Nr. 1.
Diensta
Dienstag, den 3. Januar 1928.
Lokales.
* Lohnsteuer. Auf die heutige Bekanntmachung der Finanzämter betreffend die Einreichung von Belegen über den Steuerabzug vom Arbeitslohn für das Kalenderjahr 1927 wird hiermit besonders hingewiesen. Auch sind von den Arbeitgebern Lohnzettel nach vorgeschriebenem Muster für alle Arbeitnehmer auszuschreiben, deren Arbeitslohn im Kalenderjahr 1927 9200 RM. überstiegen hat. Die Lohnzettel sind bis zum 31. Januar 1928 an das für den Arbeitnehmer zuständige Finanzamt einzureichen.
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* Der Bund ehemaliger 81er( Inf.- Reg. 81, Res.- Inf.- Reg. 81, Landw.- Inf.- Reg. 81 mit Ersatz- Bataillonen und Kriegsformationen) muß seine, ursprünglich für den 2. und 3. Juni 1928 in Aussicht genommene Wiedersehensseier in Frankfurt a. M. nunmehr endgültig auf den 9. und 10. Juni 1928 verschieben. Auskunft erteilt: Kamerad Hermann Frank, Frankfurt a. M., Schielestraße 26, und die örtlichen 81er- Vereine.
,, Gießener Zeitung"
Rücksicht auf die in diesem Jahre so frühzeitig beginnenden Fastnachtstage nur ganz kurze Pausen zwischen den einzelnen Veranstaltungen. Es sind außer dem vorgestrigen traditionellen Neujahrskonzert, das den Reigen der Festlichkeiten eröffnete, noch drei Herrensitzungen, drei Konzerte, zwei Vor-, sowie der Fastnachtsmontags- und Dienstagsball, eine Damen- und eine Fremdensizung und ein Kinderfest in der in den närrischen Farben schillernden Narrhalla( Stadthalle) vorgesehen. Et= was Neues bietet die in der zweiten Januarwoche vorgesehene Masten- Modenschau. Der am Fastnachtsmontag stattfindende 90jährige Jubel- Rosenmontagszug wird eine noch nie geschaute Sehenswürdigkeit bilden. Das gut besuchte Neujahrskonzert bewies besonders durch die Anwesenheit zahlreicher Gäste aus den benachbarten Städten die Anziehungskraft des Mainzer Karnevals.
* Wie aus einer Uebersicht der Provinzialverwaltung über ihre Tätigkeit auf dem Gebiete der Straßenherstellung in der Provinz Oberhessen im Jahre 1927 hervorgeht, wurden vom 1 April ab, dem Tage des Uebergangs der Landstraßen von den Kreisen auf die Provinz, in der ganzen Provinz Oberhessen rund 30% Kilometer Landstraßen mit Kleinplaster neu versehen, wofür der Betrag von 1 836 000 Mart aufgewandt wurde. Mit Topokabelag wurden rund 8½ Kilometer versehen und dafür 430 000 Mark ausgegeben. Oberflächenbehandlung erfuhren rund 54 Kilometer mit einem Kostenaufwand von 270 000 Mart. Für Bewalzung wurden insgesamt rund 220 000 Mark ausgegeben.
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Die hessische landwirtschaftliche Woche findet vom 9.- 13. Januar 1928 in Darmstadt statt. Die hess. landwirtschaftliche Woche ist stets das große Treffen der praktischen Landwirtschaft in Darmstadt, das sich alljährlich größten Zuspruchs erfreut.
Aus Rab und Fern. Nah
Herborn. Ein orfanartiger Sturm hat in den Gemarkungen Driedorf, Renderoth, Arborn schweren Schaden an Gebäuden und Bäumen verursacht. Auch die Waldungen wurden in Mitleidenschaft gezogen.
mundartlicher Dichtung die weiteste Verbreitung zu wünschen sein.
Das erste Januarheft„ Das Theater" ist wieder sehr inhaltsreich. Das mit Illustrationen geschmückten Heft kostet nur eine Mark und ist auf den Bahnhöfen und beim Verlag( BerlinSchöneberg) zu haben.
