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Mittwoch, den 15. Februar 1928.

Handwerkernot und Altersversorgung.

Gießener Zeitung'

* 30 Jahre hessischer Militärverein in Berlin. Der Verein ehem. Kameraden der Großh. Sess.( 25.) Division zu Berlin feiert am 17. März ds. Js, das Fest seines 30jährigen Bestehens. Die Vereinsleitung wendet sich an die Verwandten und Freunde in der hessischen Heimat vertrauensvoll mit der Bitte, ihre Landsleute in Berlin auf den Hessischen Kriegerverein hinzu­weisen, auch ergeht an alle ehem. Angehörigen der Hessischen Division, die in Berlin ihre zweite Heimt gefunden haben, die Einladung, an den Veranstaltungen des Vereins teilzunehmen und demselben beizutreten. Die Vereinssizungen finden statt an jedem 2. Dienstag im Monat, abends 8 Uhr, im König­gräzzer Garten", Berlin SW. 11, Königgrägerstraße 111( gegen­über dem Anhalter Bahnhof). Zuschriften bezw. Anmeldungen sind zu richten an den 1. Schriftführer, Kamerad Herr W. 3 öl­ler, Berlin N. 65, Togostraße 79.

Wie uns die Hessische Handwerkskammer schreibt, wenden sich in jüngster Zeit häufig alte, nicht mehr arbeitsfähige Hand­werker oder durch vorzeitiges Wegsterben des Mannes in Not geratene Handwerkerwitwen an die Handwerkskammer, um dori eine Unterstützung zu erhalten. Diese Leute möchten nicht gerne das Wohlfahrtsamt in Anspruch nehmen und hoffen auf die Hilfe der Kammer. Irgendein Fonds, aus dem Unterstützungs­gelder für solche Notfälle entnommen werden könnten, steht aber der Kammer nicht zu Verfügung. Das Wohlfahrtsamt kann also hier nicht vermieden werden. Alle Handwerksmeister sollten aber daraus die Lehre ziehen, daß sie sich rechtzeitig einer Altersversorgung und eines Notpfennigs versichern müssen auf dem Wege, der ihnen von ihren eigenen Einrichtungen vorge­zeichnet ist: das ist die von den Handwerkskammern anerkannte und unterstützte Südwestdeutsche Versicherungsanstalt für selb­ständige Handwerker u. Gewerbetreibende a. G. Frankfurt( Brau­bachstr. 18-22, Handwerkerhaus)". Gegen niedrige Beiträge kann sich hier der selbständige Gewerbetreibende gegen Krank­heit, Alterssorgen, Invalidität und auf Pensionen versichern. Das Frankfurter Institut arbeitet als Glied des Reichsverban= des des deutschen Handwerks mit 14 weiteren Schwesterfassen zu­sammen und hat insbesondere mit der Hamburger Schwester­kasse die Lebens-, Alters- und Pensionsversicherung gemeinsam aufgenommen. Seine Verwaltung liegt völlig in den Händen des Handwerks, sein Aufsichtsrat besteht aus Vertretern der Handwerkskammer und Gewerbevereine.

Lokales.

Der Frühling ist unterwegs.

Nr. 14

Vilbel führen drei Autostraßen: Frankfurt- Gießen, Frankfurt­Nieder- Erlenbach- Homburg und Frankfurt- Heldenbergen, die sich in Vilbel teilen. Dadurch herrscht hier ein überaus starker Kraftwagenverkehr. Feststellungen haben ergeben, daß in der Nachtzeit über 200 durchfahrende Wagen gezählt wurden; diese Der Zahl erhöht sich aber am Tage, um ein Vielfaches. Schrecken der Hauseigentümer sind die schweren Lastautos mit Vollgummi- Bereifung, die den Häusern schweren Schaden zu­fügen. Man einigte sich auf eine an den Landesverband des Hausbesitzervereins, Bürgermeisterei, Kreisamt und Hessisches Ministerium zu sendende Resolution, die Abhilfe fordert, indem eine Verordnung erlassen werden soll, nach der Lastkraftwagen mit Vollgummi- Bereifung durch Vilbel nur mit 10 Kilometer Geschwindigkeit fahren dürfen.

