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Gießener Zeitung

Erscheint: Samstags.

( Sleueste Nachrichten)

Bezugspreis 40 Big. monatlich frei ins Haus. Rrdoftionsschluß früh 8 Uhr- Für Aufbewahrung oder Rüd lendung nicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert

40. Jahrgang

Politische Tagesschau.

Die preußische Regierung soll, trog aller Dementis, mit der Kurie in ernsthaften Berhandlungen in der Konkordatsfrage tehen.

Aus dem jegt herausgekommenen Haushaltsplan des preu hischen Staates für 1928 ift zu ersehen, daß es gegenüber 1913 in Breußen ca. 72 000 Staatsbedienstete mehr gibt, und daß ein ungebedter Betrag von 74 Millionen als Mehrausgaben für bie Beamtenbesoldung aufzubringen ist.

Die deutsche Reichsregierung beantragt endgül tige Entscheidung der polnisch- oberschlesischen Schulfrage beim Böllerbund für die Dezembertagung.

Der Reichsfinanzminister brachte im Reichstags ausschuß für Kriegsbeschädigtenfragen zum Ausdrud, daß man ein Reichsfinanzministerium eine Steuer- Senkung im ganzen will

Reichsbankpräsident Dr, Schacht stellte gestern fest, da die 2,5 Milliarden Auslands- Schulden der öffentlichen Hand annähernd so viel ausmachen, wie die verausgabten Summen für Stabien, Schwimmbäder, Anlagen, Geländefäufe, Messege lände, Festhallen, Theater. und Museumsbauten usw.

*

Auf dem Festessen der Berliner Presse wiederholte Reichs. fanzler Dr. Marg seine Münchener Ausführungen über die Schchwierigkeiten der Schaffung eines Einheitsstaates.

*

Heute tagt der Berwaltungsrat der Reichspost, der für dies les Jahr noch 100 Millionen Mart nachbewilligen soll. Eine Erhöhung des Bortos tommt jedoch nicht in Frage.

Weite Teile Chinas sind, wie dem internationalen Silfs= ausschuß mitgeteilt wurde, von einer 5ungers not ernstlich bedroht.

Adolf Joffe, erster Sowjet- Botschafter in Berlin, hat in Mostan Selbstmord verübt. Der Grund zu der Tat ist angeblich Nervenzerrüttung.

Wahlergebnis in Hessen.

Bei außerordentlich geringer Wahlbeteiligung

in Gießen

51,4 Prozent, auf dem Lande auch nicht viel über 50 Prozent haben, die Wahlen zum Hessischen Landtag folgendes Ergebnis gezeitigt( die eingeflammerten Zahlen betreffen die Landtags­wahlen von 1924):

Deutsche B Itspa iei 51 638 Stimmen, 7 Mandate( 78930 bezw 8) Deutschnationale Bpt. 2.013

3

M

( 43717

6)

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87750

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Landbund

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( nicht vertret n) 1100384

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( 83689

8)

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Soz'a demokraten 157289 Stommuniften

Durchschnittlich ist ein Stimmenverlust von 30 Prozent zu verzeichnen, bei den Deutschnationalen sogar von 45 Prozent. Lediglich die Kommunisten haben einen Stimmenzuwachs zu verzeichnen.

Das Bremer Wahlergebnis.

Mit dem Teilergebnis für die Bezirke Bremen- Land, Vege sad und Bremerhaven verteilen sich die Mandate für das ge­samte Bremische Staatsgebiet nach dem vorläufigen amtlichen Ergebnis folgendermaßen auf die Parteien: Sozialdemokraten 50 ( 46), Bürgerliche Einheitsliste 36( 40), Demofraten 12( 14), Rom munisten 10( 9), Haus- und Grundbesitzer 9( 8), Zentrum 2( 2), Heim und Scholle 1( 1), Volfsrechtspartei 0( 0).

