Sonnabend, den 19. Februar 1927.
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Stresemanns nichts bekannt. Die Zentrumsfrattion nahm auch zu dem Abstimmungs- ,, Nein" ihres Frat tionsfollegen Wirth beim Vertrauensvotum für die neue Regierung Stellung. Man hat Herrn Wirth ver urteilt, hat das aber auf so diplomatische Art geschoben, daß Wirth in der Fraktion verbleiben tann. Es wäre natürlich vom Standpunkte des Zentrums aus auch eine ungeheure Unflugheit, den maßgebenden Linkspolitiker, der auf weite Zentrumstreise einen starten Einfluß hat, hinauszuwerfen. Man hat in letzter Minute noch eine Bestimmung entdedt, die nicht immer Fraktionszwang verlangt. Die Einheit des Zentrums ist dadurch wieder gerettet! Die völkische Reichstagsfraktion ist nach einem heftigen Streit auseinandergefallen, wieder eines der unerfreulichen Schauspiele.
Deutscher Stolz.
Bon Dr. Otto Contab in Charlottenburg. Dürfen wir überhaupt nach allebem, was wir in den lek ten acht Jahren erlebt haben, auf unseren deutschen Namen stolz sein? Die Frage ist schon vor mehr als 100 Jahren von einem der besten deutschen Männer gestellt worden. Als in dem Schmachfrieden von Luneville im Jahre 1801 das linfe Rheinufer an Frankreich abgetreten wurde, da hat der große Dichter Schiller diese Frage aufgeworfen. Er bejahte für seine Zeit diese Frage. Ja, er prägte damals das große Wort der Berheißung:„ Jedes Bolt hat seinen Tag in der Geschichte, doch der Tag der Deutschen ist die Ernte der ganzen Zeit!" Ties führt der Herr durch Nacht und durch Verderben. Schiller hat das erlebt. Die große Zeit des deutschen Boltes am Ende des 19. Jahrhunderts hat er nicht gesehen. Wir Deutschen von heute haben die große deutsche Herrlichkeit der Bismarchchen Zeit miterlebt. Wir haben freilich auch den tiefsten Niedergang, den die deutsche Geschichte aufweist, blutenden Herzens mitansehen müssen. Doch trog alledem wir dürfen nicht der gessen, was das deutsche Bolt und das deutsche Heer in diesem Kriege gegen die ganze Welt geleistet hat. Das deutsche Heer ist im Felde nicht besiegt worden. Darauf dürfen wir heute stolz sein. Wir hoffen mit ganzer Seele auf die Auferstehung der deutschen Herrlichkeit.
Aber ist denn der nationale Stolz überhaupt berechtigt? Die international eingestellten Parteien in Deutschland ver dammen allen ,, Rationalismus". Kein Geringerer als der Heiland hat das große Wort gesprochen: Ihr sollt die Perlen nicht vor die Säue werfen und das Heiligtum nicht den Hunden geben!" Jesus wollte seine Jünger den rechten Stolz lehren. Stolz- freilich nicht in dem gewöhnlichen Sinne, wonach der Reiche über den Armen und der Gebildete über den Ungebildeten hinwegsieht, als ob er fein Mensch wäre. Das ist falscher, unedler Stolz. Der rechte, edle Stolz ist etwas ganz anderes. Stolz ist unser Heiland gewesen; darum haben sie ihn ans Kreuz geschlagen, weil er so hoch und erhaben über der Sünde stand. Stolz ist der Christ, der da sagt: Bleib mir ferne, nied riger Sinn, ehrlose Handlung. Es gibt solchen Stolz bei Män nern und Frauen. So hat Bismard einst im Namen der Ration gesprochen:„ Wir Deutschen fürchten Gott und sonst nichts in der Welt!" So hat einst die Königin Luise geantwortet, als in Tilsit Napoleon hochmütig fragte:„ Wie konnte es Preußen wagen, mit mir Krieg anzufangen?" Dem Ruhme Friedrichs des Großen," erwiderte sie mit edlem Stolze ,,, war es erlaubt, uns über unsere Machtmittel zu täuschen, wenn an ders wir uns getäuscht haben". Das war ein stolzes, ein würdiges Wort!
