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Aschaffenburg

Gießener Zeitung

( Neueste Nachrichten)

Erscheint Mittwochs und Samstags. Bezugspreis 2,40 M vierteljährlich frei ins Haus. Redaktionsschluß früh 8 Uhr. Für Aufbewahrung oder Rüd­fendung nicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert.

41. Jahrg.

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Politische Tagesschau.

Der Austausch der Ratifikationsurkunden zum Handelsab­tommen zwischen Deutschland und Frankreich vom 17. August 1927 ist am 23. Mai in Paris erfolgt.

Der Reichspräsident hat den neuernannten chilenischen Ge­sandten Luis B. de Porto Seguro zur Entgegen: nahme seines Beglaubigungsschreibens empfangen.

Der Gesundheitszustand des Reichsaußenministers Dr. Stre­semann hat sich weiter gebessert. Jedoch ist noch für längere Zeit Bettruhe und Schonung notwendig.

Der neuernannte Legationssekretär an der deutschen Bot­schaft in London, Fürst Bismard ist mit seiner Gattin in London eingetroffen. Das junge Paar wird in dieser Woche noch am englischen Hofe vorgestellt werden.

Von kommunistischer Seite wurde auf das italienische Kon­sulat in Buenos Aires ein Bombenanschlag verübt, bei dem 22 Bersonen getötet und fast 50 verletzt wurden.

Druck und Verlag von Albin Klein in Gießen Geschäftsstelle: Gießen, Südanlage 21. Fernsprecher Nr. 2525 und 2526 Postscheckkonto Nr. 69 530 Amt Frankfurt a. M

Samstag, den 26. Mai 1928

Das Opel- Raketenauto auf der Berliner Avus.

Es waren rund 2000 geladene Zuschauer, Techniker, Sports­Leute, Pressevertreter und Photographen, die am Mittwoch morgen um 10 Uhr auf der Avusbahn in Berlin zusammenge­kommen waren, um Zeuge des zweiten Versuchs mit dem Sander­Opelschen Raketenautos zu sein. Zunächst sprach Geheimrat Schütte, der berühmte Luftschiffkonstrukteur: Die Grenzen der Leistungsfähigkeit unserer heutigen Flugmittel seien bald er­reicht. Die Umdrehungszahl der Propeller sei in der dicken Luft nicht zu erhöhen. In der verdünnten Luft der Stratosphäre sei ein Flug mit den heutigen Mitteln andererseits unmöglich. Nur ein Raketenflugzeug, das unabhängig von der Luft ist, kann den schnellen Verkehr in großen Höhen durchführen. Schütte führt die Vorstellungen des Laien sehr schnell auf das normale Maß zurück. Er zerstört das Märchen von den beabsichtigten Weltraumflügen, die schon in der nächsten Zeit unternommen werden sollen, betrachtet aber die Entwicklung der Raketenfahr­zeuge mit großem Optimismus. Ihnen gehöre die Zukunft

Rücktritt der Reichsregierung am 11.Suni. der Luftfahrt.

Das Reichskabinett hat am Donnerstag Vormittag nach einer vorher mit Reichspräsident Hindenburg gepflogenen Un­terhaltung des Kanzlers und unter dessen Zustimmung den Beschluß gefaßt ,,, zur Zeit von einer Demission des Reichskabi­netts abzusehen und in Aussicht zu nehmen, am Tage vor dem Zusammentritt des Reichstages dem Reichspräsidenten den Rück­tritt der bisherigen Regierung zu unterbreiten". Da der Reichs= tag voraussichtlich am 12 Juni zu seiner ersten Sizung zusam= mentreten wird, so würde das Rüdtrittsgesuch des Reichstabi­netts am 11. Juni dem Reichspräsidenten unterbreitet werden. Bis dahin wird die bisherige Regierung die Geschäfte weiter­führen.

Die offiziellen Verhandlungen über die Neubildung der Regierung werden erst in der Woche nach Pfingsten beginnen. Ihr Abschluß ist natürlich von der Mitwirkung der Fraktionen tages in Berlin wieder versammeln werden.

Kurze Sommertagung des Landtags. Das Plenum des Hessischen Landtags tritt voraussichtlich am 4. Juni zusammen. Man hofft, die Beratungen in zwei Tagungen abschließen zu können. Für den 6. Juni ist ein Aus= flug des Landtags nach Michelstadt und Lindenfels vorgesehen, der als Abschluß der diesjährigen Sommertagung gelten soll.

