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15. Dezember 1927
Samstag, 17. Dezember 1927
Verwaltungsfuriositäten.
Folgen der Kleinflaateret.
Einer Zusammenstellung von Berwaltungsfuriofitäten„ Um Rhein und Main" von A. Weigel in Frankfurt a. M. entneh men wir folgendes:
Stadtverordneten Moosdorf hinein, ide gehend, der Mittelstandspartei unjogin f. Dabei machte er die uns ganz underin wenn seine Fration geahnt hatte, bah den Antrag des Finanzausules mi en sie in diesem Ausschuß noch viel weit gestellt. Stadtverordneter Nicolaus m
en Anfeindungen, daß er fein Recht habe,
Infolge der ungünstigen peripheren Lage Darmstabis zu ben brel beffischen Provinzen finden die gemeinsamen Tagungen der politischen Parteien und Wirtschaftsverbände in der Regel außerhalb der Hauptstadt Sellens, nämlich in Frankfurt a. M., tatt. Ein Frankfurter Gafthof: 3um Storden", genoß be zeits früher infolge seiner Beliebtheit für helische Zusammen
urteilen, energisch zurüd, betonte noma fünfte ben Ruf der Exterritorialität" als hessisches Hoheitsge
Dürftigen diese Gelder gern zulommen Aufgabe aller fei, zu überlegen, und zwar on Tittel ohne Bergrößerung des Hädilen 2 feien.
enden Abstimmung wurde ber Antrag& der Mittelstandspartei angenommen, bet Finanzausschuß überwiefen. Bother wa
Sjungitüden in 30 gleichen Jahresraten ban
Frankfurt a. M., mit Umgebung, eine Siedlung von rund 700 000 Menschen, hat sein Landesfinanzamt in der 150 Km. entfernten Stabi Raffel. Für die hessischen Bozorte Frankfurts i hierfür außerdem noch Darmstadt zuständig. bas obendrein con leiner Broving Oberhellen vollfommen getrennt fiegt.
Die Bahnmeisterei Goldstein bei Frankfurt a. M. ist tele
Wenn ein Frankfurter Sauerkraut und Gurtenfabrikant
2. Blatt der Gießener Zeitung
Ridda. Das hiesige Sägewert der großen Holzfirma 3.6im. melsbach hat rund 30 Arbeiter wegen Auftragsmangel entlassen. Unter den arbeitslos gewordenen Leuten befinden fich euch Männer, die schon mehrere Jahre in dem Wert beschäftigt waren.
Dillenburg. Durch einen frühzeitig losgegangenen Spreng. Juk verunglüdten auf der Eisensteingrube Laufenderstein" im Kreise Dillenburg die Arbeiter Rudolf Greeb und Wilhelm Weil, beide von Frohnhausen. Beide Bergleute wurde in schwer verlegtem Zustande dem Städtischen Krankenhause in Dillenburg zugeführt, doch besteht Lebensgefahr für die beiden nicht.
0120 000 Rmt. zur Verfügung gestellt erreichen. Warum? Well Goldstein zur Eisenbahnbirektion hne Debatte angenommen worden, na ba phonisch über die Eisenbahndirektion Frankfurt a. M. nicht gu nleihegläubigern Anleiheablösungsstüde m Mains gehört. Also hier ift ein Ferngespräch über Eisenbahnzu einem Satz von 12% Prozent zurida bireftion Mainz als Vermittlungsstelle erforderlich für einen Auswertung der Stabtanleihen von 12% Ba Ori, bez unmittelbar por Frankfurts Etabitoren gelegen ist. werden soll. Altbefizer, deren Anteile eine Runden in der näheren Umgebung mit Waren versorgen on weniger als 500 M darstellen, ist auf will, bezw. ihren Bedarf feststellen will, lo muß er hierfür Barabfindung von 12% Prozent zu gewähre nier Telephonverzeichnisse haben, da die Vororte Vilbel und her, deren Jahreseintommen 1500 Smt. ni lenburg der Oberpostbireftion Darmstadt zugeteilt sind, die Abfindung auch für die Anleihefcheine Fechenheim und Bergen- Enfheim der Oberpofibireftion& affel alten. Im übrigen stimmte das Plenum de Stahl bei Hanau der Oberpostdirektion Würzburg und die , die sich jetzt, nach Ablauf der Antragsfrit anderen westlichen Vororte Frankfurts der Oberpostdirektion
falls zu berüdfichtigen sind.
