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Nr. 41.

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ler. Heft 50 Pf.

lag Berlin N 24

Gießener Zeitung

( Neueste Nachrichten)

Erscheint Mittwochs und Samstags. Bezugspreis 2,40 M vierteljährlich frei ins Haus. Redaktionsschluß früh 8 Uhr.- Für Aufbewahrung oder Rüd­fendung nicht verlangter Manustripte wird nicht garantiert.

41. Jahrg.

Nolitische Tagesschau.

Infolge des Einspruchs der Reichsregierung ist die Eisen­bahntariferhöhung zum 1. Juli nicht mehr möglich.

*

Das Befinden des Reichsaußenministers hat weitere Fort­schritte gemacht. Die Nierenfunktion ist wieder normal. An politischen Besprechungen hat Dr. Stresemann aber noch nicht teilgenommen.

Es tauchen neuerdings wieder unbestätigte Meldungen auf, nach denen die Bremen"-Flieger mit dem Schwefterflugzeug der Bremen", der Europa", nach Deutschland zurüdfliegen wollen.

*

Wie die Blätter melden, ist die griechische Regierung gestern zurüdgetreten.

Reichstagswahl.

492 Abgeordnete gewählt.

Das vorläufige Gesamtergebnis der Reichstagswahlen ge­staltet sich folgendermaßen: In den 35 Wahlkreisen und auf Grund der Verrechnung der Reststimmen auf die Wahlkreis­perbände, sowie auf die Reichsliste sind 492 Abgeordnete( gegen 493 im letzten Reichstage) als gewählt zu betrachten. Die vor­läufige Zusammenstellung der Stimmen und die vorläufige Berteilung der Abgeordnetensize ergibt folgendes Bild: Stimmen Mandate Bisher 9 111 438 154 131 4 359 586 107

22322

Sozialdemokratische Partei Deutschnationale Volkspartei Zentrumspartei

73

3 705 040

62

67

Deutsche Volkspartei

2 669 549

45

50

Kommunistische Partei

3 232 875

54

30

Demokratische Partei

1 492 899

25

32

Bayrische Volkspartei

936 404

16

19

Linke Kommunisten

18.057

13

NG

Wirtschaftspartei

1 391 133

21

Rat.- soz. Arbeiterpartei( Hitler)

806 746

12

7

ofen

Völkisch- nationaler Block

264 595

5

arate

Deutsche Bauernpartei

480 613

8

erteilt

Deutsch- Hannoveraner

194 938

Landbund

199 491

SCHAFT

Chr. nat. Bauern u. Landvolk- P.

770 100

13

Volksrechtpartei

480 978

3

2

Sächs. Landvolk

127 333

Evangel. Volksgemeinschaft

51 465

Reden,

ens an

Reichsp. f. Hdw., Hand. u. Gew. Unabhängige Sozialdemokraten Volksbl. d. Inflationsgeschädigten 36 658 Deutsche Haus- u. Grundbes.- P. 35 550

6405

20 715

Nat. Minderheiten Deutschlands Alte sozialdemokr. Partei

70 752

65 246

Unpolitische Liste der Kriegsopfer ( Volkswohlfahrtspartei)

6.045

Reichsblock der Geschädigten

7 330

7 473

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Aufwertungs- und Aufbaupartei Reichsarbeitsgemeinschaft f. Volks­recht und Aufwertung

Christl.- soz. Reichspartei

Partei für Recht und Mieterschutz

Evangelischer Volksdienst

Für sonstige Reichswahlvorschläge Bei feiner Partei

110 466

2164

4676

6 071

4

Zu den Mandaten der Deutschnationalen sind noch die 3 des Landbundes, die 2 des Sächsischen Landvolk, die 8 der Deut­schen Bauernpartei und möglicherweise auch die der Christlich nationalen Bauernpartei zu rechnen, wenn diese letzteren sich nicht der Wirtschaftspartei angliedern. Die Mandatszahl der Deutschnationalen würde sich dann auf 86 oder auf 99 belaufen. In den 770 100 angegebenen Stimmen für die Christlichnatio= nale Bauern und Landvolkpartei sind 194 938 Stimmen für Kreiswahlvorschläge der Deutsch- Hannoverschen Partei abge­geben, die damit drei Mandate erhält.

