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Mittwoch,

Mittwoch, den 29. August 1928.

Lokales.

Sonntagsgedanken.

Unsere Tage, die mit Unrast und schwerer Arbeit vom Wochenanfang bis zum Ende ausgefüllt sind, machen uns müde. Denn wer nicht unehrliches Brot essen will, der muß heute in Deutschland schaffen, vastlos und unverdrossen. Hundert Dinge der Pflicht gibt es dort, wo die Räder sich schwingen, dort in der Stube des Denkers oder hier, wo der Landmann für Brot sorgt. Hundert Eindrücke von allen Seiten, und kaum die Zeit, sie innerlich zu ordnen, zu verarbeiten, zu beherrschen. Dem Feierabend, den unsere Väter noch kannten, fehlt die feierliche Stille und den Sonntagsfrieden im deutschen Hause stört die Sorge. Und weil es bald keine Zeit mehr gibt, auch der Seele Ruhe, Frieden und Nahrung zu geben, darum sinken auch die Körper zusammen. Müde, abgehetzte Menschen sind wir ge­worden.

Aber nicht nur der Körper fühlt die Müdigkeit wie Blei in allen Gliedern, schwerer noch drückt jene innere Müdigkeit, die wie ein Alpdruck sich auf Geist und Herz legt. Das sind zer­schlagene Hoffnungen, mißglückte Pläne, verlorene Arbeitslust, gebrochene Kraft. Wir brauchen das Volk nicht suchen, das jene Müdigkeit drückt des Leibes und der Seele.

Schwer ist es, ein Prediger zu sein für solch abgemühte Menschen.

Da lese ich in einem Sonntagsbuche die Worte: Er ist's, der den Müden Kraft verleiht, und dem, der schwach geworden ist, die Stärke mehrt."- Es ist die ewig gleiche Quelle der Kraft und des Mutes, die nie versiegt, die in himmlischen Höhen entspringt und über die Erde rieselt. Zu ihr sind schon unzählige Menschen gepilgert und haben daraus getrunken. Einzelne und in Scharen. Und wer an den Wunderquell glaubte, wurde gesund. Der Sonntagsschreiber.

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* Erhöhung der Versicherungspflichtgrenze. Ab 1. Sept. d. J. ist die Versicherungspflichtgrenze in der Angestelltenversicherung geändert, und alle Angestellten usw., deren Jahresarbeits­verdienst 8400 Mark nicht übersteigt, werden angestellten- und gleichzeitig arbeitslosenversicherungspflichtig.

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Gießener Zeitung"

* Der große Herbstausflug des Vogelsberger Höhenclubs, der auf den 2. September nach Laubach gelegt war, wurde auf Sonntag, 16. September, verschoben.

Die Tagung der Oberhessischen Viehversicherungsanstalt am Samstag war aus ganz Oberhessen und den preußischen Nach­bargebieten äußerst stark besucht und brachte endlich Klärung in die verwirrten Verhältnisse der Anstalt. Wohl an 800 Bauern und Tierhalter waren es, die den großen Saal im Kaffee Leib füllten. Bücherrevisor Jäger berichtete über den Stand der Kasse vom 18. 11. 1927- an diesem Tage starb der langjährige Direktor Hoffmann- Gießen im Vergleich zu dem vom 15. 6. 1928 laut Beschluß der Mitgliederversammlung vom 15. Juli 1928. Der Abschluß zeigt, daß sich innerhalb eines halben Jahres ein Vermögensrüdgang von 14 483,52 Mart ergibt. Im Namen des Prüfungsausschusses berichtet Seim- Nidda. Er bestätigt die Vermögenseinbuße in Höhe von 14 483,52 Mark seit dem Tode des Direktors Hoffmann. Im letzten Halbjahr wurden an Di­äten, Tagegeldern über 2100 Mark. im ganzen Jahr 1927 da= gegen nur 400 Mark ausgegeben. Der Redner macht für diese Geschäftsführung auch den Ausschuß mit verantwortlich. Der Versammlungsleiter, Stadtv. Löber- Gießen, dankt dem Prüfungs­ausschuß. Er mahnt zur Einmütigkeit, damit die Kasse wieder aufblühe. Bei Punkt: Wahl des Direktors wurde Dr. van Bentheim- Gießen mit 234 Stimmen gewählt, auf Leipold- Mün­zenberg fielen 59 Stimmen. In den Aufsichtsrat wurden Land­wirte aus den verschiedensten Bezirken vorgeschlagen, z. B. Bal-­zer- Gießen, Faber- Leihgestern, Gombert- Ebsdorf, Hofmann- Lol­lar, Schweizer- Obermörlen, Kimmel- Jssigheim, Dekonomierat Fritsch- Dilshofen, Faber- Kirch- Göns, zum 2. Direktor fam in Vorschlag Scharmann Friedberg. Der neue Direktor spricht die Hoffnung aus, daß die Anstalt im Interesse der Landwirtschaft und der Tierzüchter nun wieder einen neuen Aufschwung neh­men möge.