eren Tagesordnung vermerten wir noch a
Interesse, daß unter Bunft 8 der Umemes firchen zählen zum Oberlandesgericht Frankfurt, besgleichen ,, An der Warte" in Röntgenstraße" ug Dillenburg und Hechingen( Hohenzollernlande), eine Zuteilung,
Frankfurt unterstellt sind.
Die zur Rheinproving gehörigen Kreise Neuwied und Alten
Frontfoldaten.
Nr. 51
Sein Millen: Ein Unterstand im norbersten Graben: 9 Mann drinnen. Schwache Dedung, dide Luft, slechter Gra ben, noch schlechtere Berpflegung. Schwerer Affe, die fleine Beriba" auf dem Aft, am Hinterquartier und Bündel norne die Patronenialchen, Handgranatenlad um den Hals, zerschliffene Uniform und die Aussicht auf den Schnitter Tod- das Milieu! Und nun: heraus aus dem Millen! 10 Uhr steht die Feinbpatrouille am Sappentopf. Adfefflappen ab, Mike, s Handgranaten und Gewehr!" Go hat's oft genug geheiken. In der Dunkelheit nor einem, faum erkennbar, Trichter an Trichter. Weiter, gegen den regnerischen Nachthimmel foum
Michelstadt i. Obw. Ein hiesiger Bierfahrer wurde auf der Heimfahrt von einer Frauensperson mit einem Korb im Arm gebeten, sie auf dem Wagen mitfahren zu lassen. Nach einiger Zeit schöpfte der Fahrer Verdacht, daß es sich um einen verfleifistbar, eine Bappel und dort eine Ruine. Und jekt fängt's defen Mann Handele. Er warf seine Beitsche vom Wagen herun ter und bat bie Person, die Beitsche aufzuheben. Als sie abgeStiegen war, fuhr er schnell davon. Der Korb auf dem Wa. gen geblieben; er enthielt, wie später festgestellt wurde, zwei gelabene Revolver.
Bohwinkel. Hier wurde die Tochter eines angesehenen Bür gers, die Kinder befreundeter Familien als„ Nikolaus“ be glüden wollte und in entsprechender Verkleidung auf die Straße fam, von Polizeibeamten festgenommen und unter dem Geleite pieler Kinder zur Wache gebracht. Dort mußte sich das Mädchen Jeiner Verkleidung entledigen und im Unterrod darauf warten, daß ihre Schwester die erforderliche Zivilfleidung" bringe. Die Bolizei hatte zugegriffen, weil sie unter der Verkleidung einen der noch nicht gefaßten Ausbrecher aus dem Elberfelder Bo lizeigefängnis vermutete. Die Verhaftung rief unter den Kin dern Vohwinkels großes Wehrlagen hervor, da sie wirklich glaubten, der Nikolaus Jei von der Polizei festgenommen wor ben und tonne nun nicht bescheren.
Rüsselsheim. Ein trostloses Bild der Mietverhältnisse in den Gemeindewohnungen entrollte sich in der letzten Sigung des Ge meinderates. Wie in dieser Sigung verlautete, sind dort die Mietsrädstände in den Gemeindewohnungen auf über 8000 Rm.
gen die Stimme des tommunistischen Slab welche auch bei der Organisation der Arbeitsgerichte größtens angewachsen. Das Gleiche gelte bezüglich der GemeindesteuerGießen zu gern mit einer Bebel. oder Lies tells beibehalten wurde. Für die östlichen Borotte des zum it hätte. Unter 12 und 13 wurde die Regierungsbezirf Raffel gehörigen Landeskreises Hanau ist fer
Rüdstände.
