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Nr. 88

Mittwoch, ben

Mittwoch, den 7. November 1928

Vom hessischen Verkehr.

Der Vorstand des Hessischen Verkehrsverbandes hielt am 3. November 1928 eine Vorstandssitzung ab, bei der Rheinhes­sen, Oberhessen und Starkenburg gleichermaßen vertreten waren. Der Entwurf einer Odenwald Reliefkarte wurde vor­geführt, welche den gesamten Odenwald und sein weiteres Vor­gelände von Mannheim und Heidelberg im Süden, bis nach Frankfurt und Offenbach im Norden und nach Mainz und Worms im Westen in einer außerordentlich plastisch- anschau­lichen Weise darstellt. Der vom Verband herausgegebene 2. Jahrgang des Hessenkalenders" erscheint in aller Kürze. Der weitere Ausbau der Fremdenverkehrs­statistik wurde als sehr notwendig erkannt. Zur Frage der Verwaltungssonderzüge wurde darauf hingewiesen, daß es zweckmäßig sei, gerade mit entfernter gelegenen Reichs­bahndirektionen wegen der Veranstaltung von Sonderzügen nach landschaftlich oder städtebaulich besonders bevorzugten Gegen= den Hessens in Verhandlungen einzutreten.

Hinsichtlich

der Zusammenstellungen von Wintersportgelegenhei ten müsse verlangt werden, daß der Vogelsberg und der Odenwald in Zukunft besser berücksichtigt werden als seither. Zur fünftigen Fahrplangestaltung wurde eine Ent­schließung gefaßt in welcher u. a. zum Ausdruck kommt:

1. Die im vergangenen Sommer gefahrenen sehr bewährten Züge D 153/154 Frankfurt- Wesermünde- Bremerhaven und zurück möchten ganzjährig gefahren werden. 2. Die baldige Durchführung des Planes der oberhessi­schen Ost- West- Verbindung von der Mosel und dem Mittelrhein über Gießen- Alsfeld nach Thürin­gen und Sachsen ist für weiteste Wirtschaftskreise Oberhes= sens besonders bedeutungsvoll.

3. Ein Vergleich des derzeitigen Fahrplans mit demjenigen der Vorkriegszeit ergibt, daß die Fahrpläne der ober­Hessischen Nebenbahnen noch in mancher Bezie­hung der Verbesserung bedürftig sind.

Gießener Zeitung"

Worms Darmstadt nach Aschaffenburg unter Kreuzung beider Züge in Darmstadt nur zu unterstützen. Zur Frage der Neuregelung der Personen tarife wurde u. a. wie folgt Stellung genommen:

4. Die geplante Durchgangsverbindung vom Rhein und un­teren Main über Unter- und Oberfranken nach Sachsen findet die vorbehaltlose nachdrückliche Befürwortung. 5. Ebenso ist die projektierte Eilkreuzung", das die Ein­führung neuer Eilzüge Mannheim und Heidelberg- Frank­furt über die Main- Neckar- Bahn mit Abzweigung nach Mainz Wiesbaden und von Ludwigshafen über

Lofales.

Graf Zeppelin über Gießen.

,, Graf Zeppelin", der in der Nacht auf Montag in Fried­richshafen zum Flug nach Berlin aufgestiegen war, kam um % 6 Uhr über unsere Stadt. Als er noch ziemlich weit entfernt war, hörte man schon das Geräusch der Propeller. Er näherte sich dann in nicht allzugroßer Höhe und zog dann in stolzer Majestät über unsere Stadt hinweg.

