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Mittwoch, den 1. August 1928.

Surnen, Sport und Spiel.

Fußball im Reich.

Endspiel um die deutsche Meisterschaft.

In Altona: Hamburger SV. Hertha BSC. Berlin 5: 2( 3: 1).

*

Gesellschaftsspiele.

SpVg. Fürth- FSV. Frankfurt 4: 1

Teutonia München 1. FC. Nürnberg( Ga.) 2: 5 Mainz 05 Wormatia Worms 1: 2

FC. Hanau 93- SpVg. 60-94 Hanau 3: 1

Hamburger SV. Deutscher Fußball- Meister. Hertha BSC 5: 2 geschlagen.

Die Deutsche Fußballmeisterschaft ist entschieden. Sie wurde mit einer Ueberraschung abgeschlossen, die man selbst nach dem hohen 8: 2- Sieg des Hamburger Sportvereins über den Süd­deutschen Meister Bayern München in der Vorschlußrunde nicht für möglich gehalten hätte. Das Endspiel fand in Altona statt. Wetter und Platzverhältnisse befriedigten. Der Andrang der Sportbegeisterten war sehr stark. Als der Kampfleiter Mau 1= Nürnberg das Spiel anpfiff, waren 50 000 Zuschauer verſam­melt. Die stärksten Sympathien hatte natürlich der Norddeutsche Meister.

Die Mannschaften traten pünktlich um 4 Uhr in den vor­gesehenen Aufstellungen an. Es spielten für den Hamburger Sportverein: Blunk; Risse, Beier; Carlsson, Halvorsen, Lang; Kolzen, Ziegenspect, Harder, Horn, Rave; für Hertha- BSC.: Geelhaar; Domscheid, Fischer; Leuschner, Müller, Völker; Ruch, Gobed, Grenzel, Gülle, Kirsey.

Der Hamburger Sportverein kam nicht durch sein können zum Sieg. Wohl leisteten die Läuferreihe und auch einige Stürmer technisch sehr gutes, aber im Zusammenspiel und in der Ballbehandlung hatten doch die Berliner ein unverkennbares Plus. Was die Hamburger in erster Linie zum Siege führte, war ihr unbeugsamer Siegeswille, ein ganz hervorragender Kampfgeist. Alle Leute setzten sich mit allen Kräften für den Erfolg ein, ohne dabei die Grenzen des Erlaubten zu überschrei­ten. Enorm war die Durchschlagskraft des Angriffs, in dem der wiedererstandene Harder und der technisch überragende Horn die besten Leute waren.

Hertha ist wieder einmal nicht zum Ziele gekommen. Das Pech der Mannschaft wirkt fast tragisch. Diesmal standen sie ganz dicht vor dem langerstrebten Ziel und wieder war es nichts. Der Sturm kombinierte und schoß gut. Sobeck und Völker waren ausgezeichnet.

Das Spiel an sich war mitreißend, wenn es auch rein spiel­fulturell nicht auf höchstem Niveau stand, so gefiel es doch durch seinte interessante, stets lebhafte Durchführung.

Handball und Leichtathletik.

Gau- Athletik- Kämpfe in Weilburg

für Estlinge, Anfänger, Junioren und Alte Herren. Bei bestem Wetter kamen vor etwa 200 Zuschauern am gest­rigen Nachmittag die Entscheidungen der Athletikkonkurrenzen, an denen sich 83 Vertreter von neun Vereinen beteiligten, zum Austrag. Nach den am Vormittag notwendig gewesenen Vor­fämpfen holten sich den Löwenanteil an den Siegen die be­lamnte Athletik- Abteilung von 1900 Gießen mit 9 ersten, 3 zwei­ten und 3 dritten Preisen; ihr folgt VfB. Gießen mit 5 Ersten, 4 3weiten und 3 Dritten. Weiter sind die Vertreter der Wetz­larer Vereine, W. SpV. und VfL., zu erwähnen, die manch harte Nuß zu knacken gaben. Auch die erzielten Leistungen sind in mancher Konkurrenz recht anerkennenswert, wie die 400 m Ju­nioren in 55 Sef. von Gelbert, der 200 m Juniorenlauf in 24,4 Sef. von Erbe, die 3mal 1000 m Staffel, die von dem Wetzlarer SpV. in 9: 11,4 Min. gelaufen wurde und nur durch das Fallen des Schlußmannes im Ziel des Sieges verlustig ging, und hier­durch VfB. Gießen den Sieg überlassen mußte, und die 100 m Sunioren in 11,6 Sef. von 3erndt. Auch muß man noch die Plaz, ganz besonders die Bahnverhältnisse, die viel zu wün­schen übrig ließen, in Betracht ziehen. Was die Organisation anbelangt, so hatten die wenigen Herren, die sich hier in den

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Kraft und Bedeutung des Sports.

