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Sonnabend, den 13. August 1927.

,, Gießener Zeitung"

Antrag der Länder oder Gemeinden ebenfalls auf die Reichs- gierung u. a. vorschreiben, daß auf den Padungen oder Behält­finanzbehörden übergehen. Nach dem neuen Entwurf obliegen den Reichsfinanzbehörden grundsäglich nur die Festsegung und Zerlegung der Hauptsteuerbeträge bei den Realsteuern sowie die Festjehung und Zerlegung der Gebäudeentschuldungssteuer, wo bei die Borbereitung, die Nachprüfung, die Steueraufsicht, das Rechtsmittelverfahren und das Strafverfahren eingeschlossen sein sollen. Alle übrigen Berwaltungsgeschäfte auf dem Gebiete der Realsteuern, der Gebäudeentschuldungssteuer und der Landes­stempelsteuern sollen nur auf Antrag der Landesregierungen auf die Reichsbehörden übergehen.

Bei der Bestellung der Steuerausschüsse sollen die ehrenamt­lichen Mitglieder nur zur Hälfte von den Organen der Selbst­verwaltung, zur andern Hälfte aber nunmehr von öffentlich­rechtlichen berufsständischen Vertretungen gewählt werden.

Die grundsäglichen Borschriften über die einheitliche Steuer­veranlagung und den einheitlichen Feststellungsbescheid sind im wesentlichen gegenüber der früheren Vorlage erhalten geblieben.

Verbot bezahlter Nebenbeschäftigung von Staatbeamten.

Der Disziplinarhof für die nichtrichterlichen Beamten fällte am 16. Mai ds. Js. zur Frage der Uebernahme bezahlter Ne­benbeschäftigung von Staatsbeamten eine Entscheidung, worin er auf Grund der Bestimmungen der Kabinettsorder vom 14. Juli 1839 zu einer Ablehnung der Nebenbeschäftigung fam. Nach dieser Berordnung darf ein Staatsbeamter eine Nebenbeschäf= tigung ,,, mit welcher eine fortlaufende Remuneration verbunden ift", ohne vorherige ausdrüdliche Genehmigung der vorgesetzten Zentralbehörde nicht übernehmen. In dem vorliegenden Falle hatte ein Beamter in erheblichem Umfange ohne Genehmigung seiner vorgesetzten Dienstbehörde fortgesetzt für Gemeinden oder Privatpersonen, die an ihn herantraten, gegen Entgelt Gutachten erstattet, Sagungen entworfen, Grundbuchangelegenheien bear­beitet und dergleichen. In der Begründung der Entscheidung wird darauf verwiesen, daß die Gefahr der Zersplitterung be­sonders nahe liegt, wenn die Rebentätigkeit des Beamten zu einer ständigen Einnahmequelle für ihn wird. Falls die Ne­ben beschäftigung wegen der damit verbundenen Einnahme un­ternommen wird, besteht stets die Befürchtung, daß der Beamte durch diese Tätigkeit von den Aufgaben seines Amtes mehr ab­gelenkt werde, als es mit den dienstlichen Belangen vereinbar ist. Die Prüfung der Frage, ob ein solcher Nachteil für den Staat zu erwarten sei, ist der eigenen Entscheidung des Beamten entzogen, soll vielmehr ausschließlich der vorgesetzten Behörde überlassen bleiben. Ohne Bedeutung bleibt dabei, ob der Be­amte seine Rebentätigkeit zu Gunsten eines einzelnen Arbeit­gebers ausübt, und aus dieser einheitlichen Quelle seine Remu­neration bezieht oder ob er sie in den Dienst der Allgemeinheit stellt und von Fall zu Fall seine Vergütung erhält, wie dies zum Beispiel bei der Tätigkeit eines Rechtsanwaltes zutrifft.

