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Gießener Zeitung
( Neueste Nachrichten)
Erscheint Mittwochs und Samstags. Bezugspreis 2,40 M vierteljährlich frei ins Haus. Redaktionsschluß früh 8 Uhr. Für Aufbewahrung oder RüdSendung nicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert.
41. Jahrg.
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Mittwoch, den 31. Oktober 1928
Glückliche Beendung des Amerikafluges.
Der große Erfolg des„ Graf Zeppelin".
Der Empfang in Friedrichshafen. Die Fahrt der letzten Nacht.
,, Graf Zeppelin" hat nach Ueberfliegung der französischen Küste Nantes, Tours, Orleans und Dijon die deutsche Grenze bei Hüningen bereits um 2,55 Uhr morgens passiert. In Friedrichshafen wurde das Luftschiff um 5,50 Uhr zum ersten Male gesichtet. Das Eintreffen des Luftschiffes war der Bevölkerung bereits durch Böllerschüsse angekündigt worden, so daß im Augenblick des Eintreffens der Luftschiffhafen der Zeppelingesellschaft bereits schwarz von Menschen war. Die Menge begrüßte den Zeppelin, als er gesichtet wurde, mit nicht endenwollenden Hurra- Rufen. Trotzdem sich die Landung über 1½ Stunden hinzog, harrte die Menge geduldig bis zum Landungsmanöver des Zeppelin aus. Die Landung erfolgte mit der Genauigkeit, mit der man dies von dem Zeppelin gewöhnt ist. Kurz vor 7 Uhr wurde das Luftschiff wieder sichtbar und näherte sich mit abgestellten Motoren dem Landeplatz. Der Bug neigte fich ziemlich stark. Kurz nach 7 Uhr wurde die erste Landeleine heruntergeworfen. Dann wurden die Positionslaternen und auch die Lichter der Kabinen gelöscht. Unmittelbar danach fiel auch die hintere Landeleine, so daß das Luftschiff um 7,05 Uhr zehn Meter über dem Boden stand. Damit war die Landung vollzogen.
Im Augenblick der Landung stürmte die auf dem Flugplatz befindliche Menge auf den Zeppelin zu, der in wenigen Augenblicken von einer dichten Menge umgeben war. Absperrungsmannschaften waren zwar gestellt worden, ein ernsthafter Versuch, die Menge zurückzuhalten, wurde aber gar nicht erst ge= macht, da dies doch zwecklos geworden wäre. Die Menge tobte vor Begeisterung und schrie zeitweilig so stark, daß der auf dem Platz befindliche Rundfunksprecher nicht mehr zu verstehen war. Die Menge stimmte das Deutschlandlied an und begrüßte Edener mit nicht endenwollenden Hoch- und Hurrarufen. Böllerschüsse ertönten und der Play rings um den Zeppelin schien zeitweilig weiß von winkenden Taschentüchern.
,, Graf Zeppelin" wieder in seiner Halle.
Ueber dem Landeplatz herrscht fast völlige Windstille. Für die Einbringung des Luftschiffes in die Halle war dies das idealste Wetter. Nachdem die Laufkazen befestigt waren, glitt das Schiff mit dem Bug zuerst langsam durch das weitgeöffnete Tor in den von strahlenden Bogenlampen hell erleuchteten Innenraum. Um 7,40 Uhr lag das Schiff in seiner ganzen majestätischen Größe in der Halle. Ein ungeheurer Jubel erfüllte den weiten Raum. Alle Gerüste und Leitern waren mit Zuschauern dichtbesät, die begeistert das Deutschlandlied anstimmten. Der Generaldirektor des Luftschiffbques Zeppelin, der sich an Bord des Schiffes begeben hatte, erklärte mit einigen Worten, daß die Gäste von der langen Fahrt ermüdet wären. und bat Passagiere und Ehrengäste, sich um 6 Uhr abends zu einer Wiedersehensfeier einzufinden. Inzwischen hatten alle Passagiere das Luftschiff verlassen. Nachdem Frau Dr. Edener und Tochter das Schiff bestiegen hatten, folgte ihnen der Reichs= verkehrsminister v. Guerard, der Dr. Edener im Namen der Reichsregierung in Deutschland willkommen hieß. Dr. Edener erklärte, daß sowohl Hin- als auch Rückfahrt manchmal gerade niot fo rosig gewesen sei und daß es oft sehr ernst ausgesehen habe.
