposanten Kundgebung für den VDA.- Gedanken und seine Ziele geworden. Es sprachen bei einer großen Morgen­feier der Vorsitzende des Verbandes, Dr. Brandsch, ein Vertre­ter der Bukowina, Pfarrer Harth aus Wien und Dr. Scheuring aus Darmstadt.

Stockstadt. Es waren nur geringfügige Verfehlungen, die sich der Bahnsteigschaffner Roth hatte zuschulden kommen las= sen, und in dem eingeleiteten Strafverfahren wäre er nicht gar

Flurnamen der Gemarkung Beuern.

Von Wilhelm Arnold- Beuern. 1. Fortsetzung.

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Weiterhin dehnt sich ein Wiesengrund aus: im Weidloh Baum oder Gesträuch­( mundartlich: im Weiluh). Loh= gruppe innerhalb des bebauten Feldes. Einige Weidenstrünke, wie sie sich früher vielfach in Gärten und an anderen Stellen vorfanden, verliehen hier den Namen. Weiter aufwärts, der Kreisstraße folgend, am Grabacker vorbei, der den Ganerben ( v. Bused) gehörte, gelangen wir auf die Kreuzer. Hier stan­den wahrscheinlich ehemals solche Steinkreuze 2, wie sie sich mehrfach noch jetzt, auch in der näheren Umgebung vorfinden und religiösen Zwecken dienten. Rechts der Straße dehnt sich das Platzfeld( das große Feld), links das Lützelfeld( das kleine Feld) aus. Vor uns liegt nun eine Niederung, im Siegen"

2

Zwei solcher Steinkreuze befanden sich zwischen Großen­und Alten- Bused, eines an der Wegbiege nach Trohe, noch jetzt sichtbar, während das andere, das dicht vor erstgenanntem Ort stand, wegen Bebauung des Geländes entfernt werden mußte und ins Museum zu Gießen gebracht worden ist. Ein drittes Kreuz stand seither noch neben der Kirche zu Großen­Bused. Auch in der Gemarkung Reiskirchen hat sich ein solches erhalten und war an dem alten Weg nach Großen- Buseck. Es zeigt Spuren von einem zweiten eisernen Kreuzchen, welches sich oberauf befand. Das Volk glaubt, daß diese Kreuze die Grab­stätten in früheren Kriegen gefallener Offiziere bezeichnen. Die beiden erwähnten Kreuze bei Großen- Buseck sollen das Ge­denken an die 1621 daselbst stattgefundene Schlacht wahren, die übrigens neuerdings bestritten wird und bezüglich deren auch in den kirchlichen Schrifttümern Großen- Buseds feine Anhalts­punkte zu erweisen sind. Es läßt hier zwei Offiziere fallen und bestattet werden, während bei Reiskirchen ein solcher im 7jähri­gen Kriege verfolgt und getötet wird. Letzterem steht aber ent­gegen, daß das steinerne Kreuz schon 1615 in den Schrifttümern der Pfarrei erwähnt wird. Auch die, auf dem Kreuzerfeld bei Bingenheim vermuteten Steinkreuze werden die gleiche Be­stimmung wie die angeführten in unserer Gegend gehabt haben. Zu Steinbach steht noch aus katholischer Zeit ein Kreuz aus Basalt am ,, Stannkreuzweg", ein zweites stand daselbst vor der Kirchgasse.

Nr. 71.

zu hart bestraft worden. Dennoch machte Roth seinem Leben durch Erhängen ein Ende.

Frankfurt a. M. Pfarrer Steubing aus Heddernheim wurde wegen Urkundenfälschung und fortgesetzter Unterschlagung zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt. Von der Anklage des Be­trugs wurde er freigesprochen.

Frankfurt a. M. Das Opernhaus in Frankfurt a. M. feiert vom 10. 16. Oktober sein 50jähriges Bestehen mit einer Fest­woche.

Opfer der Berge.

Kassel. Die beiden 23- und 19jährigen Söhne Heinz und Walter des Direktors Hoffmann in Wilhelmshöhe, die ihre Universitätsferien in Tirol verlebten, hatten seit Anfang Au­gust tein Lebenszeichen mehr von sich gegeben. Jetzt trifft hier die Nachricht ein, daß das Brüderpaar am 8. August bei einem Schneesturm in den Bergen ums Leben gekommen ist.

Explosionsunglüd.