Dem Gedenken Vestalozzis.
Am 17. Februar waren es 100 Jahre, daß Pestalozzi, welcher das Schulwesen des 19. Jahrhunderts auf neue Grundlagen stellte, sein Leben aushauchte. Allenthalben finden daher große Pestalozzifeiern statt, die ihn nicht nur als Jugend-, sondern auch als Volfserzieher würdigen.
Heinrich Pestalozzi wurde 1746 als Kind eines Wund und Augenarztes in Zürich geboren. Schon mit 6 Jahren verlor er seinen Vater und wurde in allerärmlichsten Verhältnissen von seiner Mutter und der treuen Mago Babeli erzogen. Gein Großvater war Landpfarrer und die jährlichen mehrwöchent lichen Besuche bei ihm lernten den Jungen das arme, gedrückte Volf kennen und lieben. Er studierte unter manchen Mühsalen zunächst protestantische Theologie, dann Rechtswissenschaft, um sich schließlich der Landwirtschaft zu widmen. Es gelang ihm, im Kanton Aargau 100 Mongen Heideland zu erwerben. Nach harten Kämpfen führte er die wohlhabende Kaufmannstochter Anna Schulthes heim, die ihm eine gute Lebensgefährtin werden sollte.
Pestalozzi war ein unscheinbarer Mann, blatternarbig und häßlich. Auch hielt er wenig auf sein Aeußeres. Als Gegenwerte hat er besonders einzusehen findlichste Offenheit, unermüdliche Tätigkeit für die Volfsbildung, herzlichste Liebe zu den Kindern und große Opferfreudigkeit. Allerdings fehlte ihm die Klarheit und der sichere Taft im Handeln. Dies stürzte ihn auf dem„ Neuhof", feinem Besitztum, bald ins Unglüd. Da verwandelte er Neuhof in eine Lehranstalt, die sich selbst durch die Arbeit von 50 aufgenommenen Kindern erhalten sollte. Er sah aber bald das Werk der Hilfsbereitschaft untergehen. Kaum waren die Kinder gereinigt und gekleidet, so entliefen sie ihm. Pestalozzi war schließlich gezwungen, die Anstalt aufzulösen und geriet in bitterste Not.
Schließlich wurde er 1798 als 54jähriger nach Stans be rufen, um dort im halb zerstörten Kloster der Ursulinerinnen ca. 80 verkommene Kinder zu sammeln und zu erziehen. Hier zeigte sich seine große Liebe an den Bettler- und Waisenkindern, die sich durch die grausame Kriegsführung der Franzosen in der elendsten Verfassung befanden. Er war hier seinen Kindern alles: Vater, Verforger, Pfleger, Wärter, Arzt und Erzieher. In seiner Erziehungsmethode legte er das größte Gewicht auf die Verknüpfung geistiger Arbeit mit Handarbeit. 1799 wurde das Kloster in ein Lazarett verwandelt, und Pestalozzi siedelte an die Bauernschule nach Burgdorf über. Hier hatte er unter den Verdächtigungen eines alten neidischen Schulmeisters viel zu leiden. Die Behörden erkannten allmählich fein großes Ta lent und räumten ihm das Kloster München- Buchsee als Er ziehungsanstalt ein. Sein Ungeschick in praktischen Dingen ver
,, Gießener Zeitung"
Darin besteht der deutsche Stolz, daß man das Heiligste, was man im Herzen trägt, nicht preisgibt, daß man sich zu gut hält für Lüge, Betrug und Gemeinheit, daß man sich nicht wegwirft. sondern die eigene Ehre hochhält und das Gute erstrebt. Das heißt deutscher Stolz, das jei unser Stolz!
