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Geobachtet

Samstag, den 20. Oftober 1928.

* Massenandrang zu den Kriegsgräbern. Infolge der herabsetzung der Gebühr für das Visum nach Frankreich, das jetzt für 14 Tage 1,05 M fostet, besteht außerordentliche Nach­frage nach Reisen zu den Kriegsgräbern für die Totengedenk­age: Allerseelen am 2. November und Totensonntag am 26. November. Das Mitteleuropäische Reisebüro( MER.) orga­nisiert in Verbindung mit dem Volksbund Deutsche Kriegs­gräberfürsorge" diese Reisen nach den Kriegsgräbern in Frank­teich und Belgien.

Aus Nah und Fern.

Beltersheim( Krs Gießen). In der Zeit vom 22. Oktober bis 29. Oftober 1928 liegt auf der Bürgermeisterei der end­gültige Kostenausschlag für die Feldbereinigung zur Einsicht der Beteiligten offen.

Ettingshausen. Sein 25jähriges Jubiläum beging Pfarrer Friedrich Nies. In dem Festgottesdienst predigte Dekan Schmidt- Grünberg. Superintendent Oberkirchenrat Wagner­Gießen, der früher selbst Pfarrer von Ettingshausen war, über­brachte die Glückwünsche der Kirchenbehörde. Der Gesangver­ein, der Schülerchor und der Posaunenchor verschönten das Feſt. Grünberg Der altberühmte Gallusmarkt brachte trotz des schlechten Wetters einen Riesenbesuch in unsere Stadt Die Buzz­bach- Licher- Eisenbahn ließ mehrere Sonderzüge laufen, auch auf der Strecke Gießen- Fulda brachte ein Sonderzug aus Richtung Alsfeld zahlreiche Gäste, desgleichen waren die Züge auf der Londorfer Strecke überfüllt Der Gallusmarkt wurde 1481 durch Kaiser Friedrich gestiftet.

Stangenrod( Kr. Gießen). Der Nachtrag zum endgültigen Feldbereinigungskostenausschlag fann vom 22. bis 29. Oktober ds. Js. von jedem Beteiligten auf der Bürgermeisterei einge­jehen werden.

Nidda. Eine große Panik ereignete sich im hiesigen Kino. Ein Film war in Brand geraten, und plötzlich erscholl von meh= reren Zuschauern der Ruf ,, Feuer!" Es entstand ein furcht­bares Gedränge; die Besucher strömten den Ausgängen zu. Zum Glück gelang es besonnenen Männern, die aufgeregte Menge zu beruhigen, so daß schlimmes Unheil verhütet werden konnte. Bad Nauheim. Der durch das schöne Herbstwetter begün­tigte Besuch hält sich dauernd auf einer Höhe, die die des Vor­

,, Gießener Zeitung"

Nr. 83.

führung liegen in den Händen von Schlachthofdirektor Regie­rungsrat a. D. Dr. Kuppelmayr und Tierzuchtdirektor Dr. Wilsdorf. Die Schauordnung für die Masttiere und die An­meldebestimmungen für die fachgewerbliche Ausstellung sind von Mitte Oktober an von der Mastviehausstellung Frankfurt a. M., Städtischer Schlacht- und Viehhof unentgeltlich und portofrei zu beziehen

schuhfragen größtes Interesse bewiesen hat, hat aus ihrem| und dem Fleischergewerbe angehören. Leitung und Geschäfts­Archiv ein reichhaltiges Material von Photographien gestiftet. Während der Ausstellung, die voraussichtlich am 10. November eröffnet wird, sind noch Lichtbildervorträge geplant sowie Vor­führungen des Vogelbergfilms, den Herr Schulrat Loreny= Lauterbach in jahrelanger, unermüdlicher Arbeit geschaffen hat. Alle Freunde unserer heimischen Natur, die Gegenstände oder Bilder besitzen, die für die Ausstellung sich eignen( besonders ver­größerte Photographien bemerkenswerter Bäume, einheimische Pflanzen und Tiere, geologische Naturdenkmäler, Landschaften), werden im Interesse der guten Sache gebeten, diese für die Aus­stellung zur Verfügung zu stellen und sich zu diesem Zweck bal­digst mit der Ausstellungsleitung( Professor Dr. Spilger, Darm­stadt, Pädagogisches Institut) in Beziehung zu setzen.