Essen. In der Stahlformgießerei der Kruppschen Gußstahl­fabrik erfolgte ein Explosion, bei der ein Meister und zehn Ar­beiter verletzt wurden.

Diamond in Bremen.

Bremen. Diamond, der sogenannte Unterwelt- König, der in Aachen von den deutschen Behörden festgenommen wurde, ge= langte Donnerstagmorgen 4 Uhr in Begleitung von zwei Kri­minalbeamten in Bremen an. Auf dem Bahnhof wurde ein kleines Frühstück eingenommen, worauf man sich um Passage für die Ueberfahrt nach Amerika bei dem Norddeutschen Lloyd bemühte. Man beabsichtigte zunächst, ihn mit dem abgehenden Dampfer ,, Berlin" zu befördern. Da dieser aber voll besetzt ist, war der Abtransport unmöglich. Außerdem scheint der Lloyd feine große Neigung zu haben, den Verbrecherkönig nach Ame rika zurückzubefördern. Man bemüht sich deshalb um eine Pas­sage bei einer amerikanischen Schiffahrtslinie.

Der Mitgliederbestand des Deutschen Sängerbundes.

Nach den neuesten Angaben in der Deutschen Sängerzei­tung" zählt der Bund nunmehr( Stichtag war 1. Januar 1930) 16 103 Vereine mit 573538 singenden Mitgliedern gegenüber 15 715 Vereine mit 582 120 Sängern am 1. Januar 1929. Zum ersten Male seit vielen Jahren ist die Aufwärtsbewegung des DSB. unterbrochen worden durch einen Rückgang an Sängern, während die Zahl der Vereine gestiegen ist.

oder, im Kelluh"( amtliche Schreibweise noch richtig: ,, Kirr­lok"). Das Grundwort Kir findet sich in süddeutschen Mund­arten und bezeichnet einen Sumpf, es erscheint aber auch in unserer Nähe, in Kirbach unweit Nanzhausen, Kr. Marburg. Der Flurnamen Kirrloh" ist am Entschwinden und wird von der Namensform Siegen" überholt.( Von siegen, allmählich abfließen, sickern, seien.) Letztere kommt ungemein häufig in der Nähe( Alten- Busecker Gemarkung) und weiterhin vor und bezeichnet eine Niederung, in welche die Abwässer der Um­gebung einmünden. Die amtliche Schreibweise ,, auf dem See" gründet sich auf den dort angelegten kleinen Teich, der den Zweck hatte, das angesammelte und darin aufquellende Wasser der Neumühle zuzuführen. Die Niederung ,, im Siegen" war, bevor dieselbe um 1843 bei der Feldvermessung durch einen Damm überbrückt wurde, ein gewaltiges Hemmnis für den Ver­fehr mit Großen- Bused, aber weder die Kriegsvölker in früheren Zeiten, noch auch die Plettengäste, wie die Zigeuner früher hier genannt wurden, haben sich dadurch von einem Besuch unseres Dorfes abhalten lassen. Unter einem alten Baum in der Nie­derung sollen die braunen Gesellen in der Regel sich gelagert haben, daher die Stelle, die Plettenherberge hieß.

Jm Volke gilt ,, das Siegen" als eine Unglücksstätte und als nicht geheuer. In der Tat sind daselbst und in der näheren Gleich Umgebung schon häufig Unglüdsfälle vorgekommen. nachdem der Damm aufgeschüttet war, stürzte ein mit Holz be­ladenes Fuhrwerk hinunter. Das Pferd des Fuhrmanns Henẞ, auf dem Heimweg begriffen, soll angeblich vor einem Spuf ge= scheut haben und raste in das Tal hinunter in den Bach. Der Fuhrmann mag wohl etwas angetrunken gewesen sein, er starb zu Haus wie jener Knecht der Brüder Zutt in Gießen, der vor einigen Jahren ein kostbares Pferd an einem Baumstamm im Siegen zerschellen ließ. Wieder in nächster Nähe begab es sich, daß der, von der Hochzeit seiner Tochter von Großen- Bused zu­rückkehrende Forstwart D. aus Beuern vom Weg ab in eine Schneewehung geriet und nur durch die Hilfe des damaligen Besitzers der Neumühle und seines Knechtes, die in weiter Ferne seine Rufe gehört hatten, gerettet wurde. Fortsetzung folgt.

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