* Die Aufbewahrung von Geschäftsbüchern. Nach§ 162 der Reichsabgabenordnung sollen Geschäftsbücher und Aufzeich­nungen 10 Jahre, lang aufbewahrt werden. Diese Bestimmung ist also keine Mußvorschrift; die Nichtbefolgung kann mithin nicht bestraft werden. Dagegen sind Kaufleute verpflichtet, ihre Bücher bis zum Ablauf von 10 Jahren, von dem Tage der | darin vorgenommenen letzten Eintragung an gerechnet, aufzube­wahren. Dasselbe gilt für die empfangenen Briefe und Abschrif­ten, bezw. Durchschläge der abgeschickten Briefe, ferner für In­ventare und Bilanzen.

Mit Riesenschritten eilt das Jahr der Zeit entgegen, wo Bälle und Bockbierfeste, wenn nicht ihren Sinn, so doch ihren Reiz zu verlieren anfangen. Wenn der Morgenschein der immer früher heraufkommenden Sonne uns des künstlichen Lichtes beim Aufstehen schon entraten läßt, wenn heller Sonnenglanz schon über dem Morgenkaffeetisch strahlt und unter wolkenlosem Him­mel das erste Frühlingsahnen die Lüfte erfüllt, dann geht dem Menschen die Lust aus, sich in Ballnächten, auf Maskenfesten, in nächtlichem Starkbierbummel zu zerstreuen, zu erholen. Dann tann er es nicht mehr vertragen, in den Tag hinein seine Mü­digkeit, seine Verkaterung mitzunehmen. Dann will er zum glänzenden Tag auch glänzende Augen machen und die Klar­heit der Lüfte mit der Klarheit seiner Sinne als einen beleben­den Trank genießen aus dem Jungbrunnen der Natur, der das Blut auffrischt und die Seele hell macht.

* Der Beginn der Hegezeit für Enten wurde auf Grund des Jagdstrafgesetzes vom Juli 1858 durch Ministerium des Innern auf 1. März ds. Js. festgesetzt.

* Die Steuerpflichtigen, denen die Ausfüllung des Steuer­formulars bis zum 15. Februar nicht möglich ist, werden zweck­mäßigerweise Fristverlängerung zu beantragen haben, da sie sonst Gefahr laufen, in Strafe genommen zu werden.- Dem Antrag auf Fristverlängerung wird in den meisten Fällen statt­gegeben.

* Am Freitag nachmittag um 5 Uhr findet eine Stadtver­ordnetenversammlung statt. Auf der Tagesordnung stehen nur wenige, nicht besonders wichtige Punkte.

Büdingen. Das in der Nacht zum Samstag niedergegangene schwere Gewitter mit Schneestürmen hat, wie jetzt bekannt wird, im Vogelsberg und auch in der hiesigen Umgegend gros­sen Schaden angerichtet. Jm Dorfe Diebach am Haag wurden Dächer abgedeckt und auf dem Felde und den Straßen viele Obstbäume umgeworfen. Die Fernsprechleitungen wurden be­schädigt und ein Waldgebiet von ungefähr 106 Festmeter Fich­ten ausgewurzelt. Die Beschädigungen sind für die in Frage kommende Gemeinde und ihrer Einwohner recht erheblich.

* Wie verlautet, sind am Samstag mittag auch die beiden letzten Funker, die in der bekannten Funkersache in Unter­suchungshaft gesetzt worden waren, aus der Haft entlassen wor­den. Ueber das Ergebnis der Untersuchung war bisher nichts zu erfahren.

Der Zauber lichtüberfluteter Säle, der das Winterdunkel vergessen, erträglich zu machen bestimmt war, verblaßt, wenn die Sonne ihren jungen Glanz verlockend über den ganzen Tag breitet. Das Verlangen nach Geselligkeit, nach dem Trubel fest­lichen Menschenmiteinanders und durcheinanders weicht lang= sam der Sehnsucht nach einer genußreichen Wanderung durch die lenzwitternde Natur. So kahl sie auch noch ist: wenn sie im Sonnenglanz steht, hat sie schon ein Leben in Formen und Farben, das dem Winterkleid, das noch mit Eis in Ackerfurchen, mit Schneereſten am schattigen Hang hervorgudt, hoffnungsvoli Hohn spricht. Gewiß, gewiß, es ist noch lange nicht Frühling! Und ohne die warme Stube würde es auf die Dauer noch recht ungemütlich sein. Aber wir stehen doch im Ausgang des Win­ters, seine, Saison" fängt an zu langweilen.