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Das Lebensmittelgesetz.

nissen, mit denen Lebensmittel an den Verbraucher abgegeben werden, oder auf den Lebensmitteln selbst Angaben über die Zeit der Herstellung sowie über den Inhalt nach Art und nach Maß, Gewicht oder Anzahl angebracht werden. Vor Erlaß sol­cher oder der sonstigen vorgesehenen Bestimmungen ist der Reichs­gesundheitsrat zu hören, der durch Eachverständige aus den Kreisen der Erzeuger, der Händler, der Verbraucher und der Fach­wissenschaft zu verstärken ist. Zur Ueberwachung der Vorschriften find die Polizeibeamten oder die von der zuständigen Behörde beauftragten Sachverständigen befugt, die notwendigen Räume während der Arbeits: oder Geschäftszeit zu betreten, dort Be­fichtigungen vorzunehmen und gegen Empfangsbescheinigung Pro­ben nach ihrer Auswahl zum Zwede der Untersuchung zu fordern und zu entnehmen. Ein Teil der Probe ist, soweit nicht der Besitzer ausdrücklich darauf verzichtet, amtlich verschlossen oder verfiegelt zurückzulassen, und für die entnommene Probe eine an­gemessene Entschädigung zu leisten. Als Sachverständige können auch die von den Berufsvertretungen und Berufsverbänden der Landwirtschaft, der Industrie, des Handwerks und des Handels zur leberwachung der Betriebe bestellten technischen Berater be­rufen werden. Die Landesregieurngen fönnen bestimmen, daß die Polizeibehörde ihre Sachverständigen ermächtigen kann, un­aufschiebbare Anordnungen zum Schutze der Lebensmittel gegen Berunreinigung und Uebertragung von Krankheitserregern vor­läufig zu treffen oder beanstandete Lebensmitetl vorläufig zu beschlagnahmen. Die Geschäftsinhaber sind verpflichtet, die Be­amten und Sachverständigen bei der Ausübung ihrer Befugnis zu unterstützen. Die Beamten und Sachverständigen ihrerseits schäftsgeheimnisse sowie über sonstige Kenntnisse einzelner Be­übernehmen die Verpflichtung, über gewonnenen Einblid in Ge­triebe Verschwiegenheit zu beobachten. Der Vollzug des Gesetzes liegt den Landesregierungen ob. Die Reichsregierung stellt mit Zustimmung des Reichsrats die zur Sicherung der Einheitlichkeit stellung von geeigneten Sachverständigen und die Gewährleistung des Bollzugs erforderlichen Grundsätze, insbesondere für die Be­ihrer Unabhängigkeit, jest. Landesrechtliche Bestimmungen, die den Behörden weitergehende Befugnisse geben, bleiben unbe­rührt. Das Gesetz tritt am 1. Oftober 1927 in Kraft.

Von den noch erforderlichen Grundsätzen darf erwartet wet­den, daß sie in ihren Anweisungen nur soweit gehen, als not­wendig ist, damit schließlich auch das Gewerbe vor unnötigen Untersuchungen und Nachforschungen verschont bleibt. Leider wird wieder kein einheitliches Recht geschaffen, da unverständ­licherweise weitergehende Landesbestimmungen bestehen bleiben.

Spartassentag in Kiel.

In diesem Jahre findet der Allgemeine Deutsche Sparkassen­und Kommunalbankentag in Kiel in der Zeit vom 31. Auguſt bis 1. September statt. Für den 31. August sind interne Sizungen der Verbandsorgane und eine Versammlung der Spar­tassenbeamten vorgesehen, auf der Vorträge über betriebsorga= nisatorische Fragen gehalten werden. Die Haupttagung am 1. Sept. behandelt die Beziehungen der Sparkassen zum Mittel­stand. Die Vortragsthemen lauten:

,, Der neue Mittelstandsbegriff", Referent Universitätsprofessor Dr. Bredt Marburg;

Zeitgemäße Mittelstandspolitit", Referent: Oberregierungsrat Dr. Höpker, Vizepräsident des Preuß. Stat. Landesamts, Berlin;