Von Karl Otterbein Dillenburg.

Ein großer Teil der Leser wird sich noch gut der Zeiten erinnern, als man noch des öfteren über Menschen, die sich neben ihrem Beruf auch mit Sport beschäftigten, die fast spötti­sche Kritik hörte: Ach, das ist ja ein Sportsmann." Hiermit meinte man nicht etwa einen Menschen, zu dem man mit Stolz emporsah, sondern man meinte immer einen schlechten, leicht­Fertigen Charakter. War es in Wirklichkeit nicht so? Wer wußte vor dem Kriege viel vom Volkssport? In anderen Län­dern dachte man von seinen Sportsleuten besser, und nur lang­fam hat auch in Deutschland unter der Einwirkung rückwärts­Tüegenher Erfahrungen( Weltkrieg) das sportliche Verständnis start an Boden gewonnen. Amerika und die angelsächsischen Länder waren uns schon vor dem Weltkriege weit voraus, als wir noch auf einer niedrigen Stufe im Volkssport standen.

Umso erfreulicher ist es, daß kein Land in der Welt, auch Amerika nicht, in einer annähernd gleich kurzen Zeitspanne, einen solch gewaltigen Aufschwung gemacht hat, wie gerade die Deutsche Sportbewegung nach dem Kriege. Es muß daher Auf­gabe der heutigen Zeit sein, dieses sportliche Verständnis zu faſ­sen, mit ihm eine planmäßige energische Körpererziehung durch­zuführen, das deutsche Volk durch Leibesübungen gesund, und mit allen Mitteln gesunden Sportes, die Wurzel der deutschen Wolfskraft, unsere Jugend, stark zu erhalten.

Unsere Jugend, in der ja auch unsere Zukunft liegt, muß doie Grundlagen der gesundheitlichen Wiedergeburt unseres Vol­ties schaffen.

Hierbei will ich nicht versäumen, an die Worte zu erinnern, doie Admiral Scheer vor Jahren einmal unserer Jugend am Hermannsdenkmal zugerufen hat:

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Gießener Zeitung"

Dienst der Sache gestellt hatten, ein reichliches Arbeitsfeld ge= funden, und gebührt ihnen großes Lob, die Kämpfe in gutem, sportlichem Rahmen durchgeführt zu haben.

Die Ergebnisse:

Junioren, 100 m: 1. Zerndt- Wehl. SpV. 11,6 Sek., 2. Gelbert­1900 12,0 Set., 3. Süß- VfL. Wetzlar 12,5 Get Junioren, 400 m: 1. Gelbert- SpVgg. 1900 55 Set., 2. Philipp­VFL. Wetzlar 61,8 Sef., 3. Radetzky- VfB. Gießen 64,7 Sef. Junioren, 800 m: 1. Fischer- VfB. Gießen 2: 14,7 Min., 2. Koch­

FC. Grünberg 2: 18,0 Min., 3. Paul- BSC. Sinn 2: 18,5 Min. Junioren, 4 mal 100 m: 1. 1900 Gießen, 2. FV. Weilburg. Junioren, Schwedenstaffel: 1. 1900 Gießen 2: 10,3, 2. FV. Weil­burg 2: 16,8, 3. Wetzl. SpV. 2: 19,6. Junioren, Stabhoch: 1. Steines- VfB. Gießen 3 m( nicht ausge­sprungen), 2. Berghäuser- Niedergirmes 2,95 m, 3. Keiner­Werdorf 2,60 m.

Junioren, Distuswerfen: 1. Seipp- SpVg. 1900 31,54 m, 2. Mohl­VfB. Gießen 31,09 m, 3. Knoch- VfL. Wetzlar 30,48 m. Junioren, Speerwerfen: 1. Koch- VfL. Wetzlar 43,17 m, 2. Mohl­VfB. Gießen 42,15 m, 3. Bachmann- SpVg. 1900 41,15 m.

*

Jungmannen, 200 m: 1. Erbe- FV. Weilburg 24,4 Sef., 2. Hop­fenmüller,-1900 24,5 Sef., 3. Maus- 1900 Gießen 27,6 Sef. Jungmannen, Distuswerfen: 1. Hopfenmüller- 1900 25,14 m, 2. Berghäuser- Niedergirmes 24,93 m, 3. Kleemann- 1900 20,20 m.

