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Mittwoch, den 1. August 1928.

nannt. Von den übrigen sieggekrönt heimgekehrten Gießener Tunern möchte ich nur zwei Frauen hier besonders erwähnen, die erst 16jährige Else Bickelhaupt und Frau Althof, die Siegerin im Schwimmen. Ein Deutsches Turnfest erfordert die besten Kräfte! Wir haben unsere Besten geschickt, und sie haben unsere Erwartungen vollauf erfüllt. Ihnen gilt heute mein herzlichster Glückwunsch zu ihrem schönen Erfolg und aufrichtiger Dank für das, was sie in diesen Tagen geleistet haben. Ein Fest der Freude ist es und ein Fest des Dankes, das wir heute abend hier begehen. Und so wollen wir das Gelöbnis ablegen, allezeit treu zur deutschen Turnsache zu stehen bis zum letzten Atemzug.

Der sympathische Karl Reuter nahm die Ehrungen sichtlich gerührt und ohne Ueberhebung entgegen. Herr Oberbürger­meister Dr. Keller sprach dann im Ramen der Stadt. Seine Ausführungen waren folgende:

Liebe Mitbürger!

Gießener Zeitung"

Im Namen des Hauptausschusses der Deutschen Turner­schaft dankte Herr Fabrikant Pfeiffer Wehlar, der be­kannte 1. Gauvertreter des Gaues Hessen und des Mittelrhein­freises dem Sieger des 14. Deutschen Turnfestes. In ehrenden Worten gedachte er auch der Eltern des Gefeierten, die mit Stolz auf ihren ,, ältesten Jungen" blickten u. Der Förderer die­ses talentierten Turners, hier wieder besonders des Gauturn­warts Will.

Ein Tag der Freude und der Ehre ist über unserer Stadt erschienen. Kein Festausschuß fonnte monatelang diese Feier vorbereiten und trotzdem ist heute ganz Gießen auf den Beinen; eine tausendköpfige Menge versammelte sich am Bahnhof und in den Straßen der Stadt und ist hier in der Volkshalle zu­sammengeströmt, voll Freude und Begeisterung darüber, daß es ein Bürger der Stadt Gießen gewesen ist, der beim 14. Deut­schen Turnfest in Köln den ersten und höchsten Sieg errungen hat. In Köln, der altehrwürdigen Stadt am Rhein, hat das 14. Deutsche Turnfest stattgefunden. Es war ein glücklicher Ge­danke, am Rhein und im Rheinland, dessen baldige Befreiung jedes deutsche Herz ersehnt, in dieser schweren Zweit zweimal­hunderttausend Turner, Jünger des Altmeisters Friedrich Lud­wig Jahn, zum friedlichen Wettkampfe zu versammeln. Fürwahr ein glücklicher und herzerhebender Gedanke.

Für die Gießener Rudervereine sprach Herr Reiber, der seinen Glückwünschen einen prachtvollen Blumenkorb für den Zwölfkampfsieger hinzugesellte.

Herr Lehrer Kling dankte dann im Namen der Gießener Turnerschaft den Behörden und Bürgern der Stadt und den mitwirkenden Vereinen für die der ganzen Turnsache zuteil ge­wordenen Ehrungen.

Mittlerweile war es spät geworden. Aber die Mitternacht war schon vorbei, als die letzten heimgingen. Und darüber herrscht Einstimmigkeit: Keine andere, keine Großstadt, hätte ihren siegreichen Turnern und Turnerinnen einen würdigeren Gut Heil! Empfang bereiten können.

Wir haben gehört und davon gelesen, was für herrliche Leistungen auf dem Turnfest in Köln vollbracht worden sind. Echt turnerische Tugenden, Spannkraft und Disziplin, Mut, Ausdauer und Hingabe sind glänzend in Erscheinung getreten. Höchstleistungen sind vollbracht worden, die weithin ehrenvolle Anerkennung gefunden haben. Höchstleistungen zu vollbringen ist aber heute die Schicksalsfrage des deutschen Volkes, Höchſt­leistungen auch auf wirtschaftlichem, sozialem und kulturellem Gebiete. Wenn jeder auf seinem Platz von diesem Streben durchdrungen, sein Höchstes und Bestes zu leisten gewillt ist, dann wird unser Weg wieder zur lichten Höhe emporführen, der dem deutschen Volke für seinen Fleiß und seine Tüchtigkeit gebührt.

