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Nr. 7.

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Samstag, den 21. Januar 1928.

es bei Behandlung von Möbelstücken für die Zukunft an der nötigen Schonlichkeit und Sorgfalt fehlen lassen, wird einge­schritten werden; sie sollen für den erwachsenden Schaden zur Ersatzpflicht herangezogen werden. Den Möbelfabriken und Möbelversendern erwächst naturgemäß daraus die besondere Blicht, für eine gute und dauerhafte Verpackung der zur Be­förderung aufgegebenen Möbelstücke Sorge zu tragen. Dann werden sich mancherlei Weiterungen vermeiden lassen.

* Neue Kraftlinien im D. P. D. Frankfurt. Die Kraft­postlinien im Westerwald sollen in nächster Zeit stark erweitert werden, insbesondere ist ein vermehrter Zubringerdienst zu der Strede Gießen- Siegen geplant. Zwei Linien sino in Vor­bereitung: von Gusternhain über Langenaubach nach Haiger und Hörbach- Hirschberg nach Herborn. Schwierigkeiten machen nur noch die finanziellen Verhandlungen mit den an der Strede liegenden Gemeinden, die natürlich eine gewisse Sicherheit für die Rentabilität der Kraftwagenfahrten über­nehmen müssen.

* Der Kommandeur des 15. Reichswehr- Infanterie- Regi­ments, dessen Stab und 3. Battaillon in Kassel garnisonieren, Generalmajor Fett, ist als Infanterie- Führer der 1. Division nach Allenstein in Ostpreußen versetzt worden. Als Nachfolger ist Oberst Freiherr von Brandis bestimmt.

* Vom Wintersport. Vom Feldberg( Auskunftsstelle des Taunus- Klubs) wird gemeldet: 3 Grad kalt, westliche Winde, 15 20 cm. Schnee, Rodel- und Stigelegenheit gut.

* Aus Anlaß seines 70jährigen Bestehens veranstaltet der Gießener Schachklub zu Ostern ds. Js. ein Schachmeisterschafts­turnier für Sessen, ferner ein Meisterturnier von sechs Welt­meistern des Schachspiels, die zu dieser Veranstaltung einge­laden sind. Die Stadtverwaltung und der Gießener Verkehrs­verein lassen dem großzügigen Plane ihre volle Unterstützung zuteil werden, auch die Bürgerschaft ist an dem Ereignis tat­froh interessiert. Das Hessenland wird also hier ein Schach­ereignis ersten Ranges erleben können.

Fahrende Groß- Lautsprecher.

In unserer Stadt wird demnächst ein in mehrfacher Hinsicht interessierender Gast eintreffen und sich am 24. Januar um 2 Uhr nachmittags am Stadttheater vorstellen. Es ist ein Groß­lautsprecher- Automobil" der Siemens& Halste A.-G., Berlin­Siemensstadt, das vor kurzem eine Wanderfahrt angetreten hat, die es von Berlin aus durch Baden, Württemberg, Nord- und Südbayern führen soll. Das Auto enthält zwei ,, Riesen Blatt­haller", neuzeitliche Großlautsprecher, durch die Sprache und Musik weithin vernehmbar klangrein und unverzerrt übertra­gen werden können. Außer den Lautsprechern enthält das Auto alles, was zu deren Betrieb notwendig ist: Eine Verstär­fer- Einrichtung mit Stromlieferungsmaschinen, zusammenklapp­bare Türme für die Lautsprecher, Antennengerüste, eine Be­sprechungszelle mit hochwertigen Mikrophonen.

Der Zweck des Wagens ist folgender. Es kommt heutzu­tage sehr oft vor, daß bei Versammlungen, Festen, Sport- Ver­anstaltungen usw. bald hier, bald dort Mitteilungen Ansprachen Musikvorträge mit Hilfe dieser Lautsprecher verstärkt und einem großen Zuhörerkreis geboten werden sollen.

Die Lautsprecher werden auch hier eine Probe ihres Kön­nens geben. Sie sind auf Entfernungen bis zu 1 km. vernehm= lich und gut verständlich, eine Leistung, die eingehenden wissen­schaftlichen Forschungen der Siemens& Halske A.-G. zu danken ift.

