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Mittwoch, den 20. Juni 1928.

Handball und Leichtathletik.

Gießen 1900­

Friedberg VfB. 5: 0( 1: 0).

Eine so eindeutige Niederlage der Friedberger hatten die wenigen Zuschauer wohl nicht erwartet, da man von den 1900­ern nach dem Fiasko gegen den MTV. vor 14 Tagen solch gleichmäßig gute Leistungen kaum erhoffen durfte. Somit be= wies dieses Spiel, daß die schlechte Form unseres Lahnkreis­meisters von vor zwei Wochen nicht chronisch ist.

Gießener Zeitung"

Stabhochsprung: 1. Adams, Kurhessen, 3,23 Meter. Speerwerfen: 1. Schlopphauer, Frizlar, 45,15 Meter, 2. Lang­log, Gießen 1900, 40,40 Meter.

Hammerwerfen: 1. Gari, Marburg, 33,55 Meter. Diskuswersen: 1. Junghenn, Kurhessen, 37,79 Meter, beidar­mig 62,40 Meter.

Kugelstoßen: 1. Junghenn 11,89 Meter, 3. Mohl, Gießen VfB., 11,60 Meter; beidarmig Gari 21,83 Meter.

4 mal 100 Meter: 1. Hessen- Preußen Kassel 44,4 Gef., 2. Gie­Ben 1900 44,7 Gef.

Die Friedberger konnten durch Schnelligkeit die erſte Halb- 4 mal 400 Meter: 1. Hessen- Preußen Kassel 3:28 Min. zeit einigermaßen offen halten, kamen sogar recht häufig zum Schuß. Allerdings fehlte ihren Torwürfen jede Gefährlichkeit. Gießens Hüter hatte somit wenig zu zeigen. Kurz vor Schluß der Halbzeit konnte Raiser- 1900 einen Strafwurf zum Füh­rungstor verwandeln.

4 mal 1500 Meter: 1. Hessen- Preußen Kassel 18: 31,2 Min. Großstaffel( 10 mal 500, 10 mal 250 Meter): 1. Hessen- Preu­Ben Kassel 17: 49,3 Min., 2. Kurhessen Kassel 18: 08,1 Min.

Die Ueberlegenheit der Platzmannschaft tam in der zweiten Spielhälfte zum Ausdruck. Friedbergs Tormann bekam schwere Arbeit, konnte allerdings die in regelmäßigen Abständen fallen­den vier weiteren Tore nicht halten. Zum Schluß gaben die Friedberger auf; ihr Halbrechter war so verärgert, daß ihn der Schiri vom Platz schicken mußte. Einige schnelle Durchbrüche der Gäste brachten denselben nicht einmal das Ehrentor. Mit dem Ergebnis 5: 0 trennten sich die Mannschaften.

Die Friedberger, als Gegner genommen, waren keineswegs schlecht, allerdings können sie an die 1900er noch nicht ,, tippen". Bei diesen war der Sturm voll erfrischender Lebendigkeit, vor allem Hopfenmüller bestach wieder durch sein famoses Spiel. Es ist dem Sturmführer allerdings zu empfehlen, daß er ge­gebene Chancen durch übersichtlichere Ballverteilung besser aus­wertet. In der Läuferreihe arbeitete Birkenstock mit bekannter Intensität. Wenn sein Zerstörungsspiel so wird wie seine Aufbauarbeit, dürfte man ihn als Besten auf dem Plaze" be­zeichnen. Die Außenläufer sollen sich an ihm ein Beispiel neh men. Die Hintermannschaft war gut.

Man muß bedauern, daß diese Mannschaft nicht vor 14 Tagen auf dem Platze stand, und daß nicht mehr Zuschauer dem im übrigen fairen Spiel beiwohnten, wenns auch ein wenig fühl war.

Glänzende Hochsprünge

gab es bei den Meisterschaften in Südbayern durch Schwarz­fischer mit 1,84 und in Nordbayern mit 1,87 durch Benneder.

Leichtathletikmeisterschaften von Hessen- Hannover.