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Darmstadt. In der Frankfurterstraße erschoß sich ein Schupo­beamter, nachdem er auf seine Geliebte zwei Schüsse abgegeben hatte, die diese schwer verletzten.

Darmstadt. Am Freitag früh fanden Spaziergänger im Walde in der Nähe des Sommerbergs nebeneinanderliegend drei Leichen und den Kadaver eines Hundes. Es konnte fest= gestellt werden, daß es sich um den Chemiker Karl Miller aus Darmstadt handelt, der seine Frau, seinen Sohn und sich selbst erschossen hatte.

Bingen. Der Denkmalsausschuß der Stadt Bingen hat ein­ſtimmig die endgültige Annahme des Jobsten Entwurfes für ein Ehrenmal der Kriegsgefallenen angenommen. Die Kosten für dieses Ehrenmal werden aus Spenden der Bürgerschaft aufge= bracht. Gießen zur Nachahmung empfohlen!

Weglar. In zweitägiger Verhandlung hatte sich das in Weylar zusammentretende Limburger Landgericht mit dem in der Wetzlarer Volksbank vorgekommenen Verfehlungen zu be­fassen. Der Kassierer und Vorstandsmitglied, der Angeklagte Karl Drescher, wurde am 29. Juli ds Js. vom Wetzlarer Schöffengericht zu zwei Jahren sechs Monaten Gefängnis ver­urteilt in der jetzigen Berufungsverhandlung ermäßigte das Gericht die Strafe auf zwei Jahre und drei Monate Gefängnis.

Gladenbach. In einem Steinbruch bei dem Dorfe Rachels­hausen ereignete sich ein schweres Unglück. Bei der Fortbewegung eines 200 Zentner schweren Steinbloces kam dieser plötzlich ins Rutschen und begrub zwei Arbeiter namens Koch und Dittmann unter sich. Beide sind ihren Verlegungen erlegen.

jahres übertrifft. Am 8. Oktober wurde das 400 000ſte Bad in 50 Jahre Mitteldeutscher Buchhändlerverband.

diesem Jahre abgegeben, so daß auch die Bäderzahl die vom ver­gangenen Jahre überschreitet. Dem Kurgast, auf den diese runde 3iffer, die zu diesem Zeitpunkt eine Rekordzahl bedeutet, traf, ließ die Bad- und Kurverwaltung einen Blumenstrauß über­reichen. Für die Winterkur bleiben wiederum mehrere Bade häuser geöffnet; ebenso werden die verschiedenen Bäderformen mit ihren Variationen verabreicht. Auch alle sonstigen Kurmittel stehen zur Verfügung. In den behaglich erwärmten Räumen des Kurhauses finden täglich Konzerte des Kurhauses- Orchesters statt; ebenso des öfteren Theatervorstellungen erster Frankfurter Bühnen, Vortrags- Abende, Tanz- Veranstaltungen usw.

Alsfeld. Ein schweres Unglück wurde bei dem Bahnhof Breitenbach durch die Geistesgegenwart des Lokomotivführers verhütet. Der Landwirt Schneider wollte mit seinem Fuhrwerk den schrankenlosen Bahnübergang überqueren, als plötzlich der Mittagszug aus dem Bahneinschnitt auftauchte. Knapp zwei Meter vor dem Fuhrwerk brachte der Beamte den Zug zum Stehen.

Naturschutzausstellung in Darmstadt.