Bericht über die wirtschaftliche Lage des deutschen Handwerks im Monat Januar 1927.
Die wirtschaftliche Lage des deutschen Handwerks wird auch für den Monat Januar durch Arbeitsmangel und geringen Abfag überwiegend gekennzeichnet. Besonders melden die Berufe
des Baugewerbes und der Baunebengewerbe eine Verschlechterung des Geschäftsganges gegenüber dem Vormonat. Bedingt ist diese Verschlechterung einerseits durch die ungünstige Witterung, andererseits machte fich auch das nahezu völlige Fehlen Don neuen Bauaufträgen unangenehm fühlbar.
Auch für die übrigen Handwertszweige, vor allem für die Bekleidungs und metallverarbeitenden Handwerke, brachte der Berichtsmonat eine Berschlechterung des Geschäftsganges, da zweifellos der Hauptbedarf bereits durch die Weihnachtseintäufe gebedt wurde. Bon vermehrten Aufträgen an das Handwerk durch besser beschäftigte Industriebetriebe wird nur vereinzelt berichtet. Auch die Landwirtschaft hielt infolge des Rubens der Feldarbeiten sehr mit Aufträgen zurüd. Sehr schädigend wirtten sich in dem Berichtsmonat die großen Inventurausverkäufe, vornehmlich der Warenhäuser, für das Handwerk aus. Die Faschingszeit brachte nur vereinzelt eine geringe Belebung des Auftragsbestandes im Schneiderinnenhandwert. Der Haufierhandel mit billiger Fabrikware sowie das Wanderlagerwesen trugen ebenfalls zu einem Rüdgang der Nachfrage nach Handwertserzeugnissen bei.
Die Zahlungsweise der Kundschaft wird ständig schleppender. Es fonnte vielfach beobachtet werden, daß die Begleichung rüdständiger Zahlungen, die sonst wenigstens am Jahresanfang immer erheblich war, in diesem Jahr nur einen recht bescheidenen Umfang erreichte. Die Rohstofflieferanten nahmen im allge meinen Rüdsicht hierauf und gewährten den Handwerkern län gere Zahlungsziele, doch wird auch verschiedentlich berichtet, daß Lieferungssyndikate im Falle von Zahlungsverzögerungen rüdsichtslos Verzugszinsen erheben. Trotz der fürzlich erfolgten Herabsetzung des Reichsbankdistonts auf 5 Proz. fann von einer besonders günstigen Einflußnahme auf die Kreditverhältnisse des Handwerks vorläufig nicht gesprochen werden. Der Steuerdrud ist nach wie vor Gegenstand lebhafter Klagen. Die Ver sorgung mit Rohstoffen und Halbfabrikaten stieß im wesentlichen auf feine Schwierigkeiten. Die Preisgestaltung wies, von kleineren Schwankungen abgesehen, feine Aenderung auf. Nur für Holzpreise wird fast durchweg steigende Tendenz gemeldet. Neueinstellungen von Arbeitskräften erfolgten faum, Entlassungen waren mehrfach notwendig.
Endgültige Fristverlängerung für Steuererklärungen.
Wie nunmehr feststeht, wird die Abgabe der Einkommen- und Körperschaftssteuererklärungen in die Zeit vom 15. Februar bis 15. März verschoben. Nähere Bekanntmachungen erfolgen noch für die einzelnen Bezirke durch die Landesfinanzämter. Steuerpflichtigen mit umfangreicher Buchführung kann überdies noch gestattet werden, die Steuererklärung erst bis zum Ablauf des 3. Monats nach Ende des Steuerabschnitts einzureichen. Die Bermögenssteuererklärung für 1926 wird voraussichtlich erst im April abzugeben sein, da mit einem Erscheinen des Steuerfurs
Nr. 8.
zettels vor März nicht zu rechnen ist. Ausführliche Erlasse des Reichsfinanzministeriums zur Einkommen und zur Vermögens steuererklärung stehen noch bevor.
