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Nr. 21.

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Samstag, den 10. März 1928.

geht durch sie. Es ist die große Passion der Menschheit.

Folgen wir der ewigen Liebe. Unendlicher Reichtum ist der Lohn. Wir werden umso reicher, je mehr wir den anderen geben. Unsere Tage sind umso schöner ausgefüllt, je mehr fie an Not und Leid der Menschheit entdecken und darauf aus­gehen, zu lindern und zu heilen. Unser Herz wird umso froher, je mehr es anderen von ihrem Schmerze fortnimmt, ihn selber trägt und lindert und dadurch Menschenseelen beglückt. Das ist das Geheimnis der Passion.

Ein Hauch Frühling

Nur erst soviel, wie man mit einem tiefen Atemzug in sich einziehen tann! Nur erst die wärmere Luft, die die Nachmit tagssonne aus ihrer Gleichgültigkeit erweckt hat! Nur erst ein Sträußchen Veilchen, die so zärtlich durften und es beginnt im Herzen zu schwingen und zu schwellen, traulich und heimlich, daß man ein Liedchen summen möchte.

-

Der Mensch ist ja so sehr bescheiden geworden, was die Na­tur anbetrifft. Es gibt alte Leute in der Stadt, die noch nie­mals ein reifes Aehrenfeld gesehen haben, die noch nie allein in einem Walde waren, noch nie durch das Schilf eines Sees hinausgeschwommen sind auf die freie Fläche, wo es keine Bade­leine mehr gab. Solche Pflastertreter sehen sich den Frühling im Schaufenster an. Sie kaufen vielleicht auch ein Stückchen Frühling im Blumengeschäft, aber nur, um die Mode mitzu­machen, denn die Natur fängt wieder an, Mode zu werden. ,, Die Jugend ist so für Natur!

Es läßt sich schon wieder draußen wandern. Man begegnet dem Landmann, der hinter dem Pflug und hinter der Egge geht. Der graue Grasrain zeigt die ersten grünen Spitzchen; es wollen sich schon Blättchen bilden. Man trifft auch schon eine Biene, die noch ganz schlaftrunken ist. Sie suchen die Kätzchen und die ersten Blümchen, aber wie hungrig mögen sie jein.

Wir alle haben Hunger nach dem Frühling. Der Lenz muß tommen. Sehnsucht über Sehnsucht steigt empor, wenn man die zarten Wolken am Horizont hinschweben sieht, wenn die gluten­den Sonnenuntergänge dieser Tage das herrliche Gestirn mit seiner Spendefreudigkeit vor die Augen zaubern. Schon brechen die Knospen auf, die Blättlein entfalten sich, die Tage werden länger.

* Die Gießener Kriminalpolizei warnt vor einem Reisen­den mit Namen Frizz Höhnes, geb. am 31. Januar 1900, der unter falschem Namen für die Deutsche Lebensversicherungsgesell­schaft Altona Aufnahmegebühren erschwindelt.

* Geltungsdauer der Sonntagsfahrkarten an Ostern. Die Sonntagsrückfahrkarten gelten zu Ostern: zur Hinfahrt am Gründonnerstag von vormittags 12 Uhr an, am Karfreitag, am Samstag, am Ostersonntag und am Ostermontag; zur Rückfahrt am Karfreitag, am Samstag bis 9 Uhr vormittags, am Oster­sonntag, am Ostermontag, am Dienstag bis 9 Uhr vormittags.

* Anzeigen in verkehrspolizeilicher Hinsicht. In der Zeit vom 1. bis 29. Februar 1928 wurden folgende Anzeigen wegen Zuwiderhandlungen durch Fahrzeugführer bezw. Kraft- und Radfahrer gegen verkehrspolizeiliche Vorschriften erhoben: 21 Anzeigen wegen Fahrens zur Nachtzeit ohne hellbrennende La­terne, 9 Anzeigen wegen Fahrens auf Bürgersteigen, 7 Anzeigen wegen Fahrens mit übermäßiger Geschwindigkeit, 7 Anzeigen wegen Fahrens, ohne die rechte Straßenseite einzuhalten, 8 An­zeigen wegen Fahrens durch gesperrte Straßen und 47 Anzeigen wegen sonstiger Zuwiderhandlungen in verkehrspolizeilicher Hin­sicht.