* Wenn der Sturmwind mit Gebraus Pfeifend jagt um unser Haus, Wenn der Flocken weiß Gewimmel Nieder­rieselt sanft vom Himmel, Der Laterne trüb' Gefunkel Kaum durchbricht das Abenddunkel, Ach, wie sitzt sich's dann im Zimmer- Traut beim hellen Lampenschimmer. Im Kamin die Kohlen glüh'n, Scheite tnistern, Funken Sprüh'n, Auf dem Tischchen beim Kamine Summt die alte Teemaschine, Und der Wanduhr leises Ticken Sucht uns traulich zu umstricken. In das Herz zieht sozusagen- Uns ein stilles Wohlbehagen. Doch nicht jeder liebt hienieden- Seines Hauses stillen Frieden, In Gesellschaftssaus und-braus.

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Ständig lockt es ihn hinaus Da Theater, Lesekränz­Kino, Kabarett und Tänzchen; Hier Souper, dort Stiftungsfest, Kurz, was nur sich denken läßt An Ge­jelligkeitsvergnügen Er genießt's in vollen Zügen. Iſt ' mal einen Abend Pause, Sitzt er ganz betrübt zu Hause. Nicht erscheint die Ruh' ihm labend, Nein, er schimpft den ganzen Abend. Solch' bedauernswerte. Leute Gibt es leider vielfach heute, Echte Ohne Sinn für Häuslichkeit,

Kinder ihrer Zeit!

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Aus Nah und Fern.

Aus Oberhessen. Da die Schweinepreise außerordentlich gesunken sind, werden jetzt auch von solchen Familien, die früher nie eine Hausschlachtung vornehmen konnten, Schlachtfeste ab­gehalten. Das Pfund Lebendgewicht ist auf etwa 55 Pfg. heruntergegangen; das sind Preise, wo sich die Schweinezucht nicht mehr rentiert.

Hungen. Der Oberhessische Schäfertag, der am 8. Februar hier abgehalten werden soll, wird einen historischen Festzug, eine Zuchtschaf- Ausstellung der Stammschäferei Lich und als Neuheit ein Werbehüten durch zwei württembergische Schäfer vorsehen.

Buzzbach. Die vor kaum einem Jahr gegründeten Autover­fchrslinien haben über alle Erwartungen hinaus Erfolge zu verzeichnen. Fünf Verkehrslinien gehen strahlenmäßig in das preußische und hessische Gebiet. Man denkt daran, noch eine sechste Linie zu schaffen, und zwar eine Parallel- Linie zu der bereits vorhandenen Strecke nach Ziegenberg. An den Erfolgen dieser Linie dürfte der Umstand, daß Buzbach vorzügliches Hin­terland hat, wesentlichen Anteil haben. E

Friedberg. Der Friedberger Frühjahrspferdemarkt findet am 21. Februar( Fastnachtsdienstag) statt. Mit dem Markt wird eine Prämiierung und Verlosung verbunden werden. Der Loseverkauf ist bereits im Gange. Es werden 12 000 Lose zu je 1 RM. ausgegeben.

,, Gießener Zeitung"

Friedberg. Die Landwirtschaftskommer veranstaltet am Donnerstag, dem 26. Januar, hier einen Saatgutmarkt, um den Landwirten die Möglichkeit zu geben, durch gute Verkaufs­musterproben sich Saatgut bewährter Sorten zu beschaffen.

Herbstein. Die Hessische Bauernschaft hält am 29. Januar hier ihre diesjährige Hauptversammlung ab.

Wezlar. Fabrikant Arthur Pfeiffer, Inhaber der Phy­sikalischen Werke, ist zum Mitglied des Fachbeirates für den Industrie- und Ausfuhrhandel im Deutschen Industrie- und Handelstag gewählt.

Hier in Ober- Mörlen erhängte sich, wie aus einem zurüd­gelassenem Briefe hervorgeht, aus Furcht vor der Ehe ein Land­wirtssohn, der mit seinem Vater alleinwohnte und in den nächsten Tagen heiraten sollte.

Dillenburg. Zum Landjägerhauptmann der Landjägerin­spektion 2 des Regierungsbezirks Wiesbaden ist Hauptmann v. Stosch ernannt worden.

Rendel. Hier ist die Maul- und Klauenseuche ausgebrochen. Die nötigen behördlichen Maßnahmen sind verfügt.