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Samstag, den 19. November 1927

Das Wahlergebnis für den Danzieer Voleret. Die im Hauptausschuß vereinigten Angestelltenverbände haben in 121 Wahlbezirken 318 Vertrauens- und und 587 Ersatz­männer zu verzeichnen. Auf den Deutschnationalen Handlungs­gehilfenverband entfallen davon allein 171 Vertrauens, und 293 Ersatzmänner. Die im Afabund zusammengeschlossenen An­gestelltenverbände haben in den entsprechenden Bezirken 39 Ver­trauens- und 113 Ersatzmänner zu verzeichnen. Bei den Splitter­gruppen sind dementsprechend 6 Vertrauens- und 19 Ersatzmän ner gewählt worden.( Die Wahlen in Hessen, die erst Ende ds. Mis. und Anfang Dezember stattfinden, fanden bei diesem Teilergebnis natürlich noch feine Berüdsichtigung.)

Die Ergebnisse zeigen deutlich, daß die überwältigende Mehr­zahr der Angestellten die Politit des sozialdemokratischen Afa­Bundes in der Angestellten- Versicherungsfrage ablehnen.

Die Angestelltenwahlen im Reich.

Die Verteilung der Mandate zum Vollstag ist folgende: Bürgerliche Arbeitsgemeinschaft 2 Size(-), Danziger Hausbesiterpartei 1 Sig(-), Deutsch- Danziger Volkspartei 5 Site( 6),

Deutsch- liberale Partei 4 Site(-), Deutsch- Nationale Volkspartei 25 Gige( 33), Deutschsoziale Partei 1 Sit( 7). Fischer 1 Sitz( 1),

Kommunisten 8 Gige( 11),

Mieter- und Gläubiger- Partei 3 Site( 1), National- liberale Bürgerpartei 5 Site(-), Nationalsozialisten 1 Sitz(-),

Bolen 3 Sitze( 5),

Sozialdemokraten 42 Size( 30), Wirtschaftsliste 1 Sig(-), Zentrum 18 Site( 15).

Es stehen also 67 bürgerliche Vertreter 50 Linksradikalen und 3 Polen im Voltsrat gegenüber.

Reichskanzler und Außenminister in Wien.

Zu Anfang dieser Woche weilten Reichskanzler Dr. Mary und Dr. Stresemann einige Tage in der österreichischen Bundes­hauptstadt. Eine ganze Reihe von Empfängen sand statt und viele, a. I. recht bedeutsame Reden wurden gehalten, die vor allem im Auslande starte Beachtung fanden und in Frantreich natürlich wieder zu neuen Befürchtungen und Aengsten Ber anlassung gaben. Ob in den persönlichen Besprechungen mehr als Freundschaftsbeteuerungen- gedacht sei an eine verlangte Zollunion oder an die Rechtsangleichung gewechselt wurde,

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ist mit Bestimmtheit nicht zu sagen. Es wird aber wohl so sein. Am Mittwoch Morgen fuhr Reichstanzler Mary von Wien nach München, das er offiziell besuchen will, ab, am Abend fuhr auch D. Stresemann nach Berlin zurüd.

Reichskanzler Dr. Marg

Sprach am Donnerstag im bayrischen Landtag. Ganz besonderes Interesse verdienen seine Auslegungen über das Problem des Einheitsstaates. Er sagte u. a.: Sie können versichert sein, daß sich die Reichsregierung mehr, als Sie vielleicht annehmen, mit den Sorgen Bayerns beschäftigt. Wir wissen sehr gut, welche Bedeutung ein Land wie Bayern mit seiner großen historischen Bergangenheit, seinen großen technischen und kulturellen Wer­ten besitzt und daß es ein unentbehrliches Glied im schönen Kranze unferer Länder ist. Solange bei Ihnen und bei Ihrem Bewußtsein der Zusammengehörigkeit. Wir müssen die Reichs­Bolte der feste Wille zum Eigenstaat vorhanden ist, wäre es unrichtig und politisch falsch, irgendwie zu versuchen, andere 3u­stände herbeizuführen. Ich habe selbst darauf gedrungen, daß in die letzte Regierungserflärung bei Vorstellung der Reichsregie rung vor dem Reichstage der Satz aufgenommen wurde, daß ich es für unrichtig hielte, wenn man auf dem Umwege über finan­zielle Maßnahmen die Selbständigkeit der Länder untergraben wollte. Hiernach habe ich auch stets gehandelt. Das Wesentliche ist doch, daß das Reich zusammenhält nicht durch eigene Maß­nahmen, sondern durch gemeinsames ehrliches Streben und das freude in den Herzen aller Reichsangehörigen stärken, und das fann nicht geschehen, wenn ein meinem politischen Ziele ent­gegengesetzter Weg beschritten wird.

