Nr. 15.
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Gießener Zeitung
( Neueste Nachrichten)
Erscheint Mittwochs und Samstags. Bezugspreis 2,40 M vierteljährlich frei ins Haus. Redaktionsschluß früh 8 Uhr. Für Aufbewahrung oder Rüdlendung nicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert.
41. Jahrg.
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Politische Tagesschau.
Frankreich, Italien, Großbritannien und Deutschland sind gegen eine Verlegung des Völkerbundes nach Wien. Von anderer Seite wird von einer Verlegung nach Brüssel geredet, die eine Rückkehr Belgiens zu seinem früheren Status der Neutralität voraussehen würde. Entgegen allen solchen Spekulationen bleibt die Tatsache aber bestehen, daß ein Weggehen des Völkerbundes von Genf vorläufig undenkbar ist.
Die Besprechung zwischen Dr. Stresemann und Titulescu dauerte volle zwei Stunden. Wie von beteiligter Seite erklärt wird, war die internationale Lage Gegenstand eingehenden Gebantenaustausches. Die Unterredung wird fortgesetzt. Dr. Stresemann lud Titulescu zum Frühstück ein.
Reichskanzler Marg liegt immer noch krank zu Bett. Er leidet an einer schmerzhaften Ischias. Seine Vertretung beim Empfang des afghanischen Königspaares am Mittwochvormittag wird daher Vizekanzler Dr. Hergt über
nehmen.
Der frühere Großadmiral Hans v. Köster ist im Alter von 84 Jahren in seiner Wohnung in Kiel gestorben.
Die Wahlen in Japan verliefen ruhig. Um Mitternacht japanischer Zeit hatten die Regierungsparteien 228 Size, die Opposition 214 Size und die Arbeiter 5 Sige errungen.
Druck und Verlag von Albin Klein in Gießen Geschäftsstelle: Gießen, Südanlage 21. Fernsprecher Nr. 2525 und 2526 Postscheckkonto Nr. 69 530 Amt Frankfurt a. Mr.
Mittwoch, den 22. Februar 1928
Die Freigabebill angenommen.
Washington. Der amerikanische Senat hat die Freigabebill angenommen.
Nach Unterzeichnung des Gesetzes durch den Präsidenten kann die Rückgabe von 80 Prozent des beschlagnahmten Eigentums sofort beginnen. Das Büro des Verwalters arbeitet schon seit Wochen an der Vorbereitung. Das Schazamt dürfte imstande sein, die erste Auszahlung innerhalb von vierzehn Tagen nach der Unterzeichnung vorzunehmen. Es wird geschätzt, daß die Auszahlung der ganzen 80 Prozent( gleich 160 Millionen Dollar) innerhalb Jahresfrist erfolgen kann. Bis zum Jahresende dürften also Deutschland rund 700 Millionen Mark aus der Rückgabe zufließen, eine Summe, die mancherlei geplante Anleihen unnötig machen wird.
Jede deutsche Bank, die amerikanische Verbindungen hat kann die Eintreibung der Ansprüche ohne besondere Kosten vornehmen. Solche Deutsche, die bereits Anwälten hohe Gebühren versprochen haben, seien darauf hingewiesen, daß das Gesetz einen besonderen Paragraphen enthält, der die Anwaltsgebühren regelt.
Zum Anschluß Waldecks an Preußen.
Wie die ,, Kasseler Post" meldet, ist der preußische ,, Entwurf zu einem Staatsvertrag zwischen Waldeck und Preußen über dic Vereinigung Waldecks mit Preußen" am 9. Februar 1928 bei der
Der Reichstag auf 27. Februar Walbedischen Landesvertretung eingegangen. Bezüglich des
vertagt.
Die Mehrheit der Parteien hat sich auf eine geschäftsmäsfige Erledigung der Arbeiten des Reichstags bis 31. März ge= einigt. Ueber die Einzelheiten des Arbeitsprogramms wird die Regierung in der nächsten Sigung des Reichstages genauere Mitteilungen machen. Diese nächste Sigung wird am Montag, dem 27. Februar, abgehalten mit der Tagesordnung: Entgegennahme einer Erklärung der Reichsregierung.
