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Gießener Zeitung

( Neueste Nachrichten)

Erscheint Mittwochs und Samstags. Bezugspreis 2,40 M vierteljährlich frei ins Haus. Redaktionsschluß früh 8 Uhr. Für Aufbewahrung oder Rüd­fendung nicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert.

41. Jahrg.

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Drud und Verlag von Albin Klein in Gießen Geschäftsstelle: Gießen, Südanlage 21. Fernsprecher Nr. 2525 und 2526 Postscheckkonto Nr. 69 530 Amt Frankfurt a. M

Samstag, den 14. April 1928

Die Bremen" in Amerika gelandet.

Der Start.

Das deutsche Ozeanflugzeug ,, Bremen" ist Donnerstag früh 5,38 Uhr vom Flugplay Baldonnel zum Amerikaflug gestartet, mit Hauptmann Köhl, Freiherr von Hünefeld und Major Fitzmaurice an Bord. Beim Start waren anwe­send der Präsident Jrlands, der deutsche Konsul und die Spitzen der Behörden. Die Maschine hatte die deutsche und die irische Flagge gehißt. Das Wetter war schön, der Himmel wolkenlos und die Bedingungen für den Abflug ideal. Nach einem letzten Abschiednehmen bestieg Köhl den Führersiz und auch seine Be­gleiter nahmen ihre Plätze ein. Die Flugzeuge des irischen Frei­staates, die die Eskorte bildeten, stiegen zuerst auf und ihnen folgte die ,, Bremen".

Nachleje.

London, 13. April. Die Zeitungen veröffentlichen heute morgen lange Berichte ihrer Dubliner Korrespondenten über die Szenen bei dem Abflug, in welchen besonders die Ruhe und die Entschlossenheit hervorgehoben wird, welche die deutschen Her­ren an den Tag legten. Einige Blätter fönnen sich nicht ver­fagen, zu sagen, daß die Anwesenheit des irischen Kommandan­ten auf dem Flugzeug eine große Hilfe für die Deutschen sei, wegen der großen Erfahrungen, die dieser Mann besitze, so daß man sich darauf gefaßt machen kann, daß, wenn der Flug ge= lingt, die Engländer plötzlich entdecken werden, daß die Jren auch Engländer sind, um einen großen Teil des Ruhmes für sich in Anspruch zu nehmen.

Amüsant ist die folgende Beschreibung des Korresponden­ten des Daily Cronicle". Dieser sagt: Baron von Hünefeld, tadellos angezogen, mit dem Monokel, dankt mit einer Hand­bewegung für den Beifall, welcher den Fliegern von den An­wesenden gezollt wurde. Die Haltung dieses seltsam höflichen und feinen Herrn war wie eines englischen Offiziers in Zivil, welcher in Picadilli eine Droschke mietet, um eine Fahrt durch den Park zu unternehmen. Hauptmann Köhl war zu sehr mit seiner Maschine beschäftigt, um irgendwelche Notiz von den Zu­schauern zu nehmen. Nur der Kommandant Fitzmaurice schien erregt zu sein. Er winkte mit einem Taschentuch aus dem Fen­ster der Kabine, als das Flugzeug abfuhr.

Ein Drittel der Strecke zurückgelegt. Dublin. Die ,, Bremen wurde wie Donnerstagabend mit­geteilt wird, zuletzt etwa 880 Meilen, d. h. etwa 1500 Kilometer westlich von Jrland, gesichtet. Das Flugzeugzeug verfolgte einen gradlinigen Kurs.

Zwischen Neuschottland und dem Kontinent. Montreal, 13. April. Die Canadian Pacific erhielt die Nachricht, daß ein Flugzeug, vermutlich die, Bremen", um 17 Uhr mitteleuropäischer Zeit die Stadt Yarmouth an der Süd­spite Neuschottlands überflogen hat.

Geleitworte Botschafter Shurmans.

Berlin. Der Botschafter der Vereinigten Staaten Jacob Gould Shurman gibt den Transozeanfliegern folgenden Ge­leitspruch mit auf den Weg: ,, Von ganzem Herzen hoffe ich, daß das Unternehmen der tapferen und wagemutigen Flieger Haupt­mann Köhl und seiner Begleiter auf der Bremen" durch die Gunst der Elemente und des Geschickes gefördert werden möge, und daß sie glücklich in Amerika eintreffen, wo meine Lands­Teute bereits sich rüsten, ihnen ei- wahrer würdigen, herzlichen Empfang zu bereiten."

der

Frau Köhl zuversichtlich.