* Keine Weidefäßchen abreißen! Infolge des gelinden Wetters in den letzten Wochen sind an den Weiden die Triebe herausgekommen. Das gibt vielen Unverständigen Veranlas= sung, darüber herzufallen und die Zweige in Massen abzuschnei­den. Es wird durch diese Unsitte in der Hauptsache den Bienen, die für die erste Frühlingstracht fast ausschließlich auf diese Wei­denkätzchen angewiesen sind, ihre Hauptnahrungsquelle ent= zogen. Das Abschneiden sowie das Feilbieten und der Verkauf von Weidekätzchen ist strafbar. Eltern und Lehrer werden ge= beten, die Kinder auf dieses Verbot hinzuweisen.

Besuch in Langenberg.

Ein Beitrag zum 1. Geburtstag des Rhein- Ruhr- Senders.

,, Halloh, gnädige Frau, wann darf ich Sie einmal in Langenberg erwarten? Aber kommen Sie bitte nicht im schlimm­Sten Wetter, denn sonst ist der Zugang zu uns herauf nicht ge­tade angenehm!" Die Mahnung des Herrn Telegrapheninspek­fors Wurbs war berechtigt, aber schwer zu beherzigen, denn Krankheit, durch Berufsstrapazen erworben, fesselte mich mo­natelang ans Haus. Doch auch der Winter bringt schöne Tage, and o wartet man denn, treu beschützt( weil Rekonvaleszent), cines mittags auf die Elektrische nach Langenberg. Eine gute Stunde Fahrt von Elberfeld aus, und wir sind in dem ver­träumten Städtchen. Das heißt, daß es verträumt ist und viele malerische Winkel hat, haben wir erst später festgestellt. Augen­blicklich sind wir gerade gegenüber dem Bahnhof gelandet, und der präsentiert sich mit einem der berühmten fabrikartigen Stationsgebäude von ausgemachter- na, sagen wir Nüchtern­heit. Wenden wir unseren Blid erfreulicheren Zielen zu: wir Stehen am Fuße des Hordtberges, und ein Schild ,, Aufgang zum Gender" weist uns den rechten Weg. Es gilt, viele neu ange= legte Treppen zu steigen und dabei zu erproben, ob das Herz noch richtig funktioniert. Ja, es geht, die gute Laune hebt sich merklich infolgedessen. Der Hordtwald umfängt uns, und zwar nicht mit imposantem Rauschen ragender Wipfel, wie ich es mir vorgestellt hatte, sondern als ein braver kleiner Stadtwald, in welchem die Bürger ihr Quantum Ozon einnehmen können. Jetzt sind wir auf der Höhe angelangt, ein Plateau liegt vor uns, und schon grüßt in nächster Nähe der erste der beiden Sendetürme, schlank und schön gen Himmel steigend. Unwill­türlich stellt man Vergleiche an mit einer anderen, uns Rhein­ländern wohlbekannten Turmgröße, dem Kölner Dom: diese 100 Meter des Langenberger Senders sind zwei Drittel der Domhöhe, also auch schon ein recht stattliches Maß. Daß wir im Bereich der 12 000 Voltspannung sind, verraten uns War­nungstafeln, die wiederholt auf Lebensgefahr bei Annäherung an die Sendetürme aufmerksam machen. Auf noch grau­grünem Rasen schreiten wir auf das Senderhaus zu, hinter dem Der zweite Funkturm, in 250 Meter Entfernung von dem ersten, sichtbar ist, beide Gittermasten halten schwebend in luftiger Söhe die 110 Meter lange T- Antenne. Ein Gang ums Sender= gebäude offenbart die schmude Sauberkeit der ganzen Anlage.

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* Haftung der Ehefrau für die Steuer. Für die Einkom mensteuer des Ehemannes haftet u. U. die Ehefrau. Ein Ehe­mann war mit 55 Mark im Rückstand. Die Pfändung blieb fruchtlos. Das Finanzamt forderte die Ehefrau auf, zu zahlen. Sie legte Beschwerde ein, die das Finanzamt als Einspruch zurüdwies. Finanzgericht und Reichsfinanzhof wiesen die Be­rufung zurüd. Die Mieteinnahmen der Frau waren dem Ein­kommen des Ehemannes hinzugerechnet worden. Die Ehegatten waren demgemäß zusammen veranlagt worden. Daß der Steuerbescheid lediglich dem Ehemann zugestellt worden ist und daß die Beschwerdeführerin auf die Steuererklärung und die Festsetzung der Steuer teinen Einfluß gehabt hat, ändert an der Haftung nichts.