* Wieder Ortspostkarten. Einfache Postkarten mit Wert­stempel für den Ortsverkehr( 5 Pfg.) werden auf Grund einer Bekanntmachung der Reichspoſt fünftig wieder hergestellt und in Orten, wo ein Bedürfnis hervorgetreten ist, an den Schalter­stellen zum Verkauf bereitgehalten.

* Hausverfall und Lastkraftwagenverkehr. Die Stöße des ständig zunehmenden Lastkraftwagenverkehrs erschüttern die Häu­ser derartig, daß sich Risse in Putz und Mauerwerk bilden, die allmählich den Verfall des Hauses zur Folge haben. Die deut­schen Hausbesitzerverbände bemühen sich deswegen, Maßnahmen zu erreichen, die das Fahren mit vollgummibereisten Lastkraft= wagen endgültig verbieten, andererseits für den deutschen Haus­besitz zinslose Darlehen zu bekommen zur Beseitigung von Ver­tehrsmittelschäden an Baulichkeiten.

* Sonderzug zur Pressa. Am Sonntag, 2. September, ver­kehrt ein Verwaltungssonderzug mit Schnellzugsgeschwindigkeit und Fahrpreisermäßigung zur Pressa von Gießen nach Köln­Deutz mit einem Flügelzug von Friedberg, Bad- Nauheim, Butz­bach, Reisende der Strecke Marburg- Gießen erreichen den Zug mit fahrplanmäßigen Zügen. Die Hinfahrt erfolgt Gießen ab 6,32, Köln- Deutz an 9,41.

* Trozz mehrfacher Aufforderung der zuständigen Behörden hatte ein Schlosser aus Gießen es unterlassen, für sein außer­cheliches Kind zu sorgen. Er war daher vom Gericht in erster In­stanz zu einer Gefängnisstrafe von zwei Wochen verurteilt wor­den. Seine hiergegen eingelegte Berufung wurde von der Strafkammer verworfen.

Aus den Tagebuchblättern eines Engländers.

Von Josef Viera.

Aus Nah und Fern.

Hattenrod. Hier machte ein jung verheirateter Mann am Sonntagabend seinem Leben freiwillig ein Ende. Die Mutter hatte ihm Vorwürfe gemacht, die sich der Mann so zu Herzen nahm, daß er zu seiner bedauernswerten Tat schritt.

Nr. 68.

Gelnhausen. Hier wurden zwei noch schulpflichtige Kinder von einer Schar Wespen überfallen und schrecklich zugerichtet, so daß sie im Krankenhaus Aufnahme finden mußten.

Bom elektrischen Strom getötet wurde in dem Dorse Ober­Lais( Kreis Schotten) der 16 Jahre alte Knecht Hermann Stod. Der Junge hatte sich an der elektrischen Leitung zu schaffen ge= macht und fand dabei den Tod.

Friedberg. Lebensgefährliche Verlegungen erlitt ein vier­jähriges Kind, das in kochendes Seifenwasser fiel. Im hiesi­gen Krankenhaus liegt das Kind mit furchtbaren Brandwun­den; an seinem Aufkommen wird gezweifelt.

Büdingen. Gelegentlich einer Revision sind im hiesigen Gaswerk schlimme Zustände in der Geschäftsführung aufgedeckt worden. Die Geschäftsführung des seit siebzehn Jahren ohne jeglichen Ueberschuß arbeitenden Unternehmens wird als total verlottert bezeichnet.