Uebergangs von Bad Wildungen an Preußen(§ 9 des Vertrages) soll später noch verhandelt werden. Der Entwurf besteht aus 10 Artikeln, zu denen ein Schlußprotokoll eingehende Erläuterungen gibt und die Einzelfragen behandelt. Der Staatsvertrag gewinnt dadurch für die Provinz Hessen- Nassau besondere Bedeutung, daß der gesamte Freistaat Waldeck der Provinz Hessen- Nassau, und zwar dem Regierungsbezirk Kassel angeschlossen wird. Aus dem Vertrag, der am 1. April 1929 in Kraft tritt, bringen wir folgende wichtige Bestimmungen im Auszug:
Artikel 2§ 5: Preußen sichert das Bestehenbleiben der drei
waldeckischen Kreise auf die Dauer von fünf Jahren zu. Eine
Der Wortlaut des Schiedsspruchs. frühere Vereinigung darf nur auf Wunsch der beteiligten Kreis
Der inzwischen verbindlich erklärte Schiedsspruch für die mitteldeutschen Metallarbeiter hat folgenden Wortlaut:
Der Spitzenlohn beträgt für Facharbeiter 80 Pfg., für angelernte Arbeiter 74 Pfg., für ungelernte Arbeiter 67 Pfg. 1. Die übrigen Lohnsätze erhöhen sich im gleichen Verhältnis mit der Maßgabe, daß Beträge bis zu 0,5 Pfg. nach oben abgerundet werden.
2. Die Auslösungssätze für Monteure erhöhen sich um 8 Proz. 3. Die Gießereizulage erhöht sich um 10 Prozent.
4. Die übrigen Zulagen erhöhen sich in demselben prozentualen Verhältnis wie der Stundenlohn.
5. Die am 14. Januar 1928 abgelaufenen Tarife werden wieder in Kraft gesetzt mit der Maßgabe, daß vom Tage der Wiederaufnahme der Arbeit ab die vorstehend vorgeschla= gene Regelung in Kraft tritt.
6. Diese Regelung läuft bis auf weiteres. Sie ist erstmalig mit 14tägiger Frist zum 31. Dezember 1928 fündbar.
7. Die Arbeit ist baldmöglichst wieder aufzunehmen.
8. Bei der Wiederaufnahme der Arbeit sind die Arbeitnehmer, sobald und soweit die Betriebsmöglichkeiten es gestatten, wieder einzustellen.
tage erfolgen. Hierzu sei bemerkt, daß die
des Waldeck dadurch gewahrt werden soll, daß der oder die bestehen bleibenden Kreise den waldeckischen Wappenstern weiterführen. Die Provinziallandordnung für die Provinz HessenNassau tritt in Verbindung mit dem Wahlgesetz für die Provin= ziallandtage und Kreistage, sowie der Verordnung vom 14. Oftober 1925 in Kraft. Im§ 5 heißt es: Das allgemeine waldeckische Staatsvermögen geht einschließlich des Staatsgutes Keppel mit allen auf ihm ruhenden Lasten und Verpflichtungen auf Preußen über. Das Sondervermögen des waldeckischen Domaniums geht mit allem Sondereigentum an Bad Wildungen und einige Forsten und Domänen auf einen von den drei waldeckischen Kreisen gebildeten Zweckverband über, der spätestens drei Monate vor der Vereinigung gebildet sein muß.
Weltprotestantismus und Presse.
EPH. Die vom Stockholmer Einigungswert eingesetzte Internationale christliche Pressekommission war unter dem Vorsitz von Professor Dr. Hinderer- Berlin in Genf zu Beratungen über die Teilnahme an der Kölner Presseausstellung versammelt. Neben Vertretern der christlichen Presse und ihrer
9. Maßregelungen aus Anlaß des Streiks oder der Aussper- Organisationen in verschiedenen Ländern waren der Generalrung finden nicht statt.
10. Die Wiedereinstellung bewirkt, daß die Arbeit als nicht unterbrochen im Sinne des Tarifvertrages gilt. gez. Dr. Hauschild, Schlichter.
Die Hamburger Wahlen.
Die Verteilung der Mandate.
Nach dem vorläufigen amtlichen Wahlergebnis der Hamburger Bürgerschaft verteilen sich die Sitze auf die einzelnen Parteien wie folgt: Sozialdemokraten 60 Size( 63), Deutschnationale 23 Size( 25), Demokraten 21 Size( 16), Kommu= niften 27 Size( 27), Deutsche Volkspartei 20 Size( 18), 3entrum 2 Size( 2), Volksrechtspartei 1 Siz( 1), Nationalsozialisten 3 Size( 2), Mittelstandspartei 4 Size( 6).