Mittwoch, den

Olympia

Nach dem sei die Olympischen G Hoden- Wettkämpfe spiele ein; fie große Veranstaltu auf den Sportbetr im DFB. wird in jahr wurde die Fußballmeisterscha soll sie schon am 2 dazu ist auf den Zwischenrunden zu Anfang des liegen also heue auch die sieben len entsprechend möglich ist? Viel das Endreseultat den Vereine am es nun damit im die Spiele der 7 Einrundensystem dauerte vom 20. F Kurhessen- Kaffel heit um den 3. P Spiels, Fortuna­dem Sieger aus dorf, um die Ehr schaftsrunde fämpf meisterschaftsspiele Abschluß gerade 8 wird sich eine gro men die Runde Punktegleichheiten erforderlich, die a jedesmal 3 Spiele sollen nach dem P Unterlegenen spiel dieser Runde muß Meisterrunde um Meisterschaftsspiele

Büdingen. Für den diesjährigen Büdinger Petrimarkt, der vom 19. bis 22. Februar stattfindet, sind großzügige Vor­bereitungen im Gange. Seine Einleitung bildet ein großer historischer Festzug am Sonntag.

Preiserhöhung für Fahrräder. Infolge der in den letzten Monaten eingetretenen wesentlichen Verteuerung der Ge­stehungskosten auf Grund von Erhöhungen der Preise für Roh­materialien, Zubehör, sowie weiter infolge einer Steigerung der Löhne und Gehälter sind die deutschen Fahrradfabriken ver­anlaßt, mit sofortiger Wirkung eine Erhöhung der Preise um 3, M vorzunehmen.

Wir sind des Winters und seiner Freuden müde. Im Herbst war es nur recht, daß man sie ersehnte, sich darauf freute. Aber der Höhepunkt ist überschritten, nun haben wir andere Sehnsucht, andere Hoffnung. Und eilen, verführt durch die Februarsonne, der Erfüllung weit voraus. Ueber ganze Wochen von Ent­täuschungen wird der Weg gehen. Aber an unserer Stimmung, unserer frohgemuten Zuversicht kann das nichts ändern. Verläß­liche Zeichen, daß der Winter im Rückzug ist, sehen wir bis in die Straßen der Stadt hinein: wir stolpern schon wieder über die Kreisel, die die Peitschen in Kinderhand tanzen lassen; und die Murmeln kugeln herum, und die Reifen fahren uns zwischen die Beine. Untrügliche Verheißungen: der Frühling ist unterwegs!

Grüner Rasen Blaue Wellen.

Roman von Otto von Gottberg. 30. Fortsetzung.

Aus Nah und Fern.

Für den Pferde- und Viehmarkt, die die drei letzten Markt­tage in Anspruch nehmen, liegen bereits zahlreiche Anmeldu­gen vor. Mit dem Markte ist eine Lotterie verbunden, die wertvolle Gewinne bringt.

Schieß- Sport.

Die Schüßengesellschaft Gießen 1926 e. V., welche im Okto­ber 1926 durch zwölf Mann gegründet wurde, hielt bereits im Februar 1927 mit 35 Mitgliedern ihr erstes Königsschießen ab. Am 29. Oftober 1927 bei der Feier des 1. Stiftungsfestes war die Mitgliederzahl auf 59 gestiegen. Mit welchem Geist und Interesse dem Schieß- Sport gehuldigt wird, zeigte die erfreu liche Zahl von 74 Schüzenbrüdern beim diesjährigen Königs­schießen am 1. und 8. Februar 1928. Das Königsschießen be­gann an den angegebenen Tagen abends 8,30 Uhr. Der Kampf um die Königskette wurde unter 24 Schüßen ausgefochten. Herr Hans Wittelsberger, welcher bereits 1927 die Königs­fette mit 151 Ringen bei 15 Schuß errang, blieb auch beim diesjährigen Königsschießen mit 163 Ringen bei 15 Schuß Sie­ger. So konnte auch dieses Jahr dem tapferen Schützen die Königskette wieder überreicht werden. Der jungen Schützen­gesellschaft, die vollständig unpolitisch eingestellt ist, wünschen wir für ihr ferneres Blühen und Gedeihen ein kräftiges ,, Gut Ziel!"