Die auf der Hessen- Kampfbahn in Kassel ausgetragenen leichtathletischen Bezirksmeisterschaften des Bezirks Hessen- Han­nover wurden durch kühles Wetter und Regen stark beeinträch­tigt. Immerhin gab es in verschiedenen Konkurrenzen gute Er­gebnisse. Aus einer Sensation im 400 Meter- Lauf wurde nichts, denn sowohl Schaurig wie Wollmer wurden wegen Fehlstarts ausgeschlossen. Den Löwenanteil der Preise holte sich der VfL. Hessen- Preußen Kassel, der wieder über gutes Material verfügt. Auch die Leute aus dem Gau Gießen- Wezlar konnten einige gute Plätze, besonders die Vertreter der Sp. Vgg. 1900 Gießen, besetzen. Die Ergebnisse:

100 Meter: 1. Freund, Hessen- Preußen Kassel, 11,6 Sek., 2. Müller, Gießen 1900, 11,7 Sek.

200 Meter: 1. Freund, Hess.-Pr. Kassel, 22,1 Set., 2. Dr. Krä­mer, Marburg, 22,3 Gef., 3. Gelbert, Gießen 1900. 400 Meter: 1. Eichwald, Göttingen 05, 53,2 Set.

800 Meter: 1. Wollmer, Hessen- Preußen Kassel, 1: 57,1 Min., 2. Peters, Gießen 1900, 2: 04,3 Min.

1500 Meter: 1. Walpert, Hessen- Preußen Kassel, 4: 10,2 Min., 2. Christoph, Göttingen, 4: 16,2 Min.

5000 Meter: 1. Scheink 16: 47,2 Min., 2. Paul, Sinn, 16: 47,9. Weitsprung: 1. Harz, Frankenberg, 6:42 Meter, 2. Müller, Gießen 1900, 6,09 Meter.

Hochsprung: Schaurig II. 1,68 Meter, Petterson, Gießen 1900, 1,63 Meter.

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Marathon- Olympiaprüfung in Düsseldorf. Düsseldorf, 17. Juni(( Drahtbericht). Die DSB. ließ ein Ausscheidungsrennen ihrer Kandidaten für Amsterdam laufen. Die Turner Tietz und Schumann( Berlin), blieben dem Start fern, immerhin nahmen aber 30 Läufer an der schweren Prüf­ung teil. Obwohl die Witterung nicht die beste war, gab es doch eine erhebliche Steigerung der Leistungen. Fünf Läufer blieben unter der von Reichmann- Siegen mit 2: 41,09 gehaltenen deutschen Bestzeit. Gerhardt- Weilburg siegte in ganz prächtiger Form in 2: 33,41,2 Std., allerdings mit nur sechs Sekunden vor Hempel- Charlottenburg. Zwölf Läufer beendeten insgesamt das

Nr. 50.

Rennen. Ergebnis: 1. Gerhardt- Weilburg 2: 33,41 Std.; 2. Hempel Charlottenburg 2: 33,47 Std.; 3. Hörger- Braunschweig 2: 36,30 Std.; 4. Reichmann- Siegen 2: 37,30 Std.; 5. Wanderer- Potsdam. 2:39 Std.; 6. Schneider- Hirschberg 2: 43,10 Std.

Eine gute Leistung in Hamburg erzielte im Weitsprung Köchermann mit 7.24 Meter.

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Dr. Pelzer

hat in Greifswald erstmalig wieder gestartet.

Radfahren.

Der Große Opelpreis vom Allgäu sah Koch- Frankfurt( Opel) in 7.49,20 Std. vor Merle und Al­tenburger siegreich.

Der Große Opelpreis von Baden wurde von Hönning( Opel- Mannheim) gewonnen.

Das goldene Rad von Hannover über 100 Kilometer gewann im Gesamtergebnis Grassin- Frant­reich vor Paillard, Benoit, Sausin und Möller, der Motor­schaden hatte.

Verregnet

sind die Bahnrennen in Elberfeld und Aachen, desgleichen auf der Rütt- Arena.

Aus dem W. S. V. und der Nachbarschaft.