Eppstein. Der langjährige Präsident des evangelischen Kon­sistoriums zu Wiesbaden und Frankfurt a. M., D. Dr. Walter Ernst, ist in Eppstein, wo er seinen Lebensabend verbrachte, im Alter von 70 Jahren gestorben. Präsident Ernst hat länger als vierzig Jahre dem Staat und der evangelischen Kirche gedient, dem Frankfurter Kirchenwesen von 1899 bis 1919. Dann trat Dr. Ernſt in den Ruhestand. Zugleich legte er auch die Leitung des des Konsistoriums zu Wiesbaden, dem er seit 1899 vorgestanden hatte nieder. Die Marburger Universität verdlieh ihm bei der Jahrhundertfeier der Nassauischen Union die Würde eines Doktors der Theologie.

Frankfurt. Flugverkehr Frankfurt a. M. München. Ab letzten Montag wird die während der Hauptwintermonate ein­gestellte Strecke nach Fürth- Nürnberg wieder beflogen., wo­durch die seither unterbrochene Verbindung nach München wie­der hergestellt ist.

* Neu- Isenburg. Hinter dem Sprendlinger Sportplatz kurz vor dem Walde wurde der in den 70er Jahren stehende Schreiner Wolfraum von einem Auto erfaßt und derart verletzt, daß der Tod alsbald eintrat. Der Autofahrer kümmerte sich um den Verunglückten nicht und fuhr davon.

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Nr. 7.

Darmstadt. Mit dem Size in Darmstadt wurde vor kur­zem der ,, Reichsverband der Tankstelleninhaber Deutschlands E. V." gegründet, der die Interessen der Tankstelleninhaber nach den verschiedensten Richtungen hin wirtschaftlich vertritt. Alles Nähere durch das Verbandsbüro in Darmstadt, Bismard­straße 60, Fernruf 1806.

Darmstadt. Die erste große Veranstaltung im Jahre 1928 hier in Darmstadt ist der vom 7.- 9. Mai in Darmstadt statt­findende Verbandstag des Rhein- Main- Gastwirte Verbandes und die damit verbundene große süddeutsche Gastwirtsmesse, die vom 5. 10. Mai in der neuen städtischen Festhalle stattfinden wird.

Heliumgas- Vorkommen in Rüsselsheim.

Die erste Fundstelle in Europa. Rüsselsheim. Bei Quellenforschungen, die bei Erweite­rungsbauten der Opelwerke in Rüsselsheim vorgenommen wur­den, ist in einer 600 Meter tiefen Verlagerungsspalte, die in der oberrheinischen Tiefebene häufig zu finden sind, ein beträcht­liches Heliumgas- Vorkommen festgestellt worden. Die Vor­arbeiten für die Ausnutzung dieser Quelle wurden durch die Opelwerke bereits begonnen. Die schwierige Erschließung der Heliumgasquelle, des ersten europäischen Fundortes, soll ge­meinsam mit der daran interessierten Luftschiff- Industrie in An­griff genommen werden.

Mainz. In einer stark besuchten Versammlung der Main­zer Innungen wurden nach einem ausgiebigen Referat des Syndikus Dr. Schwank zwei Entschließungen angenommen, in denen Abbau der Gewerbesteuer, Beseitigung sämtlicher Regie­betrieben, soweit sie im Wettbewerb zur Privatwirtschaft stehen, und Durchführung von Sparmaßnahmen in der Stadtverwal­tung gefordert werden. Eine Resolution stellt an die Stadt­verwaltung von Mainz das Ersuchen, die Reichsverdingungs­ordnung einzuführen.

Erbach. Der Gemeinderat lehnte die Einführung einer Bier­steuer einstimmig ab, doch nur unter der Bedingung, daß die Brauereien keinen Bierpreisaufschlag vornehmen.

Groß- Rohrheim. Jm Herbst 1927 wurden in mehreren Ried­orten von der Straße weg nach und nach über 100 Gänse gestoh­len. Der Dieb hatte seine Beute in Worms an das französi sche Offizierskafino und in die französische Kantine verkauft. Der Gänsedieb wurde zu einem Jahr und zwei Monaten Gefängnis und dreijährigem Ehrverlust verurteilt.

