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Nr. 19.

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Samstag, den 3. März 1928.

Lokales.

Sonntagsgedanken.

Nun ist wieder Fastenzeit, Zeit der Buße! Eine gewaltige göttliche Hand vermag auch den Kühnsten dieser Erde an den Boden zu pressen. Wenn die Donner rollen und die Blitze zucken, wenn Fluten in Stunden vernichten, was Fleiß und Kunst in Jahrzehnten aufgerichtet, wenn die Ernten zerstört werden und der bleiche Hunger an die Türen pocht, wenn mit dem sinkenden Schiff Hunderte von Menschen, jung und start, in die Tiefe fahren, wenn schlagende Wetter an einem Tage Scharen von Frauen und Kindern zu Witwen und Waisen machen, wenn Volk gegen Volk aufsteht dann ist sie zu spüren diese Hand des Richters.

Sollen wir zürnen dem Allgewaltigen?-

Das Leben lehrt uns die Weisheit des Schöpfers und zeigt uns die Wege zu seinem Reich. In der Leidenszeit liegt die beginnende Erhöhung. Durch Not und Unglüd ist mancher schon in Gedanken, Worten und Werken losgelöst worden von dieser Welt, näher gekommen seiner ewigen Bestimmung.

Auch du, deutsches Volk, gehst noch immer den Dornenweg durch Not und Leid.

Doch bedenke auch du, daß im Leiden bereits die Erhöhung beginnt. Streite und rechte nicht mit dem Lenker deiner Ge= schicke, wache und horche, wo die Füße des Verderbens rauschen auch dort, wo der Gang des Erretters erkannt wird.

Kein Leben ist nur Leid, überall blühen unter Dornen auch Blumen.

Wenn auch tausendfaches Weh täglich zum Himmel schreit es wird ein Ewiger wieder die Tränen trodnen.

Hessischer Straßenbericht.

Hauptdurchgangsstraßen in Hessen:

Darmstadt Dieburg

-

Babenhausen Aschaffenburg, bei Bahnhof Babenhausen bis auf weiteres gesperrt. Umlei­tung: Besondere Umleitungsstraße, auf der Wagen bis 5,5 Tonnen 20 Kilometer, Wagen über 5,5 Tonnen 12 Kilometer fahren dürfen.

Gießen. Reiskirchen bis zum Hochdruckbehälter bei Anne­rod ist teilweise mit Erdaushubmassen und Materialien belegt. Vorsicht!

Mainz Worms( zw. Dienheim und Ludwigshöhe, Klm. 25 bis 26) vom 27. Februar bis auf weiteres gesperrt. Umlei­tung: Waldülversheim und Guntersblum.

Ortsdurchfahrt Bürstadt( östlicher Ortsausgang bis zum Waldanfang) im Zuge der Straße Bürstadt Lorsch vom 24. Februar bis 16. März gesperrt. Umleitung: Bobstadt- Bib­lis Jägersburg.

Sonstige Straßen in Hessen:

Ortsdurchfahrt Grünberg( Londorfer- Straße von der Gal­lusstraße bis zur Höfentränke) vom 21. November bis auf weiteres gesperrt. Umleitung über die Bahnhofstraße.

Stauffenberg Mainzlar vom 5. November bis auf wei­teres gesperrt. Umleitung: Daubringen.

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Ortsdurchfahrt Rodheim v. d. H., im Zuge der Straßen Rodheim Holzhausen, vom 19. Januar bis auf weiteres gesperrt. Umleitung: Ober- Erlenbach resp. Kloppenheim Betterweil oder Ober- Roßbach Nieder- Roßbach.