Berlin. Die Gattin des deutschen Ozeanfliegers Köhl äußert sich auf die Nachrichten über den Flug der Bremen" gegenüber Freunden, sie zweifele keinen Augenblick daran, daß ihrem Mann der Flug gelingen werde. Er sei ein Bayer, ein Dickkopf, und was er sich einmal vorgenommen habe, das führe er auch durch. Die Ruhe habe sie auch nicht verlassen, als am Freitag vormittag eine gewisse Nervosität in der Oeffentlichkeit wegen des Schicksals der Flieger sich zeigte, und sie würde erst dann in Sorge geraten, wenn am Samstag früh noch keine Nachrichten vorlägen.

Bürgermeister Walfer wünscht Glück.

Der Bürgermeister von Newyork, Walker, hat tele­graphisch folgende Botschaft an das deutsche Volk gesandt:

,, Viel Glück den Fliegern; Millionen von Menschen er­warten sie ungeduldig, um ihnen zuzujubeln, wie sie es verdienen."

Vertagung des Prozesses

gegen die deutschen Ingenieure.

Aus Moskau liegt die amtliche Nachricht vor, daß der Pro­zeß gegen die verhafteten deutschen Ingenieure zunächst vertagt worden ist. Der Grund ist darin zu sehen, daß der Prozeß allem Anschein nach nicht getrennt von dem Prozeß gegen die russischen Ingenieure geführt werden soll. Da das Material gegen die russischen Ingenieure, das recht umfangreich ist, erst noch ge­

Die letzten Meldungen, die heute morgen um 11Uhr durch Radio verbreitet wurden, besagen, daß die ,, Bremen" auf einer fleinen Insel bei Neu- Schottland notgelandet sei.

Ein fürchterlicher Schneesturm machte den Fliegern jede Orientierung unmöglich und zwang sie nach vierstündigem, ver­zweifelten Kampf gegen die Elemente, niederzugehen. Beim Niedergehen brach ihnen das Fahrgestell, so daß sie den Flug nicht gleich weiter fortsegen konnten.

Auf die Nachricht von der Notlandung der Bremen" hin sind von Newyort aus eine Reihe Flugzeuge aufgestiegen um derselben entgegenzufahren. Unter diesen auch das Junkers­flugzeug C 38", das gestern abend bei seiner Ankunft auf dem Flugplatz Mitchellfield Veranlassung für die übereilten und nicht den Tatsachen entsprechenden Meldungen von der An­kunft der Bremen" gegeben hat.

Wenn man nach den vielen sich fast stets widersprechenden Meldungen, die sogar von amtlicher Seite Verbreitung fanden, auch mit einigem Steptizismus abwarten muß, bis von drüben die oben angeführte Meldung amtlicherseits ausdrücklich be= stätigt ist, so kann man aber doch wohl annehmen, daß diese Nachricht, abgesehen vielleicht von Einzelheiten, den Tat­sachen entsprechen wird.

Das zugegeben, können wir mit Stolz feststellen, daß es deutschem Unternehmungsgeist und deutscher Tatkraft, unter­stützt von deutscher Qualitätsarbeit, erstmalig gelungen ist, den Ozean im ununterbrochenen Fluge von Osten nach Westen, von Europa nach Amerika zu überfliegen.

Mit Interesse darf man die Meldungen der nächsten Tage aus Amerika erwarten, die uns von dem leicht begeisterten Amerikaner allerhand erwarten lassen dürfen.

Newyork in höchster Erwartung.

