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Samstag, den 31. März 1928.

Gießener Zeitung"

Sibung des Stadtparlamenis am Freitag, den 30. März.

In flottem Tempo erledigten die Stadtväter gestern die ersten Punkte der Tagesordnung, um dann in ziemlich erregter Debatte um die Verteilung der erhöh­ten Gebühren für die Straßenreinigung und die Müllabfuhr zu kämpfen. Es ist der Mittelstandspartei gelungen, der Verord­nung vom 21. Dezember 1922 wieder Geltung zu verschaffen Es werden demnach diese Lasten wieder von der Allgemeinheit getragen. Die Linke des Stadtparlamentes wehrte sich aller­dings verzweifelt dagegen, berief sich auf schon von derselben Stelle forrigierte Ministerialverordnungen und versuchte vor den wenigen Zuhörern Mieter- Sympathien für die kommenden Wahlen zu erringen. Die zu dieser Frage zitierte Meinung des Rechtsausschusses, dessen Leiter Beigeordneter Dr. Seib ist, dokumentierte sich am besten dadurch, daß die Stadt beschlossen hat, die oben zitierten Gebühren vom 1. April d. J. an auch auf ihre Mieter umzulegen. Nach Ueberwindung dieser Klippe fan­den dann die restlichen Punkte der Tagesordnuno ohne Schwie­rigkeiten ihre Annahme. Vom Standpunkt der Oeffentlichkeit wäre noch entschieden die Dürftigkeit der Rechnungsablage für die städtische Straßenbahn zu bemängeln. Wenn wir auch gren­zenloses Vertrauen zu unseren Stadtverordneten haben, inter­essiert die Oeffentlichkeit die mehr oder weniger große Renta­bilität dieses Zuschußbetriebes doch. Wie üblich, schloß Herr Kestner, der Vertreter der kommunistischen Partei, wieder den öffentlichen Teil der Sitzung durch eine Reihe von Beschwerden. Sizungsbericht.

inzwischen berichtet, und es sei nur recht und billig, wenn man auch in Gießen wieder den Boden des Rechtes beschreite.

Prof. Krausmüller( D. V.) stellte fest, daß in dieser Zeit des Materialismus jeder mit allen Kräften bemüht sei, finan­zielle Lasten auf den anderen abzuwälzen. Besonders Fanatiker in beiden Lagern störten dauernd den Frieden. Er sei sicher, daß bei einem Rollentausch ein jeder von der Gegenseite die Berechtigung eines gerechten Lastenausgleichs anerkennen müsse.

Herr Beigeordneter Dr. Hamm fennzeichnete in längeren Ausführungen den floskelnreichen Rückzieher des Ministeriums und seine so unpraktischen Vorschläge, dennoch den Hausbesitz zu benachteiligen. Zu der Frage, ob der Hausbesiz diese Gebühren nachträglich erheben könne, äußerte Dr. Hamm sich weiter nicht. die Haas Er warnte aber um des lieben Friedens willen besitzer davor.

Zu Punkt 1 wurde das Baugesuch des H. Ehrhardt an der Friedhofsallee mit einigen Einschränkungen genehmigt. Zu Punkt 2 stimmte die Stadtverordnetenversammlung dem Bau­vorhaben des Professors Dr. Brüggemann unter Befreiung von einigen Paragraphen des Baustatuts zu. Mit der Zustimmung zu Punkt 3 wurde der Schandfleck" in der Löwengasse beseitigt, das dort niedergerissene Gebäude wird mit einem städtischen Zuschuß von 60 000 RM. wiederaufgebaut; acht Wohnungen werden dadurch neu geschaffen. Unter Punkt 4 bewilligte die Stadt 600 RM. für einen geringfügigen Umbau in einem ihrer Häuser. Punkt 5 ermächtigt die Stadtverwaltung, gegebenen­falls auf Grund des steigenden Verkehrs die Aufhebung der Vorgärten auf der Frankfurter Straße zu verlangen. Punkt 6 und 7 genehmigten die die vorgelegten Bebauungspläne für die Grünbergerstraße und die Westanlage. Punkt 8. Dazu lag folgender Antrag der Stadtverwaltung und des Finanz­ausschusses vor.

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Der Antrag wurde darauf gegen die Stimmen der Sozial­demokraten, des Zentrums und einiger Deutschnationaler an= genommen.