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Ortsdurchfahrt Großen- Bused( 3eilgasse) vom 16. Februar bis auf weiteres gesperrt. Umleitung über die Kaiserstraße in Großen- Bused.

heim

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Ortsdurchfahrt Nad im Zuge der Straßen Erbes- Büdes­Nad Niederwiesen und Wendelsheim Nad Bechenheim vom 13. Februar bis 31. März gesperrt. Umlei­tung: Für den Verkehr Erbes- Büdesheim Ninder- Wiesen

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über Wendelsheim und für den Verkehr Wendelsheim Be= chenheim über Nieder- Wiesen.

* Wegen Vornahme von Rohrverlegungsarbeiten ist die Schießhausstraße ab Freitag, dem 2. März 1928, auf die Dauer von etwa 14 Tage für allen Fahrverkehr polizeilich gesperrt. * Wegen Vornahme von Kanalisationsarbeiten wird die Brovinzialstraße in Mainzlar( Bahnhofstraße) vom 29. Februar bis 15. März 1928 für jeglichen Verkehr gesperrt. Umleitung erfolgt über Staufenberg Daubringen.

Grüner Rasen Blaue Wellen.

Roman von Otto von Gottberg. 35. Fortsetzung.

Leicht wippte sein Boot beim Absprung des todtragenden Silberfisches.

,, Steuerbord zwanzig!" gebot er, um das Fahrzeug um 20 Grad nach Osten zu drehen. Schon wanderte der vierte Damp­fer in die Ziellinie: 3wotes Rohrlllos!" Dann aber tlang Jubeln durch seine Stimme: ,, Alarm!" Er sprang ins Luk, riß über sich den Deckel dicht und befahl: Fluten- beide große voraus!"

Das letzte Wort zerriß der scharfe Schlag einer Detona­tion. Während U- 444 die Nase neigte, brüllten die Leute Hurra! und nochmals Hurra! zu einem zweiten dumpfen Kra­chen. Beide Schüsse hatten getroffen. Drewiz sah auf das Manometer. Der Zeiger glitt auf 10. Wenn einer der Zerstö­ter flink war, konnten seine Wasserbomben noch Schaden tun. 3wanzig Meter las er und atmete freier. Dreißig! Er war beruhigt. 40; Er nahm die Müze vom Kopf und trocknete die Stirn mit dem Handrücken. Die Spannung der Jagd hatte erhitzt.

Eine Stunde lief er unter Wasser. Schraubenrauschen war nicht zu hören. Also wagte er sich auf Sehrohrtiefe, aber nahm das Auge des Bootes schnell wieder unter die Wellen, als er Mondlicht glitzern sah. Sein Befehl zum Fluten tam nicht zu früh. Schon schien an Steuerbord ein Riesenhammer donnernd auf den Meeresboden zu schlagen. Der Feind hatte ihn erspät und eine Bombe geworfen. Ob oben doch eine ver­räterische Delspur zu sehen war?

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Der Feind blieb ihm auf den Fersen, obwohl er in lang­samer Unterwasserfahrt häufig den Kurs wechselte. Erst als die kurze nordische Sommernacht dem Tage wich, hob er den Rüssel des Bootes und sah sich im feurigen Blenden der auf­gehenden Sonne umstellt. Eine Malhalla von wohl zwölf qualmenden Zerstörern oder Bewachern, schlug um ihn einen weiten Kreis. Der Wachoffizier hatte sich nicht getäuscht, als er die Delspur sah. Doch heimfahren mußte U- 444! Drewiz erspähte eine breite Lücke zwischen zwei feindlichen Fahrzeugen. Dort dachte er den Kreis unter Wasser zu durchstoßen. Ein Weilchen war er in Fahrt und begann auf Entkommen zu hoffen, als neues Donnertrachen an Backbord dröhnte. Unter dem Schlag des Riesenhammers zitterte das Boot und sprang nach rechts wie ein getroffenes Tier. Erbsen schienen an seine Wand zu fladern. Doch keins der Sprengstüde schlug durch den Stahl, und der Apparat zeigte U- 444 in steter Fahrt, bis

Gießener Zeitung"