Der 11. August als Nationalfeiertag beschlossen.

Der Reichsrat hat am 24. Mai den von der preußischen Regierung eingebrachten Gesetzentwurf, den 11. August zum Nationalfeiertag zu erklären und die Gemeinden zur Beflag­gung der öffentlichen Gebäude und zu entsprechenden Feiern an diesem Tage anzuhalten mit 47 gegen 19 Stimmen bei 2 Stimm­enthaltungen angenommen.

Wahlanfechtung der Wirtschaftspartei.

Die Landesleitung der Reichspartei des deutschen Mittel­standes( Wirtschaftspartei) beabsichtigt, die Mandatsverteilung für den bayerischen Landtag anzufechten, da Artikel 55 Abs. 4 des Landeswahlgesetzes gegen die Reichsverfassung verstoße. Sie ver­weist darauf, daß die Wirtschaftspartei in Bayern mehr Stim­men erhalten habe als die Deutsche Volkspartei und daß sie tein Mandat erhalte, während der Deutschen Volkspartei vier Sitze zugewiesen worden seien. Von einem gleichen Wahlrecht, wie es die Reichsverfassung vorschreibe, könne daher keine Rede Tein.

Ein neuer deutscher Kreuzer ,, Köln".

Mittwoch vormittag lief in Wilhelmshaven bei schönstem Wetter der neue Kreuzer ,, D." vom Stapel. Der Feier wohnten Reichswehrminister Groener, Reichsjustizminister Dr. Hergt, Reichsfinanzminister Dr. Köhler, der Ministerpräsident von Ol­denburg und zahlreiche hohe Beamte bei. Der Kreuzer ist nach der Stadt ,, Köln" benannt worden( der vierte seit Bestehen der Deutschen Marine), womit gleichzeitig eine Ehrung des gesam­ten Rheinlandes wieder zum Ausdruck gebracht werden soll. Den Taufakt vollzog die Witwe des im Weltkrieg untergegangenen Kapitäns des ehemaligen Kreuzers Köln".

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Von den Bremen"-Fliegern. Die ,, Bremen"-Flieger sind von ihrer Rundreise durch die amerikanischen Städte nach New York zurückgekehrt. Sie haben ich, um auszuruhen, auf einen Landsitz zurückgezogen und beab­ichtigen, bis zu ihrer für den 9. Juni geplanten Abreise nach Deutschland dort zu bleiben.

An der feierlichen Einholung der Bremen"-Flieger, die amm 18. Juni mit dem, Columbus" in Bremerhaven eintreffen sollen, werden sich auch die automobilistischen Kreise Deutschlands beteiligen. Der A. D. A. C. wird für seine Mitglieder eine Ziel­fahrt nach Bremerhaven ausschreiben, um dort Köhl und von Sünefeld nach ihrer Landung zu begrüßen.

Frizz v. Opel sprach nach ihm über die Arbeit, die geleistet wurde, und die Arbeit, die zu leisten ist. Aus solchem Holz, wie dieser Mann hier, müssen die Männer unserer heutigen Zeit geschnitzt werden. Industrieller und Rennfahrer, Konstrukteur und Idealist von reinstem Wasser. Wahrlich eine gute Mischung. Er spricht nüchtern und ohne Pathos. Er sieht Hindernisse, aber er weiß, wie sie zu nehmen sind. Und er glaubt an seine Ar­beit, ohne romantischer Schwärmer zu sein. In mehreren Etap­pen wird er zum Ziele des Stratosphärenfluges gelangen. Der Start auf der Avus symbolisiert die erste. Er beweist die Ver­wendbarkeit der Rakete.

Die zweite Etappe ist ein Angriff auf den Weltrekord für Fahrzeuge( 333- Stunden- Kilometer). Es gilt zu beweisen, daß die Rakete an Leistungsfähigkeit jedes bisher gekannte Triebmittel übertrifft.

Dritte Etappe: das Flugzeug mit Raketenantrieb, das 300 bis 400 Kilometer in der Stunde zurücklegen soll.

Vierte Etappe: der erste Vorstoß in die Stratosphäre mit unbemannten registrierenden Raketen, nachdem es bisher nicht gelungen ist, mit Registrierballons eine Höhe von 30 Kilometer zu übersteigen. Später werden die Raketen Tiere von wachsen­der Größe mitnehmen, denn es gilt festzustellen, welchen Ein­flüssen lebende Organismen in solchen Höhen ausgesetzt sind.

