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Montag, den 31. Dezember 1928.

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Turnen, Sport und Spiel.

Ein neues Jahr mit neuen Menschen.

Zur Jahreswende.

Eine neue Generation wächst auf, ein Geschlecht, das nicht mehr den Weltkrieg in sich trägt, sondern ihn als historisches Ereignis führen kann und darf. Der Krieg schuf eine Trennung, er reinigte die Atmosphäre, die dunstig und trübe geworden war. Die abendländische Kulturepoche war zu Ende gegangen, der Weltkrieg war ihr Totengräber. Eine neue Welt mußte sich aufbauen, wenn das zerrüttete abendländische Europa noch exi­das bedeutet an= dere Menschen mit anderen Gesetzen.

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Kulturen bauen aufeinander auf, müssen sich gegenseitig tützen. Die Männer einer sterbenden Epoche legten den Grund­stein zur neuen; sie gründeten durch eine Tat- die letzte Tat des Jahrhunderts- das neue Gesetz, die neue Lehre:

den Sport.

Der Krieg zerstörte Glauben und Wissen, zerstörte das alte Jahrhundert mit seinen Begriffen. Nur eines überdauerte, das 829. Der Vollzug Reinste und Jüngste, wuchs auf und durchbrach die Tradition, verbreitete sich und drang in die Massen der Völker, erfaßte den Okzident wie den Orient, die neue Welt wie die alte. Der Sport schuf das neue Ethos und das neue Pathos. Die Kunst war frank und blieb es, die Wissenschaft, soweit sie die Lehre Dom Leben betraf, saß in großen Umrissen fest. Der schöpferische Geist wich dem kritischen, der Aufbau wich der Zerstörung. Die Kunst verlief sich und wollte die Sachlichkeit, das Ethos wurde durch Materialismus ersetzt, an die Stelle der Religion trat Unglaube.

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Ein Jahr wendet sich, ein neuer Lebensabschnitt beginnt, eine neue Menschheit entsteht. Die junge Reformationsbewegung des Sports mit ihren Gesetzen der Ritterlichkeit, mit ihrem neuen

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fie um Anerkennung und sie hat ihren Kampf gewonnen. Das Jahr 1929 stellt sie vor neue, bessere Aufgaben.

Als das Jahr 1928 fam, flammerte man sich an die Sym­bolik der olympischen Spiele. Hier war noch ein Kampf auszu­tragen, ein Kampf um die Weltgeltung der Nationen, ein Kampf auch um die Geltung der olympischen Spiele und des ng im Berichtsjahre Sports in seiner ganzen Ausdehnung. Die große Sportschau der Völker in Amsterdam ist vorüber, die Kriegsbegeisterung hat nüchternen Erwägungen Platz machen können. Die An­fänge sind endgültig überwunden worden.

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Amsterdam war das Reisezeugnis für die Sportnatio­Das Examen wurde mit einigen Schönheitsfehlern be­standen. Die Bewegung hatte sich durchgesetzt, das Werk der Männer vor wretzig Jahren wut eisuttt. Wir brauchten ihnen nicht für ihre Tat zu danken, denn sie fanden den stärksten Dank als sie ihr Erzeugnis lebensträftig und mächtig sahen. Wir brauchen nicht mehr kleinlich diese und jene Ergebnisse nachzu­rechnen, um uns an den Erfolgen zu berauschen und aus Miß­erfolgen Lehren zu ziehen. Diese Dinge sind unbedeutend und un­wesentlich geworden, sie bilden nur den kleinen Teil eines Ganzen.

Ob das Jahr 1928 in der sportlichen Leistungsfähigkeit ein Erfolg war, braucht uns wenig zu kümmern. Wir haben Bes­jeres entdeckt: Hoppla, wir leben!" Wir leben gesund und träftig.

An der Schwelle dieses Jahres erkennen wir den Wende­punkt, erkennen wir den Sinn des neuen Zeitabschnitts 1929. Die Tat ist beendet, ist 1928 gekrönt worden. Die Männer mit den Torstangen auf den Schultern haben die Genugtuung, zu er­fennen, daß ihre Mission erfüllt ist. Noch können sie mithun, aber sie brauchen es nicht mehr. Darin liegt für sie die größte Befriedigung: sie dürfen der neuen Generation vertrauen, daß ihr Lebenswerk weitergeführt wird. Es ist nicht mehr zu zer­tören.