Amerita- Europa in 71 Stunden.
Das Luftschiff„ Graf Zeppelin", das am Montag früh um 7,55 Uhr ME3. in Lakehurst zu seinem Rückflug gestartet ist, hat die Gesamtstrecke von 7700 Kilometern in 71 Stunden zu= rüdgelegt.
Die Landung des Zeppelins in Friedrichshafen wurde in Neuyork jubelnd begrüßt. Man bezeichnet es als den Beginn einer neuen Epoche, die den Passagierluftverkehr zwischen Amerika und Europa einleite. Besonders wird die Kürze der letzten Fahrt hervorgehoben, die als Musterbeispiel ohne gleichen bezeichnet wird.
*
Hindenburg an Edener.
Der Reichspräsident sandte an Dr. Edener folgendes Glückwunschtelegramm:
Politische Tagesschau.
Der Reichstag wird nun endgültig auf den 13. November einberufen.
Reichsaußenminister Dr. Stresemann wird am Sonnabend nach Berlin zurückkehren und am Montag seine Amtsgeschäfte wieder aufnehmen.
Reichswehrminister Groener unternimmt vom 3. bis 7. November eine Reise nach Süddeutschland. Er wird die Truppenteile der fünften Division besichtigen.
Der Parteivorstand der Deutsch. Volkspartei, der am 1. November in Heidelberg unter Vorsitz des Reichsministers Dr. Stresemann zu einer Aussprache über die wirtschaftliche Lage zusammentrat, hat beschlossen, den Zentralvorstand der Partei auf den 23. und 24. November nach Berlin einzuberufen. Amerikanische Zeitungen treten in großen Artikeln für den Siau von Groß- Luftschiffen ein.
,, Herzlichen Willkommensgruß zur glüchaften Rückkehr in den Heimathafen. Mit mir freut sich das ganze deutsche Volk der wohlgelungenen großen Fahrt und des sturmerprobfen ,, Graf Zeppelin" vereint in dankbarer und bewundernder Anerkennung der hervorragenden Leistung, die Erbauer, Führer und Besatzung des Luftschiffes vollbracht haben. In der Hoffnung, Sie bald in Berlin persönlich beglückwünschen zu können und mit freundlichen Grüßen gez. v. Hindenburg, Reichspräsident."
*
An Deutschlands kühnsten Luftpionier. Reichsverkehrsminister von Guérard hat folgendes Schreiben an Dr. Edener gerichtet:
,, Hochgeehrter Herr Prosessor! Bei Ihrer Rückkunft heute früh auf deutschem Boden nach Ihrer denkwürdigen Fahrt über den Ozean hatte ich die Ehre, Sie als Ersteren der Heimat wieder begrüßen zu können. Dringliche dienstliche Angelegenheiten zwingen mich, heute abend nach Berlin zurückzufahren, so daß ich, da der Festakt Ihrem verständlichem Wunsche entsprechend, auf den Abend verlegt worden ist, nicht in der Lage bin, vor weiterer Oeffentlichkeit den Willkomm zu entbieten.
Es ist der Willkomm der deutschen Reichsregierung, der Ihnen und Ihrer Besatzung, aber auch den leitenden Köpfen, die das Luftschiff erdacht und denen gilt, die es mit ihrer Hände Arbeit in die Tat umgesetzt haben. Ich bitte, zur glücklichen Rückkehr in die Heimat die Glückwünsche der deutschen Reichsregierung aussprechen zu dürfen. Ich darf hinzufügen, daß auch der Präsident des Deutschen Reichstages mich drahtlich gebeten hat, den Führern und der Besazung auch des Deutschen Reichstages herzliche Glückwünsche auszusprechen. Ich darf selbst wohl sagen, daß ich befugt bin, Ihnen die Grüße des ganzen deutschen Volkes zu übermitteln, dem Ihre Fahrt über den Ozean zu dem befreundeten amerikanischen Volfe eine Herzenssache war.
Zum ersten Male ist die Verbindung zwischen Deutschland und Amerika hin und zurück von einem Fahrzeug der Lüfte bewerkstelligt worden. Diese Tatsache ist ein Merkstein in der Entwicklung der Luftfahrt. Neue Entwicklungsmöglichkeiten eröffnet dieser glüchafte Flug, der trotz Ungunst der Jahreszeit und der Elemente gelungen ist. Sie haben der Welt er= neut bewiesen, daß es nicht heißen darf:„ Luftschiff oder Flugzeug", sondern„ Luftschiff und Flugzeug"!