Die Theater des besetzten Gebiets. Wegen der geplanten Vereinheitlichungsmaßnahmen für die Theater des besetzten Gebietes haben in Berlin Verhandlungen stattgefunden, die bezüglich Trier und Koblenz bereits zu einer Einigung geführt haben. Beide Städte bilden für ihre Theater eine Interessengemeinschaft, in der auch das preußische Kulturministerium und das Reichsministerium für die besetzten Gebiete vertreten sein werden. Die Interessengemeinschaft arbeitet jedoch nur in geldlicher Hinsicht. Wegen der Zusammenarbeit der Theater von Mainz und Darmstadt bestehen noch Schwierigkeiten, die erst beseitigt werden müssen.
Hellpach Reichstagskandidat.
Auf der demokratischen Wahlkreisvorstandssigung in Ludwigshafen, die aus allen Teilen der Pfalz gut besucht war, wurde durch Stimmzettelwahl einmütig Professor Willi Hellpach- Heidelberg als erster Reichstagskandidat und Nachfolger Raschigs aufgestellt. Ebenso einmütig wurde Justizrat Dr. Müller- Ludwigshafen zum Landesvorsitzenden gewählt.
( Gießener Tageblatt)
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Nummer 16
Grenzregulierungen
des Landesarbeitsamtsbezirks Hessen.
Die Neueinteilung des Reiches in 13 Landesarbeitsamts= bezirke hat die Zusammenfassung bisher getrennter Gebiete zu größeren Komplexen mit sich gebracht. Diese in verhältnis= mäßig kurzer Zeit vorgenommene Neuordnung konnte in den Grenzgebieten noch keine restlos befriedigende Klärung bringen; es blieben kleinere Grenzregulierungen übrig, bei denen ebenfalls das Prinzip der wirtschaftlichen Zugehörigkeit entscheiden soll. Solche Regulierungen sind notwendig an der hessisch- badischen Grenze. Hier sollen Oppenheim und Viernheim, bisher zum Amte Bensheim gehörig, dem Bezirke Mannheim zugeteilt werden. Desgleichen sollen zirka 20 bis 25 Orte, die bisher dem Bezirke Heppenheim angehören, zu dem Arbeitsamt Weinheim kommen. Acht Orte in der Umgebung von Hirschhorn, die bisher dem Arbeitsamt Heppenheim unterstellt waren, sollen aus den gleichen wirtschaftlichen Erwägungen heraus dem Amte Heidelberg angegliedert werden. Auf der anderen Seite erstrebt das Landesarbeitsamt Hessen aus den gleichen wirtschaftlichen Gründen, aus denen es Gebiete abtreten will, Afrundungen aus dem angrenzenden Landesbezirk Hannover; der Kreis Hannoversch- Minden oder ein Teil desselben müßte 3 Kassel geschlagen werden, doch besteht in Hannover einstweilen dafür wenig Geneigtheit. Die gleiche Zerrissenheit wirtschaftlicher Einheiten zeigt sich auch bei Ehrenbreitstein, wo die Grenze zwischen Rheinprovinz und Rheinhessen einstweilen dem Prinzip der wirtschaftlichen Zusammengehörigkeit zu einem Landesamt im Wege ist. Von der Eingliederung jener bayerischen Gebiete, die ihren Ueberschuß an Arbeitskräften nach Frankfurt abgeben( ein Zipfel von Aschaffenburg, Hammelburg- Saale bis Gemünden) und die daher eigentlich zu Frankfurt gehören, soll hier nur andeutungsweise gesprochen werden, da die weiß- blauen Grenzpfähle heute noch unbezwingbare Hindernisse bieten.
Auf hundert Wohnungen kommt es nicht an, Hauptsache, daß Geld für die Organisation da ist!
In seiner Zeitschrift ,, Bodenreform" Nr. 39 teilt Damaschke ,, Erinnerungen aus dem Kriege mit. Er erzählt dort u. a. folgendes:
,, Ein reicher Fabrikant fällt. Sein Testament wird eröffnet: er hat 250 000 Mark zum Bau von Kriegerheimstätten vermacht, aber mit dem Zusatz, sie müßten in dem kleinen Ort errichtet werden, in dem die Stammfabrik der Firma steht. Ich fuhr mit dem Bruder durch den Ort. Da entwickelte sich etwa folgendes Gespräch:„ Was meinen Sie zu dem Testament meines Bruders?" ,, Herr Geheimrat, Ihr Bruder war ein schlechter Bodenreformer. Er hätte das Geld für Aufklärungs- und Werbearbeit hinterlassen sollen. Das ganze Reich müssen wir gewinnen. Was hilft es, wenn nur hier 50 oder 100 Heimstätten errichtet werden?"