Am 10. Juni sind in Elberfeld die Würfel gefallen: FC. 04 Schalke schlug Schwarz- Weiß Barmen mit 3: 2( 1: 0). Das ein­zige Tor der ersten Halbzeit resultierte aus einem Elfmeterstoß wegen Regelwidrigkeit. Der Ausgleich für Barmen fiel durch ein indirektes Selbsttor: bei einem Abwehrschlag des Barmener Torwächters wurde Kuzorra angeschossen, wodurch der Ball zu­rück und ins Tor sprang. Das zweite Tor für Barmen fam wieder durch einen Elfmeterstoß wegen Handspiels zustande. Dann stellte Schalke nochmals den Ausgleich her; dieser Erfolg war der einzige reguläre, wenn man als regulär nur die Tore bezeichnen will, die als Abschüsse von Angriffen ohne Elfmeter, Selbsttore usw. erzielt werden. Von da ab hatte Barmen nur noch 10 Mann im Felde. Gegen Schluß gab es noch einen Elf­meterstrasstoß für Schalke( weshalb?), der zum Siegestor ver­wandelt wurde. Ueber den Schiedsrichter gehen die Meinungen auseinander; jedenfalls aber hat er Barmen einigemale stark benachteiligt, sonst hätte das Resultat am Schluß wahrscheinlich anders gelautet. Der Kampf war spannend, weil abwechslungs­reich, jedoch konnten die Leistungen nicht imponieren. Schalke hat sich mit diesem Pyrrhussieg zwar den dritten Platz in der Tabelle der Bezirksmeister erobert Kurhessen Kassel und Borussia Rheine sind also wegen der Differenz von einem Pünktchen ins Hintertreffen geraten! aber wenn die Mann­schaft gegen Schwarz- Weiß Essen nicht mit besseren Leistungen aufwartet, scheitert an dieser Klippe ihr Hoffen und Sehnen, als dritter Vertreter in dem Kampf um die deutsche Meister­schaft mitwirken zu können. Sollte ihr doch der große Wurf gelingen, so wird sie wahrscheinlich, d. h. wenn sie in der Form vom 10. Juni spielt, bei der Vorrunde, die ihr in Hamburg den Hamburger Sportverein als Gegner beschert hat, auf der Strecke bleiben.

Das Entscheidungsspiel Schalte Essen ist( soviel zu er­fahren war) bereits auf den 17. Juni angesetzt, also bei Er­scheinen dieser Zeilen schon erledigt. Da an demselben Tage auch der Kampf Fußballsportverein Frankfurt Wacker Mün­chen ausgetragen werden soll( bezw. ausgetragen ist), sind am Abend des 17. Juni alle 16 Vertreter für die Vorrunde der deutschen Meisterschaft am 8. Juli ermittelt, und das Rennen fann losgehen.

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Als die Presse die Nachricht verbreitete, daß am 2. Juni bei dem Spiel Bayern München Spielog. Köln- Sülz 2: 4 ( 1: 1) der Verteidiger Schröder vom VfR. Köln unter anderem Namen bei den Sülzern mitgewirkt hätte, benutzten eine An­zahl süddeutscher Blätter diese Gelegenheit zu Angriffen auf den W. S. V., weil dieser immer den Standpunkt des Ama­teurspielertums in seinem Bereich so stark betonte, und gaben ihm den Rat, einmal vor der eigenen Türe zu kehren. Wenn vielleicht auch im W. S. V. hier und da mal etwas nicht ganz richtig und korrekt ist, so ist aber im S. F. V. sooft dort etwas ,, aufgedeckt" wird, die Luft immer gleich gewaltig did. Was hat man z. B. jetzt wieder von Wacker München lesen. müssen? Der Verein führt zweierlei Bücher, und aus dem einen( ye heimen!), das sich das Finanzamt zu beschaffen vermochte, geht hervor, daß bis vor kurzem die Spieler eine Art Gehalt bezogen haben, was sogar von den früheren und jetzigen Vorstands= mitgliedern zugegeben worden ist. Es ist gut, daß wir in Hessen- Hannover keine derartig reiche Vereine haben, die sich solche Ausgaben leisten können. Aber in der Nachbarschaft

Richtung Süden! ist auch nicht alles ganz stubenrein. Trotzdem schielt man von den Ufern der Lahn und Fulda im­mer nach dort hinüber, teils offen, teils geheim; geschieht das nun aus Neid oder Freude, aus Abneigung oder Wohlwollen?

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Der Vorstand von Wacker München hat inzwischen eine Erklärung in die Presse lanciert, die eine Ehrenrettung des Vereins bezweckt, aber so dunkel und verschnörkelt ist, daß man ihre keine Bedeutung beimessen bann. Weshalb hat man nicht kurz und bündig gesagt: Szabo hat während seiner Zugehörig­keit zu dem Verein niemals geldliche Zuwendungen erhalten; der Verein führt nicht zwei verschiedene Kassenbücher; keine Spieler haben fortgesetzt oder gelegentliche Zuwendungen an Geld aus der Vereinskosse erhalten usw usw.? Damit wäre reiner Tisch gemacht worden; aber jetzt bleibt das alte lei= nische Wort zu Recht bestehen ,, semper aliquid haeret", wenn nicht die Untersuchung des Falles noch den Beweis der Wahr­heit erbringt und damit das moralische Urteil über den Ver­ein fällt, mag das juridische ausfallen wie es will.

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