Newyork, 13. April. Vom Flugplay Mitchellfield wurden in der ganzen vergangenen Nacht Lichtsignale ausgesandt. Bei Tagesanbruch füllte sich der Flugplatz allmählich. Bald setzte ein ungeheurer Autoverkehr auf den Zugangsstraßen zum Mitchellfield ein. Der Landungsplatz ist schon seit drei Uhr von Polizei umstellt. Das innere Flugfeld können nur Be­sucher mit besonderen Ausweisen betreten. Viele Deutsche und Irländer sind unter den Besuchern. Das Gelände rings um den Flugplatz Mitchellfield gleicht einem Heerlager. Tausende und aber Tausende umlagern das Flugfeld. Im Laufe des Nach­mittags trafen 50 Polizisten mit Motorrädern ein, die sofort losfahren sollen, falls das Flugzeug an einer anderen Stelle landen sollte. Die Truppen, die den Ordnungsdienst auf dem Flugplatz verrichten, sind bedeutend verstärkt. 20 Photographen und Kino- Operateure harren mit Ungeduld auf den großen Augenblick. Die Zahl der Presseberichterstatter, die sich auf dem Flugplatz versammelt haben, ist sehr groß. Sieben Flugzeuge liegen startbereit, um der ,, Bremen" entgegenzufliegen. Der Boden des Flugfeldes ist naß, doch hofft man, daß er bis zur Landung der, Bremen" noch abtrocknen wird.

Kurz nach 8 Uhr traf unter Führung des Vorsitzenden des städtischen Empfangskomitees ein großer offizieller Empfangs­ausschuß auf dem Flugplatz ein. Die deutsche Botschaft war durch Botschaftsrat Dr. Kiep vertreten, dem Konsul Heuser, den stellvertretenden Kommandanten des Flugfeldes, Kapitän Bender, vorstellte. Vom benachbarten Flugplatz Curtrißfield traf das Schwesterflugzeug der Bremen, Junkers C 38", ein, das nach Ausführung mehrerer kunstvoller Schleifen unter dem Beifall der Menge landete. Viele dachten zuerst, es sei die ,, Bremen". In dem Flugzeug befanden sich Hertha und Ehr­hardt Junkers als Passagiere. Später trafen zwei Klemm­Flugzeuge ein, die die Aufschrift trugen:, Willkommen, Bre­men!" Der Sicherheitsdienst wird von 500 Soldaten, Poli­zisten und 24 Motorradfahrern verrichtet. Unter den Anwesen= den befinden sich drei Verwandte Köhls, nämlich sein Onkel, Professor Köht, und zwei Kinder. In Newyork wie auch an der gesamten Ostküste der Vereinigten Staaten herrscht schönes Wetter.

Die Nachricht von dem glücklichen Herüberkommen der ,, Bremen" über den Ozean löste hier wie im ganzen Lande un­geheuren Jubel aus. In fieberhafter Hast werden die letzten Vorbereitungen für einen der großen Leistung entsprechenden Empfang getroffen. Da die Flieger nach voraussichtlich mehr als 40stündigen Strapazen dringend der Ruhe bedürfen, ist der heutige Empfang in Mitchellfield nur provisorischer Natur, während die amtlichen Feierlichkeiten für morgen abend in Newyork geplant sind.

sichtet werden muß, wird voraussichtlich noch geraume Zeit ver­gehen, bevor der Prozeß eröffnet werden wird. In Berlin wird diese Tatsache außerordentlich bedauert.

Einberufung des Landtags.

Der Hessische Landtag ist zur 11. Sigung auf Dienstag, den 17. April, 10 Uhr, einberufen. Die Tagesordnung lautet: Re­gierungsvorlage, den Staatsvoranschlag der Einnahmen und Ausgaben im Rechnungsjahre 1928 betreffend.

( Gießener Tageblatt)

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Nummer 31

Zu den kommenden Wahlen.

Hessische Wahlleiter.

Zur Reichstagswahl gibt das Hessische Gesamtministerium bekannt, das Ministerialrat Bornemann zum Wahlleiter und Legationsrat Dr. Heinemann zu seinem Stellvertreter be= stimmt ist.

*

Die Reichsliste des Zentrums.

Am Donnerstag setzte das Zentrum die Kandidaten für seine Reichsliste fest. Geführt wird dieselbe von Reichstanz­ler Dr. Marg, an zweiter Stelle folgt Dr. Wirth, der damit wieder zur Partei zurückgewonnen ist. Ihm folgt der Arbeiter­führer Stegerwald, weiterhin u. a. der Großindustrielle Klöd­ner und der Führer der Windthorstbünde Dr. Krone.

*

Die evangelische Volksgemeinschaft

stellt zu der Reichstagswahl in den meisten Wahlkreisen eigene Listen auf. Spitzenkandidat in den Wahlkreisen Hessen und Hessen- Nassau ist Pfarrer Weidner Ober- Lais.

