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Mittwoch, den 19. September 1928.

Lokales.

Das Herbstgeschäft belebt sich.

Nachdem der Sommer soviel wie ausgespielt hat und seine Tage gezählt sind, tritt mit der allgemeinen Erfrischung auch eine Erfrischung des Geschäftslebens ein, auf die so viele Kauf­leute gewartet haben, sie sind der Saurengurkenzeit und der damit verbundenen Ebbe im Geldschrank herzlich müde. Die Modehäuser sind wohl die ersten Stätten, wo der erfreu­liche Umschwung gewittert wird; ihre Schaufenster finden zu­nehmend mehr Beachtung und lenken die Schritte mancher Dame dorthin, wo ihr die verlockendsten Kollektionen der Herbstsaison vorgelegt werden. ,, Kein Kaufzwang; auch Ansehen und An­probieren gestattet!" Bald hat sich das Auge in ein, Modell" verguckt und in der Regel kommt es zu einem Geschäft. Doch auch die Schuhgeschäfte profitieren, besonders dann, wenn der Herbst Regenwetter mitbringt. Natürlich werden alsdann auch mehr Schirme gekauft. Es füllen sich wieder die an Schwindsucht krant gewesenen Kinos. Ein regerer Appetit fördert den Absatz der Lebensmittelgeschäfte. Bei der Kohlen­handlung mehren sich die Aufträge. Die Lampengeschäfte brin­gen mehr Beleuchtungskörper und Lampenschirme an den Mann oder an die Frau. Es wird mehr gelesen. Man musiziert. Kurz, in zahllose Berufe kommt ein frischer Wind, in dem die Geld­scheine zahlreicher flattern. Nur sollten die Geschäftsleute nicht vergessen, daß Zeitungsreklame, geschickt angewendet, oft Wunder wirkt und die Einnahmen in kurzer Zeit verdoppelt, vielleicht verdreifacht. Es gibt Geschäfte, die sich in der Haupt­sache durch gute Dauerreklame zu großen Kaufhäusern entwickelt haben. Sonst wäre ja auch der Kuckuck, der so oft seinen Namen rust, nicht ein so bekannter Vogel! Die große Masse des Publikums ist träg, und wer die Werbetrommel der Reklame am besten zu rühren versteht, macht( wenn die Ware das hält, was sie verspricht) das beste Geschäft. Mittun aber muß heute jeder, will er nicht ganz aus der Reihe der Vor­deren in den Hintergrund gedrängt werden. Zeige an, was du zu verkaufen hast, dann wirst du verkaufen, was du ange= zeigt hast und noch manches andere dazu!"

Straßensperrungen,

mitgeteilt v. Oberhess. Automobil- Club e. V.( A. v. D.) Gießen. Gießen- Kleinlinden, im Straßenzug Gießen- Friedberg- Frankfurt

a. M., ab 24. September bis auf weiteres; Umleitung: nach Frankfurt über Leihgestern, nach Wetzlar über Heuchelheim­Azbach- Niederweisel- Niedermörlen.

Ortsdurchfahrt Steinfurth, im Straßenzug Butzbach- Griedel­Rockenberg- Bad Nauheim, v. 17. bis 27. September; Um­leitung: Niederweisel, Niedermörlen.

Die Sperrung der Straße Niederwöllstadt- Assenheim ist auf­gehoben.

Der Landweg Rodheim a. d. Bieber- Bieber wird vom 17. bis 21. September 1928 für den gesamten Fuhrwerks- und Kraft­fahrzeugverkehr gesperrt. Umleitung über die Landstraße Rod­heim a. d. B.- Fellingshausen- Bieber.

* Polnisches Konsulat. Das Polizeiamt Gießen teilt mit, daß die Amtsräume des Konsulats der Republik Polen in Köln a. Rh. vom 1. Oktober 1928 ab Samstags geschlossen sind.

* Konsularnachricht. Der zum französischen Konsul in Frank­furt a. M. ernannte Herr Dominique Francois Auguste Forci­oli, und der zum Generalkonsul des Königreichs der Serben, Kroaten und Slowennen in München ernannte Herr Milian Jo­vanovic, denen namens des Reichs das Exequatur erteilt wurde, sind anerkannt und zur Vornahme konsularischer Verrichtungen im Volksstaat Hessen zugelassen.