Dillenburg. Bürgermeister Kupfrian teilt mit, daß die Aufbringung der Kosten für die Dillregulierung der Verwaltung große Sorgen bereite. Das vom Kulturamt ausgearbeitete Projekt sei mit einem Kostenanschlag aufgestellt worden, der mit Nebenkosten auf 170 000 Mark kommt. Ständen für die Durchführung auch von Staat und Bezirksverband Wiesbaden insgesamt 70 000 Mark zur Verfügung, die als Vorschüsse zugesagt worden sind, so sei bis jetzt noch keine Möglichkeit für die Durchbringung des Restbetrages gegeben. Bei der Dringlichkeit der Ausführung des Planes müssen Mittel und Wege gesucht werden, um die notwendigen Summen bereit zu stellen.
Hilfe für die Unwettergeschädigten im Vogelsberg. Für die unwettergeschädigten Gemeinden des Vogelsberges fand in der landwirtschaftlichen Abteilung des Ministeriums für Arbeit und Wirtschaft eine Aussprache der Notstandskommission der geschädigten Gemeinden des oberen Vogelsberges mit den zuständigen Beamten statt. In etwa dreistündiger Unterhaltung schilderten die Mitglieder der Kommission die Art der Entstehung der Schäden, gaben Anregungen zur Beseitigung der vorliegenden Schäden und zu vorbeugenden Maß= nahmen grundsätzlichen Charakters. Dabei wurde auch der Generalkulturplan erörtert.
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Schreiner- und Tischlerkalender 1928. Herausgegeben vom Landesverband bayerischer Schreinermeister, bearbeitet Syndikus Dr. R. Dörfler.. Verlag: Bayerische SchreinerZeitung, Augsburg, Preis in Leinwand fest gebunden 1, M. zuzüglich 15 R.- Pfg. Porto. Der Kalender ist diesmal speziell für Notizzwecke eingerichtet. Das Kalendarium ist so eingerichtet, daß für jeden Tag ein entsprechender Notizraum frei gehalten ist. Der übrige Teil des Kalenders enthält sehr viel Wissenswertes.
Dillenburg. Das Fuhrwerk des Gemüsehändlers Frit Sänger aus Altenhunden wurde auf dem unbewachten. Eisenbahnübergang bei Langey von dem Personenzug Fredeburg Altenhunden überfahren. Der Sohn des Händlers wurde hierbei getötet und das Fuhrwerk vollkommen zertrümmert. Das Pferd blieb unverletzt. Die Schuldfrage ist noch nicht ge= klärt.
Niederhosenbach. Der 57 Jahre alte Landwirt Friedrich Ha u b begab sich in geschäftlicher Angelegenheit in die hiesige Mühle. Als er in diese eintreten wollte, glitt er auf dem vereisten Wege aus und fiel in das Mühlwasser. Er wurde von dem Mühlrad erfaßt und durch das Rad gezogen. Dabei erlitt er einen Genickbruch, so daß der Tod sofort eintrat.
Neu- Isenburg. Eine brutale Roheit, die ihresgleichen fucht, hat sich hier ereignet. Ein Fuhrwerksbesitzer kam in den Stall und bemerkte, daß einem Pferde die Zunge aus dem Maul hing. Man vermutete erst einen Unfall, doch stellte der zugezogene Tierarzt fest, daß die Zunge nur noch an einem Bande hing und vollständig entfernt werden mußte. Nach eingehendem Verhör gestand einer der beiden Knechte, daß sein Kollege das Pferd in dieser schrecklichen Weise durch Reißen an der Zunge verstümmelt hatte. Der Täter hat die Tat bisher nicht eingestanden.
Kölner Frühjahrsmesse.
Braktische Winke für die Hausfrau.
Einige heiße Milchgetränke. Von Luise Holle.
Die heiße Milch, die nach längeren Wegen und Märschen in feuchter, kalter Herbst- oder Winterluft das beste und nahrhafteste Durchwärmungsmittel bildet, findet bei der Jugend nicht immer freudige Bewillkommnung, weil sie ihr zu„ einseitig“ ist und deshalb nicht als wohlschmeckend und lodend empfunden wird. Um dem abzuhelfen, beachte man folgende Vorschläge:
Heiße Milch mit Karamelzuder. Einige Löffel Zucker müssen in sauberer eisernen Pfanne unter Rühren auf gelindem Feuer sich leicht bräunen, worauf man vorsichtig etwas heißes Wasser daran gibt, so daß sich ein lichtbrauner Sivup bildet. Diesen gibt man an kochend heiße Milch, die dadurch einen sehr feinen Geschmack erhält.