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1. Die Umwandlung sämtlicher unbequemen Size der bis­herigen 4. Klassewagen sollte spätestens bis zum Inkraft­treten des nächsten Sommerfahrplans durchgeführt sein. 2. Als wenig erfreuliche Neuerung der Tarifreform muß die Erhebung eines Zuschlages für die Eilzüge bezeichnet wer den, dies umso mehr, als der größere Teil der bisherigen beschleunigten Personenzüge in zuschlagspflichtige Eilzüge umgewandelt worden ist. Die starke Erhöhung der Schnell­zugszuschläge, die gerade auch auf fürzere Entfernungen eine Verdoppelung des Zuschlages bringen, wirkt sich in zahl­reichen Fällen im Sinne einer Vermeidung der Schnell­zugsbenutzung aus mit dem Ergebnis, daß die Reichsbahn wesentliche Einnahmeausfälle erleidet. Der Umstand, daß der Schnellzugszuschlag für die 2. Wagenklasse doppelt so hoch ist als derjenige für die 3. Wagenklasse, bewirkt wei­terhin, daß namentlich auch in der Schnellzugsbenutzung auf kürzere Entfernungen eine Abwanderung von der 2. in die 3. Wagenklasse eintritt. Eine allgemeine Nachprü­fung der Sätze der Schnell- und Eilzugszuschläge mit dem Ziele einer Entlastung der kleinen und mittleren Entfer­nungen erscheint gleichermaßen im Interesse des reisenden Publikums wie der Reichsbahn geboten.

* Der Senior der Mathematiker, Geheimrat Pasch, 85 Jahre. Der Senior der Mathematiker, der eremitierte ordentliche Pro­fessor der Mathematik, Geheimer Hofrat Dr. Phil. Dr. Dr. phil nat. h. c. Moriz Pasch, bann am 8. November seinen 85. Ge­burtstag begehen. Geheimrat Pasch ist ein gebürtiger Bres­lauer. Er studierte in Breslau und Berlin, 1865 promovierte er zum Dr. phil. in Breslau. Dort habilierte er sich 1870. Einem Rufe an die Universität Gießen im Jahre 1873 folgend, wurde er hier außerordentlicher und bereits 1875 ordentlicher Pro­fessor, bis er 1911 in den Ruhestand trat. Außer seinen Arbei­ten auf dem Gebiete der Axiomatik durch die er sich einen Ruf in Fachkreisen erwarb, hat er eine Reihe mathematischer Werke herausgegeben. Dem noch sehr rüstigen Gelehrten herzliche Glückwünsche.

3. Zu bedauern bleibt, daß seit Inkrafttreten des neuen Per­sonentarifs die Schnellzüge für die Benützung durch die Inhaber von Sonntagsfarten ausnahmslos gesperrt sind. Es müßte schleunigst geprüft werden, welche weniger stark besetzten Schnellzüge für den Sonntagskartenverkehr frei­gegeben werden können. Die Reichsbahn würde durch eine derartige Maßnahme nicht nur keinen Ausfall erleiden, vielmehr in Gestalt des Schnellzugszuschlags einen Mehr­erlös erzielen.

bringen. Was man nicht sofort der Verwendung als Viehfutter zuführen kann, überlasse man den Trocknereien und Brenner­eien. Sämtliche Abfälle( Kraut, unbrauchbare Knollen usw.) sind an Ort und Stelle zu vernichten.

* Die Zahl der Radioteilnehmer betrug nach amtlichen Angaben zu Jahresbeginn in ganz Hessen 30 497. Jm Jahre 1926 gab es nur 19 388 und im Jahre 1925 noch nicht einmal 10 000 Rundfunkanschlüsse.

Schließlich hatte sich der Vorstand noch mit Angelegenhei­ten des besetzten Gebietes zu befassen. In der Frage der Er­richtung des Reichsehrenmals steht der Vorstand nach wie vor einmütig auf dem Standpunkt, daß fein geeigneterer Platz für das Nationaldenkmal gefunden werden kann, als ihn die Rheininseln bei Lorch inmitten des deutschen Schick­salsstromes darstellen.

* Ihrem Gatten freiwillig in den Tod gefolgt. In der Nacht auf Montag verstarb nach längerer schwerer Krankheit in Gießen der in weiten Kreisen angesehene Rechtsanwalt Leun. Aus Gram über den Tod ihres Lebensgefährten, dessen Hinscheiden sie nicht überwinden zu können glaubte, hat dann

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Der Sonntag deutungsvoller größte war wohl der Kurhessen Ka beachtliche Reful Boruffia Fulda mußte auf eigen Buntie an die A gruppe schlug im Raffel den S. V. 3er erit ficherge Rann im Sturm Raffel mußte fich Göttingen 05 gefo