Eine Scheffelwarte in der Pfalz. Zu Ehren des badischen Dichters Josef Viktor von Scheffel wird in Neustadt a. d. Haardt eine Scheffelwarte errichtet, die bis zum Frühjahr fertigge­stellt sein soll. Das Bauwerk besteht aus sechs Spitzbögen, in deren Mitte die Scheffelbüste Aufstellung findet.

Bücherecke.

Ein deutscher Bierkalender. Endlich ist auch dem deutschen Bier und allem, was mit ihm zusammenhängt ein würdiger Kalender erstanden, der erste Deutsche Bierkalender, in Gestalt eines vornehmen Wandabreißkalenders nach Art der bekann­allen Freunden des Biers gewidmet

ten Kunstkalender. Ce Geschichte unseres Volkes von der Stein­

und führt sie durch die

bierbrauerei des germanischen Gehöftes bis zum modernen Groß­braubetrieb, führt sie durch alle Gewerbe, die mit der Bierer­zeugung zusammenhängen, durch Kunst, Dichtung und Volks­leben aller deutschen Stämme und Gaue. Der Herausgeber, J. Schuster ist ein besonderer Kenner und Forscher der gesamten Geschichte des Brauwesens. Der Kalender ist vom Verlag Knorr & Hirth, München. künstlerisch ausgestattet; der Preis von 2,50 ist sehr niedrig.

Der Deutsche Bierkalender ist ein Kulturkalender von Rang und Bedeutung, eine Quelle der Belehrung und Unterhaltung für jeden Deutschen.

Jugend und Heimat. Erinnerung eines Fünfzigjährigen. 76. bis 80. Tausend. Mit Zeichnungen. 325 Seit. Kart. 3,50 M. Verlag Langewiesche- Brandt, Ebenhausen b. München.

Dieses Buch ist in einem Geist geschrieben, von dem mir uns allzuweit entfernt haben und den wir wohl wieder suchen müssen. In schöner neuer Ausstattung liegt das 75. bis 80. Tausend vor, geschmückt mit Zeichnungen, die die vielen nicht genannten Orte der Erzählung erraten lassen. Und ist zu er­warten, daß dieses heitere und gütige Buch zahlreiche neue Freunde findet. Es ist ganz besonders der deutschen Jugend zu empfehlen.

Der Kosak und die Nachtigall. Roman der, Münchener Illustrierten", 5. Band. Verlag Knorr& Hirth, München, Sendlingerstr. 80, geh. 2, RM, Halbl. geb. 3, RM. Wir sind Spannung in höchster Form gewohnt bei Leo Peruzz. In seinem mit Paul Frank zusammen geschaffenen neuesten Werk legt er wiederum ein tatsächlich atemraubendes Tempo vor. Große und kleine Welt der Abenteurer jagt vorbei vor dem düsteren Hintergrund der russischen Flüchtlingstragödie ein unvergeßliches Bild heutigen Kampfes zwischen Gold, Liebe und Heimat in unserem seltsamen Erdteil.

Mit den Vorbereitungen der Dame und des Herrn für die Reise nach der cote d'azur beschäftigt sich die neueste Nummer der Eleganten Welt", die soeben erschienen ist. Riviera- Mo­den", Mister Traveller reist nach Cannes", Schwarz- weiß", ,, Silber und dunkelblau, Abendpelze" usw. sind die Titel der reichillustrierten modischen Artikel. Ein kleiner trotz der Kürze erschöpfend instruierender ,, Auto- Knigge" bietet in Wort und Bild wertvolle Belehrung.

Geschäftliches.

50 Autos in der Stunde. Um die bedeutend gestiegene Nach­frage nach dem Pontiac- Sechszylinder- Personenwagen befriedi­gen zu können, hat die General Motors- Corporation mit der Erweiterung des Pontiac- Werkes der Oakland- Motor- Car Co. in Pontiac, Michigan, begonnen. Zwischen den bisherigen zwei laufenden Montagebändern wird ein drittes Band eingebaut, das eine Leistungsfähigkeit von etwa 50 kompletten Wagen in der Stunde haben wird. Die Kosten der Neuanlage werden über 250 000 Dollar betragen.

Verantwortlich: Paul Chrißian Klein in Gießen.