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Samstag, den 30. Juni 1928.
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Lokales.
Sonntagsgedanken.
Feierstunden!-- Freudigen Widerhall findet dies Wort bei uns Menschen, die sechs Tage ehrlich und fleißig ihr Tagewert vollbracht haben. Aber in mancher Menschenbrust läßt es eine Bitterkeit aufkommen und ruft wehmütige Erinnerungen an längst vergangene, sorglos heitere Tage zurück.
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Feierstunden?- Heute, wo der rasende Taft stählerner Motoren den Pulsschlag des Lebens hämmert?-- Heute, in diesem wild dahinstürmenden, tosend brausenden DaseinsThythmus?
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Und doch befiehlt ein ewiges Gottesgesetz, das Menschenwille nicht aufzuheben vermag, Feierstunden, einen geierabend, einen Sonntag.
Sechs Tage sollst du arbeiten und am siebten sollst du ruhen! An Leib und Seele. Von den Feierstunden der Seele wollen wir heute reden. Sie sehnt sich nach jedem Sonntag, der ja ihr in erster Linie gehören soll, wie der düstere Wüstenwanderer nach dem labenden Quell, wie der Hungernde nach Brot.
In dem Hasten und in der Ruhelosigkeit des Alltags überhören wir so oft der Seele Rufen; es geht unter und verhallt in dem uns umgebenden Erdenlärm.
Soll aber das Edelste, das uns der Schöpfer mitgab, soll das, was uns erst zur„ Krone der Schöpfung" erhoben hat, nicht verfümmern, nicht verschmachten und nicht dem Untergang geweiht sein, so dürfen wir das Rufen nicht überhören, das aus unserem Innern dringt. Und diese Seele in uns ruft nach Feierstunden, nach einem Sonntag.
Wir müssen von Zeit zu Zeit den Nur- Menschen zum Schweigen bringen und das Göttliche in uns in tatenvolle Erjeinung treten lassen. Stunden voll erhabener Gedanken müssen wir uns schaffen; Stunden, in denen sich die Seele ihrer ureigensten Bestimmung nach ausleben kann im geistigen Höhenflug unbeschwert aller Erdennot und Erdenplage. Stunden müssen wir für sie in Bereitschaft halten, wo sie ungestört Zwiesprache halten kann mit ihrem Schöpfer.
,, Gießener Zeitung"
Weglar- Nauborn, im Straßenzug Wetzlar- Schwalbach- Niederquembach, vom 2. 7.- 15. 7.; Umleitung: SteindorfOberndorf.
Wetter Münchhausen, im Straßenzug Marburg- Frankenberg, bis 25. 7.; Umleitung: Großfelden- Wetter.
Belasten wir unsere ganze Gedankenwelt einseitig nur mit Diesseitsgesinnung, so wird unsere Seele müde werden, ihre Spannkraft wird erlahmen. Ein Mensch, der seiner Seele keine Feierstunden schafft, ist nur ein halber Mensch.
Gerade wir Deutschen wollen uns diese Feierstunden der Geele bewahren, mehr als allen anderen Völkern tun
Km. 11,3-12 in der Gemarkung Mühlbach, im Straßenzug Limburg- Rennerod- Burbach, bis 11. 7.; Umleitung: Obertiefenbach- Allendorf- Mehrenberg.
Romrod Alsfeld, im Straßenzug Gießen- Alsfeld, bis auf weiteres; Umleitung: Angenrod- Leusel.
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Kriminalpolizeiwachtmeister Zink tritt mit dem 1. Juli ds. Js. infolge des Polizeibeamtengesetzes in den wohlverdienten Ruhestand. Er, der jetzt im 64. Lebensjahr steht, trat nach einer mehrjährigen Dienstzeit im ehemaligen Inf.- Regt. Nr. 116 in Gießen am 1. Mai 1890 bei der hiesigen Schuhmannschaft ein. Am 1. April 1904 wurde Herr Zink zum Kriminal- Schuhmann ernannt und ihm im Jahre 1909 die provisorische Leitung der Kriminal- Abteilung Gießen übertragen, der er mit seiner am 9. 2. 1911 erfolgten Ernennung zum Kriminalwachtmeister seit dieser Zeit ununterbrochen vorsteht. Herr Kriminalpolizeiwachtmeister Zink hat dieses wichtige, nicht leichte Amt in den vielen Jahren mit besonderer Umsicht bekleidet. Ausgerüstet mit einer vorzüglichen Auffassungsgabe, sehr guten kriminalistischen Kenntnissen, scharfer Beobachtungsgabe, verbunden mit einer gerade den Kriminalisten auszeichnenden Ruhe, hat es Herr Zint verstanden, sein schwieriges Amt in jeder Weise zur vollsten Zufriedenheit seiner Vorgesetzten und nicht zuletzt auch zum Wohl der Bürger Gießens zu versehen. Sein immer freundliches, zuvorkommendes Wesen und sein für die Wirklichkeit offener Blick und seine Menschenkenntnis haben Herrn Zink das volle Vertrauen und die höchste Achtung seiner Vorgesetzten, seiner ihm unterstellten Beamten und insbesondere auch des Publikums eingebracht. Möge dem wohlverdienten Beamten noch viele Jahre ein gesegneter, in Gesundheit zuzubringender Lebensabend beschieden sein.
