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Sonnabend, den 14. Mai 1927.

Bolte noch ein guter Geist herrscht mit dem Grundsay: Das Baterland über der Partei! Der Sprecher der sehr zahlreich herbeigeeilten Saarländer, ein ehemaliger Husarenoffizier, hat mit seinem Dant und seinen verständnisvoll aufgenommenen Grüßen turz und bündig so recht vom Herzen zu Herzen ge­sprochen, und seine Worte:

,, Deutsch war die Saar, Deutsch ist die Saar,

Deutsch bleibt die Saar!"

wedten stürmische Begeisterung herauf, so daß noch lange nach dem offiziellen Programm die Tausenden der Festteilnehmer, da auch das Wetter am Abend jehr schön war, in der Halle und auf dem Festplatz aushielten, wobei das Wiedersehen der Kameraden immer mehr gefeiert wurde.

Der Offenbacher Bertreter, Kamerad Philipp Best( ehem. Garde- Dragoner Nr. 23) überbrachte am Samstag Abend jol­gende Grüße:

Was uns heute alle das Herz jo jehr bewegt als ehe­maliger Kavallerift, das ist die Erinnerung an unjere ehem, stolze Kavallerie. Es ist ohne Zweifel für uns ehem. Kavalleristen ein Bedürfnis, daß wir uns einmal zu jammenfinden, um uns die Hand zu brüden und in die Augen zu sehen. Das Zusammengehörigteitsgefühl ist es, was uns jo lebhaft erinnert an jene Stunden, wo die Einigkeit uns umschloß, wo wir Freud und Leid gemein­jam teilten, und wir uns innerlich verbunden fühlten burch das Band der Soldatenzeit. Was wir alles in un jerer Dienstzeit erlebt, gesehen und gehört, das wird in uns fortleben und lebendig bleiben, so lange wir leben, ich darf Sie nur erinnern an die großen herrlichen Kavallerie exerzieren 1890 bei Meg unter Führung E. Erz. Kavallerie inspetteur Grafen v. Belletnarpon, bann 1892 bei Trier. jedoch das größte Erleben war der Weltfrieg. Liebe Kame raben! Aus all biefem haben wir ein Recht, daß wir uns zusammenfinden, und diejes Recht lassen wir uns nicht nehmen, und wenn die Welt voll Teufel wär' und wollte uns verschlingen, jo fürchten wir uns nicht so sehr, wenn wir uns wiederfinden. Gestatten Sie mir nun, Ihnen eine Rezitation vorzutragen: die Erinnerung an unsere schöne aftive Dienstzeit.

Wohlauf, Kameraden, gedenkt ihr noch,

Wo frei unser Raden von fremdem Joch,

Da wir ritten mit unjeren Fähnlein stolz,

Ueber Stod und Stein, durch das grüne Holz!

Hei, wie die Helme blinkten und blikten,

Wenn wir durch Busch über Hügel flikten;

Wie wurde das Herz jo froh, wie wurde das Herz so weit,

Als sollt es so bleiben in Ewigkeit.

3m ganzen Reiche wohlbekannt

Die stolze Kavallerie von Land zu Land; Wir stritten mit Ehre und Ruhm für's Reich, Fürwahr, es tam uns so bald feiner nicht gleich. Und müßten wir wieder zum Kampf hinaus, Auf, Auf, Kavalleristen, zum Sturmesgebraus! Da bleibt auch fein einziger nur zurüd, Vertraut eurem Stern nur gutes Glüd.

Mit Hurra und Hujja die Lanze geredt

Und mitten dem Feinde ins Herz gestedt,

So würd's ihm gebühren nach Schande und Schmach,

Dem unser Deutschland so unwürdig erlag. Doch bleibt auch nur die Erinnerung an früherer schöner Wir waren Kavalleristen und sind es noch, Und immer zur Wehr bereit!

[ Zeit,

Wir waren Kavalleristen und waren stolz auf diese Ehr', Wir dienten gern dem Vaterland zur Wehr; Wir dienten gerne, gehorjam, treu

Und wahr; dies sei auch heut unser Bekenntnis auf's neu. Liebe Kameraden! So lassen Sie mich in dieser erhebenden Stunde den einen Wunsch noch aussprechen: Und so möge ein gütiges Geschick es fügen, daß wir alle es noch einmal erleben dürfen, daß unsere stolzen Kavallerie- Regimenter wieder erstehen möchten in ihrem früheren Ruhm und Glanz. Das walte Gott!"

Am Montag, dem 3. Festtag, wiederholte sich in der Fest­halle dasselbe Programm vom Tag vorher und zwar vor wiederum vielen Tausend Zuschauern, obgleich die allermeisten auswärtigen Festbesucher bereits abgereist waren. Auch ein Be­weis, daß die Bevölkerung an solch einem Fest volle Freude hat.

Hindenburgs Dank.

Auf das an den Reichspräsidenten von Hindenburg gerichtete Begrüßungstelegramm ging bei dem Vorsitzenden des Festaus­schusses, Kamerad Franz Soldan, folgendes eigenhändig unter­zeichnetes Antwortschreiben ein:

Sehr geehrter Herr Soldan!