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Einsendung der Steuerabzugsbelege und der Steuer tarten für 1926.
Es wird nochmals darauf hingewiesen, daß bis Ende Ja nuar die beim Finanzamt erhältlichen Steuerabzugsbelege ein zureichen find, sofern im Kalenderjahr 1926 der Steuerabzus durch Ueberweisung an das Finanzamt erfolgt ist. Soweit Steuermarten geklebt worden sind, müssen die Arbeitnehmer angehalten werden, die Steuerkarte nebst Markenblättern bis zu diesem Termin an das zuständige Finanzamt einzusenden.
20jährige Gründungsfeier
des Hausbejizer- Vereins Gießen.
Am 23. Januar ds. Js., abends 8% Uhr, fand auf der Liebigshöhe nach vorhergehender Hauptversammlung die 28jährige Gründungsfeier des Hausbesiger Vereins Gießen statt. Der 1. Vorsitzende, Stadtverordneter Launspach, hielt eine der Feier entsprechende Begrüßungsansprache und warf einen Rüd blick auf die verflossene Zeit seit der Gründung. Um allen Mitgliedern einen Ueberblick über die Geschichte des Vereins zu geben, sollen die Ausführungen des Redners im Wortlaut wiedergegeben werden:
Sonnabend, ben 19. Februar
der Gründer vergessen werden, die schon
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fegnen. Es sind dies die Herren Dr. Küb Händler Kühn und Rentner Betri. Ehre ih Borstand gehören des weiteren an: feit 15 sahn, und seit 18 Jahren meine Wenigkeit ren gehören dem Vorstand teils seit 6, tei Die Zahl der Mitglieder betrug am 1907: 258, 1908: 420, 1909: 560, 1910: 575, 525. Am 16. April 1917 wurde in einer
Sejlus zur Errichtung einer Geschäfts am 1. Juli in dem jezigen Lokal dem Berke Die Einrichtung machte fich trok des Krie der Mitgliederzahl vorteilhaft bemerkbar, s
Mitglieder wie folgt gestiegen ift: 1918 auf 1920 auf 731, 1921 auf 918, 1922 auf 1068, 192 1067, 1925 beirug die Mitgliederzahl 964 un hand der Mitglieder wurde begreiflicherwe der Inflation erreicht. Als sich niemand m felbst zu helfen wußte, suchte man bei uns e Inflationszeit vorbei war und dadurch alles res Fahrwaffer gelangte, waren dieje Gin verschwunden, wie sie gekommen waren un eine Saat auszustreuen, doch ernten zu könne Als Vorsitzende haben seit dem Besteh 1907-1917 Herr Inderthal, von 1918-1919 and seit 1920 bis heute hatte ich die Ehre. Unsere Vereinsgeschichte läßt sich in zu gliedern. Der 1. Abschnitt umfaßt das Jah Aufbaues, der 2. der des äußeren Kampfes. ersten Abschnitt in ruhiger Weise sachliche A den konnte, mußte im zweiten Teil unserer G zur Abwehr geführt werden. 1908 schlossen tralverband an, während der Hessische Verb Leben trat, dem wir seitdem ebenfalls angeh Der 2. Teil unserer Geschichte fällt in di mit all seinen üblen Nebenerscheinungen
Meine sehr verehrten Damen und Herren! Es gereicht uns zur besonderen Ehre, den Hessischen Verbandsvorstand heute in unserer Mitte begrüßen zu können.f Es sind dies die Herren: Landtagsabgeordneter Haury- Darmstadt, 1. Vorsitzender unseres Landesverbandes, Lehrer Schöpp, 1. Vorsitzender des Schutz verbandes Mainzer Hauseigentümer, Ragel, 1. Vorsitzender des Hausbesitzervereins Offenbach, Stadtverordneter Steuernagel, 1. Vorsitzender des Hausbesitzervereins Bad Nauheim, und Ver bands Syndikus Ziegler Darmstadt.