Jahr 1925 des städtischen Gaswerts und bener bas Oberlandesgericht Kassel zuftändig. Go gehört lungen vorbereiteten Eingemeindungsverträgen mit der Stadt
Beanstandung zur Kenntnis genommen.
: Erhaltung alter Fachwerksbauten, wut Höchst und Königstein unterstehen dem Landgericht Wiesba und aus dem Plenum heraus gebeten, ein ben, während Homburg und Ufingen zum Landgerichtsbezirk Diesen 3wed im nächsten Haushaltsplan Deranffurt gehören. Für alle hessischen Bororte Frankfurts
Fechenheim zum Landgericht Hanau. Die Amtsgerichte von
16e wurde Beschwerde geführt, daß nu
Derholten Fällen für Kabelverlegungsarbeiter prechenden Landgerichten in Gießen und Darmstadt.
it das Oberlandesgericht Darmstadt zuständig mit den ent
oberen Bahnhofstraße die Weihnachtszeit be Schaden der anliegenden Geschäftsleute anb
Besser wie hier lönnte das machtpolitische Divide et impera
in einem wirtschaftlich eng Derflochtenen Gebiet sicherlich nicht
Fremdenverkehrs. Die übrigen fünf Puntte burchgeführt werden.
ell. Zum Schluß tam vom Stadtverordneten Die Anregung, infolge bez manchmal beängt erhältnisse recht balb eine Verbreiterung 1 Bahnhof bis zur Liebigstraße vorzunehme
Horn sprach, gleichzeitig als Vorfigende
verbandes, die Hoffnung aus, seiner Bith zigung des Lichtstrompreises für Geschäfts
en, da die dem Fremdenverkehr nur bienlid Geschäftsleute außerordentlich belaste. Ihm adtverwaltung zugefagt, daß man beabsichti De Preise zur Geltung zu bringen: Preis fü = am Tage: 10 Pfg., von 5-7 Uhr 45 h.
fg.
Stadtverordneter Nicolaus die Stadto fgefordert hatte, durch öffentliche Bekann Slferung Gickens auf alle Fälle mitzuteilen, 3ufunft Straßenreinigungs- und Mülla à Teile mitzutragen hätten, wurde die öffens ühr geschlossen. 98.
e am Sonntag, 18. Dezember. Am Sonning
e Batetannahme des Poftamts 1( Bahnho und von 14-18 Uhr geöffnet.
2( Schulstraße) bleibt geschlossen.
g der Kaminfegerbezirke in der Stadt Gießem zrt ist dem Kaminfegermeister Georg Reil eteilt und umfaßt den südöstlichen Stadtte zur Hälfte durch die Frankfurter- Straße anlage.
Aus Nah und Fern.
Klerte eine Soufiererin. Da ihre Bapiere nicht in Ordnung waren,
Saalen. Der Wachtmeister Schabe aus Reiskirchen fontrol.
Bebeutete er der angeblich Taubftummen, daß sie ihm auf das
Boligelami folgen müsse. 3ut Ueberraschung des Beamten fing
The plöglich unter Tränen an zu erzählen, daß sie die falschen Pa piete von einem polnischen Juden in Frankfurt gekauft und als Taubtumme bequemen Absatz für ihre Waren gefunden Bätte.
Steinfurth. In starter Erregung befinden sich zahlreiche Landwirte unseres Rosendorfes. Ein großer Teil der Baron Roem'schen Neder, die in den Inflationsjahren an hiesige Landwirte verfauft wurden, sollen mieder zurüdgegeben werden, da es fich bei den Ländereien um Fideilomißbesit handelt.
Grüner Rasen Blaue Wellen.