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Eine Generation legte den Grundstein. Eine Zwischenge­neration, die durch den Krieg hindurchgegangen und durch ihn geläutert worden war, hat weiter gebaut. Und nun wächst eine neue Generation heran, die frisch und gesund ist. Sie kann das Werk vollenden, braucht nicht mehr mit ihm zu kämpfen. Sie wird die Gesetzgeberin sein. Eine Jugend voller Kraft ist in der Entwicklung einer Jdee herangewachsen. Wir alle mußten diese Idee erst in uns aufnehmen, mußten sie prüfen, verbessern, flären, reinigen, mußten uns mit Begriffen belasten, die uns innerlich anfangs fremd waren wie die Worte, die einer frem­den Sprache entstammten und erst einer Erläuterung bedurften, ehe sie Allgemeingut wurden. Die neue Generation trägt diese Begriffe und Gesetze des Sports in sich, sie sind ihr selbstver= ständlich, Bestandteil ihres Denkens, und die Frage nach Sinn und Zweck ist bei ihr überflüssig geworden, weil der Sport von morgen Selbstzwed sein wird, wie der von gestern noch eines Zieles der Körperpflegebedurfte, um sich Geltung zu ver­schaffen.

Daß eine Jugend den Schauplatz der Ereignisse betritt, die sich eine neue Welt schafft, daß endlich der Weg gefunden ist, Den Weltkrieg zu überwinden, daß einem alternden Kontinent doch wieder ein Weg zur Erneuerung und Befreiung gewiesen wurde, das ist die tiefere Symbolik der Jahreswende 1928-29. Edgar.

Die Bilanz des Jahres.

Sinnspruch.

Der Jugend heitrer Morgen Ist wolkenlos und hell;

Es schlafen noch die Sorgen, Es springt der Freuden Quell. Sei uns gegrüßt, du junges Jahr, Was du uns bringst auch immerdar, Die Welt voll Lust und Hoffen Steht unsrer Jugend offen!

Wird eruster auch das Streben Und ernster unser Sinn,

Wenn dunkle Schatten schweben

Um unser Dasein: hin,

Wenn weicht der goldnen Träume Pracht Der Wirklichkeit das Herz hab acht, Den Schaß aus Jugendjahren

Sich immer zu bewahren!

In Treue laßt uns halten Zusammen Mann für Mann, Daß uns des Schicksals Walten Nicht unterkriegen kann!

Laßt nach des Tages Last und Mühn Der Jugend hehres Feuer glühn; Es fehl sein holder Schimmer Uns bis ins Alter nimmer!

Und rauscht in stetem Schwalle Der Zeiten Strom vorbei, Laut unsre Losung schalle: ,, Das Herz bleibt jung und frei!" So widmen wir den Abschiedsgruß Dem alten Jahr! Mit Heil! und Kuß Das neue woll'n empfangen

Wir freudig ohne Bangen!

bunn eine Umstellung der Sportverbände bemerkbar. Nicht mehr die Spitzenleistung, die ,, Arbeit in die Breite" wurde zur Losung. Neue Wege werden gesucht, das Zielbewußtsein soll wieder ge­stärkt, die Idee des Sportes in deutlicherem Maße aller Arbeit vorangestellt werden.

Die olympischen Spiele.

Nach 16jähriger Pause besuchte der deutsche Sport im Som­mer 1928 zum erstenmale wieder olympische Spiele. Ein Welt­brand hatte in dieser großen Pause dem deutschen Haus die schwersten Verluste an materiellem und geistigen Gut zugefügt. Reine andere Nation der Welt hatte so schwer gelitten. Aber einem Vogel Phöniz gleich erhob sich dieses Volf wieder aus den Trümmern. Ein wesentlicher Faktor in der übermensch­lichen Aufbauarbeit war der Sport. Er half dabei, den kranken deutschen Menschen wieder aufzurichten. Beispiellos war der Auf­stieg des deutschen Sports. Er drang in alle Schichten des Vol­fes und führte zu Leistungen, die auch die Achtung der Völker er­zwang ,, die den deutschen Sport noch lange Jahre nach Kriegs­ene boykottierten. 1928 waren wir in Amsterdam zum ersten­male wieder bei dem sportlichen Wettstreit der Völker. Amſter­dam sollte den Beweis für die internationale Geltung, für die Lebens- und Leistungsfähigkeit des deutschen Sports bringen. Dieser Beweis ist glänzend gelungen. Nicht alle Früchte reif= ten, nicht alle Hoffnungen der allzu Optimistischen erfüllten sich. Wer aber mit nüchternen Sinnen die Dingen erfaßte, der blieb hochbefriedigt. Dicht hinter dem Land, das im Kriege am wenig­sten litt, das sich eher an ihm stärkte und über unerschöpfliche Reserven an unverbrauchter Menschenkraft und allen Hilfsmit­teln verfügte, gleich hinter den Vereinigten Staaten von Nord­amerika konnten wir uns in der Rangliste der Völker plazieren. Große Sportnationen wie England, Schweden, Frankreich, Jta­lien usw. blieben hinter den Leistungen des deutschen Sports zurüd. Elf Goldmedaillen, neun Silber- und 18 Bronzemedaillen waren die prächtige Ausbeute der deutschen Arbeit in Amster­dam. Von diesen 69 Punkten entfielen auf die Schwerathletik ( Ringen und Gewichtheben) 15, auf die Leichtathletik 13, auf das Schwimmen 11, auf die Kunstwettbewerbe 10, auf Reiten 7, Fechten 6, Rudern 3, Boxen 2, Moderner Fünfkampf und Rad­fahren je einen Punkt.