Deshalb wird aber auch dieser Flug in unserer so schnell lebenden und leicht vergeßlichen Zeit keine Episode sein, sondern ein bedeutsamer Schritt in der Entwicklung zur Beherrschung der Luft, die die Menschen emporhebt in das All. Das deutsche Volk hat es einhellig gefühlt, daß Sie eine neue geschichtliche Tat im Sinne des Grafen Zeppelin ausgeführt haben, eine Tat, die deutsches Können, deutscher Wille, deutsches Wollen und deutsche Tatkraft geformt haben. Möge diese glückhafte Fahrt auch ein Symbol sein, ein Symbol der deutschen Einigkeit in nationalen Fragen, die uns allein eine glüchafte Zukunft sichern kann. Ich darf, Herr Professor, den Wunsch der deutschen Reichsregierung anschließen, daß Sie selbst an der Spize ihrer Besatzung mit dem neuen Luftschiff auch der Reichshauptstadt einen Besuch
abſtatten mögen. Als Bürger der Stadt Berlin weiß ich mich schaft der Stadt Berlin. Ich habe die Ehre zu sein, Herr
in diesem Wunsche auch eins mit der gesamten Bewohner
Professor, Ihr Ihnen tiefergebener Reichsverkehrsminister. ( gez.) von Guérard."
Hessens Glückwunsch. Staatspräsident Adelung hat an Dr. Edener folgendes Telegramm gesandt:
( Gießener Tageblatt)
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Nummer 86
Reichspräsident von Hindenburg als Zeuge.
In dem Prozeß des Rektors von Lama gegen den Hofprediger Doering, den Reichskanzler Michaelis, den Evangelischen Bund und andere, der den Vorwurf Lamas zum Gegenstand hat, daß der Reichskanzler Michaelis sich im Jahre 1917 hinter die Oberste Heeresleitung gesteckt und aus konfessionellen Gründen den Friedensvertrag des Papstes abgelehnt habe, wurde am Donnerstag der Reichspräsident von Hin denburg eingehend vernommen. Die Vernehmung fand nach den gesetzlichen Vorschriften im Palais des Reichspräsidenten in der Wilhelmstraße statt. Der Reichspräsident betonte in seiner Aussage mit aller Entschiedenheit, daß weder er noch General Ludendorff, weder der Reichskanzler Michaelis noch der damalige Staatssekretär Kühlmann ihre Maßnahmen wegen des päpstlichen Friedensangebotes durch konfessionelle Beweggründe hätten bestimmen lassen. Das Angebot des Papstes sei vielmehr in der Kronvatssitzung vom 11. September 1917 unter Vorsitz des Kaisers im Schlosse Bellevue eingehend erörtert worden. Den Bedenken der Obersten Heeresleitung sei damit Rechnung getragen, daß das Friedensangebot des Papstes mit dem Ablauf des Jahres 1917 limitiert worden sei.
Lama hatte weiter die Behauptung aufgestellt, daß der Reichskanzler Michaelis nach der Kronratssitzung sich durch die Oberste Heeresleitung habe bestimmen lassen, entgegen dem Kronratsbeschluß einen glatten Verzicht auf Belgien nicht auszusprechen, um so die Bemühungen des Papstes zu vereiteln. Hierzu äußerte sich der Reichspräsident auf Vorbehalt des Ver= treters der Beklagten, des Rechtsanwalt Dr. Lütgebrune, dahin, daß seit der Kronratssitzung vom 11. September in der Frage der Friedensbedingungen irgendwelche Differenzen zwischen der Reichsregierung und der Obersten Heeresleitung nicht mehr bestanden hätten. Die Oberste Heeresleitung habe sich vielmehr dem Kronratsbeschluß gefügt. Staatssekretär von Kühlmann habe vor dem Untersuchungsausschuß des Reichstages mit Recht darauf hingewiesen, daß der Briefwechsel zwischen Hindenburg und Reichskanzler Michaelis im September 1917 nur privater Natur gewesen sei und nur den Fall im Auge gehabt habe, daß die Situation sich ändere, falls ein Frieden bis sollte. Ende 1917 nicht zustande gekommen
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Ueber diesen Fragenkomplex werden in den nächsten Tagen Reichskanzler a. D. Michaelis und General Ludendorff als Zeugen vernommen werden.