Roman von Otto von Gottberg. 14. Fortsetzung
Frankfurt a. M. Der Magistrai hat den in langen Verhand Höchst und der Gemeinde Nieb zugestimmt. Die Verträge werden nunmehr der Stadtverordnetenversammlung zugehen.
242 Rundfunksender in Europa. Wohl taum eine Erfindung ist in so furzer Zeit eine so weite Verbreitung beschieden gewesen, wie dem vor Jahren faum in Fachkreisen bekannten Rundfunt. Millionen von Hörern gibt es in allen Weltteilen. Allein in Europa stehen 242 Sender. Aus dieser gewaltigen Zahl fann man ersehen, wie verbreitt schon das Radio ist
Am 22. Dezember erwarteten die vier Kurt auf dem Bahn Hof. Elisabeth blieb nicht neben den Verwandten an der Sperre, Sondern lief dem aussteigenden Better entgegen. Gar zu ver gnügt tonnie er lachen! Die ihn mit Surra begrüßenden Neugierigen aus Trebbin ficherten, als er ihnen in urfomisch geheu helfer Berlegenheit abwinfte. Auch fragte er nicht erft, ob er eine Rufine tüssen dürfe. Mitten auf ihren Mund drüdte er ben herzhaften lauten Schmah, der neuen Jubel wedie. Als jei der Kuß nicht genug oder schnell vergellen, gab er ihr einen weiten, als er den Onfel, Tante und Gerda umarmte. Ein Rattlicher breitschultriger, doch gar junger Seemann und Ritter hes Ordens Pour le mérite, ging er dann zum Wagen. Der Dolch hing über dem blauen Baletot. Aus flarem Augenweiß ber frischem Wangenrot Jah er auf die ehrerbietig grüßenden Menschen herab. Da dröhnte wieder ein Surra aus hundert Rehlen. Jekt hob er die Hand im weißem Leder zu gemessen höflichem Dant, als sei er Suldigungen gewohnt. Als die drei Damen schon im Wagen saken, liefen Mädchen mit wehenden Taschentüchern herbei. Der Schelm zudte wieder über sein bart Loses Gesicht, und laut rief er den Onfel an: Bin doch ein Bechvogel und immer sicher, mich nur mit der Gabel auf der Straße zu finden, wenn's endlich Suppe vom Himmel regnet. Da machen fie einem mal schöne Augen, aber zufassen is nich, meil Tante und die Kusinen dabei sind!"
Lachen und Hurrarufe flangen noch dem anfahrenden Wa gen nach. Im Sof trat er mit gut gespieltem Ernst vor die war tenden Leute und hörte aufmerfiam die Rede eines Alten, Doch auf seinem Rüden machten die Finger seiner Rechten den Ver wandten Männchen, als wolle er sagen: Nehmt ihr mich nur nicht ernst, denn ich bleibe euer fideler Reffe und Better Kurt!