Reichstagsbeginn am 22. November.

Berlin. Der Reichstag tritt am 22. November zusammen. Der Weltestenrat des Reichstages war heute mittag zu einer Sigung berufen worden, weil Graf Westarp( Dn.) angeregt hatte, den für den 22. November in Aussicht genommenen Wie­derbeginn der Plenarsigungen mit Rüdsicht auf die noch lau­fenden Ausschußarbeiten zu verschieben. Der Aeltestenrat erhob jedoch dagegen Bedenken, daß immer von neuem wieder ver­tagt werde. Infolgedessen zog Graf Westarp seine Anregung zurüd. Am 22. November ist der wichtigste Verhandlungsgegen stand der deutsch- französische Handelsvertrag. An den folgenden Tagen wird zunächst die Beamtendisziplinarverordnung und so­dann über das Rentnerschutzgesetz verhandelt werden.

Tas eisenbewaffnete" Deutschland. Der französische Bleddeputierte Taittinger stellt in seinem Blatt National" Erwägungen über den Waffenstillstand und den Frieden an und benutzt diesen Anlaß zu neuer Heze gegen Deutschland. Taittinger schreibt u. a.: Deutschland erhebt nicht nur sein Haupt, sondern es droht mit der Fauft gegen uns und diese Faust ist wie früher eisenbewaffnet.(!) Die deutsche Ab­rüftung ist eine Komödie, die französische Abrüftung dagegen eine Realität(!), die von heute auf morgen zu einer Tragödie werden fann. Die Politiker der Linken erkaufen den Frieden Don Deutschland durch das Nachgeben von Locarno und die Kapitu­lation von Thoiry. Um einige Jahre Ruhe zu erhalten, sind sie jetzt dabei, schleunigst das linte Rheinufer zu räumen und unsere beste Sicherheitsgarantie zu opfern. Wir werden bald darauf angewiesen sein, auf die Unterstützung der britischen Flotte rech nen zu müssen, um unsere Küste zu verteidigen und auf die deutsche Armee, um die Unversehrtheit unserer Grenzen zu fichern(!!). Die Politiker bereiten uns heute den Frieden der Stliven und morgen den Frieden der Gräber."

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Nummer 47

Holland verlangt Kriegsschadenersah.

Wie aus dem Haag gemeldet wird, erklärte der holländische Außenminister daß die niederländische Regierung nach wie op: der Ansicht sei daß die deutsche Regierung verpflichtet iit, die Holländern oder holländischen Unternehmungen durch völker rechtswidrige(?) Handlungen der Deutschen im Kriege zugefüg ten Schäden voll zu ersetzen. Zwischen Deutschland und den Niederlanden seien aber darüber noch Berhandlungen im Gange die möglicherweise einen befriedigenden Abschluß finden werden.

Parlamentstrise in England?

Die Erfolge bei den Gemeindewahlen geben den Arbeiter parteien Veranlassung, mit heftigster Obstruktion im Unterhaus anläßlich der Besprechung der Lage im Kohlenbergbau, einen Mißtrauensantrag gegen die Regierung zu stellen. Man fürch tet, daß es zu vorzeitigen Neuwahlen des Unterhauses tommen fann.

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Lokales. Sonntagsgedanken.

Es ist wieder die Zeit, da wir der Toten gedenken, Toten Sonntag. Bald, kommenden Sonntag, schmüden wir die teu­ren Grabhügel jener, die in heimatlicher Erde, im Friedhof der Heimat ruhen.