Der Hessische Sängerbund hat bei seinem vorjährigen Sängerbundestag Schulrat Heinrich Hassinger in Darmstadt wegen seiner Verdienste um die deutsche Sangessache zum Ehren­mitglied und zum Ehrenvorstandsmitglied ernannt.

Das nennt man Förderung des Wohnungsbaues.

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Jch baute im Frühjahr vergangenen Jahres ein altes, ver­fallenes Kontorgebäude, das 20 Meter von der Chaussee ent­fernt liegt, zu einem Wohnhause mit 4 3immern und Küche um, ohne Hilfe der Hauszinssteuer. Eine Erlaubnis der Baupolizei war nach den eingesehenen baupolizeilichen Vorschriften nicht erforderlich, da neue Feuerungsanlagen, neue Fensteröffnungen und Türen nicht gemacht worden sind, das äußere Bild des Gebäudes vollständig unverändert geblieben ist. Es handelte sich lediglich um einen Innenausbau und einen anderen Ver­wendungszweck eine Wohnung anstatt eines Kontors. Trotz­dem reichte ich auf Anraten meines Bauunternehmers Zeichnung und Bauantrag ein. Viele Wochen mußte ich warten und schickte deshalb zum Bauamt, worauf mir der mündliche Be­scheid wurde, daß ich beginnen könnte. Nachdem ich längst fertig gebaut hatte, erhielt ich die Mitteilung, daß ich 3 Meter Stra­Benfront abtreten müßte und zwar kosten- und lastenfrei, an­dernfalls mir die Bauerlaubnis versagt werden müßte.

Jugendtagung des Vogelsberger Höhenclubs. Büdingen. Hier fand sich am Sonntag die Jugendgruppe des VHC. zusammen, um unter der Leitung des Professor Georg Bender-Frankfurt ihren Jahrestag zu begehen. Gleichzeitig mit der Tagung hielt die evangelische Jugend Bü­dingen ihr Jahresfest ab. Die Veranstaltungen begannen am Samstag mit einem Begrüßungsabend im Saale des Hotels ' Fürstenhof. Der Festsonntag brachte zunächst einen erheben­den Jugendgottesdienst in der Stadtkirche. Ein Rundgang durch Büdingen mit Erklärung der Altertumsschäze der Stadt durch Lehrer Leusohn- Lorbach schloß sich an. Dann fand gegen Mittag das große Jugendtreffen mit der beratenden Ver­sammlung auf dem Schützenplatz statt. In einem Vortrag zeigte an Hand der von Studienrat Dr. Binsel- Buzbach auf das Wandern aufgestellten Grundsäzen des VHC. Herr Dörf= lein Frankfurt, in welcher Weise das echte Jugendwandern ausgeführt werden soll.

Als Leutnant Cecil Wilson im Herbst 1917 zum ostafrikani­schen Kriegsschauplatz kam, hatte die deutsche Truppe unter General von Lettow- Vorbeck bereits drei Jahre Tropenkrieg hinter sich, in dessen Verlauf sie den kolonialen Boden so hart­nädig verteidigte, daß eine Karte von Deutsch- Ostafrika, in der sämtliche Gefechts- und Kampfplätze eingezeichnet sind, so be= In sät aussieht, wie der Himmel in einer Sternennacht. seinen Anschauungen und Meinungen lehnt sich der Leutnant Cecil Wilson an die Ausführungen des Generals Sir van De­venter an, die dieser am 20. Januar 1919 dem englischen Ober­sten Generalstab zustellte und die der Leutnant zuweilen wört­lich anführt. ,, Staunenswert ist", so schreibt Wilson ,,, wie die Deutschen in dieser Höllenglut des Klimas, in der feuchten, ba­zillengeschwängerten, fiebererzeugenden Urwalddunstluft sich gegen unsere Uebermacht halten. Jetzt, um das Ende von 1917 haben wir sie mit mit unseren insgesamt 300 000 Soldaten noch immer nicht klein gekriegt. Wir schätzen die Deutschen auf höch= stens 300 Europäer, 1700 schwarze Soldaten( Askari), 3000 Lastenträger, Weiber und Kinder. Auf dem Makondehochland hatten wir diesen bunten Hausen vollkommen umzingelt und mit der Waffenstreckung des Feindes gerechnet. Aber wir hatten nicht mit der Gewandtheit des deutschen Generals gerechnet, der es verstand, mit seinem ganzen Volk sich unserer Umklammerung zu entziehen und in die Wildnis der Rovumaniederung zu ver= schwinden. Unser General Sir van Deventer sagte nach diesem Mißerfolg wutentbrannt: Die Deutschen wollen sich nicht ergeben, der Feldzug muß also bis zu ihrer völligen Ver­nichtung geführt werden!" Das war leichter gesagt als ge= tan, die Deutschen ließen sich eben nicht vernichten.