it dem Kaminfegermeister Alexander Takacs eilt und umfaßt den nordöstlichen Stadttel traßengrenzen. Dazu gehört noch die Marbus e in dieselben einmündenden Straßen. iversität Gießen hat sich eine Bereinigun Studenten gebildet, der sämtliche Auslands er Universität angehören. Der 3wed des 3 die enge Fühlungnahme untereinander zu chtums. die enge Zusammenarbeit mit der min.lirnen und die Mitarbeit im Berein f Auslande. Die Vereinigung wird fich den slandsdeutscher Studierenden in Leipzig an nlassen der Kreise Gießen, Friedberg un en die Bildung einer Arbeitsgemeinschaft ntsprechende Fürsorgetätigkeit für die Verh hen. In diesen Tagen fanden hier die erftes tatt, ferner wurden informatorische Bespre Rrantenfaffenvereinigung Mainz und Umge bei deren vorbildliche Einrichtung die Grund ion bildeten. Ein Zusammenarbeiten im J rten wurde allgemein als unumgänglich nah Man hofft, die Verhandlungen baldmöglicht en beefriedigendn Abschluß führen zu können
Dann räusperte er sich zu einer Antwort, und sein marmer Dant hallte in bescheidenen Worten laut über den Hof. Bei Tisch ließ er sich zwar zum Erzäählen nötigen, aber unterbrach das Schildern von U- Boot- Fahrten mit Schnurren und Scherzen. Die vier lachten noch, als von einem Nachbargut der alte Herr Don Günderode am Fernsprecher fragte, wann er mit den Seinen Besuch machen dürfe. Die Damen wollten doch den Seehelden" fchen. Am Abend tamen ähnliche Fragen von anderen Gütern. Gerda übernahm das Antworten, aber lonnte ihren Merger faum meistern. Als Werner hier von Krankheit und Verwun dung genas, erlundigten sich Nachbaren allenfalls bei zufälli gen Begegnungen nach seinem Ergehen. Kennenlernen wollte niemand ihren tleinen Soldaten, der doch tren und brav seine Bilicht getan hatte.
Premierleutnants sahen gern ihr neues Heim von den Nach barn gesucht, und Elisabeth jubelte, als der Ontel Karl fi entschied, zu Ehren des berühmten Gastes nach Weihnachten ein Fest mit Nachmittagstee für etwa hundert und Abendessen für dreißig Geladene zu geben. Tante Bärbchen legte die Vorberei
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an zu regnen. Aber nun los! Und 20 Minuten später liegt man vor dem feindlichen Drahtnerbau. Stundenlang alleine in dem Loch; man verkrümelt die Erdbroden und stiert in die Schwarze Nacht. Drüben- faum fünf Meter weg- steht einer, der seine schlafenden Kameraden bewachen soll. Den fall man nun schnappen. Ob wohl rechts und links die Rameraden noch da find? Mal die Leuchtuhr aus der Hosentasche vorsichtig nach den Augen geschoben da, verdammt, jett fängt. faum 10 Meter nach links weg, ein Maschinengewehr an zu[ puden! Den Kopf ins Loch, er ist nicht fugelfeft! Nur Etimmen, bann Ruhe. Der Schüte ist wohl angepfiffen worden, well er„ Ge Spenster" gesehen oder gehört. Und doch hatte er Recht: die Ge Spenster liegen vor ihm in den Löchern! Da fommt's am Drahtvethau entlang! Stimmengewirr ud Gestalten. Donner schlag, die müssen uns leben! Richtig, schon tommen non fints Rieseberg und Teig wie Schlangen an. Wie sie auf zwei Me ter heran sind. Sandgranaten dazwischen und dann brauf! Es gibt nur noch diese einzige Möglichkeit. Und nun sind sie da! Eine zurüdfehrende Feindpatrouille. Seig und Rieseberg feuern die Pistolen ab, und wie wilber Sput frachen drei Handgranaten dazu. The der Feind richtig weiß, was los iſt, ſtil zen sich zwei Mann auf eine zusammengefunkene Gestalt und im Schweinsgalopp geht es dem eigenen Graben zu.„ Wir haben einen geschnappt!" Der arme Teufel ist noch ohnmächtig, aber underlegt.
tungen in Gerbas Hände. Wenn sie zu Blumenhändlern und 3uderbädern oder zur Bestellung bei Borchardt nach Berlin fuhr, blieb Elisabeth allein mit dem Better, dem Onkel Karl freudig die sonst geschonten Pferde zum Schlittenfahren gab.
Für den Sonnabend der Feier ließ Gerda im Festsaal die sechs Fenster an der Rüdwand und die beiden nach dem Garten zum Lüften öffnen. Am Morgen überwachte fie das Deden ber großen runden Teetische in den vier Eden. Zwischen den beiden Seitenfenstern fand der Flügel und an der schmalen Wand gegenüber ein langer Tisch als Büfett zwischen Kübelp lanzen Blak. Sige boten Stühle, Sessel und Sofas unter den Fami lienbildern an der fensterlosen Längswand.