Auf dem Deutschen Turnfest in Köln hat den höchsten Sieg errungen unser lieber und verehrter Mitbürger Karl Reuter.( Stürmischer Beifall.)

Lokales.

Straßensperrungen,

*

Nr. 60.

Denkmalsbeschädigung. In der Nacht zum 28. v. M. wurde das Heyerdenkmal in der Friedhofsanlage in der Licher­straße durch Abheben der Büste beschädigt. Personen, die über die Täterschaft Wahrnehmungen gemacht haben, werden ge­beten, die Kriminalpolizei in geeigneter Weise zu verständigen.

mitgeteilt vom Oberhessischen Automobil- Club E. B., Gießen. Die Straße Ruppertenrod- Ermenrod im Zuge der Pro­vinzialstraße Gießen- Alsfeld ist vom 28. Juli bis auf weite­res für alle Fahrzeuge gesperrt. Umleitung über Groß- Felda­Zeilbach.

* Aufklärung von Diebstählen in den Badeanstalten: Am Samstag, den 26. v. M. wurde ein 16jähriger ehemaliger Han­delsschüler von auswärts, der sich vorübergehend in Gießen aufhielt, wegen Diebstahls in der Müllerschen Badeanstalt fest= genommen. Eine in seiner Wohnung vorgenommene Durch­suchung war von Erfolg. Vier Diebstähle konnten dem Beschul­digten nachgewiesen werden. Am Sonntag, den 29. v. M. wurde ebenfalls in der Müllerschen Badeanstalt ein hiesiger 13jähriger Schüler beim Diebstahl eines Portemonaies erwiſcht.

Die Sperrung der Strecke Ruppertenrod- Ulrichstein im Zuge der Straße Gießen Grünberg- Lauterbach Fulda wird ab 1. Auguſt aufgehoben.

* Straßensperre. Wegen Rohrverlegungsarbeiten in der Garten- und Löberstraße ist die Löberstraße ab 31. Juli drei Tage für allen Fahrverkehr polizeilich gesperrt.

Aus Nah und Fern.

Nieder- Erlenbach. In diesen Tagen ging die ,, Glauburg", der Besitz der Erben des Freiherrn Roeder von Diersburg in den Besitz einer ,, milden Stiftung" über, die von der evan­gelischen Landeskirche und dem Diakonissenhaus Elisabethen­stift in Darmstadt gemeinsam errichtet, zum Zwecke hat, ver­wahrlosten Frauen und Mädchen die Hand zu reichen. Die Schwestern des Elisabethenstiftes sind schon eingezogen; die ersten Zöglinge werden wohl im Laufe des Monats August folgen. Die Anstalt ist für das Gebiet des Freistaates Hessen bestimmt und fann etwa 30-40 Mädchen Aufnahme gewähren.

Lauterbach. Jm nahen Wernges schlug der Blitz in die Scheune des Landwirts Andreas Schäfer ein und setzte die gesamte Hofreite und das Anwesen der anliegenden Landwirte Muschrod, Köhler und Eurich in Brand.. Die sofort einge­setzten Feuerwehren und die herbeigeholte Motorspritze aus Lauterbach waren gegen das Feuer fast machtlos, da großer Wassermangel herrschte. Sämtliche Gehöfte brannten vollstän­dig nieder. Der Gesamtschaften beläuft sich auf rund 200 000 Mark. Das Vieh konnte zum Teil gerettet werden.

* Polizeibericht. In der Nacht zum 22. Juli wurde zum Nachteil des Wassersportvereins Hellas" das Bootshaus an der Wißmarerstraße erbrochen und nachstehende Sachen gestoh len: 1 Grammophon, Marke Majesta, 11 Grammophonplatten, sowie 100 Cigaretten, Marke Ova und Ulmenried. Personen, welche zur Aufklärung zweckdienliche Wahrnehmungen gemacht haben, werden ersucht, die Kriminalpolizei in geeigneter Weise zu verständigen. Am Sonntag, den 22. Juli wurde auf der Hardt, bezw. auf dem Wege vom Hardtrestaurant nach der Stadt Gießen nachstehende Uhr verloren, bezw. entwendet: Eine vier­edige, goldene Herrenarmbanduhr mit arabischen Ziffern, oben am Aufziehgelenk befindet sich ein blauer Stein. Ein Hand­werksbursche, der sich in Bischofsheim ein neues Fahrrad auf Ratenzahlung kaufte, verkaufte dieses in der hiesigen Herberge. Wegen Unterschlagung wurde er festgenommen und dem Amts­gericht zugeführt. Die Ermittlungen nach dem Käufer sind ein­geleitet. Am 10. 7. 28 wurde in der Müllerschen Badeanstalt Am ein rotbraunes Portemonaie mit 4 Rmt. entwendet. 21. Juli wurde in der oberen Frankfurterstraße ein Herrenfahr­rad, Marke Kaiser", entwendet. Dasselbe hat hochgebogene Lenkstange, schwarze Felgen und neue Bereifung, Marke Polack­Titan. Auf der Querstange befand sich ein kleiner Kindersattel.