Die Tatsache, daß Köln schon seit mehreren Messen die größte deutsche Möbelmesse besitzt, wirkt sich auch auf der technischen Messe aus. Auf der bevorstehenden, vom 12.- 15. Fe bruar stattfindenden Kölner Frühjahrsmesse wird in Verbindung mit der westdeutschen Möbelmesse innerhalb der technischen Messe( 12.- 17. Februar) eine Abteilung Holzbearbeitungsmaschinen vertreten sein. Die bereits vorliegenden Anmeldun= gen zeigen, daß diese neue Gruppe ein ausgezeichnete und wirtschaftlich wertvolle Ergänzung der Möbelmesse darstellen wird.
Mainz. Als in der Nacht vom Samstag auf Sonntag der verheiratete 43jährige Arbeiter und Kirchendiener Karl Bettschenka in Weinolsheim das neue Jahr eingeläutet hatte und er sich auf dem Rückweg in seine Wohnung befand, wurde er plötzlich ohne jede Veranlassung von hinten angefallen und durch einen Messerstich in die Lunge lebensgefährlich verletzt. Der Schwerverletzte wurde mittels Auto sofort hierher ins Städtische Krankenhaus überführt. Der Täter, ein 20jähriger Dienstknecht in Weinolsheim, der mit dem Verletzten befeindet ist, wurde noch in der Nacht verhaftet.
90 Jahre Mainzer Karnevalverein. Mainz. Die diesjährige Mainzer Karnevalkampagne, die im Zeichen des 90jährigen Bestehens des MKV. steht, hat mit
Grüner Rasen Blaue Wellen.
Roman von Otto von Gottberg. 17. Fortsetzung.
Bücherbesprechung.
Heiße Milch mit Erdbeersaft. An die heiße Milchy gibt man mehrere Löffel Erdbeersaft und gibt beim Darreichen einen Löffel Schlagsahne auf die Milch. Statt Schlagsahne kann man auch steifen, mit Vanillezucker gesüßten Eiweißschnee nehmen.
Vanilleschaummilch. An die heiße Milch gibt man etwas Vanillezucker und peitscht den steifen Schnee von einem Eiweiß durch, so daß man eine schaumige Milch erhält.
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Milch mit Frucht. In die heiße Milch gibt man einige Löffel Preißelbeeren und eine halbe ganz kleinwürflig geschnittene Banane.
Milch mit Röstbrotwürfeln. Auf dem Rost muß man würflig geschnittenes Weißbrot ohne Fett lichtbraun rösten, diese Röſtbrotwürfel bestreut man mit feinem Zucker und beträufelt sie mit Zitronensaft, man gibt sie dann in die heiße Milch.
Heiße Milch mit Himbeermarmelade. Einen Löffel steife Himbeermarmelade rührt man mit dem steifen Schnee von einem halben Eiweiß schaumig und mischt unter Quirlen und Schlagen die heiße Milch darunter, die lichtrosa aussieht und leicht schaumig ist.
Georg Heß:„ Oberhessisch Woar". Verlag C. Bindernagel. 2, RM. Der in unserer Provinz schon recht gut bekannte und geschätzte Mundartdichter Georg Heß- Leihgestern hat nunmehr im Verlag von Carl Bindernagel, Friedberg i. H. ein kleines Werk mundartlicher Dichtungen erscheinen lassen, in dem er eine Anzahl neuerer Dichtungen mit den schon bekannten vergriffenen„ Mei' Owerhesse" und„ En Hessegruß“ unter dem Titel„ Owerhessisch Woar" zusammenfaßt. Das Werk enthält außer Gedichten auch zwei Dichtungen in dramatischer Form. Georg Heß ist als Oberhessischer Mundartdichter durchaus bodenständig; seine Dichtungen sind der urwüchsige Ausdruck des Volksempfindens, wie es seine Bauern beseelt. Der Verfasser stellt die Personen seiner Dichtung geradezu plastisch vor den Leser; wer jemals seine Gestalten in den alten bäuerlichen Trachten gesehen hat, dem überkommt sofort beim Lesen seiner Verse die Erinnerung an Selbsterlebtes und Erschautes. Aus allen diesen Gründen dürfte diesem ausgezeichneten Werkchen
Er warf Paletot, Mühe und Dolch ab und beugte sich über denSchreibtisch. Nur wenige Papiere trug die kleine Mahagoniplatte und obenauf die Meldung, daß die Werftarbeit an U- 444 beendet sei. Darum war das Boot freilich noch nicht seeklar. Jetzt erst begann die Arbeit des Kommandanten und brachte namentlich viel verhaßte Schreiberei. Das kleine Häuflein Papiere hatte sein Vertreter gewiß aus einem Berg von Meterhöhe gewählt, damit der Kommandant sich nicht schon bei der Anfunft ärgere.