Dr. Schall- Stuttgart;

Das Gesetz über den Verkehr mit Lebensmitteln und Be­darfsgegenständen ist am 5. Juli ds. Js. im Reichsgesetzblatt ver­tündet worden. Als Lebensmittel werden alle Stoffe bezeichnet, die dazu bestimmt sind, in unverändertem oder verarbeitetem Zu­stand von Menschen gegessen oder getrunken zu werden. Ihnen werden gleichgestellt Tabat, tabakhaltige und tabakähnliche Er­zeugnisse. Als Bedarfsgegenstände werden aufgezählt Geschirre jeglicher Art, die mit Lebensmittel in unmittelbare Berührung ,, Sparkassen und Wohnungsbau", Referent: Finanzminister a. D.. tommen, ferner u. a. Schönheitsmittel, Bekleidungsgegenstände und Farben. Jede Beeinträchtigung der Lebensmittel derart, daß ihr Genuß die menschliche Gesundheit zu schädigen geeignet ist, wird verboten, ebenso die Nachahmung und Verfälschung von Lebensmitteln zum Zwede der Täuschung im Handel und Ver­tehr. Verboten wird ferner, verdorbene, nachgemachte oder ver­fälschte Lebensmittel ohne ausreichende Kenntlichmachung anzu= bieten, bezw. zu verkaufen sowie Lebensmittel unter irreführen­der Bezeichnung, Angabe oder Aufmachung feilzuhalten, bezw. zu verkaufen. Zum Schutze der Gesundheit kann die Reichsre­

Ein evangelischer Märtyrer.

Zur 400. Wiederkehr des Todestages von Leonhard Kaiser, verbrannt am 16. August 1527.

Bericht von Otto Michaelis*). Mit einem Auszuge aus dem Nachwort von Luthers Schrift über Leonhard Kaiser.

Leonhard Kaiser war gebürtig aus Raab bei Passau, stand anderthalb Jahre in Wittenberg im engen Verkehr mit Luther und seinen übrigen Lehrern. Als ihm die Kunde zukam, sein Vater sei schwer erkrankt und sehe seinem Ende entgegen, eilte er im Januar 1527 in die Heimat zurück und traf den Vater noch zwei Stunden vor dessen Tode. Dann aber verfiel er selbst in eine Krankheit, die ihn fünf Wochen festhielt, und so gewann der Pfarrherr zu Raab Zeit, ihn bei den kirchlichen Oberen anzugeben und seine Gefangennahme zu bewirken." Er wurde in ein Ge­fängnis geworfen, darin es Mäuse und Stanks genug hatte." Bei dem Verhör widersetzte er sich allen Bemühungen, ihn zum Widerruf zu bringen. Man müsse Glauben und Werke so weit voneinander scheiden als Himmel und Erde, Engel und Teufel; nur nichts vor Gott mit Werken gehandelt, sondern Christo allein die Ehre gelassen!... Er glaube, daß Deutschland das Evangelium noch nie gehabt, noch recht gehört habe."

Da er durchaus nicht zu gewinnen war, so wurde er in seinen schaurigen Kerker wieder zurückgeführt und aufs neue einer furcht­baren Einsamkeit hingegeben. Aber die Geduld des gefangenen Kaiser war fest, sein Glaubensmut unerschütterlich.

Ein schönes Zeugnis davon ist ein Brief an den Magister Stiefel. Dieses Schreiben, welches einen tiefen Einblick in das herrliche, erleuchtete und standhafte Gemüt Kaisers tun läßt, be­ginnt folgendermaßen: Gnade und Friede von Gott, unserm Vater, und dem Herrn Jesu Christo! Freuet euch mit mir, mein allerliebster Bruder in Christo, daß der einige, allmächtige Gott, der Vater der Barmherzigkeit und Gott alles Trostes, mich, seinen *) Aus der soeben erschienenen Neubearbeitung des prote stantischen Märtyrerbuches, Bilde: und Urkunden der evangeli. schen Märtyrergeschichte aus vier Jahrhunderten.( J.& Stein­topf, Cuttgart, gebd, Mt. 5.50.)