Schon zum Mittagellen famen brei Damen, die Tante Bärbchen an je einem der Tische vertreten sollten. Der ihre stand in der Fensterede an der Gartenwand und gegenüber der von Frau D. Günderode, einer Siebzigerin, die nicht nur nach ihrem und ihres Mannes großem Beesik als erft Dame des Kreises galt. Stets fleidete sie die noch mäbchenschlante Figur in schwarze Seide und trug heute am Sals die bis zum Gurt hängende Schnur ihrer großen prächtigen Berlen. Ueber dem Feficht von noch natürlich frischer Farbe lag die hohe Welle von schneeweil sen starken Saaren, die eins wie das andere gefämmt und ge glättet schienen. Das mehrte den Eindrud peinlichster Pflege und Sauberkeit. Doch die von vielen gefürchtete große Dame war nicht nur von Erscheinung ohne Fehl und Tadel. Thre Anfunft bei Gaftereien erzwang mit Ehrerbietung auch peinlichste Wah rung guter Formen, obwohl fie oft Herren zum Trinten anteate. Bei guter Laune leerte fie während einer Mahlzeit zwei- Onfel Karl meinte brei- Flaschen schwersten Buraunders, stand dann beim Kaffee und Kirsch nüchtern wie ein Probst vor der Margenmesse, in fluger Unterhaltung auf den Füken, bis die Wagen porfuhren, hielt mit eigenen Sänden während brei Stunden die Zügel und trat in ihr Heim mit der schneeweißen Tolle, so glatt, als habe die Jungfer eben erft Saar neben Haar gelegt
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Jm Tagesbericht aber steht: An der übrigen Front nights neues!"
Für den zweiten Tildy tam& rau Alegandra don Friese, die Gattin des Landrats, mit ihren Töchtern Elly und Bernhar dine. Die jungen Damen mehrten bei eifrigem Malen und Feftkleider des letzten Vortriegsjahres schienen darum schon wieder zu eng.
Ein anderes Milieu! In der Heimat am Stammtisch! Schon wieder nichts neues" an der Front! Da haben es unsere Soldaten ja eben gut!
Und dann: Loslösung vom Milieu!
12 Uht Ablösung und Marsch ins Ruhequartier für 8 Tage wenn nicht alarmiert wird! Und es regnet, regnet schon seit drei Tagen! Und nun durch den Schlamm und das Sperrfener zurüd! Allerhand heute Nacht! Die Stiefel widelt sich I Vorsichtige oben noch etwas zu, man weiß ja Bescheid. Und nun wird getippelt, erft ne Stunde hintereinander über Gro bent, Draht, Trichter, Wassertümpel- patsch, liegt einer brin!- immer noch hinten. Und da wollen die Beine mit. An en hängen die Stiefel und an denen der Dred. 1100mal gilts bie Floffen zu heben pro Kilometer; das sind bei 28 Rm. 25 500im Dred! Dann ist man daheim im Baradenlager. Sunbefalt, patschnak und fein Feuerhols.
Königin und Augenweibe des lekten Tisches sollte die verwitwele Frau Mechthild von Dieshofen sein. Jest faum Dreißigerin, wat fie doch schon seit sieben Jahren Herrin von Schloß Fernblid, das sie aus dem Vermögen ihres verstorbenen Mannes nur mit dem großen Bart, aber ohne das Gut getauft hatte, um ganz dem geselligen Bertehr mit Nachbarn zu leben. Ben Freitag rend bis Diontag Morgen aller Wochen jah die eigenarta jhne ine nit ten tie blauen langwimprigt. Augen stets Gäfte in ihrem Haus. Bon den Männern follien Diele versucht haben, für immer zu bleiben. Doch noch war die Schloßfrau von Fernblid allein. Die einen nannten fie talt, die andern ehrgeizig. Damen meinten, fie warte auf einen außerge wöhnlichen Mann, vielleicht einen bez Helden des großen Krie
ges.
mal
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Schichal des Frontsoldaten, nicht immer, aber in 85 Don 100 Fällen!