Diese kleine Geschichte ist typisch. Es erschien Herrn Damaschke wichtiger, die doch immerhin ganz anständige Summe von 250 000 Mark für Propaganda zu verpulvern, als damit praftische Arbeit zu leisten. Das ist, in einer Nußschale, die ganze Bodenreformbewegung. Wie hier im kleinen, so sonst im großen. Es gibt eine Anzahl Leute, die von der Demagogie leben müssen: den Wohnungsuchenden aber wird damit nicht geholfen. Sie können warten, bis ,, das ganze Reich" gewonnen ist. Alles oder nichts!
Die Wanderausstellung
der hessischen sozialen Fürsorge.
Schon oft sind die kleineren deutschen Staaten für kultu relle Fortschritte bahnbrechend gewesen, und gerade Hessen hat auf dem Gebiete der bildenden Kunst auch sozialhygienisch, 3. B. in der Säuglingsfürsorge und der Lupusbekämpfung vorbildlich für das übrige Deutschland gewirkt.
sekretär der Stockholmer Weltkirchenkonferenz Dr. AtkinsonNewyork und der Leiter des internationalen christlichen Forschungsinstitut Dr. Adolf Keller- Zürich erschienen. Prof. Hinderer berichtete über den Ausstellungsplan. Die Beratungen führten zu dem Beschluß, die Ausstellung des christlichen Schrifttums nach Möglichkeit auf alle in der Stockholmer Kirchenkonferenz zusammengeschlossenen Kirchen auszudehnen. Die Vertretung der Kirchen von zwölf europäischen und überseeischen Ländern, darunter Schweden, Norwegen, Schweiz, Tschechoslowakei, Canada, sowie die griechisch orthodore Welt, ist unter Mitwirkung hervorragender Fachleute bereits gesichert; mit der Teilnahme Englands und Frankreichs dürfte gleich- heitspflege und soziale Fürsorge ist eine Einrichtung geschaffalls zu rechnen sein. In Verbindung mit der Ausstellung soll in Köln eine erste internationale christliche Pressekonferenz abgehalten werden. Im Mittelpunkt dieser Tagung soll das Thema„ Zeitungsethik" stehen, zu dem führende Pressevertreter des In- und Auslandes sprechen werden. In Fachsizungen wird das Thema„ Presse und kirchliche Einigungsbewegung" behandelt werden.
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Deutsche Bauernpartei.
Der frühere Reichsernährungminister, Reichstagsabgeordneter Fehr, Mitglied des Bayerischen Bauernbundes, hat mit den drei anderen Abgeordneten dieses Bundes die Fraktionsgemeinschaft mit der Wirtschaftspartei gelöst, um eine eigene Deutsche Bauernpartei zu gründen.
Die erste Frau im Reichsarbeitsgericht.
In der Sigung des Reichsarbeitsgerichts am 15. Februar hat zum ersten Male eine Frau, die Vorsitzende des Verbandes der weiblichen Handels- und Büroangestellten, Frau Katharina Müller, als Reichsarbeitsrichter mitgewirkt. Eine erwähnenswerte Tatsache auch deshalb, weil bisher im Bereich des Reichsgerichts Frauen weder als Richter, noch als Verteidiger aufgetreten sind.
Auch mit der Hessischen Wanderausstellung für Gesund
fen worden, wie sie die meisten großen Staaten bisher nicht besitzen, und um die sie uns beneiden können. Das dürfen wir heute, nachdem ein gewisser Abschluß erzielt ist, rücblidend ohne Ueberhebung feststellen. Wir sind uns dabei bewußt, daß der Erfolg nur erzielt werden konnte durch Zusammentreffen mancher günstiger Umstände und durch die harmonisch selbstlose Zusammenarbeit von Männern und Frauen aus den verschiedenen Ständen und Berufen, unter weitsichtiger Förderung des Präsidenten Dr. Neumann der Landesversicherungsanstalt. Die Tatsache, daß in manchen Orten jeder zweite Einwohner die Ausstellung besucht hat, beweist, daß Ton und Aufmachung mit richtigem Verständnis gewählt Den besten Einblick über die Auswirkungen der Ausstellung haben wir aus den Schüleraufsägen gewonnen, die uns die Lehrer zu Hunderten freundlichst übersandten. Nach Prüfung durch hervorragende Mediziner und Sachverständige begann die Wanderausstellung ihre Reise im Kreise Darmstadt in Arheilgen, wo die Erwartungen nicht enttäuscht wurden. Die gesammelten Erfahrungen tamen dem Kreise Groß- Gerau zu ſtatten. Insgesamt haben die Ausstellung während der kurzen Zeit 23 474 erwachsene Personen besucht. Die Ausstel lung hat am 14. Januar in der Kreisstadt Dieburg ihre Wanderung für 1928 begonnen.
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