Fortschritte im Fußball.

Weit über 800 000 Mitglieder zählt der Deutsche Fußball­Bund. Diese mächtige Organisation hat in der Vergangenheit im internationalen Wettstreit nicht immer die Rolle gespielt, die sie ihrer Größe nach hätte spielen müssen. 1928 brachte aber in dieser Beziehung doch einen Fortschritt. Von sieben Länder­fämpfen konnten fünf gewonnen werden. Das war ein Verhält nis, wie es gleich günstig kein Jahr vorher brachte. Besiegt wur­den die Schweiz 3: 2 und 4: 0, Dänemark und Luxemburg( durch eine rein westdeutsche Vertretung) 2: 1. Verloren gingen die Spiele gegen Schweden 0: 2 und gegen Uruguay 1: 4. Auch die Spiele, die von führenden deutschen Mannschaften gegen Elite­

Wer an das Sportjahr 1928 denkt, dem fallen zunächst die olympischen Spiele zu Amsterdam in den Sinn. Unter der Herr­schaft dieser Spiele stand das ganze sportliche Tun und Trachten des Jahres. Alle Arbeit der Sportverbände war auf die große olympische Prüfung eingestellt, sie ließ die Tätigkeits- und Lei­ſtungskurve mächtig emporschnellen. Viel ist in diesem Jahre im deutschen Sport geleistet worden. Erfreulich in jeder Hinsicht mannschaften des Auslandes während des letzten Jahres aus­war die Ausbeute. Nach den olympischen Spielen machte sich

getragen wurden, bewiesen, daß Technik und Taktik im deut­

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schen Fußballsport Fortschritte gemacht haben. Es gab aber auch Schatten neben diesen Lichtseiten. Zu diesen Schatten zählen die oft erschreckend unsportlichen Auswüchse bei den Punktekämpfen. Es ist noch viel Erziehungsarbeit im deutschen Fußball zu leisten.

Die Deutsche Turnerschaft 1928.

Die Deutsche Turnerschaft wurde von den Arbeiten für Amsterdam nicht belastet, weil sie auf eine Teilnahme an den olympischen Spielen verzichtete. Dafür aber hatte diese große Körperkultur- Organisation ihr machotolles Deutsches Turnfest in Köln. Machtvoll demonstrierte sie in den Kölner Julitagen für ihre Ideen und ihre Arbeit. Dieses Kölner Turnfest war ein großer Erfolg. Erfolgreich und fast ungetrübt war auch die ganze Jahresarbeit der Deutschen Turnerschaft. Man muß feſt= stellen, daß die D. T. bei aller Wahrung alter Traditionen doch einen bemerkenswerten frischen Geist zeigt. Sie hat sich in man­cher Beziehung modernisiert. Wünschenswert wäre nur, daß die Differenzen zwischen der D. T. und einigen großen Sportver­bänden ganz beseitigt werden. Turnerschaft und Sport haben ihre großen, wertvollen Aufgaben. Wenn einmal endlich zwi= schen beiden Lagern aller 3wist ruhen wird, dann wird das Wirken umso erfreulicher und segensreicher sein.

Zielbewußte deutsche Leichtathletik.