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Das Ministerium für Kultus und Bildungswesen veranstal= tet im November in den Räumen des Landesmuseums eine Na­turschutzausstellung, um auf die hohe kulturelle Bedeutung des Naturschutzgedankens hinzuweisen. Die Ausstellung gliedert sich in die beiden Teile Naturschutz und Schule" und Naturdenk­mäler unserer Heimat". Den Grundstock des ersten Teiles bildet die gleichnamige Ausstellung der staatlichen Naturdenkmalpflege in Preußen, die Herr Direktor Dr. Schoenichen- Berlin zur Berfügung gestellt hat. Sie gibt uns wertvolle Winke und An­regungen darüber, wie die Jugend zur frommen Achtung vor den Schöpfungen der Natur zu erziehen ist. Der zweite Teil der Ausstellung wird in zahlreichen Naturaufnahmen zeigen, wie tei dy unsere heimische Natur an Naturdenkmälern aller Art ist, und wird auch die drohende Gefahr der Vernichtung unersetzlicher Naturschönheiten vor Augen führen. Die Forstabteilung des beffischen Finanzministeriums, die von jeher für alle Natur­

ergebliche Bemühen des Herrn Schulze. Der Fremde tritt hilfsbereit näher. Das Schloß schließt wohl nicht?" ,, Ne," sagt Schulze ärgerlich, es schließt nicht." ,, Wie geht denn das zu?"

,, Na, zugehen soll es ja nicht, Mann, aufgehen soll es." Ja, ja! Gestatten Sie doch mal! Wie geht denn das zu, daß es nicht aufgeht? Wie geht denn das zu?"

,, Na, zum Donnerwetter, es soll ja, aufgehen." Inzwischen haben sich immer mehr Nachtwandler eingefun­den, jeder fragt, wie es zugeht, daß das Schloß nicht aufgeht. Jeder probiert mit dem Schlüssel des Herrn Schulze, aber es geht nicht. Herr Schulze versucht nun noch einmal selbst mit cller., Knads nun ist mir der Bart abgebrochen."

Ein anderer Hausbewohner kommt nach Hause, probiert häftiger. Knads- wieder ein Bart abgebrochen. Ein drit­Hausbewohner kommt heim, er stößt zunächst einmal die beid en abgebrochenen Bärte mit seinem Schlüssel hinunter, dann persucht er aufzuschließen. Es geht nicht. Er wendet seine gange Manneskraft an fnacks, bricht auch sein Bart ab. Rat­Los sehen sich die drei Hausbewohner mit den abgebrochenen Bärten an, keiner weiß, wie das zugeht, daß es nicht aufgeht. Da drängt sich ein halbwüchsiger Junge durch die Menge der Neugierigen, er gehört ebenfalls in das Haus und kommt bon einer Turnerfeier. Der Junge drückt frisch, fromm, froh, frei an der Haustürklinke- die Tür geht auf. Die war ja gar nich zugeschlossen," lacht der Junge und verschwindet im Sausflur.

Die Menge bricht in ein schallendes Gelächter aus, nur die dreii Männer mit den abgebrochenen Bärten stehen mit offenem Munde da. M. R., Dresden.

Königsstein i. T. Die Wohnungs Zwangswirtschaft ist vom Magistrat aufgehoben worden, so daß wieder Wohnungen ohne behördliche Zuweisung gemietet werden können.

Neue Bücher.

Juustrierter Westerwälder Heimatkalender auf das Jahr 1929. Verlag C. Ebner, Hachenburg und Marienberg. Preis 80 Pfennig. Zu beziehen durch alle Buchhandlungen.- Ein Symbol der Westerwälder Heimat ist dieser beliebte Kalender. Er trägt ein äußerst kleidjames Gewand, sein Bilderschmud ist wertvoll. Aus der bunten Reihe schöner Beiträge nennen wir u. a.: Vor­geschichtliches vom Westerwald und seinen Wegen", Der Volen­hof in Langendernbach", Eine Neujahrsnacht in der Daadener Kirche"; der sehr gut zusammengestellte Westerwälder Humor und die üblichen Kalenderangaben vervollständigen den Inhalt. Der Kalender ist in weitem Maße dazu berufen, die Liebe zur Heimat zu wecken. Die Anschaffung empfehlen wir jedermann.