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Frankfurter Herbstmesse 30. Sept. bis 3. Okt. 1928. Starte Beteiligung des Auslandes an der Lebensmittelmesse.
Wie in der Tagespresse bereits bekanntgegeben worden ist, wird die Frankfurter Herbstmesse entgegen anderslautenden Mitteilungen planmäßig in der Zeit vom 30. Sept. bis 3. Okt. 1928 stattfinden. Die Beschickung der Messe wird einem Vergleich mit der Herbstmesse 1927 vollkommen standhalten. Das Ausland interessiert sich diesmal ganz besonders für den Frankfurter Großmarkt. Oesterreich und Italien, die auf der Frühjahrsmesse mit einer Lebensmittelausstellung beschränkteren
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Größe, muß seine Kräfte aus jenen Quellen schöpfen, die tief unten in der Seele verborgen sind. Da liegen die Ewigkeitswerte alles Schönen, Wahren, Großen und Guten.
Der Sonntagsschreiber.
Straßensperrungen,
mitgeteilt vom Oberhessischen Automobil- Club E. B., Gießen. Alsfeld Eifa, im Straßenzug Alsfeld Hersfeld, bis auf weiteres; Umleitung: Berfa- Elpenrod.
Gießen Krofdorf, im Straßenzug Gießen- Krofdorf, bis auf weiteres; Umleitung: Abendstern.
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Arbeitskraft und Ernährung.
Von Prof. Dr. med. Grotjahn- Berlin. Die Arbeitskraft des Menschen ist abhängig von der Zweckmäßigkeit seiner Ernährung. Die Nahrung ist nicht nur die Quelle der Muskelkraft, sondern erhält auch als Brennstoff die Körperwärme und zuletzt als Baustoff das im steten Umsatz be= findliche Körpergewebe. Die Nahrungsmittel des Massenverbrauches enthalten diese Krafts, Brenn- und Aufbaustoffe in nach Art und Menge verschiedener Verteilung. Aber ein Nahrungsmittel gibt es, das alle diese Stoffe gleichmäßig verteilt und noch dazu in leichtverdaulicher Form enthält: Es ist die Milch.
furter Messe gewonnen, daß sie je eine große Halle belegt haben. Neu wird im Rahmen der Lebensmittelmesse diesmal Ungarn auftreten, das um die Zurverfügungstellung eines Ausstellungsraumes von mindestens 300 Quadratmeter ersucht hat. Es ist geplant, im Rahmen dieser ungarischen Sonderousstellung ein ungarisches Restaurant einzurichten mit einer ungarischen Kapelle. Frankreich, das auf der Frühjahrsmesse mit einer bedeutsamen und erfolgreichen Lebensmittelschau vertreten war, die bei der Frühjahrsmesse 1929 in verstärktem Umfange wieder erscheinen wird, beteiligt sich auch an der Herbstmesse mit Lebensmitteln und mit einer Ausstellung der für die Lebensmittelindustrie einschlägigen Maschinen.
Deshalb kann der Milchverbrauch innerhalb der gesamten Bevölkerung gar nicht groß genug sein. Der Ansicht, daß die Milch nur für Kinder, Schwache und Kranke gut sei, muß daher auf das nachdrücklichste entgegengetreten werden. Auch der schwer arbeitende Erwachsene sollte sich mehr, als das bei uns landesüblich ist, mit dem Trinken von Milch und dem Essen von Milchsuppen und Milchspeisen befreunden.