* Am Donnerstag wurde in nichtöffentlicher Stadtverord­netenversammlung Regierungsbaumeister a. D. Wilhelm Gra­vert aus Rheinhausen zum Stadtbaurat und Vorstand des Hochbauamtes der Stadt Gießen gewählt. Der neue Stadt­baurat stammt aus Höchster in Westfalen, wo er am 5. August 1890 geboren wurde. Unter Geheimrat Walb bildete er sich als Regierungsbauführer aus und war später beim Hochbau­amt in Offenbach a. M.. Von hier aus ging er zur Marine­intendantur und zum Reichsverwertungsamt Wilhelmshaven. Seit 1925 war er Leiter des Hochbauamts der Stadt Rhein­hausen. Stadtbaurat Gravert tritt sein Amt am 1. April an.

* Eine Liebig- Gedenkfeier beabsichtigt die hiesige Gesell­schaft im Liebig- Museum am 13. Mai, dem 125. Geburtstag Justus von Liebigs, abzuhalten. Der große Chemiker war ein geborener Darmstädter.

* Der Schachklub Gießen" feiert in diesem Jahr das Fest seines siebzigjährigen Bestehens. Aus diesem Anlasse wird zur Osterzeit in Gießen ein Meisterturnier veranstaltet werden, an dem sich die Meister v. Holthausen, Kmoch, Orbach, Réti, Sämisch, Tartakower beteiligen werden. Außer ihnen werden noch zwei Mitglieder des Gießener Schachklubs mitspielen. Das Turnier beginnt am 6. April und dauert eine Woche.

* Einen günstigen Abschluß hat die hiesige Handels- und Gewerbebank im abgelaufenen Geschäftsjahr zu verzeichnen. Der Gesamtumsatz steigerte sich von 77 Millionen Mark 1926 auf 120 Millionen Mark. Das eigene Vermögen der Bank stieg auf 563 000 Mark. Eine Dividende von 10% soll zur Ver­teilung gelangen. Die Mitgliederzahl der Genossenschaft be= trägt 1639 mit einer Haftsumme von 1828 000 Mark. Die Bank beabsichtigt ein eignes Verwaltungsgebäude zu errichten.

* Der 96. Gauturntag des Gaues Hessen findet am 11. März in Gießen statt. Auf der Tagesordnung stehen wichtige Verhandlungsgegenstände, u. a. sind auch die Festorte für das Gauturnen 1929 zu wählen. Für das Gauturnfest haben sich der Turnverein Alsfeld und die Turnerschaft Bad- Nau­heim, für das Gau- Frauenturnen die Turnvereine Lich, Lauterbach, Laubach und Nidda gemeldet. Ferner wird sich der Gauturntag mit dem Deutschen Turnfest in Köln beschäftigen, wozu der Gau eine besondere Riege aufstellen wird. Die Fahrt des Gaues zu dem Deutschen Turnfest in Köln ist mittels Sonderzuges ab Gießen beabsichtigt.

* Den gemeinsamen Bemühungen der Stadtverwaltungen und des Gaues Main- Rhein- Lahn- Fulda ist es gelungen, in der städtischen Turnhalle in Laubach eine guteingerichtete Jugendherberge zu schaffen. Die Herbergsleitung hat Herr Oberbahnhofsvorsteher i. R. Störmer übernommen. Allem wandernden Jungvolt, das von Westen her dem hohen Vogels­berg zustrebt, wird die neue Herberge wegen ihrer günstigen Lage auf diesem Anmarschweg sehr willkommen sein.

* Im Rundfunk spricht heute abend unser oberhessischer Landsmann August 3 immer, der schon wiederholt in den bunten Abenden des Frankfurter Senders in vogelsberger Mundart Gedichte zu Gehör brachte.

Nachforschungen im Ausland.