Wagenborn- Steinberg. Der Delegiertentag zu dem Gesangs­weitstreit des Gesangvereins Jugendfreund" fand Sonntag bei starker Beteiligung statt. Es gaben 19 Vereine aus der Wetz­larer, Gießener, Frankfurter und Hanauer Gegend ihre An­meldung ab. Der Gesangverein Jugendfreund" verbindet ſein vierzijähriges Jubiläum mit dem Wettstreit.

Buzzbach. Die 2. diesjährige Zuchtviehversteigerung für Oberhessen veranstaltet die Landwirtſchaftskammer am 14. März in unserer Stadt.

Buzbach. Montagnacht um 1 Uhr wurde ein Personenauto von hier an einem Bahnübergang, beim Bahnhof Buzzbach von einem Schnellzug überfahren. Der Besitzer des Autos, Waidner, wurde leicht verletzt, während das Auto von der Lokomotive vollständig zertrümmert wurde. Auch die Lokomotive des Schnellzugs ist leicht beschädigt worden. Die Lokomotive konnte den Zug noch bis Gießen fahren, wo sie dann ausgewechselt wer­den mußte.

Nieder- Erlenbach. Hier ist die Maul- und Klauenseuche ausgebrochen. Die amtlichen Schuhmaßnahmen sind eingeleitet.

Vilbel. Die Generalversammlung des Hausbesitzervereins hatte zum Mittelpunkt ein Referat des Postmeisters Lotz über ,, Die Beschädigung der Häuser durch den Lastautoverkehr". Durch

Geschäftliches.

Auf dem Gebiete der orthopädischen Bruchbehandlung ist viel gesündigt worden, indem die Behandlung der Bruchkranken den Laien( Sattlern, Bandagisten usw.) überlassen wurde, die durch ihre Unkenntnis und Unerfahrenheit viel Schaden ange­richtet haben. Was mit einer exakten, orthopädischen Behand­lung der Brüche erreicht werden kann, hat das Hermes- Institut für orthopädische Bruchbehandlung, Hamburg 36, an Tausenden von Bruchleidenden bewiesen. Die von diesem Institut ange= wandte Methode hat vor allen anderen den Vorteil, daß die Bruchkranken ohne Unterbrechung alle Arbeiten, selbst die schwersten, während der Behandlung verrichten können. Aber nicht das allein ist ein großer Vorteil gegenüber einer Ope­ration, bei der ein dauernder Erfolg in vielen Fällen auch in Frage gestellt ist. Es sind auch die Kosten einer orthopädischen Bruchbehandlung durch das Hermes"-Institut, Hamburg, ver­glichen mit denen einer Operation, gering zu nennen, weshalb in jüngster Zeit immer mehr Krankenkassen dazu übergehen, ihre Patienten durch das Hermes"-Institut behandeln zu lassen. Die Behandlung findet nur statt durch approbierte, speziell aus­gebildete Aerzte und zwar regelmäßig in fast allen Städten Deutschlands.( Genaueres s. Anzeige.)

auf den weiten Reisen gesammelt. Werner einen Sessel zu­schiebend, setzte er sich vor den Schreibtisch, schloß ein Schubfach auf und griff nach einer Aftenmappe: Nehmen Sie bitte die Papiere zur Hand und blicken Sie gelegentlich hinein. Es sind Abschriften von Dokumenten, die Wert für Sie haben. Zu­nächst aber frage ich, ob Ihnen die Geschichte Ihrer Geburt bekannt ist."