*

Landtagswahlen.

Preußen.

Sozialdemokraten Deutschnationale und Landbund Zentrum

89

Mandate Bisher 136 114 109

72

81

40

21

21

Deutsche Volkspartei

Kommunisten

Demokraten Wirtschaftspartei

Nationalsozialisten Völkischer Block

Deutsch- Hannoveraner Volksrechtspartei

45 44 27- 11-

N6252

Die Mandatszahl ist die gleiche geblieben wie im früheren

Landtag, nämlich 450.

Druck und Verlag von Albin Klein in Gießen Geschäftsstelle: Gießen, Südanlage 21. Fernsprecher Nr. 2525 und 2526 Postscheckkonto Nr. 69 530 Amt Frankfurt a. M

Mittwoch, den 23. Mai 1928

Bayern.

München. Nach dem vorläufigen Gesamtergebnis haben erhalten:

Sozialdemokraten Deutsch- nat.Volks- P. Deutsche Volkspartei Kommunisten Bayr. Volkspartei National- Sozialisten

Bayr. Bauernbund

zusammen 128 Mandate.

Stimmen Mandate

801 584

34

Bisher 25

305 844

13

14

110 692

4

2

125 983

5

7

1 031 157

46

46

201 056 369 711

9

17

12

Württemberg.

652

Deutschnationale und Bauernbund

20

Mandate Bisher 25

Deutsche Volkspartei

4

Zentrum

17

16

Demokraten

9

Sozialdemokraten

22

13

Kommunisten

8

3

Christliche Volksdienstpartei

Oldenburg.

Bei den oldenburgischen Landtagswahlen erhielten die So­zialdemokraten 14 Mandate( 9), 3entrum 9( 10), Rechtsblock 9( 15), Kommunisten 2( 0), Demokraten 5( 5), Wirtschafts­partei 2( 0), Nationalsozialisten 3( 0), Völkisch- Nat. 1( 0), Christl. Bauernpartei 3( 0).

Anhalt.

Im einzelnen erhielten: Sozialdemokraten 84 483( 15 Man­date), Deutschnationale 13 510( 2), Zentrumspartei 2580( 0), Deutsche Volksp. 30 852( 6), Kommunisten 15 007( 3), Demo­fraten 8436( 2), Landbund 21 627( 4), Linke Kommunisten 779 ( 0), Wirtsch.- P. 6775( 1), Nat.- Sozialisten 4107( 1), Boden­reformer 1071( 0), Volksrechtpartei 1933( 0), Anhaltische Haus­und Grundbesitzer 8 124( 2).

*

Die Reichstagswahlen in

Hessen- Darmstadt

Sozialdemokraten 192 450( 222 000), Deutschnationale Volks­partei 20 693( 48 000), 3entrum 95 400( 99 000), Deutsche Volks­Volkspartei 57 048( 73 000), Kommunisten 52 000( 33 600), De­mokraten 37 520( 54 000), Lintskommunisten 3910(-), Wirt­schaftspartei 7827(-), Nationalsozialisten 11 291( 8200), Völ­kische 651(-), Christlich- nat. Bauern 79 726( 78 800), Volks­rechtpartei 13 872(-), Evangelische Volksgemeinschaft 11 561 (-). 65,5 Prozent wählten.

Hessen- Nassau.

Sozialdemokraten 379 579( 374 013), Deutschnationale Volks­partei 120 918( 225 485), Zentrum 173 455( 202 062), Deutsche Volkspartei 119 384( 152 110), Kommunisten 93 166( 64 159), Demokraten 66 493( 99 635), Linkskommunisten 4593( 0), Wirt­schaftspartei 47 850( 25 825), Nationalsozialisten 42 472( 29 086), Deutsche Bauern- Partei 4647( 0), Nölkisch- Nationale 6393( 0), Christlich- Nationale 88 973( 0), Volksrechtpartei 13 299( 0), Ev. Volksgemeinschaft 9334( 0), Deutsch- Soz. 1850( 0), USP. 3042 ( 0), Inflationsgeschädigte 1201( 0), Reichsblock der Geschäd. 450 ( 0). Stimmberechtigt 1635 281( 1 523 213), Zahl der gültigen Stimmen 1176 075( 1 168 401).