* Die Schüßengesellschaft 1916 Gießen e. V. beendete am 31. Oktober ihr diesjähriges Vereinspreisschießen, so daß am Samstag, den 3. November, die Preisverteilung vorgenommen werden konnte. Es erhielten bei der 3- Schuß­Serie folgende Preise: 1. Preis Herr G. Gümblein mit 36 Ringen; 2. Pr. Herr E. Gondner 36 R.; 3. Pr. Herr H. Blum 36 R.; 4. Pr. Herr W. Wehling 36 R.; 5. Pr. Herr K. Schnei­der 36 R. und ferner bei der 6- Schuß- Serie: 1. Preis Herr G. Gümblein mit 71 Ringen; 2. Pr. Herr R. Glagow 69 R.; 3. Pr. Herr W. Meininghaus 69 R.; 4. Pr. Herr R. Gärtner 68 R.; 5. Pr. Herr H. Blum 68 R.; 6. Pr. Herr K. Schneider 68 R.; 7 Pr. Herr E. Gondner 68 R. Die Festscheibe erhielt Schützenbruder H. Blum. Mit der Preisverteilung war auch gleichzeitig eine Abendunterhaltung mit der Feier des zweiten Stiftungsfestes in sämtlichen Räumen der Liebigshöhe" ver­bunden. Zur Verschönerung des Festes haben Mitglieder des Bauer'schen Gesangvereins in liebenswürdiger Weise durch einige Gesänge wesentlich beigetragen und Unsere Bauern" haben auch reichen Beifall für ihre schönen Darbietungen ge­erntet. Auch Frl. Barthelmes hat mit ihrer fünstlerisch geschul­ten Stimme durch einige Gesangsvorträge die Anwesenden er­freut und wohlverdienter, überaus reicher Beifall wurde der Sängerin gezollt. Den musikalischen Teil hatte Schützenbruder Topp übernommen, welcher auf seinem Piston sehr schöne Solovorträge zu Gehör brachte. Der konzertliche Teil erntete ebenfalls reichen Beifall und die Tanzlustigen tamen nach den Klängen der unermüdlichen Kapelle Topp voll und ganz auf ihre Rechnung. Küche und Keller unseres Schüßenbruders Textor sorgten für das leibliche Wohl in bekannter und bester Weise.

wenige Stunden später die Gattin des Heimgegangenen durch Selbstmord ihrem Leben ein Ende gemacht.

* Aufgehobene Straßensperre. Die Sperre der Kaiser­allee zwischen Moltkestraße und Alter Rödgerweg ist ab 4. November 1928 wieder aufgehoben, da die Neubefestigung der Fahrbahn beendet ist.

* Gießener Bahnhofsfrage. Die Unzulänglichkeiten der Bahnhofsverhältnisse, insbesondere die dringende Umstellung der Bahnhofshalle, der Umladehalle und der Viehverladungs­rampen, bilden seit längerer Zeit große Verkehrshindernisse. In den Stunden des Arbeiterverkehrs herrscht in der Vorhalle ein derartig starker Betrieb, daß ein Durchkommen vollständig unmöglich ist. Auch die Schalterverhältnisse reichen bei weitem bei dem Verkehr nicht aus. Man trägt sich seit längerer Zeit schon mit dem Gedanken, die Bahnsteigsperren an die Aus­gänge nach der Main- Weser und Oberhessischen Seite zu ver­legen und die hindernde Gepäckabfertigung aus der Vorhalle zu entfernen. Damit würde die Vorhalle etwa um die Hälfte größer. Auch wäre der langerwünschte freie Zutritt in die Wartesäle sicher gestellt. Die Gepäckabfertigung soll in die Räume der jetzigen Stationskasse und diese in das gegenwärtig zu Unterrichtszwecken benutzte Fürstengebäude verlegt werden.

* Der Hessische Sängerbund hat nunmehr mit dem Verband zum Schutze musikalischer Aufführungsrechte( Gema) einen Pri­vatvertrag abgeschlossen, und zwar auf der Basis von 20 Pfg. pro Mitglied und Jahr. Die einzelnen Vereine müssen nunmehr die für sie in Betracht kommenden Beträge für 1928 umgehend an den Schatzmeister abführen, um den Vertrag wirksam zu machen und für die Folge zu erhalten.

* Krebskranke Kartoffeln sollte man schon im Herbste aus­sondern und sie nicht erst in die Lagerräume( Keller, Gruben)

Aus Nah und Fern.

Gd.