Anfänger, Stadtklasse, 100 m: 1. Hopfenmüller- SpVg. 1900 11,9 Sek., 2. Koch- VfL. Wehlar 12,3 Sek. Anfänger, Landklasse, 100 m: 1. Reeh- FV. Grünberg 12,7 Sef.,

Zum Beginn der neuen Fußballspielzeit. Nächsten Sonntag( 5. August) geht im W. S. V. der Be­trieb wieder los. Zunächst haben die Gesellschaftsspiele noch das Wort; dann übernehmen die Verbandsspiele die Vorherrschaft. Das Spieljahr 1927-28 hat manches enthüllt, was man lieber nicht gesehen, gehört oder gelesen hätte. Hoffentlich hat man daraus gelernt und beugt rechtzeitig einer Wiederholung vor. Namentlich eins muß man sich immer und überall vor Augen halten: Ein Fußballspiel soll und darf jederzeit nur ein ritter­licher Wettkampf sein, niemals aber zu einem unschönen Duell vin Meinungsverschiedenheiten und Konkurrenzpolemik aus­arten; jeder Fußballspieler muß soviel Charakter besigen, daß er in seinem Gegner nur den Sportsmann erblickt und ehrt, nicht aber ihn als Feind betrachtet und mißhandelt." Also fort mit allem offenen und versteckten Unfährheiten und Unsport­lichkeiten! Besonders verwerflich ist die versteckt unfaire oder 10he Spielweise. Der Schiedsrichter sieht sie vielfach nicht, kann sie oft gar nicht sehen, weil sie zu raffiniert angewandt wird, und schreitet deshalb auch nicht dagegen ein. Sie reizt den Be= troffenen dann zur Selbsthilfe, und wer nicht charakterfest genug ist, dem Reize zu widerstehen, läßt sich zu Ausschreitungen hin­reißen, deren Folgen allein auf ihn fallen und dem Gegner der sich ins Fäustchen lacht, weil der andere auf seinen Tric hereingefallen ist nur Vorteil bringen.( Amsterdam!)

Also immer Selbstbeherrschung üben und Disziplin zeigen! Dazu gehört nicht nur, daß jeder sich einer spielerisch regelrech­ter und sportlich anständigen Spielweise befleißigt, sondern auch, daß er schlechte Beispiele nicht nachahmt und sich besonders nicht zu Racheakten hinreißen läßt. Das Temperament spielt dabei allerdings eine große Rolle; in ihm liegt gewöhnlich der Jm­puls zu einer momentanen Vergeltungshandlung begründet. Aber gerade dadurch soll sich ja der charaktervolle Sportsmann fennzeichnen, der feste Charakter des wirklichen Sportsmanns offenbaren, daß durch Selbstzucht das Temperament in Schran­fen gehalten wird und auch in den schwierigsten Situat.onen niemals durch die Lappen gehen kann. Wo die eigene Kraft zu solcher Beherrschung fehlt, oder nicht stark genug ist, müssen die Vereinskameraden mit Güte nachhelfen und, wenn das nichts nützt, strengere Erziehungsmaßnahmen eintreten lassen. Grund­falsch ist es, über gelegentlichen Entgleisungen ein Auge zuzu­drücken mit den Worten: Na ja, das nächste Mal kommt es

,, Jhr habt Euch nicht um das Parteigezänke der Al­ten zu kümmern, denn Ihr seid selber Partei, eine Partei junger, deutscher Menschen, wo jeder willkommen ist, der sich zum deutschen Volke und zur Volksgemeinschaft bekennt." Sind wir in unseren Sportvereinen was anderes, als eine Volksgemeinschaft? Wenn dies nicht der Fall ist, dann haben wir das Recht verwirkt, uns Sportler zu nennen. Gerade im Sport tritt das Wesen der Volksgemeinschaft so recht zu Tage, und im Sport werden die Brüden geschlagen, die zur Volksge­meinschaft führen. In der Ausübung des Sportes gibt es feine Standesunterschiede. Ueber Parteien und soziale Gegen­sätze hinweg, reichen wir uns die Hände und schließen die Reihen, wie wir Seite an Seite um unser Deutschtum gekämpft und ge­blutet haben.

Jm Sport, als dem besten Lehrmeister, diese Gegensäge zu überbrücken, kämpft der Reiche neben dem Armen, der Gelehrte neben dem Arbeiter, der Offizier neben dem Gemeinen. ,, Einer für Alle, Alle für Einen" muß stets das Sinnbild des Sport­gedankens, überhaupt des Sportbetriebes sein.