Wirklich ein reicher Mann mußte der Sonderling sein. Den soldatischen Beruf anderer Träger seines Namens hatte er als von Geburt Hinkender nicht wählen können. Gerda erzählte gestern, er habe, um sich als Kaufmann zu betätigen, in jungen Jahren einem Hamburger Großhaus mit Niederlassungen in London, New- York und den Hauptstädten Südamerikas ge= dient. Als er das Zweighaus in Buenos Aires leitete, suchte ein deutsches Stahlwerk durch das Auswärtige Amt dort einen Vertreter. Der Gesandte für Argentinien nannte Helle als den Mann, der fähig sei, die Lieferung von Schienen und Loko­motiven für den von der argentinischen Regierung geplanten Ausbau des Schienennetzes einem deutschen Hause zu sichern. Helle schied also aus der Hamburger Firma und schlug als Vertreter des Stahlwerks die englischen und amerikanischen Wettbewerber. Dann umwarb ihn die heimische Schwerindu­strie. Duzende von Firmen trugen ihm ihre Vertretung in Südamerika an. Auf sicherem Wege zu Millionenverdienst hörte er, die argentinische Regierung denke an den Ausbau des Hafens von Bahia Blanca. Ein Besuch beim Verkehrs­minister brachte ihm den Auftrag, das nötige Kapital zu schaffen. Er reiste nach Europa und sicherte sich je 60 Millio­nen von deutschen und französischen Banken. Als die Regie­rung ihm die Kommission von v. H. auszahlte, war er wohlhabend genug, um fortan der geliebten Musik leben zu können. Er verkaufte seine Agentur, siedelte nach Berlin über und richtete sich die große Wohnung in der Roonstraße ein. Hier sollte er abends einziger Zuhörer bei den von Künstlern gerühmten Musikfesten sein.

Es war peinlich, das von den Lippen eines fremden zu hören. Drewitz sah auf den Teppich: Nein!"

Helle nickte, als habe er die Antwort erwartet. Nach kur­zem Ueberlegen stand er auf, verschlang die Hände auf dem Rücken und durchschritt das Zimmer. Der rechte Fuß schleppte nach. Das gelbfarben bleiche Gesicht unter ergrauendem schwar­zem Haar hing gegen die Brust. Er atmete wie zu langer Rede: Als ihr verstorbener Onkel, der damalige Polizei- Prä­sident Drewitz- Priedelsdorf heiratete, verschwand sein jüngerer Bruder Oskar mit meiner Schwester Irmgard. Herr Oskar von Drewitz war ein..

Er ließ warten und kam dann in Hausschuhen und brauner Samtjade als hinkendes kleines Männchen mit bleichem, aber flugem und beweglichem Gesicht, aus dem die lebhaften hell­braunen Augen Elisabeths und ihrer verstorbenen Mutter wenig freundlich sahen. Ohne die Hand zu bieten, sagte er schon auf dem Wege von der Tür zur Mitte des Zimmers fühl: Herr von Drewitz, Gutes habe ich von ihren Verwandten nie erfahren und die Bekanntschaft mit Ihnen nur gesucht, um den Namen meiner verstorbenen Schwester Irmgard von einem Verdacht zu reinigen."

Dann bat er in den Nachbarraum, Hier schrieb, las und rauchte er wohl. Die prächtigen Kostbarkeiten hatte er gewiß

er, Irmgard liege frank im Maternyti- Hospital eines Armen­viertels. Sofort suchte ich sie auf und sah sie zwei Tage spä=" ter sterben. Oskar zeigte sich nicht. Irmgard verzieh auch das und meinte, er schäme sich, nicht nur mir, sondern auch ihr unter die Augen zu treten, weil er ihr Elend und Unglück gebracht hatte."

Der Kopf des Verstummenden sank wieder gegen die Brust. Er legte die Hand über die Augen und holte nach langer Pause tief Atem: Damit Sie Ihrem... damit Sie Oskar Drewit nicht allzusehr zürnen, will ich erwähnen, daß meine Schwe­ster auch versicherte, er habe mit leider allzu schwachen Kräften sein Bestes getan, um für sie zu sorgen. Darum starb sie frei­lich doch im großen, kahlen Saal als Almosenempfängerin, aber nicht, wie die Verwandten wähnten, als Sündige, son­dern als rechtlich getraute Frau von Drewitz. Oskar hatte sie am Tage der Ankunft in London geheiratet. Elf Monate später kam das Kind, das neben ihrem Sterbebette lag."