Ich danke diesen Herren im Namen des Hausbesitzervereins Gießen, daß fie unserer Einladung gefolgt sind, um an unferer 20jährigen Gründungsfeier Teil zu nehmen. Ich hoffe, das die Gäste mit Befriedigung und der Ueberzeugung nach Hause gehen, einen frohen und gemütlichen Abend verlebt zu haben. Meine Damen und Herren! Es ist kein gewöhnlicher Tag. der uns heute abend auf der Liebishöhe zusammengeführt hat, um uns ein paar Stunden der Festfreude hinzugeben, sondern es ist ein Jubeltag, ein Tag der Freude für alle Freunde und Mitglieder des Vereins, gilt es doch, heute das Fest des 20jährigen Bestehens zu feiern. Indem ich Sie im Namen des Vorstandes herzlich begrüße und Ihnen für Ihr Erscheinen bestens danke, möchte ich Sie einladen, mit mir zusammenen einen Augenblick der Geschichte und dem Werdegang unferes Vereins zu folgen. Es ist eine Geschichte nicht ohne Leidens wege, die durch ungerechtigkeit und verbohrte Gesetzesmaß nahmen hervorgerufen wurde. Am 23. Januar 1907 wurde in einer im Hotel Schütz abgehaltenen Versammlung die Gründung des Vereins beschlossen. Zum Vorstand wurde berufen nach folgend benannte Herren: 1. Vorsitzender Fabrikant Inderthal, 2. Vorsitzender Rechtsanwalt Raab, 1. Schriftführer Kaufmann Ringel, 2. Schriftführer Fabrikant Silbereisen, Rechner und Kassierer Rentner Leo, Beisitzer: Architekt Hamann, Kaufmann Kann, Ingenieur Koch, Dr. Kubel, Buchhändler Kühn, Rentner Chr. Petri und Bauunternehmer Schneider.
Von den Gründern des Vereins gehören heute noch dem Vorstand an die Herren: Ringel, Silbereisen und Schneider, denen ich hiermit für ihre langjährige Tätigkeit den Dank des Vereins ausspreche. Es soll bei dieser Gelegenheit auch nicht
Retter der Armen auf Neuhof,
Prediger des Volkes in Lienhard und Gertrud, Zu Stans Vater der Waisen,
In Jferten Erzieher der Menschheit Mensch, Christ, Bürger;
Alles für andere, für sich nichts. Segen seinem Namen!
anlaßten die Uebertragung der äußeren Leitung der Anstalt an einen anderen Lehrer, was Pestalozzi außerordentlich fränkte. Er verlegte daher sein Institut 1805 nach Jferten. Hier stieg sein Ruhm immer mehr. Er galt als der hervorragendste In Burgdorf und Münchenbuchsee Gründer der neuen Volfsschule, Pädagog. Aus allen Ländern, selbst aus Amerita, tamen Zöglinge. Höchste Gelehrte, Beamte usw. besuchten ihn, auch Für sten, wie z. B. Alexander von Rußland, Friedrich Wilhelm III. von Preußen, der König Ludwig von Holland u. 1. f. Da aber zwischen den Lehrern Zwistigkeiten ausbrachen, die der große Pädagog nicht zu schlichten verstand, ging die Anstalt immer mehr zurüd. 1815 starb ihm auch noch seine Gattin, die ihm so manches abgenommen, so manches geschlichtet hatte. An ihrem Sarge nahm er bei der Schilderung der Tage der Not eine Bibel, drückte sie der Toten an die Brust und sagte: ,, Aus diefer Quelle schöpftest du und ich Mut, Stärke und Frieden." Sein Wahlspruch war: ,, Gott, Mut, Demut." 1825 löste Pestalozzi die Anstalt selber auf und zog sich zu seinem Neffen auf den Neuhof zurüd, immer mit Plänen zur Errichtung von Armenerziehungshäusern beschäftigt.