Um die Kosten für die Straßenreinigung voll zu decken, werden ab 1. April 1928 die Straßenreini­gungsgebühren von bisher 20 Pfg. für jeden Qua­dratmeter Reinigungsfläche auf 32 Pfg. für jeden Quadratmeter Reinigungsfläche erhöht. Die Er­hebung erfolgt nach Maßgabe der Ortssagung vom 21. Dezember 1922.

Ein Antrag der Mittelparteien, bei der Erhebung der Stru­ßenreinigungsgebühren für unbebauten Grundbesitz; der an der Peripherie der Stadt liegt, der nichts od. nur eine ganz geringe Pacht einbringt, besondere Preise zu schaffen, wurde an die Bau­tommission verwiesen.

Der Referent, Stadtverordneter Goerz, führte aus, daß der Vor­anschlag für die Straßenreinigungskosten auf 121 234 M an= gewachsen sei, ziehe man davon je 5000 M für die Schneebesei­tigung und die Bedürfnisanstalten ab, blieben 111 234 M zu decken. Dieses sei nur möglich, wenn der oben beantragten Er­höhung der Gebühren zugestimmt würde.

Damit war auch die Annahme des Bunttes 9 gesichert. Der Antrag lautete:

Rechtsanwalt Homberger( Soz.) stellte die Behauptung auf, die seitherigen Gebühren seien in der gesetzlichen Friedens­miete enthalten. Es könne von den Mietern daher nur die Differenz von 12 Pfg. verlangt werden.

Der gleichen Meinung war Stdo. Schmall( Dn.).

Um die Kosten für die Müllabfuhr voll zu decken, werden ab 1. April 1928 die Müllabfuhrgebühren vom bisher 25 Pfg. für je 100 M Grundmiete auf 92 fg. für 100 M Grundmiete erhöht.

Dazu hatten die Sozialdemokraten einen Antrag vorgelegt, der sich mit den Ausführungen des Stadtv. Homberger zum vorhergehenden Punkte deckte. Vor allem sollte der Antrag noch einmal in den Bereich der Kommissionen verschwinden.

Dem trat der Sprecher der Mittelstandspartei, Architekt Nikolaus, energisch entgegen; er verlangte nichts als Gerech­tigkeit, Lasten, die zu zahlen Sache der Allgemeinheit, bezw. des Einzelnen ist, können nicht auf die Hausbesitzer allein abgewälzt werden. Daß das bisher möglich war, sei durch eine dem Reichs­gesetz zuwiderlaufende Entscheidung des hessischen Ministeriums für Arbeit und Wirtschaft zu erklären. Diese Entscheidung ist

Grüner Rasen Blaue Wellen.

Roman von Otto von Gottberg. ( Schluß.)

Ueber welchen der Anträge zuerst abzustimmen sei, entschied der Oberbürgermeister dahin, daß er den Antrag der Stadt im selben Stimmenverhältnis wie oben annehmen ließ.

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Nr. 27.

Die nächsten drei Punkie, Erneuerung von Teilen der Gleisanlage der Straßenbahn( RM. 10 305) Beschaffung eines Kabeltransportwagens( RM. 4000) Rechnungsablage des städt. Volksbades für 1926( hier bat Stdv. Fischer um Ver­mehrung der Wannenbäder) erledigten sich schnell. Des= gleichen Punkt 18, der die Mittel für 120 neue Schulvänte anforderte denn, und das dürfte von Jateresse sein, die Zahl der A- B- C- Schützen ist im kommenden Jahre um 240 größer als im Vorjahre.

Der Rest der Tagesordnung, eine Reihe von kleineren Bor­lagen, denen debattenlos zugestimmt wurde, beendete die öffent­liche Sitzung der Stadtverordnetenversammlung um 7,20 Uhr. B.

Lokales.

* Das Polizziamt weit nochmals ausdrücklich darauf hin, daß zufolge Verfügung des Herrn Ministers des Innern vom 5. April 1924 am Palmsonntag( Landes- Buß- und Bettag) und am Karfreitag die Veranstaltung jeglicher Wettspiele, auch Fuß- und Handballwettspiele verboten sind.

* Bei Rentenzahlungen vom Monat April ab sind die Pfennigbeträge auf Unfall-, Invaliden-, Waisen-, Witwen-, Alters- und Krantenrenten- Quittungen auf durch 5 teilbare Pfennige aufwärts zu runden. Die Zahlungen finden am Montag, den 2. April statt.