Oberhessen.

Sozialdemokraten 42 767, Deutschnat. Volkspartei 5758, Zen­trum 6850, Deutsche Volkspartei 13 643, Kommunisten 6737, Demokraten 7516, Linke Kommunisten 669, Wirtschaftspartei 3089, Nationalsozialisten 2364, Völkisch- Nat. Blod 227, Christl. Nat. Bauern 40 083, Volfsrechtpartei 2538, Evang. Volksge­meinschaft 3202, Reichsblock d. Geschäd. 34, Altsozialisten 598. Gießen- Kreis.

Sozialdemokraten 15 295, Deutschnat. Volkspartei 2264, 3en­trum 909, Deutsche Volkspartei 5186, Kommunisten 1435, Demo: kraten 2381, Linkskommunisten 191, Wirtschaftspartei 1290, Nationalsozialisten 686, Völkisch- Nat. Blod 83, Christl. Nat. Bauern 9400, Volksrechtpartei 873, Evangelische Volksgemein­schaft 781, Reichsblock d. Geschäd. 5, Altsozialisten 170.

Gießen- Stadt.

Sozialdemokraten 2350 Männer, 2179 Frauen, insgesamt 4529, Deutschnationale Volkspartei 729 Männer, 746 Frauen, 1475, Zentrum 347 Männer, 444 Frauen, 791, Deutsche Volks­partei 1675 Männer, 1919 Frauen, 3594, Kommunistische Par­tei 396 Männer, 253 Frauen, 649, Demokratische Partei 698 Männer, 575 Frauen, insgesamt 1273, Linke Kommunisten 73 Männer, 30 Frauen, insgesamt 103, Wirtschaftspartei 516 Män­ner, 486 Frauen, 1002, Nationalsozialisten 140 Männer, 65 Frauen, 205, Völkisch- Nat. Blod 31 Männer, 19 Frauen, 50, Christl.- nat. Bauern- und Landvolk- P. 64 Männer, 47 Frauen, 111, Volksrechtpartei 240 Männer, 287 Frauen, 527, Evange= lische Volksgemeinschaft 186 Männer, 271 Frauen, 457, Reichs­block der Geschädigten 1 Frau, Altsozialisten 31 Männer, 26 Frauen, 57.

Insgesamt 14 824 Stimmen= 62,58 Prozent der Stimm­berechtigten.

( Gießener Tageblatt)

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Nummer 42

Was wird nun?

Die Reichsregierung wird zunächst das endgültige Ergeb­nis der Wahlen und die amtliche Bestätigung abwarten, um dann in einer besonderen Sitzung ihren Rücktritt zum Ausdruc zu bringen. Dieser ist zunächst nur ein formeller, denn das Ka­binett Marx führt die Geschäfte weiter, bis das neue Kabinett gebildet ist.

Dann wird der Reichspräsident ein Mitglied der stärksten Fraktion, der Sozialdemokraten, aufforderen, die Bildung einer neuen Regierung in die Wege zu leiten. Und damit beginnen die Schwierigkeiten. Eine reine Linksregierung mit den 208 Stimmen der Linken kommt wohl nicht in Frage. Ebenso wenig läßt sich die Weimarer Koalition, mit der man bisher in Preußen regierte, auf den Reichstag übertragen, denn 492 Abgeordnete sind gewählt; zur einfachen Mehrheit gehören 246 Stimmen, die Weimarer Koalition besitzt nur 239 Stimmen. Würde die neue Regierung auf der Basis der Weimarer Koa­lition Dr. Stresemann als Fachminister in ihre Reihen auf­nehmen und sich so die Deutsche Volkspartei verpflichten, ging es rein rechnerisch ja, aber praktisch wird sich die Deutsche Volks­partei wohl kaum dazu bereitfinden. Es bleibt daher als ein­zige Möglichkeit die sog. große Koalition" von den Sozial­demokraten bis einschließlich der Volkspartei und der Bayr. Volkspartei zu erstreben.