Leider kämpfen auch heute noch meisterhafte Vertreter in verschiedenen unzähligen Sportarten auf allen Gebieten, ähnlich wie die politischen Parteien mit Scheuklappen. Jene scheinen wirklich nicht zu wissen, daß sie doch zusammengehören und daß gerade das Gefühl der Zusammengehörigkeit nur ein ersprieß­liches Zusammenarbeiten von Menschen gewährleisten kann.

Aber nicht allein in dem voltsgemeinschaftlichen und dem zusammengehörigen Gefühl liegt die Kraft und Bedeutung des Sportes, sondern vor allem, und dies möchte ich ganz beson­ders betonen, in der Pflege einer Eigenschaft, ohne die ich mir den Sport nicht denken kann: das ist die Disziplin!

Solange in Deutschland die Zwangsdisziplin bestand, haben wir Großes geleistet. Leider ist es zu wahr, daß, nachdem diese Disziplin zusammengebrochen ist, die Erkenntnis von ihrer Wich­

Nr. 60.

2. Keiner Karl- Werdorf 13,2 Set., 3. Schäfer Ernst- Nieder­girmes 13,4 Set.

Anfänger, Stadtklasse, 400 m: 1. Bepperling- SpVg. 1900 56,1 Sef., 2. Christmann- FV. Weilburg 58,4 Set., 3. Heberling­Wetzl. SpV. 66,7 Set. Anfänger( Landklasse) 400 m: 1. Koch, FV. Grünberg 59,7 Set., 2. Paul- Sinn 60,4 Sef., 3. Wambach- Werdorf 63 Sek. Anfänger, Stadtklasse, 1500 m: 1. Wambach- Werdorf 4: 33,02 Min., 2. Müller- VFB. Gießen 4: 34,02 Min, 3. Koch- FC. Grünberg.

Anfänger, Stadtklasse, 4 mal 100 m Staffel: 1. 1900- Gießen 48,6 Sef., 2. FV. Weilburg 49,0 Set., 3. VfL. Wetzlar 60,0 S. Anfänger, Landklasse 4 mal 100 m Staffel: 1. Niedergirmes 53,1 Sef., 2. Werdorf 53,8 Set.

Anfänger, Stadtklasse, 3 mal 1000 m: 1. VfB. Gießen 9: 12,8 Min., 2. FV. Weilburg 9: 39,2 Min. Anfänger, Landklasse, 3 mal 1000 m: 1. Werdorf 9: 34,2 Min. Anfänger, Stadtklasse, Hochsprung: 1. Berghäuser- SC. Nieder­girmes 1,55 m, 2. Philipp- VfL.- Wetzlar 1,50 m, 3. Steines­VfB. Gießen 1,50 m.

Anfänger, Landklasse, Hochsprung: 1. Kley- Werdorf 1,40 m, 2. Wambach- Werdorf 1,30 m, 3. Zichlinski- Niedergirmes 1,30 m Anfänger, Stadtklasse, Diskus: 1. Philipp- VfL. Wetzlar 28,92 m, 2. Blank Otto- FV. Weilburg 28,10 m, 3. Steines- Wetzlarer Sportverein 27,38 m.

Erstlinge 100 m: 1. Stang- VfB. Gießen 12,6 Set., 2. Lohnes­1900 Gießen 12,7 Sef., 3. 3immermann- Wetzl. SpV. 13,1 S. Erstlinge, Weitsprung: 1. Lohnes- SpVg. 1900 5,50 Q, 2. Salz­VFB. Gießen 5,38 m, 3. Steines, VfB. Gießen 5,28 m. Erstlinge, Kugelstoßen: 1. Steines- VfB. Gießen 9,83 m, 2.