* Ernannt wurde der Verwaltungspraktikant Wilhelm Kauf­mann aus Rinderbügen zum Kasseninspektor bei der Landes- Heri­und Pflegeanstalt bei Gießen, mit Wirkung vom 1. September

1928.

* Vorsicht, Autofahrer! Laut Verfügung vom Hess. Mini­sterium müssen die Autofahrer zur Nachtzeit so rechtzeitig ab­blenden, daß ein entgegenkommendes Auto nicht gefährdet wird; andernfalls macht sich der Fahrer strafbar.

* Abladen von Koks auf der Straße. Es wird wiederholt darauf hingewiesen, daß nach der Allgemeinen Straßenverkehrs­ordnung das Abladen von Kohlen, Koks und dergl. auf die Straße verboten und strafbar ist. Die Polizeibeamten sind an­gewiesen, jede Zuwiderhandlung zur Anzeige zu bringen.

r Vermehrung der Lose der Klassenlotterie. Die Zahl der Lose der Staatslotterie soll bei der nächsten Ziehung um 50 000 erhöht werden. Die Verwaltung will aber gleichzeitig, um die eigenen Einnahmen weiter zu erhöhen, im nächsten Jahre den Preis des Loses für alle Klassen von 120 auf 200 Mt. erhöhen. Als Ausgleich soll die Zahl der Gewinne über 100 000 Mt. ver­mehrt werden.

Aus Nah und Fern.

Vom oberen Vogelsberg. Der Vogelsberg hat in diesem Som­mer eine günstige Getreideernte zu verzeichnen, die Dank des günstigen Erntewetters vollständig unter Dach ist. Ueberall brum­men in den Gebirgsdörfern die Dreschmaschinen. Aehnlich rasch konnte dieser Tage auch die Grummeternte bei bespiellos herr­lichem Herbstwetter eingebracht werden. Wohl ist die Menge nicht so hoch wie im Vorjahr, dafür hat das Futter erste Güte. Die Kartoffeläder sind hier im Gegensatz zur Wetterau noch grün, sodaß die Reife noch etwa 14 Tage dauern wird. Dem flei­ßigen Landwirt ist eine kleine Ruhepause zu gönnen.

Lich. Dieser Tage fand im Kloster Arnsburg bei Lich eine Versammlung von Milchproduzenten aus verschiedenen Orten im südlichen Teile des Kreises Gießen statt, die sich mit der Frage des Milchpreises beschäftigte. In der Versammlung wurde leb­haft Kritik geübt an der starken Differenz des Milchpreises zwi­schen Stall- und Stadtpreis, die darin zum Ausdruck kommt, daß der Stallpreis pro Liter 17 und 18 Pfg. beträgt, während der Stadtpreis 32 und 34 pro Liter ausmacht. Es wurde gefordert,

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Gießener Zeitung"

die Spanne zwischen Stall- und Stadtpreis wieder auf 12 Pfg. pro Liter zu verringern, d. h. den Stallpreis dementsprechend zu erhöhen, sodaß die Molkereien nicht mehr 18 Pfennig, sondern 21 Pfennig pro Liter zahlen sollen. Die Angelegenheit soll nunmehr durch ein Schiedsgericht erledigt werden.

Friedberg. Der hier stationierte 25 Jahre alte Polizei­wachtmeister Heinrich Guglmeier wollte seinen Urlaub über den Sonntag bei seiner in Wiesbaden wohnenden Mutter ver­bringen. Bei Naurod stürzte er mit seinem Motorrad. Mit einem doppelseitigen Schädelbruch und schwerer Gehirnerschütte­rung ist er bald nach seiner Einlieferung ins Krankenhaus ge­storben, ohne das Bewußtsein wieder erlangt zu haben.

Vilbel. Ein Zweimarkstück hinuntergeschluckt hat ein 10 Jahre alter Junge in Büdesheim. Der Junge wurde ins Friedberger Krankenhaus gebracht. Die Silbermünze hat sich im Magen festgesetzt.