Sehr geehrter Herr Reuter! Es ist mir eine große Ehre und Freude, Sie im Namen der Stadt Gießen zu begrüßen und auf das herzlichste zu dem schönen Erfolge zu beglückwün­schen, den Sie erkämpft haben. Im Zwölftamps, dem schwer­sten Wettkampf der Deutschen Turnerschaft, sind Sie als erster Sieger mit dem goldenen Eichenkranz geschmückt worden. Ihr Name wird in diesen Tagen in ganz Deutschland und weit über Deutschland hinaus mit Ehre und Anerkennung genannt werden. In keiner Stadt aber ist die Freude und Anteilnahme an Ihrem Erfolge größer und inniger als in Gießen. Als Bürger der Stadt und als Mitglied des Turnvereins 1846 haben Sie den Namen der Stadt in ganz Deutschland und im Ausland zu hohen Ehren gebracht. Hierfür spreche ich Ihnen im Namen der Stadtverwaltung ganz besonderen Dank aus. Als sicheres Zeichen dieser Anerkennung überreiche ich Ihnen hiermit einen wertvollen Kunstgegenstand. Möge Ihnen diese Ehrengabe der Stadt zeitlebens eine freuliche Erinnerung sein!

Liebe Mitbürger! Ich bitte Sie, sich zu erheben und mit mir unserer Freude und Anerkennung Ausdruck zu geben durch den Ruf: Unser Mitbürger Karl Reuter Gut Heil, Gut Heil, Gut Heil!

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Eine wertvolle Statue war das Ehrengeschenk der Stadt. Ein Marathonsieger in Bronze auf kostbarem Sockel. Um­jubelt von tosendem Beifall übergab der Oberbürgermeister dem Helden des Tages dieses Geschenk, und Arm in Arm ver­ließ unser Stadtoberhaupt mit dem gefeierten Mitbürger die Bühne, um wieder seinen Ehrenplatz unter den Spitzen der Be­hörden und seinen Familienangehörigen einzunehmen.

Musikvorträge der Topp'schen Kapelle wechselten ab mit gesanglichen Darbietungen des Gesangvereins Seiterkeit" und des Bauerschen Gesangvereins, in dem Kurt Richter brillierte.

Für die Gefeierten dankte Herr Universitätsoberinspektor Erle, der Reisebegleiter der Gießener Turner, in bewegten Worten, die mit dem Deutschland über alles" endeten.

Jahn vor der Schlacht von Jena.

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In den letzten Tagen wurde in der Rodheimerstraße von einer Zugmaschine eine Akkulumatoren- Batterie entwendet. Aufklärende Mitteilungen nimmt die Kriminalpolizei Gießen entgegen.

Darmstadt. Der Mozart- Verein Newyork, der auch bei dem Deutschen Sängerfest in Wien weilte, unternimmt zur Zeit eine Reise durch Deutschland. Er war am Montag in Darmstadt, um mit den hessischen Sangesbrüdern frohe kameradschaftliche Stunden zu verbringen.

Heppenheim. Reichspräsident v. Hindenburg übernahm die Patenschaft beim 7. Sohne des Maurermeisters Peter Schranz.

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Mainz. Die Reichsbahnverwaltung veranstaltet vom 11. bis 13. Auguſt eine Sonderfahrt mit Eisenbahn und Dampfer an den Rhein. Als Hauptbesuchsstätte sind vorgesehen Köln, Koblenz, Mainz und Wiesbaden. In der Stadthalle zu Mainz wird zu Ehren der Gäste ein rheinischer Abend gegeben werden. Dillenburg. Jm Forstgebiet Neuhaus" ist es zwischen dem Forstgehilfen Müller zu Neuhaus und einem Wilderer zu einem Zusammenstoß gekommen, in dessen Verlauf der Wil­derer durch einen Kopfschuß schwer verletzt wurde. Der Wild­dieb entpuppte sich ein Einwohner aus Donsbach im Dillkreis.