Straßentämpfe in Lemberg.
Warschau, 2. Nov. Lemberg, die Hauptstadt Ostgaliziens, der ewige Zankapfel zwischen Polen und Ukrainern, ist in diesen Tagen der Schauplatz von Ausschreitungen, Schießereien und Blutvergießen, welche an die Lemberger Straßenfämpfe von 1918 erinnerten, gewesen.
Betriebsstillegungen im Siegerländer Erzbergbau. 1500 Arbeiter entlassen.
Dillenburg. Die zum Konzern der Vereinigten Stahlwerke A.-G. gehörigen Eisengruben St. Andreas, Vereinigung Peters= bach und Vingertshardt, werden am 15. November stillgelegt. Von dieser Maßnahme werden etwa 1200 Bergleute betroffen.
Bericht über die wirtschaftliche Lage des deutschen Handwerks im Monat Oktober.
Vom Reichsverband des deutschen Handwerks wird uns geschrieben:
Ein einheitliches Gesamturteil über die Wirtschaftslage des Handwerks läßt sich auch im Monat Oftober infolge der Verschiedenartigkeit der jahreszeitlichen Auswirkungen auf die einzelnen Gewerbezweige nicht geben. Insbesondere übte die ver
,, Von Stolz erfüllt über die glüdliche Fahrt des Luft- hältnismäßig günstige Witterung je nach der Eigenart der Beschiffes sende ich Ihnen, den Führern und der Besazung namens der hessischen Regierung herzlichste Glückwünsche und Willkommensgrüße zur guten Rückkehr in die Heimat. Adelung, Staatspräsident."
Oberleutnant Schulz läßt durch seinen Berteidiger das Wiederaufnahmeverfahren betreiben. Der entsprechende Antrag ist dem Justizministerium zugegangen.
Das Ergebnis einer vorläufigen Abstimmung im Reichstags= ausschuß für die Strafrechtsreform war Ablehnung der Todes: strafe.
Mitte November wird eine Besprechung zwischen Führern der Bayerischen Volkspartei und dem Zentrum stattfinden über das Problem Reich und Länder.
Gilbert hatte eine längere Unterredung mit Poincaré, die zur Besserung der deutsch- französischen Verständigung beigetragen hat.
In Brüssel wird bekannt, daß die Räumung der zweiten Zone mit dem Beginn der Sigungen der Sachverständigentom= mission zusammenfallen werde.
Amanullah läßt eine Bahn bauen, die in nordsüdlicher Richtung das Land durchquert. Die Arbeiten werden an deutsche und französische Firmen vergeben.
rufe einen hemmenden oder fördernden Einfluß auf den Geschäftsgang aus. Wenn auch die Beschäftigung der Bauhauptgewerbe infolge der vorgerüdten Jahreszeit allmählich nachließ, da Neuaufträge nur noch wenig einliefen, so war doch der vorliegende Auftragsbestand noch groß genug, um bei dem guten Bauwetter dem Handwerk zufriedenstellende Beschäftigung zu geben. Für die Baunebengewerbe war überwiegend die Ge= schäftslage noch günstiger als für das Bauhauptgewerbe, da auch Reparaturarbeiten in beträchtlichem Umfange verlangt wurden. Zum Teil häuften sich die Aufträge so, daß ein fühlbarer Facharbeitermangel eintrat.
Im Gegensatz zu der belebenden Wirkung der warmen Witterung auf die Lage des Baumarktes, waren die Wirkungen des Wetters auf die Bekleidungshandwerke nachteilig. Wenn auch die bereits im vorigen Monat gemeldete Besserung im Auftragseingang ihren Fortgang nahm, so blieb doch die Beschäftigung in engeren Grenzen als man gehofft hatte. Vor allem Aufträge für Wintermäntel werden nur zögernd erteilt.- Für die von der Industrie abhängigen Handwerksberufe machte sich die zum Teil eingetretene schlechte Beschäftigung der Industrie nachteilig fühlbar u. zwar direkt durch Nachlassen der Aufträge an die Handwerksberufe. Indirekt wirkte jedoch der Konjunkturrüdgang nachteilig auf das gesamte Handwerk ein, da infolge der gröBeren Arbeitslosigkeit unter den Industriearbeitern die Konsum
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