Verein B. 1. B. Gießen Sp. B. Weglar Dillenburg 1900 Gießen Sp. B. Herborn 6. C. Burg

8. 6. Niedergirm 8. 1. R. Buzbach Cranien" Frohn W.- Niedergir Ein typischer lar jest in der heimischen bis zu erzielte Tor zur den Spiez um un

Sp. u. Sp. Burg

Die Gießener mannschaft leistete beachtlichen Wide hälfte auf die V ganzen Linie und wanderte vorschri

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Dillenburg

Vom Vogelsberg. Jn Sachen des Kulturplanes für den Vogelsberg fanden in diesen Tagen vorbereitende Maßnahmen und Besprechungen der Vertrauensleute statt. In den Winter­monaten sollen Versammlungen und Vorträge über die Fragen des Generalkulturplans Aufklärung schaffen und den allmäh­lichen Uebergang zur Grünlandwirtschaft vorbereiten. öffnung der Spinnstuben. Für die dörfliche Bevölkerung haben die ersten Novembertage ihre besondere Bedeutung, beginnen doch jetzt die Spinnstuben. Obwohl die Zeit, in der das Spinn­vad an den langen Winterabenden seine einförmige Weise sang, weit zurückliegt, so ist und bleibt doch die heutige Spinn­stube, so sie auf Zucht und Sitte hält, ein Stüd töstlichen Volks­tums. Besonders ist die Spinnstube die Stätte des alten Volts­liedes.

Trachten und Sonderheiten an uns vorüber. Dazwi­schen marschierten die vielen Tausende von Sänger Gesangvereins..Frohjinn" Bad Nauheim mit ihren Fahnen, alle stürmisch begrüßt.

zum 10. Deutschen Sänger- Bundesfest nach Wien vom 17. bis 26. Juli 1928.

Von E. Punger.

2. Fortsetzung.

Auch unsere Stimmen wurden von dem vielen Heil"-Rufen heißer und unsere Arme vom steten Winken müde, sodaß wir zuletzt mit Ablösung dem im­mer erneuten ,, Heil"-Rufen und Winken dankten, das dem deutschen Liede und den deutschen Brüdern galt.

Am Ende des Festzuges an der großen Rotunde erhielt jede Fahne eine Erinnerungs- Medaille mit dem Schubert- Bild von Karl Perl überreicht, die an einem seidenen Band in den Farben der östereichischen Repu­blit( rot- weiß- rot) von Ehrenjungfrauen den Fahnen angeheftet wurden und es war ein feierlicher Moment, als sich immer sechs zu sechs Fahnen nebeneinander zu dieser Ehrung senkten, um alsdan im neuen Ehren­schmuck freudig aufzurauschen.

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Am Schluß fuhren die Festwagen mit den Mei­stersingern von Nürnberg" mit der Rosegger- Büste und und mit der riesigen ,, Schubertbüste".

Wie träumend lag Schubert da und horcht auf die Melodien, die ihm aus dem ewigen Reich des Schönen zuströmen. Seine Rechte hält den Gänsekiel, um das Geoffenbarte aufzuzeichnen. Vor diesem Wa­gen flammt der Jubel neu auf, zu Ehren unseres größ­ten deutschen Liedermeisters, in dessen Zeichen diese herrlichen Festtage gestanden haben.

* Schotten. Der prächtige Neubau des Krankenhauses wird am 1. Dezember feierlich eingeweiht, die Aufnahme der Kran­fen erfolgt ab 4. Dezember.

Nieder- Ingelheim, 5. Nov. Ein aus der Richtung Mainz tommender Personenkraftwagen stieß an einer Straßenkreuzung mit einem Motorrad zusammen. Der Soziusfahrer wurde bei dem Zusammenprall derart auf die Randsteine geschleudert, daß der Tod auf der Stelle eintraf. Der Lenker des Motorrades, der unverletzt blieb, suchte unter Zurücklassung des Motorrades das Weite und war bis zum Abend noch nicht zu finden.

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Im Prater löst sich der Festzug gruppenweise auf. Tie ungeheuren Massen von Sängern und nachströmen­den Zuschauern ergießen sich zu einem großen Wiener Volksfest im Kirmesgetriebe größten Stils, wie es in kleinerem Umfang schon an den Vortagen war.