Herborn. Jm Steinbruch ,, Neue Burg" bei Langenaubach im Dillkreis explodierte der Dieselmotor. Dem Monteur Emil Stahl wurde durch ein schweres Stück des Schwungrades das linke Bein schwer verletzt. Ein anderer Arbeiter erlitt leichtere Verletzungen.

Dillenburg. Von einem Schützenfest als Preisträger auf der Heimfahrt begriffen, stürzte der 46 Jahre alte Schuhmacher Adolf Sälzer aus Offenbach im Dillkreis am Sonntagabend so unglücklich mit seinem Fahrrad, daß als Folge eines Schädel­bruchs der Tod sofort eintrat.

Eisemroth. Auf der Eisensteingrube ,, Saalgrund" bei Eisemroth im Dillkreis ist der 34 Jahre alte Bergmann Wil­helm Blüder durch herabstürzende Gesteinsmassen derart schwer verletzt worden, daß der Tod auf der Unfallstelle eintrat. Der Verunglückte hinterläßt Frau und drei Kinder. Der Fall ist umso tragischer, als auch der Vater vor Jahren bei einem ähnlichen Unfall ums Leben tam.

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Die ausländischen Pressevertreter besuchen Frankfurt a. M. Wie der Verein der ausländischen Presse zu Berlin dem Meßamt Frankfurt a. M. mitteilt, wird eine Abordnung des Vereins, die aus etwa 20 Mitgliedern besteht, zur Eröffnung der Frankfurter Herbstmesse eintreffen. Die ausländischen Presse­vertreter, die sich ein Bild über die kommende Frankfurter Herbst­messe machen wollen, planen zugleich den Besuch von Bad Hom= burg und größeren industriellen Unternehmungen Frankfurts.

Maschinenschau für das Handwerk

auf der Fankfurter Herbstmesse 1928.

In Verbindung mit dem Meßamt Frankfurt a. M. veran­staltet die Betriebswirtschafts- und Gewerbeförderungsstelle für den Regierungsbezirk Wiesbaden anläßlich der Frankfurter Herbstmesse in der Zeit vom 29. September bis 3. Oktober 1928 eine Maschinenschau für das Handwerk, in der insbesondere die Maschinen des metall- und Holzbearbeitenden Gewerbes, aber auch Werkzeuge und Maschinen für das Bäcker-, Fleischer- und Schneiderhandwerk zur Schau gestellt werden. Daneben wird in einer Sonderzusammenstellung der Rationalisierungsgedanke, so­weit er für das Handwerk in Frage kommt, durch das Ausstel­lungsmaterial des Forschungsinstituts für rationelle Betriebs­führung gezeigt, dessen Bezirksstelle die Betriebswirtschafts- und Gewerbeförderungsstelle ist.- Am Sonntag, den 30. September 1928, findet außerdem vormittags 10 Uhr im Handwerkerhaus Frankfurt a. M. eine größere Handwerkerversammlung statt. Der Maschinenbau selbst zeigt die zahlreichen Arten von Schleif- und Bohrmaschinen, von Drehbänken und Biegmaschinen, von Scheren und Stanzen, von Glüh- Härte- und Emaillieröfen, von Schmie defeuergebläsen, Schweißmaschinen usw. Großes Interesse ver­dienen daneben elektrisch betriebene Kleinmaschinen und Werk­zeuge, die selbst für kleinste Handwerksbetriebe in Betracht kom­men. Eine Spezialabteilung ist Werkzeugen und Maschinen für die Automobil- Reparatur gewidmet.

*

Die deutschen Landkreise zum Umbau der Landstraßen. Auf der diesjährigen Hauptversammlung des Deutschen Land­freistages in Rostock, die Straßenbaufragen gewidmet war, wur­den u. a. folgende Leitsätze aufgestellt:

Die durch den Automobilverkehr zu neuer Bedeutung gelang­ten 180 000 Kilometer deutscher Landstraßen bedürfen in wei­tem Umfange einer schleunigen Anpassung an diesen Verkehr.

Die Unterlassung des Umbaues wäre eine Verschwendung unzwedmäßig aufgewandter Straßen- Unterhaltungskosten und eine Verewigung der heutigen Staubplage.

Die Ausführung sogenannter ,, Nurautostraßen" als Fern­straßen ist vor dem Umbau des vorhandenen Landstraßennetzes noch zurückzustellen.