,, Mittelständischer Betriebskredit der Sparkassen", Referent: Di= reftor Wenhold Bremen.

Außerdem wird der Präsident des Deutschen Sparkassen­und Giroverbandes, Geh. Reg. Rat Dr. Kleiner, einen zu sammenfassenden Bericht über das abgelaufene Geschäftsjahr und die wichtigen Verbandsangelegenheiten geben. Der Sparkassentag in Kiel ist die vierte große Tagung des im Jahre 1924 gegründeten Einheitsverbandes. In den Vorjahren fanden die Tagungen in Stuttgart, Köln und Augsburg statt.

unwürdigen Diener und großen Sünder, wert geachtet des felia gen Berufes, daß ich vor der argen Welt seinen heiligen, füßen und gebenedeiten Ramen bekennen foll. Gelobt sei er in Ewig teit! Amen!"

Indessen mochte ihm doch wohl mitunter in seinem Gefängnis funft vormalten. das Herz bang werden, wenn Fleisch und Blut ihm die Zu Manchmal nahten sich ihm in dem Dunkel seines Gefängnisses schwere Anfechtungen. Oft war sein Inneres so düster und öde, wie seine Umgebung. Doch dauerte solche Beängstigung nie lange; er fand allemal nach dem harten Kampfe den wahren Trost und Frieden in dem Herzen wieder. ,, Lieber N.", schreibt er an einen Freund, Du weißt meinen Unfall, des alten Adams halben, welcher da in der Hölle ges peinigt wird, und ihm sehr wider ist, und erhebt sich oft in Una geduld, wider Gott zu murren, gleich als geschähe ihm groß Un­recht; so ist doch( wiewohl schwach), der Geist vorhanden, tut ihn wieder trösten. O wie gar armselig und matt derselbe ist, flag ich Gott und Dir; mein lieber N., bitte Du Gott für mich, daß er gestärlet werd!" Und weiter unten: Ich habe wohl bei mir beschlossen, wie Paulus Röm. 8,28 sagt, daß weder Tod noch Leben, weder Engel noch Gewalt mich soll abwenden von der Liebe Gottes und seinem heiligen Wort. Es sind aber zwölf Stunden des Tages; dazu liegt es auch nicht an jemandes Wol­len oder Laufen, sondern an Gottes Erbarmen, wie er sagt Kap. 9. Derhalben ist es lauter Gnade, so ich beständig bleibe, und gar nicht meines Tuns: es stehe oder falle der Mensch, so stehet oder fället er durch Gott." Indes heißt es im folgenden: Ich lasse es wohl geschehen, daß Du vor allen Dingen Gott meine Sache heimstellen, der hat mich hereingeworfen in das Loch, wie­wohl der alte Adam oft dawider strebet und sagt: du wärest dieses Unglücks wohl müßig gegangen; man hat dich oft ge= nug gewarnt, du solltest dich hüten usw. usw. Weil aber Chriftus Matth. 10, 29 spricht: Kauft man nicht zween Sperlinge um einen Pfennig? Und die Haare eures Kopfes find alle gezählt, und keines fällt vom Kopfe ohne den Willen eures Vaters: so muß ja der Adam hier stille halten und sprechen: Es sei Gottes Wille."

Am Morgen ds 16. August ward Kaiser auf den Gries, eine Insel im Inn, gebracht, wo man den Scheiterhaufen hergerichtet

Lokales.

Nr. 33 Sonnabend, den 13. Auguft 1927

gelijde Jugend gerade in den Jahren, die pi Leben entscheidend find, über alle trennend tagligen Lebens hinweg hinzuweisen auf das Kraft des Glaubens. In diesem Jahre fi gaft statt. Zu seiner Feier in den einzeln Borbereitungen im Gange.