Damit werden die Gebühren für die Straßenreinigung und die Müllabfuhr vom 1. April ds. Js. an also auf alle Bewohner eines Grundstückes prozentuak umgelegt. Der Hausbesizer hat die Gelder einzuziehen, gelingt ihm die= ses nicht, hat er unverzüglich der Stadtkasse Mitteilung zu machen. Die Beitreibung erfolgt dann von dort aus. Punkt 10, Bewilligung von 500 M für die Beleuchtung der Brücke vom Bahnhofsplaz nach der Friedrichstraße- Punkt 11, Bewilligung von 150 M zur Erhöhung des Anteilbeitrages für den Eisenbahnerheimstättenverein Punkt 11a, die Ver­teilung des zur Verfügung stehenden Wohnungsbaukredit in Höhe von 642 500 M dem Bau- und Finanzausschuß zu über­lassen Punkt 11b, zum Wiederaufbau des am 10. 2. 1928 durch den Sturm vernichteten Männerfreibades an der Lahn 1500 M zuzuschießen Punkt 12, die Urbarmachung von frühe­rem Waldgelände beim Flughafen, sowie den Ausbau der Feldwege der Firma Gebr. Gerlach- Krofdorf zum Preise von 16 656,50 M zu übertragen und Punkt 13, die Lieferung von 425 Holzmasten für das Elektrizitätswerk der Firma Katz und Klumpp in Gernsbach für 15 000 M zu übergeben, fanden de­battenlose Zustimmung.

Im Bett nebenan konnte ihr Werner liegen. Doch des Fremden Hände gaben sie nicht frei. Schmerz, Scham, Angst verwirrte ihr Denken. Kaum fühlte sie, wo sie war, aber spürte doch, daß sie einem sterbenden Streiter ein letztes großeg Glück und unsagbare Freude schenkte. Ihr Wille schwand. Sie lieh ihm die Hände, auf die er Küsse und Dantesstammeln hauchte, bis mit rasselndem Röcheln sein Leben floh.

Der Generalarzt machte der Weinenden Hände vom starren Griff des Toten frei. Auf zitternden Knien hob sie sich vom Bett. Für den Augenblid war der Geliebte fast vergessen. Durch Schmerz und Pein quoll ernste Freude vom Herzen auf. Die Angst war gewichen. Sie fühlte sich erschüttert und doch in klarer Ruhe und feierlichem Ernst gegen Schreck und Gram gefeit. Der Krieg war nicht nur grausam und furchtbar. Sie hatte seine hehre Weihe und Größe gefühlt, als sie dem Toten nur das kleine Opfer von Minuten brachte.

Sanft faßte der Generalarzt ihre Hand und wies den Weg zu einem Bett an der hinteren Wand. Das Rissen trug einen Kopf in weißer Mullbinde, die das bleiche Gesicht ihres lieben Werner umrahmte. Eine Schwester stand neben ihm, strich mit den Fingern über seine Stirn und sah in Gerdas Augen: ,, Herr v. Drewitz starb morgens, nachdem er im Fieber oft ge­rufen hatte: Gerda, Gerda, gut sind wir uns doch. Ich weiß, daß du mich liebst wie ich dich!"

* Der Oberhessische Kanstverein Gießen veranstaltet ab Sonntag, den 1. April 1928, 11 Uhr, im Turmhaus um Brand­platz eine Kollektio- Ausstellung des Dresdener Kunstmalers P. A. Böckstiegel( Aquarelle, Zeichnungen, Radierungen). Be­suchszeiten: Sonntags, Montags, Mittwochs, Freitags von 11 bis 1 Uhr, Mittwochs auch von 3 bis 5 Uhr nachmittags.

Zu Punkt 14 der Rechnungsablage der Straßenbahn für 1926, die in ihrer Dürftigkeit ohne Widerspruch angenommen wurde, brachte Stdo. Goerz zum Ausdruck, daß an Sonntagen, 3. 3t. der Wettspiele auf dem Trieb, die Zahl der Wagen nicht reiche. Er bat um Abstellung dieses Uebels. Gleichfalls regte er die versuchsweise Heizung der Straßenbahn für den nächsten Winter an.

Ganz langsam sank Gerda in die Knie und ihr Kopf auf des Toten talte Hand. Ihre Schultern zudten in stillem Wei­nen, bis der Generalarzt sie aufhob. Er dachte zu trösten, doch von den bebenden Lippen fam mit flarer Stimme ihre Frage: ,, Wohin bringe ich ihn?"-

* Am Mittwoch abend verschied nach langer Krankheit Herr Bankdirektor Gustav König von der Mitteldeutschen Kreditbank. Seit 1917 war er in Gießen tätig. Wir sind sicher, daß das An­denken an diesen vortrefflichen Menschen stets lebendig bleiben wird.