Und nunmehr folgt die fünfte entscheidende Etappe: die be= mannte Ratete.

In der sechsten Etappe wird versucht, in Höhen von 20 bis 30 Kilometern Geschwindigkeiten zu erzielen, die über der 1000­

Meter- Grenze liegen.

Ein Flug um die Erde soll in weniger als einem halben Tag auszuführen sein.

Die siebente Etappe endlich bringt die weiteren Folgerun­gen: größere Geschwindigkeit und Steighöhe.

Und das Weltraumschiff"?, werden Sie mich fragen: Die

Die Franzosen und der Rüsselsheimer Bahnhofsbau.

Zu den Pressenachrichten, daß die französische Besatzungsbe­hörde gegen die Fortführung der Erweiterungsbauten des Bahn­hofs Rüsselsheim Einspruch erhoben habe, ist folgendes zu be= merken:

Baupläne dieser Art sind nach einer Ordonnanzvorschrift den Besagungsbehörden vor Beginn der Arbeiten zur Kennt nis zu bringen. Erst nach Eingang ihrer Antwort können die Arbeiten begonnen werden. Im Falle Rüsselsheim war das Programm für den ersten Bauabschnitt anstandslos ge= billigt worden. Als die Pläne zum zweiten Bauabschnitt zur Vorlage gelangten, erklärte die zuständige Besagungsbehörde in Wiesbaden, sie könne teine Stellung nehmen, die Ange­legenheit werde vielmehr nach neuerlichen Weisungen in Paris entschieden. Es ist zu befürchten, daß dieses Verfahren zu einer höchst bedauerlichen und wirtschaftlich unerträglichen Verzögerung der Fertigstellung der Rüsselsheimer Umbauten führt. Erst nach Fertigstellung des zweiten Bauabschnitts wird der erste Bauabschnitt verwendungsfähig und erst dann sind die derzeitigen unhaltbaren Zustände beseitigt. Es sind deshalb amtliche Schritte eingeleitet, um eine baldige Ent­scheidung der Pariser Stellen herbeizuführen.

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Besazungsbehörde und Verladebahnhof der Opelwerke. Abg. Reiber( Dem.) fragt bei der Regierung an: Ist der Regierung dieser Einspruch der Besagungsbehörde bekannt? Was hat die Regierung getan, bezw. was gedenkt sie zu tun, damit diese Maßnahme rückgängig gemacht wird, die geeignet ist, die Wirtschaft des ganzen Brückenkopfgebietes erheblich zu schädigen? Ist die Regierung bereit, den Besatzungsbehörden gegenüber zum Ausdruck zu bringen, daß der ganz unverständ­liche Einspruch als ein mit dem Geist der Locarnoverträge in vollem Widerspruch stehender Versuch der Niederhaltung eines angesehenen deutschen Unternehmens aufgefaßt werden muß.

( Gießener Tageblatt)

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Nummer 43

siebente Etappe bietet vielleicht die Möglichkeit, benachbarte Himmelskörper zu erreichen. Wenn auch nicht einzusehen ist, was wir ausgerechnet auf dem Mond verloren haben. Solche Jdeen verwirren nur die Begriffe und lenken von der praktischen Seite ab. Noch hat die Erde Platz für alle. Aber hoffen wir, daß das so oft totgesagte Europa wieder einmal die Unver­gänglichkeit seiner geistigen Kräfte beweisen wird und daß dent­scher Wissenschaft und insbesondere der deutschen Chemie die Führung in diesem edlen Wettstreit erhalten bleibt. Hoffen Sie mit uns auf den Tag, an dem das erste Raumschiff mit dem Namen ,, Deutschland" am Rumpfe schneller als die Sonne un­sere Erde umfliegen wird!

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Dann nimmt Fritz v. Opel, denn er lenkt selbst den Ra­fetenwagen auf dieser Fahrt, seinen Führersitz ein. Ein Hebel­druck ohren betäubendes Zischen eine Feuersäule- und der lange, schwarzlackierte Wagen, vorher von allen bestaunt, ist weg und verschwindet wie ein Komet. Man schätzt die er­zielte Geschwindigkeit auf 195 Km. Sie ist so niedrig, weil die Beschaffenheit der Bahn keine höhere zuläßt.

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Im Schlepptau eines Autos kam Fritz v. Opel mit dem Raketenwagen von seiner zweiten Versuchsfahrt denn er hatte schon am Montag in aller Heimlichkeit einen Versuch unternom zurück. Die Zuschauer, von dem ungewohnten Schau­spiel noch begeistert, umjubelten Frizz v. Opel, indem sich der weitblickende Industrielle mit dem wagemutigen Pionier ver­bindet.