Aus Nah und Fern.

Großen- Bused. Die Beteiligung an der Haussammlung zu Gunsten des geplanten Kriegerdenkmals war sehr gut. Der eingegangene Betrag beläuft sich auf über elfhundert Mark.

Großen- Linden. In diesem Jahre kann die hiesige Likör-, Gährungs- Essig- Fabrik und Brennerei von Krause& Co. auf ein hundertjähriges Bestehen zurückblicken. Bis auf den Grün­der der Firma, gehören alle seitherigen Inhaber einer Familie an, die es verstanden hat, den Betrieb ständig auszubauen und sich durch ihre Produkte viele Freunde zu erwerben.

Friedberg. In mehreren Orten der Wetterau ist unter den Schweinen die Rotlauffeuche ausgebrochen.

Friedberg. Das Politechnikum sich sein Wintersemester mit 580 Studierenden. Das Sommersemester nimmt am 17. April seinen Anfang.

Schotten. Auf der Herchenhainer Höhe bei Herchenhain im Vogelsberg soll eine Segelflugschule errichtet werden. Eine Flugzeughalle soll in Kürze in Bau genommen werden.

Viernheim. Hier brachte eine Kuh zwei zusammengewach= sene Kälber zur Welt, die zusammen einen Kopf hatten, doch acht Beine, zwei Schwänze, aber nur drei Ohren aufwiesen. Das Tier wurde getötet.

Eisenroth. Beim Reinigen seiner Pistole löste sich ein Schuß und verletzte den Ziegelarbeiter Mellies durch Lun­genschuß schwer.

Groß- Gerau. Der Plan des Gemeinderats, das altertüm­liche Rathaus zu einer Gedächtnishalle für die Opfer des Welt­frieges umzugestalten, hat nunmehr die Genehmigung des Denkmalpflegers für Hessen gefunden. Die Staatsregierung wird um die Bewilligung eines Zuschusses ersucht werden.

Mainz. In der letzten Stadtverordnetenversammlung gab es Entrüstungsstürme, weil sich aus dem Haushaltsplan der Stadt Mainz für 1928 ein Fehlbetrag von zweieinhalb Millio­nen ergab. Der Oberbürgermeister glaubt durch Verschärfung der Vergnügungssteuer und Erhöhung der Grund- und Ge­bäudesteuer den Fehlbetrag auf 1% Mill. RM. herabmindern zu können.

Bingen. Hier ist das Gerücht verbreitet, daß die Hessische Höhere Bauschule nach Mainz verlegt werden solle, da die Stadt Bingen die anteilmäßigen Kosten nicht mehr zu tragen in der Lage sei.

Wezlar. Vor einigen Tagen wurde in den Abendstunden ein 8jähriger Knabe von einem unvorschriftsmäßig fahrenden Motorradfahrer überfahren und schwer verletzt. Der Motorrad­fahrer ließ den Jungen liegen und fuhr mit höchster Geschwin­digkeit weiter.

Limburg. Ein junges Mädchen, das ihr Kind nach der Geburt tötete, wurde zu zwei Jahren und 1 Monat Gefängnis verurteilt.

Dillenburg. Die Hardtermühle wurde mit sämtlichen Ne­bengebäuden das Opfer eines Großfeuers. Der Besitzer ist nur gering versichert.

Dillenburg. Unter dem Verdacht, Amtsgelder unterschla­

An der Ostseite schweist das Auge frei über den Horizont und entdeckt die Kuppen einer Bergkette, die der Landschaft ein prächtiges Relief geben. Wir treten ins Haus, und dort emp­fängt uns der Herr des Hauses, Herr Tel.- Insp. Wurbs, mil freundlichem Willkomm.