Die langen Kriegsjahre und nicht zuletzt die Nachkriegs­auswanderung fast einer halben Million Deutscher haben zur Folge gehabt, daß in zahlreichen Fällen keine Verbindung zwi­schen Auswanderern dort draußen und den Angehörigen daheim mehr besteht. Anschriften sind verloren gegangen oder die Auswanderer haben in hartem Kampfe um die Schaffung einer neuen Existenz keine Zeit gefunden, über ihr Ergehen zu berichten. Dank besonderer Beziehungen zu zahlreichen Ver= trauensmännern und verwandten Organisationen im Ausland versuchen die Auswanderermissionen in Hamburg, Fauten­bergstraße 11, und Bremen, Georgstraße 22, gerne, den Auf­enthaltsort solcher Auswanderer ausfindig zu machen und die Verbindung mit den Angehörigen wieder herzustellen. Es wird damit nicht nur im einzelnen ein wertvoller Dienst erwiesen; die Verbindung mit der alten Heimat trägt natur­gemäß dazu bei, die Ausgewanderten dem Deutschtum zu er­halten. Um so wichtiger ist dieser Dienst, der kostenlos nach möglichst genauer Angabe aller vorhandenen Daten geleistet wird.

achtern noch lauteres, näheres Krachen donnerte. Wieder war das Boot nicht getroffen, aber banges Schweigen hing drinnen. Das Surren der elektrischen Maschinen schien zitterndes Kla­gen. Drewitz sah den Wachoffizier seine Fingernägel betrach­ten. Obwohl an den schwarzen Rändern nichts zu puzen war, zog Drießner das Taschenmesser und schabte am linken Dau= mennagel. Das hätte er daheim nie vor einem anderen getan. Nr. 1 stand mit blinkenden Augen. Der schiefe Mund zuckte. Matrose Kern nahm die Mütze ab und wischte Schweiß von der Stirn.

Durch das Luk sah Drewik in die Zentrale. Wulkin, der Rudergänger und Bursche, stand lässig wie immer am Rad. Doch wachfreie Leute hoben große Augen in ernst fragenden Gesichtern zum runden Loch hinauf, um im Gesicht des Kom­mandanten zu lesen. Er konnte ihnen heiter zunicken. Gleich löste Vertrauen zu ihrem Führer die Starrheit ihrer Mienen. Wie oft hatten ihre Augen so in Warten oder Fiebern die seinen gesucht, bis endlich von den Lippen ein befreiendes Lachen oder Hurra brach. Doch gab es Augenblicke, da auch der Führer nicht helfen noch handeln konnte. Er hob den Kopf und sah wieder auf das Manometer. Der Zeiger wies auf 25. Tiefer zu gehen war hier nicht möglich, ohne das Boot auf Dreck zu sehen. Also brachte eine gutgezielte und richtig eingestellte Wasserbombe dreißig Männern das Ende.

Was halt ihr denn Maulaffen feil?" brummte unten der Steuermann, holt mir lieber' s Grammophon, den klei­nen Kasten ohne Trichter!" Auch er tannte als Navigations­helfer Wassertiefe und Gefahr. Er schalt, um die Leute bei Laune zu halten und rief einem wohl schon schon Eilenden nach: ,, Daß de mir die Platte mit dem Mantellied nicht ver­gift!"

Da ficherte unten vergnügtes Lachen. Wenn der Steu­ermann schon an Musik dachte, schien die Gefahr vorüber.

, Schraubenrauschen achtern kommt näher auf!" ging eine Meldung von Mund zu Mund. Schweigen hing wieder zwi­schen den Stahlwänden, bis der Steuermann fnurrte: Beit genommen haste dir wieder, mein Sohn! Wenn wir auf dich warten wollen, kommen wir nie nach Hause!"

Ein neuer Hammerschlag fiel in die Tiefe und Drewiz stieß mit dem Kopf gegen die Stahlwand. Es war als zerre die Faust eines Riesen am zitternden Boot und risse das Heck nach unten. Die Finger suchten einen Halt. Da erlosch das Licht. Im Dutelen richtete er sich auf und griff nach der Taschenlampe. Als ste flammte saß Drießner auf dem Boden und rieb den schmerzenden Hinterkopf. Nr. 1 und der Matrose versuchten zu stehen. Das taumelnde Boot hing noch achter­lastig. Unten klirrte brechendes Glas und schurrte rutschendes

Nr. 19.