Heute schon wollen wir im Geifte zu jenen Kameraden wal. len, die für uns und ihr Vaterland ihr Leben gaben. Nicht fönnen wir selbst nach den fernen Gräbern eilen, unsere Helden Tiegen unerreichbar draußen in Feindesland, in das sie in tapferem Ansturm eingedrungen sind und wo sie in übermensch licher Anstrengung 4% Jahre standhielten, um die Kriegs. schreden von der Heimat fernzuhalten. Andere dedt die un­ergründliche Fläche des Meeres, andere sind vermißt,- ver Schollen.

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In diesen heiligen Stunden ziehen Millionen hinaus auf die Heldenfriedhöfe der Heimat, wallen im Geiste hin nach Frankreichs blutgetränkten Gauen, nach Ypern, Arras, Verdun und Flandern, nach den walbigen Höhen der Bogejen, hinüber nach Rußlands Steppen, nach Italiens Bergen, fuchen im großen Weltmeer das feuchte Grab ihrer Lieben und vergessen auch jener nicht, die hoch in der Luft für Deutschland stritten. In tiefer Trauer machen wir dort Halt an den Stätten des Todes. Und gellend dringt ein Schrei der Verzweiflung aus den Her zen der ganzen Nation: Wacht auf, ihr Brüder drüben im fer­nen Lande, wacht auf, ihr Helden draußen im Friedhof der Heimat, wacht auf und sagt, was wir tun sollen in diesem furcht­baren Leid!

Und aus Millionen Gräbern schallt es Antwort, und die Wellen der Meere tragen den Ruf der Toten an deutsche Strande und aus den Lüften schreit es der deutsche Aar: Deutsches Bolt, du herrlichstes von allen, besinne dich wieder auf deine Pflicht, schlag' wieder, du altes deutsches Herz, hört diesen Geist aus den Gräbern eurer Helden, den Geist der deutschen Treue! Der Opfergeist, der aus den Gräbern ruft, muß Deutschland wie­der neu bleiben.

Das Gedenken an Deutschlands tote Helden soll uns stets neue Kraft geben, auszuharren in der Zeit der Schmach und der Knechtschaft, auszuhalten in der schweren Arbeit des Wie­deraufbaues trotz aller Drangfale, mit welchen die Feinde uns den Weg versperren, bis einst der Morgen anbricht, an dem das befreite Baterland wieder in den Platz einrückt, der ihm von Gott und Rechtswegen gebührt.

In diesen Tagen sollen wir aber auch fein höheres und schöneres Ziel fennen, als für die armen Kinder und Witwen unferer gefallenen und verletzten Kameraden zu sorgen. Helft alle mit, das große Unheil zu lindern, das Millionen in vier einhalbjährigem Morden getroffen hat. Helfen wir alle mit am edelsten Friedenswert! Für Frieden und Recht wollen wir an gesichts unserer Toten für alle Zeiten eintreten mit flammen der Begeisterung. Der Opfer unserer Helden sind wir nicht wert, wenn wir unsere gefallenen Kameraden vergessen, der Witwen und Waisen. Wenn wir aber ihrer stets in Treue ge denten, dann war das viele Blut nicht vergeblich geflo

Entblößten Hauptes stehen die deutschen Völfer trauernb und flagend an den Massengräbern ihrer Helden. Und alle Kirchengloden läuten durchs deutsche Land die Trauer.

Nun lassen wit sie wieder allein in ihren stillen Grüften, die vielen, vielen Schläfer. Gottes heiliger Friebe sente fich nieder auf ihre fernen Gräber. Ehrenfried.

Den Toten.

Bom Turme läuten ernst die Gloden. Die Tage tommen, da sie uns zum Friedhof rufen.

Friedhof.

Wie hart muß das Leben sein, wenn man Die die Stätte, wo die Toten liegen, den Friedhof nennt! Toten schweigen und reden doch so laut vom Sinn des Lebens. Es neigen sich Wipfel und Blätter zum herbstlichen Schlafe. Der wehe Zug des Sterbens streift durch Wald und Auen. Vor­bei ist die blühende Sommerzeit,

Totenjonntag

Alles, was einst blühte und grüntees ist wie ein Traum.