Die Halle, irgendwo als Ausstellungshalle aufgekauft, hat sich recht zweckmäßig zum Sendehaus umbauen lassen. Herr Wurbs übernimmt die Führung durch sein Reich. Zunächst, und dies ist sehr praktisch, stellt er uns schematisch auf einer Tafel den komplizierten Prozeß der Transformatoren und Gleichrichtung des vom Elektrizitätswerk Kupferdreh kommen­den Drehstroms in den für die Hauptsenderöhren nötigen An­odenstrom dar. Wir bewundern den Hochspannungsraum mit Vorsicht, denn es heißt überall: ,, Nichts berühren! Sonst fön­nen Sie sich in drei Tagen beerdigen lassen." Gleiche Gefahr droht natürlich in jedem anderen der Betriebsräume, und wir sind auf unserer Hut, obwohl wir gern aufs gründlichste jeden Winkel vor und hinter den Maschinen in Augenschein nehmen. Da ist der hochinteressante Gleichrichterraum mit dem Haupt­betriebstransformator, in welchem Spannung von 380 Volt auf 12 000 Volt herauftransformiert und durch sechs wasserge­fühlte Gleichrichterröhren sechsphasig gleichgerichtet wird, zur Verwendung als Anodenspannung für die Hauptsenderöhren. Jeder kleinste Restton wird aus dem gleichgerichteten Strom noch durch eine besondere Siebkette entfernt. Im benachbarten großen Maschinenraum finden wir das Prunkstück der ganzen Sendeeinrichtung, eine prachtvolle, dreizehnfeldige Maschinen­schalttafel aus Marmor mit 25 Meßinstrumenten. Hervorragend praktisch ist die Kühlanlage und die elektroosmotische Wasser­reinigungsanlage zur Enthärtung des benötigten Kühlwassers. Die Kreiselpumpe fördert 5000 Liter Wasser pro Stunde, und ein außerhalb des Gendergebäudes gelegener Kühlraum von 18 Meter Höhe dient der Rückfühlung des Wassers zum Wieder­verbrauch. Eine Pumpstation für die Wasserversorgung be= findet sich in der Tahlsohle von Langenberg. Nachdem wir im Maschinenraum die interessante Wirksamkeit des Osmose- Appa­rates, durch die Kalfgehalt und sonstige Unreinigkeiten des Wassers entfernt werden, beobachtet haben, steigen wir auch in den Keller hinab, um uns die gewaltigen vier Wasserkessel, die je 20 Kubikmeter fassen, anzusehen. Drei davon enthalten Roh­wasserreserve und einer enthärtetes Wasser als Reserve. Die Kessel müssen natürlich öfter gereinigt werden. Um ein Roſten

Nr. 21.

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Bleiben Fur Aandhaft

FRANCK

SCHUTZMARKE

wenn der Versuch gemacht wird, Jhnen an Stelle von Aecht Franck ein beliebiges Zichorien= fabrikat aufzureden! Es gibt für Aecht Franck nichts Gleichwertiges. Dafür bürgen unsere 100 jährigen Erfahrungen auf dem Gebiet der Zichorienkaffee- Erzeugung. Verlangen Sie ausdrücklich Aecht Franck

mit der Kaffeemühle.

gen zu haben, wurden in Haiger ein Oberstadtsekretär und ein Polizeibeamter verhaftet.

Haiger. Ein Explosionsunglück hat sich auf der Grube Go­senbach zugetragen. Dort stießen die Bergleute Schade und Ha­fer bei Bohrarbeiten auf ein altes Sprengloch, in dem sich noch Sprengstoff befunden haben muß. Es kam zur Explosion, bei der beide Bergleute lebensgefährliche Verletzungen am ganzen Körper davontrugen.

Steinau a. d. Str. Der 13jährige Volksschüler Philipp Hufnagel erblickte in dem bei der Badeanstalt abzweigenden großen Mühlgraben einen mit den Wellen kämpfenden 5jähri= gen Jungen. Hufnagel sprang ins Wasser, und obwohl der Er­trinkenden ihn selber in größte Gefahr brachte, gelang es ihm, den Jungen unter Aufbietung aller Kräfte ans Land zu bringen.

Gelnhaar. Ein sieben Jahre altes Mädchen bekam von der Mutter ein Markstück zum Einkaufen, das es, um zu spielen, in den Mund nahm. Hierbei verschluckte es im Eifer die Münze, die sich unterhalb des Kehlkopfes festsette. Das Kind mußte nach Gießen in die Chirurgische Klinik gebracht werden.

