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Samstag, den 6. September 1930.

Mehr Grünland!

Von Tierzuchtinspektor Dr. P. Lieb.

Dem gesamten Grünland, wozu Wiesen, Weiden und Fut­terbau gehören, wurde in früheren Jahren viel zu wenig Be­achtung geschenkt. Durch das große Angebot von Kraftfutter­mitteln hatte es der deutsche Landwirt, der damals noch Geld in den Fingern hatte, leicht, den Futtermangel der eigenen Wirtschaft zu ergänzen. Die schweren wirtschaftlichen Zeiten des Krieges und der nachfolgenden Jahre zwangen den vieh­haltenden Landwirt, andere Wege zu gehen, und erst dann entstand eigentlich der Begriff Grünland".

Intensiver Ackerbau kann auf die Dauer nur durch Stall­mist, der durch Kunstdünger ergänzt wird, betrieben werden. Ersterer ist aber ein wichtiges Nebenprodukt der Tierhaltung und Zucht. Viehzucht und Grünland sind aber unzertrennlich. Daß sich der deutsche Bauer immer mehr vom Kraftfutter­markt des Auslandes losmachen muß, ist eine wirtschaftliche Notwendigkeit. Das eine steht heute fest, daß das Grünland heute so entwickelt werden kann, daß es die deutschen Tier­bestände restlos ernährt. Ein ,, intensiv" geleiteter Gutsbetrieb muß nicht immer vorwiegend Ackerbau betreiben, wie irrtüm­lich noch vielfach angenommen wird, sondern kann und muß diese Intenvisität auch auf das Grünland, das im allgemeinen geringeren Arbeitsaufwand beansprucht, ausdehnen Es ist des­halb auch oft betriebswirtschaftlich richtiger, allzuschwere Acker­böden, ungünstig gelegene Feldstücke oder moorige Böden, die ertragunsicher sind, in Grünland umzuwandeln. Dabei darf natürlich die Frage des Wasserhaushaltes solcher Böden nicht übersehen werden, denn das ist Vorbedingung. Auch der An­bau von Stoppelsaat und Grüngetreide zum Futtern, wodurch wir in 2 Jahren 3 Ernten erzielen, gehört hierher.

Die Grünlandwirtschaft muß in Zukunft die feste Grund­lage für die deutsche Tierzucht und Haltung bilden. Wenn Grünland, Tierzucht und Haltung, sowie Ackerbau auf gleiche Stufe gebracht werden, wenn der Landwirt der Zukunft auf Wiese, Weide und im Stall ebenso häufig aufzufinden ist, wie auf dem Felde, dann wird die Wirtschaftslage besser und sicherer werden, sowohl für die Volksernährung als auch für den einzelnen deutschen Wirtschaftshof.

Selbstverständlich muß auch dem Grünland die notwendige Pflege zukommen, wobei die Egge das Hauptgerät bildet. Bei Neuansaaten von Wiesen und Weiden kaufe man nie fertige Grassamenmischungen, sondern lasse sich Art und Menge der Grassamen von einem Fachberater nennen und stelle sich dann das Gemisch selbst zusammen. Sehr wichtig ist ferner die Er­nährung des Grünlandes, wobei der Stichstoff der treibende Faktor ist, der nicht nur Masse, sondern auch eiweißreiches Futter erzeugt. Stidstoffsammler, wie Kleearten usw., benöti­gen nur eine Kaliphosphatdüngung. Wiesen und Weiden fön­nen nur Höchsterträge bringen, wenn ihnen sämtliche Nähr­stoffe zugeführt werden. Der gegebene Grünlanddünger ist der Kompost oder Stalldung, der alle drei bis vier Jahre gegeben werden muß. Da der Nährstoffbedarf der Wiesen und beson­ders der Weiden sehr hoch ist, muß fünstlich beigedüngt werden. In dem Volldünger Nitrophoska II oder III gibt der Landwirt gleichzeitig Stickstoff, Phosphorsäure und Kali. Gerade jetzt im Spätsommer, wo die Pflanzen nach den Forschungsergeb­nissen von Geheimrat Professor Dr. Falke, Leipzig, Reserve­stoffe in den unteren Organen für das kommende Frühjahr ausspeichern, ist eine Düngung angebracht. Die Deutsche Land­wirtschaftsgesellschaft, Berlin, welche, wie in jedem, so auch in diesem Jahre ,, Weidedüngungsversuche" durchführte, fam nach den neuesten Berichten wieder zu dem Ergebnis, daß ein guter und reichlicher Pflanzenbestand nur durch eine gute Pflege der Grasnarbe und durch eine entsprechende Ernährung, wobei der Stickstoff an erster Stelle steht, erreicht werden kann.

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