Herzlichen Dank für Ihr freundliches Begrüßungstele­gramm vom ersten Westdeutschen Kavalleristentag.

Mit kameradschaftlichem Gruß: von Hindenburg. HEIRAT!

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Mit dem 1. Westdeutschen Kavallerijtentag, der allen Teil­nehmern in allerbester Erinnerung bleiben wird, war zugleich der diesjährige

Regimentsappell des ehem. Kurmärker Dragoner­Regiments Nr. 14

verbunden. Darüber wird folgendes berichtet:

Jm reich geschmüdten Saale des Gasthauses 3ur Lie­bigshöhe war Samstag, den 7. Mai 1927, das erste groje Treffen der Angehörigen des ehemaligen Kurmärker Dra­goner Regiments Nr. 14, die sich wie so viele andere ehe maligen Soldaten eines Regiments ebenfalls zu einem Berband zusammen geschlossen haben. Das Regiment stand jeit seiner Gründung am 5. Rovember 1866 schon immer auf exponiertem Poften; anfangs verteilt in den vier kleinen Orten Gostyn, Kozmyn, Pleschen und Ostrowo an der russi­schen Grenze und seit dem 5. April 1871 in Colmar i. Elsaß in Garnison. Es wurde gebildet aus der 3. Eskadron des West­preußischen Küraffier- Regiments Nr. 5, der 2. und 6. Eskadron des 1. Schlesischen Dragoner- Regiments Nr. 4 und der 5. Es­fabron des Leibhujaren- Regiments Nr. 2. Mit diesen 4 Eska­dronen rüdte das Regiment im Juli 1870 ins Feld und nahm unter Führung des deutschen Kronprinzen ruhmreichen Anteil an den Schlachten bei Weißenburg. Wörth, Sedan, Orleans usw. Durch unerschrodene Tapjerfeit zeichnete sich Rittmeister Don Massow von der 1. Estadron aus. Derselbe nahm, nur von seinem Trompeter und zwei Ordonanzen umgeben, den ganzen Stab nebst Kommandeur der Kavallerie- Division des 5. französischen Korps, General Brahaub, gefangen. Durch den Schmachfrieden von Versailles wurde auch das Kurmärkische Dragoner Regiment Nr. 14 aufgelöst. Es lebt als Erinnerung in der 4. Eskadron des 7. Reiter Regiments in Lübben weiter. Diese turze aber ruhmreiche Geschichte läßt es verstehen, daß

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die ehemaligen ,, Kurmärter" in großer Schar aus allen Gegen­den des Reichs dem Rufe zu ihrem 1. Regimentsappell hier in Gießen gefolgt sind. Nahe 400 Kameraden waren es, darunter etwa 20 Offiziere, die sich an diesem Abend herzlich verbunden sahen. Nach den frischen Klängen der Musikkapelle des Kavalle rievereins in Sulzbach( Saar) richtete der letzte aktive Komman deur dieses ehemaligen stolzen 14. Dragoner- Regiments, Oberst Frhr. Westerweller von Antony fernige Worte der Begrüßung und des Dankes an seine Kameraden. Es freue ihn ungemein daß das Signal zum Sammeln so außerordentlich viele ver­einigt habe, trotz all den vielen Schwierigkeiten, die einem sol­chen Fest entgegenstehen, die zu beheben die Kameraden Major a. D. Weber- Karlsruhe, der Geschäftsführer des Bundes Major a. D. v. Fisenne- Charlottenburg und nicht zuletzt Kamerad Lehr­mund- Gießen gern bemüht waren und auch die Aufgabe gut gelöst haben. Mit dem Wunsche, treue Kameradschaft und un­erschütterliche Liebe zum Vaterlande allerzeit zu betätigen schloß der Redner und das Deutschlandlied erscholl mächtig durch den schön geschmüdten Saal.

Den Geschäftsbericht des Verbandes der ehem. Kurmärker­Dragoner gab der Verbandsgeschäftsführer, Major a. D. v. Fi­senne- Berlin, bekannt. Mehr als 1200 Kameraden, darunter nahe 180 Offiziere gehören der Vereinigung an, die mit ihren Beiträgen recht bald ein Kurmärker- Dragoner- Denkmal bei Alt­Breisach am Rhein errichten wollen. Major Weber- Karlsruhe gab bekannt, daß es gerade für die Kurmärker außerordentlich schwierig gewesen ist, die ehemaligen Angehörigen des Regi­ments für den Bund zusammen zuführen, weil die betreffenden

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Kameraden im ganzen Reich sehr verstreut leben und weil vom Regiment gar keine Atten mehr vorhanden sind. Andere Regi gimentsvereinigungen haben das bedeutend leichter gehabt.

Der frühere Schwadronschef im Kurmärker- Dragoner- Regi ment Nr. 14, der aus dem Welkrieg bestens bekannte General oberst v. Einem, hatte ein herzlich gehaltenes Begrüßungs schreiben gesandt, das neben vielen anderen gleichen Briefen zur Verlesung tam.