Das Jahr 1928 verspricht für den Weltluftverkehr von entscheidender Bedeutung zu werden. Drei Riesenluftschiffe von bisher noch nicht annähernd erreichten Dimensionen, wahre Lufthotels, ein deutsches und zwei englische, werden in den nächsten Monaten ihre Werften verlassen, um in den Dienst des Weltschnellverkehrs zu treten.

Aus Vereinen und Korporationen.

Oberhessischer Kunstverein Gießen eröffnet am Sonntag, den 26. Februar 1928, 11 Uhr vormittag, im Turmhaus am Brandplay eine bis 25. März dauernde Ausstellung von Gemälden( Rud. Hellwog- Berlin) und Radierungen( Josef Steib- Düsseldorf). Besuchszeiten: Sonntags, Montags, Mitt wochs, Freitags von 12-2 Uhr, Mittwochs auch von 3-5 Uhr. Gesangverein Frohsinn" Gießen, veranstaltet am Samstag, den 5. Mai 1928, abends 8 Uhr, im Café Leib sein 44. Stif­tungsfest. Gesangsvorträge, Theater, Tanz. Gäste können eingeführt werden.

Verein ehem. hess. Leib- Dragoner des Kreises Gießen. Sonn­tag, den 4. März 1928, 3 Uhr nachmittags im Vereinslokal ,, Frankfurter Hof", Gießen, Generalversammlung. Es wird erwartet, daß alle Kameraden erscheinen. Anträge bis zum 1. 3. an den 1. Vorsitzenden.

Aus Nah und Fern.

Lich. Der Gemeinderat hat die Bewerbungsschreiben der 105 Reflektanten auf den hiesigen Bürgermeisterposten in den letzten Tagen durchgesehen und dabei nur acht Bewerber übrig­gelassen, die in die engere Wahl kommen.

Nonnenroth. Hier fiel das 4 Jahre alte Söhnchen der Familie Otto 3immer beim Schlachtfest hinterrücs in einen Eimer kochenden Wassers, mit dem das Schwein gebrüht wer­den sollte, und verbrühte sich so schwer, daß es einige Stunden später verstarb.

Bad Nauheim. In der letzten Sitzung der Verkehrkom­mission kam der Wunsch zum Ausdruck, den Wochenendverkehr nach Bad Nauheim mehr als bisher zu beleben. Vor allem soll angestrebt werden, einen lebhaften Kraftwagenverkehr von Frankfurt nach Bad- Nauheim ins Leben zu rufen.

Büdingen. An einem unübersichtlichen Eisenbahnübergang wurde ein Lastauto vom Zuge erfaßt und zertrümmert. Ein Mitfahrer wurde schwer verletzt.

Schotten. Durch Messerstiche lebensgefährlich verlegt, wurde in Michelbach ein 50 Jahre alter Einwohner. In einer dor­tigen Wirtschaft war unter mehreren Burschen ein Wortwech sel entstanden. Der Mann wollte mit noch anderen anwesen­den Leuten den Streit schlichten und erhielt hierbei schwere Stiche in Rüden und Kopf, zwei andere Männer wurden leich ter verletzt.

Rotenburg. Prinzessin Wilhelm von Hessen feierte hier in völliger geistiger Frische ihren 84. Geburtstag.

Gedern. Die Kirchenregierung ernannte den hiesigen Orts­geistlichen, Hofprediger Widmann, zum Stellvertreter des Superintendenten von Oberhessen, berechtigt zur Einsichtnahme in den Religionsunterricht und wies ihm als Dienstbezirk die Kreise Büdingen und Schotten zu.