Am 31. Oftober 1817 hatte die Universität Breslau ihm, dem Manne ,,, der durch Lehre und Erziehung nicht bloß für sein Zeitalter, sondern auch für alle folgenden Jahrhunderte ein unauslöschliches und sogensreiches Verdienst sich erworben hat", durch Uebersendung des Doktordiploms eine besondere Freude bereitet.
In seinem letzten Lebensjahre besuchte der nun 81jährige die Waisen und Lehrerbildungsanstalt von Christian Heinrich Zeller in Beuggen. Als Willkomm boten ihm die Kinder das Goethesche Lied:
,, Der du von dem Himmel bist, Alles Leid und Schmerzen stilleſt, Den, der doppelt elend ist,
Doppelt mit Erquidung füllest.
Ach, ich bin des Treibens müde! Was soll all der Schmerz und all die Luft? Süßer Friede,
Komm, ach fomm in meine Brust!
Bewegten Herzens schied er von der Anstalt, in der er sein Werk und seine Gedanken vorzüglich ausgeführt fah. Bald darauf erfranfte er und starb in Brugg. Neben dem Schulhause in Birr bei Brugg fette man ihn bei. Sein Grab war 20 Jahre kenntlich. Am 12. Januar 1846 wurde ihm folgende Grabschrift lang nur durch einen Feldstein und einen weißen Rosenstod gesetzt:
Hier ruht
Heinrich Pestalozzi,
geb. in Zürich am 12. Januar 1746 geft. in Brugg am 17. Hornung 1827.
Zu Yverdon stellte man ihm 1890 ein prächtiges Denkmal hin, dessen Sockel die Inschrift trägt:„ Ich hab wie ein Bettler gelebt, um den Menschen zu zeigen, wie sie als Menschen leben sollen." Das Standbild zeigt den großen Mann, an den fich zwei verlassene Kinder, ein Knabe und ein Mädchen, schmiegen. Er legt segnend seine Hände auf die Köpfe der Kinder.
Sein bedeutendstes Wert, das man noch heute jedermann als Roman in die Hände drüden kann, ist„ Lienhard und Ger trud". Darin spielt sich eine Dorfgeschichte ab, in welcher Pestalozzi zeigt, wie durch die Veredelung einer Familie, herbei geführt durch die Rechtschaffenheit und Gottesfurcht einer Frau Gertruds, eine Wiedergeburt des Familienlebens, der Gemeinde, die vollkommen verwahrlost ist, und schließlich des Staates zu stande kommt. Weitere wichtige Werke find Christoph und Elfe" ,,, Abendstunde eines Einsiedlers",„ Das Buch der Mütter", ,, Wie Gertrud ihre Kinder lehrt", sowie„ Meine Lebensgeschichte" und, Schwanengefang", die letzteren wichtig für die Lebens beschreibung des selbstlosen und unermüdlichen Mannes. Eine ganze Reihe seiner Werke sind billig in den Reflam- Ausgaben zu haben.
Rietnachlässe usw. Nach Beendigung des durch die künstliche Niederhaltung der Mie hebliche Verschlechterung auf dem Wohnung die sowohl auf die Mieter wie Vermieter blieb. Die Wohnungen wurden fnapper, die im Sinten begriffen. Die Folge davon war, baute, zumal der Sozialisierungsgedanke imm gewann und am 1. Juli 1922 im Reichsmie dauerlichen Ausdrud fand. Aber nicht gen rechtung des Hausbesizes, es mußte auch no gesetz geschaffen werden, welches am 1. Okt trat. Die Folgen dieser verheerungsvollen, nahmen sind heute nicht nur jedem Haus ebenso hohem Maße auch jedem Wohnung heute dämmert es aber sogar selbst bei de es damals dunkel war, als wir unsere gegen solche Zwangsmaßnahmen erhoben, gen voraus sahen. Die Aufhebung dieser leight weniger eine Frage der Zeit als viel man fürchtet sich, Unrecht zuzugeben.