Am dringlichsten ist die Verbesserung der Straßendecken auf den Strecken mit stärkerem Verkehr. Das sind weniger die Ver­bindungsstraßen der Verkehrstnotenpunkte, als die Straßenbündel an jenen Punkten.

Der Umbau ist planmäßig vorzunehmen, d. h. im gegen­seitigen Einvernehmen der benachbarten Straßenbauverwal­tungen hinsichtlich der vorzugsweise auszubauenden Fernstraßen.

Die bisher zur Verfügung stehenden Geldmittel sind unzu­länglich. Die Bereitstellung erhöhter Mittel ist unbedingt not­wendig, weil die Landstraßen in allen Ländern der Welt die wichtigsten Adern der Wirtschaft werden und weil die deutsche Wirtschaft nicht zurückbleiben darf.

Die Geldmittel sind nicht mehr wie jetzt zu drei Vierteln aus allgemeinen Steuern( Gewerbesteuer und Grundvermögenssteuer vom städtischen und ländlichen Grundbesitz) zu entnehmen, son­dern in erhöhtem Maße aus der Kraftfahrzeugsteuer. Sie ist zur Schonung der Automobilindustrie und der übrigen Wirtschaft als reine Benugungssteuer nach Verhältnis der Ausnutzung des Fahrzeuges mit wesentlich erhöhtem Gesamterträgnis auszu­bauen.

Aufwertung von Lebensversicherungen.

In letzter Zeit wurden vom Reichsaufsichtsamt für Privat­versicherung wiederum die Teilungspläne einiger größerer Ver­sicherungsgesellschaften genehmigt. Die Aufwertungsquoten der

Der Mittelpunkt

Nr. 74.

Mittwoch, de

des Familienlebens ist und bleibt der ge­deckte Tisch, der alle vereinigt und von dem immer nur das Beste erwartet wird. Gelingt es der Hausfrau nun, stets wohl­schmeckende und nahrhafte Küche zu führen, dann wird sich die damit ge­schaffene Zufriedenheit dem ganzen Fami­lienkreise mitteilen und alle übrigen Unter­nehmungen günstig beeinflussen. Als ein guter Ratgeber für jede Hausfrau und be­sonders für die angehenden stellt sich hier Dr. Oetker's neues Schulkoch. buch, Ausgabe C, zur Verfügung, das mit seinen ca. 500 Koch-, Back- und Einmache­Rezepten, sowie zahlreichen farbigen Tafeln und Anleitungen für häusliche Arbeiten, wie Anrichtekunst usw. lehrreiche Auskunft gibt. Das 150 Seiten starke Buch in dauer­haftem Pappband ist, wo nicht verrätig, gegen Einsendung von 30 Pfg. in Marken von mir portofrei zu beziehen.

Dr. Oetker's Backin- Backpulver. Pudding pulver, Vanillin- Zucker, Gustin usw. sind in allen Geschäften stets frisch zu haben.

Viele neue und wertvolle Anregungen zum Backen bietet Ihnen das neue farbig illu­strierte Oetker Rezeptbuch, Aus­gabe F, das für 15 Pfg. in allen Geschäften erhältlich ist. Sie erfahren aus dem Buche auch Näheres über den vorzüglich. B a c k- apparat ,, Küchenwunder", mit dem Sie auf klein. Gaskocherflamme backen, braten und kochen können.

Dr.August Oetker, Bielefeld

einzelnen Versicherungsunternehmungen sind verschieden; sie bewegen sich bis jetzt zwischen 12-17 Prozent. Leider sind auch Teilungspläne zu erwarten, deren Prozentsätze sich unter 10 Prozent halten; als höchste Quote sind vorläufig 22½ Prozent vorgesehen.

Bei den meisten Altversicherten besteht die Meinung, der genehmigte Hundertsah verstehe sich von der Versicherungs­summe. Diese Ansicht ist irrig. Aufgewertet wird lediglich die Goldmarkprämienreserve bezw. das Deckungskapital jeder Ver­sicherung, d. h. die einbezahlten Goldmarkprämien abzügl. des Verwaltungskoſtenanteils. Die seit dem Jahre 1918 bezahlten Prämien werden nur mit ihrem Goldmarkwert berücksichtigt.