Die sich immer mehr steigernde Wunschkette schnitt der Oberbürgermeister mit dem lakonischen Einwurf ab: Meine Herren, Sie werden sich wundern, wenn Ihnen der Voranschlag vorliegt."

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* Am Samstag, den 24. März, hielt der V. D. A.( Verein für das Deutschtum im Ausland) in dem Saale des Café Leib seinen besonders schön arrangierten ,, Bunten Abend" ob. Herrn Studienrat Freitags fernige Ansprache an alle Erschiene­nen war ein Zuruf: die Tausenden von Auslandsdeutschen nicht zu vergessen, damit sie dem Mutterlande innerlich erhal­ten bleiben. An den folgenden Darbietungen hat man gesehen, daß die Leiter der Veranstaltung vor allen Dingen dem heu­tigen Menschen, besonders der Jugend, das ruhig Schöne der alten gegenüber dem trassen Gegensatz der Jezztzeit vor Augen führten. Das ist ihnen auch voll und ganz gelungen. Es lohnt sich besonders zu betonen, daß an dem restlosen Ge­lingen des Abends viel die Musikkapelle, die ausschließlich aus Oberrealschülern bestand, unter der trefflichen Leitung ihres Dirigenten, Herrn Studienrat Hillenbrand, beigetragen hat. Von der Vortragsfolge wollen wir besonders hervor heben den reizenden Trachtentanz, das Gedicht Der deutsche Kolonist", das den Werde- und Arbeitsgang einer echt deut­schen Familie und Nachfolger veranschaulicht, das besonders Beifall gefundene Theaterstück ,, Das böse Weib", das gelungene Singspiel ,, Unter der Linde". Die Veranstalter haben es ver­standen, den Erschienenen eine bleibende Erinnerung zu schaffen. Verantwortlich: Paul Christian Klein in Gießen.

Grab des Generalleutnant v. Drewiß schied. Der Pfarrer hatte Onkel Karl geschrieben, er sei in Breslau und dann im Feld bei der Division des gefallenen Generals gewesen und bitte um die Ehre, den Sohn der Erde zu geben. Im langschößigen, grauen Rock der Feldprediger war der dann nach Priedelsdorf gekommen, um mit Gerda die Trauerrede zu besprechen. So stand er auch jetzt. Mit einer Stimme, die wohl oft das Brül­len der Geschütze übertönte, rief er laut gegen das kühle Wehen des regnerisch trüben Tages die Worte vom 19. Vers im 12. Kapitel des Evangeliums Matthäi: Er wird nicht zanken noch schreien, und man wird sein Geschrei nicht hören auf den Gassen."

Sie brachten ihn drei Tage später zum Invalidenkirchhof. Neben dem gefallenen Gen. v. Drewitz sollte er sein Grab fin­den. Onkel Karl ging neben dem großen, für einen kleinen Leutnant gar glänzenden Trauergeleite zur Gruft voran. Die Zeitungen hatten berichtet, ein Sohn des Helden von Brzeziny werde als letzter des alten Preußennamens Drewig bestattet. Fünf Generäle, ein Minister, an hundert Offiziere und hohe Beamte waren gekommen, einem Geschlecht von Dienern der Krone die letzte Ehre zu erweisen. Im weiten Halbkreis traten sie um das Fußende der offenen Gruft. 3u Häupten stand der Geistliche auf dem schmalen Weg, der Werners Ruhestätte vom

Ein wunderlicher Text, dachte Hullmann. Er war dem Geistlichen im Lazarett begegnet und fannte ihn als einen der prächtigsten Gortesmänner, die der Krieg zu Offizieren im Ta= lar machte. Also war eine soldatische Rede zu erwarten.