Bliden wir zurüd auf den Verlauf des Festes, dann kann auch hierzu gesagt werden: Es war ein voller Erfolg!

Die vaterländische Sache gewinnt auf der ganzen Linie!

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* Wir bringen in Erinnerung, daß das Ausklopfen, Aus schütteln, Abkehren von Bettwert, Teppichen, Kleidungsstücken, Staubtüchern und ähnlichen Gegenständen nach Straßen und öffentlichen Blähen hin gemäß§ 366 3iffer 8 des Reichsstraf gesetzbuches und Art. 292 des Polizeistrafgesetzes unstatthaft und mit Strafe bedroht ist. Weiter machen wir darauf aufmerksam, daß das Klopfen von Teppichen, Bettwert, Möbeln und der gleichen, sowie ähnliche mit Geräusch und Staubentwicklung verbundene Verrichtungen regelmäßig nur werktags in den Bormittagsstunden zwischen 8 und 12 Uhr vorgenommen werden

jollten.

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Erscheint: Samstags.

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40. Jahrgang

Straßenbahnunglück in

Die Stadt Kassel ist von einem Straßenba elemer Schwere heimgesucht worden. Neun F sen) haben den Leichtsinn eines Unbefugten, bremje eines Straßenbahnwagens löjte, mit dem mien Siele Passagiere wurden schwerer ver richt ausgeschlossen ist, daß sich die Zahl der Tote frählicher Stimmung hatten sich die meisten hie von einem Ausflug zurüdkehrten, auf den M e ahnten nicht, daß es eine Fahrt in den Tod Die Berunglädten stammen größtenteils aus K gebung, doch sind auch mehrere Personen aus a ten unter den Verlegten. Die Kasseler Katast Grinnerung an das große Straßenbahnunglück i falen am 18. Juni 1924 wach, bei dem 21 P und etwa 30 schwer verletzt wurden.

* Gesundene und verlorene Gegenstände. Das Verzeichnis über die in der Zeit vom 1. April 1927 bis 1. Mai 1927 auf dem Fundbüro als gefunden und verloren gemeldeten Gegenstände liegt auf dem Polizeiamt, Weidengasse Nr. 5, Zimmer 3, zur Einsicht offen.

* Für Fahrverkehr gesperrt. Wegen Vornahme von bruchsarbeiten des Hauses Kaplansgasse Nr. 2 ist die Kaplans gasse bis 20. Mai 1927 vom Kreuzplatz bis zur Katharinengasse für jeglichen Fuhrwerks und Fahrverkehr gesperrt worden.

* Zwidauer Bergknappen im Dienste der Wohltätigkeit. Der Wohltätigkeitsbund Glückauf" für die Aermsten der Ar men, e. V., Siz Zwidau Sa., eine im Dienste praktischer Näch stenliebe stehende Vereinigung, plant die Errichtung eines Al­ters und Invalidenheims für die durch Alter oder Unfall ar beitsunfähig gewordenen Bergleute des Zwidauer Steinkohlen bedens. Um nun die erforderlichen Barmittel zu lösen, hat der Bund 5 junge Bergknappen gewonnen, die eine Werbereisen unternehmen und auf der sie Postkarten und erzgebirgische Handschnitarbeiten verkaufen. Sie erscheinen in Bergmanns­tracht und führen einen Kohlenhunt mit sich. Das Unterneh men, das grundreell ist, hat bisher stets Entgegenkommen der Behörden und Bevölkerung gefunden und wir möchten auch von uns aus Beachtung und Unterstützung in Anbetracht seines Selbsthilfezwedes empfehlen.

Aus Nah und Fern.

Bad Nauheim. Am 2. und 3. Juni ds. Js. findet hier der 5. Bad Nauheimer Fortbildungslehrgang für Aerzte statt. Be handelt wieder diesmal das Thema Arhythmien des Herzens". Vorträge werden gehalten von Proj. Koch Berlin, Prof. Haber landt Innsbrud, Prof. Winterberg Wien, Prof. von Hocẞlin Berlin und Prof. Boden- Düsseldorf. Die wissenschaftliche Ar­beit des Lehrganges wird von gesellschaftlichen und fünstleri schen Veranstaltungen umrahmt.

Friedberg. Die Werbewoche des V. D. A. bekommt für unsere Gegend eine besondere Bedeutung durch die Anwesen heit von Pastor Schmidt aus Tondorn( Nordschleswig), des ein zigen deutschen Abgeordneten im dänischen Reichstag. Der füh rende Auslandsdeutsche wird auch in Friedberg spre..jen.

Laubach. In der letzten Gemeinderatssitzung wurde dem Voranschlag für 1927 mit 159 604 Mart in Einnahme und Aus­gabe zustimmt; als Gemeindeumlagen sollen 10 000 Rmt. erhoben werden.

Offenbach. Der Hessische Schmiedemeisterverband und der Hessische Schlossermeisterverband halten ihre Verbandstage in Offenbach am 28., 29. und 30. Mai ab. Hieran ist eine große öffentliche Fachausstellung im Stadtgarten angegliedert. Verantwortlich: Paul Christian Klein in Gießen.

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