Schmitten. Das bekannte Erholungsheim, Inhaber Bürger­meister a. D. Peter Hild, ist infolge der schlechten wirtschaftlichen Lage in Schwierigkeiten geraten. Zur Abwendung des Kon­kurses wurde zunächst ein Vergleichsverfahren eröffnet und zur Vertrauensperson der Bankvorsteher Otto Eifert in Usingen be­

stellt.

Offenbach. Die Krieger- und Militärvereine Hessens wer­den am 14. und 15. Juli den ersten hessischen Landeskriegertag in Offenbach abhalten. Die Vorbereitungen zu der Tagung zu der 5000 ehemalige Soldaten aus Hessen erwartet werden, sind im Gange.

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Gerät. Plätschern und Rauschen von Wasser war zu hören. Angstvolle Stimmen riefen nach dem Kommandanten. Er sprang an die Leiter und stieg in die Zentrale hinab. Ehe er Fragen stellen fonnte, rüttelte und hämmerte die Faust des Riesens auch vorn. Ueber Krachen, Rauschen und Rufen flat­ferte der Schlag von Sprengstüden. Das Boot ächzte wie in Todesqual und stieß mit einem dumpfen Rud müde auf Grund. Für Sekunden plätscherte lauter das Wassersprudeln im be­flemmenden Schweigen tiefen Dunkels. Herr Kaptnleutnant!" rief wieder eine bange Stimme. Das Glühlämpchen einer Taschenlampe wies den Weg zum Delmaschinenraum. Der Fuß, den er durch das Luk hineinhob, quatschte im Wasser wie auf der letzten Fahrt. Braver, guter Krause die Glühbirnen flammten auf! Das Leck war wohl hinter den Maschinen zur Rechten zu suchen, denn dort zischte mit lautem Plätschern der unsichtbare Wasserstrahl in die schnell steigende trübe Flut. Drüben an der sentrechten Querwand vor dem nächsten Raum stemmte der Zentralmaat mit drei Heizern die Arme gegen den fast schon geschlossenen Deckel des Luts, um es zu dichten. Durch den noch offenen Spalt schwappte auch von ober über die runde Platte eine schmutzige Brühe auf die vier von Angst und Anstrengung verzerrten Gesichter und rann in die, schon die Knie umspülende Flut. Also mannshoch stand auch schon nebenan das eingedrungene Wasser. Drewitz fühlte sich erstar­ren, denn dort in den nächsten Räumen waren noch Menschen, seine Untergebenen! Er raste durch plätscherndes Wasser zum triefenden Zentralmatt und riß ihn zurüd: Seid ihr verrückt? Wollt ihr die Kameraden ersaufen lassen?"

Doch wieder schwappte in Kopfhöhe über den oberen Dek­kelrand die Flut und neben ihn warf sich der Steuermann gegen die runde Platte. Sie schnappte ein. Das Lut war dicht. Der alte Kapitulant drehte sich um. Schmerz und Trauer adelten das gerunzelte Gesicht mit wirrem Bart, und Wehmut zitterte in seiner dumpfen Stimme: Die sind hin und nich mehr zu retten, Herr Kapitänleutnant.!"

Ja, wer den Deckel aufriß, stand unter einem Wasserstrahl, so rund und breit wie das Loch, aber doch zauderte Drewitz unentschlossen. Er schämte sich, den Verlorenen jenseits der Wand den Rücken zu kehren. Es waren seine Leute, und er allein trug die Verantwortung für ihr Leben. Ein Schrei von hinten riß ihn herum und er lief zur Zentrale. Beim Waten durch die Flut spürte er das talte Wasser am Oberschenkel. Ehe er den Kopf zum Durchklettern des Lufs neigen konnte, erloschen wieder die Glühbirnen. Krauses Kampf um Licht schien also vergeblich. War es nun mit der Kraft der Maschinen des Ingenieurs zu Ende?

Fortsetzung folgt.