Fingerknöchel schlugen an die Türee:„ Herein!"
faßte den Dritten der Linken für Donnerstag Malen und Einpacken des Bootes an. Zum Schießen auslaufen könnte ich dann
Geschäftliches.
* Es dürfte wohl wenige Hausfrauen geben, denen der altbekannte Kaffeezusaz Aecht Frand mit der Kaffeemühle oder Kornfranck, der Ersaz für Bohnenkaffee, oder Kaffeegold, das Karlsbader Kaffeegewürz für die feine Küche, nicht bekannt sind. Viele werden darunter sein, die zum mindesten Aecht Franck mit der Kaffeemühle schon als Kind vom Kaufmann geholt haben. Deshalb ist auch von allgemeinem Interesse zu hören, daß die Firma Heinrich Frand Söhne, LudwigsburgBerlin, in diesem Jahr auf ein hundertjähriges Bestehen zurückblicken kann. Aus bescheidenen Anfängen hat sich dieses Unternehmen zu seiner heutigen Bedeutung entwickelt. Frand- Erzeugnisse werden in der ganzen Welt geschätzt und verwendet und in 26 Fabriken hergestellt. Das ist wohl der beste Beweis für erstklassige Qualitäten. Frand- Marken haben sich in jeder Beziehung als gute Freunde und Helfer bewährt. Wir sind deshalb überzeugt, daß alle Hausfrauen gern damit einverstanden sind, daß wir der Firma Heinrich Franck- Söhne auch in ihrem Namen unsere herzlichsten Glückwünsche zu ihrem Jubiläum an dieser Stelle aussprechen.
Drießner lächelte:„ Freitag, Herr Kapitänleutnant?" Drewitz lachte mit. Seit Menschen in Schiffen zu Wasser gingen, trugen sie ihren Aberglauben an Bord und wiegten die Köpfe oder hoben die Brauen, wenn sie Freitags auf eine erste Fahrt sollten.
„ Deichseln wirs also um, Drießner. Donnerstag wird nur gemalt und am Freitag eingepackt. Die Erlaubnis zum Schießen erbitte ich für Sonnabend und melde mich für Montag seetlar. Flottillenchef schon an Bord?"
Drießner sah auf die Uhr am Handgelenk:„ Sollte in 13 Minuten hiersein, Herr Kapitänleutnant. Kommandanten zu 12 Uhr bestellt."
Da war schon der gute Drießner, sein erster Wachoffizier. Ein Schlossergesell schien er im ölbefleckten, abgetragenen Bordjakett. Aber darum lugte mit weißer Wäsche doch Sauberkeit aus Hals und Aermeln des sich soldatisch knapp verneigenden Oberleutnants. Unter wohlgescheiteltem Blond haar lag ein Lachen freudigen Willkommens auf glattrasiertem Gesicht, dem der Dienst unter Wasser das gesunde Rotbraun seemännischer Jugend nicht genommen hatte. Müze in der Hand, stand er straff, bis der Kommandant mit einem Händedruckt nach Erleben und Ergehen fragte. Als nach freundschaftlichem Plaudern Drewig ernster blickte, nahm Drießner wieder Haltung und trat gegen die Tür zurück. Sein Kommandant wollte dienstlich sprechen, denn er verschränkte die Arme vor der Brust und lehnte den Rücken gegen die Platte des Schreibtisches. Vor Jahren war Drewig Flaggleutnant eines Admirals, der sich beim Eintreten jeden Offiziers vom Stuhl erhob, gegen den Schreibtisch lehnte und mit verschränkten Armen die Dienstgeschäfte im Stehen erledigte. Der junge Offizier sah, wie leicht die Höflichkeit des sonst vielheischenden Geschwaderchefs Widrig teiten oder Einspruch abtat, und wählte des Vorgesetzten Art als Vorbild. Zu den Papieren greifend, sagte er verbindlich: „ Die Werft ist also fertig, lieber Drießner. Wann kann ich Artilleriemunition und Torpedos übernehmen?"
,, Morgen, Herr Kapitänleutnant!"
Also konnte er noch nach dem neuen Wachoffizier Leutnant 3. S. von Ruelow fragen.
,, Macht sich ganz gut, Herr Kapitänleutnant, und"- ein listiges Schmunzeln erhellte Drießners Gesicht„ hat um den Schriftladen gebeten. Von der Menage glaubt er wenig zu verstehen."