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Es ist noch Sinn für Humor vorhanden! In München wurde in diesem Jahr ein interessanter Wettbewerb veranstaltet, der die Schilderung von lustigen Begebenheiten verlangte, die in den letzten 25 Jahren in Deutschland und Oesterreich passiert sein mußten. Der Wettbewerb hatte einen ungeahnten Erfolg. Es gingen über 4000 Einsendungen ein, von denen viele zur Ver­öffentlichung erworben werden konnten. Der erste Preis( 500 Mark) fiel für eine Skizze ,, Man muß sich nur zu helfen wissen!" nach Wien, der zweite Preis( 400 Mark) ging für eine Ein­sendung ,, Das Heiratsexamen nach Leipzig, der dritte Preis ( 300 Mark) blieb für die Schilderung ,, Frau, Handwerksbursche und Dorfgendarm" in München, den vierten Preis erhielt ein Einsender aus Reichenberg und den sünften Preis( 100 Mart) ein Konkurrent in Wiesau. Eine von Schriftsteller Heinz Schmid­Dimsch bearbeitete und von den Münchener Künstlern Mauder und Heig illustrierte Auslese aus diesem Wettbewerb dem wir in der heutigen Nummer eine kurze Probe: Es

50 Jahre Mitteldeutscher Buchhändlerverband. äuret", und der Radau im Möbelwagen" und das Haustür­

Frankfurt a. M. Der Mitteldeutsche Buchhändlerverband der alle Buchhändler von der Bergstraße bis nach Kassel, von Mainz bis nach Fulda umfaßt, fann anfangs November dieses Jahres auf sein 50jähriges Bestehen zurückblicken. Er wird die= ses Jubiläum am 21. Oktober in Frankfurt a. M., wo er ge­gründet wurde und heute noch seinen Sitz hat, feiern. Innerhalb der Gesamtorganisation des Buchhandels spielte der Verband unter der Führung tatkräftiger und weitblickender Buchhändler= Persönlichkeiten oft eine große Rolle und übte auf die Gestaltung wichtiger buchhändlerischer Dinge des öfteren entscheidenden Einfluß aus. Gleichzeitig mit dem Mitteldeutschen Buch­händlerverband feiert auch der Verein der Buchhändler zu Frankfurt am Main sein 50jähriges Bestehen. Anläßlich dieses Doppel- Jubiläums ist eine Festschrift erschienen, die für die innerhalb des Verbands- Bezirkes liegenden Städte lokalgeschicht­lich recht interessant und buchtechnisch vornehm ausgestattet ist.

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Frankfurt a. M. Nach 18jähriger Unterbrechung soll im nächsten Jahre( Mai) hier eine große deutsche Mastviehaus­stellung abgehalten werden, für die die Beschickung mit Mast­tieren allen deutschen Mästern, Viehhandelsfirmen usw. frei­gegeben wird. Infolge der günstigen Lage Frankfurts wird die Ausstellung sicher aus allen Teilen des Reiches gut beschickt und besucht werden. Veranstaltet wird die Mastorehausstellung von einem Kuratorium, dem die beteiligten Behörden, Körperschaften und Wirtschaftskreise aus der Landwirtschaft, dem Viehhandel

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Deutscher Seidenbau.

Gute diesjährige Kokonernte.

Von bestimmter Seite wird versucht, die Rentabilität des deutschen Seidenbaues wieder anzuzweifeln. Leider sind auch diesesmal die zahlenmäßig verbürgten Erfolge der 300 Jahre alten heimischen Raupenzucht, vor allem die günstigen Ergeb­nisse der letzten Jahre mit keiner Silbe berührt. Deshalb dürfte ein kurzer Ueberblick über die diesjährige Zuchtperiode interessieren.

Die noch in den ersten Junitagen aufgetretenen Frühjahrs­fröste haben den Anfang der diesjährigen Saison ziemlich ver­zögert, da sie die Neubildung von Laub immer wieder hemmten. Dann aber haben sich bei der rasch fortschreitenden Erwärmung die Blätter der Maulbeeren schnell entwickelt, so daß ich gegen

Geerntete Kokons.

Ende Juni die erste Zucht auslegen konnte. Bemerkt sei hier, daß auch das seidenbautreibende Ausland unter den gleichen Witterungsbedingungen verspätet die heurige Zuchtperiode hat beginnen können. Trotzdem sind die heimischen Resultate auch

von

schloß" veröffentlichen ist im Verlage der Lindauerschen Uni­versitäts- Buchhandlung( Schöpping) in München unter dem Ti­tel ,, Ganz Deutschland lacht!" als Buch( 12 Bogen, 8o, Mr. 2.50) erschienen und durch alle Buchhandlungen zu beziehen.