Der Nährwert der Milch bleibt der gleiche, ob man sie kalt oder warm, rein oder in Suppen oder sonstigen Speisen verkocht oder als Buttermilch oder als saure, dicke Milch genießt. Selbst die Magermilch, der man den größten Teil ihres Fettels zwecks Buttergewinnung entzogen hat, enthält trotz ihrer Billigkeit noch wertvolle Nährstoffe und sollte zum Kochen überall dort herangezogen werden, wo man den Preis für Vollmilch aufzuwenden sich scheut.
Gewiß ist gute Vollmilch an und für sich nicht billig, aber trotzdem ist sie tatsächlich das billigste Nahrungsmittel, wenn man ihren hohen Nährwert in Rechnung stellt und bedenkt, daß 1 Liter Milch den Brennwert von mehr als 1 Pfund Fleisch enthält.
Wer sich nicht an den reinen Milchgenuß gewöhnen kann, tut gut, wenigstens darauf zu halten, daß reichlich Voll- oder Magermilch in Mehl- oder Grießsuppen verkocht wird. Manchem, dem es nicht behagt, Milch als Getränk an die Arbeitsstätte mitzunehmen, gewöhnt sich leicht daran, seine Trinkfanne mit einem Liter Milchmehlsuppe oder Milchkafao an Stelle des nur die Nerven anregenden, aber keine Nahrung spendenden Kaffees füllen zu lassen. In der Milch findet er alles, was den Muskeln neue Kraft und der körperlichen Maschine die nötigen Heiz- und Reparaturstoffe liefert.
Trinkt das gute Mainzer Aktien- Bier!
Telephon Nr. 83
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Telephon Nr. 83
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Englische Kabelmeldungen
nach Südamerika.
Schluß.
Ueber den Verlauf der englischen Landoperationen verlautet überhaupt nichts. Nur am 25. wird das Londoner Kabel ermächtigt, mitzuteilen, daß der Versicherung des Kriegsminiters nach England noch keine Kanone verloren habe. Mit dieser lakonischen Meldung muß man sich begnügen. Anscheinend aber ist die französische Zensur so unliebenswürdig ge= wesen, doch auch den Engländern einen kleinen Anteil an den Verlusten zu belassen. Denn am 13. beklagt sich„, Daily Chronicle" darüber, daß die französische Zensur ungenügend arbeite. Die Franzosen wüßten überhaupt nicht, was los sei und erführen viel zu wenig aus dem Felde. Andererseits scheint aber das Publikum zu viel zu erfahren, denn gleichzeitig gestattet Kitchener nur noch Mitteilungen des offiziellen Nachrichtenbüros.
in Ostpreußen ein. Glänzende Siege bei Eydtkuhnen zeigen die Stoßkraft der Russen, die von Tag zu Tag mit glänzenden Erfolgen weiter nach Deutschland einfallen und gegen Ende des Monats wieder bei Eydtkuhnen und in Polen siegen. Polen erhebt sich und am 19. schreibt der Schriftsteller Hilaire Belloc in einem der ersten englischen Blätter: Friedrich II. hat Polen ermordert; und nur ein so edles Land wie Rußland mit seinem Zaren Nikolaus II. könne Polen ein so edles Angebot machen, wie den Aufruf des Zaren an das polnische Volk!
Der Feldzug im Elsaß und Frankreich. Bereits am 1. August kann die ,, Times" melden, daß eine deutsche Division das Gebiet von Ciren angegriffen habe. Am 2. kann Paris den ersten Sieg verkünden: 20 000 Deutsche sind mit 9000 Toten Verlust bei Nancy geschlagen; bei Saarbrücken werden durch französische Artillerie zwei Regimenter Ulanen vernichtet und 2000 Gefangene gemacht. Einen neuen Sieg bringt dann nach Pariser Berichten der nächste Tag mit der Schlacht bei Petits Croix, wo ein ganzes Ulanenkorps durch Mitrailleusen aufgerieben wird, der vierte Teil wird gefangen, was ungeheuren Jubel in Paris hervorruft. Am 7. füsilieren dann die deutschen Truppen eine Anzahl 15jähriger Knaben in Longwy, weil diese der französischen Gendarmerie die Anfunft eines verwundeten französischen Unteroffiziers mitgeteilt hätten. Letterer wird dann ermordet. Es ist dieses die einzige ,, Greueltat", die aus dem überreichen englischen Repertoir in die führenden argentinischen Blätter Aufnahme gefunden hat; sicherlich ein gutes Zeichen für die dortige Presse, die sich trotz aller englischen Hetzerei und des englischen Vorbildes den Anstand bewahrt hatte! Dann kommt die Schlacht bei Altkirch, bei der die Deutschen 30 000, die Franzosen 15 000 Mann Verluste haben. Am 9. kann Paris erfreut melden, daß die Deutschen nach Breisach fliehen und das Elsaß sich erhebt.