Das war in einer Zeit, als in Deutschland noch Sochbetrieb in den Cafés herrschte bei Licht und Wärme
Freund.
Rach vier Uhr fuhr die Menge der Gäfte vor. Bald drängte ein bunter Schwarm junger Frauen und Mädchen Rurt Dremig von der Mitte des Saales gegen die Seitenwand beim Flügel Die Damen wollten vom U- Boot- Leben hören und willen, mie er feindliche Schiffe belauere und beschleiche. Bergeblich mehrie er ihrem Schmeicheln und Fragen.. Frau v. Günberobe forderte endlich, er solle den Neugierigen einen Vortrag halten: bren Arm, lieber Herr von Drewig", fagte sie auf ihre gebieterische Art.
Er mußte fich gehorjam verneigen. Die alte Dame führte ihn vor den Flügel und brehte sich mit ihm zu den Gästen. Das Klappern von Tellern und Tassen schwieg wie das Murmeln und Lachen, ehe sie die Stimme erhob: Unser Held hat das Wort."
Schnell ließ sie ihn allein und ging mit gemellenen Seit ten zu ihrem Tisch. Ein Lachen aus hundert Stehlen ließ fie ftut zen und zurüdbliden. Herr v. Drewig faß am Flügel Seine Finger schlugen auf die Taften. Mit ungeschulter Stimme sang er laut und luftig:
Du mein Wehhaven am Jahbeftrand!"
Jubel und Handeflatschen erftite die nächsten Berse. Er mußte faft schreien:
Junge hier möcht' ich begraben sein,' graben fein, Zunge was ist das hier schön!"
Während lärmender Beifall dankte, ging er an einen Wal zer, und wie aus einem Mund flog zu ben eben aufflammenden Lightern von allen Mädchenlippen der Wunsch:„ Tanzen!" Wer spielt?" fragie Frau von Dieshofen.
3m lindenblütenfarbenen Moiréfleib mit weißen Spiken und Chiffon, eine maftrofa Rose am Gürtel, Stanb fie schöner als je neben dem Ehrengast. Ihre langen Wipern blinften, und ihre dunklen Augen warben, als habe sie mit einem Tänzer endlich auch den gesuchten Helden gefunden.
Elln von Friese bat Dremik, aufzustehen, und nahm am Flügel Blay. Frou non Dieshofen vertrat Rurt faft den Weg. Doch lab er an ihr vorbei durch Duhende von Mäbentonlen, bis er Elisabeths braune Augen fand. Leicht hob er dos Rinn, und während Fräulein von Friele anschlug Sie machen euá Romplimente und flechten euch Rosen ins Saar".[ libberten beibe einander zu und als erftes Paar in den Tanz
Wie er zu gleiten, zu fliegen verftand! Go leicht und fiber, mit so fanfter und fester Sand, von der ein marmes Riefeln in die Abern rann, hatte no fein Tänzer Elisabeth geführt. Ihre Füße Streiften laum die Dielen. Wie auf Flügeln me bend, bloß fie die Augen im unwilltürlichen Wuni, fi ihm ganz fallen zu tonnen- immer, immer, in Ewigleit. Er fand fein Ende, als ihr der Atem berging. Sie rang nach Luft und wollte ruhen. Doch schön blieb das Rieseln im Blui, bas Schwindeln im Kopf, bas Gleiten in seinem Arm. Wie aus ber Ferne tlang Jein Lachen in abgerissene Worte: Du- passen zufammen mit beide famos was? 3mmer so nicht
wahr?
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Ja, das wäre herrlich"
Fortsegung folgt.
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