* Fahrraddiebstähle. Die Kriminalpolizei teilt mit: Am 25. v. M. wurde aus einem Garten an der Hüttenbergschen Bleiche ein Herrenfahrrad, Marke Presto- Saalburg, Fabrik­Nr. 342312, und am 27. v. M. aus dem Hofe der Ortsfranken­kasse in der Ludwigstraße ein fast noch neues Damenfahrrad, Marke Diamant, Fabrik- Nr. 517860 mit schwarzen mit grünen Streifen versehen Felgen entwendet. Am 10. v. M. wurde in Wagenborn ein Damenfahrrad, Fabrik- Nr. 642 647, durch ein Dienstmädchen gestohlen. Die Täterin verkaufte das Rad für 20 M an eine Mannsperson, vermutlich Althändler, welche einen Drückkarren mit Altmetall bei sich führte, auf der Straße zwischen Gießen und Klein- Linden. Die Ermittlungen nach dem Käufer sind in die Wege geleitet.

Bei Frankenhausen bestieg Jahn den Schlachtberg, auf dem Thomas Münzer einst seine Niederlage erlitten hatte. Der Ka­nonendonner hatte sich etwas verstärkt. Aber so sehr Jahn nach einem Anzeichen des fernen Kampfes ausspähte- alles lag still bis zum Horizont.

Unten vor ihm an der Chaussee regelte eine militärische Wache den Verkehr. Ein Zug von vierspännigen und zweispän­nigen Wagen näherte sich ihr, um nach kurzem Aufenthalt weiter in die Stadt zu fahren. Die Zahl der vom Schlachtberge Aus­spähenden mehrte sich neben Jahn. Dann sprach es sich herum, daß die Fürstin von Rudolstadt auf der Flucht soeben die Wache passiert habe. Bei Saalfeld war eine unglückliche Schlacht ge= schlagen worden, in der Prinz Louis Ferdinand den Tod ge= funden hatte, als er mit seiner Kavallerie das verlorene Gleich­gewicht wieder herstellen wollte.

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Dillenburg. In einem Steinbruch bei Medenbach im Dill­freis war der bei der Firma Siemens& Schuckert in Arbeit stehende Elektromonteur Bender aus Krosdorf bei Gießen mit der Fertigstellung einer elektrischen Anlage beschäftigt. Ben­der kam dabei mit dem Starkstrom in Berührung, der ihn auf der Stelle tötete.

* Diebstähle. Am 19. v. M. wurde zum Nachteil des Ma­rinevereins Gießen ein in der Lahn beim Bootshaus an der Margaretenhütte befestigtes Boot im Werte von 400 M be­schädigt. Am 26. v. M. wurde einem Studenten in einer hie­sigen Wirtschaft eine silberne Taschenuhr mit Goldrand, an welcher der Sekundenzeicher fehlt, entwendet.

Unteroffizier führen, dem er die Frage nach dem Hauptquartier vorlegte.

Jahn stand erschüttert. Der Mann war gefallen, auf den er seine größte Hoffnung gesetzt hatte, in dessen Truppe er fechten wollte. Sein bisheriges Ziel war damit entschwunden. Aber er faßte sich bald wieder. Es galt mehr als das Leben eines einzigen, wenn er auch noch so wertvoll war. Es ging um Preu­ßen. War es nicht im Grunde gleich, unter wessen Kommando er focht! Er hatte unter den Regimentsquartiermeistern, die er im Hauptquartier wußte, zwei Freunde. Nur das Hauptquar­tier galt es zu ermitteln, wobei er keine Zeit mehr verlieren durfte.

Meister.