Ob der auf die einzelne Versicherung entfallende Aufwer­tungsanteil in bar ausbezahlt oder in eine neue prämien­freie Versicherung umgewandelt wird, bestimmt der von der Versicherungsaufsichtsbehörde genehmigte und daher maßgebende Teilungsplan der Gesellschaft. Der Schutzverband hat eine Liste aufgestellt, aus der ersichtlich ist, bei welchen Gesellschaften die Aufwertungsquoten bereits definitiv feststehen, in welcher Höhe sich diese bewegen usw. Aus dieser Schrift ist auch zu entnehmen, bei welchen Gesellschaften mit der Genehmigung des Teilungsplanes in nächster Zeit zu rechnen ist. Diese Liste gibt der Schutzverband der Lebens- und Feuerversicherten e. V. Mün­chen 13, Neureutherstraße 13, gegen Einsendung von doppeltem Rückporto fostenlos ab.

Die unterlassene Realsteuersenkung.

Ein Urantrag im preußischen Landtag.

In der Sonntag- Ausgabe der bekannten Fachzeitschrift Das Grundeigentum" wurde darauf hingewiesen, daß ent­sprechend dem Finanzausgleichsgesetze vom vergangenen Jahre Länder und Gemeinden verpflichtet sind, die über den Betrag von 2,4 Milliarden Rmk. hinausgehenden Reichsüberweisungen aus der Einkommensteuer, Körperschaftssteuer und Umsatzsteuer zur Senkung der Realsteuern zu verwenden. Nach den amtlichen Ausweisungen des Statistischen Reichsamts sind Länder und Ge­meinden im Rechnungsjahr 1927 rund 3,012 Milliarden Rmt. zugeflossen, in denen mehrere Hundert Millionen Reichsüber­weisungen aus den drei genannten Steuern enthalten sind. Um den Betrag, den die Ueberweisungen aus diesen drei Steuern die Summe von 2,4 Milliarden Rmt. übersteigen, sind seitens der Länder und Gemeinden die Realsteuern zu senken. Für das Rechnungsjahr 1928 ist eine Reichsüberweisung aus der Ein­tommen-, Körperschafts- und Umsatzsteuer von rund 2,9 Mil­liarden Rmf. vorgesehen. Länder und Gemeinden müßten also im Rechnungsjahr 1928 ihre Realsteuern entsprechend dem Fi­nanzausgleichsgesetz um mindestens rund 500 Millionen Rmt. senken. Diese Forderung nach Senkung der Realsteuern sind sofort von der Reichspartei des deutschen Mittelstandes( Wirt­schaftspartei) aufgegriffen worden. Die Abgeordneten Laden­dorff, Menz und die übrigen Mitglieder der wirtschaftspartei­lichen Landtagsfraktion haben am 27. 8. 1928 einen Urantrag im preußischen Landtag eingebracht, in dem von der Staats­regierung gefordert wird:

1. die Grund-, Gebäude- und Gewerbesteuern um den Be­trag zu senken, der von den rund 612 Millionen Rmt. Mehr­überweisungen der preußischen Staatskasse zugute gekommen ist. Dieser Betrag ist den Zensiten ohne Antrag zurückzu­zahlen bezw. auf die 1928 oder später fälligen Steuerbe träge anzurechnen;

2. einen Gesetzentwurf vorzulegen, der die gleiche Regelung wie zu 1) den Gemeinden in entsprechender Anwendung der Bestimmungen zu 1) zwingend vorschreibt;

3. bei Vorlage des Staatshaushaltsplanes für 1929 die vor­aussichtlich mit rund 800 Millionen Rmt. im Reichshaus­haltsplan 1928 veranschlagte Mehrüberweisung in Preußen bei dem Grund-, Gebäude- und Gewerbesteuersoll mit dem entsprechenden Betrage der Mehrüberweisung zu berüc sichtigen;

4. einen Gesetzentwurf vorzulegen, der den Gemeinden die Regelung zu 3) zur zwingenden Pflicht macht. Soweit durch Erstattungen Beträge nicht verbraucht wer den, sind diese in entsprechender Weise auf die Hauszinssteuer anzurechnen.

Verantwortlich: Paul Chrißian Klein in Gießen.

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