Wenn man bei einem Verband davon sprechen kann, daß er ein besonders starkes Zielbewußtsein hat, dann ist das die deutsche Leichtathletik. Lobenswert war ihre umfassende, plan­mäßige Vorarbeit für Amsterdam. Erfreulich waren aber auch die Erfolge. Bei einer Kritik des Abschneidens der deutschen Leichtathletik in Amsterdam darf man nicht vergessen, daß man faum auf einem anderen Sportgebiet die Beteiligung, die Kon­furrrenz der ganzen Welt so groß war. Die Erfolge hätten aller­dings noch größer sein können, wären nicht manchmal bei un­seren Athleten die Nerven so schwach gewesen. Nach den olympi­schen Spielen hat sich dann die deutsche Leichtathletik zuerst auf die neuen Forderungen der Zeit, auf die ,, Arbeit in die Breite" umgestellt. Bei diesem neuen Weg verrät sie eine Zielbewußtheit, zu der man sie nur beglückwünschen kann.

*

Deutschlands Handball führend.

Handball ist in Deutschland ein sehr populäres Spiel ge­worden. Es hat auch im letzten Jahre seinen erstaunlichen Vor­marsch fortsetzen können. Stetig nimmt die Anzahl der Spiel­mannschaft zu, stetig wachsen bei den Handballkämpfen die Zu­schauermassen.

Schwierigkeiten im Radsport.

Der Amateurismus, das Sorgenfind fast aller Sport­verbände und fast aller Sportnationen, war auch im deutschen Radsport eine heikle Angelegenheit. Man muß aber anerkennen, daß besonders der Bund Deutscher Radfahrer mit Energie und Erfolg eine lobenswerte Säuberungsaktion betrieb. Gegen Ende des Jahres machten auch die Einigungsbestrebungen im deutschen Radsport erfreuliche Fortschritte. Die aktive Tätigkeit im Radsport war sowohl bei den Amateuren wie auch bei den Be­rufsfahrern sehr groß. Die Tatsache, daß die Anzahl der Bahnen in einer Weise wächst, wie sie kein anderes Volk aufzuweisen hat, wirkte sowohl auf die Mitgliederbewegung, wie auch auf die Leistungsfähigkeit befruchtend. Große internationale Erfolge blieben allerdings dem Amateursport und zum Teil auch den Be­rufsfahrern versagt. Bei den Berufsfahrern konnte aber immer­hin der Dauerfahrer Walter Sawall eine Weltmeisterschaft er= ringen und auch bei den Straßenfahrern gab es starte Fortschritte. Der Fliegersport findet in Deutschland immer noch nicht die Würdigung und Förderung. Die Meister des Jahres: Ama­teure: Bernhardt- Hannover Fliegermeister über 1 und 25 Klm., Karl Koch- Frankfurt- Main Straßenmeister, Wanderfalke Dres= den Meister im 100 Km.- Mannschaftsfahren, Turnerschaft Erfurt im 2er und 6er Radball. Berufsfahrer: Stehermeisterschaft offen; Fliegermeisterschaft: Mathias Engel; Straßenmeisterschaft: Felix Manthey- Berlin.

Ein neues Jahr.

1928 war. Viel ist in diesem Jahre im deutschen Sport ge­leistet worden. Erfreulich in jeder Hinsicht war die Ausbeute. Der Erfolg mag den Tüchtigen Lohn sein. Aber es blieben auch Mängel, Krankheiten.

1929 kommt. Viel bleibt zu leisten. Es heißt das gewonnene Gut, die erreichte Linie, zu verteidigen. Es heißt aber auch aus­zubauen, zu roden und zu jäten. Selbsterkenntnis tut in erster Linie not. Selbstkritik an der eigenen Leistung, am eigenen Ver­ein, am eigenen Verbande. Es soll sich niemand genieren, seine Fehler zu sehen. Jrren bleibt menschlich. Wer aber nicht erfen­nen und bessern will, der verliert das Recht, von den Jdealen der Bewegung zu sprechen und ihnen zu dienen.

Diener an der Jdee, Diener des Sports zu werden und zu sein, das muß die Losung für das neue Jahr sein.

Meisterschaftskämpfe in Hessen- Hannover.

Der gestrige letzte Kampf im alten Jahr brachte für die Meisterschaft von Hessen- Hannover schwerwiegende Ergebnisse. In der Südgruppe siegte der Bezirksmeister Kurhessen- Kassel mit 2: 0( 1: 0) über Hermannia und dürfte damit bis zu dem nunmehr mit Sicherheit zu erwartenden Entscheidungsspiel gegen Borussia Fulda das schwerste Bollwerk aus dem Weg geräumt haben. Der Sieg der Kurhessen war in diesem Treffen absolut sicher. Sie zeigten die reifere, geschlossenere und technisch bes= sere Leistung. Borussia Fulda siegte 13: 3 über Germania Marburg. Der Sturm der Plazbesizer war besonders gut auf­gelegt und stellte bis zur Pause das Ergebnis auf 5: 0. Ein