Endlich erhielten wir Meldung: Die Deutschen überschreiten den Rovuma, knapp an Munition und Verpflegung, friegsmüde und niedergeschlagen. Wir frohlodten! Wir bauten Stachel­drahtzäune, um die gefangenen Deutschen einzuschließen, und wir brachten unsere Kameras in Ordnung, um das Bild des General von Lettow- Vorbeck, dieses Wunder von Gerissenheit

Ich

zog darauf meinen Antrag sofort zurück und erhielt nun ein Strafmandat von 200 M wegen Uebertretung der baupolizei­lichen Vorschrift( unberechtigtes Bauen). Es gibt auch Straf­mandate wegen unberechtigten Arbeitens, das ist hier so ziem­lich dasselbe. Mein Antrag auf richterliche Entscheidung endete mit Einstellung des Verfahrens, da Verjährung vorliegt. Jetzt verlangt man von mir die Herstellung des alten Zustandes!! Ich soll den Mieter mit Kind und Kegel auf die Straße setzen und alles, was für 4-5000 M gemacht worden ist, in Grund und Boden schlagen. Eine Dynamitbombe unterlegen und in die Luftsprengen, wäre danach also das einfachste Verfahren. Meine Beschwerde beim Oberbürgermeister begründete ich da­mit, daß ich doch die Pfingstfeiertage zu Hause verleben möchte, denn wenn ich diese Aufforderung ausführte, würde man mich für total verrückt erklären und nach Dalldorf transportieren. Ich werde nun ruhig die weiteren Maßnahmen abwarten. Das nennt man Förderung des Wohnungsbaues bezw. Hilfe dem ver­armten bedrängten Mittelstand!! Die Wirklichkeit sieht aber anders aus. und die meisten wagen es leider nicht, solche Fälle an die Oeffentlichkeit zu tragen.

Neue Bücher.

Erfolg. Von Lord Beaverbrook ,, mit einer Ein­führung von Herbert Nr. Casson. 120 S., fart. Rmf. 2,50. Verlag E. Laufner, Grünheide( Mark). In diesem anregend geschriebenen Buch weist der Versasser, ein Selfmademan, der noch vor zehn Jahren nur Maywell Aitken hieß und erst auf Veranlassung von Llord Georges in den Adelsstand erhoben wurde, die Wege, die zum Erfolg führen. Jeder, der in seinem Beruf, in seiner Arbeit vorankommen möchte, sollte dieses Buch lesen.

Jeder kluge Geschäftsmann

benutze die überall beliebten Reichssteuer- Kaffebücher von Albin Klein, Gießen.

und teuflischem Wit, auf die Platte zu bannen. Und richtig!| sten Punkt seines Marsches zum Sambesi die Station Nama­Eines Tages erschienen an unseren Fronten, einzen und in Gruppen, waffenlose Soldaten, gekleidet in fürchterlichen Lum­pen, und ließen sich willig gefangen nehmen. Es waren aber Portugiesen, also unsere eigenen Verbündeten, die in den Lum­pen steckten.

Die angeblich friegsmüden und niedergeschlagenen Deut­schen hatten die portugiesische Festung Ngomano, die von tausend Soldaten besetzt war, gestürmt, und eine Viertelmillion Patro­nen und alle Gewehre erbeutet. Sie hatten ihre englichen, früher bei uns erbeuteten Waffen, zu denen ihnen im Augen­blick die Patronen mangelten, um Baumstämme geschlagen, so daß die Schäfte zersplitterten und die Läufe knickten, hatten sich neuzeitlich portugiesisch ausgerüstet, und die gefangenen Por­tugiesen in ihren eigenen deutschen Lumpen zu uns geschickt. Darauf wandten sich die Deutschen wieder landeinwärts, ins Innere der portugiesischen Kolonie, in einem ununterbrochenen Siegeszug alle befestigten Plätze erobernd.-( Ich erstand für meine Kriegsbeutesammlung von einem Portugiesen eine deut­sche Ausrüstung. 5 Schilling, 6 Pence! Sie besteht aus 100 000 Flicken. Es ist fabelhaft.)