Rüdesheim. Die Zahnradbahn auf den Niederwald wird am 1. April ihren Betrieb wieder eröffnen.

Typhus im Regierungsbezirk Koblenz. Im Regierungs­bezirk Koblenz sind 32 Personen nach dem Genuß von Milch, die aus einer Sammelmolkerei stammte, an Typhus erkrankt. Ein Fall ist tödlich verlaufen.

Betzdorf. Auf der Grube Friedrich Wilhelm" wurde Berg­mann Seifner verschüttet. Er konnte zwar noch lebendig geborgen werden, starb aber kurz darauf. Er hinterläßt Frau und vier Kinder.

Naumburg. Die Steuer auf Jazzbandmusik wurde aus volkserzieherischen Gründen um 50 Prozent erhöht.

Berlin. Wegen Mißhandlung ihres zehnjährigen Mäd­chens wurde die Arbeiterfrau Werner zu sechs Monaten Ge­fängnis verurteilt, während der Stiefvater des Mädchens einen Monat Gefängnis erhielt. Der hinzugezogene Arzt erklärte, daß ihm ein derartiger Fall von Grausamkeit noch nicht vorgefom­men sei. Das Kind war fast täglich gezüchtigt worden und sein ganzer Körper war mit Striemen, Wunden und Beulen bedeckt.

möglichst zu vermeiden, sind sie kürzlich sorgfältig auch innen angestrichen worden; ein Handwerker hatte mit dem Anstrich eines Kessels jeweils acht Tage zu tun, natürlich im Innern des Hohlraums bei künstlichem Licht arbeitend. Eine angenehme Arbeitsstätte! Wir kehren an die Oberwelt zurück und be­treten den 14X10 Meter großen Senderaum. Hinter der Sen­derschalttafel mit den Schaltgriffen und Meßinstrumenten für die Bedienung des Senders sind übersichtlich die drei Stufen des Senders von 04 KM.( 1 Röhre), 3 KW.( 2 Röhren) und 60 KW.( 3 Röhren) mit ihren Abstimmitteln, Kondensatoren und Spulen, sowie den Röhren aufgebaut. Es gibt genug hier zu schauen, aber wiederum dürfen wir alles nur in respektvoller Entfernung bewundern. Ein Fernsprech- Schaltschrank enthält die Verbindungen mit den Besprechungsstellen in Köln, Aachen, Düsseldorf, Elberfeld, Dortmund und Münster. Nicht weniger als sechs Leitungen, davon drei in Sonderkabel, führen nach Elber­feld, wo die jeweilige Umschaltung mit den Besprechungsräu­men stattfindet. Der Elberfelder Verstärkerraum ist bekannt­lich die wichtigste Umschaltestelle für das ganze Gebiet des Westdeutschen Rundfunks.

Orchestermusik ertönt aus einem Lautsprecher. Es ist die Zeit des Nachmittagskonzerts. Herr Wurbs verspricht uns ein interessantes Experiment zu zeigen, wie stark die Luft im Raum mit Elektrizität geladen ist. Wir treten hinter der Schalttafel in den Kreis der stärksten Anodenspannung, die technischen Beamten nennen ihn scherzend den Hochfrequenz­zirkus". Luftleere oder mit Gas gefüllte Glasröhren, die man hier in die Luft hält, glühen auf und lassen phosphoreszierend das Durchgehen des Hochfrequenzstromes erkennen. rühren uns gegenseitig leicht mit den Fingerspigen; die Haut verbrennt fnisternd und bekommt einen Brandflecken. Fabel­haft wirkt ein anderer Versuch: Aus einem frei stehenden Kondensator zieht der Assistent des Herrn Wurbs vermittels eines Schlüssels einen Flammenbogen. Der Lautsprecher wird für einen Augenblid abgestellt, und, wunderbar, wir hören auf dem Flammenbogen die Fortsetzung des Konzertes.

Wir be=

So sind ein paar Stunden im Nu vergangen bei unserer Wanderung durch das technische Wunderreich des Rundfunks. ( Entnommen aus dem Heft 3 der Wochenzeitschrift Der deut­sche Rundfunk".)