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Zur Senkung der Lohnsteuer ab 1. Oftober 1928. Nach dem weiten Gesetz zur Aenderung des Einkommensteuergesetzes vom 23. Juli 1928 treten mit Wirkung vom 1. Oktober 1928 zwei wichtige Aenderungen ein, und zwar: 1. Abrundung des Bruttoarbeitslohnes; 2. An Stelle des bisherigen Abschlags von 15 v. H. tritt eine Ermäßigung der einzubehaltenden Steuer um 25 v. H. Jm Selbstverlage von Fr. Lang, Darmstadt, Bark­hausstraße 25,( Postschecktonto 30702 Frankfurt a. M.) ist eine den Bestimmungen entsprechende, praktische, aus Karton gear­beitete Lohnsteuertabelle für monatliche, zweiwöchentliche, wö­chentliche, tägliche und zweistündliche Lohn- und Gehaltszah­lungen erschienen, woraus die dem Arbeitseinkommen und Fa­milienstand entsprechende Steuerbeträge glatt abgelesen werden können. Gesamtpreis der Tabellen mit Erläuterungen R.-M. 1.50.

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Geburtenregelung eine ethische und wirtschaftliche For: derung: Von L. von Nida. Preis R.-M. 0.30. Verlag Dr. Ar­thur Reich G. m. b. H., Frankfurt- Oberursel. Die kleine zeit­gemäße Schrift behandelt von hohen sozialen Gesichtspunkten, in anschaulicher Weise alle aus den Bevölkerungsproblemen sich ergebenden Tatsachen. Die Schrift wendet sich an die weitesten Volkskreise.

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Verantwortlich: Paul Chrißian Klein in Gießen.

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in diesem Jahre befriedigend. In den mir bekannten Kreisen habe ich von ausgesprochenen Mißerfolgen nichts gehört. Ich selbst habe in diesem Jahre nur Zuchten geringeren Umfanges durchgeführt. In drei Staffeln erntete ich von 28 Gramm Eiern rund 15 Kilo Kokons, die nach Abzug aller Unkosten einen Verdienst von ca. 175 Mark erbringen dürften. Krankheiten und Seuchen sind infolge Bezugs einwandfreien Eiermaterials und sorgfältiger Pflege nicht aufgetreten, die Verluste in durch­aus normalen Grenzen geblieben. Meine Ernte beweist, daß durch Seidenbau ohne daß man seinen Beruf aufgibt, in der Saison( etwa Ende Mai bis Ende September) Geld verdient werden kann. Der Erfolg ist umso sicherer, als der deutsche Kokon, wie amtliche Prüfungen erwiesen haben, dem auslän­dischen in wertvollen Eigenschaften, wie Größe, Fadenlänge usw. überlegen ist. Der Absah des Kotons ist völlig gesichert. Denn Naturseide ist für zahlreiche Industrien, wie Elektrizitäts­wesen, Mühlenbetrieb u. a. ein durch nichts zu ersehender Roh­stoffartikel.

Bekannte deutsche Fachautoritäten stimmen darin überein, daß Seidenbau als Nebenerwerb durchaus lohnend ist. Man­chem Kurz- und Saisonarbeiter, manchem Kriegsbeschädigten, manchem Alt- und Kleinrentner bietet sich im Seidenbau eine interessante und durchaus rentable Gelegenheit zu Nebenver­dienst. In Erkenntnis seiner hohen volkswirtschaftlichen Be­deutung stehen verschiedene Behörden und öffentliche Körper­schaften dem deutschen Seidenbau helfend und fördernd zur Seite. Jedermanns Ehrenpflicht sollte es deshalb sein, tatkräf­tig für dessen Wiedereinführung sich einzusetzen.

In Fragen des Seidenbaus erteilt Herr Hans Hotelt, Dessau, Schloßstraße 9, Auskunft.( Anfragen bitte Rüdporto beifügen.)