„ Geschieht also." Er legte den Zeigefinger der Rechten an den Daumen der Linken. ,, Das wäre Dienstag! Für Mittwoch setze ich Reinschiffmachen im Innern und" der Zeigefinger
Drewiß zwinferte mit den Augen: Und Sie geben die Papierkneipe nur ungern ab? Kann ich Ihnen nachfühlen. Auch soll im Frizenstaat jeder nach seiner Fasson selig werden. Also wird Ruelow Artillerie- Offizier und nimmt zum F.- L.- Kram auch den Schriftladen. Ihnen bleiben Torpedos, Mannschaft und Menage. Danke sehr."
Sarg ward. Eltern und Geschwister schickten nach des Gefatlenen Habe.
Ueber die Plattform kam Hiedring geschäftig schnellen Schrittes, mit blaurot verfrorenem Gesicht über dem Pelztragen, und rief von weitem:„ Na, Berlin aufgemöbelt und gut erholt, Drewizz?"
Der Oberleutnant trat aus der Tür, durch die Wulkin schlüpfte. Drewitz zog sich zum Melden an. Dann schien es Zeit, setzten Rammer erklärte, Kapitänleutnant Hiedring sei noch zum Flottillenches zu gehen. Doch der Läufer vor des Vorge nicht vom Schießen zurück.
„ Gehorsamsten Dant, Herr Kapitänleutnant."
Der Flottillenchef war ihm an Lebensjahren kaum und an Dienstjahren wenig voraus, aber doch auf der„ Pommerania" und ihren grauen Küchlein Befehlshaber wie ein Admiral. Während des Krieges schöner Jugendzeit führte er noch ein U- Boot. Die Kommandanten der Flottille dankten Gott und der Flottenleitung für den Chef, der ihnen gleich an Lebensjahren und Berufserfahrung war. Er sprach und scherzte auch jetzt nicht lange vom Urlaubserleben des Untergebenen, sondern fragte schon im Aufbau nach der Bereitschaft von U- 444 und verabschiedete sich vor der Türe zu seiner Kammer:„ Also kann ich melden, daß Sie am Montag seeklar sind?"
Aber ,, Achtung, Flottillenchef!" rief der Posten auf Deck in den Gang, um seinen Kameraden zu sagen, daß der Herr der Pommerania" komme. Ihm entgegen trat Drewitz aus dem Oberbau. Zwei verlegene, fremde Matrosen gaben den Weg frei. Wo wollt ihr hin?"
„ Die Sachen von Herrn Kapitänleutnant Hersthal holen!" „ Geht!" Er winkte mit dem Zeigefinger und schloß kurz die Augen, als fühle er plößlich den Griff einer kalten Hand. Hersthal war von einer Unternehmung nicht heimgekehrt. Lange galt er als vermißt und schlief jetzt wohl unter blauen Wellen in der grauen Hülle von Stahl, die manchem der Waffe zum
Befehlen, Herr Kapitänleutnant."
Als gegen ein Uhr der Gong zum Essen rief, ging Drewit nach dem Speisesaal im Aufbau. Durch Bullaugen fiel Licht von rechts und links hinein. Kleine Tische, an denen einst Amerikareisende aßen, waren zu drei langen Quertafeln zusammengerückt. Um die mittlere warteten auf den Flottillenchef die Ingenieure oder Ingenieuraspiranten der Flottille, an der fernsten die Wachoffiziere und an der bei der Tür die Kommandanten mit dem Stabsingenieur, Arzt und Pfarrer. Beim Begrüßen der Kameraden konnte Drewiz eine der dicken Kanonen der Wasse beglückwünschen. Seit vierzehn Tagen trug auch Brieg den Pour le merite.
,, Mahlzeit, meine Herren." Hiedring trat ein. Nun er barhäuptig war, fiel das vorzeitig ergraute Haar über dem jugendlichen Gesicht auf. Die Wartenden verbeugten sich, saßen nieder und löffelten ihre Suppe.
,, Was trinken Sie, Brieg?" Drewitz dachte die Ordensverleihung zu feiern. Wenn er Mosel sagt, tue ich mit," meinte Siedring als Nachbar zur Rechten, und Drewitz gegenüber dröhnte der Baz Knerrheims, des rauhen Kriegers:„ Hier ditto! Der Pour le merite ist zwar ein blaues Kreuz, aber doch noch kein Orden für Wasserapostel." Schnell leerte er das schon bestellte Glas Bier auf einen Zug bis zur Neige.
Fortsetzung folgt.
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