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Seffischer Berkehrsverband. Am Mittm that in Darmstadt der Vorstand des Heff. Ve mitigen Beratungen zusammen. Der Vorfi Darmiadt, widmete zunächst dem verstorbenen Setter Herrn Selbst( Oppenheim) Worte Auch der Verdienste des verstorbenen M Stano gedachte er. Hinsichtlich der Fahrr Verband, der namentlich auch, soweit Db tommt, bei wichtigen Besprechungen in Gießer Nauheim vertreten war, eine besonders rege T Straßeniperrunge mitgeteilt vom Oberhessischen Automobil- Clu Sahlgons- Bußbach, im Straßenzug Gießen für alle Fahrzeuge, vom 12. August bis a leitung: Langgons- Holzheim- Gambach Saalburg- Wehrheim, im Straßenzug Franti alle Fahrzeuge, bis auf weiteres; Umlei -Anipad.

Eine merkwürdige Verfassungsfeier. Gießen, den 12. Auguft. Zur Verfassungsfeier für unjete Stadt hatten der Provinzialdirektor Graef und Oberbürget= meister Keller äffentlich eingeladen. Die Musikkapelle des 1. Bataillons Jnj- Regt. 15 eröffnete die Feier, die im Stadt­theater stattfand, mit Beethovens Ouvertüre zu Egmont". Provinzialdirektor Graef betonte in seinen Einleitungsworten, daß unsere Verhältnisse im Innern wie auch außerhalb fester geworden sind und die neue Staatsform nicht mehr so um stritten werde. Man solle aber auch soviel Gerechtigkeit walten lassen und diejenigen nicht verdammen, die den neuen Great einerseits bejahen, aber auch das, was ihnen am alten Staat als groß erscheine, nicht heruntergezogen wissen wollen. Diese sehr verständigen und versöhnenden Begrüßungsworte, welche einen tiefen Eindruck machten, hat der Hauptredner des Abends, Ober­studienrat i. R. Professor Hüter, in geradezu herausfordernder Weise durch verletzende Aeußerungen starf verdunkelt. Derfelbe bezeichnete die Deutschnationalen als Muß- Republikaner, im Hinblick, daß die republikanische Staatsform gefiegt habe. Professor Hüter ging auch auf die Geschichte der letzten Jahre vor dem Kriege ein, die eine reine Fürstengeschichte gewesen jei. Hierbei tritificate der Redner mit einer eigentümlichen beißenden Echärfe die Hohenzollern, namentlich auch den frü heren Kaiser Wilhelm II. Ein Teil der Anwesenden fühlte sich durch eine so parteipolitisch gefärbte Feftrede sehr pein lich berührt. Als der Redner immer weiter über das frühere monarchistische System und das frühere Reichsoberhaupt herfiel, verließen der Bataillonstommandeur, die in seiner Begleitung befindlichen Offiziere, die zahlreich erschienenen Unteroffiziere u. die Militärkapelle den Saal, wobei bei dem Forigang der Ka pelle Pfuirufe aus dem Bublifum ertönten. Wie sehr der Red ner ganz linksparteiisch eingestellt war, beweist, daß er am Schluß seiner Rede u. a. Wilh. Liebknecht als einen großen Sohn der Provinz Oberhessen bezeichnete. Nach dieser Berfassungs feier, die u. a. frei von irgendwelcher parteipolitischer Tendenz hätte sein müssen, zog das Reichsbanner Schwarz- Rot- Gold durch die Stadt, gefolgt von Kindern und Jugendlichen mit einer großen roten Fahne.

* Berunglückt. Der 40jährige Arbeiter Philipp Faber aus Großen- Linden wurde auf dem Güterbahnhof beim Ausladen von Kleinbahnschienen von einem umtippenden mit Schienen bela denen Kippwagen zu Boden geschlagen und so schwer verletzt, daß er bald darauf verstarb.