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Garbenheim. Die Kreisbauernschaft Wetzlar beging am Sonntag ihren Bauerntag in Garbenheim. Entsprechend der wirtschaftlichen Lage der Landwirtschaft wurden keine rauschen­den Feste gefeiert, sondern der Veranstaltung ein schlichter ein­drucksvoller Rahmen gegeben. Aus zahlreichen Dörfern des Kreises Wetzlar trafen gegen mittag die Mitglieder der Kreis­bauernschaft ein. Am Weylarer Bahnhof bildete sich der Fest= zug, an dem etwa 3500 Bauern teilnahmen. Am Hause der Kreisbauernschaft vorbei bewegte sich der Zug mit Musik nach Garbenheim. Der Hauptgeschäftsführer der Bezirksbauern­schaft, Plisterer- Limburg, betonte die Schicksalsverbundenheit der ländlichen und städtischen Bevölkerung. Gegenseitiges Ver­stehen tue not, aber das Landvolk wende sich gegen das Ein­dringen undeutscher Einflüsse. Die Rentabilität der Landwirt­schaft müsse wieder hergestellt werden, damit die bäuerliche Jugend wieder Lust zur Bebauung der vaterländischen Scholle bekomme. Bauernhaus und deutsche Scholle müßten aushar­ren im Kampfe um die Erhaltung der deutschen Scholle, um Volk und Vaterland und den deutschen Rhein. Begeistert sangen die Festteilnehmer das Deutschlandlied.

Der Unteroffizier sah ihn befremdet an. Zeigen Sie Ihren Paß!", klang es barsch. Er las: privatisierender Gelehrter aus Göttingen auf einer literarischen Reise durch Sachsen. ,, Was wollen Sie im Hauptquartier?"

So schritt er entschlossen zu der Wache an der Chaussee hin= ab und ließ sich in das kleine Haus vor den wachthabenden

Ich will zu dem Regimentsquartiermeister Röhricht", und Jahn nannte den Truppenteil.

Die Augen des Unteroffiziers betrachteten den Blondbär­tigen noch forschender. Und was wollen Sie dort?"

Jahn zögerte. Aber er mußte sprechen, um zu seinem Ziele zu gelangen und das Mißtrauen gegen sich zu zerstreuen. Ich will in der Truppe gegen den Feind kämpfen."

Der Unteroffizier wurde rot, im Glauben, daß ihn der Fremde verhöhnen wollte. Oder hatte er es mit einem Narren zu tun? Er wandte sich dem Feldwebel zu, der soeben in das Zimmer trat, und trug ihm das Anliegen des Fremden vor, in­dem er auf den Paß wies, den er noch in der Hand hielt. Beide sprachen leise miteinander.

Jahn war ihnen, wie klar aus ihren Blicken hervorging, stark verdächtig. Im Hauptquartier befand sich der König. Schließlich handelte es sich um einen Agenten des Feindes, der ihm ans Leben wollte, um damit Verwirrung zu stiften. Auch stimmte die Angabe dieses Fremden, sich bei der Truppe als Mitkämpfer melden zu wollen, nicht mit dem Vermerk im Passe überein, daß er eine literarische Rundreise durch Sachsen mache.

hören. Dann verließ der Unteroffizier das Zimmer, um bald mit einem Offizier zurückzukehren.

Dunkle Glut verfärbte Jahns Gesicht über den Verdacht, und er glaubte, mit seinen überscharfen Ohren das Wort Spion zu

Ein neues Kreuzverhör von Fragen sette ein. ,, Sie wollen bei der Truppe fechten?" Jahn bejahte.

,, Das ist aber nicht Ihre Aufgabe. Sie sind nicht Soldat." ,, Ich bin geübt im Schießen, Reiten, Fechten u. Marschieren. Soo?" Der Mann war dadurch nur gefährlicher. Ich wollte als Freiwilliger eintreten."

Der Offizier nahm eine befremdete Miene an., Gibt keine Freiwilligen in der preußischen Armee. Gott sei Dank!"

Man durchsuchte Jahns Gepäck und fand das Manuskript des deutschen Sprachschatzes, das den Verdacht gegen ihn nur erhöhte.

,, Bereicherung des deutschen Sprachschatzes?" fragte der Of­fizier. ,, Reichen Ihnen unsere Worte nicht? Wollen Sie sie etwa durch Geheimworte ergänzen?" Er funkelte Jahn aus seinen Augen an.

Ich bitte, mich nicht zu beleidigen", brauste dieser auf. ,, Von Geheimwörtern ist nicht die Rede. Ich will aber Fremd­wörter durch deutsche Wörter und schlechte deutsche Wörter durch alte bessere ersetzen."

Der Offizier entfernte sich, und der Feldwebel teilte dem Erregten mit, daß er zu weiterer Untersuchung in Haft bleiben müsse. Das Schriftstück könne er nicht wiedererhalten. Um seinen zornigen Widerspruch kümmerte man sich nicht.

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