hoffentlich nicht wieder vor!" Das hieße, den Teufel durch Beelzebub austreiben. Geradezu empörend aber es ist, wenn Vereinsmitglieder als Zuschauer über einen ihrer Spieler ar­teilen: Der X. ist doch ein ganz roher Patron; von seiner Tritten möchte ich keinen erwischen; er bringt sie aber so raffi­niert an, daß der Schiedsrichter nichts merkt und nichts machen fann" und wenn dieser Spieler immer wieder aufgestellt wird, ohne daß vom Verein aus gegen sein rohes Spiel Schritte getan werden. Schlechte Spieler fallen mit unfairen Hand­lungen immer rein, weil sie dieselben zu offensichtlich betreiben; nur gute Spieler- die es gar nicht nötig haben!- beherrschen die Kunst der unfairen Tricks so, daß es nicht auffällt. Und das ist gerade das schlimmste an der ganzen Sache; denn solche guten Spieler werden gelegentlich zur Vertretung ihres Gaues, ihres Kreises, ihres Bezirkes usw. herangezogen, und dann wer­den ihre Schliche offenbar, weil die Zahl der geübten kritischen Augen mit der Interessensphäre, die die Spieler zu vertreten haben, wächst; was daheim vielleicht keiner von den paar Hun­derten Zuschauer, die Sonntag für Sonntag das Spielfeld um­säumen, und nicht einmal der Schiedsrichter, sieht, das bemer­fen anderswo Hunderte oder Tausende sofort oder bald, und auch der Spielleiter hat die nötige Erfahrung, um schnell im Bilde zu sein. Dann ist die Herrlichkeit rasch zu Ende!

Jeder Spieler muß sich also vor Augen halten, daß er viel­leicht einmal zu Größerem berufen ist oder wenigstens seinen Verein, seinen Heimatsport an einer anderen Stätte, wo man ihm scharf auf die Finger guckt, zu vertreten gewürdigt wird. Dieser Ehre muß er sich dann auch wirklich würdig zeigen, und das kann er nur, wenn er spielerisch und sportlich als echter Sportsmann auftritt; manchem liegt dies in der Natur, man­cher aber kann das Ziel nur durch strenge Selbstzucht oder Nach­hilfe des Vereins erreichen. Die Vorgänge in Amsterdam dür­fen nicht ohne Nachwirkung bleiben; der D. F. B. muß Vorsorge treffen, daß sich solche Entgleisungen nicht wiederholen; die Vereine müssen entsprechende Vorkehrungen treffen, die noch mehr auf die Festigung des Charakters, auf die Hebung der Selbstdisziplin usw. bei den Spielern hinzielen, und die Schieds­richter sollen unbedingt dahin instruiert werden, viel strenger als bisher gegen Missetäter vorzugehen. Wenn alles nichts helfen sollte, müssen die sportbegeisterten Zuschauer, denen das Fußballspiel noch als ein ritterlicher Kampf gilt, protestieren.

tigkeit für den einzelnen Menschen, nicht genügend tief Wurzel gefaßt hat.

An Stelle der Zwangsdisziplin hätte die Selbstdisziplin, diese hohe und hehre Eigenschaft, die nur einem Manne inne­wohnen kann, treten müssen. Da diese aber nicht genügend ent­widelt war, ist die Selbstzucht ausgeartet und leider sind viele unferer heutigen Leiden unzweifelhaft noch darauf zurückzu­führen.( Beim Lesen gerade dieser letzten Zeilen bitte ich, mir teine militärischen Erwägungen unterzuschieben. Lediglich volks: hygienische und kulturelle Bestrebungen haben den Anlaß zu diesen Zeilen gegeben.)

Der Sport allein ist die beste Waffe gegen die Gleichgültig= keit, die heute noch weite Kreise unseres Volkes befallen hat, und, wenn wir kein Volk von körperlicher Schwäche sein wollen, wie es der Wunsch unserer ehemaligen Gegner auch heute noch ist, dann müssen wir dies wettmachen. Staat und kommunale Behörden müssen zu diesem Zwecke der Sportbewegung bei Ueberlassung von Gelände, beim Bau von Spielplätzen und Uebungsstätten auf das weiteste entgegenkommen. Man bringe nicht immer die Entschuldigung für alles, wir hätten kein Geld, wir haben ja für viele andere Staatszwecke, die sich nicht so bezahlt gemacht haben, Geld gehabt.

Ferner muß man immer wieder feststellen, daß auch die All­gemeinheit unseres Volkes für dieses Bedürfnis nicht das volle Verständnis aufbringen kann. Mit Sympathieerklärungen allein ist nichts getan, ihnen müssen auch die Taten folgen. Wir wol­len nicht verkennen, daß Deutschland Großes getan hat, um franke Körper gesund zu machen; aber es muß auch dafür ge= sorgt werden, daß ein gesunder Körper nicht erst krank werde. Schaffen wir ein sportfreudiges Volk, dann schaffen wir auch ein startes, einiges Vaterland!

Verallgemeinerung der Leibesübungen sind die Grund­lagen der Stärke und Gesundheit unseres deutschen Volkes.