* Ehrenmitglied des Oberhessischen Kunstvereins. Aus An laß jeines 70. Geburtstages wurde Geh. Rat: Prof. Dr. h. c. Karl Banger in Anerkennung seiner um den Kunstverein erworbenen Berdienste die Ehrenmitgliedschaft verliehen.

* Neue Freimarken. Aus Anlaß der am 1. Auguft einge­tretenen Gebührenerhöhung, bei der Post wird eine neue Frei marke zu 8 Pfennig herausgegeben. Diese Marte trägt das Kopf­bildnis Beethovens wie die Marke zu 20 Pfg.- in dunkel

grüner Farbe.

* Evangelischer Landesjugendsonntag. Die evangel. Landes firche in Hessen, als die einzige in Deutschland, hat den Landes. jugendsonntag eingerichtet, um an diesem Tag die gesamte evan

Weiße Zähne

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hatte. Die Glaubensfreudigkeit, die ihn während der ganzen Gefangenschaft nicht verlassen hatte, hielt auch jetzt im Angesicht des Todes stand. Als man ihn band, bat er das Volt, Komm, heil'ger Geist" zu singen. Und so geschah es; als die Flammen emporzüugelten, stimmten die Anwesenden, von dem herzzer brechenden Anblid erschüttert, den Gejang an. Unterdessen trat der Priester, der bereits auf dem Wege Kaiser anzuzeden ver sucht hatte, an diesen heran und rief ihm zu, er solle Gott um Gnade bitter, wenn er in einem Artikel gefehlt hätte. Darauf schwieg Kaiser. Als jener ihn aber nun fragte, ab er sterben wolle ,, wie ein frammer Christ", sagte er: Ja. Da flammte das Feuer an ihm empor. Aus der Lohe heraus hörte man noch die vom Rauche halb eritidte Stimme des Brennenden: Jesus ich bin dein, mach mich selig."

Als Luther, der an Kaisers Geschick den lebhaftesten Anteil güdllicher, wie wenig tomme ich unserm Leonhard gleich, der ich mit genommen hatte, seinen Märtyrertod hörte, rief er aus: ,, Jch Un vielen Worten predige, diesem mutigen Täter des Worts! Wer wird mich dessen einmal würdig machen, daß ich nicht mit doppelt so großem Geist, sondern nur mit der Hälfte seines Geistes, den Satan überwinde und aus diesem Leben scheide?... Er heißt bin ich nicht ein König bloß, sondern ein Kaiser, weil er denjenigen besiegt hat, dessen Macht tein anderer auf Erden gleichkommt er ist nicht bloß ein Priester und wahrer Papit, der also seinen Leib zum Opfer gebracht hat, er, ein rechter Leon hard, das ist Löwenhart" usw. Vielleicht ist Luthers Ein' feste Burg" in den Tagen, da er sich so viel mit Kaiser beschäftigte, entstanden. Als es sich während des Reichstages zu Augsburg darum handelte, ob man den Gegnern Zugeständnisse machen dürfe, mußte Luther unwillkürlich wieder an Kaiser denten. Ja, lieber Papst" jagt er ,,, gebt uns wieder Leonhard Kaiser und alle, die ihr unschuldig erwürgt habt,... dann wollen wir von Res stitution handeln."

Sein Biograph F. Roth charakterisiert Kaiser folgender­magen: Er war eine echt fittliche, charaktervolle Natur, von tiefer innerlicher Religiofität, geschmüdt mit allen Gaben des Geistes und Herzens, die angenehm machen vor Gott und den Menschen; fein Märtyrer von dem gewöhnlichen Schlag der Le­gende, der welterstorben und in astetischer Weltflucht sein Ge­

Die Sperrung der Straße Gießen- Rodh ist ab 14. de. Mts. für die Teilstrecke Windh axigehoben. Umleitung für die dann noch ge Gichen- Windhof über Klein- Linden- Heuche

Mus Nah und Fe

Nidda. Hier wurde mit dem Bau eines n bäudes begonnen, das sieben Klassenzimmer Fiben Nebenräume für modernen Schulbetrieb Bad Nauheim. Der diesjährige Provinzialp hen Boltspartei, der am 21. Auguſt ds. Js. fattfinden sollte, ist verschoben worden. Vo et jest Ende September statt.