Werner sah, daß die Rechte des in Erregung hastiger Schrei­tenden sich hinter dem Rücken zur Faust ballte. Die bleichen Wangen trugen jetzt roten Flecken. Die Muskeln des beweg­lichen Gesichtes zuckten. In den dunklen Augen flammte Haẞ, als er dann stehen blieb und kaum ein Zornbeben der Stimme meisterte: Ich will keinen Toten beleidigen. Er war ein Leichtfuß und mein Schwesterchen so warmblütig und unerfah­ren wie leidenschaftlich und verliebt." Er nahm den Gang durch das Zimmer wieder auf und sprach ruhiger, obwohl die Unmutsfalten nicht von der Stirn wichen: Die Beiden flüch­teten nach England, und zwei Familien fluchten ihnen. Kein Drewitz und kein Helle wollte fortan ihre Namen hören. Es gab sogar Verwandte, die dem Mädchen mehr zürnten als dem Manne. Ich allein glaubte meine Schwester wohl einer gros­sen Liebe, aber keiner Sünde fähig und entschloß mich, ihr zu helfen. Noch aber war ich arm und abhängig. Erst ein Jahr später konnte ich ihr nachreisen. Lange blieb mein Nachfor­schen vergeblich. Endlich führte mir ein Zufall Oskar Drewiz auf der Straße in den Weg. Ich wollte ihn ansprechen. Er sah mich, machte kehrt und entkam. Niedergeschlagen fuhr ich ins Gasthaus. Wie mochte es meiner armen Schwester gehen! Sah doch Oskar entsehlich abgerissen, elend und herunterge­tommen aus." Als erschütterte ihn noch die Erinnerung fiel er müde in den Schreibtischstuhl und schüttelte traurig den Kopf: Ich dachte heimzureisen, fand aber am nächsten Mor­gen einen Brief. Oskar Drewig war mir gefolgt, um festzu­stellen, wo ich wohne. Ohne seine Adresse anzugeben, schrieb

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Es war eine Qual, ihm zuzuhören, denn wieder unter­brach sich der Nervöse, trat zum Fenster, hob den Vorhang und starrte auf die Straße, von der Wagenrasseln laut ins stille Zimmer schlug. Plöklich drehte er den Kopf mit scharf prü­fendem Blick zum Besucher. Werner begriff, daß er ihm Zeit lasse, daß Gehörte zu überdenken, und hob die Hand zur Stirn. Sein Kopf schwindelte. Ueber den Rücken schien eisiges Was­ser zu rinnen. Das Kind der Mutter, die auf fremder Erde im großen, fahlen Saal eines Krankenhauses als Almosenemp­fängerin starb, war... er? Langsam erhob er sich aus dem Stubl. Steif waren die Beine und schwer die Füße, als er leise hinter den am Fenster Stehenden trat. Nur zu flüstern wagte er: Und das Kind, Herr v. d. Helle?"

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Des Anderen Blick blieb draußen, als er nichte: Waren Sie!" Geahnt hatte er es, und doch traf ihn die Gewißheit wie ein Schlag. Jrre Gedanken jagten durchs Hirn. Wie damals in der kleinen polnischen Kirche schien der Boden unter den Füßen zu schwanken und das Leben, die Welt in Trümmer zu fallen. Also war er wirklich nicht der Sohn des heldisch tapferen Generals, sondern Kind eines in Schmach und Elend verkommenen Tunichtguts und einer Almosenempfängerin. Da glaubte er sie auf dem Leidensbett im Krankenhause zu sehen. Doch trug sie die Gesichtszüge der Frau des Generals, die er Mutter genannt hatte und im Grabe noch liebte.

( Fortsetzung folgt.)

die Meldungen d 12. Februar berei sind aber nicht e nicht zuließen. 2 SC.- Borussia- Rhe

Sülz vom Rhein scheidung für Hei unentschieden aus

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