Wir zogen unsere Truppen zusammen: die Nigeria- Brigade, das Gold- Coast- Regiment, das Cap- Corps, die King- African­Rifle, die indischen und die afrikanischen Eingeborenentruppen, die portugiesischen und belgischen Formationen und die ameri­kanischen Neger- Regimenter. Unser Trägertroß allein betrug 100 000 Mann. Auf der Strecke Port- Amelia- Medo ließen wir tausend Kraftwagen laufen. Längs der Küsten besorg­ten Flotten von Kriegs- und Frachtschiffen den Dienst. Die Eisenbahn von Lombo nach dem Hinterland von Mozambique arbeitete ausschließlich für uns. Auf dem Sambesie wurden die Raddampfer und Schlepper mit Kriegsmaterial beladen, am Nyassasee die Festungen ausgebaut. Von der Küste rückten Bri­gadegeneral Edwards und Colonel Sousa Rosa vor, vom Nyassa­ende die Generäle Northey und Hawthorn. Die Generäle Shepphard, Ewart, Fendall, Lewellyen, Rose, Malfent u. a. unterstützten mit ihren Truppen aufs eifrigste die Unterneh­

mungen.

Und was tat Lettow- Vorbeck?

Er griff mit seinen paar Hundert Leuten auf dem südlich­

furru an, biß sich an unserem hartnäckigen Widerstand einige Zähne aus, holte sich in aller Gemütsruhe zwei Schnellfeuer­kanonen aus unserer Stellung und räucherte uns mit unseren eigenen Geschützen aus der Feste. Und wie räucherte er uns aus!" Leutnant Cecil Wilson erzählt des weiteren in seiner auf­richtigen und anschaulichen Art, daß er zu den wenig Glücklichen gehorte, denen es gelang, sich schwimmend durch den Nama­kurrufluß zu retten. Ueber hundert farbige Soldaten, viele Europäer, darunter auch der englische Führer, Major Broun, waren ertrunken, die noch viel beträchtlichere Zahl Gefallener und Gefangener nicht mitgerechnet. Und während die wenigen geretteten Engländer sich hilflos und hungrig jenseits des Flus­ses herumtrieben, taten sich die Deutschen an den reichen Vor­räten ihrer Feinde gütlich, stärkten ihren heruntergekommenen Körper mit englischen Konserven und Weinen, warfen die mu­nitionslos gewordenen portugiesischen Gewehre in den Nama­furru und rüsteten sich wieder einmal mit englischen Waffen aus.

Mehrere Tage später gelang es den Engländern, erneut große Truppenmassen am Namakurru zusammenzuziehen. Sie um­zingelten den Platz und belegten ihn stundenlang mit schwere: die Station Artillerie. Sodann gingen sie zum Sturm vor, war aber razzekahl verlassen. Lettow- Vorbed war mit seinen Leuten schon 24 Stunden vorher nach dem Bezirk Chalau zu neuer Betätigung abgezogen, nachdem er vorher noch einen coll­ständigen Eisenbahnzug und ein Namakurru- Dampfboot abge fangen hatte, welch letzterem ein englischer Stabsart als Ve gleitoffizier eines ebenfalls willkommen geheißenen Munitions­transportes von 350 Lasten entstieg.

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Dieser Tag von Namakurru ist nur einer von den 1700 ost­afrikanischen Kriegstagen, die, vom ersten bis zum letzten, für die Deutschen unvermindert ehrenhaft gewesen sind, denu nan muß wissen und man sollte es den wenigen übrig gebliebe­nen ostafrikanischen Kriegsteilnehmern hoch anrechnen-, daß sie die Waffenniederlegung am 25. November 1918 in Britisch­Rhodesia( dahin waren sie inzwischen auf ihrem abenteuerlichen Zug gelangt) mit einem feierlichen Protest begleiteten. Sie mußten den Waffenstillstandsbedingungen in Europa Genüge tun. Freiwillig flein beigegeben jedoch haben sie nicht.

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