Alzey. Der Alzeyer Martinimarkt, das beliebte Volksfest der Rheinhessen und Nordpfälzer, sindet statt vom Sonntag, den 11. November bis Mittwoch, den 14. November. Koblenz. Einem Jäger gelang es dieser Tage einen weißen Hirsch lebend zu fangen.

Köln. Zur Finanzierung der Wiederherstellung gefährdeter Domteile sollen Dombau- Gedenkmünzen ausgegeben werden. Berlin, Wie bekannt wird, ist der Reichspräsident von Hindenburg bereits bei über 5000 Kindern Pate.

gerfest Eindrücke schaffen, die allen Festteilnehmern lebenslang leuchten werden.

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Von dem vielen Sehenswerten in Kunst und Land­schaft Wiens blieb viel zu viel ungeschaut, weil die kurzen Stunden und Tage im Fluge enteilten. Doch haben uns unauslöschliche Eindrücke hinterlassen: die Schubert- Ausstellung, das Schloß Schönbrunn mit sei­nen herrlichen Bauten und Brunnen, Parkanlagen etc., der Zentralfriedhof mit den Gräbern von Schu­bert, Beethoven, Mozart, Gluck, Brahms, Strauß, Lammer, Suppè, Wolff, Anzengruber usw. und mit der Lunger- Kapelle, die in ihrer erhebenden Einfachheit in Formen und Farben zur Andach zwingt, die Hof burg, das Burgtheater, die Staatsoper, der Stephans­dom, die verschiedenen Museen, die Kunstuhr auf dem hohen Markt mit ihren geschichtlichen Gestalten und der zeitgemäßen Stundenmusik, das Parlament, das Rathaus, das zu Ehren der Sänger am Samstag und Sonntag Abend im Schein unendlich vieler elektrischer Lampen und verschiedener Scheinwerfer erstrahlte, der Leuchabrunnen mit seinem herrlichen abendlichen Far= benspiel, der an denselben Abenden Tausende anlockte, und vieles andere, von dem jeder nach seinem Belieben auswählte. So war auch die nächste und weitere Um­gebung von Wien, die durch gute Trambahnlinien je­derzeit schnell und bequem für wenige Groschen erreich­bar ist, besonders die weltbekannten Weinorte Grin­zing und Nußdorf von trinkgewohnten Sängerscharen wahrlich überflutet und konnte man dortselbst ein feuchtfröhliches Leben beobachten, wie man es sonst nur noch am heimatlichen Rhein findet.

Bei diesem Riesenfest hat Wien Vorbildliches ge­leistet! Es herrschte eine unübertreffliche Ordnung und Planmäßigkeit bei dem Riesen- Festzug. Für Erfri­schungen sorgten die Pfadfinder, Turner und Turnerin­nen, die den Sängern unermüdlich Wasser reichten. Un­Durch die äußeren, zum Teil gänzlich menschen- fallstationen waren in reichem Maße eingerichtet. Ein leeren Straßen, mußten wir unseren Rückweg bahnen Heer von berittenen Schutzbeamten, Wachmännern, und trafen dabei noch auf Festwagen und Festesgrup- Ordnern und Helfern sorgten gemütlich aber doch ent­pen, die sich erst versammelten und auf das Einmarsch schieden für Absperrung und glatten Verlauf. Die Be­signal warteten. Nachdem wir Durst und Hunger in förderung und Verteilung der Volksmassen klappte vor­bester Weise gestillt hatten, eilten wir zurück zum Ring, züglich, und so sei noch lobend erwähnt, daß beson­um den Festzug nunmehr als Zuschauer beobachten zu ders die Straßenbahnschaffner in allen Auskunftsfra­können, der bis in die 9. Abendstunde ununterbrochen gen und als Fremdenführer sich meisterhaft und immer dauerte. In buntem Wechsel fuhren Festwagen mit zuvorkommend betätigten. Für ausreichende Verpfle= Darstellungen der deutschen und österreichischen Land- gung in allen Lokalen war weitgehendst gesorgt und schaften, aus der Geschichte Wiens und Tirols, die lebensfrohe Art des Wieners vertiefte sich zur Herz­vielen Städten mit ihren heimischen Gewerben, lichkeit gegenüber seinen Gästen. So konnte das Sän=

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