Der Pfarrer hob den Blick aus der Gruft auf Gerda. In schwarzem Kleid unter langem Schleier stand sie ihm gegenüber Ihre linke Hand hielt gegen Herz und Brust einen Strauß von herrlichen weißen Rosen und Nelken. Aus Augen, die viel ge­weint hatten, aber jetzt trocken waren, sah auch sie auf den Geist­lichen, der eben die Lppen öffnete:

Verehrte Trauergemeinde, wir stehen an diesem offenen Grabe vor einer der ergreifendsten Tragödien des Krieges. Mit dem jungen Helden, den wir der Erde geben, verfällt ein Haus, erlischt ein Geschlecht, das durch Jahrhunderte unserer Krone treue und auch große Diener gab. Fünf ihres Namens riß der Krieg unter blaue Wellen und grünen Rosen. Das war nicht genug. Der Grimm der Zeit heischte das Leben auch von Vater und Schwester der Braut unseres lieben Toten. Als letzte Mäd­chenblüte alten Stammes steht sie vor uns und darf wohl mit dem Heiland fragen: Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen!

Verehrte Trauergemeinde, sie selbst gab mir darauf Ant­wort mit den Worten: Ich traure und leide, aber weiß zu meinem wehmütigen Trost, daß die Männer unseres Namens gern starben für ihren Kaiser, damit es von seinem Reich wie von dem unseres himmlischen Vaters heißen möge: Du bist die Kraft und Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

In Chisto geliebte Trauernde, darum darf ich euch wie meinen Kameraden beim Donnern der Kanonen sprechen. Durch unsere Trauer frohlockt wehmütiger Stolz mit dem Wissen, daß deutsche Erde Männer von Art des lieben Toten und der ihm Vorangegangenen trägt."

Er sprach von den Drewitz und ihrem Wirken im Staat, bis er wieder auf das Bibelwort tam: Auch von ihnen war fein

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Geschrei auf den Gassen zu hören. Sie rühmten sich nicht ihrer Taten, aber lobten die Männer, die sie führten. Ein Staats­mann sagte neulich mit dem Dichter, daß unser Vaterland in schwerer Not im ärmsten seiner Söhne auch den treuesten fand. Der Tote und die vor ihm Gefallenen seines Namens hätten nie ihre Stimmen dagegen erhoben, denn sie zankten oder schrien nicht, und ihr Geschrei war nie auf den Gassen zu hören. Auch der Diener Gottes will nicht vergleichen und fragen, wer die größten Opfer brachte; denn richtet nicht, auf daß ihr nicht ge­richtet werdet, besiehlt der Herr.. Wohl aber darf ich am offe= nen Grabe bezeugen, daß niemand dem Vaterland mehr dar­bringen fonnte, als die Männer dieses Geschlechts. Sie opferten nicht nur ihr Blut im Sterben. Schon im Leben gaben sie als Soldaten und Verwalter des Staates ihre Arbeit dem Bau des Bollwerks, an dem heute die Wut einer Welt zerschellt. Aus Liebe zu König und Vaterland taten sie es, und niemand kann größere Liebe zu uns haben als sie, die nie sich ihrer Treue rühmten. Möge Gott sie richten nach ihren Werken, wenn Meer und Erde die Toten unter grünem Rasen und blauen Wellen: wiedergeben!"

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Als er den Segen gesprochen hatte und Erde auf den Sarg fallen ließ, trat Gerda an das Grab. Soch legt an!" rief hin­ter ihr eine scharfe Stimme, und dann: Feuer!" Die Saloe hallte. Sie zudte zusammen, aber ließ die weißen Rosen und Nelken aus dem Arm in die Gruft fallen. Es waren die Blu­men, die sie an Werners Seite als Brautstrauß bei der Trau­ung getraegn hätte. Die dritte Salve zerriß die Friedhofsstille über den Gräbern, und leise, leise spielte die Kapelle: Ich hatt' einen Kameraden, einen bessern find'st du nit." Da schwand ihre Kraft. Sie weinte bitterlich. Doch als Hullmann als letzter drei Erdschollen auf den Garg warf, sah er sie am Grabe wie damals, als sie ihm auf dem fleinen Bahn­hof eine Germania erschien. Der Wind spielte im blonden Stirnhaar und wehte das schwarze Tuch eng an die schlanken Glie­der der hochhüftigen Mädchengestalt. Ihre Lippen zuckten, und das Rinn bebte in Schmerz. Sie war des Vaters, des Gelieb ten, der Schwester und aller Männer ihres Namens beraubt. Doch in den zum Licht hinter den Wolken gehobenen Augen schimmerte ein wehmütiger Stolz. Die Edelsten von Israel waren erschlagen, aber Gott wußte, warum er die Treuesten und Besten eines Volkes vorzeitig zu sich nahm:

,, Auch Patroklus mußte sterben, Doch Thersytes fehrte heim!" Ende

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