Außerordentlich glücklich sind alle Operationen der Serben, Russen und Montenegriner. Alle drei haben nicht eine einzige Schlappe zu verzeichnen. Serbien hat, wie gleich am 7. aus Athen gemeldet wird, 300 000 bestens ausgerüstete Soldaten zur Verfügung, die einer über Rom nach London am 7. gelangten Meldung zufolge, gleich zwei österreichische Regimenter total bernichteten. Am 12. meldet die serbische Gesandtschaft in Athen offiziell, daß die Serben Serajewo besett hätten, während am 19. London offiziell verkündet, daß die Oesterreicher bei Schabat 8000 Mann verloren hätten. Von serbischen Verlusten wird geschwiegen. Die Montenegriner sind nach einem Telegram aus Cetinje am 10. in Spizza und haben die ganze Küste bis Budua besetzt. Glänzende Siege der französischen Flotte unterstützen sie. Zuletzt beschränkt sich London bezüglich der Serben und Montenegriner nur auf die allgemeine Mitteilung, da z Diese in Desterreich seien, das seine Truppen zurückzieht, um jie gegen Rußland zu führen. Damit wird alles künftige Berichten überflüssig und der Mangel an Nachrichten erklärt.
Rußland siegt andauernd und marschiert von Anfang an
Eigenartiger Weise meldet nun London am 10., daß die Franzosen bei Neu- Breisach geschlagen seien und daß sowohl hier wie bei der Besehung von Sainte Marie aur Mines die französischen Verluste sehr hoch seien, was sogar der französische Kriegsminister zugeben müßte. Dafür aber kann Paris wieder am 11. offiziell bekannt geben, daß die Eifel gänzlich besetzt sei
von den Franzosen. Am 12. folgt dann aus gleicher Quelle der glänzende Sieg der Franzosen bei Lagarde, der in erster Linie durch Bajonnetangriff gelungen sei. Dann folgen eigenartiger Weise über Newyork zwei Tage lange nur Nachrichten über deutsche Erfolge, wortgetreuer Uebersetzungen deutscher Generalstabsmeldungen und ausführliche Telegramme von deutschen Quellen. Man hat den Eindrud, als haben sich die Verbündeten hier gezankt und zur Strafe sei vom englischen Kabel nun etwas Wahrheit über die Verbündeten verbreitet worden. Dann folgt eine Reihe von Tagen mit ganz kurzen, nichtssagenden Meldungen, bis am 24. aus Paris seitens des Kriegsministers das Scheitern des französischen Planes zugegeben wird, das man unerwarteten Gründen und Ereignissen zuschreiben müsse.
Damit sinkt der Vorhang vor dem ersten Teile des Welt: frieges.
Für Brasilien wurden die Nachrichten wieder etwas anders gegeben. Hier versuchte dann England die Stimmung gegen die Deutschen wieder mit dem bewußten Märchen eines drohenden Raubes der südbrasilianischen deutschen Kolonien, durch Meldung von der Ermordung angesehener Brasilianer in Deutschland usw. scharf zu machen oder zu beeinflussen.
Der südamerikanischen führenden Presse muß man aber das Lob erteilen, trotz der Lügennachrichten, die in so geschickter Weise verbreitet wurden, nicht blindlings Glauben geschenkt zu haben. Diese Tatsache ist aber auch eine Niederlage Englands, die um so größer werden wird, je mehr allmählich die Wahrheit durchdringt und je mehr die Ereignisse das ausschlaggebende Wort sprechen werden. Zu der Niederlage tritt dann noch der Fluch der Lächerlichkeit und der Verachtung, für den der Südamerikaner im allgemeinen ein gutes Verständnis zeigt. Besonders der Chilene hat viel Sinn für Humor; und wenn er irgend eine Aufschneiderei bisher als„, Cuento Aleman"( Deutsche Erzählung) scherzhaft zu bezeichnen pflegte, so wird er in Zukunft eine gemeine, hinterlistige Lüge wohl mit„, Cuento Ingles"( Englische Erzählung) bezeichnen. England wird unser bester Pionier gewesen sein!
Alfredo Hartwig, Kaufmann,
Dr. jur. Dr. phil. Volkswirt R. D. V., Bensheim a. d B., Rheinstr. 37.