Am 15. April 1924 wurde auf Anregung mitgliedes Albin Klein die ,, Hess. Hausbesi Durch das Erscheinen dieser Zeitung haben Abwehr in der Hand und sie bildet auch gle rohr zur Uebermittelung der von den Orga Arbeiten für den Hausbesitz und hält alle Laufenden.
Meine Damen und Herren! Was in ten unserer Geschichte, an dem Ausbau un an Arbeit geleistet worden ist, und noch lann wohl nur der übersehen, der mitt teht. Aber eins wissen wir alle, wir kä Recht und haben den Glauben an unse
Damit möchte ich meine Ausführung bitten, dem nunmehr folgenden Teil Ihr Bevor wir jedoch zu Punkt 1 unserer Tag etteile ich unserm Verbandsvorsitzenden, ordneten Haury, das Wort.
Der Redner führte unter den üblich aus, daß er sich infolge Zeitbeschränkung Brogramm furz fassen wolle. Die kurzen, flangen dahin aus, einig und geschlossen zu stehen und zu folgen, da nur dadurch würde, die als wirksame Interessenvertre Zur Hauptversammlung übergehend Schriftführer Bausch den Jahresbericht, war, daß der Verein auch im verflossene an Mitgliedern zu verzeichnen hatte. worüber der Rechner Beder berichtete, crfreuliches Bild. Bei der Ersatzwahl tandsmitglieder wurden einstimmig wie Oberpostsekretär Bausch, Kaufmann Stad Silbereisen. Für Herrn K. Hahn, der Biters auf eine Wiederwahl verzichtet h infpelior Mattheis gewählt. Begrüfungsansprachen wurden von ften und Vorsitzenden der Vereine Mai Shopp, Offenbach durch Herrn Nagel, Herrn Stadtverordneten Steuernagel ge Hierauf begann der festliche Teil, de Ken und gefanglichen Darbietungen als einen war. Daß die Feier bei allen friedigung gefunden hatte, zeigte sich b teiligung am Tanze, der Alt und Jung b tunde zusammenhielt und wobei des öf fielen, ein solch schöner Familienabend mal veranstaltet werden. Der Prolog, verfaßt von dem Bor wald und gesprochen zu Beginn des festlic von Herrn Kurt Richter, hat folgenden 2 Willkommen, liebe Freunde, will Willkommen Willkommen, wad're Streiter für un Seut' werden nicht die Klingen der Mit Freuden und mit Singen wird he Seat find es zwanzig Jahre, daß wi
Es fann nicht im Rahmen dieses furzen Auffakes liegen, die Gedanken und Anschauungen Pestalozzis ausführlich darzu legen, aber hervorgehoben muß die ungeheure Befruchtung wer den, die das Gesamterziehungswesen durch ihn erhielt. Er wird mit Recht der Herold der Mutterliebe und Mutterweisheit ge nannt, denn er sagt:„ Ich will die Bildung des Volkes in die Hand der Mutter legen." Die Hebung des Familienlebens ift ihm einer der Hauptstützpunkte zur Besserung der sozialen Zu stände, was ja auch für unsere heutige Zeit gilt. Seine Bäde gogif ist von edelstem, sozialem Geist durchbrungen. Trot eigener tiefreligiöser Einstellung betont er vielleicht das pofitiv- chriftliche Element etwas zu wenig, doch mag dies auf die zuführen sein. Einflüsse des in Frankreich tätigen Reformers Rousseau zurüd
In dem Buche ,, Abendstunde eines Einsiedlers" fagt er über das Ziel der reinen Menschenbildung:„ Gott als dein Vater; in diesem Glauben findest du Ruhe und Kraft und Weisheit, die feine Gewalt, fein Grab in dir erschüttert." Wahrlich ein Wort, das sich tief in unsere Bruft eingraben möge! 6.