Friedberg. Der Verband der Hessischen G tertumsvereine hält am 20. und 21. August ordentliche Tagung in Büdingen ab. Mit bedeutsame Vorträge verbunden. Die Tagung Helen von besonderer Bedeutung.

Südingen( Oberhessen). Am Dienstag s heitsarbeiter Heinrich Weidling wegen versch festgenommen werden. Als die Beamten ersch im Sette. Beim Ankleiden zog er plötzlich e brachte dem Polizeibeamten Kaltenschnee ein in die Halsschlagader bei. Weidling gelang barte Scheune zu entkommen, wo er sich entleibte.

Schotten. Die Frau eines Müllers in beim Abstellen des Triebwertes mit den Klei werk der Mühle. Dadurch wurden ihr die geriffen und das rechte Bein in das Trieb wobei sie schwere Quetschungen erlitt. G die Räder bald zum Stillstand, da das W gestellt war.

Schotten. Die Sommerfrischen und L berg haben in diesem Jahre erfreulicher wöhnlich starten Zuspruch aufweisen.

Dr. Wilhelm Bernbe Darmstadt. Jn Lindau am Bodense schwerer Krankheit der Vizepräsident de und der Kirchenregierung, Geh. Oberkonsi belm Bernbed. In allen seinen Aemtern Ausgezeichnetes geleistet.

Bfungstadt. Am 20. August finde Biungstädter Zuchtviehmarkt statt. Währe beiden folgenden Tagen hat das Pfungstä um eine Ausstellung geplant, die den fri

schid refigniert über sich ergehen läßt, sond pfer, der fast bis zum letzten Augenblick w den fich ihm darbietenden Lodungen gege der Berleugnung seines Glaubens das L

Schwäche fühlt, aber doch endlich den S gerade diese menschlichen Züge sind es, die i Aus dem Nachwort von Luthers S Raifer.

,, Euch Tyrannen und wütigen Papisten nen und bitten, daß ihr doch euch wöltet, Jehn, und ob ihr ja nicht gläuben wolltet doch euch nicht in unschuldig Blut so jämn fehet und höret, daß dennoch Gott eur Tei ich nicht will nennen). Der Papst, eur A halbem Karrn und hat das gemein Gebe

Gott warnet euch mannigfältiglich und ruf wenn ihr gleich hoch wütet, so ist unser Le gelium, wie ihr selbst wisset, daß wir Chri digen, dazu die weltliche Obrigkeit also pre hrem Recht und Ehren bringen, als sie zu Denn ihr wisset selbst, daß bisher weltlid Basten schier mit Füßen getreten ist. benn? Warum vergießet ihr unschuldig und Rot, so wir euch doch mit unser Lehre Gut aufs allerhöchst und fleißigst dienen? Wollt ihr ja zornig sein und Ungla thuts! Ihr habt den Türken. Da sollt ihr fuchen, wenn ihr ja willens wäret, Unglaube

i niemand zu triegen hetzen will. Aber wollt und das Messer so lose steckt oder die szufrieden, daß man sich an die machte is erftreiten und die Mannheit und Hari nicht an die elenden Unschuldigen, so Stille und Friede leben, dazu uns aufs höch mit Lehren. Es find häßliche feindselige Tie tet einender würgen, wie die Wölfe tun, w Brautlauft haben. Aber viel feindseliger ist

andre frist und verderbet, wie mir ist leide