Der bedeutende Zuwachs der Kommunisten wird innerhalb der Sozialdemokratie nicht ohne Rückwirkungen bleiben, die die Bestrebungen zwecks Bildung der großen Koalition" beson­ders erschweren werden. Es ist mit einem Anwachsen des Radi­talismus innerhalb der sozialdemokratischen Fraktion zu rech­nen, um ein weiteres Abwandern zu den Kommunisten zu ver­hindern. Wie weit daher die Grenzen gesteckt werden, inner­halb derer vielleicht Herr Braun oder Müller die Verhand­lungen nach rechts hin aufnehmen können, ist noch sehr unklar.

Auf alle Fälle darf man erwarten, daß der geschwächte bürgerliche Flügel sich bei den Verhandlungen über die Regie­rungsbildung nicht benachteiligen läßt. So unmöglich auf Grund der augenblicklichen Konstellation eine Regierung ohne Sozialdemokraten ist, genau so undentbar ist das Gegenteil. Man ist daher, vor allem aber die Linke, die als stärkste Partei die größte Verantwortung trägt, auf das Entgegenkommen des lieben Nächsten angewiesen.

Man sieht also, Schwierigkeiten über Schwierigkeiten. Wer an eine glatte Abwicklung noch im Juni glaubt, ist stark im Irrtum,

Und auf der rechten Seite des Reichstages wird man ge= spannt verfolgen, wie die Linte es anfangen wird, die vielen Versprechungen des Wahlkampfes wahr zu machen.

Der Eindruck der Wahlen.

Die Schlacht ist geschlagen, und sie hat, was auch bei den Betroffenen gar nicht abgeleugnet wird, zu einer Schwächung des Bürgerblods gegenüber der Linken geführt. In den Krei­sen der von dem Rückgang der Stimmen in Mitleidenschaft Ge­zogenen zögert man zur Stunde noch, die wahren Ursachen der Einbuße einzugestehen.

Die ,, Kreuzzeitung" nennt die Wahl eine bittere Lehre und sagt: Wir sind parlamentarisch auf den Stand der National­verſammlung zurückgeworfen. Diese Entwicklung geht aber nicht nur auf Kosten der Deutschnationalen, die zweifellos am meisten davon betroffen sind, sondern auch auf Kosten der übrigen staatsbürgerlichen Parteien. Wir stehen vor einer auch selbst auf kürzere Dauer kaum haltbaren Situation."

Die Deutsche Allgemeine Zeitung" äußert sich über die Frage der Regierungsbildung folgendermaßen: ,, Dem Sinne des parlamentarischen Systems entspricht es auf alle Fälle, wenn nun umgehend ein Vertreter der stärksten Partei, der Sozial­demokratie, mit der Regierungsbildung betraut werde. Es ist nicht unsere Sache, uns den Kopf über die Koalition zu zer­brechen, die er bilden oder nicht bilden soll. Die Sozialdemo= fratie soll doch einmal zeigen, was sie an wirklicher Arbeit zu leisten vermag."

Die Tägliche Rundschau" sieht schon Schwierigkeiten für die allernächsten Tage voraus, wenn nach dem Rücktritt des Kabinetts die Verhandlungen um die Neubildung der Regie­rung beginnen.

Die Bossische Zeitung" schreibt u. a.: Die Wähler haben sich überall im Reich gegen die bisherige Rechtsregierung ent­schieden. Man soll die Deutschnationalen aber nicht unter­schäzen. Sie bereiten ihre Revanche vor. Der neue Reichstag müsse die Große Koalition so rasch verwirklichen, daß die Spe= kulation der Deutschnationalen auf eine lange Kabinettskrisis, die zur parlamentarischen Krisis erweitert werden soll, zuschan­den wird.

Die Germania" fordert ebenfalls, daß der Sozialdemo­tratie auf Grund ihres Stimmenzuwachses die Verantwortung überwiesen werden

Der Vorwärts" triumphiert. Er schreibt: Die Sozial­demokratie ist entschlossen, ihren eigenen Weg zu gehen, und sie ist auch stark genug dazu. Sie wird das Gewicht ihrer 152 Mandate in die Wagschale der kommenden Entscheidungen werfen."