Damit ist die erste Etappe des vorgenommenen Arbeits­planes bestanden. Glückauf für die nächsten!

Die gesamte Presse brachte, 3. T. in größter Aufmachung, lange Berichte von der Versuchsfahrt auf der Avusbahn. In allen Berichten wurde der Lenker des Wagens in vielen Zeilen gewürdigt, bewundert und beglückwünscht. Den Schöpfer die­ser Idee, den österreichischen Astronomen Valier wollen wir aber dabei nicht vergessen. Wir wollen daher in Gedanken zwischen beide Männer, sie sind ja beide stammesverwandt, treten und sowohl dem Mann der Tat, dem deutschen Sportsmann Opel, wie dem früher verspotteten Denker, dem Träger der Jdee, dem Valier, Glüd wünschen für den weiteren Ausbau diesen neuen ,, grenzenlosen" Werkes.

Vor dem Ratetenflug.

Die Raab- Katzenstein- Flugzeugwerke in Kassel haben mit dem Bau des Raketenflugzeuges ,, Grasmücke" begonnen und hoffen, in 14 Tagen bis drei Wochen zum ersten Fluge starten zu können. In diesen Tagen wird Ingenieur Sander in Kas­sel erwartet. Er soll genaue Berechnungen über das Gewicht der Rakete, ihre Explosionskraft und ihre Higeentwicklung an­stellen.

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Staatspräsident Adelung beglückwünscht Fa. Opel.

Zum glücklichen Start des Raketenautos auf der Avusbahn hat der hessische Staatspräsident der Firma Opel und den bei dem Unternehmen hervorragend beteiligten Herren Balier, San­der und Friz v. Opel telegraphisch die besten Glückwünsche über­mitteln lassen.

Ein Weg zur Beseitigung

der Wohnungsnot.

Die im vergangenen Jahre vorgenommene Reichswohnungs­zählung, deren Ergebnisse die Grundlage der künftigen Woh­nungspolitik bilden sollten, hat nicht dazu beigetragen, die Un­klarheiten über den tatsächlichen Wohnungsfehlbedarf zu besei­tigen. Obwohl das Statistische Reichsamt den Fehlbedarf auf rund eine Million Wohnungen auf Grund der vorliegenden Er­gebnisse der Reichswohnungszählung beziffert, rechnet das Reichsarbeitsministerium nach wie vor mit einem Fehlbedarf von rund 600 000 Wohnungen, da von der ermittelten einen Million fehlender Wohnungen die Zahl der Haushaltungen und Familien, die dauernd auf eigene Wohnung verzichten müssen und auch keine eigene Wohnung anstreben, abzuziehen ist. Den jährlichen Zuwachsbedarf beziffert das Reichsarbeits­ministerium auf rund 200 000 Wohnungen.

Nimmt man nun an, daß die Wohnungs- Reserven aus der Vorkriegszeit nicht erst im Jahre 1919, sondern bereits im Jahre 1918 restlos aufgebraucht waren, so hätte der Wohnungsfehlbe­darf unter Zugrundelegung eines jährlichen Zuwachsfehlber darfes von 200 000 Wohnungen seit 1918 Ende 1927 1800 000 Wohnungen betragen müssen, sofern man die steubautätigkeit unberücksichtigt läßt. Nach der Statistik sind aber in den Jahren 1919 bis 1927 insgesamt rund 1320 000 Wohnungen hergestellt worden, so daß Ende 1927 ein Fehlbedarf von rund 480 000 Wohnungen verbleibt. Dieses Ergebnis muß überraschen und lehrt, daß die Ergebnisse der Reichswohnungszählung unmöglich die Grundlage unserer fünftigen Wohnungspolitik bilden können. Trotz dieses überraschenden Ergebnisses, das beweist, daß die Reichswohnungszählung völlig ergebnislos verlaufen ist, bleibt die Tatsache bestehen, daß ein Mangel an ungefähr 480 000 Wohnungen besteht, der schnellstens beseitigt werden muß. In Erkenntnis dieser Notwendigkeit hat sich der Reichs­tagsausschuß für Wohnungswesen kurz vor der Auflösung des Reichstages mit dieser für weite Volksschichten wichtigen Frage beschäftigt. In seiner Entschließung hat sich der Reichstags=