KPD.- Kandidaten.

Die Kommunistische Partei des Bezirks Hessen- Frankfurt hat ihre Kandidaten für die Reichtstags- und Landtagswahlen aufgestellt. Für die Reichstagswahl im Wahlkreise Hessen­Darmstadt ist als Spitzenkandidat Hermann Remmele in Berlin aufgestellt. Ein Erfolg dieser Kandidatur ist angesichts der bisher erzielten Stimmenzahl kaum in Betracht zu ziehen. Für den Wahlkreis Hessen- Nassau ist als Spitzenkandidat auf­gestellt Wilhelm Münzenbero in Berlin. An zweiter Stelle steht ein noch näher zu bezeichnender Vertreter des Be­zirks Kassel. Nach den seitherigen Wahlergebnissen kommt neben dem Spitzenkandidaten ein zweiter Anwärter nicht in Betracht. Für die Landtagswahl ist der seitherige Abgeordnete Karl Rehbein in Hanau als Spitzenkandidat aufgestellt, als zweiter Anwärter Oskar Müller in Frankfurt a. M.

*

Graf Westarp Spizenkandidat in Potsdam II. Der Landesverband Potsdam II der Deutschnationalen Volkspartei hat als Spitzenkandidaten für den Reichstag den Parteivorsitzenden Grafen Westarp aufgestellt.

Reichsaußenminister Dr. Stresemann wird am Samstag, den 28. April aus Anlaß einer Wählerver­sammlung der Deutschen Volkspartei in der Städtischen Fest= halle in Darmstadt sprechen.

Bomben- Attentat

auf den König von Stalien.

Donnerstag vormittag 10 Uhr, unmittelbar vor der Eröff= nung der Internationalen Messeausstellung von Mailand, ist vor ihrem Eingang auf dem Piazzale Giulio Cesare eine Höllen­maschine explodiert, die in dem Sockel einer Straßenlaterne ver­steckt worden war. Die Splitter haben 26 Personen getötet und etwa 40 mehr oder weniger schwer verletzt. Der Wagen des Königs tam 7 Minuter später an der Unglücksstelle vorbei. Trotz diesem bedauerlichen Vorfall hat der König die offizielle Eröffnung der Messeausstellung vorgenommen.

Auch auf Mussolini war ein Anschlag geplant und zwar auf der Bahn von Mailand nach Rom. In einem Bericht aus Como heißt es, daß ein in einem Versteck liegender Mann die Bombe durch einen Draht habe zur Explosion bringen wollen. Es soll gelungen sein, den Mann zu verhaften.

200 Verhaftungen vorgenommen.

Die Nachforschungen der Polizeibehörden nach den Ur­hebern des Attentats auf den König dauern fieberhaft fort. Man hat bisher etwa 200 verdächtige Elemente, größtenteils bekannte Anarchisten, ferner auch eine Anzahl von Arbeitern der Mustermesse verhaftet. Unter den Verhafteten befindet sich ein Anarchist, der bereits als Mitschuldiger des furchtbaren Bombenanschlags im Jahre 1922 im Diana- Theater von Mai­land eine fünfjährige Kerkerhaft verbüßte.

Vor einer Mieterhöhung.

Erörterungen im Reichsarbeitsministerium.

In der letzten Zeit wurde in der Oeffentlichkeit berichtet, das Reichsarbeitsministerium habe die Absicht, schon in abseh­barer Zeit eine weitere Mieterhöhung vorzuschlagen. Richtig ist, daß das Reichsarbeitsministerium den Referenten- Entwurf einer Denkschrift über die Wohnungsnot und ihre Bekämpfung ausgearbeitet und diesen an die Mitglieder des Wohnungsaus­schusses des Reichstages sowie an die Länder geschickt hat mit der Aufforderung um Rücäußerung. In der Denkschrift wird darauf hingewiesen, daß die Anpassung der gesetzlichen Miete an die allgemeine Preislage und an die Neubaumieten eine unerläßliche Voraussetzung der Aufhebung der Zwangswirtschaft sei, da sonst beim Uebergang in die freie Wirtschaft schwere wirtschaftliche Erschütterungen eintreten müßten. Aus lohn­und gehaltspolitischen Gründen seien zweierlei Mieten auf die